Der bittersüße Nachgeschmack des Sieges

von Visitor
Zusammenfassung:

 

Für ihren ermüdlichen Einsatz und für ihre Tapferkeit soll Allrounder Betsy Scott den Sarek-Stern verliehen bekommen. Doch während der feierlichen Zeremonie kommt es zu einem Zwischenfall. Unerwartet taucht das junge Einhorn Benevidea auf, das auf Grund eines Missverständnisses vom Chefleibwächter der Präsidentin sofort mit einem Rosanium versetztem Lasso angegriffen udn schwerverletzt wird. Während dieses Tumultes verschwinden Commander Date und Allrounder Betsy Scott auf unerklärliche Weise, als er versucht sie zu beschützen.....


Kategorien: Fanfiction, Fanfiction > Star Trek Charaktere: Keine
Genres: Keine
Herausforderung: Keine
Serie: Keine
Kapitel: 39 Fertiggestellt: Ja Wörter: 150820 Aufgerufen: 119532 Veröffentlicht: 18.09.16 Aktualisiert: 20.02.17

Kapitel 1: Wegweisende Vorbereitungen

von Visitor

 

Ruhig glitt die Raumjacht der Präsidentin der Föderation im zeitlosen Schwarz des Alls dahin. Da ihr Büro fast schalldicht abgeschirmt war, bekam Nugura vom Wummern des Warpantriebs kaum etwas mit. Das war auch sehr gut so, denn sie war sehr in ihre Arbeit vertieft. Sie hatte ja schließlich eine Zeremonie vorzubereiten. Es war lange her gewesen, seit sie einmal jemandem den Sarek-Stern verliehen hatte. So lange, dass Nugura sich kaum noch an die Worte ihrer eigenen Rede erinnern konnte und Saron, ihren immer fleißigen Sekretär, gebeten hatte, ihr den notwendigen Text aus der Datenbank der Sternenflotte herauszusuchen. Das hatte Saron auch getan. So saß sie nun also vor ihrem Bildschirm und prägte sich das Zeremoniell ein.

Aber auch Sarons Job war damit nicht getan. Er war ebenfalls in seine Arbeit in seinem Büro vertieft, das nur durch eine Verbindungstür von dem seiner Vorgesetzten getrennt war. Hier sortierte er Akten und tat Dinge, die ein Sekretär ebenso tut. Der Demetaner hatte seinen Schreibtisch immer sehr gut aufgeräumt. Deshalb ging ihm die Arbeit auch sehr flüssig und schnell von der Hand. Nebenbei fand Saron sogar noch Zeit, die Vorgänge des Abbremsens zu zählen, die Allrounder Lars Janson, der schwedische Pilot der Space Force One, in bestimmtem zeitlichen Rhythmus initiierte, der sich verkürzte, je näher sie der Erde kamen. Janson hatte Saron einmal gesagt, dass es gesünder für alle Beteiligten sei, wenn er das Schiff langsam auf Impuls herunterbremste und es nicht erst dann tat, wenn man das Sonnensystem der Erde bereits erreicht hätte. So würde ja schließlich nicht alles durcheinanderfliegen. Dass dies ein alter Pilotenwitz war, hatte selbst der Sekretär verstanden, was Janson sehr erstaunt hatte. Aber auch Saron war klar, dass die Stabilisatoren im 30. Jahrhundert durchaus in der Lage waren, schnelle Bremsmanöver zu kompensieren. Aber diese Einstellung der Umweltkontrollen wirkte ja hauptsächlich nach innen. Der Druck auf die äußere Hülle blieb. Saron konnte die Bremsmanöver selbstverständlich nur durch das obligatorische Surren wahrnehmen, welches er auch nur sehr leise hörte, aber er hörte es. So wusste er, dass sie die Erde bald erreicht haben würden.

Saron wandte sich dem Bildschirm zu, auf dem er eine offene SITCH-Mail hatte, die gerade von seiner Vorgesetzten gekommen war. In dieser fand er nicht nur die Aufforderung zur Replikation des Sarek-Sterns, sondern auch einen Code, den eigentlich nur die Präsidentin besaß und der sie allein zum Replizieren von Orden und Medaillen berechtigte. Da Nugura aber wusste, dass Saron damit kein Schindluder treiben würde, hatte sie diesen ausnahmsweise einmal an ihn weitergegeben. Sie war ja ohnehin noch viel zu sehr mit dem Üben der eigenen Rede und ihres Teils der Zeremonie beschäftigt.

Der Demetaner stellte sich so hin, dass er den Bildschirm seines Rechners und den Replikator gleichermaßen im Blick hatte. Dann suchte er aus dem Menü für Medaillen und Orden den Sarek-Stern am Bande heraus, gab Nuguras Code auf Aufforderung des Replikators ein und wartete auf das Ergebnis, das er gleich darauf sehr genau betrachtete.

Im Auswurffach des Gerätes lag bald darauf ein rotes samtenes Kissen, welches eine Vertiefung in der Mitte aufwies. In dieser lag ein silberner flacher runder Taler von etwa 20 cm Größe und ca. einem Zentimeter Höhe. An dessen Rand, der mit allerlei Symbolen verziert war, die im wesentlichen Planeten und Sonnensysteme zeigten, befand sich eine Öse mit einem goldenen geflochtenen Band, das lang genug war, um es als Halskette zu benutzen. Mittels eines Federverschlusses konnte es auf die gewünschte Länge eingestellt werden. Die Vorderseite des Talers zierte das Bildnis von Botschafter Sarek, der mit ausgestreckten Armen und neutralem Gesichtsausdruck quasi im Schwarz des Alls stand und auf jeder seiner ausgestreckten Hände einen Planeten balancierte. Beide Planeten hielt er so, dass sie beide genug Licht von der im Hintergrund abgebildeten Sonne abbekamen. Auf der Rückseite des Talers stand: „Verliehen für besondere diplomatische Leistungen an Allrounder Betsy Scott am 22.05.3040.“ Dies hatte Saron gewusst, da es auch als Teil des Auftrags in der Mail stand und auf Anfrage des Gerätes eingegeben. Nuguras Sekretär war ja schließlich über die Vorgänge an seinem Arbeitsplatz informiert gewesen.

Erneut hatte Saron den Sarek-Stern umgedreht und sich seine Vorderseite betrachtet. Persönlich fand er das Bild sehr pathetisch und fragte sich, was wohl den Künstler dazu bewogen hatte, ein solches Bild zu benutzen, als er den Stern entworfen hatte. Wie hatte man sich damals nur für einen derart theatralischen Entwurf entscheiden können?! Dem vulkanischen Namensgeber des Sterns hätte er sicher nicht gefallen! Sicher hätte Sarek darauf hingewiesen, dass dieses Bildnis völlig unlogisch sei, da ja auch Vulkanier nicht frei im All ohne Sauerstoffgerät und Raumanzug überleben könnten. Aber an ihm war hier nichts dergleichen zu sehen. Er trug nur einen normalen in neutralem Schwarz gehaltenen Anzug. Schließlich kam Saron mit sich überein, dass ja die Kunst auch immer Geschmackssache war und ja oft auch im Auge des Betrachters lag und über Geschmack und Kunst konnte man ja bekanntermaßen vortrefflich streiten.

Saron nahm das Kissen auf und ging damit am ausgestreckten Arm zur Zwischentür, als wollte er es seiner Vorgesetzten wie eine Art Beute aus einem Kampf präsentieren. Dann betätigte er aber dennoch die Sprechanlage: „Präsidentin, ich habe den Sarek-Stern repliziert, wie Sie es mir aufgetragen haben.“ „Sehr gut, Mr. Saron.“, kam es abgeklärt zurück. „Bitte kommen Sie herein und legen Sie ihn auf meinen Schreibtisch. Dann muss ich ohnehin noch etwas mit Ihnen besprechen.“ „Ja, Präsidentin.“, erwiderte Saron und beendete die Verbindung.

Er legte den Zeigefinger seiner rechten Hand auf den Sensor und die Zwischentür glitt beiseite. Dann betrat er Nuguras Büro, in dem an Der Rückwand ein in brauner Holzoptik gehaltener Schreibtisch und in einer Ecke ein kleiner runder Konferenztisch stand. Vor dem Schreibtisch stand ein großer brauner Bürostuhl, auf dem Nugura saß. Der Konferenztisch in der Ecke war von vier kleinen hellen gepolsterten Sesseln umgeben. Diese Einrichtung entsprach allen Einrichtungen in Nuguras Büros sowohl auf der Regierungsbasis, als auch in ihrem Büro auf Elyrien und so auch der hier auf dem Schiff.

Vorsichtig näherte sich Saron. Dann hielt er Nugura das Kissen mit dem Sarek-Stern direkt unter die Nase. „Hier ist er, Präsidentin.“, sagte er und legte das Kissen mit dem Orden vor Nugura auf dem Schreibtisch neben der Konsole für den Rechner ab.

Die Präsidentin sah kurz von ihrem Schirm auf. Dann sagte sie: „Ah ja, Mr. Saron. Vielen Dank. Ich möchte Sie aber bitten, mir bei einer Sache behilflich zu sein. Ich würde die Zeremonie gern proben und Sie bitten, temporär die Rolle Allrounder Scotts zu übernehmen. Sie können den Text, den Sie sprechen müssten, gern ablesen.“ „Warum möchten Sie das, Sea Federana?“, fragte Saron. „Ich glaube kaum, dass Sie Lampenfieber haben müssen. Aber ich denke, wir haben ein viel größeres Problem. Ich kenne Scott ein wenig und glaube einschätzen zu können, wie sie auf Ihren Vorschlag, ihr den Sarek-Stern am Bande zu verleihen, reagieren wird. Ich befürchte, dass sie die Auszeichnung gar nicht annehmen wird, so bescheiden, wie sie sich immer gibt. Sie wird sagen, dass es ja gar nicht ihr Verdienst war, dass Cirnach und Telzan mit ihr, Shimar und Mr. Scott zusammengearbeitet haben. Ich kenne die Berichte und weiß daher, wie die Sache abgelaufen ist. Außerdem hat Scott sich meines Wissens gegenüber Agent Mikel selbst angezeigt, weil sie gegen die Oberste Direktive verstoßen hat.“ „Ihres Wissens also, Mr. Saron.“, sagte Nugura und kratzte sich übertrieben pathetisch am Kopf. „Und was hat der Agent Ihres Wissens mit der Situation gemacht?“ „Bedauerlicherweise, Präsidentin.“, gab Saron zu und machte ein beschwichtigendes Gesicht. „Habe ich darüber keine Informationen. Ich habe das ja auch nicht von ihm direkt erfahren. Es gibt nur eine Menge Gerüchte.

Nugura sah ihren Sekretär tadelnd an. „Sie wissen, was ich von Gerüchten halte, Mr. Saron. Man sollte sie nicht länger aufrechterhalten, wenn man sie entweder verifizieren, oder sie auch negieren kann! Vergessen Sie die Generalprobe! Ich werde das schon hinbekommen! Stattdessen werden Sie mich sofort mit Agent Mikel an Bord der Granger verbinden! Sofort, Mr. Saron! Haben Sie verstanden?! Was auch immer Scott getan hat, das musste sie tun. Sie hatte keine Wahl. Irgendwie musste sie Valora ja die Augen öffnen und das Band zwischen Sytania und ihr zerstören. Hätte sie das nicht getan, dann wären wir heute alle Sytanias Sklaven! Die Oberste Direktive stammt aus einer Zeit, in der mit Gegnern wie Sytania und ihrer Schliche nicht im Geringsten gerechnet wurde. Deshalb müssen wir sie …“

Saron war erschrocken zusammengefahren. „Wollen Sie mir damit etwa sagen, das Gesetz der Gesetze überhaupt sei nicht mehr aktuell, Sea Federana?“, stammelte er. „Zumindest bedarf es meiner Ansicht nach einer Novellierung.“, sagte Nugura. „Es müssen sicher noch einige neue Kommentare geschrieben werden, die den genauen Umgang mit ihr in einer solchen Situation regeln. Aber damit sollen sich die Juristen befassen. Das hier liegt noch nicht in unserem Zuständigkeitsbereich. Erst einmal muss eine Novelle ausgearbeitet werden und dann geht sie in erster Lesung durch das Parlament. Sollte dann noch etwas zu verbessern sein, gibt es eine zweite und eine dritte Lesung und so weiter, Mr. Saron. Aber da berichte ich Ihnen ja bestimmt nichts Neues. Als mein Sekretär kennen Sie sich ja sicher auch etwas mit Politik aus.“ „Sie haben vergessen, Präsidentin.“, begann Saron. „Dass Sie ja zuerst einmal einen Antrag auf Novellierung der Obersten Direktive stellen müssten.“ „Das habe ich nicht vergessen, mein lieber Saron.“, sagte Nugura. Ich wollte nur wissen, ob Sie auch aufpassen. Aber da Sie das ja offensichtlich getan haben, mache ich mir da keine weiteren Sorgen. So und nun gehen Sie bitte in Ihr Büro zurück und schalten mir meine Verbindung mit Agent Mikel!“ „Sofort, Sea Federana.“, sagte Saron und machte auf dem Absatz kehrt, um wieder sein Büro aufzusuchen und von dort aus Nuguras Wunsch nachzukommen. Er wusste, dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb. Janson hatte die Jacht nämlich in der Zwischenzeit schon auf Impuls gebremst, ein sicheres Zeichen dafür, dass sie sich bereits im irdischen Sonnensystem befinden mussten. Er wusste, die Granger würde auch bald dort eintreffen. Aber die Tatsache, dass Nugura mit Mikel sprechen wollte, war wohl auch etwas, das seine Berechtigung hatte, denn zwischen Kissara und Nugura war sicher auch noch etwas zu klären. Der Ort, an dem die Verleihung stattfinden sollte, war nämlich der Park vor dem Kapitol in Washington und hier hatte George Jones, der Präsident der Erde, schließlich das Hausrecht, auch wenn Nugura, als Präsidentin der gesamten Föderation, sicher noch über ihm stand. Aber Saron dachte, dann könnte seine Vorgesetzte gleich auch alles klären. Sicher würde er ihr auch noch eine Verbindung mit Jones schalten müssen. Aber jetzt rief er zunächst einmal das externe Kommunikationsprogramm der SITCH-Anlage der Jacht über seinen Rechner auf, um dann das Rufzeichen der Granger gefolgt von dem direkten Rufzeichen des Agenten einzugeben. Ihn selbst interessierte insgeheim auch sehr, wie Agent Mikel mit meiner Selbstanzeige umgegangen war, aber es stand ihm sicher nicht zu, den Agenten direkt danach zu fragen. Er würde später seine Vorgesetzte darauf ansprechen müssen in der Hoffnung, dass sie es ihm überhaupt verraten würde.

Diese Geschichte wurde archiviert am http://www.sf-ecke.de/stories/viewstory.php?sid=215