Der Schandfleck

von Visitor
Zusammenfassung:

 

„Lügen haben kurze Beine!“, „Verbrechen zahlt sich nicht aus!“, „Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein!“ Und wenn es 800 Jahre dauert. Drei Weisheiten, deren Bedeutung auch Präsidentin Nugura von der Föderation lernen muss, als die Übergabe eines von den Romulanern, politischen Verbündeten seit dem Krieg mit den Formwandlern, entwickelten Waffenkontrollsystems in letzter Sekunde durch eine neue Marionette Sytanias verhindert wird. Dass Sytania die offensichtliche psychische Erkrankung des armen Mannes schamlos ausnutzt und andere Fakten, die alles später in ein anderes Licht rücken könnten, werden erst durch die Tindaraner, Xylianer und andere Verbündete der Föderation aufgedeckt. Ob es Sytania schlussendlich etwas nützt, die Übergabe verhindert zu haben und ob sie ihren üblen Plan, alle Dimensionen auf einen Schlag zu erobern, ausführen kann, lest ihr am besten selbst!


Kategorien: Fanfiction, Fanfiction > Star Trek Charaktere: Keine
Genres: Science Fiction
Herausforderung: Keine
Serie: Keine
Kapitel: 66 Fertiggestellt: Ja Wörter: 367014 Aufgerufen: 324241 Veröffentlicht: 27.10.13 Aktualisiert: 23.01.14

Kapitel 61: Das Böse schlägt zurück

von Visitor

 

Telzan hatte Sytania die gesamte Zeit über, in der sie ohnmächtig in ihrem Gemach lag, zusammen mit Cirnach medizinisch überwacht. Der plötzliche Energiestoß, mit dem sie wohl nicht gerechnet hatte, musste für sie wie ein Tritt in die Magengegend gewirkt haben. Jetzt sahen die beiden Vendar mit Erleichterung, dass sie langsam wider zu sich kam. „Was ist geschehen, Telzan.“, wendete sich Sytania an ihren Vertrauten. „Ihr seid einem Energiestoß zum Opfer gefallen, Herrin, der Euer Telepathiezentrum total überfordert hat.“, erklärte der Vendar. „Cirnach hat Euch einen Trank aus Pilzen bereitet, deren Säfte gut für Telepathiezentren sind. Er mag zwar etwas bitter sein, aber das ist Medizin ja im Allgemeinen oft.“ „Dann gib her, das Gesöff!“, sagte Sytania leicht wütend, denn sie hatte das Gefühl, irgendwie ins Hintertreffen geraten zu sein. Da ihr Telepathiezentrum immer noch nicht recht funktionierte, konnte sie über die Situation, die ihr das Gefühl vermittelte, nichts Genaues sagen, aber sie dachte sich, wenn sie nicht bald wieder auf die Beine käme, würde es ihren Plänen an den Kragen gehen.

Cirnach reichte der Mächtigen stumm ein Trinkhorn, das mit einer gräulichen Brühe angefüllt war. Mit skeptischem Blick nahm Sytania den ersten Schluck. „Pfui Spinne!“, spuckte sie aus. „Das schmeckt ja fürchterlich, Cirnach! Konntest du für deine Herrin nicht etwas finden, das besser schmeckt, he?!“ „Nein, konnte ich leider nicht, Gebieterin!“, entgegnete die Vendar trotz Sytanias Standpauke sehr selbstbewusst. „Wenn ich das Getränk gesüßt hätte, hätte der Zucker eine chemische Reaktion in den Molekülen ausgelöst, die seine Wirkung aufgehoben hätte. In diesem Fall stimmt der Spruch, dass Medizin bitter sein muss, damit sie hilft!“ „Und ich dachte immer, das wäre nur bäuerlicher Aberglaube.“, sagte Sytania. „Aber gut. Wenn es denn so ist, dann muss ich wohl das Opfer bringen.“ „Haltet Euch doch die Nase zu.“, sagte Telzan konspirativ. „Dann ist auch Euer Geschmackssinn leicht betäubt.“ „Sie muss schon mit beiden Händen das Trinkhorn halten, Telzan.“, sagte Cirnach. „Sie hat dafür leider keine Hand mehr frei.“ „Dann erlaubt mir bitte, das für Euch zu tun, Milady.“, sagte Telzan. „Ich erlaube es dir.“, sagte Sytania. „Irgendwie muss ich das Zeug ja herunterbekommen.“ „Also dann!“, sagte Telzan und legte zwei Finger seiner rechten Hand an ihre Nase, um dann leicht ihre Nasenflügel zusammenzudrücken. Sytania setzte das Trinkhorn an, um seinen Inhalt in einem Sitz herunterzustürzen. „Es ist gut, Telzan.“, näselte sie ihm danach entgegen, was ihn dazu brachte, ihre Nase wieder loszulassen.

„Ihr solltet Euch noch eine Weile erholen, Milady.“, sagte Telzan. „Wenn Ihr das getan habt, werdet Ihr sicher eine Gelegenheit finden, Shimar und Ginalla samt ihrem Schiff, das Euch so schändlich verletzt hat, aufzuhalten.“ „Woher weißt du, dass meine Wut, die ich verspürt habe, den Beiden und ihrem Schiff gilt?“, fragte die Prinzessin. „Nun.“, antwortete Telzan. „Das kann ich mir denken. Ich habe berechnet, wie lange sie bis ins Dunkle Imperium gebraucht haben könnten und wie lange es wohl gedauert haben könnte, Ginalla zu befreien. Dann habe ich das mit der Zeit verglichen, die Ihr bewusstlos wart. Leider ist dabei herausgekommen, dass sie schon längst wieder auf dem Weg nach Hause sein könnten.“

Sytania fuhr herum. „Gib mir den Kontaktkelch!“, befahl sie. Telzan nickte und führte aus, wessen sie ihn gerade beauftragt hatte. Sie nahm den Kelch in beide Hände und sah hinein. „Das kann doch nicht wahr sein!“, sagte sie. „Du hast Recht mit deinen Berechnungen. Sie sind bereits wieder im Universum der Föderation. Dieser Tindaraner bildet sich wohl ein, eine falsche Spur legen zu können, indem er Ginallas Schiff nicht sofort den interdimensionalen Antrieb benutzen lässt. Aber auf der anderen Seite ist es auch sehr gut so, dass sie sind, wo sie jetzt sind.“

Es gab einen schwarzen Blitz. „Was habt Ihr getan?“, fragte Telzan. „Ich habe sie vor ein kleines moralisches Dilemma gestellt.“, antwortete die Königstochter. „Erinnerst du dich noch an das Wesen, das euch so schändlich hereingelegt hat?“ „Das tue ich!“, zischte Telzan. Er wusste nämlich noch sehr genau, um welches Wesen es sich handelte. Um jenes nämlich, das Kamurus vor ihm und seinen Leuten gerettet hatte und wegen dem er temporär seinen Job hatte an einen Novizen abgeben müssen! „Was habt Ihr mit dem Wesen gemacht?!“, wollte er wissen und wurde dabei ganz aufgeregt. „Ich habe ihm einen Tumor verpasst.“, sagte Sytania. „Und dann habe ich es in Kamurus’ Weg geschleudert. Jetzt müssen sie es sehen. Kamurus wird, so wie ich ihn einschätze, seinem Freund unbedingt helfen wollen, weil er denkt, dass er ihm vielleicht noch etwas schuldig ist. Er wird versuchen, Ginalla und Shimar davon zu überzeugen, dass sie ihm unbedingt helfen müssen. Wie ich die Beiden einschätze, werden sie nicht wollen, dass ein unschuldiges Wesen leidet, zumal dann nicht, wenn sie sehen, dass ich an seinem Leid die Schuld trage! Während sie also überlegen, was sie machen können, um dem armen unschuldigen Brotheas zu helfen, werde ich Zeit genug haben, noch mehr Dimensionen zu erobern. Nimm Kontakt mit Augustus und seiner Truppe auf! Sag ihnen, sie sollen von ihrer Basis auf Romulus aus auf Kronos vorstoßen. Von dort aus sollen sie sich dann um die Föderation kümmern!“ „Wie Ihr wünscht, Milady.“, sagte der Vendar und ging aus dem Zimmer. Cirnach folgte ihrem Mann. Beide gingen in die Garnison der Vendar zurück, um den Befehl ihrer Herrin von dort auszuführen.

Auch wir hatten zum selben Zeitpunkt einige strategische Gespräche geführt. In der Offiziersmesse der Station 281 Alpha saßen wir alle zusammen und ließen uns von Zirell über die Situation informieren. Nur die Mediziner waren nicht zugegen, denn sie hatten auf der Krankenstation ihre eigenen Dinge zu bereden. Es ging in erster Linie um Radcliffe und mich und wie man uns helfen könnte. Nathaniel war dort geblieben, weil er aufgrund seiner Krankheit ja etwas unberechenbarer war als ich. Mein Problem war harmlos und ich bedurfte, der ärztlichen einhelligen Meinung nach, keiner weiteren Aufsicht. Deshalb konnte ich mit an der Konferenz teilnehmen.

„Ich finde den Umstand sehr erleichternd, dass sich die Klingonen unter diesen Bedingungen bereiterklärt haben, den Schutz der Tindaraner anzunehmen.“, sagte Yetron, nachdem die tindaranische Kommandantin geendet hatte. „Ich auch, Agent.“, stimmte Time zu. „Dann kann Sytania dort zumindest keinen weiteren Brückenkopf errichten.“ „Und auf Genesia Prime auch nicht.“, sagte Jenna. „Wenn ich das richtig verstanden habe.“ „Das haben Sie richtig verstanden, McKnight.“, sagte Maron. „Aber was ist mit den Romulanern?“, fragte Time. „Von der Föderation werden die keine Hilfe annehmen, um Sytania wieder zu vertreiben. Dafür hat Sytania mit ihrer Aktion ja prima gesorgt. Das Gleiche gilt auch für ihre Verbündeten. Wenn der romulanische Senat rausbekommt, dass die Tindaraner erwägen, Hilfe zu leisten, werden sie das wahrscheinlich sogar als kriegerischen Akt werten, so schlecht, wie sie gerade auf die Föderation zu sprechen sind.“ „Warum sollten die Romulaner nicht mit der Hilfe der Tindaraner einverstanden sein?“, fragte Joran.

Ich hatte mich gemeldet. Da man mich als sehr sensible Person kannte, konnte man sich denken, dass mein Beitrag sicher Licht ins Dunkel bringen könnte. Deshalb sagte Time nur: „Na dann mal los, Allrounder!“, und schob mich in die Raummitte. „Ich denke.“, setzte ich an. „dass sich die Romulaner vielleicht bevormundet fühlen könnten, wenn die Tindaraner, als Verbündete der Föderation, einfach so eingreifen würden. Natürlich weiß ich, dass es weiser wäre, ihren Schutz anzunehmen, aber sie sind nun einmal Freunde einer Partei, die im Moment bei ihnen nicht gut da steht. Ihr Hass gegen die Föderation könnte all ihre Vernunft blockieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie zwar in gewisser Weise aussehen wie Vulkanier, aber doch das genaue Gegenteil sind.“ „Kapiert.“, meinte Scotty flapsig. „Die Vulkanier sind Friedensengel und die Romulaner doch eher Krieger.“ „Das sind die Klingonen auch, Techniker Scott.“, sagte Kissara. „Trotzdem sind sie so vernünftig und haben den Schutz der Tindaraner angenommen.“ „Gegen die Klingonen hat ja auch vor 800 Jahren kein Mordkomplott unter Federführung eines Föderationsoffiziers stattgefunden, das ebenso lange verschwiegen wurde.“, sagte Jenna. „Ich denke allerdings, wenn es so wäre, dann hätten auch sie, oder gerade sie, ganz anders reagiert.“ Sie warf Kang einen Seitenblick zu. „Techniker McKnight hat das Verhalten meines Volkes sehr gut interpretiert.“, urteilte der Klingone. „Wir wären sicher ganz anders mit der Föderation verfahren, wenn so ein unehrenhaftes Verbrechen gegen unsere Leute verübt worden wäre und auch noch jemandem anders in die Schuhe geschoben worden wäre.“

Zirell hatte wieder den Platz in der Raummitte eingenommen, nachdem mich Time zurückgeführt hatte. „Wir sollten uns zu diesem Thema vielleicht noch einmal den Eintrag von Commander Sisko zu Gemüte führen.“, sagte Zirell. „Da gibt es einiges, was mich stört. Es geht ja auch immer noch um die Frage, ob Nathaniel Radcliffe wirklich eine Reinkarnation von Sisko sein könnte.“

Ihre Worte hatten mich leichenblass werden und mich etwas unter dem Tisch suchen lassen. „Was hast du denn da, Darling?“, flüsterte Scotty mir fragend zu. Er hatte gesehen, dass ich während der gesamten Zeit ein Pad unter dem Tisch versteckt hatte. Eingangs unserer Konferenz hatte Zirell IDUSA den Eintrag schon einmal abspielen lassen und ich hatte für jedes: „Ich kann damit leben!“, einen Strich in einer Liste gemacht, die ich heimlich zu diesem Zweck angefertigt hatte. Auch Kissara war jetzt auf mein Verhalten aufmerksam geworden. „Wenn Sie uns Ihre Strichliste schon nicht allen zeigen wollen, Allrounder.“, bot sie an. „Dann zeigen Sie sie doch wenigstens mir.“ „Also gut.“, sagte ich verschämt, die ich zwar längst eine Theorie hatte, diese aber eigentlich niemandem sagen wollte, weil ich dann das Ansehen eines strahlenden Helden hätte beschädigen können. Dass dies schon längst geschehen war, wusste ich nicht. „Die Xylianer haben Sisko schon längst von seinem goldenen Sockel geholt, Betsy.“, sagte Zirell, um mich zu ermutigen, die, als Telepathin, wohl schon längst den Grund für meine Angst herausbekommen haben konnte. „Also gut.“, sagte ich und zog das Pad unter dem Tisch hervor. Wenn die Situation so aussah, konnten es ruhig alle lesen, wie ich mittlerweile auch fand. „Das ist ja eine beachtliche Anzahl von Strichen, Allrounder.“, sagte Time. „Meiner Meinung nach kann einer, der das so oft betonen muss, in Wahrheit nicht mit seiner Schuld leben. Ich kann mir jetzt denken, worauf Sie hinaus wollten. Als Sisko dann nach seinem Tod so vor seiner göttlichen Verwandtschaft stand, wird ihm bewusst geworden sein, was für eine schwere Sünde er auf seine Schultern geladen hat und, dass seine menschliche Seite ihn zu diesen unheiligen Handlungen getrieben hat, könnte auch für ihn so peinlich gewesen sein, dass er sie sogar vielleicht gebeten hat, für seine Sünden bestraft zu werden.“ „Könnte man das rauskriegen?“, fragte Kissara. „Mit einer Reise in die Seele vielleicht.“, sagte Zirell. „Aber das hat noch nie jemand von uns über das jetzige Leben hinaus bei jemandem versucht.“ „Würden Nidell oder du sich das bei Radcliffe trauen?“, fragte Time. „Ich meine, wir könnten alle sicher in der Simulationskammer zusehen. Tindaranische Technologie macht das ja möglich, wenn …“ „Unter medizinischer Überwachung sicher.“, sagte Zirell. „Ich werde klären, ob Nathaniel damit einverstanden ist.“

„Vorher sollten wir aber noch ein anderes Thema behandeln.“, sagte Maron. „Joran hat die Inschrift auf dem Kegel übersetzt. Sie lautet: Wem mich die Schöpferin zugedacht, dem gebe ich unbegrenzte Macht.“ „Das war ja schon fast ein Geständnis von Sytania.“, sagte Mikel. „Nicht nur fast.“, sagte Maron. „Aber dadurch wissen wir auch, dass der Kegel nur auf Radcliffe reagiert und für uns andere völlig ungefährlich ist.“, sagte Kissara. „Allerdings.“, sagte Time. „Nur, ich frage mich, was uns diese Information nützen soll.“ „Im Moment vielleicht noch nichts, Peter.“, tröstete Zirell. „Aber wer weiß, wozu sie noch gut ist. Dass Radcliffe, als er noch Sytanias Wäscher war, seine Kräfte nicht nutzen konnte, wenn er Schmerzen hatte, konnte ja auch erst zu einem späteren Zeitpunkt gegen ihn verwendet werden. Warten wir doch erst einmal etwas ab. Ich bin überzeugt, der richtige Moment kommt noch!“ „Wie du meinst.“, sagte Time.

Zirell drehte sich dem Replikator zu. „Ich denke.“, sagte sie. „Als eine gute Gastgeberin sollte ich erst mal einige Erfrischungen darreichen. Wir dürften alle eine Pause benötigen, sonst wird das heute nichts mehr.“ Damit replizierte sie uns allen erst mal einen schönen kühlen Eiskaffee und andere Getränke, die wir uns ausgesucht hatten. Auch an mein kleines Problem hatte sie gedacht.

Time hatte die gesamte Situation auch während der Pause nicht losgelassen. „Es wäre alles bedeutend leichter, wenn wir Meilenstein hätten.“, sagte er zu seinem ersten Offizier, mit dem Scotty, Time und ich an einem Tisch saßen. „Da stimme ich Ihnen zu, Sir.“, sagte der demetanische Agent. „Nur werden wir es nicht bekommen, weil die Romulaner es vernichtet haben. Gerüchten nach mussten auch alle getötet werden, oder sich selbst töten, die etwas über Meilenstein wussten. Dass dies nicht nur ein Gerücht war, wissen wir ja auch durch Allrounder Betsys Aussage, die ja Professor Toreth tatsächlich im Reich der Toten begegnet sein muss. Ihre medizinischen Werte bestätigen das sogar.“ „Und was nützt uns das?!“, fragte Time leicht frustriert. „Ich denke, es wird genau so sein, wie mit allen Nebeninformationen, die wir bisher bekommen haben. Wir müssen abwarten.“, antwortete Yetron. „Ihre Geduld möchte ich haben, Agent.“, sagte Time. „Können Sie mir nicht was davon abgeben?“ „Bedaure.“, sagte der Demetaner. „Ich bin gerade nicht in Stimmung.“ Time grinste. Er wusste, dass solche Scherze bei Yetron an der Tagesordnung waren.

Den Eiskaffee hatte man direkt vor mich gestellt, denn ich war diejenige gewesen, der Zirell ihn auch zugedacht hatte. Nun sahen Time, Yetron und Scotty zu, wie ich zuerst mit dem beiliegenden Strohhalm die Flüssigkeit austrank, um mich dann mit dem Löffel der Kugel Eis zu widmen, die aber inzwischen auch schon halb geschmolzen war und selbst einen stattlichen See aus Flüssigkeit bildete. Das hatte zur Folge, dass diese vom Löffel heruntertropfte und teilweise auf der Untertasse neben dem Becher landete. „Ich finde, Sie könnten Ihrer Frau ruhig mal helfen, Techniker Scott!“, sagte Time in einer leicht streng anmutenden Tonlage zu Scotty, der aber nichts erwidern konnte, weil Yetron vorher abgewiegelt hatte und in seinem berühmten Vortragsstil, der manchmal auch an die Redeweise von Mr. Spock erinnerte, begann: „Offensichtlich hat Techniker Scott keinen Grund, dem Allrounder behilflich zu sein, da sie es ihm sonst bestimmt gesagt hätte. Sie sucht in den seltensten Fällen einen Helden, der ihre Probleme für sie löst, sondern eher jemanden, der sie in deren Lösung mit einbezieht, oder ihr gar beibringt, sich selbst zu helfen. Sie sucht also eher nach einem Lehrer. Oftmals findet sie, wenn man sie lässt, sogar eigene Lösungen und wenn nicht, fragt sie. Ihre Behinderung scheint uns alle zu veranlassen, sie unter unsere Fittiche nehmen zu wollen, aber ich denke, das will sie nicht. Gerade ich muss mich, als Demetaner, sehr zusammenreißen, weil auch meine Helferinstinkte angesprochen werden. Ich habe aber gerade durch Allrounder Betsy Scott gelernt, diese im Zaum zu halten. Schauen Sie bitte, was sie mit dem Strohhalm tut. Fällt Ihnen auf, dass sie ihn sehr gezielt durch den Becher führt, um an exakt den Stellen die Flüssigkeit zu entfernen, an denen sie sich befindet?“

Noch jemand hatte die Situation gesehen. Jemand, die nur kurz einen Blick auf unseren Tisch geworfen hatte. Es war Jenna, die plötzlich ein sehr merkwürdig anmutendes Verhalten an den Tag legte. Sie sprang auf und fetzte – von Laufen kann hier eindeutig nicht mehr die Rede sein – in Richtung der Tür. Dabei rief sie nur immer wieder: „Strohhalm? Gezielt?! Aber natürlich! Cenda, George, Montgomery, kommt! Wir müssen einen Meilenstein bauen! Shannon, Sie auch! Aber Sie werden die Systeme der Station überwachen! Jemand muss sich ja auch darum kümmern! Los!“ Alle Ingenieure stürzten hinter ihr her.

„Kann mir mal jemand erklären, was hier gerade passiert ist?!“, fragte Kissara, die sich das merkwürdige Verhalten der Technikerin nicht erklären konnte. „Ach, das ist nichts, Kissara.“, sagte Zirell beruhigend. „Jenna hat nur mal wieder eine Idee.“ „Wird sie dann immer zu so einem Wirbelsturm, Zirell?“, fragte Time. „Oh ja.“, grinste die Tindaranerin. „Das wird sie.“

Die fünf waren im Maschinenraum der Basis angekommen und Jenna teilte die Arbeit ein. Shannon, die als Einzige ihren Platz schon kannte, hatte sich an eine Konsole gesetzt, um die Station zu überwachen. Der Rest stand noch immer um McKnight herum, die IDUSA per Neurokoppler eine Liste von Dingen eingab, die dann der Reihe nach aus ihrem Replikator kamen. Dann sagte sie: „Montgomery, George, ihr baut das Gestell für die Probenzylinder zusammen. Cenda, wir beide machen die Arbeit, die mehr Fingerspitzengefühl verlangt. Wir bauen den Ring aus Emittern, der die Wellen erzeugen soll, aus denen der Eindämmungsstrahl für das Rosannium besteht.“ „Warte mal, Jenna.“, sagte Jannings. „Warum lässt du uns nicht …?“ „Komm mit, Kollege!“, sagte Scotty und zog ihn zu einer anderen Konsole. „Das ist schon richtig so, wie sie uns eingeteilt hat. Die Frauen können halt eindeutig besser fummeln.“

„Jenn’!“ Jenna war auf den Zuruf ihrer Assistentin aufmerksam geworden. Sofort drehte sie sich der blonden Irin zu. „IDUSA sagt, Sie hätten einen Phaser mit einer rosannium-fähigen Linse repliziert. Haben Sie etwa vor, den hier im Maschinenraum abzufeuern?“ „Wie sonst sollten wir denn wohl die Funktionsfähigkeit testen, Shannon, he?“, fragte Jenna zwar freundlich, aber bestimmt. „Aber wenn Sie das tun.“, sagte Shannon. „Dann wird der Sicherheitsalarm die Führungsoffiziere herrufen. Soll ich IDUSA befehlen, ihn vorher abzuschalten?“ „Oh, nein, Assistant.“, sagte Jenna. „Der Alarm bleibt schön aktiv. Ich will ja, dass sie herkommen. Ich bin bereit, mit allen sich aus dieser Situation ergebenden Konsequenzen zu leben.“ „Na dann.“, sagte Shannon und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu, was auch alle anderen taten.

Time, Zirell und Kissara diskutierten die Situation immer noch. Der Einzige, der sich nicht darüber aufzuregen und für den Zirells Erklärung auszureichen schien, war Yetron, der sich die ganze Zeit über mir gewidmet hatte. Er hatte gesehen, dass ich meine Tasse plötzlich wieder wie selbstverständlich an den Mund gesetzt hatte, ohne einen Strohhalm zu benutzen, eine Tatsache, die noch nicht mal mir selbst wirklich aufgefallen war. „Tun Sie das bitte noch einmal, Betsy.“, flüsterte er mir zu. „Was soll ich noch einmal tun, Sir?“, fragte ich irritiert. „Trinken.“, sagte der Demetaner und schien in seiner Uniformtasche nach etwas zu suchen.

Endlich hatte er den gesuchten Gegenstand gefunden und hielt ihn in meine Richtung. An den Geräuschen erkannte ich, dass es sich um seinen Erfasser handeln musste. Damit scannte er mich jetzt und schien angesichts der Ergebnisse sehr beeindruckt. „Es ist verschwunden.“, sagte er. „Was ist verschwunden?“, fragte ich, die ich meine Tasse gerade wieder abgestellt hatte. „Das Muster.“, erwiderte er. „Das merkwürdige fremde Muster, das Ihre Nervensignale blockiert hat. Es ist eindeutig nicht mehr zu sehen. Offensichtlich hat der hypnotische Befehl, den man Ihnen gegeben hat, seine Daseinsberechtigung erfüllt.“ „Aber was war seine Daseinsberechtigung?“, fragte ich. „Und was hat Jenna da gesagt von wegen Meilenstein bauen. Woher sollte sie denn wissen, wie das geht? Sie hat doch die Informationen von den Romulanern genau so wenig wie wir und was zur Hölle hat das mit mir zu tun? Ich kenne mich jetzt langsam gar nicht mehr aus!“ „Das wird sich, denke ich, noch zeigen.“, tröstete Yetron. „Sicherlich wird …“

Ein Signal hatte ihn, Maron und Mikel von Berufswegen aufschrecken lassen. Auch Zirell, Kissara und Time waren aufmerksam geworden. Mikel und Maron drehten die Köpfe, denn alle drei Agenten kannten dieses Signal sehr gut. „Jemand muss hier auf der Station eine Waffe abgefeuert haben.“, sagte Mikel. „Das haben wir gleich.“, sagte Maron und drehte sich dem nächsten Simulator zu, über den sich IDUSA allen gezeigt hatte. „IDUSA.“, sagte der erste Offizier der Basis 281 Alpha. „Wo ist der Phaser abgefeuert worden?“ „Im Maschinenraum, Agent.“, sagte die Simulation nüchtern. „Gib mir sofort Techniker McKnight über die Sprechanlage!“, befahl der Demetaner. „Sicher, Agent.“, sagte der Avatar freundlich und der Rechner der Station führte seinen Befehl aus.

„McKnight hier, Sir.“, kam es wenig später aus dem Lautsprecher. „Ist bei Ihnen alles in Ordnung, Jenna?!“, fragte Maron besorgt. „IDUSA hat Waffenfeuer an Ihrem Arbeitsplatz registriert.“ „Natürlich hat sie das.“, sagte Jenna, als sei es das Natürlichste der Welt. „Das war unser Versuchsphaser.“ „Ihr was?!“, fragte der erste Offizier blass und alle scharten sich wie auf ein geheimes Zeichen um ihn. Zirell fragte sogar empört: „Versuchsphaser?! Was zur Hölle treiben die da unten?!“ Was sie nicht wusste war, dass Maron das Mikrofon immer noch in der Hand und wohl aus Verwirrtheit weit in den Raum gehalten hatte, so dass Jenna auch ihre Frage hatte hören können. „Ich würde sagen.“, schlug die Ingenieurin vor. „Ihr kommt mal alle her und schaut euch an, was wir hier gebaut haben.“ „Das können Sie gern haben, McKnight.“, sagte Maron, hängte das Mikrofon ein und sah Zirell abwartend an. „Ihr habt es gehört!“, sagte die tindaranische Kommandantin, die inzwischen wohl auch mit ihrem Latein am Ende war. „Gehen wir!“ Damit schritt sie allen voran in Richtung des geheimen Kabinetts, in dem der in ihren Augen sehr merkwürdige Versuch stattgefunden hatte.

Jenna hatte zufrieden den Ausgang des Experimentes betrachtet. Sie hatte in Ermangelung echter telepathischer Energie die Zylinder mit replizierten elektrischen Energiemustern füllen lassen, die aber in der Frequenz voneinander abwichen. Dann hatte sie den Eindämmungsstrahl entsprechend konfiguriert. Auch dann, wenn die Zylinder genau nebeneinander standen, war immer nur der getroffen worden, auf dessen exakte Frequenz das Gerät eingestellt worden war. „Ich denke, wir haben es, Jenn’.“, urteilte Scotty. „Das können wir wohl mit ruhigem Gewissen behaupten, Scotty.“, erwiderte die hoch intelligente Halbschottin. „Und das ganz ohne die Hilfe der Romulaner.“ „Wohl aber mit Hilfe meiner Frau.“, sagte Scotty stolz. „Ich glaube, dass ihr Verhalten dich dazu inspiriert hat, nicht wahr?“ Jenna grinste.

„Schaut mal her!“, flapste plötzlich eine kesse helle Stimme durch das Halbdunkel des Maschinenraums, in dem nur das Arbeitslicht leuchtete. Jenna hatte IDUSA befohlen, die Beleuchtung auf diese Stärke zu drosseln, damit man den Effekt des Phaserschusses besser sehen konnte. Jetzt drehten sich alle in die Richtung, aus der man die Worte gehört hatte. Hier stand Shannon und hatte ein Tuch in der Hand, wie man es im Allgemeinen zum Verhüllen von Denkmälern verwendete. „Ich bin der Meinung.“, sagte die technische Assistentin. „Wir sollten Ihre Erfindung passend krönen.“ Damit breitete sie bereits das Tuch über die soeben selbstgebaute Version von Meilenstein. „Sehen Sie es als meinen bescheidenen Beitrag, Jenn’.“, grinste O’Riley. „Ich finde das gar nich’ so schlecht.“, sagte Scotty. „So können wir auch noch ein bisschen Effekthascherei betreiben, wenn die Führungsoffiziere gleich hier auflaufen.“

Unter Zirells Führung betrat bald der gesamte Trupp den Maschinenraum. „Würdest du mir bitte mal erklären, was hier los ist, Jenna?!“, fragte die Tindaranerin. „Oh, liebend gern, Zirell.“, sagte Jenna und gab Cenda ein Zeichen, die das Ende der Schnur, mit der das Tuch über dem Gerät entfernt werden konnte, in der Hand hielt. Die Celsianerin nickte und machte eine große ausladende Geste. Sie war gerade im Begriff, an der Schnur zu ziehen, als Maron ihr Handgelenk fasste und sie anwies: „Warten Sie, Techniker!“ Dann ging er einige Schritte zurück und betrachtete die Silhouette aus der Ferne. Er hatte jetzt ungefähr den gleichen Abstand zu ihr, den er auch auf Khitomer zu Meilenstein gehabt hatte.

Je länger der erste Offizier auf die unter dem Tuch verborgenen Teile des Gerätes sah, desto mehr entglitten ihm die Gesichtszüge. „Was hast du denn?!“, zischte Mikel seinem Kollegen zu, der genau neben ihm gestanden hatte. „Ich kann mich irren!“, stammelte Maron schließlich. „Aber genauso hat Meilenstein unter seinem Tuch auch ausgesehen. Woher in Mutter Schicksals Namen haben Sie die Informationen, McKnight?!“ „Sagen wir mal so, Sir.“, sagte Jenna. „Das Verhalten von Allrounder Betsy Scott hat mich dazu inspiriert.“

Sie ließ IDUSA einen leeren Zylinder replizieren, den sie dann Zirell gab. „Gib uns doch bitte eine Energieprobe von dir.“, sagte sie. „Na gut.“, sagte Zirell und ließ etwas von ihrer telepathischen Energie in den Zylinder fließen. Jenna replizierte noch zwei Zylinder mit künstlichen Mustern anderer Telepathen. Dann wurden alle drei Zylinder willkürlich auf der Vorrichtung verteilt. Dabei stand der mit Zirells Probe genau im Fadenkreuz des Phasers.

Jenna ging jetzt zur Bedienkonsole ihrer Erfindung und stellte etwas an der Software ein. Dann sagte sie: „Ich wette mit Ihnen allen, dass der Phaser Zirells Probe nichts tun wird!“ „Wie soll das möglich sein, McKnight?“, fragte Maron. „Der steht doch genau im Fokus!“ „Kommen Sie doch her, Sir.“, sagte Jenna. „Und versuchen Sie es, wenn Sie mir nicht glauben!“

Wortlos ging Maron an allen anderen vorbei, stellte sich hinter die Vorrichtung und betätigte die Feuertaste des Phasers. Dann ließ er sich von Shannon einen Erfasser reichen, mit dem er Zirells Probe scannte. „Sie ist tatsächlich intakt.“, staunte er. „Das liegt an dem Eindämmungsstrahl.“, erklärte Jenna. „Das habe ich auch gesehen.“, sagte der Agent. „Das bedeutet, es ist Ihnen tatsächlich gelungen, Meilenstein nachzubauen, Techniker. Herzlichen Glückwunsch!“ „Du solltest prüfen.“, sagte Zirell. „Ob das System in ein Schiff eingebaut werden kann. Vielleicht können wir den Romulanern … Ach, das geht ja nicht. Sie werden von uns ja keine Hilfe annehmen.“

Maron hatte mit Yetron einige Worte auf Demetanisch gewechselt und trat nun vor, um zu sagen: „Von uns nicht. Aber vielleicht vom Clan der Ginalla! Mit den Genesianern haben sie ja keinen Streit!“ „Die hätte ich ja fast vergessen.“, sagte Kissara. „Wo sind sie?“, fragte Zirell. „Wir haben sie jenseits der neutralen Zone hinter der genesianischen Grenze gesehen.“, sagte Time. „Sie warten dort wohl auf ein Zeichen.“ „Das dürfte ich ihnen sogar geben.“, sagte ich. „Schließlich bin ich ihre Erbprätora und solange Ginalla nicht hier ist …“ „In Ordnung.“, sagte Zirell. „Komm mit. Lass uns alles Notwendige in die Wege leiten, Betsy.“ „Erbprätora?“, fragte Kissara konsterniert. „Ich fürchte, Sie werden mir da noch einiges erklären müssen, Allrounder.“ „Das werde ich, Commander!“, versicherte ich. „Wenn Zeit ist, werde ich das. Aber jetzt …“ „Schon gut.“, nickte meine Vorgesetzte und winkte Zirell zu, die mich aus dem Raum zog. Auch alle anderen verließen wieder den Arbeitsplatz der Ingenieurinnen von 281 Alpha.

Ginalla, Shimar und Kamurus hatten inzwischen das Universum der Föderation erreicht. Der Tindaraner hatte dem Schiff die Steuerkontrolle übergeben, um ganz für die traumatisierte Celsianerin da sein zu können. Auch ohne seine telepathischen Fähigkeiten benutzen zu müssen wusste er, dass es ihr wohl nicht sehr gut ging, obwohl sie sich alle Mühe gab, dies nicht zu zeigen. „Hast du ’ne Ahnung, was die mit mir gemacht haben?!“, fragte sie. „Ich werde mir nicht anmaßen, ja zu sagen.“, sagte Shimar. „Die Wahrheit ist schließlich, dass ich es gar nicht weiß. Was ist denn an den Gerüchten dran, dass niemand mit dir …?“

Ginalla begann zu weinen und Shimar zog ihr rasch den Neurokoppler vom Kopf. Er wollte nicht, dass Kamurus auch nur einen weiteren ihrer Gedanken mitbekommen konnte. Das Schiff sollte sie als die tapfere Ginalla in Erinnerung behalten, als die er sie kannte. Bald darauf musste er aber schon den Protest des Avatars hinnehmen: „Warum hast du das getan, Shimar?!“ „Ich wollte nicht, dass du sie so siehst, Kamurus.“, erklärte der Tindaraner. „Das ist für mich nicht schlimm!“, erwiderte Kamurus selbstbewusst. „Ich bin ihr Schiff und habe doch wohl jedes Recht, meine Pilotin in diesem oder jenem Zustand zu sehen. Es wird mir dabei schon kein Zacken aus der Krone fallen! Außerdem ist es ja auch sowieso vorbei und ich bin auch ein sehr guter Tröster. Es wird sicher eine Möglichkeit geben, wie wir sie wieder aufrichten können und zwar zusammen. Wenn du sie nicht sofort den Koppler wieder aufsetzen lässt, werde ich mein Antriebsmodul für den Interdimensionsantrieb abstoßen und dann kommen wir wohl erst in 1000 Jahren in eure Dimension, wenn überhaupt. Dazu müssten wir ja erst mal eine interdimensionale Pforte finden.“

Das hatte gesessen! Shimar musste schlucken. Dann entschuldigte er sich: „Hey, tut mir leid, Kamurus. Ich fürchte, da sind wohl meine Beschützerinstinkte mit mir durchgegangen. Du hast natürlich Recht damit, dass ich kein Recht habe, mich in eure Beziehung einzumischen und zu bestimmen, was du von ihr sehen sollst und was nicht.“ „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.“, scherzte Kamurus. „Ich will dir noch mal verzeihen.“ „Danke.“, sagte Shimar. „Und damit du siehst, dass es mir damit ernst ist …“ Er setzte Ginalla den Neurokoppler wieder auf.

„Du hast es ja nur gut gemeint.“, schluchzte Ginalla. „Aber noch mal zu deiner Frage. Du, als Telepath, weißt sicher, dass ungelenke Versuche, eine geistige Verbindung aufzubauen, sehr große Verwirrung auslösen können. Manchmal hat es sogar tatsächlich körperlich wehgetan. Die Meisten, die zu mir kamen, waren dann schon voll wie 20 Klingonen nach ’ner Blutweinprobe.“ „Ich durfte mir ein Bild machen.“, stöhnte Shimar und schaute angewidert.

Erneut wurde sie von einem Weinkrampf geschüttelt. Er nahm ihren Oberkörper vorsichtig an seine Schulter und flüsterte: „Ist ja gut. Komm mal her, Ginalla. Komm mal her. Das ist ja jetzt alles vorbei.“ „Und an allem ist nur Sytania schuld!“, sagte Ginalla. „Genau.“, sagte Shimar. „Aber vielleicht finden wir ja eine Möglichkeit, es ihr noch mal so richtig zu geben! Denk mal an deinen Genesianerclan!“ „Ach.“, sagte Ginalla und ihr Gesicht hellte sich auf. „Die hätte ich ja schon wieder fast vergessen. Wäre ja echt peinlich, wenn die ihre Prätora so sehen würden.“

Kamurus leitete plötzlich eine Schubumkehr ein und verlangsamte. Dann kam er zu einem vollen Stopp. „Was ist los, Kamurus?“, fragte Shimar. „Warum hast du gestoppt?“ „Es gibt ein Hindernis, Shimar.“, sagte das Schiff und sein Avatar machte ein betroffenes Gesicht. „Zeig mal her.“, sagte Shimar. „OK.“, sagte Kamurus und zeigte beiden das Sensorenbild auf den Neurokopplern. „Was is’ denn das?“, flapste Ginalla, die inzwischen wohl ihren Humor wieder gefunden haben musste. „Das ist mein Freund Brotheas.“, sagte das Schiff. „Is das etwa das Wesen, das dich gerettet hatte?“, fragte die Celsianerin. „Ja, das ist er.“, sagte Kamurus. „Aber etwas hat sich verändert. Ich glaube, es geht ihm nicht gut.“ Er zeigte beiden einen Teil der Struktur des bioplasmischen Wesens, der vom Rest abwich. „Oh, nein.“, verstand Shimar traurig. „Auf organische Verhältnisse übertragen bedeutet das, er hat einen Tumor. Aber ich spüre genau, wer ihm den verpasst hat! Sytanias telepathischer Einfluss ist überdeutlich.“ „Kannst du nicht deine Kräfte benutzen, und den Tumor entfernen?“, fragte Kamurus. „Allein komme ich gegen Sytania nicht an.“, sagte Shimar. „Dann müssen wir uns wohl was einfallen lassen.“, sagte das Schiff. „Moment mal, Kumpel.“, mischte sich Ginalla ein. „Wer hat gesagt, dass wir hier überhaupt was machen?! Die alte Hexe hat das doch sicher nur mit deinem Retter gemacht, damit du Schuldgefühle kriegst und wir aufgehalten werden. Dafür haben wir aber keine Zeit! Oder willst du dich etwa von Sytania aufhalten lassen?!“ „Ich kann aber auch nicht zulassen, dass mein Freund stirbt.“, sagte Kamurus und sah sie flehend an. „Was Sytania mit ihm gemacht hat, ist sicher ihre Rache für meine Rettung. Er hat mich vor ihren Vendar bewahrt und ich schulde ihm was. Was wäre ich für ein Freund, wenn ich ihm jetzt, da er in Not ist, nicht helfen würde? Ginalla, bitte, lass dir was einfallen. Shimar, was sagst du denn dazu?“ „Zeig mir noch mal die Lage des Tumors.“, überlegte der Tindaraner. „Wie du willst.“, sagte Kamurus erleichtert und führte seinen Befehl aus.

Der im Kunstflug ausgebildete Tindaraner studierte das Bild vor seinem geistigen Auge genau. Dann sagte er halblaut: „Das könnte gehen.“ „Was überlegst du?!“, fragte Ginalla mit leichter Empörung in der Stimme, denn sie konnte sich immer noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass sie dem Wesen helfen würden. „Ich überlege, ihn auf konventionelle Weise zu operieren!“, sagte Shimar entschlossen. „Hat man dir ins Hirn geschissen?“, fragte Ginalla. „Wie soll das denn gehen?“ „Ganz einfach.“, sagte der tindaranische Patrouillenflieger. „Wir fliegen in seinen Hals, nachdem wir ihn narkotisiert haben und dann schneiden wir die Struktur mit dem Phaser heraus. Damit wir das Plasma nicht entzünden, muss der Phaser aber so genau feuern, dass nur die ungesunde Struktur getroffen und verbrannt wird. Schaffst du das, die Waffe so weit zu drosseln, Kamurus?“ „Das schaffe ich!“, sagte das Schiff erleichtert und nahm demonstrativ die notwendigen Einstellungen vor. „Sehr gut.“, lobte Shimar. „Das war ja schon mal die halbe Miete.“ „Aber was ist mit der anderen Hälfte?“, fragte Ginalla. „Ich meine, wie schickt man so ein Wesen schlafen und wie stillt man bei so einem Wesen eine Blutung? Außerdem müsste Kamurus eventuell in Winkel gestellt werden, die kein normaler Pilot fliegen kann. Jedenfalls schaffe ich das nich’. Dazu braucht es jemanden mit einer Kunstflugausbildung!“ „Sitzt neben dir!“, setzte sich Shimar durch. „Also steht unserem Manöver ja wohl von der Seite her nichts im Weg! Aber ich glaube, ich weiß, was dich stört, Ginalla. Aber zu dem Thema werde ich dir jetzt mal was erklären. Ich musste bei meinem Dienstantritt beim tindaranischen Militär schwören, Schaden durch Feindeshand von denen abzuhalten, die unter meinem Schutz stehen und unsere Feindin Sytania hat hier ja wohl eindeutig jemanden geschädigt, der ein Freund ist. Wir müssen ihr die deutliche Botschaft senden, dass wir das nicht hinnehmen werden! Den ganzen Rest kriegen wir sicher irgendwie hin. Ich wäre dir verdammt dankbar, wenn du mal deine technischen Talente einsetzen würdest, um uns bei der Lösung der Probleme zu helfen!“ „Wartet mal.“, sagte Kamurus. „Wegen der Narkose kann ich vielleicht was beitragen. Als ich in Brotheas war, hat er gesagt, dass er seine Speiseröhre nicht gespürt hat, als ich auf Warp ging. Ich denke, dass mein Warpfeld seine Schmerzsignale blockiert.“ „Wow!“, machte Ginalla. „Das könnte sogar gehen. Ich meine, dein Warpfeld schwingt nicht auf dem 21-cm-Band, weil du aus einer anderen Dimension kommst. Deine ganze Energie tut das nich’. Es sind zwar nur kleine Abweichungen, aber die könnten entscheidend sein! Zeig mir noch mal die internen Strukturen von deinem Freund und dann leg mal ein Strahlungsbild von einem detonierten Photonentorpedo darüber!“ „Was willst du damit bezwecken, Ginalla?“, fragte Shimar. „Ich setze gerade meine technischen Talente ein, um unsere Probleme zu lösen.“, sagte Ginalla.

In diesem Augenblick legte ihr Kamurus das verlangte Bild auf den Neurokoppler. „Wie geil is’ das denn?!“, freute sich Ginalla. „Das passt ja wie Arsch auf Eimer!“ „Du meinst.“, sagte Shimar. „Die Strahlung könnte wie ein Pflaster wirken?“ „Genau.“, sagte die Celsianerin. „Aber der Torpedo müsste in seiner Leistung auch gedrosselt werden. Ich meine, er dürfte nur eine sehr geringe Sprengwirkung haben.“ „Die habe ich schon berechnet.“, sagte Kamurus. „Und eine Reihe von Torpedos ist auch schon konfiguriert. Nur werde ich unmöglich die komplexen kunstfliegerischen Manöver ausführen können, die Shimar von mir verlangen wird und gleichzeitig die Waffen kontrollieren können. Mein Arbeitsspeicher reicht dafür nicht aus. Sicher soll ich auch noch Brotheas’ Körperfunktionen überwachen.“ „Dann gib mir die Waffenkontrolle.“, bot Ginalla an. „Also gut.“, sagte Kamurus und zeigte ihr die Waffenkonsole. „Kannst du Brotheas erklären, was wir vorhaben?“, fragte Shimar. „Ich könnte es telepathisch versuchen, aber nach seinen letzten Erfahrungen mit einer Telepathin dürfte er darauf nicht gut zu sprechen sein.“ „Ich werde einen dritten Neurokoppler replizieren.“, sagte Kamurus. „Ginalla, könntest du ihn bitte anschließen? Dann lade ich Brotheas’ Tabelle und rede mit ihm darüber. Den Koppler würde ich sowieso brauchen, weil ich ja sicher beurteilen muss, wie viel er noch merkt.“ „Genau.“, sagte Shimar. „Also dann.“, sagte Kamurus und replizierte den Koppler, den Ginalla auch gleich seiner Bestimmung zuführte.

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