Von Kunst, Königen und Krisenbewältigung

von Visitor
Zusammenfassung:

Im 30. Jahrhundert lädt Data Allrounder Betsy zu einer Kunstsession ein, die sich gerade gedanktlich mit einer Krisensituation in ihrem Jahrhundert auseinandersetzt, die ihr ernsthafte Sorgen bereitet. Während dieser Session gelangt sie mit Hilfe ihrer Freunde zu neuen Erkenntnissen...


Kategorien: Fanfiction > Star Trek Charaktere: Keine
Genres: Science Fiction
Herausforderung: Keine
Serie: Star Trek 3000
Kapitel: 1 Fertiggestellt: Ja Wörter: 1761 Aufgerufen: 1879 Veröffentlicht: 22.02.11 Aktualisiert: 22.02.11

Von Kunst, Königen und Krisenbewältigung

von Visitor

 

Ich saß allein in meinem Garten in Little Federation und hing meinen Gedanken nach. Irgendetwas stimmte nicht. Allerdings bezog sich das nicht auf meine jetzige Situation, sondern auf die, der ich mich im Augenblick in meinem Heimatjahrhundert ausgesetzt sah, was unsere Gruppe anging. Carlos hatte sich wieder ziemlich was geleistet, so fand ich. Seine extrem unpassende Reaktion hatte in mir Angst ausgelöst. Ich überlegte, ob Sytania eventuell einen zweiten Versuch gemacht haben könnte, ihn in ihre Gewalt zu bringen, aber andererseits kannte ich sie gut genug, um zu wissen, dass sie einen Trick, den man entlarvt hatte, kein zweites Mal versuchte. Was war also los mit ihm?

Ich hörte Schritte im Nachbargarten, die sich dem Zaun näherten und bald darauf klopfte jemand ans Tor. Diese uhrwerkgleichen Schritte konnten nur einem Androiden gehören, das wusste ich, dennoch waren sie zu schwer, um zu einer Frau zu gehören. Es konnte also nicht Cupernica sein. Aber da gab es ja noch Data, ihren Mann. „Kommen Sie ruhig rein, Mr. Data.“, grinste ich.

Er öffnete das Tor und betrat meinen Garten. „Woher wussten Sie, dass ich es bin, Allrounder?“, fragte er. „Ich habe Ihre Schritte erkannt.“, erklärte ich. „Faszinierend.“, erwiderte der Androide gleichmütig und setzte sich neben mich auf die Bank. „Ich kam her, um Sie zu einer kleinen gemeinsamen Kunstsession einzuladen.“, tat er seine Absicht kund. „Eine Session?“, fragte ich erstaunt. „Aber wie soll das gehen? Ich kann nicht malen und … Ach, dafür haben Sie doch sicher schon längst eine Lösung.“ „Das ist korrekt.“, antwortete Data, nahm meine Hand und führte mich in seinen und Cupernicas Garten hinüber.

Wir gingen an seiner Staffelei vorbei und er führte mich zu einem Stuhl, der vor einem großen Tisch stand. Auf dem Tisch lag ein riesiger Batzen Ton. Daneben standen eine Dose mit Wasser und eine mit Werkzeugen. „Habe ich mich Ihnen gegenüber korrekt verhalten?“, fragte Data, während ich mich setzte. „Ja.“, staunte ich. „Warum fragen Sie?“ „Ich frage, weil Sie die Erste mit Ihrer Behinderung sind, die ich je geführt habe. Geordi musste ich nie führen. Sollte ich in meiner Signalgebung zu grob oder gar missverständlich gewesen sein, bitte ich Sie, mich zu korrigieren.“ „Alles in Ordnung.“, lächelte ich. „Können wir dann anfangen?“, fragte er. Ich nickte, worauf er sich der Staffelei zuwandte.

Ich schnitt ein großes Stück Ton mit einem Draht von dem Batzen ab und machte daraus eine Platte. Dann töpferte ich kleine Figuren, die alle die Sitzfläche eines Thrones festhielten. Eine der kleinen Figuren jedoch hatte eine große Wunde im Herzen und war dadurch zu schwach, um den Thron weiter mit festzuhalten. Das stellte ich dar, indem ich sie in die Knie sinken ließ. Dadurch bekam der Thron, auf den ich jetzt einen König mit einem Schwert in der Hand setzte, natürlich Schlagseite. Ich ließ es aussehen, als würde der König mit dem Schwert auf die kleine Figur eingestochen haben und sie hätte ihre Wunde von ihm. Aber auch die kleine Figur war nicht unbewaffnet. Sie hatte Speere, die sie in Richtung des Königs und weiterer Könige und Königinnen warf, die ich noch dazu gesellt hatte. Alle Monarchen trugen Augenklappen. Ganz an den äußersten Rand der Platte stellte ich eine weitere kleine Figur, die mit eingezogenen Schultern und ängstlichem Blick alles beobachtete.

Data kam herüber und schaute sich mein Werk an. „Ich erkenne an den weiten Mänteln, den Thronen und den gekrönten Häuptern, dass es sich bei einem Teil Ihrer Figuren um Könige und eine Königin handeln muss. Die kleinen Figuren scheinen Untertanen zu sein. Ich erkenne, dass einige den Thron des zentral sitzenden Königs festhalten. Eine ist aber verwundet. Ich nehme an, sie hat ihre Wunde von dem Schwert des Königs und es sieht aus, als würde dieser auch auf noch mehr kleine Figuren einschlagen wollen. Die kleine Figur scheint sich verteidigen zu wollen.“

Ich begann zu zittern und warf mich in seine Arme. „Es bricht auseinander!“, schrie ich weinend. „Wenn Carlos so weiter macht, bricht es auseinander!“ „Verstehe.“, sagte er nüchtern. „Der König mit dem Schwert ist viel größer als die kleinen Figuren. Er würde gar nicht so eine große Waffe benötigen. Ich werte sein Verhalten als Überreaktion. Ich denke, genau das wollten Sie darstellen.“

Er hielt mich. Er hielt mich die ganze Zeit, auch während er seiner Frau über F-14-Code Bescheid gab: Cupernica, bitte komm her. Ich benötige deine Expertise.

Wenig später erschien die Gerufene auf der Bildfläche. Cupernica nahm mich Data ab und setzte mich wieder auf meinen Stuhl. Dann setzte sie sich neben mich und betrachtete ebenfalls meine Skulptur. „Was wir hier sehen, stellt die Angst des Allrounders dar, es könnte wieder so enden wie vor einem Jahr.“, referierte sie. Dann zeigte sie auf den König in der Mitte: „Ich nehme an, Allrounder, das ist Carlos.“ Ich nickte. „Dann ist die einzige Königin wohl Jenny, die Ex-Ehefrau von Mr. Rossman.“ Wieder nickte ich.

„Cupernica, ich habe eine Idee.“, mischte sich jetzt Data ein. „Bitte schalte deine Systeme für mich frei.“ Cupernica tat, was er gesagt hatte und er übermittelte ihr eine Datei. Cupernica sprach weiter, aber ihre Stimme klang jetzt wie die von Deanna Troi, mit der ich mich auch immer gut verstanden hatte. „Die anderen beiden Könige sind vermutlich auch Moderatoren von Plattformen im Kommunikationsnetz Ihrer Heimat.“ „Stimmt.“, sagte ich. „Deshalb also stellen Sie diese als Könige dar.“, sagte sie. „Ja, Cupernica!“, sagte ich mit leicht gereiztem Ton. Inzwischen war mir klar geworden, warum mich Data hergeholt hatte. Sie mussten mich beobachten, auch wenn ich im 21. Jahrhundert war. Die Sache mit der Weitergabe der guten Botschaft und so weiter. Würde unsere Gruppe durch Carlos’ Verhalten auseinanderbrechen, würde es damit schwierig.

Ich bemerkte, dass ich überreagiert hatte und entschuldigte mich: „Sorry, Cupernica. Es ist nur …“ „Nein.“, korrigierte sie immer noch mit Trois Stimme. „Deanna.“ Irritiert sah ich Data an. „Ich hielt es für besser so.“, sagte er. „Die echte Troi durften wir nicht holen, weil wir sonst die Geschichte verändert hätten, aber ich verfüge über die Aufzeichnung ihrer Stimme. Cupernica hat neben ihrer medizinischen auch eine psychologische Ausbildung.“ „Passt ja gut zusammen.“, sagte ich und hatte schon wieder ein Lächeln im Gesicht. Ich fühlte mich bei den Beiden gut aufgehoben. Sie würden es sicher schaffen, meine Angst zu vertreiben.

Data., wendete sich Cupernica in F-14 an ihren Mann. Bitte gib mir meine Stimme wieder. Ich werde noch einen der hier wohnenden Agenten holen. Sedrin oder Mikel können sicher noch viel mehr hierzu sagen. Schließlich geschieht in der Skulptur das eine oder andere Verbrechen. Sicher., gab Data auf gleichem Weg zurück und änderte ihre Funktion. „Entschuldigt mich.“, sagte Cupernica wieder mit ihrer eigenen Stimme und verließ uns.

Data sah noch einmal auf die Skulptur. „Ich nehme an, die Monarchen tragen alle eine Augenbinde, weil es blinde und stark sehbehinderte Monarchen sind.“, sagte er. „Hmm.“, machte ich und begann erneut zu schluchzen. „Ach, dieser selbstherrliche …“

Weibliche Schritte kamen um die Ecke. Cupernica war zurück und sie war nicht allein. „Ich habe Agent Sedrin mitgebracht.“, informierte sie uns. „Agent Mikel ist leider verhindert.“ Die Demetanerin gab mir fest die Hand, als wollte sie mich ihres Schutzes versichern. „Der Scientist hat mich über alles in Kenntnis gesetzt.“, sagte sie und warf einen kurzen Blick über die Tonfiguren. „Also, ich sehe hier mindestens eine Körperverletzung im übertragenen Sinne und auch Notwehr.“, sagte sie sachkundig. „Oh, und hier haben wir sogar eine Zeugin. Welche der Figuren sind denn wohl Sie?“, fragte sie mich, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie die Antwort eigentlich schon kannte. Ich zeigte auf die Figur mit den eingezogenen Schultern und dem ängstlichen Blick. „Dachte ich mir.“, meinte die Agentin. „Aber Sie haben einen wichtigen Teil vergessen. Data, würden Sie mir bitte einen Klumpen Ton besorgen?“ Der Androide nickte und ging ins Haus.

„Wollen Sie wissen, was bei uns geschehen ist?“, fragte ich. „Das wissen wir schon.“, entgegnete Sedrin. „Wir beobachten Ihre Kommunikation mit den Mitgliedern Ihrer Gruppe, weil Sie alle wichtige Multiplikatoren sind. Ihre Angst ist verständlich, weil Sie genau wissen, was auf dem Spiel steht. Seit der Sache mit Carlos und Sytania haben wir unsere Beobachtungen sogar noch verstärkt.“

Data kam mit dem Ton zurück und legte ihn vor Sedrin ab. „Bitte sehr, die Dame.“, sagte er. „Sehr freundlich, der Herr.“, gab Sedrin zurück und begann ebenfalls zu töpfern. Sie machte eine zweite Platte, die sie mit meiner verschmierte. Dann stellte sie auf diese Platte einen großen Ritter, der mich hinter seinem Schild verteidigte und schützte. Der Ritter überragte alle Figuren und Könige in seiner Größe. Die Seite seines Schildes, die zu mir gewandt war, sah aus wie ein weiches Kissen. Auf der der Gefahr zugewandten Seite war es mit einem dichten Wald von spitzen Stacheln besetzt. Ich betastete den Ritter, dessen rechter Arm in Führhaltung gegenüber mir war. Auch die Stellung der linken Hand meines Bildnisses hatte Sedrin verändert. Sie lag auf des Ritters rechtem Arm. „Wie Sie bemerkt haben sollten, habe ich die gleiche Symbolik wie Sie verwendet.“, sagte Sedrin. „Ja.“, stellte ich fest. „Aber wer ist dieser Ritter?“ Übertrieben schlug Sedrin die Hände vor das Gesicht. „Ich kann nicht glauben, dass Sie ihn nicht erkennen.“, schauspielerte sie. „Na kommen Sie schon. So schwer kann das doch nicht sein!“ „Ist es vielleicht Mr. Rossman?“, fragte ich zögerlich. „Na also.“, sagte Sedrin anerkennend. „Dann verstehe ich jetzt.“, sagte ich. „Sie meinen, solange ich mich an Mr. Rossman halte, kann mir nichts passieren. Er wird schon eine Möglichkeit finden.“ Alle klatschten Beifall.

Ich gab einen erleichterten Seufzer von mir. Sie hatten mich mal wieder daran erinnert, dass ich mit meiner Situation nicht allein war. „Ach, Agent.“, wendete ich mich dann an Sedrin. „Wenn Sie die reale Situation, die meine Skulptur versinnbildlicht, so gut kennen, dann wissen Sie auch, dass Carlos die heimischen Ermittlungsbehörden …“ „Oh, ja.“, stöhnte Sedrin. „Aber wollen Sie wissen, wie ich darüber denke? Ich denke, die Rate wirklicher Verbrechen in Ihrem Jahrhundert ist viel zu hoch. Die sollten sich lieber damit beschäftigen.“ Ich stimmte Kopf nickend zu.

„Was werden Sie jetzt tun?“, fragte mich Data. „Ganz einfach.“, sagte ich. „Ich werde in mein Jahrhundert zurückkehren und Aldo informieren. Dann werden wir über die Weitergabe dieses Erlebnisses entscheiden. Ich schätze aber, es wird unter uns bleiben. Sicher wird auch Jenny informiert, aber das sind dann auch alle.“ „Das ist völlig OK.“, sagte Sedrin. „Wichtig war uns vor allem, dass Sie begreifen, was sie begreifen mussten.“ „Schon gut.“, lächelte ich und ging zu meiner mir von den Zeitländern zur Verfügung gestellten Kapsel, die mich im 21. Jahrhundert von Bord beamte, um dann wieder automatisch ins 30. Jahrhundert zu verschwinden.

ENDE

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