Auf der Suche nach der Realität

von kguenay
Zusammenfassung: Die Recherschen des KGN-Reporters, ob sich die Realität finden und festhalten lässt.
Kategorien: Eigene Stories Charaktere: Keine
Genres: Satire
Herausforderung: Keine
Serie: Die Kamil Günay Network News
Kapitel: 1 Fertiggestellt: Ja Wörter: 1018 Aufgerufen: 2587 Veröffentlicht: 04.05.09 Aktualisiert: 04.05.09

Kapitel 1

von kguenay

Wozu ist die Realität gut? Nun, eine bemerkenswerte Frage, jedoch falsch gestellt. Was ist Realität? Noch blödere Frage, also laß ich es lieber.

Auf der Suche nach der ultimativen Wahrheit und dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest, schweife ich mal kurz in die Vergangenheit, um einige bemerkenswert reale Dinge aufzuzeigen, die bei näherer Betrachtung schon wieder irreal wirken. Durcheinander gekommen? Macht nix, ich auch!

Die Musikindustrie beklagt sich erbarmungswürdig darüber, daß ihre Umsätze zurückgehen. Arme gebeutelte Musikindustrie! Wenn man sich dann Shows, wie "Deutschland sucht den Superstar", "Starsearch" oder "Popstar" ansieht, weiß man sofort, warum die Musikindustrie kaum noch was einnimmt. Da wird doch immer nur wieder aufgekocht, was längst in uralten Archiven hätte verschwinden sollen, damit in ein paar tausend Jahren einige schlaue Archäologen es wieder ausbuddeln und den Kopfschütteln: "So was haben die früher gehört?",

Ich sitze mit einem Freund in einer Gaststätte und nehme ein Hühnchen-Sandwich zu mir. Und da dudelt ein Song aus dem radio-, wonach ich das Hühnchen-Sandwich am liebsten sofort von mir geben möchte: Realitätsverlust? Leider nein! Denn aus dem Radio erschallt eine unsägliche Vergewaltigung des eigentlich so schönen Liedes "Sounds like a Melody", von Alphaville. Ich betone, Vergewaltigung, weil Musik kann man das nicht nennen. Und da beklagt sich die Musikindustrie noch??? Liegt doch auf der Hand, was da falsch läuft!

Nun gehe ich denn mal auf die Straße, sozusagen Back to Life, um einigen Passanten einige wirklich wichtige und reelle Fragen zu stellen:

K: "Was ist, Ihrer Meinung nach, Realität?"
P: "Entschuldigung, isch bin nett von hieeeer."
K: "Ja, das glaube ich Ihnen sogar!"

Wenn ihr mich fragt, sie hätte auf Alpha Zentauri bleiben sollen, da versteht man diese Art Humor vielleicht sogar. Realitätsverlust? Keineswegs, denn nahezu auf alle Fragen kriegt man die gleiche Antwort: "Isch bin nett von hieeeer!". Aber zum Thema Hilfsbereitschaft hab ich noch eine andere Geschichte:

Ich war im August für 3 Wochen in Valencia, in Spanien. Die sind alle freundlich und hilfsbereit. Wenn man nach dem Weg fragt, wird man sogar von denen da hingebracht, jedenfalls als Blinder. Keine Hektik an den Kassen, die Leute nehmen sich Zeit, Kundenservice wird dort so groß geschrieben, daß alle deutschen Plakatwände nicht ausreichen würden, um das Wort draufzuschreiben. Da geht es mir so gut, so ungefähr stelle ich mir das Paradies vor!

Realitätsverlust? Leider nein, denn immer wenn ich daran denke, wie schön es hier doch ist, erstrahlt mein Rückflugtermin in großen unfreundlichen Neonfarbenen Lettern riesengroß vor meinem inneren Auge. Da weiß ich dann, die Realität in Wuppertal hat mich bald wieder!

Zu Hause angekommen, lese ich ein bißchen Nachrichten, damit mir klar ist, was so alles in meiner Abwesenheit passiert ist. Und da stoße ich doch glatt auf eine megamäßig irreale News: Da haben doch glatt 2 Männer es geschafft, der Zollbehörde in Australien 2 Server zu klauen!

Realitätsverlust? Dachte ich zu erst auch, aber der Heise-Newsticker sagt was anderes: Demnach sollen sich 2 Männer als Servicetechniker in den Hochsicherheitsbereich geschmuggelt haben, und vor den Augen der Beamten 2 Server demontiert und mitgenommen haben. Himmel, so ein Server paßt doch nicht in die Jackentasche! Also, morgen gehe ich den Server bei unserer Sparkasse klauen! Vielleicht komme ich dann ja mal zu Geld!

Nun sitze ich ziemlich frustriert darüber, daß ich immer noch keine Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest habe, vor meinem PC und habe meinen Microsoft Flight Simulator 2004 angeschmissen. Halt, da war doch was. Richtig, die Antwort habe ich, ist 42, aber was war, verdammt noch mal, die Frage?

Jedenfalls befinde ich mich im Sinkflug auf Düsseldorf Flughafen "EDDL", und hantiere mit dem Autopiloten. Eigentlich hat meine Suche ja nichts erbracht. Was habe ich denn erfahren? Daß die Musikindustrie alte Kamellen wieder und wieder kübelböcken läßt? Das wußte ich auch schon vorher. Noch 8 Meilen bis zur Landebahn. Mein rechtes Auge klebt auf dem Kompaß und wandert zwischendurch zum Höhenmesser. Und dann die Geschichte mit den geklauten Servern bei den Australiern, einfach nur Lachhaft. Noch 4 Meilen, ich kann die Blinklichter der Landebahnschwelle sehen. Und genau hier passiert es. Mein Sehfeld verändert sich, mein Körper spannt sich an, ich sehe nur noch die Landebahn und meine Fluginstrumente. 500 Fuß über Grund, 180 Knoten, die 737 gleitet sanft dahin. 400 Fuß, ich bin total nervös. Kann ich die Karre rechtzeitig abfangen? 300 Fuß, der Adrenalinspiegel erreicht astronomische Höhen, meine Hand liegt auf dem Steuerknüppel, bereit, die Nase leicht hochzuziehen. 100 Fuß, ich bin schon regelrecht verkrampft, der Boden kommt schnell näher. 20 Fuß, gleich ist es soweit, dann muß ich abfangen. ... und da geschieht es: das Telefon klingelt, ich erschrecke, verreiße den Knüppel und baue eine 100 prozentige Bruchlandung, wobei alle Passagiere sterben!

Realitätsverlust? Endlich, JAAAAAAA! Diese Art der Realität gefällt mir immer noch am besten! Kamil, der einzige und beste Reporter von KGN-News, steuert eine 737!!! Übrigens, der, der mich angerufen hatte, lebt noch, obwohl es eine Zeit lang echt knapp aussah! ;-)

Und wozu sollte diese ganze Aktion nun gut sein? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung! Das einzige Ergebnis, was ich für mich hieraus ziehe, ist, daß die Realität zu real für meinen Geschmack ist. So sehr man auch hinter der ultimativen Antwort her ist, so wenig wird sie uns, glaube ich, gefallen. Und deshalb sitze ich lieber an meinem PC und fliege, als mir solch mißratenen Pseudo-Musikkreationen anzuhören, mit denen sich ja doch kein Geld verdienen läßt. Stimmt's, Herr Bohlen?

Und sollte ich mich irgendwann wieder vom Simulator lösen können, schreibe ich weitere hübsche Geschichten aus tausend und einem Alptraum!

So, und jetzt versuch ich diesen verdammten Anflug auf Düsseldorf nochmal.

PS: Bloß nicht anrufen! ;-)

Abschließende Hinweise:
Den Artikel zu dem Computerklau findet ihr hier:
http://www.heise.de/newsticker/data/uma-06.09.03-002/
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