Grand Prix de Confusion de la Föderation – Oder die völlig schräge Nummer mit dem Sing-Sang von Visitor
Hinweise zur Geschichte:

Star-Trek-Kurzgeschichte

Grand Prix de Confusion de la Föderation – Oder die völlig schräge Nummer mit dem Sing-Sang von Visitor

Nugura hatte das Jahr des interstellaren Kulturaustausches ausgerufen und diesen Monat war Terra dran. Ein vielen sehr bekannter Gesangswettbewerb sollte ausgerechnet in unserem kleinen Little Federation ausgetragen werden. Vertreter aller Planeten der Föderation sollten daran teilnehmen.

Ich hatte Heimaturlaub und mir das ganze Geschehen angesehen. Jetzt hatten fast alle ihren Auftritt hinter sich. Alles wartete nun nur noch auf den Beitrag Demetas. Mir war bekannt, dass man in diesem die Erstkontaktspolitik der Föderation sehr aufs Korn nehmen würde. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her. Data und Cupernica, die mich begleitet hatten, war mein Verhalten auch aufgefallen. „Was haben Sie, Betsy?“, wollte Cupernica wissen. „Wenn die nicht bald kommen, haben sie automatisch verloren.“, zischte ich ihr zu. Dabei war ich ziemlich enttäuscht. Ich hätte den Beitrag nämlich gern gehört. Es sollte wohl darum gehen, dass die Politiker sich perdu nicht einigen konnten, ob sie mit den transwarbfähigen Borg oder der telekinetischen und damit noch schnelleren Sytania Erstkontaktsverhandlungen führen sollten.

Plötzlich kam die Managerin der Demetaner auf die Bühne und entschuldigte ihre Band: „Ladies and Gentlemen, leider werden wir heute nicht auftreten können, weil eines unserer Mitglieder große gesundheitliche Probleme hat.“ Ich musste lächeln, denn ich konnte mir die Probleme gut vorstellen. Einem Pressebericht zufolge sollte der Lishara-Spieler am terranischen Champagner genascht haben und das fand sein Körper wohl jetzt – im Wortsinn – ziemlich scheiße. Ich wusste aber auch, dass ich einmal geschworen hatte, den Mitgliedern der Föderation hilfreich zur Seite zu stehen. „Bringen Sie mich auf die Bühne, Data.“, bat ich. „Vielleicht kann ich helfen.“ „Haben Sie Erfahrung im Spielen alter demetanischer Instrumente?“, wollte der Android wissen. „Nein.“, flüsterte ich. „Aber dann gehe ich eben dort hin, wo noch nie eine Allrounder Betsy vor mir gewesen ist.“

Darauf wusste er nichts mehr zu sagen. Er brachte mich, baff wie er war, auf die Bühne und erklärte den verwirrten Sicherheitsleuten nur, dass ich im Dienst sei.

Ich stellte mich neben die völlig verwirrte Managerin und sagte: „OK, Lady, trommeln Sie die Band zusammen. Wir liefern denen jetzt die heißeste Show, die die je gesehen haben.“ Sie verschwand hinter die Bühne und kam bald darauf mit der gesamten Band, außer dem erwähnten Krankheitsfall, zurück. Einer der anderen erklärte mir in gebrochenem Englisch das Instrument. Er schnallte mir zwei Manschetten um die Füße, welche mit dem Klangkörper des Instrumentes verbunden waren. Wenn ich an einer der befestigten Schnüre zog, veränderte der Klangkörper, der wie eine Gurke aussah, seine Form. Der Demetaner drückte mir noch eine Art Schläger in die Hand. „Du schlag drauf fest.“, erklärte er. Dadurch geriet der Klangkörper in Starke Schwingung, was ihm einen Grundton entlockte. Durch meine Schritte konnte ich die Tonhöhe verändern, denn das seltsame gurkenförmige Rohr wurde entweder kleiner oder größer. Die Sängerin summte mir kurz die Melodie ins Ohr. Dann ging es los.

Dafür, dass ich die Töne auch wirklich traf, sorgte der Vortänzer. In seine Choreographie hatte er kleine Schrittchen eingebaut, die meine Füße mitzogen, weil er sie durch einen dünnen Bindfaden mit den Seinen verbunden hatte. Keiner hatte etwas gemerkt.

Es fiel mir verdammt schwer, angesichts des Textes, der von einer Computerstimme ins Englische übersetzt wurde, ernst zu bleiben. Aber auch das Publikum stand angesichts des bissigen Humors des Stückes Kopf und wollte glatt noch eine Zugabe, da war es noch gar nicht zu Ende.

Besonders bei der letzten Strophe entleibte ich mich selbst fast vor Lachen. „Mit fnem Schwarzblitz, zielgerichtet, hat den Kubus sie vernichtet und marschiert nun wunderfein in Nuguras Büro rein. SITCH-Mail aus dem Aktenkeller, nehmt Sytania, die ist schneller. Denn selbst der Dümmste hat kapiert, wie die Sache funktioniert. Nugura freut sich, schmeißt fne Feier doch bemerkt sie nicht, oh weia, dass so völlig nebenbei schlittern wir in Sklaverei. Oh, wie wunderfein können Erstkontakte sein. Oh, wie wunderschön, schon wieder ist’s gescheh’n.“, war der Text, nach dem es endete.

Die ganze Truppe zog mich mit sich hinter die Bühne und überhäufte mich mit „Tchinarin!“, was soviel wie „Dankeschön“ heißt. Micrin ,die Sängerin, die als einzige vernünftig Englisch konnte, meinte nur: „Du bist ein Naturtalent. Solltest du irgendwann mal von der Sternenflotte genug haben, nehmen wir dich gern auf.“

Plötzlich rauschte die Managerin, eine etwas untersetzte Terranerin, herein. „Menschenskinder, ihr seit gleich auf mit den Celsianern und es steht nur noch das vulkanische Ergebnis aus. Jetzt wird es spannend!“ Ich rechnete uns nicht viele Chancen aus. Die Spitzohren würden nie …

Sie musste die Tür offen gelassen haben. Anders ließ sich nicht erklären, dass ich alles, was im Saal passierte, hautnah mitbekommen konnte. Die platonische Moderatorin und ihr zeonider Kollege begrüßten die vulkanische Jury mit den Worten: „Kommen wir nun zum letzten ausstehenden Ergebnis dieses Abends, dem Ergebnis der vulkanischen Jury. Hallo, Tuvok, hallo, T’Pring!“ Eine ernste Frauenstimme antwortete: „Hallo, Cinia, hallo, Mirus, hier sind die Ergebnisse der vulkanischen Jury.“

Ich überhörte vor lauter Aufregung fast alles. Kurz vor Ende aber stieß mich Micrin in die Seite: „Pass auf!“ Ich hatte sehr wohl mitbekommen, dass sich die Frau und der Mann bei der Verkündung der Punkte abwechselten. Jetzt war er dran. Sachlich trug er vor: „Und zum Schluss: Demeta: 12 Punkte.“ Damit hatte ich definitiv nicht gerechnet. Ausgerechnet die Vulkanier! Ich vermutete, dass meine Flexibilität, die sie einem Menschen nicht zugetraut hätten und die Überwindung sämtlicher Ängste und Aufregungen einen bleibenden Eindruck bei ihnen hinterlassen hatten. „Tja.“, meinte ich. „Sieht aus, als müssten wir noch mal raus.“

Der Weg zur Bühne bekam immer mehr das Aussehen meiner Matratze und ich erkannte, dass ich mal wieder nur geträumt hatte. Aber das machte nichts. So etwas Cooles konnte ruhig jeder Zeit wieder in meinem Kopfkino laufen.

Ende

 



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