Das Tor zum Himmel

von Visitor
Zusammenfassung:

Der tindaranische Patrouillenflieger Shimar begegnet im Winterurlaub der celsianischen Weltraumvagabundin Ginalla, die ihn zur Suche nach dem Tor zum Himmel herausfordern will. Die Begegnung lässt Shimar nicht mehr los und er holt sich die Erlaubnis, ahnt aber nicht, vor welchen Gefahren er das Universum und alle anderen Dimensionen gemeinsam mit seinen Freunden beschützen muss, denn politisch ist die Situation auch mehr als heikel!


Kategorien: Fanfiction > Star Trek Charaktere: Keine
Genres: Science Fiction
Herausforderung: Keine
Serie: Star Trek 3000
Kapitel: 49 Fertiggestellt: Ja Wörter: 202569 Aufgerufen: 321101 Veröffentlicht: 31.01.12 Aktualisiert: 31.01.12

Kapitel 19 - Hass und seine Folgen

von Visitor

Nicht nur im Geheimdienstgebäude auf Terra wurde an Geheimoperationen gebastelt. Auch auf Hestien war man dabei. Allerdings wusste Hestia, als sie den SITCH beantwortete, noch nicht, was auf sie zu kommen würde. Im Display ihres Sprechgerätes sah sie nur das Rufzeichen und das Gesicht ihrer verhassten Schwester. „Was willst du?“, fauchte sie Alegria an. „Ich will, dass du etwas siehst.“, sagte die ältere Prinzessin und zeigte hinter sich. „Dir wird auffallen, dass ich nicht mehr in meinem Schloss bin.“, sagte Alegria.

Hestia sah sich das Bild auf dem Schirm genau an. Sie erkannte, dass sich Alegria irgendwo im Freien befand. Um sie herum stand eine riesige Traube von Leuten. „Pass auf.“, krächzte Alegria schadenfroh. „Jetzt zeige ich dir etwas in Großaufnahme.“

Mit gedrückter Sendetaste ging sie auf eine Art von Behandlungstisch zu. Hestia erschrak. „Die Tötungsmaschine!“, sagte sie. „Die hatte Vater doch zerlegen lassen, als wir die Todesstrafe abgeschafft haben.“ „Was kümmert’s mich.“, erwiderte Alegria eiskalt. „Ich habe sie halt wieder zusammenbauen lassen. Dann ist sie jetzt eben wieder in Betrieb. Ich lasse mich nämlich nicht ausspionieren. Noch nicht einmal von meiner eigenen Schwester.“ Sie wandte sich an einen Wachsoldaten: „Führt den Gefangenen vor! Und du, Schwester, tätest gut daran, nach deinem Geheimdienstchef zu schicken. Merkurion soll ruhig wissen, dass meine Spionageabwehr nicht untätig war.“

Blass winkte Hestia Alana, die wie immer bei ihr war, um jeden Befehl ihrer Herrin bereitwillig auszuführen. „Hol Merkurion.“, stammelte sie. „Ja, Hoheit.“, gab die Kammerjungfer zurück und war aus der Tür.

Der hestianische Geheimdienstchef hielt sich im Schlosspark auf, wie Alana durch den Computer des Palastes erfahren hatte. „Was ist geschehen, Alana?“, fragte er die völlig aufgelöste Hofdame, als er ihrer ansichtig geworden war. „Prinzessin Alegria hat den letzten deiner Agenten gefangen gesetzt und will ihn vor unser aller Augen töten!“, sagte Alana aufgeregt. „Was?“, fragte Merkurion. „Unsere Herrin Hestia will, dass du mich ins Schloss begleitest.“, ergänzte sie. „Gut.“, sagte Merkurion ziemlich abgeklärt. Alana wunderte sich sehr über seine Reaktion. „Schmerzt es dich denn gar nicht, dass einer deiner Mitarbeiter …“, erkundigte sie sich weiter, aber Merkurion fiel ihr ins Wort: „Dass Agenten enttarnt und liquidiert werden ist ein Risiko, mit dem ich leben muss in meiner Position.“, erklärte der Geheimdienstchef.

Alana war stehen geblieben. „Ich muss dich um etwas bitten.“, sagte sie und sah ihn an. „Die meisten deiner Agenten waren lange schon in ihrem Beruf und dadurch, dass sie auch schon für ihren Vater gearbeitet haben, sowohl für Hestia als auch für Alegria bekannte Gesichter. Aber mich würde die Spionageabwehr nicht erkennen. Ich bin ein zartes Pflänzchen, dem man so etwas nicht zutraut. Bitte, bilde mich aus.“

Merkurion stutzte. „Deine Opferbereitschaft ehrt dich sicher, Alana. Aber bist du dir bewusst, welches Risiko du eingehst?“ „Das bin ich.“, sagte die Kammerjungfer bereitwillig. „Aber für meine Herrin würde ich alles tun.“

Merkurion atmete tief durch. Natürlich fand er ihr Angebot auf der einen Seite sehr verlockend. Er wusste, dass sie mit der Theorie Recht hatte. Er wusste, warum die Agenten so schnell aufgeflogen waren. „Ich werde mit der Prinzessin über deinen Wunsch reden.“, sagte er. „Und jetzt lass uns gehen.“

Sie betraten Hestias Gemach. „Wir sind da, Hoheit.“, meldete Alana sie an. „Gut.“, sagte Hestia und betätigte die Sendetaste: „Schwester, alle Zuschauer sind anwesend.“

Auf dem Display sah man Alegrias hasserfülltes Gesicht. „Aufs Schafott mit ihm!“, schrie sie einem Soldaten zu, der ihren Befehl sofort mit einigen Kameraden ausführte. Der gefesselte und damit wehrlose Gefangene wurde auf den Tisch gelegt und festgeschnallt. Noch nicht einmal jetzt wurden ihm die Fesseln entfernt.

Alegria ging um den Tisch herum, als wollte sie sich persönlich davon überzeugen, dass alles seine Ordnung hatte. Zum Schluss kam sie an einer Konsole an, hinter der ein rothaariger dicker Mann saß. „Du hast heute früher Feierabend.“, sagte sie zu ihm. „Ich werde das Urteil selbst vollstrecken. Sag mir nur noch, welches die qualvollste Einstellung ist.“ „Wenn Ihr erlaubt, Herrin, dann will ich die notwendige Einstellung noch kurz selbst vornehmen. Ihr müsst dann nur noch die rote Taste drücken.“, sagte der Dicke. „Na gut.“, gab sich Alegria zufrieden. „Schließlich will ich keinen Fehler machen, der am Ende noch dafür sorgt, dass er überlebt. Nein, diesem Gespött meiner Schwester will ich mich nicht aussetzen. Das soll schon besser ein Fachmann erledigen und du bist mein bester Henker.“

Sie trat zurück und ließ ihn die Einstellungen vornehmen. Dann ging sie wieder zur Konsole zurück, nachdem er ihr Platz gemacht hatte. „Die rote Taste.“, murmelte sie. „Ah, hier.“

Sie drückte die Taste, worauf der Leib des Gefangenen stark zu zucken begann. Dadurch biss er sich die Zunge ab und durch den unheimlichen Druck, der durch das kochende Blut auf seinen Gefäßen lastete, platzten einige von ihnen. Blut quoll ihm aus allen Körperöffnungen. Es dauerte geschlagene zwei Stunden, bevor Herz und Gehirn endlich ihre Tätigkeit einstellten und er starb.

Merkurion und Hestia starrten auf den Schirm. Eine solche Grausamkeit hatte sie ihrer Schwester nicht zugetraut. Der Ärmste war noch nicht mal in der Lage gewesen, den Schmerz, den ihm der Stromstoß zugefügt hatte, herauszuschreien. So sehr hatte sich sein Körper und damit auch alle Muskeln, Sehnen und Bänder inklusive der Stimmbänder verkrampft.

Das grausame Bild wurde bald durch das lächelnde Gesicht Alegrias ersetzt. „Ich hoffe, das war dir eine Lehre, Schwester.“, sagte sie.

Hestia hatte sich wieder schnell gefasst. „Hast du noch mehr Leute?“, wendete sie sich teilnahmslos an Merkurion. „Das war mein letzter und mein bester Mann.“, sagte dieser mit Bedauern. „Aber ich habe demnächst eine Schülerin, der man die Tätigkeit als Agentin nicht zutrauen würde.“ Er deutete auf Alana, die von Hestia gemustert wurde. „Stimmt.“, sagte die Prinzessin. „Dir würde man das wirklich nicht zutrauen. Aber das ist die beste Tarnung, die es gibt. Nicht wahr, Merkurion?“ „Da habt Ihr Recht, Hoheit.“, sagte der Geheimdienstchef lobend. „Also dann.“, sagte Hestia. „Meinen Segen habt ihr.“

Alana bedankte sich überschwänglich. Allerdings hielt sie mit ihrem wahren Motiv hinter dem Berg. Niemand sollte wissen, dass sie diesen Wunsch nur geäußert hatte, um Timor, Alegrias Kammerdiener, wieder zu sehen, in den sie sich zu besseren Zeiten verliebt hatte.

Mikel und ich hatten uns auf dem Weg zur Offiziersmesse getroffen. Das Schiff schien mir an diesem Morgen wie ausgestorben. Niemand war auf den Gängen oder in den Turbolifts zu sehen. „Was machst du morgens um vier Uhr schon auf dem Weg zur Offiziersmesse?“, wollte Mikel von mir auf Deutsch wissen.

Wenn wir allein waren, sprachen wir unsere gemeinsame Muttersprache und duzten uns, weil wir dann oft auch private Dinge aus unserem Heimatjahrhundert zu besprechen hatten. Commander Kissara kannte diesen Umstand. Sie wusste, warum wir das taten. Schließlich waren wir Pendler zwischen den Jahrhunderten, wie Learosh schon richtig festgestellt hatte. Mikel war für mich also nicht nur ein Vorgesetzter, sondern auch ein Freund.

Ich ging zunächst nicht auf seine Frage ein, weil ich zuerst wissen wollte, ob wir wirklich allein waren. Dann aber sagte er: „Wer sollte denn jetzt schon wach sein, he?“ „Entschuldige.“, sagte ich und drehte mich zu ihm. „Ich könnte dich genau so gut fragen, was du zu dieser unchristlichen Zeit hier machst.“, lachte ich.

Mikel stoppte den Lift. „Ich konnte nicht schlafen.“, sagte er dann in einem Ton, der mir verriet, dass dies nicht ganz die Wahrheit war. „Dann ist bei dir das genaue Gegenteil wie bei mir der Fall.“, stieg ich auf sein Spiel ein. „Ich kann momentan echt gut schlafen. Vor allen Dingen kann ich super träumen. Ich träume im Moment mal wieder in Serie.“ „Cool!“, sagte er. „Hattest du das nicht schon mal?“ „Ja.“, sagte ich. „Als Jugendliche. Aber da war es eine Hörspielserie. Jetzt habe ich den Eindruck, Shimars Mission mitzubekommen. Zumindest das, was er Nachts davon verarbeitet.“ „Wie ich dich kenne.“, erwiderte Mikel. „Willst du damit bestimmt zur Krankenstation. Du willst bei so etwas ja immer auf Nummer sicher gehen.“ „Dafür kann ich nichts.“, entschuldigte ich mich. „So bin ich eben. Kann ja nicht jeder ein Abenteurer sein.“ „Mit Shimar hast du aber schon ziemlich viele Abenteuer gemeistert.“, sagte Mikel und ich glaubte, in seiner Stimme einen leichten Anflug von Eifersucht zu hören.

Ich überlegte, wie ich ihm erklären konnte, was mich dazu gebracht hatte, ohne ihn zu verletzen. „Shimar macht einiges anders.“, sagte ich schließlich. „Bei ihm fühle ich mich nicht zum Mitmachen gezwungen.“ „Aber ich hätte auch einiges anders gemacht.“, sagte Mikel mit fast beleidigter Stimme. „Nimm es mir bitte nicht übel.“, versuchte ich die Wogen wieder zu glätten. „Aber sein Anders ist irgendwie besser. Das hat nichts mit dir persönlich zu tun. Eher mit dem Anders.“

Der Computer machte uns aufmerksam, dass wir nun schon seit mehreren Minuten den Turbolift blockierten und bot uns an, Hilfe medizinischer oder technischer Art zu schicken, wenn wir denn wollten. Mikel verneinte und gab ihm statt dessen den Befehl, den Lift weiter fahren zu lassen. Wieder mal gerettet., dachte ich.

„Soll ich dich auf der Krankenstation raus lassen?“, bot Mikel an. „Nein.“, sagte ich. „Ich glaube, ich komme erst mal mit zum Frühstücken.“ Ich sah auf die Uhr. „In einer halben Stunde hätte ich eh aufstehen müssen.“

King wurde an diesem Morgen auch schon früh durch die Sprechanlage geweckt. Am anderen Ende war Alesia. „Was ist los?“, fragte er. „Bitte lassen Sie mich ein, Andrew.“, bat die platonische Agentin. „Ich muss Ihnen noch etwas geben, bevor wir zu Ihrem neuen Arbeitsplatz fahren.“

Leise öffnete King die Wohnungstür. Er wollte auf jeden Fall vermeiden, dass Scotty erwachte. Es war mittlerweile zwar schon sechs Uhr, aber trotzdem hatte er das Gefühl, an irgendeiner heimlichen Tour beteiligt zu sein.

Alesia übergab ihm eine Tasche. „Darin sind Ihre Kleidungsstücke für das Vorstellungsgespräch.“, sagte sie. „Ziehen Sie sich um. Ich warte auf Sie.“

King war aufgefallen, dass auch sie Zivil trug. Sonst war er die beiden Agentinnen eigentlich nur in Uniform gewohnt. Aber das jetzige Bild Alesias gefiel ihm auch. Er fand sie sogar sehr attraktiv in ihrem roten Sommerkleid und den blauen Sandalen, die mit roten Steinchen verziert waren. „Ich werde mich als Ihre Freundin ausgeben.“, sagte sie. „Deshalb werden wir uns auch duzen.“ „OK, Alesia.“, lächelte King und nahm die Tasche auf. „Dann werde ich mich mal umziehen.“

Er ging ins Schlafzimmer zurück. Hier öffnete er die Tasche. Zum Vorschein kam ein schwarzer Anzug und festes weißes Schuhwerk. Außerdem eine Art brauner Overall, wie ihn alle Frachtpiloten im Dienst trugen. King entschied sich, im Vorstellungsgespräch besser den Anzug zu tragen und zog ihn an. Dabei verblüffte ihn sehr, dass die Agentinnen offensichtlich seine Kleidergröße zu kennen schienen. Aber er hatte sie ihnen doch nie gesagt! Aber wenn Sedrin und Alesia für den Geheimdienst arbeiteten, hatten sie sicher ihre Methoden.

Er ging aus dem Zimmer und stellte sich vor die im Flur wartende Alesia hin. Dann drehte er sich nach allen Seiten wie ein Model, dass sich präsentierte. „Baby, du siehst umwerfend aus!“, schwärmte die junge Platonierin. „Danke, meine Süße.“, erwiderte King. „Lass uns gehen.“, sagte Alesia und ging entschlossen einige Schritte voraus. „Die warten schließlich nicht ewig und am Ende schnappt dir jemand den guten Job vor der Nase weg.“

Sie gingen aus dem Gebäude zu einem Jeep, den Andrew noch nicht kannte. Es war ein schnittiges schwarzes 2-sitziges Modell mit Rennstreifen. „Wow.“, machte King und stieg auf der Beifahrerseite ein, während sich Alesia auf den Fahrersitz setzte. „Ich nehme an, wir sind ein typischer Zweierhaushalt ohne Kinder.“, sagte King. „Natürlich.“, erwiderte Alesia, während sie den Antrieb des Jeeps startete und los fuhr. „Ich bin Platonierin und du Terraner.“, erklärte sie. „Wir sind biologisch zu verschieden, als dass …“ „Außer, einer von uns ließe sich operieren.“, sagte King. „Bei den Huxleys ist es ja genau so gewesen.“ „Gut aufgepasst.“, lobte Alesia.

Sie waren etwa zwei Stunden gefahren, als sie vor einem Gebäude außerhalb Little Federations parkten. Am Schild über dem Eingang stand ein celsianischer Name, den King noch nicht aussprechen konnte. Darunter war zu lesen: „Frachttransporte zu allen Welten.“ „Wie heißt das?“, flüsterte er Alesia zu und zeigte auf die oberste Zeile des Schildes. „Cargolara.“, flüsterte sie zurück. „Es ist eine Zusammensetzung aus Cargo und Dilara, dem Namen der Inhaberin.“ Oh, Backe., dachte King. Die Chefin ist Celsianerin. Sicher wird sie beim Vorstellungsgespräch dabei sein. Darauf war ich jetzt nicht gefasst.

„Dir rutscht doch jetzt deshalb nicht das Herz in die Hose, oder?“, fragte Alesia mit Absicht sehr flapsig, um ihn vorzubereiten. „Geht schon.“, entgegnete King. „Wenn ich mit Scottys schroffer Art klar komme, dann sicher auch mit einer Celsianerin.“

Alesia klopfte ihm auf die Schulter. „So will ich dich hören.“, sagte sie und fügte noch hinzu: „Geh jetzt am Besten rein. Es wird Zeit.“

King betrat das Gebäude durch die große Eingangstür. Er kam in eine sehr repräsentative Halle, in der sich eine Menge Grünpflanzen befanden. Außerdem gab es eine Sitzecke mit einem kleinen braunen Tisch in Holzoptik, der von freundlichen roten weichen Sesseln umrahmt wurde, von denen es vier gab. Mitten in der Halle stand das steinerne Bildnis eines Shuttles, das wohl gerade ein Sonnensystem durchquerte. Jedenfalls hatte der Bildhauer keine Planeten und keine Sonne fehlen lassen. Darüber zeigte eine Uhr eine zentrale Allzeit an und ein in den Stein gemeißelter Spruch sagte: „Ob Tag ob Nacht, immer pünktliche Fracht.“ An Hand einiger Spuren, die King gesehen hatte, war ihm aufgefallen, dass dieses Bildnis nicht repliziert worden sein musste. Es musste noch in echter Handarbeit gefertigt worden sein, was im 30. Jahrhundert sehr selten war. Aber man musste es sich wohl leisten können. Bei diesem Gedanken fühlte King sich ertappt. Er hatte im Laufe seines Lebens in der Föderation anscheinend immer noch nicht gelernt, dass es hier weder Reichtum noch Armut gab. Er schien sich immer noch dabei zu erwischen, dass er im mirayanischen Gedankengut, mit dem er aufgewachsen war, verhaftet war.

Eine junge Frau kam hinter einem Tresen hervor. Sie war Demetanerin, etwa 1,60 m groß und hatte langes schwarzes Haar. Sie trug lockere Bürokleidung, also einen langen weißen Rock, rote offene Schuhe und eine weiße Bluse. „Sie müssen Mr. King sein.“, lächelte sie ihm zu, der immer noch fasziniert die Plastik betrachtete.

Schnell drehte er sich um. Die leise hohe Stimme hatte er zuerst kaum wahrgenommen. „Ja.“, sagte er. „Das bin ich.“ „Dann … Moment bitte.“, begann sie und war auf ein Piepen hin sofort wieder hinter dem Tresen verschwunden. Hier beantwortete sie einen Ruf im Sprechgerät. „Ja, Miss Dilara.“, sagte sie. „Ist Mr. King eingetroffen, Ragidis?“, fragte eine freundliche für eine Frau etwas tiefe Stimme zurück. „Ja.“, sagte die junge Demetanerin. „Dann bringen Sie ihn bitte persönlich rauf. Nicht, dass er sich noch verirrt.“

Sie programmierte eine Abwesenheitsschaltung und kam zu King zurück. „Bitte folgen Sie mir.“, lächelte sie.

Sie führte ihn zu einem Turbolift, mit dem sie von der Empfangshalle in die Büroetage fuhren. Hier betraten sie bald einen gut klimatisierten Warteraum, in dem King bereits einige andere Personen aller ihm bekannten Spezies ausmachen konnte. „Ich werde jetzt wieder gehen.“, lächelte Ragidis und drehte sich um. „Sie werden dann hereingerufen.“ Sie wuselte davon.

King war das korrekte Englisch der jungen Frau aufgefallen. Er wunderte sich. Er war aus den Simulationen etwas Anderes gewohnt. Aber wenn sie mit Kunden zu tun hatte, musste es wohl so sein. Sie war auf keinen Fall eine Frachterpilotin.

Eine Tür öffnete sich und heraus kam ein hoch gewachsener Terraner. „Ist ein Mr. Andrew King hier?“, fragte er in die Runde. King stand auf. „Kommen Sie rein.“, sagte der Fremde zu ihm und zog ihn mit sich hinter die Tür. „Ich bin Harald Steward.“, stellte er sich vor. „Ich bin Miss Dilaras Sekretär.“ „Andrew King.“, sagte Andrew. „Angenehm.“

Steward führte King zu einem Tisch, an dem rechts eine rothaarige Celsianerin saß. Links daneben saß ein schwarzhaariger Betazoide und dann waren zwei Plätze frei. „Setzen Sie sich, Mr. King.“, sagte die Celsianerin, deren Stimme King erkannte. Es war die gleiche Stimme wie vom Sprechgerät am Empfang. „Harald, zu meiner Rechten.“, sagte sie schmissig zu ihrem Sekretär, der an ihrer rechten Seite Platz nahm und sofort ein Notizpad zog.

„So, Mr. King.“, sagte Dilara. „Jetzt werde ich Ihnen erst mal die Runde hier vorstellen. Rechts neben Ihnen sitzt Mr. Temm Sudor. Er ist mein Personalchef. Den guten Harald kennen Sie ja schon und ich bin Dilara Jana. Ich habe das hier alles unter mir. So, jetzt sind Sie dran.“

King betete den ganzen falschen Lebenslauf herunter. Dabei achtete er extrem darauf, keine Fehler zu machen. Die Agentinnen hatten ihm dies auf jeden Fall eingeschärft.

Nachdem er geendet hatte, sah er zu, wie Dilara etwas in seinen Unterlagen nachschlug. „Sie haben Ihre Flugausbildung mit Bravur bestanden!“, lobte sie und zog einige andere Unterlagen zum Vergleich heran. „In Extremsituationen sollen Sie sogar besonders gut sein.“ King nickte und fügte hinzu: „Ich brauche anscheinend den Druck. Ansonsten stumpft man ja total ab.“

Der Betazoide winkte seiner Vorgesetzten und beide gingen kurz vor die Tür. „Den könnten wir gut gebrauchen für die Demeta-Strecke.“, sagte Dilara. „Stimmt.“, bestätigte Sudor. „Er ist risikofreudig und im Moment brauchen wir so jemanden, solange der Bürgerkrieg zwischen den mirayanischen Planeten andauert.“ „OK.“, sagte Dilara. „Den nehmen wir.“

Sie kamen in den Raum zurück. „Harald, schicken Sie den Rest nach Hause!“, ordnete Dilara an. „Wir haben unseren Piloten gefunden. Herzlichen Glückwunsch, Mr. King.“

Sudor schob King ein Pad hin. „Legen Sie Ihren Finger bitte auf den Sensor zur Unterschrift.“, sagte der Betazoide. „Danke.“, sagte King freundlich. „Ich weiß, wie es geht.“ Dann unterschrieb er und gab das Pad zurück. „Wollen Sie sich nicht Ihren Vertrag vorher durchlesen?“, fragte Dilara. „Das kann ich auch noch zu Hause tun.“, entgegnete King. „Ich bin nämlich sicher, dass Sie mich nicht übers Ohr hauen. Das ist doch in der heutigen Lebensart nicht mehr Usus. Früher, als die Föderation noch nicht existierte und viele Planeten ein monetäres System hatten, da …“ „Ich sehe, Sie kennen sich auch mit Geschichte aus.“, bemerkte Sudor lächelnd. „Bisschen Bildung kann nicht schaden.“, sagte King. „Dann sehen wir uns morgen.“, fügte Dilara bei. „Melden Sie sich dann pünktlich um acht bei Tora Lita. Das ist die Verladerin. Ragidis wird Sie anmelden und Ihnen zeigen, wo die Frachthalle ist.“ „OK.“, sagte King. „Dann bis morgen.“ Er schüttelte beiden die Hand. Dann ging er.

Alesia erwartete ihn bereits im Jeep. „Wie ist es gelaufen, Baby.“, sagte sie und küsste ihn auf die Wange. Da King wusste, dass sich die Beiden als Liebespaar ausgeben mussten, machte ihm das nichts. „Wie wohl, Süße.“, sagte er. „Ich habe die Stelle.“

Sie umarmte und küsste ihn erneut. „Das sollten wir zu Hause unbedingt feiern.“, schlug sie vor. „Einverstanden.“, sagte King. Dann fuhren sie zurück.

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