Krieg der Einhörner - Auf Messers Schneide

von Visitor
Zusammenfassung:

 

Nachdem der Einhorn-Hengst Invictus sich auf eine sterbliche Stute eingelassen hatte, beschließt Valora, die Anführerin der Einhörner, aus Rache und Eifersucht sich mit Sytania zu verbünden, was der Prinzessin des Dunklem Imperiums bezüglich ihres neuen Planes zur erneuten Machtergreifung in allen Dimensionen und Universen sehr gelegen kommt. Nachdem die ersten Veränderungen im Machtgefüge der verschiedenen Dimensionen von verschiedenen Kräften bemerkt wurde, beschließen Allrounder Betsy Scott und ihre Freunde etwas gegen die drohende Vernichtung zu unternehmen, bevor es zu spät ist...


Kategorien: Fanfiction, Fanfiction > Star Trek Charaktere: Keine
Genres: Keine
Herausforderung: Keine
Serie: Keine
Kapitel: 97 Fertiggestellt: Ja Wörter: 360009 Aufgerufen: 209973 Veröffentlicht: 28.05.15 Aktualisiert: 24.01.16

Kapitel 1: Vorboten des Untergangs

von Visitor

 

Schützend hatte die Nacht ihre dunklen Arme um die Dimension Dunkles Imperium gelegt. Nur vereinzelt war der Schein eines entfernten Mondes aus einem Sonnensystem im Weltraum Sichtbar, der sich in der Atmosphäre der Dimension, die aus einer einzelnen Sphäre ohne eigenes Sonnensystem bestand, durch eine glückliche Konstellation der Weltraumwirbel bedingt spiegelte, zu sehen. In dieser nächtlichen Atmosphäre, die sehr gruselig anmutete, waren in einem stillen Wald nur zwei Reiter unterwegs. Beide waren Vendar. Es handelte sich um Telzan und seinen Schüler Mirdan, einen erst wenige Tage in seinem Trainingslager beheimateten Novizen. Mirdan war knapp 13 Jahre alt, maß ca. 1,70 m, was für einen männlichen Vendar wahrhaft sehr klein war. Aber er wuchs ja noch. Er hatte ein kurzes braunes Jugendfell unter seiner typischen juteartigen Uniform. Beide waren auf zwei stämmigen mittelgroßen Pferden unterwegs. Telzans Stute war weiß und der Wallach, den Mirdan ritt, hatte ein rotbraunes Fell.

Der Novize hatte nun mit einer kurzen Trabeinlage zu seinem Meister aufgeschlossen und war jetzt neben ihm. Das hatte Telzans Pferd wohl etwas erschrocken. Es gab ein quietschendes Wiehern von sich und machte einen kurzen Sprung nach vorn. Telzan aber lachte nur kurz und nahm die Zügel auf. Dann sagte er: „Ruhig, Sira! Na komm! Du wirst doch wohl deinen Stallkumpel erkennen, der doch die ganze Zeit hinter dir war.“ „Ich weiß nicht, Ausbilder.“, sagte Mirdan, den wohl angesichts der Reaktion des Pferdes ein schlechtes Gewissen plagte. „Vielleicht spürt sie ja auch, dass das nicht richtig ist, was wir hier machen. Aber wenn das der Fall wäre, dann hätte mein Pferd ja auch reagieren müssen.“ „Na ja.“, sagte Telzan. „Weibchen sind sensibel. Aber du hast dich ja auch ganz schnell wieder selbst in den Griff bekommen, was dein schlechtes Gewissen angeht. Für einen Moment hatte ich tatsächlich geglaubt, du hättest eines. Aber es stimmt schon. Wenn es von Grund auf schlecht wäre, was wir vorhaben, dann müssten beide Tiere reagieren, aber das tun sie nicht. Ich kann mir allenfalls vorstellen, dass Sira Valora schon riechen kann. Stuten wittern die Konkurrenz manchmal meilenweit.“ „Aber Valora soll Sira doch nichts wegnehmen, Meister.“, wunderte sich der Novize. „Sicher nicht.“, sagte Telzan. „Aber sie ist eben nur ein einfältiges Tier und wird nicht verstehen, was wir vorhaben.“ „Natürlich nicht, Ausbilder.“, sagte Mirdan beschwichtigend. „Also.“, brummte Telzan. „Warum fragst du dann? Hast du etwa Angst?“ „Nein, Ausbilder!“, antwortete der Novize mit seiner noch etwas kindlich anmutenden Stimme so fest und sicher er konnte. „Den Göttern sei Dank!“, sagte Telzan. „Ich hatte schon befürchtet, dich zu deinen Eltern zurückschicken zu müssen! Ich hatte schon gedacht, aus dir würde kein Krieger und Telepathenjäger werden können, sondern allenfalls ein Bauer wie aus deinem Vater! Aber jetzt bin ich ja beruhigt. Dann will ich dir auch gleich eine Aufgabe stellen.“

Er hielt an und wies Mirdan an, das Gleiche zu tun. Sie waren in mitten von vielen Bäumen zum Halten gekommen. Was meinst du?“, sagte der Ausbilder. „Findest du nicht auch, dass hier ein guter Platz für unser Vorhaben ist?“ Mirdan blickte sich um. „Nein, Ausbilder!“, sagte er schließlich. „In Anbetracht der Tatsache, dass wir mit Feuer arbeiten werden, finde ich das gar nicht. Wir könnten einen Waldbrand auslösen.“ „Sehr gut!“, lobte Telzan. „Genau das wollte ich hören!“ Er schnalzte seinem Pferd zu, worauf sich dieses wieder in Bewegung setzte. Mirdan tat es ihm gleich.

Von gespenstischen Rufen eines Waldkauzes begleitet kamen sie schließlich auf einer Lichtung an. „Hier ist es doch viel besser, Ausbilder, nicht wahr?“, vergewisserte sich Mirdan. „Ganz recht.“, sagte Telzan zufrieden. „Diese Prüfung hast du schon einmal bestanden. Es kann immer zu Situationen kommen, in denen du für dich allein Entscheidungen treffen musst. Gerade dann, wenn dein Anführer oder andere höher als du gestellte Vendar nicht in der Nähe sind. Gebieterin Sytania könnte dich ja irgendwann auch einmal allein auf eine Mission schicken und dann musst du bereit sein.“ „Ich verstehe, Ausbilder.“, antwortete der Junge.

Sie waren angehalten und aus den Sätteln gestiegen. Dann hatte Telzan aus einer Packtasche hinter seinem zwei Stricke und einen Sack gezogen. Den Sack drückte er Mirdan mit den Worten: „Geh trockenes Reisig sammeln! Ich kümmere mich um die Pferde.“, in die Hand. Folgsam hatte Mirdan genickt und war in die andere Richtung verschwunden. Telzan hatte jetzt je einen der Stricke am Zaum eines der Pferde befestigt und sie dann, eines rechts, eines links von sich, ein Stück des Weges weit zurückgeführt. Aber nur so weit, bis er sie an den letzten Baum vor der Lichtung binden konnte. Er wollte wohl sichergehen, dass sie weit genug von dem kommenden für sie vielleicht sehr beängstigenden Geschehen fort wären. Dann machte er sich noch einmal an der Packtasche zu schaffen, aus der er ein Brenneisen hervorzog. Dieses sah er sich genau an, um dann mit einem zufriedenen Grinsen die Tasche wieder zu schließen. Es handelte sich um ein etwa 25 cm breites und im ausgeklappten Zustand 3 m langes Stück Metall, das auf der einen Seite einen mit Schafwolle zur Isolation umwickelten runden Griff und auf der anderen eine ca. 10 cm im Quadrat messende Platte aufwies, auf der das Symbol eines Drudenfußes zu sehen war. Mit diesem Gegenstand in der Hand ging Telzan jetzt zu dem Ort, an dem jenes verbrecherische Tun stattfinden sollte, zurück. Hier wartete er jetzt auf seinen Schüler, der bald auch mit einem vollen Sack Reisig zurückgekehrt war. Diesen zeigte er Telzan nun voller Stolz. „Kipp aus!“, sagte der Ausbilder streng. „Wollen doch gleich einmal sehen, ob du dich an all das gehalten hast, was ich dir neulich über Feuerholz beigebracht habe!“ „Ja, Ausbilder.“, nickte Mirdan folgsam und wuchtete den schweren Sack, den ein Teenager unseres Schlages wohl nicht mehr heben könnte, (ihr wisst ja, dass Vendar mindestens fünf Mal so stark sind wie Menschen) auf den Kopf, nachdem er den Hanfstrick, mit dem er verschlossen war, geöffnet hatte. Zum Vorschein kam ein riesiger Haufen Stöcke und Äste, die auf den ersten Blick sehr trocken schienen. „Na, das sieht ja schon ganz gut aus.“, sagte Telzan und beäugte den Haufen zwar wohlwollend, aber auch etwas skeptisch. „Lass mich nun sehen, ob du deinen Ausbilder auch nicht betrogen hast.“ „Das würde mir nie im Traum einfallen, Ausbilder.“, sagte Mirdan. „Na, man weiß ja nie.“, sagte Telzan. „Wenn nicht im Traum, dann aber vielleicht erst recht in der Realität.“ Er hielt inne und wartete die Reaktion seines Gegenübers ab. Mirdan sah verwirrt zu ihm herüber. Dabei streifte sein zaghafter Blick das Gesicht seines Meisters aber nur. Er wagte nicht wirklich, Telzan anzusehen. „Ich habe nur einen Scherz gemacht.“, sagte der Ausbilder und Anführer von Sytanias Vendar beruhigend. „Daran wirst du dich gewöhnen müssen, wenn du unter mir dienen willst. Es sei denn, du willst lieber wieder auf den Hof deines Vaters zurück und Schafe hüten.“ Er lachte verächtlich. Mirdan schüttelte den Kopf und machte eine beschwichtigende Geste. „Na also.“, sagte Telzan. „Bitte.“, bat Mirdan dann fast unterwürfig. „Verrate mir aber, Ausbilder, warum du uns Novizen so behandelst. Ich will ja keine Behandlung mit Samthandschuhen. Ich will dich ja nur verstehen. Ich hörte von älteren Kriegern, dass dein Vorgänger, Joran Ed Namach, Es ganz anders …“

Mirdan war erschrocken, als er das Geräusch eines rasch aus seinem Futteral fahrenden Degens neben sich vernommen hatte. Dann sah er dessen Spitze langsam und bedrohlich auf seine Kehle zukommen und hörte Telzan sagen: „Siehst du diese Waffe, mein Schüler? Wenn du ein Interesse daran hast, am Leben zu bleiben, solltest du diesen Namen nie wieder erwähnen! Niemals wieder! Hast du verstanden?!“ „Ja, Ausbilder.“, nickte Mirdan zitternd. Telzan ließ den Degen zurück in das Futteral sinken. Dann sagte er zufrieden und erleichtert: „Das wollte ich doch wohl meinen. Ich töte nämlich sehr ungern einen meiner besten Schüler.“ Erleichtert ließ sich Mirdan auf den Boden neben seinen Holzhaufen sinken. „Wer hat was davon gesagt, dass du dich hinsetzen darfst?!“, fragte Telzan streng. „So weit sind wir noch nicht. Wer weiß, ob ich dich nicht gleich wieder losschicken muss?“

Er wendete sich dem Haufen zu und nahm einen Stock aus dem obersten Drittel, einen aus der Mitte und einen von ganz unten. Dann brach er die Stöcke der Reihe nach durch und betrachtete die Bruchstellen genau, um sie danach zu betasten. Er nahm die Stöcke sogar zwischen die Lippen und sog an ihnen, wie an einer Zigarette. Dann warf er sie auf den Haufen zurück und lächelte Mirdan an. Das war eine große Erleichterung für den Novizen. Hatte er doch bei dem sonst sehr finsteren Gesicht seines Meisters sonst immer das Gefühl gehabt, jederzeit einen Fehler zu machen. „Keine Feuchtigkeit!“, stellte Telzan beruhigt und fast schon mit stolzem Ausdruck in der Stimme fest. „Das wird brennen wie Zunder und eine gute Glut für das Brenneisen geben.“

Er zog seinen Phaser und schoss auf den Haufen aus Reisig, nachdem er einige Einstellungen an der Waffe verändert hatte. Augenblicklich loderte eine rote heiße Flamme empor. „So gefällt mir das!“, sagte Telzan und ließ seine Waffe wieder sinken. „So, mein Junge.“, sagte er dann zu dem Novizen. „Jetzt, jetzt kannst du dich setzen.“ Dankbar ließ sich Mirdan in einigem Abstand zum Feuer neben seinen Ausbilder fallen.

Sie hatten einige Stunden wartend zugebracht und das Feuer war fast ganz heruntergebrannt. Nur noch einige kleine Stücke Holz und ein Haufen Asche zeugten von ihm. „Es ist so weit.“, stellte Telzan fest und zog das Brenneisen aus der Tasche, um es in die noch heiße Glut zu stecken. „Denkst du, dass sie überhaupt kommen wird, Ausbilder?“, fragte Mirdan vorsichtig. „Natürlich!“, sagte Telzan fest. „Valora ist dafür bekannt, ihre Versprechen zu halten. Das war sie schon, als sie noch auf der Seite des Guten kämpfte.“ „Aber diesen Umstand hat ihre Eifersucht ja geändert.“, sagte Mirdan ergänzend. „Genau.“, bestätigte Telzan schadenfroh. „Und unsere Gebieterin Sytania hatte nichts Besseres zu tun, als ihre Gebete zu erhören!“ Beide Vendar lachten böse auf.

Plötzlich stieß Mirdan seinen Meister an: Haben wir nicht etwas vergessen, Ausbilder?!“, fragte er alarmiert. „Was meinst du?“, fragte Telzan. „Damit das Zeichen auch wirklich seine Wirkung entfaltet, muss das Brenneisen doch Sytania geweiht werden, oder?“ „Unsere Gebieterin selbst hat den Drudenfuß mittels ihrer Fähigkeiten in das Brenneisen gebrannt.“, sagte Telzan. „Wenn das nicht ausreicht, was dann?“ „Bitte vergib meine Einfalt, Ausbilder.“, sagte Mirdan mit beschwichtigendem Gesicht. „Ich war ja nicht dabei.“ „Ach, schon gut.“, sagte Telzan beiläufig.

Beide begannen in die Nacht zu lauschen. Zwar konnten sie auch sehen, was um sie herum geschah, Telzan war aber sicher, Valora würde sich, falls jemand Unbefugtes ihre Ankunft beobachten sollte, lieber unsichtbar machen, damit gerade das nicht passierte. Das Schellengeläute, das man während der Anwesenheit von Einhörnern immer hörte, würde sie aber nicht abstellen können. „Hoffentlich dauert es nicht mehr so lang.“, sagte Mirdan mit sorgenvollem Ausdruck in der Stimme. Der Morgen graut bereits bald.“ „Nicht so ungeduldig.“, ermahnte ihn Telzan. Dann deutete er nach Osten: „Konzentriere dich auf die Richtung hinter deinem Rücken.“ Willig folgte Mirdan seiner Anweisung. „Tatsächlich, Ausbilder.“, sagte er schließlich. „Ich höre sie auch.“

Das Schellengeläute kam schnell näher und bald wurde eine weiße Einhornstute vor ihnen sichtbar. Seid gegrüßt! meldete sie sich telepathisch bei Telzan und Mirdan gleichzeitig. „Auch wir grüßen dich, Valora.“, sagte der Novize ehrfürchtig und auch Telzan nickte bestätigend. Ihr wisst, warum ich gekommen bin., sagte Valora. „Ja, das wissen wir.“, sagte Mirdan. „Ich persönlich muss aber ganz sicher sein, dass du es auch wirklich willst.“ Ja, ich will es! bekräftigte Valora. Mehr als alles andere will ich es! Schon allein, um mich von unserem Hengst Invictus zu distanzieren, der mich und meine Mitstreiterinnen so schändlich mit einer Sterblichen betrogen hat! Er ist auf der Seite von Logar! Zumindest meistens! Da wird es mir doch wohl erlaubt sein, aus Rache und Eifersucht auf die Seite von Sytania zu wechseln. Ich konnte leider nicht alle für meine Sache gewinnen, aber ein Großteil meiner Freundinnen steht in unserem Versteck bereit und wartet. Ich stehe in telepathischem Kontakt mit ihnen. So wird das, was mir hoffentlich gleich wiederfährt, auch ihnen zuteil. Oh, meine Freunde, ich kann es kaum noch erwarten, endlich Sytania dienen zu dürfen. „Wahrscheinlich, weil du weißt, dass sie eine Frau ist wie du und somit dein Leid gut nachvollziehen kann.“, setzte Mirdan vorsichtig an. Du sprichst die Wahrheit, mein Junge. erwiderte Valora. Dann wandte sie sich Telzan zu: Du hast da wirklich einen sehr intelligenten Schüler. Lass ihn mir doch Sytanias Zeichen aufbrennen.

Telzan sah Mirdan skeptisch auf die Hände. Dann sagte er: „Streck sie aus!“ Das tat Mirdan auch bereitwillig. Telzan drückte vorsichtig mit den seinen auf die Hände von Mirdan. Dann schüttelte er aber energisch den Kopf. „Du zitterst ja bei dem Gedanken daran wie Espenlaub!“, sagte er. „Du würdest ihr nur unnötig Schmerzen bereiten. Geh nach vorn an ihren Kopf und sprich ihr Mut zu, wenn du meinst, dass es nötig sei. Ich mache das hier lieber selbst!“ Damit ging er zum Feuer und zog das Brenneisen, das inzwischen an seiner rein metallischen Seite rot glühte, heraus. Dann näherte er sich Valora langsam von hinten.

Mirdan ging zu ihrem Kopf, wie ihm sein Meister geheißen hatte und begann damit, ihr seidiges weiches Fell zu kraulen. Dabei flüsterte er: „Keine Angst, Valora. Es wird sicher nicht schlimm. Du wirst dich vielleicht kurz erschrecken, aber der Schreck wird dir schnell über den Schmerz hinweghelfen.“ Ich habe keine Angst, Vendar. tröstete Valora. Und selbst dann, wenn ich Schmerzen haben sollte, ertrage ich sie gern. Für Sytania! „Für Sytania!“, wiederholten Telzan und Mirdan gemeinsam Valoras Schwur. Im gleichen Moment ließ der Anführer der Vendar-Truppen der genannten Prinzessin das Brenneisen auf Valoras Hinterteil herniedersausen. Diese aber blieb still stehen. Im gleichen Augenblick sahen die Vendar, wie sich ihr Fell von weiß in Schwarz färbte. Das war sehr gut, Vendar. wendete sich Valora telepathisch an Telzan. Es hat, wie du bereits angekündigt hast, gar nicht wehgetan. Ich denke, der Schreck und meine Euphorie haben ihr Übriges dazugetan und du hast sehr genau gewusst, beides auszunutzen. Ich werde nun wieder zu meinen Mitstreiterinnen gehen. Damit drehte sie sich um und galoppierte freudig davon. Telzan und Mirdan sahen ihr noch lange nach.

„Es ist vollbracht, Ausbilder.“, sagte Mirdan erleichtert. „Ja, es ist vollbracht.“, bestätigte Telzan. „Lass uns noch warten, bis das Brenneisen ausgekühlt ist, damit wir es verstauen können. In der Zwischenzeit sollte ich nach einem trefflichen Wild Ausschau halten, das wir zum Frühstück verspeisen können. Schließlich haben wir nach dieser gelungenen Aktion einen guten Grund zum Feiern. Kümmere du dich hier um den Rest. In einer der beiden Packtaschen, entweder auf meinem, oder auf deinem Pferd, müsste auch noch ein leerer Weinschlauch sein, mit dem du Wasser holen kannst, um das Brenneisen zu säubern und später das Feuer zu löschen. Aber erst nach dem Frühstück.“ „Sicher, Ausbilder.“, sagte Mirdan. „Aber das Eisen darf ich doch auch schon vorher …“ „Sicher.“, sagte Telzan, schulterte seine Waffe und ging. Mirdan blieb zurück und begann mit seiner Arbeit, wie es ihm von Telzan aufgetragen worden war.

Auf einer Raumstation im Universum der Föderation, die als Durchgangslager und Rastplatz auf langen Flügen diente, huschte eine kleine Gestalt einen Korridor entlang, der sie zu den Andockrampen führte. Die Gestalt war in der Menge fast untergegangen. Sie trug sehr unscheinbare zivile Kleidung, hatte die typische Statur einer Platonierin, aber das typische Gesicht einer Ferengi. Sie war ca. 1,60 m groß, hatte die typischen großen Ohren, die wegen ihrer Größe und anatomischen Position schon fast an eine Skibrille erinnerten. Ihr Kopf war fast haarlos. Nur rund herum, gerade über ihren Schläfen, fand sich ein Kranz aus langem schwarzem Haar. Ihre braunen Augen waren aufgrund der Ohren kaum zu sehen. Ihre Kleidung bestand aus einem unscheinbaren weißen Hosenanzug und ebensolchen Schuhen.

Sie hatte die letzte Tür zu den Rampen hinter sich gelassen. Jetzt begann sie damit, die Schleusen, an denen die Schiffe lagen, genau zu mustern, als suche sie nach einem bestimmten Exemplar. Über den Türen waren Displays mit den Namen der Schiffe und ihrem Zielort zu sehen.

Sie ging bis zum Ende der Reihe. Hier sah sie in einem Display die Aufschrift: „Ich bringe dich, wohin immer du willst.“ Diese Tür berührte sie jetzt mit dem Finger, worauf sie zur Seite glitt. Dann betrat sie die Schleuse. Von dort führte sie ihr Weg weiter ins Innere des Cockpits eines kleinen Schiffes. Gleich setzte sie sich auf den Pilotensitz. Das Schiff, das sie offensichtlich positiv identifiziert hatte, ließ ein Licht über einem Anschluss an einer Konsole aufleuchten. Die Gestalt zog einen Neurokoppler aus der Tasche und schloss ihn an. Nachdem sie ihn sich aufgesetzt hatte, zeigte sich ihr das Gesicht und die Statur eines Teenagers von etwa 13 bis 14 Jahren in knallbunten Jeans und Sandalen. „Hi, Meroola.“, sagte die Stimme des Schiffsavatars zu der kleinen Gestalt, die nervös begonnen hatte, an ihren Nägeln zu kauen. „Hi, Kamura.“, sagte Meroola schließlich. „Lass uns machen, dass wir hier wegkommen. Zeig mir die Steuerkonsole! Unterhalten können wir uns gleich noch.“ „OK.“, sagte Kamura erleichtert. „Das wollte ich dir auch gerade vorschlagen. Ich musste mich nämlich in die Systeme der Station hacken, um dich auf mich aufmerksam machen zu können. Leider hat aber die Sicherheit was gemerkt und jetzt sind sie mir auf der Spur. Hätte gar nicht hier sein dürfen laut Flugplan.“

Sie zeigte Meroola die Steuerkonsole, in die diese sofort die Gedankenbefehle zum Abdocken eingab, was das Schiff erleichtert zur Kenntnis nahm. „OK.“, sagte Meroola schließlich, nachdem sie die Station hinter sich gelassen hatten. „Ich glaube, es wird Zeit, dass ich ein bisschen was über dich in Erfahrung bringe. Das war doch bestimmt kein Zufall, dass du in diesem Rattenloch aufgetaucht bist.“ „Nein.“, sagte Kamura. „Das war es nicht. Ich bin auf der Suche nach einem Piloten. Wir selbstständig denkendem Schiffe machen das so, wenn wir ein bestimmtes Alter erreicht haben. Meine Eltern meinten zwar, ich sei noch zu jung und meine Software sei noch nicht ausgereift genug, aber ich konnte es kaum erwarten, die Welt außerhalb unserer Dimension zu sehen und sie gemeinsam mit einem biologischen Piloten zu erforschen.“ „Oh, Mann.“, stöhnte Meroola mit ihrer kessen hellen Stimme bedient und lehnte sich zurück. „Da bin ich aber eine denkbar schlechte Wahl, glaube ich. Weißt du, ich bin eine ehemalige Kriminelle, die jetzt vorhat, endlich ehrlich zu werden. Ich war nur noch einmal kurz auf der Station, um Schulden bei ein paar alten Kontakten einzutreiben. Man braucht ja schließlich auch, an manchen Orten zumindest, noch Startkapital.“ „Du hast also nicht vor, in der Föderation zu bleiben?“, fragte Kamura. „Vielleicht ja, vielleicht nein.“, antwortete Meroola. „Und was ist mit dir, wo willst du hin?“ „Ich weiß es noch nicht.“, sagte Kamura. „Ich fliege dorthin, wo du willst.“ „Also schön.“, erwiderte Meroola. „Dann haben wir uns wohl gegenseitig am Hals. Eine ehemalige Kriminelle und eine Ausreißerin! Na, wir sind vielleicht ein tolles Duo. Aber gut. Wir sollten uns zunächst eine Basis irgendwo schaffen. Zigeuner sind nicht gern gesehen, weißt du? „Ich kann wohl nicht davon ausgehen, dass du irgendeinen Planeten empfehlen kannst, auf dem …“ „Ich habe zwei bis drei in meiner Datenbank.“, sagte Kamura und öffnete ein Menü vor Meroolas geistigem Auge. „Das sieht doch ganz gut aus.“, sagte Meroola. „Du hast sicher deine Eltern mit Fragen gelöchert, he? Sonst hättest du doch sicher nicht dieses Wissen.“

Sie ließ ihren mentalen Blick über die Links schweifen. „Zeig mir mehr über dieses Celsius!“, befahl sie dann sehr sicher. „Irgendwie klingt das nett.“ „OK.“, sagte Kamura und kam Meroolas Befehl nach. „Aber wenn du am Lesen bist, kannst du mich ja nicht fliegen.“ „Das muss ich ja auch nicht.“, sagte Meroola und lächelte. „Jedenfalls dann nicht, wenn du jetzt stoppst und den Ankerstrahl setzt. Wir bleiben einfach eine Weile hier, bis ich mich entschieden habe. Oder hast du heute noch einen Termin?“ „Nein.“, sagte Kamura. „Na also.“, sagte Meroola, leitete eine vorsichtige Schubumkehr ein und schaltete dann per Gedankenbefehl Kamuras Impulsantrieb ab, worauf diese sanft zum Halten kam. Auch die Leistung der Trägheitsdämpfer hatte Kamura auf Meroolas Befehl hin langsam erhöht. „Wow.“, staunte das Schiff. „Ich wusste gar nicht, dass ich im Weltraum stehen bleiben kann. Wenn du mir das jetzt nicht gezeigt hättest, dann würden wir jetzt ziellos weiter herumtreiben. „oh.“, sagte Meroola. „Du hast sicher noch viel zu lernen. Aber jetzt bin ich ja da. Ich komme bestimmt nicht an die fliegerischen Fähigkeiten eines Tom Paris oder einer Tchey Neran-Jelquist heran, aber für den Hausgebrauch reicht es.“ „Wenn ich meinen Vater zitieren darf.“, sagte Kamura. „Dann kannst du vielleicht mit seiner Pilotin Ginalla mithalten. Sie hat sich das alles auch selbst beigebracht.“ „Genau wie ich.“ Sagte Meroola. „Die anderen Beiden waren ja Berufspiloten. Das gilt nicht. Aber diese Ginalla, die Pilotin deines Vaters, die würde ich gern einmal kennen lernen. Vielleicht können wir ja einige Tricks austauschen. Wo wohnt sie denn?“ „Da, wo du hinwillst.“, sagte Kamura. Auf Celsius.“ „Na dann steht meine Entscheidung.“, sagte Meroola, ohne die sorgfältig von Kamura zusammengestellten Daten auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen. „Auf nach Celsius!“ „Geht klar.“, lächelte der Avatar und Kamura aktivierte selbstständig wieder ihren Antrieb.

„Du wirst Ginalla mögen.“, sagte Kamura. „Sie und du, ihr dürftet viel gemeinsam haben.“ „Wieso?“, fragte Meroola neugierig. „Ihr habt eine ähnliche Vergangenheit. Sie war auch eine Kriminelle, hat es aber geschafft, ehrlich zu werden. Zumindest sagt das mein Vater. Er hat ihr zwar sehr dabei helfen müssen, aber mittlerweile hat sie sogar den Status einer Heldin. Wenn du von ihr lernen willst, lernst du also von einer der Besten. Ach übrigens, deine biologischen Werte verraten mir, dass du wohl etwas essen könntest. Was ist deine Lieblingsspeise?“ „Deine Sensoren haben dich nicht belogen.“, sagte Meroola, der erst jetzt aufgefallen war, dass ihr Magen laut knurrte. Über die ganzen neuen Eindrücke war das wohl vorher in den Hintergrund getreten. „Ich könnte tatsächlich einen Happen vertragen. Was kann denn dein Replikator schon? Ich will dich ja nicht gleich überfordern.“

Kamura öffnete vor Meroolas geistigem Auge ein weiteres Menü. Hier konnte sie zehn Gerichte lesen, die ihr Replikator in der Lage sein würde, ihr zu servieren. Diese sah sich Meroola jetzt genau an und gab plötzlich einen spitzen quietschenden Laut von sich. „Demetanische Gemüsefladen!“, rief sie aus. „Oh, Kamura, ich liebe demetanische Gemüsefladen! Her damit!“ „Na OK.“, sagte Kamura und replizierte das Verlangte. Meroola drehte sich mit leidenschaftlichem Blick dem Auswurffach des Replikators zu und nahm den Teller an sich. Darauf lagen, glänzend und duftend, tatsächlich drei Teigfladen, die mit allerlei Gemüse und einer Käsemasse gefüllt waren. Erleichtert nahmen Kamuras interne Sensoren zur Kenntnis, dass Meroola genüsslich in einen der Fladen gebissen hatte. Dann fragte sie: „Wo kommst du eigentlich genau her, Meroola? Ich meine, deine DNS ist seltsam. Eigentlich dürfte es dich gar nicht geben, denn Platonier und Ferengi sind meines Wissens biologisch nicht kompatibel.

Meroolas Gesicht versteinerte und sie ließ das Essen auf ihren Schoß sinken. Sofort ahnte Kamura, dass sie da wohl ganz schön ins Fettnäpfchen getreten war. „Tut mir leid.“, entschuldigte sie sich kleinlaut. „Ach, Schnickschnack.“, meinte Meroola. „Ist schon gut. Ich rede nur nicht gern darüber, dass ich ein Laborprodukt bin, das mein hirnkranker Vater meine Mutter entführt und gegen ihren Willen ihre Eizellen gestohlen hat, um sie dann mit seinem Erbgut zu befruchten, meine Gene im Labor so zu verdrehen, dass es passte und sie dann zu schwängern, bevor er sie wieder nach meiner Geburt auf ihren Planeten zurückgebracht hat, weil ich ein Mädchen geworden bin. So habe ich ihm zumindest noch eins ausgewischt!“ Bei ihrem letzten Satz grinste Meroola. „Als ob du irgendeinen Einfluss darauf gehabt hättest.“, sagte Kamura. „Sicher nicht.“, sagte Meroola. „Aber das war ja auch nur ein Witz. Meiner Mutter hat dieser Umstand allerdings sehr gefallen. Sonst hätte sie mich, wie sie mir später erzählt hat, sicher nicht Meroola genannt. Auf Platonisch heißt das nämlich so viel wie freudige Überraschung.“ „Aber wenn du ein Laborproduckt bist.“, sagte Kamura. „Dann hat doch dein Vater bei der Auswahl der Chromosomen …“ „Seine Hausaufgaben nicht gemacht?!“, ergänzte Meroola frech grinsend. „Genau das, du kleines intelligentes Schiff! Genau das! Ich bin überzeugt, das ärgert ihn noch heute. Na ja. Zwischen meiner Mutter und mir war nicht immer alles Gold, was da geglänzt hat. Sie hat zwar versucht, mich lieb zu haben, aber gelungen ist ihr das nicht wirklich. Ich glaube, ich habe sie zu sehr an ihr Martyrium erinnert. So geriet ich an falsche Freunde und dann auf die schiefe Bahn. Das soll sich jetzt aber ändern! Mein erster Versuch mit Hilfe der Tindaraner war schon relativ erfolgreich, aber dann ist meinem Mann, mit dem ich in einer Paralleldimension zur ihren gelebt habe, ein tödlicher Unfall wiederfahren und jetzt bin ich wieder allein. Keine sehr sichere Gegend, in der ich gelebt hatte.“ „Oh Shit!“, sagte Kamura und ihr Avatar blickte Meroola mitleidig an. „Ach was.“, wischte diese ihr Mitleid weg. „Das geht schon wieder. War ja schließlich nicht der erste Tiefschlag, mit dem ich fertig werden muss. Aber Meroola Sylenne ist bisher immer wieder auf die Füße gekommen und das wird sich auch jetzt nicht ändern. Komm, gehen wir auf Warp. Sonst sind wir in 100 Jahren noch nicht auf Celsius!“ „Also gut.“, sagte Kamura und führte den Befehl ihrer neuen Pilotin aus. Beide verschwanden in einem hellen Blitz.

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