Hamarud Tingal - Der Sklavenaufstand

von aroessler2003
Zusammenfassung:

Diese Geschichte stammt aus der Chronik von Bellurānia Prime. Die Manda wurden seit sehr langer Zeit von den Kando unterdrückt. Als die ersten Manda sich gegen die Unterdrückung auflehnen, muss Narul Tingal mit zahlreichen anderen Manda ins Nachbarland flüchten. In einem abgelegenen Tal lebt er zusammen mit seiner Familie in einem Dorf. Als Kundschafter der Kando in der Nähe des Dorfes auftauchen, überredet ein alter Manda-Krieger Naruls Frau, ihren Sohn Hamarud ihm anzuvertrauen, damit er ihn in Sicherheit bringen kann. An einem geheimen Ort will er Hamarud zum Krieger ausbilden lassen…..


Kategorien: Eigene Stories Charaktere: Keine
Genres: Fantasy
Herausforderung: Keine
Serie: Die Arimus-Missionen
Kapitel: 6 Fertiggestellt: Ja Wörter: 19959 Aufgerufen: 23195 Veröffentlicht: 02.05.09 Aktualisiert: 02.05.09
Hinweise zur Geschichte:

Anthologie zu der Science-Fiction-Fantasy-Mini-Serie "Die Arimus-Missionen"

1. Hamaruds Bestimmung von aroessler2003

2. Auf dem Weg zum Krieger von aroessler2003

3. Die Schlacht der Entscheidung von aroessler2003

4. Der Neubeginn von aroessler2003

5. Der Weg in eine neue Zukunft von aroessler2003

6. Anmerkungen und Erklärungen zu "Hamarud Tingal - Der Sklavenaufstand" von aroessler2003

Hamaruds Bestimmung

von aroessler2003

Hell schien die Sonne vom blauen wolkenlosen Himmel auf die zahlreichen Gestalten herab, die sich auf dem großen Innenhof versammelt hatten. Sie waren in Kando und Manda aufgeteilt, die zwei verschiedene Völker waren. In der Mitte des Hofes stand ein Pfahl, an dem ein ausgemergelter Manda angekettet war. Vor dem Gefangenen stand eine muskulöse Kreatur, die ein sehr dichtes Fell hatte. In seiner rechten Hand hielt die dunkle Gestalt mit den türkisfarbenen Augen eine Peitsche mit einigen Knoten darin. Das tiefschwarze Fell des Kando glänzte seidig im Sonnenlicht. Bei jedem Hieb zuckte der blutende Mann zusammen, ohne einen Schmerzenslaut von sich zu geben. Mit wutverzerrter Miene schlug Temesh Komush auf sein Opfer ein. Deutlich sah der gefangene Manda die riesigen Reißzähne des Kando, der bei der Bestrafung seines Opfers immer wieder die Zähne fletschte. Das blaue Blut floss dem Manda dem wundgeschlagenem Rücken herab. Immer tiefer fraß sich die Peitsche in sein Fleisch und der Schmerz wurde von Hieb zu Hieb unerträglicher. Doch der Gefangene hatte sich geschworen, dass er seinen Peinigern gegenüber keine Schwäche zeigen wollte. Er wusste genau, wie sehr es seinem Herrn und Gebieter wütend machte, wenn ein ungehorsamer Sklave bei der Bestrafung Stärke zeigte.

Immer zorniger schlug Temesh auf den Gefangenen ein, der weiterhin keinen einzigen Laut von sich gab. „Bei allen Göttern!”, rief er wutschnaubend, „Nun schrei endlich, Sklave!” Doch Narul Tingal dachte nicht im Traum daran, der Aufforderung seines Gebieters nachzukommen. Inzwischen schlug der kräftige Kando wie ein Besessener auf den gefesselten Manda ein. Wütend ließ er nach weiteren Minuten die Peitsche auf den Boden fallen und griff nach einem Eimer, der mit salzigem Wasser gefüllt war, und schüttete den gesamten Inhalt über den hilflosen Mann aus. Trotz der höllischen Schmerzen schwieg der Manda beharrlich. Nicht ein einziger Laut des Schmerzes kam über seine Lippen. Fassungslos ließ Temesh den Eimer ebenfalls fallen, der laut scheppernd auf dem Steinboden aufschlug. Ungläubig sah er den Mann an. Es war das erste Mal, dass ein Sklave bei seiner Bestrafung nicht vor Schmerzen schrie und ihn um Gnade anflehte.

Temesh trat ein paar Schritte zurück und betrachtete den Bestraften nachdenklich. „Wie kann das sein?”, fragte er verständnislos, „Wie ist das möglich, dass du keine Schmerzen empfindest?” Dann packte er Narul an seinen struppigen Haaren und riss seinen Kopf nach oben. Er zwang den Manda, ihn anzublicken. Unverwandt sah er dem Manda ins Gesicht. „Sprich, Sklave!”, brüllte er zornig, „Warum schreist du nicht?” Es dauerte einen kurzen Augenblick, bevor Tingal antwortete. „Ich habe keine Schmerzen, weil ich es so will.”, krächzte Narul mühsam, „Du wirst mich niemals bezwingen, Temesh Komush. Weder heute noch sonst irgendwann.” Wutschnaubend ließ der Kando den Kopf des Sklaven los. „Das wirst du mir büßen!”, schnaubte Temesh, „Ich werde deinen Stolz schon brechen, Sklave. Den deinigen und auch den deines Volkes.” Dann wandte er sich seiner Tochter zu, die ebenfalls das ganze Schauspiel schweigend mitverfolgt hatte. Ihre Blicke trafen sich und wenig später brachte sie ihrem Vater ein sehr scharfes Messer…

Zufrieden betrachtete er die Klinge in den Händen seiner Tochter. Dann nickte er. „Bringt mir die andere Gefangene!”, befahl er, „Wenn du schon nicht vor Schmerz schreien willst, dann wollen wir mal sehen, ob wir das nicht doch ändern können.” Wenig später brachten zwei kräftige Kando eine Manda-Frau, die sich verzweifelt wehrte. Laut klirrten die Ketten aus Stahl, mit denen sie gefesselt war. Ihre zerrissene Kleidung hing in Fetzen herab. Dicht vor Temesh und Narul blieben die beiden Kando mit ihrer Gefangenen stehen. Die zierliche Manda-Frau sah erst zu dem gefesselten und zerschundenen Tingal, anschließend blickte sie Temesh an. Sie begann zu weinen, als sie den Bestraften als ihren Sohn erkannte. „Mutter!”, krächzte der Gefangene kaum hörbar. In diesem Moment begriffen beide gefangenen Manda, dass der Kando etwas Schlimmes mit ihnen vorhatte. Tingal sah den grausamen Blick von Komush. „Ich sehe, du hast sie erkannt.”, sagte Temesh höhnisch. „Was hast du mit ihr vor?”, krächzte Narul kaum hörbar. „Ich werde ein Exempel statuieren.”, antwortete der Kando kalt. Fragend blickte ihn der gefangene Manda an. Komush rief ein paar Namen und die Gerufenen eilten sofort zu ihm. Es waren ebenfalls Kando, die nun vor Komush standen und auf seine Anweisungen warteten. Temesh wies mit seiner Hand direkt vor ihnen auf den Boden. „Treibt genau hier vier Pflöcke im jeweils gleichen Abstand in den Boden.”, befahl er. Rasch befolgten sie seine Anweisung. Es dauerte nicht lange, bis sie den Befehl ausgeführt hatten. Fragend sahen die Gestalten Temesh an, als sie mit ihrer Aufgabe fertig waren. „Und jetzt legt sie auf den Boden und fesselt sie an den vier Pflöcken.”, sagte er. Als die vier Kando die Gefangene packten, begann sie vor Angst zu schreien. Die Stahlketten klirrten laut, als die Manda an den Pflöcken festgebunden wurde. Verzweifelt und voller Zorn zerrte Narul an seinen Fesseln. „Mutter!”, rief er immer wieder. „Narul, mein Sohn!”, antwortete sie vor Angst weinend, „Egal, was die jetzt mir antun werden. Bleib dabei und lass dich nicht von ihnen brechen. Die Kando dürfen niemals siegen. Hörst du?” Inzwischen hatte Temesh das scharfe Messer genommen und betrachtete erneut zufrieden die schwarze Klinge. Temesh stieß ein Hohngelächter aus, als er das Messer an seinem ältesten Sohn weiterreichte. „Häutet die Manda-Frau und wenn ihr damit fertig seid, verbrennt sie danach lebendig!”, befahl Komush kalt und sah dabei Narul hasserfüllt an. Tingals Mutter begann vor Todesangst an zu schreien, als der junge Kando damit auf sie zuschritt.....

Laut schreiend und schweißgebadet schoss Narul aus dem Schlaf. Die Todesschreie seiner Mutter und das triumphierende Hohngelächter von Temesh Komush hallten in seinem Kopf nach. Keuchend sah er sich in dem Zimmer um. Sein Puls raste. Jemand fasste ihn vorsichtig von hinten an seine Schulter. Als Narul sich umdrehte, blickte er in das Gesicht seiner Frau Dilana. Deutlich fühlte sie seine angespannten Muskeln. „Du hast wieder schlecht geträumt.”, sagte sie sanft, um ihn wieder zu beruhigen. Er nickte kurz und nahm einen kräftigen Schluck Wasser aus dem Krug, den ihm Dilana reichte. Das kühle Nass holte ihn endgültig wieder in die Wirklichkeit zurück. Nach ein paar weiteren Schlucken Wasser, gab er den Krug an seine Frau zurück, dankte ihr und stand auf. Als er das Fenster erreichte, öffnete er es fast lautlos mit schnellen Griffen. Gierig sog Narul die frische Nachtluft in seine Lungen. Hinter ihm begann es zu rascheln und er wusste, dass Dilana ebenfalls das Bett verließ. Wenig später spürte er bereits ihren Atem in seinem Nacken.

Beide blickten schweigend aus dem Fenster. Es war eine sternenklare Nacht und die beiden Monde Bellura und Būrallus schienen hell am Firmament. Die nähere Umgebung war bei dieser Helligkeit nur schemenhaft zu erkennen. In der Ferne erklang das Geheul mehrere wilder Mivukus.

„Geht es wieder?”, fragte die junge Frau fürsorglich ihren Mann. Dieser nickte. „Ja, es geht schon wieder, Liebes.”, antwortete Narul mit immer noch leicht bebender Stimme, „Danke sehr, Dilana.” Prüfend sah sie ihn an. Dilana wusste, dass der junge Tingal wegen des Traumes immer noch sehr aufgewühlt war. Sie spürte das lodernde Feuer des Zorns in ihm aufsteigen. Sie schmiegte sich vorsichtig an Narul. Er fühlte die Wärme Dilanas. „Es war wieder derselbe Traum, nicht wahr?”, fragte sie mitfühlend. Narul bejahte. Mitfühlend wurde ihre Umarmung enger. „Vergiss den Traum wieder.”, flüsterte sie leise, „Es ist vorbei.” Narul löste sich aus ihrer Umarmung. „Nein, das ist noch nicht vorbei.”, erwiderte er, „Das wird nie vorbei sein.” „Ständig sehe ich diese Bilder vor mir.”, fuhr Narul fort, „Und jedes Mal höre ich ihre Schreie, obwohl das schon über achtzig Jahre her ist. Trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, als wäre das alles erst heute passiert.” Dilana hörte schweigend zu, als Tingal fortfuhr. „Aber dafür haben wir damals auch in der darauf folgenden Nacht das gesamte Anwesen niedergebrannt und alle Kando umgebracht. Keiner von ihnen hätte jemals gedacht, dass wir Sklaven eines Tages einmal zurückschlagen würden.” „Aber dadurch wurde deine Mutter auch nicht wieder lebendig.”, konstatierte Dilana. „Nein, das wurde sie nicht wieder.”, antwortete Narul, „Stattdessen mussten wir alle fliehen. Von da an mussten wir uns in den tiefen Wäldern verstecken. Wir lebten von der Jagd und dem Sammeln von Beeren. An den Ufern der Flüsse fischten wir, wenn es möglich war. Viele Monate lang haben uns die Kando gesucht, aber sie haben nur sehr wenige von uns wieder einfangen können und die, die sie erwischen konnten, nahmen sich selbst das Leben.” Er seufzte. „Nein, Dilana.”, sagte er, „Es wird erst dann vorbei sein, wenn die Manda von dem Joch der Unterdrückung durch die Kando erlöst sind. Erst wenn Zātul und alle anderen Götter ihren Zorn über die Kando ausgeschüttet haben, werden wir frei sein.” Schweigend blickten beide weiterhin aus dem Fenster. Inzwischen war auch der dritte Mond Bellus aufgegangen. Das Geheul der wilden Mivukus war mittlerweile verstummt. Stattdessen begannen die Muvangos in den angrenzenden Wäldern zu brüllen. Wortlos zog sich Dilana wieder in das Bett zurück. „Komm wieder ins Bett.”, flüsterte sie, „Du musst dich ausruhen, denn morgen wird wieder ein harter Tag.” Es dauerte nicht lange und Narul legte sich ebenfalls wieder ins Bett. Kurz darauf waren beide fest eingeschlafen.....

Am nächsten Morgen herrschte große Aufregung in dem kleinen Dorf namens Mandušolva, in dem auch Narul mit seiner Frau lebte. Als Tingal sein Haus verließ, eilten ihm bereits mehrere Dorfbewohner entgegen. An ihren Gesichtern erkannte Narul, dass ihm diese Männer keine gute Kunde brachten. In ihren Augen sah Tingal die nackte Angst. Dicht vor ihm blieben die vier Manda stehen und berichteten Narul von ihrer Entdeckung. In der Nähe des Dorfes hatten zwei der Dorfbewohner, während sie Kundos und Wūlunžidis jagten, auf einer kleinen Waldlichtung eine Feuerstelle entdeckt, die nicht von den Dorfbewohnern herrührte. „Und warum regt ihr euch darüber so auf?”, fragte Narul verständnislos die vier Männer, „Wenn da draußen auf der Waldlichtung keine Manda aus unserem Dorf die Nacht verbracht haben, dann waren es mit Sicherheit welche aus einem der Nachbarorte.” „Eben nicht.”, widersprach der Älteste von ihnen, „Die dort kampiert haben, waren eindeutig keine Manda. Sieh her.” Rasch holte er zwei zerbrochene Pfeile aus einer weiten Tasche heraus und hielt sie Narul hin. „Diese Pfeile sind nicht von unseren Leuten.”, fuhr er fort, währenddessen Narul die beiden Pfeile in seine Hände nahm und eingehender betrachtete, „Sie stammen von den Kando.” Geräuschvoll ließ Tingal die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Dann haben sie uns also gefunden.”, stellte Narul fest, „Ruft sofort alle zusammen. Wir müssen uns vorbereiten, bevor die Kando unser Dorf angreifen.” Rasch eilten die vier Männer in verschiedene Richtungen davon.....

Eine Stunde später hatten sich alle Bewohner des Dorfes auf dem Marktplatz versammelt. Das Gemurmel in der Menge verstummte sofort, als Narul Tingal an das Podium trat. Neben Narul baute sich Beleš Dōlad, der hünenhafte Dorfschmied, auf. In einer großen kräftigen Hand hielt er die beiden zerbrochenen Pfeile der Kando. In der anderen Hand hielt er ein frisch geschmiedetes Langschwert, deren Klinge das Sonnenlicht reflektierte. „Diese Pfeile wurden heute Morgen auf einer kleinen Waldlichtung in der Nähe unseres Dorfes gefunden.”, begann Tingal und gab dem Schmied ein Zeichen, damit dieser die beiden Corpus delicti in die Höhe hielt, „Sie stammen nicht von unseren Leuten und auch nicht von den Leuten aus den umliegenden Nachbardörfern. Sie stammen von den Kando!” Narul machte eine kurze Pause, um seine Worte wirken zu lassen. Ein lautes Gemurmel ging durch die Menge. „Das bedeutet also, dass sie uns nach über achtzig Jahren gefunden haben.”, fuhr der Braunhaarige fort, „Wir müssen uns auf einen baldigen Angriff seitens der Kando vorbereiten.” Demonstrativ hoben einige Männer ihre Waffen in die Höhe. „Im Namen Zātuls und allen anderen Göttern: Tod den Kando!”, brüllten sie voller Hass, „Mögen Mūruk und Fazul das Blut unserer Feinde trinken! Ihr Blut für unseres!” „Sollen sie kommen! Für diese Slokks ist die Zeit gekommen, für ihren Karāmu, die sie uns gegenüber begannen haben, zu bezahlen!”, brüllte der hünenhafte Schmied neben Tingal stehend, „Wir haben keine Angst! Wir sind bereit!” Schweigend beobachtete Narul, wie die Menge ihre Waffen in die Höhe hielt und dabei ihr Kriegsgeheul ausstieß. Im gesamten Dorf waren ihre Schlachtrufe zu hören. „Bamate!”, rief die Menge immer wieder, „Bumate! Mögen die Kando wegen ihrem Kunžuk nach ihren Müttern wimmern, wenn wir die Seen im Glandāku mit ihrem Blut auffüllen!” Nach einigen Augenblicken hob Tingal seine Hand und die Dorfbewohner wurden wieder still. Er begann zu lächeln. Es war ein eisiges Lächeln und auch in seinen Augen glitzerte der blanke Hass. Entschlossenheit und Endgültigkeit schwang in seiner Stimme mit, als er fortfuhr. „Seit dem wir in dieses Tal gezogen sind und uns hier niedergelassen haben, leben wir in Freiheit!”, sagte Tingal mit fester Stimme, „Bis zum heutigen Tage hatte es nie ein Kando gewagt, in dieses Tal zu kommen. Dieses Tal ist inzwischen unsere Heimat geworden. Hier haben wir uns ein neues Leben aufgebaut und hier wurden auch unsere ersten Söhne und Töchter in Freiheit geboren. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie uns das alles wieder nehmen!” Erneut machte Narul eine kurze Pause und ließ somit seine Worte auf die Menge wirken. Die versammelte Menge murmelte zustimmend. „Aber wie wollen wir verhindern, dass noch mehr von ihnen in unser Tal gelangen?”, wollte der kräftige Schmied wissen, der neben Narul stand, „Die Kando, die in unserer Nähe kampierten, waren bestimmt nur eine kleine Vorhut und ich bin mir sicher, dass noch mehr von ihnen folgen werden, wenn wir das nicht unterbinden.” Tingal nickte. „Das ist wahr, Beleš Dōlad.”, antwortete der Braunhaarige finster, „Und deshalb werden wir sie angreifen. Bevor die Kando begreifen, wie ihnen geschieht, werden sie bereits im Glandāku sein und in Mūruks Flammen lodern!” Dōlad nickte. „Ich verstehe.”, sagte er, „Aber wie willst du so schnell die Kando finden, die letzte Nacht in unserer Nähe waren? Laut den Aussagen unserer Jäger sind sie auf Kojn-Kojns unterwegs und die hinterlassen nun mal keine Spuren auf dem Waldboden, wenn sie fliegen.” Tingal lächelte wieder. „Auch das wäre wahr, mein Freund. Aber die Kando reiten grundsätzlich auf Kuš-Kuš, weil sie mit den Kojn-Kojns nicht klarkommen.”, sagte er immer noch eisig lächelnd, „Das ist unser Vorteil und deshalb werden wir uns selbst auf die Suche nach ihnen machen. Also sattelt unsere Kojn-Kojns. Wir teilen uns in mehrere Gruppen auf. Jede Gruppe soll zehn Mann umfassen. Wir müssen sie finden, bevor sie zu ihren Leuten zurückkehren und Bericht erstatten.” „Also, Männer, an die Waffen!”, rief er der versammelten Menge zu, „In einer Stunde treffen wir uns wieder hier auf dem Markplatz und dann beginnt die Jagd.” Sofort kehrten die Aufgerufenen in ihre Häuser zurück, holten ihre Waffen und sattelten ihre Reittiere.....

Als die Männer in kleinen Gruppen das Dorf Mandušolva verließen, übertrug Narul die Verantwortung für das Dorf an seine Frau Dilana. Sorgenvoll sahen die Frauen, Kinder und die Alten den davonziehenden Männern nach.....

Als die restlichen Dorfbewohner allein waren, rief Dilana die ältesten Jungen des Dorfes zusammen. Erwartungsvoll sahen sie die junge blonde Frau an, die während Naruls Abwesenheit die Verantwortung übernommen hatte. „Ich habe für jeden von euch einen sehr wichtigen Auftrag, den ihr so schnell wie möglich erledigen müsst.”, begann sie und sah dabei jeden Jungen sehr ernst an, „Geht in alle Nachbardörfer, die uns am nächsten liegen und warnt sie vor den Kando. Rasch, beeilt euch und seid vor der Abenddämmerung wieder zurück!” Die Anwesenden nickten wortlos und eilten jeweils zu zweit so schnell sie konnten in verschiedene Richtungen davon. Hoffentlich kommt die Warnung für die anderen rechtzeitig!, dachte Dilana besorgt, Sonst sind wir verloren! Nur selten hatte sie die Dorfjungen so schnell laufen gesehen wie an diesem Tage.....

Unwillkürlich zuckte die junge Frau zusammen, als jemand ihre Hand umklammerte. Als Dilana hinuntersah, blickte sie in das Gesicht ihres einzigen Kindes. „Hamarud!”, sagte sie leise, „Wo kommst du denn auf einmal her?” „Von zu Hause!”, antwortete der Junge mit den lockigen Haaren wahrheitsgemäß. „Hatte ich dir nicht gesagt, du solltest zu Hause bleiben?”, fragte sie und sah dabei den Jungen scharf an, „Momentan ist es besser, wenn du im Haus bleibst. Draußen ist es jetzt viel zu gefährlich.” Verständnislos schaute der Junge seine Mutter an. „Aber warum denn?”, fragte er, „Ich bin schon groß und habe keine Angst, Mama! Sollen die Kando doch kommen. Wir machen sie schon fertig.” Fassungslos über die Worte ihres Sohnes schnappte Dilana nach Luft. „Das fehlte noch.”, sagte sie streng, „Für den Kampf bist du noch zu jung, Hamarud.” Dilana wandte sich um, als sie hinter sich ein leises Kichern vernahm. Es war Sigusīn Tēlak, der alte Bogenmacher, der hinter ihr stand und verständnisvoll lächelte. „Aus ihm wird noch ein großer Krieger werden, Dilana.”, sagte er mit verschmitztem Lächeln. Die junge Mutter schüttelte energisch mit dem Kopf. „Nein, das werde ich auf keinem Fall zulassen.”, entgegnete sie entschieden, „Er ist noch viel zu jung für ein Leben als Krieger.” „Aber danach richtet sich das Leben nicht immer, meine Liebe!”, antwortete der alte Bogenmacher, „Du kannst ihn nicht davor bewahren, auch wenn du es noch so sehr wolltest. Manchmal kommt die Zeit, in der wir um unsere Rechte kämpfen müssen, schneller, als einem lieb ist. Glaube mir, Dilana, ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe das selbst durchgemacht.” Dilana schüttelte weiterhin mit dem Kopf. „Nein!”, antwortete sie entschieden, „Solange ich es verhindern kann, werde ich es auch tun.” Die Stimme des Alten wurde eindringlicher, als er zu einer Erwiderung ansetzte. „Dilana, unterziehe deinen Sohn so schnell wie möglich dem Waffenritus, bevor es zu spät ist.”, sagte Sigusīn und hob dabei beschwörend seine Hände, „Bitte, tu es Hamarud zuliebe. Wie soll er sich und das Dorf verteidigen können, wenn er nicht gelernt hat, mit Waffen umzugehen?” Dilana seufzte, als sie die Worte des alten Mannes vernahm. Sie wusste, dass der alte Bogenmacher Recht hatte. Trotzdem sträubte sich alles in ihr, ihr einziges Kind für den baldigen Kampf vorzubereiten. Die junge Mutter hatte das Gefühl, als würde bei dem Gedanken jemand ihre Seele zerreißen, dass aus ihrem Sohn ein Krieger werden sollte und in einer der Schlachten sein Leben verlieren könnte. Hamarud hatte alles schweigend mitangehört. „Und wer soll das mit dem Waffenritus mit ihm machen?”, fragte die junge Mutter, „Unsere Krieger sind doch alle ausgezogen, um die Kando aufzuspüren.” Der Alte begann listig zu lächeln. „Wer sagt denn, dass es in Mandušolva keine Krieger mehr gibt?”, fragte er und wies dann auf sich selbst, „Bin ich denn kein Krieger mehr, nur weil ich alt geworden bin? Denkst du wirklich, ich könnte Hamarud nicht dem Waffenritus unterziehen, Dilana?” Er trat einen weiteren Schritt auf die beiden zu. „Nein, mein Kind, ich bin noch lange nicht zu alt, um einem Knaben die Kriegskunst zu lehren, meine Liebe.” Die junge Mutter sah den alten Bogenmacher nachdenklich an. „Vertrau mir! Wenn du es nicht machst, dann wirst du es später bereuen, wenn die Männer nicht von ihrer Suche zurückkehren und unser Dorf schutzlos den Feinden ausgeliefert ist.”, fuhr er fort, „Der Junge lernt alles bei mir, was er wissen muss, um ein guter Krieger zu werden.” Dilana ließ ihre Schultern sinken. „Also gut. Vielleicht habt Ihr sogar Recht.”, sagte sie immer noch skeptisch, „Unterzieht meinen Sohn dem Waffenritus. Macht aus ihm einen guten Krieger.” Der weißhaarige Alte mit dem Rauschebart begann freundlich zu lächeln. „Ich danke dir für dein Vertrauen, Dilana.”, antwortete Sigusīn nicht ohne Stolz in seiner Stimme, „Ich verspreche dir, dass du es nicht bereuen wirst. Ich werde aus Hamarud einen Krieger machen, auf den du und Narul stolz sein könnt.” Vorsichtig hielt der alte Bogenmacher dem Jungen seine schwielige Hand hin. Fragend blickte er seine Mutter an. Sie nickte. „Geh mit ihm, Hamarud!”, sagte sie und drückte zum Abschied ihren Sohn noch einmal zärtlich an sich, „Geh und lerne von ihm.” Zögernd nahm Hamarud die Hand des Alten und beide verließen den Marktplatz. Dilana blieb allein zurück und sah ihrem Sohn und dem Bogenmacher noch lange nach. „Möge Zātuls Gnade mit euch sein und seine starke Hand immer über euch halten.”, flüsterte sie kaum hörbar, „Lerne von ihm so viel du kannst, mein Sohn!” Als die beiden außer Sichtweite waren, begann sie zu weinen.....

Am frühen Abend kehrten die Jungen alle wieder ins Dorf zurück und übermittelten Dilana den Dank für die Warnung aus den anderen Dörfern. Zufrieden, dass die Nachbardörfer nun vor den Kando gewarnt wurden, entließ sie die Jungen wieder nach Hause. Sie wusste, dass die Manda in den Nachbardörfern sich nun auf den bevorstehenden Kampf vorbereiteten. Mandušolva hatte nun wichtige Unterstützung, womit die Kando bestimmt nicht rechneten.....

Nach einigen Wochen kehrten die Männer ohne einen einzigen Kando gesehen, geschweige denn gefangen zu haben, wieder nach Mandušolva zurück. Narul wunderte sich sehr, als bei seiner Heimkehr sein Sohn ihm nicht freudig entgegenrannte, wie es sonst immer der Fall war, wenn er für einen längeren Zeitraum von zu Hause wegging. „Wo ist denn unser Sohn?”, fragte Tingal seine Frau, die gerade dabei war, Wäsche zu waschen, „Ist er schon wieder bei irgendwelchen Tierzüchtern in unserem Dorf?” Dilana ließ das Kleidungsstück ins Wasser zurückgleiten und richtete sich auf. Fest sah sie ihren Mann in die Augen. Narul begriff in diesem Augenblick, dass sich etwas verändert hatte. Dies sah er in dem Blick seiner Frau. Der Braunhaarige trat auf die Blonde zu und packte sie an den beiden Armen. „Wo ist unser Sohn?”, fragte er noch einmal, „Wo ist Hamarud?” Dilana begann zu schluchzen, als sein Griff etwas fester wurde und sie in das sorgenvolle Gesicht ihres Mannes sah. „Ich habe ihn weggeschickt.”, brachte sie mühsam heraus. Fassungslos ließ er Dilana los. „Du hast was?”, fragte er ungläubig, „Du hast Hamarud weggeschickt?” Die junge Mutter setzte sich auf einen kleinen Schemel, der neben ihr stand. Tingal setzte sich ihr gegenüber auf einen kleinen Hocker und sah sie verständnislos an. „Was ist passiert?”, wollte er wissen, „Warum hast du ihn fortgeschickt und vor allen Dingen wo hast du ihn hingeschickt?”

Detailliert berichtete Dilana ihren Mann von ihrer Begegnung mit dem alten Bogenmacher auf dem Marktplatz und von seinem Angebot, Hamarud dem Waffenritus zu unterziehen. „Vielleicht ist das gar nicht so verkehrt, dass du Hamarud dem alten Bogenmacher anvertraut hast.”, sagte Narul nachdenklich, „Solange unser Sohn bei Sigusīn ist, ist er in Sicherheit.”

Zufrieden betrachtete der alte Bogenmacher das Lagerfeuer. Er nickte. „Das hast du gut gemacht, Hamarud.”, sagte Tēlak, „Wenn das Fleisch gar ist, können wir essen.” Sofort schnitt Tingals Sohn etwas Fleisch ab und reichte ein größeres Stück dem Alten. Genüsslich biss dieser hinein. Nach mehreren Bissen nickte der alte Bogenmacher anerkennend. „Ja, das ist gut.”, sagte er kauend und griff nach seinem Wasserschlauch, „Für das erste Mal ist es fast exzellent.” Hamarud begann zu grinsen und schnitt sich nun ebenfalls ein Stück heraus. Eine Weile lang aßen die beiden schweigend. „Sage mal, Hamarud, was weißt du denn über die Kando?”, fragte der Alten nach dem Essen. Der junge Tingal zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht.”, antwortete er unsicher, „Ich weiß nur, dass sie unsere Feinde sind und wir sie unbedingt vernichten müssen. Zumindest sagt das mein Vater immer. Sie haben seit vielen Jahrhunderten unser Volk unterdrückt und versklavt.” „Ist das alles?”, wollte Sigusīn wissen, „Oder hat dir dein Vater noch mehr als das gelehrt?” „Er hat mir auch von seiner Zeit als Sklave auf dem Anwesen von Temesh Komush erzählt und wie er dort hilflos mit ansehen musste, wie die Kando seine Mutter vor seinen Augen bei lebendigem Leibe gehäutet haben und anschließend bestialisch ermordeten, indem sie sie anschließend lebendig verbrannten. Vater sagte, die Kando wären ein sehr grausames Volk, die die Manda nur als Tiere ansehen würden.” „Was noch?”, hakte der alte Bogenmacher nach, „Was hat er dir noch erzählt?” Hamarud zuckte erneut mit den Schultern. „Ich weiß nicht.”, erwiderte der Junge mit den lockigen Haaren, der weiterhin unsicher war, worauf der Alte hinaus wollte, „Er hat auch sehr viel von der schweren Arbeit erzählt, die die Manda als Sklaven für die Kando machen mussten und jeder Sklave sofort hart bestraft wurde, wenn er etwas falsch machte oder etwas tat, was er nicht durfte.” Wortlos hörte der weißhaarige Mann mit dem Rauschebart dem jungen Tingal zu, als dieser fortfuhr. „Viele Sklaven wurden auf sehr grausame Art bestraft, sagte Vater.”, berichtete Hamarud, „Die Sklaven, die sie mit dem Tod bestraften, wurden vorher erst sehr lange gefoltert. Dabei mussten alle anderen Sklaven und auch die Kando selbst anwesend sein, damit niemand vergessen sollte, dass die Manda nur Sklaven seien und man mit ihnen nur so verfahren könne, wenn sie lernen sollten, gehorsam zu sein.” Der Alte nickte. „Und? Was denkst du darüber?”, fragte er Hamarud, „Kannst du dir vorstellen, dass es auch andere Kando gibt, die im Frieden mit den Manda leben und sie nicht als Sklaven halten?” Hamarud schüttelte entschieden mit dem Kopf. „Nein.”, antwortete er, „Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen. Ich habe zwar noch nie einen Kando gesehen, nur von ihnen durch die Bewohner unseres Dorfes gehört. Alle sagen dasselbe über die Kando. Die Leute haben unheimlich viel Angst vor ihnen, glaube ich.” Tēlak nickte verständnisvoll. „In der Tat.”, sagte er, „Die Manda fürchten die Kando. Aber die Kando fürchten sich noch viel mehr vor unserem Volk, als wir uns vor ihnen. Wusstest du das?” Tingal verneinte. „Nun gut.”, sagte Sigusīn, „Dann werde ich dir mal die ganze Geschichte erzählen.” An diesem Abend erfuhr Hamarud von dem alten Sigusīn Tēlak einen kleinen Teil der wahren Geschichte über die Manda, die Kando, den Xendavu und den Ustāri…..

Inzwischen war das Feuer fast heruntergebrannt und der alte Bogenmacher schlief bereits tief und fest. Die Atemzüge des Alten gingen regelmäßig. Nachdenklich lag Hamarud auf den Rücken und ließ sich alles, was Sigusīn ihm über sein Volk und den anderen drei Völkern erzählt hatte, durch den Kopf gehen. Warum hat Vater mir nie davon etwas erzählt?, fragte er sich, Wusste er nichts davon oder warum hat er mir das alles verschwiegen? Besonders beeindruckt war Hamarud von der Tatsache, dass sowohl die Kando, die Manda und die Xendavu von den Ustāri abstammten. Warum sind die Kando den Manda gegenüber so feindselig, wenn wir doch alle von den Ustāri abstammen?, fragte sich der junge Tingal, Wäre es denn nicht besser, wenn wir alle in Frieden miteinander leben könnten? Eine Weile lang zerbrach sich Hamarud darüber den Kopf, ohne eine schlüssige Antwort darauf finden zu können. Dann kam ihm noch ein weiterer Gedanke in den Sinn. Woher wusste Sigusīn Tēlak das alles?, fragte sich Hamarud, Hatte er mal eine Zeit lang bei den Kando, den Xendavu sowie bei den Ustāri gelebt und von ihnen die ganze Wahrheit erfahren? Der junge Tingal versuchte sich die Kando, die Xendavu und Ustāri vorzustellen, aber ohne Erfolg. Selbst die detaillierten Beschreibungen von Sigusīn Tēlak ließen nur ein recht vages Bild zu. Unwillkürlich musste er wieder an seine Eltern in Mandušolva denken. Warum haben mir meine Eltern nie etwas darüber erzählt?, fragte er sich abermals und machte sich darüber erneut Gedanken. Während er sich weiterhin mit dieser Frage beschäftigte, blickte er dabei zu den Sternen hoch. Aber die Sterne gaben ihm keine Antwort. Müdigkeit breitete sich in Hamarud Tingal aus Mandušolva aus und er musste herzhaft gähnen. Es dauerte nicht mehr lange und der Schlaf übermannte ihn endgültig. Hamarud wehrte sich nicht länger dagegen und schlief ein…..

Am nächsten Morgen wurde Hamarud sehr früh von dem alten Bogenmacher geweckt. Nach einem spärlichen Frühstück setzten sich die beiden wieder auf ihre Kojn-Kojns und zogen nach Norden. „Wohin reiten wir denn, Sigusīn?”, wollte der junge Tingal wissen. Der Alte begann zu lächeln. „Wir ziehen nach Masindo.”, antwortete er, „Das ist die größte Stadt in Ulanizaruš, die von den Xendavu vor über viertausend Jahren gegründet wurde.” „Und was werden wir dort machen?”, fragte Hamarud weiter, der immer noch nicht wusste, was der alte Bogenmacher im Sinn hatte. „Was heißt denn hier ‚wir’?”, antwortete Tēlak mit einem verschmitzten Lächeln, „Du wirst dort sehr viel lernen und zu gegebener Zeit dem Waffenritus unterzogen.” Hamarud sah den Alten von der Seite an. „Und was werdet ihr in der Stadt machen, wenn ich lernen muss, Sigusīn?”, wollte Hamarud wissen. Tēlak begann zu grinsen. „Nun.”, begann er amüsiert, „Ich werde dort dies und das tun.” Verwirrt blickte der Junge mit den lockigen Haaren den alten Bogenmacher an. „Was meint ihr damit?”, fragte Hamarud, „Ich verstehe euch nicht.” Das Grinsen des Alten wurde breiter. „Wenn es soweit ist, wirst du es verstehen.”, antwortete dieser geheimnisvoll und trieb sein Reittier an. „Komm jetzt! Wir müssen uns etwas ranhalten, wenn wir noch vor Sonnenuntergang die Stadt erreichen wollen.”

Am späten Abend kam erst die Stadt Masindo in Ulanizaruš in Sicht. Staunend sah Hamarud von einer Anhöhe aus auf die große Xendavu-Stadt herab. Auf den Feldern vor der Stadt waren einige Xendavu bei der Feldarbeit zu sehen. Dem jungen Tingal fehlten die Worte, als er die ersten Xendavu in seinem Leben sah. Für ihn stand nur eines fest: Die Xendavu hatte er sich etwas anders vorgestellt. Tēlak grüßte jeden Xendavu in ihrer Sprache, an dem sie auf dem Weg zur Stadtgrenze vorbeikamen. Vor dem Eingang zu einem kleinen Kloster hielt der Alte sein Kojn-Kojn an und stieg ab. Das Tier gab ein zufriedenes Schnauben von sich und schüttelte seine gewaltige Mähne. Mit einer Handbewegung wies er Hamarud an, seinem Beispiel zu folgen. Tēlak klopfte an dem großen Tor, das nach sehr kurzer Zeit bereits geöffnet wurde. Ein alter buckeliger Mönch bat die beiden mit einer wortlosen Geste herein. Im Fackelschein war Hamarud ein wenig überrascht, als er den Mönch als einen Manda erkannte. Ich dachte, hier leben nur die Xendavu!, dachte Hamarud etwas verwundert, Anscheinend habe ich mich da wohl geirrt! Fragend sah er den alten Bogenmacher an, doch dieser sagte nichts. Er nickte ihm nur zu. Hamarud Tingal hatte den Eindruck, dass Sigusīn seine stumme Frage verstanden hatte. Aber Tēlak gab ihm trotzdem keine Antwort. Stattdessen warf er dem jungen Tingal einen Blick zu, der ihm signalisierte, ruhig zu bleiben. Schweigend nahmen die beiden Neuankömmlinge ihr Gepäck von den Reittieren. Während die Kojn-Kojns in einen Stall geführt wurden, um sie dort mit frischen Wasser und Futter zu versorgen, führte ein anderer Mönch die beiden in das Hauptgebäude des Klosters. Neugierig ließ Hamarud seinen Blick durch das Gebäude schweifen, ohne dabei den alten Bogenmacher und den Mönch aus den Augen zu lassen. Zielstrebig gingen die drei auf eine große Tür zu. Die Schritte hallten in dem weiten Flur wieder. Wortlos öffnete der Mönch die Tür und winkte die beiden Neuankömmlinge hinein.

„Ah, da sind ja unsere Gäste.”, sagte jemand mit gütigem Lächeln, als der alte Bogenmacher und sein Schützling den Raum betraten. Hamarud runzelte die Stirn. Er hatte den Eindruck, dass der Abt von ihrer Anreise bereits wusste. Tēlak begann zu lächeln. „Kurud Haugas!”, rief er erfreut, „Es ist schon eine Weile her, nicht wahr?” Der weißhaarige Abt war aufgestanden und ihnen mit schnellen Schritten entgegen geeilt. Freudig umarmten sich die beiden Alten zur Begrüßung. Neugierig warf Hamarud während dessen einen Blick auf das Buch, das aufgeschlagen auf dem Tisch lag. Dann blickte der Abt den jungen Tingal an, der sich wieder rasch zu den beiden Alten umwandte. „Und du musst Hamarud Tingal, Sohn von Narul und Dilana aus Mandušolva sein.”, sagte er und blieb direkt vor dem Jungen mit den lockigen Haaren stehen, „Sigusīn Tēlak hat mir schon viel von dir, deinen Eltern und eurem Dorf berichtet.” Unsicher sah er den Abt an. Hamarud wusste nicht genau, was er ihm antworten sollte. Der Alte nickte verständnisvoll. „Mach dir nichts draus.”, sagte er zu dem jungen Tingal und sah ihn mit seinen blauen Augen an, „Du bist noch sehr jung. Da ist es keine Schande, wenn man nicht weiß, was man einem fremden alten Mann antworten soll.” Zu dem alten Bogenmacher gewandt fuhr er fort. „Meinst du nicht, dass er für den Waffenritus noch zu jung ist?”, fragte Kurud Tēlak, „Er ist ja fast noch ein Knabe.” Der alte Bogenmacher trat auf den Abt zu. „Ja, er ist noch sehr jung, aber aus seinem Munde kommen jetzt schon die Worte eines großen Kriegers, Kurud.”, antwortete der Alte, „Auch wenn er zurzeit noch für den Waffenritus zu jung ist, ist es bestimmt nicht verkehrt, wenn man ihn bereits in zahlreichen anderen Dingen ausbildet. Er ist ein guter Junge und wird schnell lernen.” Haugas nickte wieder. „Wohlan! So sei es!”, sagte der Abt entschieden, „Dann wird er hierbleiben und dem Waffenritus unterzogen werden. Mögest du viel in unseren Mauern lernen, junger Tingal.” Kurz darauf stieß der alte Abt einen lauten Pfiff aus und wenig später erschien ein junger Mönch mit blonden Haaren in dem Raum und blickte Kurud Haugas fragend an. „Gib dem jungen Tingal ein Quartier.”, wies er den Mönch an, „Er wird für eine lange Zeit bei uns bleiben und ab Morgen früh wirst du ihn ausbilden.” Bevor der Mönch mit Hamarud das Zimmer verließ, trat Tēlak vor den jungen Tingal hin und sah ihn ernst an. „Nutze die Zeit, die du in diesen Mauern bleibst, denn du wirst erst zu gegebener Zeit dem Ritus unterzogen, Hamarud.”, sagte er eindringlich, „Lerne hier, soviel du kannst. Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du all dein Wissen, das du dir hier bis dahin angeeignet haben wirst, dringend brauchen. Mögen dir die Götter wohlgesonnen sein und dir viel Kraft geben!” „Und wo werdet Ihr bleiben, Sigusīn Tēlak?”, fragte Hamarud den alten Mann aus seinem Dorf, „Werdet Ihr in der Stadt verweilen und euch hier auch mal sehen lassen?” Der alte Bogenmacher begann zu lächeln. „Wer weiß.”, antwortete er, „Wenn Zātul mich wieder hierher führt. Und nun geh, junger Krieger!” 

Hamarud begleitete den jungen Mönch aus dem Raum. Tingal hatte ein seltsames Gefühl, als er dem Mönch durch die weiten Korridore des Klosters zu seinem neuen Quartier folgte. An der Tür blieben die beiden jungen Manda stehen. Sie quietschte, als sie geöffnet wurde. Der Mönch und Hamarud betraten zusammen das kleine Zimmer. Tingal ließ sein Gepäck auf das Bett fallen und sah sich in dem Raum um. Die Wände waren kahl und in den kleinen Regalen an der Wand standen zahlreiche Bücher. Wortlos beobachtete der Mönch den neuen Gast. Als der Blonde gerade gehen wollte, hielt ihn Tingal zurück. „An wem muss ich mich halten, wenn ich etwas wissen will?”, erkundigte sich Hamarud. Der Mönch sah ihn an. „Wie du eben noch vernommen hast, hat mich der ehrwürdige Vater Haugas angewiesen, dich auszubilden, Hamarud Tingal, Sohn von Narul und Dilana aus Mandušolva.”, antwortete der Blonde, „Ich bin Bruder Daloš Kohid aus Tarušīn.” „Ruh dich von der langen Reise aus, damit du morgen früh bei Kräften bist, wenn die Ausbildung für dich beginnt.”, sagte der Mönch und schritt zur Tür, „Morgen beginnt ein neuer Tag für dich, Hamarud Tingal aus Mandušolva. Mögen Zātul und alle anderen Götter dir einen erholsamen Schlaf schenken.” Bevor Tingal noch etwas erwidern konnte, war der Blonde bereits aus dem Zimmer gegangen und schloss hinter sich die Tür. Hamarud Tingal war allein.....

Abschließende Hinweise:

keine

Auf dem Weg zum Krieger

von aroessler2003

 

Für den Jungen mit den lockigen braunen Haaren begann in dem kleinen Kloster eine harte Zeit. Viele Jahre gingen ins Land und in dieser Zeit lernte Hamarud die Sprachen Kando, Xendavu und Ustāri. In diesen Sprachen lernte er zusätzlich die Entwicklungsgeschichte und die Kulturen dieser drei Völker kennen und verstehen. Erst im Laufe der Jahre begriff Hamarud, wie eng die Geschichte der Manda besonders mit denen der Kando, Xendavu und Ustāri miteinander verbunden war. Zusätzlich studierte er Heilkunde, Mathematik und noch zahlreiche andere Fächer, von denen er teilweise erst in dem Kloster etwas erfuhr. Parallel lernte Hamarud Tingal, wie man mit dem Schwert und auch mit dem Speer richtig umging. Ferner lernte er auch, wie man mit Pfeil und Bogen umging und wie man diese Waffen schnell selbst herstellen konnte. Der Junge aus Mandušolva erwies sich als ein sehr guter Schüler, der alles Wissen in sich nur aufzusaugen schien. Während dieser Zeit besuchte ihn der alte Bogenmacher in unregelmäßigen Abständen. Voller Stolz zeigte Hamarud Tingal Sigusīn Tēlak, was er in den Zeiträumen gelernt hatte, so lange der alte Bogenmacher fort war. Zum Schluss wurde der junge Mann aus Mandušolva in der Anwesenheit des alten Bogenmachers dem Waffenritus unterzogen. Voller Stolz leistete Hamarud Tingal, Sohn von Narul Tingal und Dilana Tingal den heiligen Eid, der ihn als Krieger dazu verpflichtete, zu jeder Zeit jedem beizustehen und mit seiner Kriegskunst zu verteidigen, wenn man ihn dazu aufforderte. Wenige Tage später machten sich Sigusīn und Hamarud auf den Heimweg.....

In den ersten beiden Wochen verlief die Reise ereignislos. Ohne Hast zogen die beiden Männer in südöstlicher Richtung, bis sie das Ufer des Talušari erreichten. Es war bereits später Nachmittag, als der alte Bogenmacher plötzlich sein Reittier stoppte und aus dem Sattel sprang. Hamarud tat es ihm gleich und folgte dem Alten. Lautlos schlichen die beiden Männer an das Ufer. An einer Böschung am Flussufer angelangt, ging Tēlak in die Knie und spähte zwischen den zahlreichen Zweigen hindurch auf die andere Seite des Stromes. Beide erschraken zutiefst, was sie dort sahen.....

Auf der anderen Seite des Flusses befand sich ein Dorf der Manda, von dem zahlreiche Rufe und Schreie erklangen. Metall klirrte. Sowohl der alte Bogenmacher als auch Hamarud Tingal wussten, was dort vor sich ging. Jemand griff das Dorf an. Ein kräftiger Mann kämpfte gegen zwei Gestalten, die beide ein sehr dichtes Fell hatten. Sigusīn stieß einen leisen Fluch aus. Mit einer Handbewegung wies er Hamarud an, ihm zu folgen. Als sie wieder bei ihren Reittieren waren, schwangen sich die beiden Männer wieder in ihre Sättel. „Komm, junger Krieger!”, zischte Tēlak aufgebracht zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen, „Jetzt kannst du mir zeigen, was du alles gelernt hast, Hamarud. Die Kando überfallen gerade ein Manda-Dorf auf der anderen Seite des Flusses. Heute ist der Tag, an dem dein Schwert zum ersten Mal das Blut des Feindes trinken darf!” Dann gab der Alte dem Kojn-Kojn die Sporen. Mit gezogenem Schwert stieß er zornig einen Kriegsschrei aus, den der junge Tingal noch nie zuvor von dem alten Bogenmacher gehört hatte. Auch Hamarud zog sein Schwert und gab seinem Reittier ebenfalls die Sporen. Kurz bevor die beiden das Flussufer erreichten, breiteten die beiden Kojn-Kojns ihre mächtigen Schwingen aus und hoben fast lautlos vom Boden ab. Rasch überflogen sie den Fluss und griffen in das Kampfgeschehen ein.....

Überrascht sahen die drei Kämpfenden zu den beiden Manda-Kriegern auf ihren Kojn-Kojns hinüber, die sich mit gezogenen Schwertern in das Kampfgetümmel stürzten. Deutlich war der Kampfschrei der Neuankömmlinge zu hören. Rasch sprangen Tingal und Tēlak von ihren Reittieren und stürmten auf die gegeneinander kämpfende Dreiergruppe zu. Kurz darauf kreuzten der junge Krieger und der alte Bogenmacher gemeinsam mit den beiden Kando ihre Klingen. Laut klirrte das Metall, als die Schwerter gegeneinander schlugen. Hamarud kämpfte gegen den größeren der beiden Kando-Krieger, der sich als ein sehr geschickter Kämpfer erwies. Er war viel kräftiger, als der junge Tingal annahm. Zweimal in kürzester Zeit lag Hamarud bereits am Boden, doch er konnte jedes Mal die Hiebe seines Gegners gut parieren, wenn dieser seinen tödlichen Stoß ausführen wollte. Wenig später stieß einer der Kämpfenden einen Schmerzensschrei aus, der durch Mark und Bein ging. Ein Schwert fiel laut klirrend zu Boden und eine Gestalt sankt auf die Knie. Alle sahen in jene Richtung, aus der der Todesschrei zu hören war…..

Es war der kräftige Mann aus dem Dorf, der auf dem Boden kniete und sich verzweifelt mit seinen beiden großen Händen den verwundeten Bauch hielt. Blaues Blut quoll zwischen den Fingern des Mannes hervor, der bereits zur Seite wegkippte. Dumpf schlug sein kräftiger Körper auf. Seine Lippen zitterten und er gab ein schmerzerfülltes Stöhnen von sich. Vor ihm standen zwei weitere Kando, die dem Sterbenden teilnahmslos anstarrten. Kurz darauf zischte etwas durch die Luft und einer der beiden Kando brach von einem Pfeil durchbohrt zusammen. Auch er ließ sein Schwert fallen. Überrascht blickte er auf den Pfeil, der aus seinem Leib herausragte. Kurz darauf brach auch der zweite Kando von mehreren Pfeilen getroffen zusammen. Laut klirrte sein Schwert, als die blutverschmierte Waffe auf dem Boden fiel. Als sein Körper aufschlug, war er bereits tot.

Der kleinere Kando zuckte erschrocken zusammen, als er ebenfalls von mehreren Pfeilen getroffen zusammensackte. Rasch stieß der alte Bogenmacher seine Klinge in den Leib des Feindes, der ab diesen Moment nicht mehr handlungsfähig war. Als Sigusīn sein Schwert in der Wunde herumdrehte, brüllte der Kando vor Schmerz auf und ließ seine beiden Schwerter fallen. Der weißhaarige Manda sah in die türkisfarbenen Augen seines Gegners, als er seine Klinge wieder herauszog. Der kleine graue Kando verdrehte kurz die Augen und sackte in sich zusammen. Er zuckte mehrmals, bevor er starb.

Hamarud schwitzte bereits, denn der Kampf mit dem großen beigefarbenen Kando war kraftraubend. Immer wieder trafen die Klingen der beiden Kämpfenden aufeinander. Nach weiteren Minuten gelangt es dem Kando seinen Gegner zu entwaffnen. Keuchend blickte Tingal zu seinem Schwert, das auf dem Boden gefallen war. Rasch trat Hamaruds Feind die Waffe weg. Das Metall klirrte, als das Schwert über den Boden rutschte. Der junge Manda mit den lockigen Haaren war auf einer Finte hereingefallen, die er bis dahin noch nicht kannte. Der Kando nickte anerkennend.

„Alle Achtung!”, sagte er auf Manda, „Du bist ein würdiger Gegner, junger Krieger.” Hamarud sah den Kando wortlos an. „Sage mir deinen Namen, damit ich dich ehren kann, wenn du durch meine Klinge stirbst.”, sagte er und bleckte die Zähne, „Diese Ehre bekommen nur sehr wenige, wenn sie gegen mich kämpfen dürfen und dabei ihr Leben verlieren.” Tingal sah den Kando weiterhin wortlos an, der inzwischen mit seinem Schwert zum tödlichen Hieb ausholte. Hamarud rang nach Atem. Er konnte nicht glauben, dass sein Leben bereits zu Ende sein sollte. Im nächsten Augenblick zuckte der hünenhafte Kando, als er von einem Speer getroffen wurde. Sein Schwert glitt ihm aus der Hand und fiel zu Boden. Dann kippte der Kando nach vorne. Der Schaft des Speeres ragte aus dem breiten Rücken des Kriegers…..

Wenig später war bereits der alte Bogenmacher bei Hamarud. „Ist alles in Ordnung mit dir?”, wollte er wissen. Hamarud nickte. Tēlak half dem jungen Manda mit den lockigen Haaren wieder auf die Beine. Rasch hob Hamarud sein Schwert wieder auf und steckte es in die Scheide, nachdem er es von dem Blut der getöteten Kando gereinigt hatte. Zusammen gingen die beiden zu dem kräftigen Mann aus dem Dorf, der stöhnend am Boden lag. Mehrere Dorfbewohner hatten sich bereits um den Sterbenden versammelt. Eine junge Frau kniete vor ihm und hielt seine blutverschmierte Hand. Ihr Bogen und der Köcher, in dem noch weitere Pfeile steckten, lagen neben ihr auf dem Fußboden. Ihre roten Haare hatte sie zu einem langen Zopf gebunden. Sie schluchzte. Seine Lippen formten ein paar Worte, doch niemand konnte sein schwächer werdendes Krächzen verstehen. Als sein Körper erschlaffte, begann das Mädchen herzzerreißend zu weinen. Der alte Bogenmacher und der junge Tingal aus Mandušolva seufzten beide und kehrten gemeinsam wieder zu ihren Reittieren zurück. Ein junger Mann folgte ihnen. Als der alte Bogenmacher und der junge Mann mit den lockigen Haaren auf ihre Kojn-Kojns stiegen, sprach er sie an.

„Ich danke euch für euren Beistand, den Ihr mir, meinem Vater und damit auch unserem Dorf Rānos gegenüber geleistet habt.”, begann er, „Aber wer seid Ihr und warum habt Ihr das getan?” Der Weißhaarige begann zu lächeln, als er antwortete. „Wir helfen jedem, der unsere Hilfe gebrauchen kann, zumal die Kando unsere Feinde sind.”, sagte der Alte, „Ich bin Sigusīn Tēlak, Sohn von Najla und Alānos, und das ist Hamarud Tingal, Sohn von Dilana und Narul aus Mandušolva.” Der junge Mann sah die beiden nachdenklich an. „Ich habe nie von euch gehört.”, gestand er, „Auch der Name eures Dorfes ist mir unbekannt.” Der alte Bogenmacher nickte verständnisvoll. „Das ist verständlich.”, sagte er, „Mandušolva ist auch sehr weit weg von hier und die Reise selbst auf Kojn-Kojns dahin dauert viele Wochen.” Der Mann trat etwas näher an die beiden heran. Inzwischen versammelten sich auch die restlichen Dorfbewohner um die beiden Fremden auf ihren Reittieren. Interessiert verfolgten sie schweigend das Gespräch zwischen dem Sohn des Getöteten und den beiden Fremden. „Aber was verschlägt euch dann in diese Gegend?”, fragte er. Tēlak begann erneut zu lächeln. „Es waren wichtige Geschäfte in der Stadt Masindo in Ulanizaruš, die uns in die Nähe eures Dorfes führten. Hamarud Tingal wurde dort nach jahrelangem Studium dem Waffenritus unterzogen, während ich einigen sehr wichtigen Geschäften nachgehen musste. Wir waren gerade auf unserem Heimweg von Masindo in Ulanizaruš nach Mandušolva, als wir am Fluss unsere Tiere tränken wollten.” Der junge Mann nickte. „Aha, verstehe! Und dann habt Ihr gehört, dass in unserem Dorf gekämpft wurde und seid eingeschritten.”, stellte der Dorfbewohner fest. Sigusīn nickte abermals. „So ist es.”, antwortete er, „Aber wie lautet dein Name, junger Krieger?” Erschrocken zuckte der Angesprochene zusammen. „Verzeiht mir meine Unhöflichkeit, edle Herren.”, sagte er, „Ich bin Skārud Nāmur, Sohn von Aranka und Kurus.” Der Alte nickte kurz, während Hamarud wortlos zuhörte. „Wird euer Dorf oft von den Kando angegriffen?”, wollte der junge Tingal wissen. Nāmur schüttelte mit dem Kopf. „Eigentlich wird unser Dorf nie angegriffen, weder von den Kando noch von sonst jemandem. Dafür hatte bisher auch niemand einen Grund gehabt.”, sagte er, „Es ist das erste Mal, dass sie Rānos überfielen.” „Und warum haben sie gerade heute euer Dorf überfallen?”, fragte der alte Bogenmacher, „Was für einen Grund hatten sie dafür?” „Ich bin der Grund, warum die Kando das Dorf Rānos angegriffen haben.”, gestand jemand, der kurz darauf aus einem der Häuser ins Freie trat, „Ich bin Prinz Teyu Lumeyn, der jüngste Sohn von Tayazu Lumeyn, dem mächtigsten König des Kando-Reiches, das sich jenseits der Berge im Westen erstreckt.” Sigusīn und Hamarud sahen sich erstaunt an. „Ihr habt einem Kando in eurem Dorf Schutz gewährt?”, fragte Tingal verblüfft, „Warum?” „Weil wir freie Manda sind und wir schon seit drei Generationen im Frieden mit den Kando leben.”, erklärte Skārud ruhig, während der schwer bewaffnete Kando näher kam, „Alle Manda hier im Dorf tragen das Siegel der Freiheit und wir tragen es mit Stolz.” Überrascht schnappte der alte Bogenmacher nach Luft. Seit dem Sklavenaufstand im Kando-Reich hörte Sigusīn Tēlak zum ersten Mal, dass es Manda gab, die von den Kando selbst aus der Sklaverei freigelassen wurden. „Aber wie ist das möglich?”, fragte der Alte, der es kaum glauben konnte und sah den Kando an, der seinen Blick gelassen erwiderte. „Das ist eine Geschichte, die sie euch am besten ein anderes Mal erzählen sollten, denn momentan gibt es viel Wichtigeres als das zu besprechen.”, antwortete Teyu Lumeyn mit Nachdruck in seiner Stimme, „Ich bin hier, um euch alle zu warnen.” Alle Manda sahen den graugetigerten Kando an, der ein paar Schritte auf die versammelte Menge zutrat. „Mein Vater hat eine Armee mit fast zweihunderttausend Soldaten aufgestellt, mit der er gegen die Manda in den Krieg ziehen will. Sein Ziel ist es, euch zu unterwerfen, beziehungsweise alle Manda auszurotten.” Zutiefst geschockt sahen die anwesenden Manda den jungen Prinzen an. „Aber warum warnt Ihr uns davor? Ihr seid doch selbst ein Kando!”, meinte Hamarud verwundert. „Die Sache ist ganz einfach, junger Manda.”, antwortete Teyu Lumeyn, „Ich halte weder von der Sklaverei etwas noch halte ich etwas davon, dass mein Vater ein komplettes Volk auslöschen will. Schließlich stammen wir alle von den Ustāri ab, wie Ihr es selbst in dem Xendavu-Kloster vor den Toren der Stadt Masindo in Ulanizaruš während eures Studiums erfahren habt. Auch ich habe dort viele Jahre studiert.” Hamarud sah den alten Bogenmacher an. „Habt Ihr das gewusst, Sigusīn?”, fragte er den Alten. Dieser schüttelte den Kopf. „Nein, mein Junge, darüber war mir nichts bekannt.”, antwortete er, „Davon wusste ich auch nichts. Selbst Kurud Haugas hat darüber kein einziges Wort verloren. Ich wusste nur, dass dort die Besten ausgebildet und dem Waffenritus unterzogen werden.” „Und wann wird er mit seiner Armee gegen uns zu Felde ziehen?”, fragte Skārud den Prinzen. „Sobald er alle Orte, in denen Manda leben aufgespürt hat, wird seine Armee angreifen. Sie haben Order, keine Gefangenen zu machen.”, antwortete dieser ungerührt, „Seine Kundschafter sind schon seit einiger Zeit im gesamten Land unterwegs. Sobald sie Städte und Dörfer der Manda ausfindig machen, kehren sie heim, um meinem Vater Bericht zu erstatten.” Hamarud ließ laut die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Bei allen Göttern!”, rief er entsetzt, „Die Kando in unserem Tal!” Der alte Bogenmacher nickte erneut. „Dann waren das auch Kundschafter eures Vaters gewesen.”, stellte der junge Manda mit den lockigen Haaren fest, „Und die haben damals garantiert unser Dorf entdeckt. Deshalb haben sie uns auch nicht angegriffen!” Der Kando nickte ebenfalls. „Dann sollten wir keine Zeit mehr verlieren und sofort unseren Weg fortsetzen.”, fuhr Tingal fort, „Wir müssen los, um die Leute in unserem Dorf vor der drohenden Gefahr zu warnen.” Der alte Bogenmacher pflichtete Hamarud bei. Auch er war derselben Ansicht wie der Sohn von Narul und Dilana. „Du hast Recht, Hamarud.”, sagte er entschlossen, „Wir sollten sofort aufbrechen und alle Manda warnen, denen wir begegnen. Wir danken euch für eure Warnung, Prinz Teyu Lumeyn.” Zu allen Anwesenden gewandt fuhr er fort. „Mögen die Götter mit euch sein und ihre Hände schützend über euch halten!”, sagte er zum Abschied, „Wir stehen in eurer Schuld, Prinz Teyu Lumeyn!” Dann gaben die beiden ihren Kojn-Kojns die Sporen und die Tiere preschten rasch davon. Kurz vor dem Flussufer breiteten die Kojn-Kojns ihre mächtigen Schwingen aus und hoben leicht von Boden ab. Schnell gewannen sie an Höhe. Die Dorfbewohner und der Prinz des Kando-Reiches sahen den beiden noch lange nach.....

„Hoffentlich können wir noch unser Dorf vor dieser Gefahr warnen.”, sagte Tingal besorgt und trieb sein Tier zur Eile an. Der alte Bogenmacher pflichtete ihm bei. „Wir müssen auch die anderen Dörfer in unserem Tal warnen.”, sagte er grimmig, „Ich hoffe nur, dass wir nicht zu spät kommen. Denn Prinz Teyu Lumeyn hat uns ja nicht sagen können, wann die Truppen seines Vaters angreifen werden.” Hamarud stieß bei diesem Gedanken einen herzhaften Fluch aus. „Wir sollten so wenig Pausen wie nur möglich machen und die gesamte Strecke am besten heimwärts fliegen.”, sagte der Alte, „Sonst schaffen wir das nicht.”

Tagelang flogen die beiden Manda auf ihren Kojn-Kojns. Nur an kleinen Seen oder Flüssen machten sie kurze Rast. Dicht über den Baumkronen überflogen sie riesige dichte Wälder. Nach einigen Wochen erreichten sie endlich das Tal, in dem Mandušolva lag. Es war früher Vormittag, als Tēlak und Tingal dichten Rauch über dem Tal entdeckten. Als das erste Dorf in Sicht kam, sahen die beiden, dass sämtliche Gebäude von Parangwa bereits in Flammen standen. Unzählige Tote lagen in den leeren Straßen des Dorfes. Es waren Manda und Kando. „Wir kommen zu spät, mein Freund.”, sagte Hamarud kaum hörbar, „Der Krieg gegen unser Volk hat bereits begonnen.” Der Alte antwortete nicht. Beide flogen auf ihren Kojn-Kojns weiter. Als sie nach einigen Stunden die nächste Lichtung erreichten, kam Mandušolva in Sicht. Sowohl der alte Bogenmacher als auch Hamarud atmeten erleichtert auf, als sie sahen, dass ihr Heimatdorf noch unversehrt war. Auf einer der breiteren Straßen am Ortseingang landeten die Reittiere und Sigusīn und Hamarud ritten gemeinsam in das Dorf…..

Vor Hamaruds Elternhaus hielten die beiden an. Ein kleines Mädchen ließ erschreckt einen Eimer fallen und rannte ängstlich ins Haus, während dessen der alte Bogenmacher und der junge Tingal mit den lockigen Haaren von ihren Reittieren stiegen. Wenig später erschienen Narul und Dilana neugierig an der Tür. Fassungslos sahen sie ihren Sohn an, den sie viele Jahre lang nicht mehr gesehen hatten. Freudig eilten ihm beide entgegen und schlossen Hamarud in ihre Arme. Dilana begann zu weinen, als sie ihren Sohn nach vielen Jahren wieder an sich drücken konnte. Inzwischen begrüßte Narul Sigusīn Tēlak, der Hamarud nach Hause begleitet hatte. Ängstlich verfolgte das kleine blonde Mädchen an der Haustür, wie ihre Eltern die Neuankömmlinge begrüßten. Als sie sich gemeinsam der Haustür näherten, wich es mit ängstlichen Blicken auf die furchterregenden Waffen von Hamarud und dem Alten zurück. „Wer ist denn das hübsche Mädchen?”, wollte Hamarud von seinen Eltern wissen. „Das ist deine kleine Schwester und heißt Damala.”, antwortete Dilana, „Sie wurde geboren, als du schon fast ein Jahr von zu Hause fort warst.” Schutzsuchend klammerte sich das Mädchen an Dilana, die wiederum versuchte, das Mädchen zu beruhigen. „Du brauchst keine Angst vor den beiden zu haben, Damala.”, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln, „Das ist dein Bruder Hamarud und der alte Mann mit dem weißen Rauschebart ist Sigusīn Tēlak, der Bogenmacher. Du kannst ruhig zu ihnen hingehen und ,guten Tag’ sagen. Die tun dir nichts.” Vorsichtig schob Dilana ihre kleine Tochter in Hamaruds Richtung, doch das Mädchen löste sich von der Mutter, um sofort zu ihrem Vater zu rennen. Narul begann zu lachen und nahm seine Tochter auf den Arm. Auch Hamarud und der Alte begannen zu lächeln, als sie sahen, dass das kleine Mädchen immer noch sehr scheu die beiden ansah. „Lasst sie nur.”, sagte der junge Tingal, „Ich glaube, die Scheu verliert meine kleine Schwester erst, wenn sie uns beiden besser kennen gelernt hat.” Narul nickte. „Ja, damit könntest du durchaus Recht haben.”, antwortete er und drückte Damala an sich. „Aber legt doch nun eure Waffen ab, damit die Kleine vor euch beiden nicht mehr soviel Angst hat.”, sagte Dilana. Im nächsten Augenblick wurden Sigusīn und Hamarud ernst. „Das würden wir sehr gerne tun, aber das können wir im Augenblick nicht.”, antwortete der Alte ernst. Überrascht sahen Narul und Dilana den alten Bogenmacher an. „Was soll das heißen?”, erkundigte sich Narul, „Warum könnt ihr eure Waffen nicht ablegen?” Hamarud legte seine starke Hand auf die Schulter seines Vaters. Unverwandt sah er seinem Vater in die Augen. „Wir müssen sofort alle in unserem Dorf zusammenrufen und miteinander reden, Vater.”, sagte Hamarud düster, „Was die Kando betrifft, bringen wir keine gute Nachricht.” Dilana und Narul sahen sich gegenseitig kurz an. „Was ist los mit den Kando?”, fragte Narul nichts Gutes ahnend. Der alte Bogenmacher trat auf Narul zu. „Tayazu Lumeyn, der König des mächtigen Kando-Reiches, hat vor, das gesamte Volk der Manda auszulöschen. Er hat inzwischen eine gewaltige Armee zusammengestellt, die fast zwei Millionen Soldaten umfasst.” „Woher wisst ihr das?”, fragte Narul. Rasch berichteten der Alte und Hamarud von ihrer Begegnung mit dem Kando-Prinzen Teyu Lumeyn. Fassungslos hörten Hamaruds Eltern zu. Als Hamarud seinen Eltern erzählte, dass die Kando bereits das Dorf Parangwa überfallen und niedergebrannt haben, packte sie das kalte Grauen. Damala begann auf den Armen des Vaters zu weinen, als Hamarud und Sigusīn von den zahlreichen Toten berichtete, die sie auf ihrer Heimkehr in den leeren Straßen des brennenden Nachbardorfes gesehen hatten. Dilana nahm behutsam ihre kleine Tochter aus Naruls Armen. Tränen und Angst stand in ihren Augen. Auch Naruls Blick wurde düster. Seine Stimme klang hart, als er den Anwesenden seine Entscheidung mitteilte. „Na schön. Wir werden alle zusammenrufen und gegen die Kando in den Krieg ziehen.”, sagte er eisig, „Wenn die Kando unbedingt einen Krieg haben wollen, dann sollen sie ihn auch bekommen.” Entsetzt sah Dilana ihren Mann an, in dessen Augen sie deutlich den nackten Hass sah, den Narul für die Kando empfand. Entschlossen griff er nach seinen Waffen und legte sie an. Als er damit fertig war, verließ er in der Begleitung seines Sohnes und des alten Bogenmachers das Haus.....

Nach einer knappen Stunde waren alle Dorfbewohner wieder auf dem Markplatz versammelt und Narul ließ Hamarud noch mal berichten, was er und der alte Bogenmacher zusammen auf der Heimreise nach Mandušolva erfahren hatten. Entsetzt hörten die Bewohner zu. Als der junge Tingal geendet hatte, herrschte auf dem Markplatz eine beklommene Stille. „Und was sollen wir jetzt tun?”, fragte jemand in der Menge. „Wir werden das tun, was wir am besten können.”, antwortete Narul fest entschlossen, „Wir werden gegen die Kando in die Schlacht ziehen und gegen sie kämpfen.” „Und wann sollen wir in die Schlacht ziehen?”, wollte eine junge Frau wissen, die direkt vor dem Podium stand. Naruls Stimme wurde noch frostiger, als er antwortete. „Die Kando wissen nicht, dass wir bereits gewarnt wurden und deshalb werden wir noch in dieser Stunde aufbrechen.”, erklärte Hamaruds Vater voller Hass, „Heute wird ein Festtag für Mūruk im Glandāku sein. So viele Seelen, falls die Kando überhaupt welche haben, hat Mūruk schon lange nicht mehr an einem Tag erhalten. Also zu den Waffen! Noch in dieser Stunde brechen wir auf!” „Bamate! Tod den Kando!”, begann die Menge zu rufen, „Mögen unsere Feinde für alle Ewigkeit im Glandāku schmoren!” Zufrieden betrachtete Narul die aufgebrachte Menge, deren Bamate- und Bumate-Rufe immer lauter wurden. Entschlossen hielten einige ihre Waffen in die Höhe.

Es dauerte nicht lange, bis sich die meisten Einwohner von Mandušolva schwerbewaffnet wieder auf dem Markplatz einfanden. Alle standen in Formation und warteten nun auf die ersten Befehle von Narul, der sie entschlossen in die Schlacht führen wollte. Zufrieden stellte er fest, dass die meisten Manda seinem Ruf gefolgt waren. Entschlossenheit und blanker Hass glitzerte in den Augen der schwerbewaffneten Manda. Viele von ihnen saßen auf ihren Reittieren. Unruhig begann jenes Kojn-Kojn, auf dem Narul saß, mit seinen Hufen zu scharren. Instinktiv spürten die Tiere, dass an diesem Tag etwas Schlimmes in der Luft lag.....

Fest entschlossen führte Narul Tingal die bewaffneten Manda aus dem Dorf. Unter lauten Schlachtrufen begann die kleine Truppe zu marschieren. Narul schickte einige Kundschafter auf Kojn-Kojns in die umliegenden Nachbardörfer, um sie ebenfalls zu den Waffen zu rufen. Unterwegs unterhielt sich Narul ausführlich mit seinem Sohn und mit dem alten Bogenmacher, von denen er sich haargenau schildern ließ, wie die beiden in Rānos gegen die Kando gekämpft hatten. Tagelang zog Narul mit seiner kleinen Armee durch das große Tal, bis sie endlich ein freies Feld erreichten, wo sie mit weiteren Einheiten aus den umliegenden Dörfern zusammentrafen und gemeinsam weiterzogen.

Als sie nach einigen Tagen das Tal verließen, zogen sie einer ungewissen Zukunft entgegen. Niemand von ihnen wusste, wann und wo sie auf die Armee der gefürchteten Kando treffen werden. Sie wussten nur, dass dieser Krieg über die Zukunft der Manda entschied. Die anfänglichen Schlachtrufe verstummten während des Marsches allmählich und die innere Anspannung nahm von Tag zu Tag zu. Als sie außerhalb des Tales die ersten niedergebrannten Mandadörfer erreichten, wurden Narul und seine Leute zornig. „Die Kando können nicht mehr weit sein.”, meinte Hamarud, der ebenfalls innerlich sehr angespannt war. Sein Vater nickte wortlos. „Das Traurige daran ist nur, dass wir diesen Krieg nicht mehr verhindern können.”, erwiderte der alte Bogenmacher. Narul fluchte, als sie durch ein weiteres zerstörtes Dorf marschierten. „Frieden wird es erst dann geben, wenn wir die Kando ein für alle mal ausgerottet haben werden!”, zischte er aufgebracht, „Die sollen für all ihre Verbrechen büßen, die sie uns gegenüber angetan haben.” Hamarud sah entsetzt seinen Vater an. Das er in diesem Ausmaß so voller Hass über jemanden redete, kannte er von ihm nicht. „Aber es gibt doch auch gute Kando, Vater.”, wandte Hamarud ein, doch sein Vater unterbrach ihn barsch. Erschrocken zuckte der junge Manda mit den lockigen Haaren zusammen. „Ja, es gibt gute Kando.”, erwiderte er eisig und sah seinen Sohn zornig an, „Ja, das gibt sie, mein Sohn. Aber nur tote Kando sind gute Kando.” Verständnislos sah er seinen Vater an, der grimmig nach vorne sah. „Aber warum hasst du die Kando so sehr?”, fragte er Narul. Dieser nickte, als ihm klar wurde, dass er Hamarud nie alles erzählt hatte, was er als Sklave der Kando auf dem Anwesen von Temesh Komush alles miterleben musste. „Das ist eine sehr lange Geschichte.”, sagte er und sah seinen Sohn kurz an, „Vielleicht ist es besser, wenn ich dir jetzt mal erzähle, woher mein Hass auf die Kando kommt. Vielleicht wirst du mich dann besser verstehen können als jetzt.” „Dann erzähl sie mir, Vater.”, bat er Narul. Dieser nickte. „Also gut.”, sagte Dilanas Mann, „Dann hör mir jetzt gut zu, mein Sohn.” Schweigend und interessiert lauschte Hamarud den Worten seines Vaters.....

Nach einer weiteren Woche erreichten die Manda eine Anhöhe. Aufgeregt kehrten die ausgesandten Kundschafter zurück. Narul sah sofort an ihren entsetzten Gesichtern, dass sie die Armee vom Tayazu Lumeyn, König der Kando, entdeckt hatten. Schweigend hörte sich Narul den Bericht der Männer an, die er als Kundschafter ausgesandt hatte. „Sie sind bis an die Zähne bewaffnet.”, sagte gerade einer von ihnen, „Ich habe noch nie so viele Kando auf einem Haufen gesehen.” Narul nickte dem Mann dankend zu und entließ ihn wieder zu seinen Kameraden, der sich sofort zurückzog. „Anscheinend hat Prinz Teyu Lumeyn nicht übertrieben, als er euch gegenüber davon sprach, dass sein Vater eine Streitmacht von zirka zweihunderttausend Männern mobilisiert hat, Hamarud.”, sagte er, „So, wie die Dinge momentan liegen, stehen wir gerade einer Kampfkraft gegenüber, die mittlerweile mehr als dreihunderttausend Kando umfasst.” Schweigend blickten die Manda über die Anhöhe hinweg zum Horizont, wo sich langsam eine mächtige Staubwolke aufzutürmen begann. Die riesige Armee der Kando marschierte zielstrebig auf die wesentlich kleinere Armee der Manda zu, die sie bereits erwarteten.....

 

Abschließende Hinweise:

keine

Die Schlacht der Entscheidung

von aroessler2003

 

Nach einer halben Stunde konnten die Manda bereits die Kando hören. Die Reittiere der Manda wurden wieder langsam unruhig. Auch die Manda begannen langsam nervös zu werden. Noch nie zuvor hatten sie eine solche gewaltige Armee gesehen. Schweigend beobachteten sie, wie die Kando auf sie zumarschierten. Die ersten Kojn-Kojns begannen nervös mit den Hufen zu scharren. Die ersten Manda griffen langsam zu ihren Schwertern, ohne sie jedoch zu ziehen. Inzwischen schien der Boden zu beben, als die Kando sich den Manda-Truppen immer weiter näherten. Knapp zweihundert Meter vor den Einheiten der Manda hielten sie unvermittelt an. Mit ausdrucksloser Miene betrachtete Narul die aufmarschierte Armee von König Tayazu Lumeyn. Es verging einige Minuten, ohne dass etwas geschah. Schweigend sahen sich die Feinde an. Plötzlich hoben die Kando ihre Schwerter und schlugen damit kraftvoll gegen ihre Schilde. Dabei begannen sie, so laut sie nur konnten, zu brüllen. Die Luft schien zu erzittern. Die Manda blieben ruhig stehen und rührten sich nicht. Schweigend zogen sie ebenfalls ihre Schwerter und begannen ebenfalls damit gegen ihre eigenen Schilde zu schlagen. Dabei brüllten auch sie, so laut sie nur konnten. Narul und noch ein paar weitere Manda versuchten ihre Kojn-Kojns wieder zu beruhigen, die versuchten ihre mächtigen Schwingen auszubreiten. Doch ihre Reiter konnten die Tiere wieder beruhigen. Dann lösten sich drei Kando aus dem gewaltigen Heer und ritten direkt auf Narul zu.....

Hamaruds Vater blickte kurz zu seinem Sohn und dem alten Bogenmacher. „Bleibt hier und haltet unsere Leute zurück.”, sagte er zu ihnen und wandte sich weiter an den hünenhaften Dorfschmied, „Und dich möchte ich bitten, mich zu begleiten, Beleš.” Dieser nickte und begann zu grinsen. „Es ist mir eine Ehre an deiner Seite zu sein, Narul.”, antwortete er und beide gaben ihren Reittieren die Sporen. Dicht vor den drei Kando hielten Narul und der Dorfschmied ihre Tiere an. Feindselig starrten Tayazu und seine beiden Begleiter die beiden Manda an. Nervös begannen die Kojn-Kojns zu schnauben und mit ihren Vorderläufen auf den Boden zu scharren. Die Reittiere der Kando schnaubten ebenfalls. Auch sie begannen mit ihren Hufen zu scharren. Nach endlosen Minuten des Schweigens ergriff Tayazu das Wort. In seinem Blick lag etwas Listiges. „Es gab einmal eine Zeit, in der die Kando in Frieden mit allen anderen Völker auf der Welt lebten.”, begann er, „Doch dies änderte sich eines Tages, als die Kando den Manda begegneten.” Der große Kando legte eine Pause ein, um seine Worte auf die Anwesenden wirken zu lassen. „Seit dieser Begegnung war der Friede für die Kando vorbei, denn die Manda versuchten uns von diesem Tage an zu bekämpfen, wann immer sie konnten. Sie raubten uns unser Land und begannen uns zu unterjochen, wenn wir um unser gutes Recht zur Wehr setzten.” Verdutzt sahen sich Beleš Dōlad und Narul Tingal an. Unberührt fuhr Tayazu fort. „Es verging seit dem kein Tag mehr, ohne dass ein Manda einen Kando das Leben nahm.”, sagte er, „Bis zum heutigen Tage hat unser Volk geschwiegen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir Kando uns gemeinsam gegen unsere Peiniger und Unterdrücker erheben und mit einer Stimme sprechen. Heute ist der große Tag da, an dem wir Kando sagen: ‚Jetzt ist genug das Blut unseres Volkes geflossen und es wird Zeit, dass unsere Welt beginnt, das blaue Blut unserer Feinde zu trinken. Von heute an werden wir unseren gemeinsamen Feind für immer vom Antlitz dieser Welt tilgen!’” Sowohl der hünenhafte Schmied als auch Narul schnappten nach Luft, als sie die hasserfüllte Rede vom König der Kando gehört hatten. Sie konnten es kaum glauben, was sie soeben vernommen hatten. Tayazu Lumeyn hatte eben gerade die Manda beschuldigt, die Kando ausrotten zu wollen. Eine unbeschreibliche Wut über diese Lüge erwachte in Narul. Auch Dōlad bebte vor Zorn. „Wir könnt Ihr es wagen, uns einer Tat zu bezichtigen, die wir nie begannen haben?”, zischte Hamaruds Vater zornig, „Wie könnt Ihr es wagen, die Geschichte zu verdrehen und die Wahrheit zu leugnen? Wenn hier jemand immer andere unterdrückt hat, dann waren es die Kando, die unser Volk versklavt haben. Ihr wart es, die diese Verbrechen beging. Die Manda wurden von den Kando unterdrückt und ihr habt das Land Stück für Stück den Manda genommen. Ihr wart diejenigen, die unser Volk fast ausgelöscht haben!” Narul starrte die Kando hasserfüllt an. „Die Manda hatten noch nie Interesse daran gehabt, andere Völker zu unterdrücken beziehungsweise auszulöschen!”, fügte Dōlad hinzu, „Wir waren immer darauf aus, mit allen anderen Nationen in Frieden zu leben.” Tayazu schnaubte abfällig. „Wie ich sehe, seid Ihr nach wie vor uneinsichtig was eure Missetaten anbelangt.”, sagte er eisig, „Dann ist es unser gutes Recht, dass wir die Manda auslöschen werden. Selbst diejenigen eures Volkes, die als Sklaven unseres Volkes leben, haben als Sklaven versagt. Ihr seid es nicht wert am Leben zu bleiben.” Ohne eine weitere Antwort von Tingal und Dōlad abzuwarten, machten die drei Kando kehrt und ritten wieder zu ihren Leuten zurück. Sprachlos sahen die beiden Manda dem König und seinen beiden Begleitern nach, die nach wenigen Minuten ihre Soldaten erreicht hatten..... 

Dann kehrten auch die beiden zu ihren Kriegern zurück. Wütend blickte Narul zu dem gewaltigen Heer der Kando hinüber. Hamarud sah seinen Vater an. „Was hat denn Tayazu zu euch gesagt, Vater?”, fragte er. Narul wandte sich zu den Kriegern seines Volkes um und berichtete, so laut er nur konnte, seinen Kriegern, was der König der Kando über die Manda gesagt hatte. Als er geendet hatte, stießen die Manda zornig ein gewaltiges Kriegsgeheul aus und begannen wieder laut mit ihren gezogenen Schwertern gegen ihre Schilde zu schlagen. Wenig später gebot Narul mit einer stummen Handbewegung seinen Kriegern ruhig zu sein. Das Kriegsgeheul verebbte wieder. In diesem Augenblick gab Tayazu seinen Leuten den Befehl zum Angriff und die Kando stürmten mit einem enormen Wutgeschrei den Manda entgegen......

Auch die Manda setzten sich wieder in Bewegung und stürmten entschlossen den Kando entgegen. Ihre Schwerter glänzten im Sonnenlicht und der Boden erzitterte unter den mächtigen Hufen der Reittiere, auf denen die Gegner saßen. Nach wenigen Minuten klirrten bereits die ersten Schwerter gegeneinander. Zahlreiche Pfeile wurden abgeschossen und schwirrten durch die Luft. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag.....

Erst in der Abenddämmerung zogen sich die verfeindeten Gegner wieder zurück. Zahlreiche verwundete und getötete Krieger beider Seiten lagen auf dem Schlachtfeld. In den darauf folgenden Tagen bekämpften sich die Manda und Kando weiterhin, doch nach einem knappen Monat begann sich die Überzahl der Kando auszuzahlen. Die Manda kämpften tapfer gegen ihre mächtigen Gegner, aber von Tag zu Tag wurden ihre Einheiten immer weiter dezimiert. Nach wenigen Tagen bekamen die Kando weitere Einheiten als Verstärkung, die die Manda an den Flanken angriffen und sie langsam einkreisten. Für Tayazu Lumeyn stand fest, dass es für die Manda kein Entkommen mehr gab. Seine Truppen würde die der Manda nach und nach aufreiben.....

Narul und Beleš mussten entsetzt feststellen, dass sie nach wenigen Tagen vollkommen eingekreist waren und die Kando bereits weitere Verstärkung bekommen hatten. An diesem Tag begriffen die Manda, dass sie den Krieg gegen die Kando verloren hatten. Nach Einbruch der Nacht saß Narul betrübt am Lagerfeuer und starrte wortlos in die Flammen. Im Lager herrschte eine bedrückte Stimmung. Die Manda wussten bereits, dass sie keine Chance mehr hatten. „Wir haben den Krieg gegen die Kando verloren.”, sagte er tonlos zu dem Schmied, „Sie haben uns eingekreist und wir können ihnen nicht mehr entkommen.” Dōlad klopfte Narul kameradschaftlich mit seiner mächtigen Hand auf die Schulter. „Noch ist nichts verloren, mein Freund.”, sagte er, „Vielleicht ist es besser, wenn du alle Heim schickst, die noch auf einen Kojn-Kojn sitzen können. Viele Reittiere haben wir sowieso nicht mehr, mit denen wir uns noch in Sicherheit bringen könnten. Am besten schickst du unsere jüngsten Krieger nach Hause, solange es noch dunkel ist.” Eine Weile dachte Narul über den Vorschlag seines Freundes nach. Dann nickte er. „Dein Vorschlag ist gut.”, antwortete er, „Rufe die jüngsten von ihnen zusammen und schicke sie nach Hause.” Sofort erhob sich Dōlad von seinem Platz am Lagerfeuer und verschwand in der Dunkelheit. Aber keiner der Krieger wollte das Schlachtfeld verlassen, solange der Krieg nicht zu Ende war. Wortlos nahm Narul die Weigerung der jungen Manda zur Kenntnis. Es gab nur einen einzigen Manda, der in der schützenden Dunkelheit das Lager verließ. Lautlos führte er sein Kojn-Kojn aus dem Lager. Im Schutze der Dunkelheit schwang sich der Mann in den Sattel und sein Reittier breitete die Schwingen aus. Nach wenigen Minuten hob das Tier von Boden ab und gewann rasch an Höhe.....

Am frühen Morgen formierten sich die Einheiten der Manda neu. Unter der Führung von Beleš Dōlad und Narul Tingal zogen die Manda wieder in die Schlacht. Am späten Nachmittag waren bereits mehr als drei Viertel der Manda in der Schlacht gefallen, als am Horizont weitere Truppen auf dem Schlachtfeld auftauchten. Entsetzt stellten Narul und Beleš fest, dass es ebenfalls Kando waren, die nun in das Kampfgeschehen eingriffen.....

Überrascht stellten die Manda fest, dass die neuen Kando-Truppen, die unter einem anderen Banner in die Schlacht geführt wurden, Tayazus Verbände angriffen. Verblüfft erkannte Tayazu Lumeyn das Banner seines Sohnes. Nach dem er die Überraschung verdaut hatte, rief er seine Krieger aus der Schlacht zurück und formierte seine Verbände neu. Prinz Teyu Lumeyn ließ seine Truppen an der Seite der Manda, die über die neue Situation nicht weniger überrascht waren, neu formieren. Entschlossen ritt Teyu alleine seinem Vater entgegen, der ihn wütend anstarrte.....

„Was fällt dir ein, Teyu?”, fragte Tayazu aufgebracht seinen Sohn, „Hast du nun endgültig den Verstand verloren?” Teyu sah seinen Vater kühl an. „Nein, Vater, ich war noch nie so klar bei Verstand wie in diesem Augenblick.”, antwortete dieser ruhig, „Ich kann es nur nicht zulassen, wenn du unserem Volke die Blutschuld eines Genozids auferlegst.” Fassungslos schnappte Tayazu Lumeyn nach Luft. „Also, das ist doch.....!”, begann der König der Kando, als ihm Teyu ins Wort fiel. „Was meinst du wohl, wenn in den Geschichtsbüchern drinsteht, dass die Kando eine ganze Nation nur wegen einer lächerlichen Prophezeiung ausgelöscht hat.”, sagte Teyu, „Niemand weiß, ob sich diese Prophezeiung jemals erfüllen wird, zumal wir nur einen kleinen Teil dieser Prophezeiung kennen. Möchtest du unbedingt, dass alle deinen Namen mit dieser Blutschuld in Verbindung bringen?” Die Stimme des Prinzen wurde eindringlicher, als dieser fortfuhr. „Also halt ein, Vater, und beende diesen wahnwitzigen Krieg, bevor noch mehr passiert.”, sagte Tayazus Sohn, „Ist denn nicht schon genug Blut auf beiden Seiten geflossen?” Tayazu gab einen abfälligen Laut von sich.

„Glaubst du allen Ernstes mich aufhalten zu können?”, fragte er, „Was willst du tun? Willst du deine Truppen gegen meine in die Schlacht führen, nur um ein paar irrelevante Kreaturen das Leben zu retten, die es nicht wert sind? Das wäre Verrat an die Krone unseres Volkes und darauf steht die Todesstrafe.” Eine Weile sahen sich Vater und Sohn wortlos an. Der Prinz ließ laut die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Du kannst mir nicht drohen, Vater. Wenn ich dich nicht anders überzeugen kann, werde ich meine Truppen gegen deine in die Schlacht ziehen lassen, Vater.”, antwortete Teyu entschlossen, „Dann werden Kando gegen Kando ihre Klingen kreuzen müssen und ich glaube kaum, dass das jemand in unserem Volke gut heißen wird. Schaffe Frieden, solange du noch kannst, Vater. In den letzten Tagen haben schon zu viele Mütter ihre Söhne und Frauen ihre Männer in diesem Krieg verloren.” Tayazu begann wütend zu schnauben. „Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage.”, sagte der König der Kando entschieden, „Frieden wird es erst dann geben, wenn wir die Manda ein für allemal ausgelöscht haben und damit basta.” Teyu richtete sich in seinem Sattel zu seiner vollen Größe auf. „Also gut, Vater. Deine Entscheidung gefällt mir zwar nicht, aber du lässt mir keine andere Wahl.”, erwiderte der Prinz enttäuscht, „Dann werden meine Leute gegen deine kämpfen müssen. Mögen die Götter dir deinen Frevel verzeihen.” Einen kurzen Augenblick sahen sich Vater und Sohn noch einmal wortlos an. Jeder sah in den Blicken des Anderen Entschlossenheit. Teyu wendete sein Reittier und kehrte wieder zu seinen Truppen, die nun an der Seite der Manda in die Schlacht ziehen werden, zurück. Gnadenlos befahl Tayazu den nächsten Angriff und seine Truppen setzten sich wieder in Bewegung.....

Nach wenigen Minuten trafen sich Narul Tingal und Tayazu Lumeyn zum ersten Mal auf dem Schlachtfeld aufeinander und kreuzten die Klingen. Es war ein gnadenloser Kampf zwischen den beiden. Hasserfüllt sahen sich die beiden an. Laut klirrten die Klingen ihrer Waffen, die immer wieder aufeinander trafen. „Stirb endlich, du elendiger Wurm!”, zischte Tayazu wutschnaubend, als er zustieß, „Es wird Zeit, dass Ihr Manda eure Existenz beendet. Auf dieser Welt ist kein Platz für euch!” Mühelos parierte Narul den Stoß des Königs, der immer rasender vor Wut wurde, je mehr Narul Widerstand leistete. Nach weiteren Minuten gelang es Narul Tayazu zu entwaffnen. Perplex sah ihn der König der Kando an, als er begriff, dass er den Anführer der Manda unterschätzt hatte. Lächelnd zielte Narul mit seinem blutverschmierten Schwert auf die Kehle Tayazus. „Gibst du nun auf?”, fragte Dilanas Mann. Zornig spie der Kando seinen Hass dem Manda ins Gesicht. „Ein ehrenhafter Kando ergibt sich niemals einem erbärmlichen Wurm! Töte mich!”, rief er zornig, „Damit wirst du nichts erreichen. Nach mir werden andere kommen, die euch töten werden.” Inzwischen hatten die anderen Krieger ihre Kämpfe eingestellt. Rasch hatten sich alle um die beiden Anführer versammelt. Sie wussten alle, dass in diesem Moment ein neues Kapitel in der Geschichte zwischen den Manda und den Kando aufgeschlagen wurde.

Hamarud Tingal trat aus der Menge zu seinem Vater. Prinz Teyu Lumeyn folgte dem jungen Manda mit den lockigen Haaren, der neben Narul stehen blieb. „Gib endlich auf, Vater!”, forderte Teyu, „Es ist besser für uns alle.” Einen kurzen Augenblick lang sah er seinem Sohn in die Augen. Dann nickte er. „Also gut.”, antwortete der König der Kando, dem eine neue Idee in den Sinn gekommen war, um den verhassten Narul Tingal zu töten, „Ich gebe auf. Ihr habt die Schlacht gewonnen, Manda.” Narul ließ sein Schwert mit einem zufriedenen Lächeln sinken. Ahnungslos drehte sich er zu seinen Kriegern um, währenddessen Teyu Lumeyn seinem Vater auf die Beine half. „Die Schlacht ist vorbei! König Tayazu Lumeyn hat aufgegeben.”, verkündete Hamaruds Vater triumphierend, „Der Krieg ist vorbei!” Laut stießen die Anwesenden einen Freudenschrei aus. Inzwischen hob Tayazu sein blutverschmiertes Schwert wieder auf. Im nächsten Augenblick machte er eine rasche Drehung und warf es wie ein Speer in Naruls Richtung, der sich bereits von seinen eigenen Kriegern und Teyus Leuten feiern ließ. Hass glitzerte in Tayazus Augen, als er der Klinge nachsah, die direkt auf Naruls breiten Rücken zuraste. Hamarud Tingal und Teyu Lumeyn stießen einen entsetzten Warnschrei aus, doch es war zu spät. Begleitet von dem hasserfüllten Wutschrei seines Besitzers drang die tödliche Klinge in den Körper des Manda ein, der überrascht die Augen aufriss. Verständnislos sah Narul auf die Schwertspitze, die aus seiner Brust herausragte. Als er zusammensackte, entrang aus seiner Kehle ein erstickter Schrei. Dumpf schlug sein Körper auf dem Boden auf. Fassungslos starrten alle auf den sterbenden Manda, der in der Mitte der anwesenden Krieger lag.....

Wütend griff Hamarud nach seinem Schwert und griff sofort Tayazu an, der jeden Schlag des jungen Tingal geschickt parierte. Höhnisch lachte er, als er das wutverzerrte Gesicht des Manda vor sich sah. Klirrend schlugen die Klingen der beiden Waffen aufeinander. Kraftvoll führte Hamarud seine Klinge, die immer wieder von Tayazu erfolgreich abgewehrt wurde. Minutenlang kämpften die beiden wutentbrannt gegeneinander, ohne einen Vorteil zu bekommen. „Schluss jetzt!”, brüllte Teyu, „Bei allen Göttern! Hört auf zu kämpfen!” Wütend zog der Prinz sein Schwert aus der Scheide und stürmte auf die beiden Kämpfenden zu. Rasch stieß Teyu den jungen Manda zur Seite, der bereits verwundet war, und parierte einen weiteren Stoß seines Vaters. Nackter Hass glitzerte in den Augen Tayazus, als er gegen seinen Sohn weiterkämpfte. In seiner rasenden Wut bemerkte der König der Kando nicht, dass er inzwischen die Klinge mit seinem Sohn kreuzte. Jeder Schlag wurde von dem wütenden Schrei des Königs begleitet. Inzwischen hatte Tayazu seine Deckung komplett aufgegeben. Während dieses Kampfes begriff der Prinz, dass er seinen vor Wut rasenden Vater nur stoppen konnte, wenn er ihn kampfunfähig machte oder gar tötete. „Vater!”, rief er verzweifelt, „Hör endlich auf! Es ist vorbei!” Wieder schlugen die Klingen gegeneinander. „Nein!”, stieß Tayazu heiser hervor, „Es ist erst vorbei, wenn du tot bist, du Wurm!” Erneut trafen die Schwerter laut klirrend aufeinander. Immer wilder und ungehemmter wurden die Hiebe des Königs, bis er plötzlich sein Gleichgewicht verlor und nach vorne auf seinen Sohn zustolperte. Bevor Teyu sein Schwert zurückziehen konnte, stürzte sein Vater in die tödliche Klinge seines Sohnes. Entsetzt ließ der Prinz die Waffe los und sah, wie sein sterbender Vater zusammenbrach.....

„Vater!”, rief der Prinz entsetzt und ging vor dem sterbenden König in die Hocke, „Verzeih mir!” Mit zittriger Hand griff Tayazu nach der Hand seines Sohnes. „Teyu!”, sagte er schwach, während Teyu die blutverschmierte Hand seines Vaters hielt, „Da gibt es nichts zu verzeihen, mein Sohn. Du hast getan, was du tun musstest.” Sein Griff wurde etwas fester, als er fortfuhr. „Mein blinder Hass hat mich nicht erkennen lassen, dass du mich nur beschützen wolltest. Ich wollte nicht begreifen, dass für unser Volk die Zeit gekommen ist, neue Wege zu beschreiten.”, sagte Tayazu weiter, „Heute geht die Sonne meiner Herrschaft unter und du wirst von heute an die Herrschaft über unser Volk übernehmen. Damit erfüllt sich heute ein weiterer Teil der Prophezeiung. Du wirst ein würdiger König sein, der von nun an unser Volk in eine bessere Zukunft führen wird, Teyu. Trotz aller Differenzen, die wir miteinander hatten, bin ich stolz auf dich.” Tayazu schloss seine Augen und sein kräftiger Körper erschlaffte. Sein rasselnder Atem erstarb. Tayazu Lumeyn, der mächtigste König des Kando-Reiches war tot. Der Prinz begann zu weinen. Mit seinen starken Armen hob er den Oberkörper seines toten Vaters an und drückte ihn an sich.

Auch Hamarud weinte, als sein Vater in seinen Armen starb. Der hünenhafte Dorfschmied kniete dicht neben dem jungen Tingal. Auch er weinte. Narul war sein bester Freund gewesen. Vorsichtig legte er seine Hand auf Hamaruds Schulter. Inzwischen stimmten einige Kando und auch Manda gemeinsam Klagelieder in ihren Muttersprachen an.....

Niemand auf dem Schlachtfeld bemerkte, dass ein großer Schatten lautlos die Trauernden hinweghuschte. Wenig später folgten weitere Schatten. Irritiert blickten Hamarud und die anderen zum Himmel empor. Die Klagelieder verstummten abrupt. Aber es war nichts zu sehen. Vorsichtig standen Dōlad und Tingal auf. Die Kando blickten in dieselbe Richtung. Teyu Lumeyn erhob sich ebenfalls. Wenig später bahnten sich ein paar Gestalten durch die Menge. Vor Hamarud und Dōlad blieben sie stehen. Es war ein alter Manda mit einem weißen Rauschebart, der von einigen schwerbewaffneten Xendavu begleitet wurde.....

 

Abschließende Hinweise:

keine

Der Neubeginn

von aroessler2003

In diesem Augenblick erkannte der junge Tingal den alten Bogenmacher. Rasch schritt der Alte auf Hamarud zu und begrüßte ihn. Als er den toten Narul Tingal erblickte, kniete er neben dem toten Anführer der Manda nieder. Dann blickte er Hamarud und den Dorfschmied an. „Wer war das?”, fragte er und blickte dabei in die Runde, während er wieder aufstand.

„Das war das heimtückische Werk meines Vaters.”, gestand Teyu Lumeyn. „Wo ist er?”, wollte der alte Bogenmacher wissen und zog zornig sein Schwert aus der Scheide. „Mein Vater ist tot.”, antwortete der Prinz. Verblüfft steckte der alte Bogenmacher seine Waffe wieder ein. „Euer König ist ebenfalls in dieser Schlacht gefallen?”, fragte der Alte überrascht. Teyu nickte. „Ja.”, antwortete der Prinz, „Er starb durch meine Klinge.” Ungläubig sah Sigusīn Tayazus Sohn an. „Ihr habt euren eigenen Vater in der Schlacht getötet?”, wollte der Alte wissen, der es nicht fassen konnte, „Wieso? Wie ist das passiert?” Rasch berichtete Teyu dem Manda, wie es zu dem Kampf zwischen ihm und seinem Vater kam. „Und wie soll es jetzt weitergehen?”, fragte Sigusīn, als der Prinz geendet hatte. „Der Krieg ist vorbei.”, antwortete Hamarud, „Es ist schon zuviel Blut auf beiden Seiten geflossen.” Teyu pflichtete dem jungen Tingal bei. „Hamarud hat Recht.”, sagte er, „Es wird allerhöchste Zeit, dass unsere beiden Völker wieder miteinander Frieden schließen.” Tēlak begann zu lächeln. „Das wäre schon mal ein guter Anfang, wenn der Krieg tatsächlich schon vorbei wäre.”, sagte der alte Bogenmacher, „Aber das ist er leider noch nicht.” Überrascht blickten ihn die Anwesenden an. „Was soll das heißen?”, fragten Teyu und Hamarud unisono. „Dein Vater Tayazu Lumeyn hat seinen engsten Vertrauten Pasinko Tushambruk mit einer Streitmacht, die mehrere zehntausend Krieger umfasst, ausgesandt. Sie sollen sämtliche Städte und Dörfer der Manda überfallen und zerstören. Dabei sollen sie alle Manda in diesen Orten töten.”, berichtete Tēlak den entsetzten Hamarud und Teyu. Dōlad stieß einen lauten Fluch aus. „Können wir sie noch einholen?”, fragte Hamarud, „Wisst Ihr, wo sie sind?” Der alte Bogenmacher schüttelte bedauernd mit dem Kopf. „Nein, das weiß ich nicht und außerdem ist es zu spät.”, antwortete Sigusīn, „Die sind schon zu weit weg. Die können wir nicht mehr einholen.” „Aber wir müssen doch etwas dagegen unternehmen können!”, platzte es aus Teyu Lumeyn heraus, „Wir können hier doch nicht tatenlos herumstehen, währenddessen die Schergen meines Vaters weiterhin seinen gewünschten Genozid an die Manda fortsetzen.” „Macht euch darüber keine Gedanken, Prinz Teyu Lumeyn.”, antwortete einer der schwerbewaffneten Xendavu mit starkem Akzent und trat neben Hamarud, „Die wissen nicht, dass die Manda in ihren Heimatorten ihnen nicht schutzlos ausgeliefert sind. Dafür sorgen schon meine Truppen, die ich bereits in der Nähe der bedrohten Städte und Dörfer stationiert habe.” Tēlak begann listig zu lächeln und wies dabei mit seiner Hand auf den Xendavu, der neben Hamarud stand. „Darf ich euch Banto Voranos, den obersten Heerführer und engsten Berater des Präsidenten der Republik Xendavos vorstellen?”, sagte er grinsend. Erstaunt blickten die Anwesenden den hochdekorierten Xendavu an, der eine leichte Verbeugung machte.

Unter der Leitung von Banto Voranos wurde zwischen den Manda und Kando ein Waffenstillstand vereinbart, der von Prinz Teyu Lumeyn und von Hamarud Tingal, Sohn von Narul und Dilana aus Mandušolva unterzeichnet wurde. Wenige Tage später zogen die Kando ab und auch die Manda machten sich unter der Führung der Xendavu auf den Heimweg.

Unterwegs sprach Hamarud den alten Bogenmacher an. „Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, aber da gibt es etwas, was ich nicht so ganz verstehe, Sigusīn.”, begann der junge Tingal mit den lockigen Haaren und blickte den verschmitzt lächelnden Alten an, „Sowohl die Manda als auch die Kando hatten immer wieder von einer Prophezeiung gesprochen. Was hat das mit dieser Prophezeiung auf sich und warum haben die Kando so viel Angst vor dessen Erfüllung? Ich meine, diese Prophezeiung war doch letzten Endes der Grund für die Kando gewesen, unser Volk zu unterdrücken und zu versklaven. Zum Schluss wollte König Tayazu Lumeyn die Manda sogar vollständig auslöschen! Kennt Ihr denn diese Prophezeiung, die so viel Leid über unser Volk gebracht hat?” Der alte Bogenmacher nickte. „Ja, ich kenne sie.”, antwortete der Alte, „Das war auch der Grund, warum ich deine Mutter Dilana damals bat, dich dem Waffenritus zu unterziehen.” Erstaunt blickte Hamarud den alten Manda an, der neben ihn auf seinen Kojn-Kojn ritt. Sigusīn erwiderte den Blick des jungen Tingal und fuhr fort. „Während du im Kloster am Stadtrand von Masindo studiertest, traf ich mich mit Banto Voranos, der dasselbe über diese Prophezeiung dachte wie ich. Wir trafen uns regelmäßig und sprachen über die vielen Vorzeichen, die vorausgesagt wurden und inzwischen auch eintraten. ”, berichtete Tēlak weiter, „Von Banto erfuhr ich auch, dass König Tayazu Lumeyn beschlossen hat, die Manda endgültig auszurotten. Sein jüngster Sohn protestierte dagegen. Bei einem Streit in Tayazus Gegenwart tötete Teyu in Notwehr seinen einzigen Bruder, der grundsätzlich hinter seinem Vater stand. An diesem Abend floh Teyu aus der Burg. Unterwegs begegnete er Banto Voranos, der ihn in demselben Kloster am Stadtrand von Masindo in Ulanizaruš versteckte, wo du viele Jahre später ebenfalls deine Ausbildung machtest. Prinz Teyu Lumeyn betrachtete er von diesem Tag an als einen Verräter, den er am liebsten für seine Tat hingerichtet hätte. Der Tod des Kronprinzen bestärkte Tayazu in seiner Überzeugung. Auf Grund der Tat seines jüngsten Sohnes sah er sich dazu veranlasst, seine Pläne rascher voranzutreiben. Damit stand für uns beide fest, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, wann der Krieg zwischen den Kando und Manda ausbrechen würde. Deshalb beschlossen Banto und ich, dass wir etwas gegen Tayazus Machenschaften unternehmen mussten. Regelmäßig reiste er in die Hauptstadt der Republik Xendavos, um mit dem Präsidenten zu sprechen. Inzwischen wurde auch durch den Präsidenten eine Kommission gegründet, die eine komplette Umsiedlung der Manda innerhalb der Republik Xendavos planen und durchführen sollte, um die Manda vor zukünftigen Übergriffen seitens der Kando zu schützen. Ferner gab er Banto den Befehl, den geplanten Genozid von Tayazu mit allen Mitteln zu verhindern.” Hamarud pfiff anerkennend durch die Zähne. Der Alte machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. „Die Prophezeiung besagt, dass drei von Zātuls Kindern den Garten des Lebens für immer verlassen und zu den Sternen auffahren werden, während das letzte Kind zurückbleiben muss. Erst als Zātuls Kinder der Sterne werden sie alle vier wieder vereint werden.”, berichtete Sigusīn weiter. Hamarud nickte. „Für jeden hört sich das so an, als dass nur ein Volk auf unserer Welt überleben wird, während die anderen drei untergehen werden.”, sagte der junge Tingal nachdenklich, „Und die Kando dachten, dass sie ihr Überleben damit absichern könnten, wenn sie einfach die Manda auslöschen würden. Dann gäbe es nur noch drei Völker auf der Welt und die Prophezeiung könnte sich demzufolge nach nicht mehr erfüllen. Zumindest dachte sich das wohl König Tayazu Lumeyn.” Tēlak nickte. „Ich sehe, du hast verstanden.”, lächelte der alte Bogenmacher.

„Aber warum habt Ihr mir das nicht schon viel früher erzählt, Sigusīn?”, fragte Hamarud den alten Krieger mit dem Rauschebart. „Ich möchte, dass du den Hass zwischen den Kando und Manda und damit auch diesen Krieg besser verstehst, den König Tayazu Lumeyn vom Zaun gebrochen hat und das nur, weil jemand diese Prophezeiung falsch interpretiert hat.”, erklärte der Alte, „Außerdem musst du ferner verstehen, warum wir nicht mehr nach Mandušolva zurückkehren können.” Überrascht blickte der junge Tingal Tēlak an. „Soll das etwa heißen, dass wir nicht nach Hause zurückkehren werden?”, wollte Hamarud wissen. Der alte Bogenmacher schüttelte bedauernd mit dem Kopf. „Nein, junger Krieger.”, antwortete dieser ernst, „Wir kehren nicht in unsere alte Heimat zurück. Die Xendavu führen uns in unsere neue Heimat, die uns ihre Kommission bereits für uns ausgesucht hat. Wir werden zukünftig sehr weit weg von unserer ursprünglichen Heimat leben. Das ist der Preis, den wir an die Xendavu zahlen müssen, damit wir von heute an in Frieden leben werden.”

Eine kurze Weile schwieg Hamarud nachdenklich. „Wisst Ihr denn, wo das Land ist, das uns die Xendavu als unsere neue Heimat zugeteilt haben?”, fragte er, „Seid Ihr denn schon mal dort gewesen? Kennt Ihr das Land bereits?” Tēlak nickte. „Ja, ich war schon mal dort und das ist kein schlechter Tausch, den wir da mit unseren Verbündeten machen. Das kann ich dir versichern.”, antwortete der Alte schmunzelnd, „Das Land befindet sich auf der anderen Seite des großen Meeres und ich kenne es deshalb besonders gut, weil ich dort geboren wurde und dort aufgewachsen bin.” „Was?”, platzte es aus Hamarud heraus, „Wir ziehen in eure Heimat? Darüber habt Ihr mir nie etwas erzählt!” Verdutzt sah Hamarud den alten Bogenmacher an. Tēlak nickte und begann zu lachen. „Ja, wir ziehen gemeinsam in meine Heimat.”, antwortete Sigusīn. „Und was ist mit den Manda, die nicht mit in die Schlacht gezogen sind?”, erkundigte sich Hamarud, „Was wird mit den ganzen Frauen und Kindern geschehen, die immer noch in ihren Dörfern auf die Rückkehr ihrer Männer warten?” „Banto hat gesagt, dass er in der Nähe aller Orte, in denen Manda leben, seine Truppen stationiert hat. Sie haben die Order, die Frauen und Kinder nicht nur vor den Angriffen der Kando zu beschützen, sondern sie sollen die überlebenden Manda auch in unsere neue Heimat führen. Wenn alles klappt, werden wir an der Küste zusammen treffen und von dort aus gemeinsam über das Meer in unser neues Heimatland gelangen.”

In der Abenddämmerung machten die Manda und die Xendavu Rast und schlugen auf einem freien Feld ihr gemeinsames Nachtlager auf. Banto setzte sich zu Hamarud und Sigusīn ans Feuer. „Hast du schon von deinen Kundschaftern erfahren, ob Tayazus Schergen bereits unsere Dörfer angegriffen haben?”, wollte Tēlak wissen. Der Xendavu richtete seine großen Ohren auf und blickte den alten Manda mit dem weißen Rauschebart ernst an. „In der Tat habe ich Neuigkeiten von meinen Leuten.”, antwortete Banto düster, wobei sein Akzent noch stärker hervortrat, „Und die sind nicht die besten.” „Heraus damit!”, erwiderte Sigusīn, „Wir werden es schon verkraften.” „Also gut.”, meinte der Xendavu, „Die meisten Orte, in denen Manda leben, wurden bereits von den Kando überfallen und niedergebrannt. Es gibt nur sehr wenige Überlebende auf allen Seiten. Meine Truppen zogen mit den überlebenden Manda in Richtung Küste weiter. Unterwegs wurden sie in unregelmäßigen Abständen von Pasinko und seinen Einheiten überfallen. Doch seit einigen Tagen finden keine weiteren Überfälle seitens der Kando mehr statt.” „Was hat das zu bedeuten?”, fragte Hamarud den Xendavu, „Warum lassen sie plötzlich die Flüchtlinge in Ruhe ziehen?” „Es gibt nur zwei Möglichkeiten, die das erklären könnten.”, überlegte Banto, „Entweder wurden die Verbände der Kando bei den zahlreichen Angriffen von unseren Truppen vollkommen aufgerieben oder sie haben sich einfach zurückgezogen, um sich irgendwo wieder neu zu formieren. Immerhin wussten sie nichts davon, dass eure Dörfer und Städte nicht schutzlos waren, als Ihr gegen sie in den Krieg zog.” Der junge Manda ließ geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Das könnte demzufolge die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm sein.”, konstatierte Tingal nachdenklich, „Wahrscheinlich werden sie uns alle solange verfolgen, bis wir das Meer erreicht haben und dort können wir uns nicht weiter zurückziehen, wenn sie uns dort angreifen.”

Es vergingen viele Wochen und Monate, bis die Manda und zusammen mit den Xendavu die Küste erreichten und dort mehrere Tage später auf die restlichen Flüchtlinge der Manda trafen. Sofort suchten die Manda untereinander nach ihren jeweiligen Angehörigen. Auch Hamarud suchte nach seiner Mutter und seiner Schwester. Als er sie nicht finden konnte, begann er sich um die beiden Sorgen zu machen. Nach zwei Tagen traf er auf Beleš Dōlad und seine Familie, die glücklich zusammen am Lagerfeuer saßen. Der hünenhafte Dorfschmied stand auf, als er Naruls Sohn auf ihn zueilen sah. An Tingals Gesichtsausdruck sah er, dass etwas nicht stimmte.

„Was ist los, Hamarud?”, fragte er besorgt, „Du machst ja ein Gesicht, als würde in jedem Augenblick der Himmel über unseren Köpfen einstürzen.” Der Manda mit den lockigen Haaren rang nach Atem. „Ich muss unbedingt mit deiner Familie sprechen, Beleš.”, antwortete Hamarud, „Seit dem wir hier alle zusammengetroffen sind, suche ich nach meiner Mutter und meiner Schwester. Ich kann sie einfach nicht finden.” Der Dorfschmied legte seinen starken Arm um die Schulter von Hamarud. „Komm und setzt dich zu uns.”, sagte er beruhigend, „Ich bin mir sicher, dass sich das schnell klären lässt, wenn wir Talāna fragen.” Dōlads Frau stand auf und trat auf Hamarud Tingal zu, den sie nach einigen Momenten wiedererkannte. Talānas Gesicht verfinsterte sich, als sie seine sorgenvolle Miene sah. „Ich nehme an, dass du nach deiner Mutter und Schwester suchst.”, sagte sie düster, nachdem sie Hamarud begrüßt hatte. Naruls Sohn bejahte. Mitfühlend sah sie ihn an. „Ich fürchte, dass ich dir keine gute Nachricht bringen kann.”, sagte sie unheilvoll, „Deine Mutter war eine sehr tapfere Kriegerin, Hamarud. Dilana hat gegen die Kando gekämpft bis zu ihren letzten Atemzug, als sie mit den anderen Frauen zusammen unser Dorf verteidigte. Auch die Unterstützung der Xendavu konnte nicht verhindern, dass die meisten der restlichen Einwohner aus Mandušolva bei dem Überfall der Kando fielen. Sie starb durch das Schwert von Pasinko Tushambruk, der die Kando bei dem Überfall anführte.” Talāna machte eine kurze Pause, ehe sie fortfuhr. „Bevor Dilana starb, bat sie mich um einen Gefallen, den ich für sie tun sollte.”, fuhr Dōlads Frau fort, „Solange du noch nicht aus der Schlacht zurück bist, sollte ich mich um deine kleine Schwester Damala kümmern und, wenn du wieder da bist, sie dann zu dir bringen, damit du dich weiter um Damala kümmern kannst.” „Und wo ist meine Schwester jetzt?”, erkundigte sich Hamarud, „Ich habe sie ebenfalls im gesamten Lager nicht finden können.” Talāna seufzte schwer. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.”, antwortete sie niedergeschlagen, „Leider habe ich sie aus den Augen verloren. Als die Kando unser Dorf überfielen, verschwand sie eine kurze Zeit später. Niemand weiß, wo sie abgeblieben ist. Auch deine Mutter konnte sie nicht finden, nachdem sie ihr Verschwinden bemerkt hatte. Das letzte Mal sah ich sie, als Pasinko deine Mutter vor ihren Augen tötete. Damala rannte weinend davon. Nachdem sich die Kando wieder aus dem brennenden Dorf zurückgezogen hatten, suchte ich sie. Aber ich konnte Damala nirgends finden. Später berichtete mir jemand, dass man gesehen hätte, wie ein kleines blondes Mädchen in ihrem Alter in ein brennendes Haus flüchtete, das kurz darauf einstürzte. Mehr weiß ich auch nicht.” Als Talāna mit ihrem Bericht fertig war, sah sie Hamarud an. „Es tut mir so Leid.”, fügte sie noch hinzu, als der Sohn von Narul und Dilana sich kurz darauf umdrehte und in der Dunkelheit verschwand. Talāna wollte hinter ihn herlaufen, doch der hünenhafte Dorfschmied hielt seine Frau zurück. „Wo will er denn hin?”, wollte sie wissen und sah Beleš fragend an. „So, wie ich Hamarud kenne, wird er sich sofort auf dem Weg nach Mandušolva machen, um nach seiner Schwester zu suchen. Wahrscheinlich kann er sich nicht vorstellen, dass sie ebenfalls tot ist.”, antwortete der Schmied ernst und griff nach seinen Waffen, die er sich sorgfältig anlegte, „Und ich werde ihn begleiten.” Wortlos sah Talāna ihrem Mann in der Dunkelheit verschwinden.....

Abschließende Hinweise:

keine

Der Weg in eine neue Zukunft

von aroessler2003

 

Nach drei Tagen erreichten sie jenes Tal, das für viele Jahrzehnte für die Einwohner Mandušolvas und den Manda aus den anderen Dörfern des Tales ihre Heimat war. Hamarud erschrak zutiefst, als er das verwüstete Tal sah. Ein großer Teil der Felder mit ihren angrenzenden Wäldern waren von den Kando vollständig niedergebrannt worden. Der hünenhafte Dorfschmied war ebenfalls zutiefst entsetzt, als er die Zerstörungen durch die Kando erblickt hatte. „Ich hätte nie gedacht, dass Tayazus Schergen einmal soweit gehen würden, um uns auszulöschen.”, sagte er, als sie zusammen das Tal überflogen, „Das ist ja der schiere Wahnsinn!” Hamarud schwieg. Er konnte kaum glauben, was er sah. Jedes Dorf war niedergebrannt worden. Zahlreiche Tote lagen in den Straßen. Brandgeruch lag in der Luft. Immer wieder stießen die Kojn-Kojns angstvolle Rufe aus, doch sie trugen ihre Reiter tapfer weiter. Als sie Mandušolva erreichten, landeten die beiden Manda-Krieger ihre Reittiere auf einem freien Feld, das von schwarzgrauer Asche bedeckt war.

Hamarud sprang aus dem Sattel. Dōlad tat es dem Sohn seines toten Freundes Narul Tingal gleich und stieg ebenfalls aus dem Sattel. Schweigend blickte sich der junge Manda mit den lockigen Haaren um. Totenstille herrschte in dem Tal. Kein einziger Laut war zu hören. „Der Tod hat hier reichlich Ernte gehalten.”, flüsterte Beleš und betrachtete entsetzt die ausgebrannten Ruinen, die nun stumme Zeugen eines verheerenden Krieges waren. Hamarud erwiderte nichts. Zielsicher setzte er sich nach einigen Augenblicken in Bewegung. Dōlad folgte ihm in das Dorf. Aus einigen Ruinen stieg immer noch Rauch auf. Hamarud überquerte den Marktplatz und bog in jener Straße ein, in der einmal das Haus seiner Eltern stand.....

Es kam Tingal wie ein Albtraum vor, als er das zerstörte Elternhaus erblickte. Aus den verkohlten Ruinen stieg Rauch auf. Fassungslos schüttelte er mit dem Kopf. Die Kando haben ganze Arbeit geleistet!, dachte er erschüttert und sankt vor dem ausgebrannten Gebäude auf die Knie, Sie ließen kein Stein auf dem anderen! Hamarud stieß einen Schrei des Entsetzens aus, als er seine tote Mutter entdeckte. Neben dem Leichnam von Dilana Tingal sank er auf die Knie und begann hemmungslos zu weinen. Dōlad blieb dicht neben ihn stehen und legte dem jungen Mann tröstend seine kräftige Hand auf die zuckende Schulter. Auch er hatte Tränen in den Augen. „Komm, mein Junge, wir müssen deine Schwester suchen.”, meinte Dōlad, „Für deine Mutter können wir leider nichts mehr tun. Sie war eine fabelhafte Frau.” Es dauerte einige Minuten, bis sich Hamarud wieder beruhigt hatte. Dann erhob er sich. „Es geht schon wieder. Aber bevor wir weiter nach Damala suchen, möchte ich erst mal meine Mutter begraben.”, sagte er tonlos. Beleš nickte verständnisvoll.

Nachdem sie Dilana Tingal beerdigt hatten, setzten Hamarud und der Dorfschmied ihre Suche nach dem kleinen blonden Mädchen fort. Systematisch suchten sie das gesamte Dorf nach ihr ab, ohne ein Lebenszeichen von ihr zu finden. Am frühen Abend kehrten die beiden wieder zu ihren Reittieren zurück, die nervös schnaubten und unruhig mit ihren Vorderläufen auf den Boden scharrten. Wenig später saßen die beiden Krieger in ihren Sätteln und die Kojn-Kojns breiteten sichtlich erleichtert ihre mächtigen Schwingen aus. Nach wenigen Flügelschlägen hoben die Reittiere vom Boden ab und gewannen schnell an Höhe. Im Tiefflug zogen die beiden Männer noch einmal über das zerstörte Dorf hinweg. Plötzlich huschte ein Schatten zwischen den Ruinen von Hamaruds Elternhaus hindurch und Tingal veranlasste sein Kojn-Kojn, noch einmal darüber hinwegzufliegen, um sich zu vergewissern, dass er sich diesen Schatten auch nicht eingebildet hatte. Erleichtert atmete er auf, als Tingal ihn erneut sah. Dann landete er erneut und stieg wieder von seinem Reittier. Hinter seinem ausgebrannten Elternhaus entdeckte er kleine Spuren, die von einem Manda-Kind stammten.

Sofort folgte er der Spur, die über eine kleine Anhöhe in einem kleinen Wäldchen führte, das von den Flammen verschont geblieben war. Der Schmied folgte Hamarud ohne zu zögern. An einem kleinen Bach endete die Spur. Suchend blickten sich die beiden um, ohne eine weiterführende Spur zu finden. Als es an der Uferböschung zu rascheln begann, zogen Beleš und Hamarud ihre Schwerter. Vorsichtig schob Tingal einige Zweige beiseite, als plötzlich jemand einen schrillen Angstschrei ausstieß. Dann sah Hamarud seine Schwester, die die beiden Manda-Krieger mit vor Panik geweiteten Augen anblickte. Sofort steckte er sein Schwert wieder ein und reichte dem blonden verängstigten Mädchen seine Hand. „Damala, du brauchst keine Angst mehr zu haben.”, sagte Tingal ruhig, „Erinnerst du dich? Ich bin Hamarud, dein Bruder.” Damala sah ihn weiterhin ängstlich an. Dann fing sie an zu weinen. Hamarud trat einen kleinen Schritt näher und hielt ihr weiter seine Hand hin. „Nimm meine Hand, Schwesterchen.”, sagte er sanft, „Hab keine Angst, Damala.” Es dauerte einen Augenblick, bis sie langsam aus dem Gebüsch kroch und sich sofort in Hamaruds Arme warf. Hemmungslos begann sie zu weinen, während ihr Bruder das kleine blonde Mädchen fest an sich drückte. Ihre langen Haare waren zerzaust und ihre Kleidung war zum Teil zerrissen und dreckig. „Es ist vorbei. Du brauchst keine Angst mehr zu haben.”, flüsterte er und streichelte sie sanft, „Ich bin jetzt bei dir und werde dich von jetzt an immer beschützen.” Erleichtert steckte inzwischen auch der Dorfschmied sein Schwert wieder ein. Zu dritt kehrten sie zu ihren Reittieren zurück. Wenig später saßen sie wieder in ihren Sätteln. Damala hielt sich an ihrem großen Bruder fest, als sein Kojn-Kojn die mächtigen Schwingen ausbreitete und flügelschlagend von Boden abhob.

Unterwegs machten sie an einem kleinen See Rast, der nicht sehr weit weg von ihrem zerstörten Heimatdorf entfernt war. Ursprünglich war dieser See ein Treffpunkt für die Manda aus dem Tal, die regelmäßig fischen gingen und ihr Vieh dort tränkten. Aufmerksam sahen sich Dōlad und Tingal am Seeufer um. Weit und breit war nichts zu sehen. Erst als die beiden Männer sicher waren, dass keine Gefahr drohte, ließ Hamarud seine kleine Schwester aus dem Sattel steigen. „Vielleicht sollten wir hier übernachten und Morgen weiterreisen.”, schlug der hünenhafte Dorfschmied vor, „Fisch gibt es hier reichlich.” Tingal nickte. „Okay.”, sagte er, „Dann werde ich mal etwas Brennholz holen für unser Abendessen.” Kurz darauf ging er auf den Waldrand zu. Ängstlich sah ihm Damala nach.

Nach wenigen Augenblicken kehrte der Manda mit den lockigen Haaren wieder an den See zurück. Das Holz polterte laut, als Hamarud es von seinen starken Armen auf den Boden fallen ließ. Rasch hob er eine kleine Mulde aus, in der er anschließend vorsichtig das Holz aufschichtete. Zaghaft versuchte das blonde Mädchen ihrem Bruder zu helfen, der ihre Hilfe dankend annahm. Das Feuer loderte bereits, als Dōlad mit dem frischgefangenen Fisch zu Hamarud und Damala ans Lagerfeuer kam. Nach dem Essen legten sich müde das kleine Mädchen und ihr Bruder zu schlafen hin, während Beleš am Feuer Wache hielt. Rasch waren die beiden eingeschlafen und Damala kuschelte sich eng an ihren Bruder, der instinktiv einen Arm schützend um sie legte.

In der Morgendämmerung fuhr Hamarud erschrocken aus dem Schlaf. Fragend blickte er Dōlad an, der bereits mit gezogenem Schwert stand und zum dem dunklen Wald hinüberspähte. Als Tingal das Rascheln im Unterholz ebenfalls vernahm, stand der junge Manda auch auf und zog sein Schwert. Entschlossenheit war in den Gesichtern der beiden Männer zu sehen. Die Klingen ihrer Waffen glänzten im Lichtschein des Feuers. „Bleib du bei meiner Schwester.”, forderte er den Dorfschmied auf, „Ich sehe mal nach, was da im Busch ist.” Lautlos schlich er sich davon.

Hamarud kam nicht weit, als bereits mehrere dunkle Schemen mit gezogenen Schwertern aus dem Busch sprangen und auf ihn zu stürmten. Instinktiv hob Tingal sein Schwert in die Höhe, als ihn bereits die erste Gestalt auch schon angriff. Am Lagerfeuer stieß Damala einen Angstschrei aus, als sie im Lichtschein des Feuers einen der Angreifer als den Mörder ihrer Mutter erkannte. Laut klirrte das Metall der Waffen, als die Klingen aufeinander trafen. Wenig später griff Dōlad in das Kampfgeschehen ein, der rasch herbeigeeilt war. Während des Kampfes tauchten weitere Gestalten aus dem Wald auf, die sich mit gezogenen Schwertern auf die Kando stürzten. Damala zuckte zutiefst erschrocken zusammen, als jemand plötzlich von hinten eine Hand auf die Schulter des Mädchens legte. Damala begann erneut vor Angst zu schreien.

„Hab keine Angst, Kindchen.”, sagte eine sanfte Frauenstimme, „Wir sind hier, um euch zu helfen. Sigusīn Tēlak hat uns gesandt.” Der Schrei erstarb, als sie die ruhige Stimme der Unbekannten hörte. Das blonde Mädchen wandte sich um und blickte in das Gesicht einer jungen Frau. Sie hatte lange rote Haare, die sie zu einem langen Zopf gebunden hatte. Aufmunternd lächelte sie Tingals Schwester an. In ihrer Hand hielt sie einen Bogen. Leise zog sie einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn auf die Sehne des Bogens. Lautlos schnellte der Pfeil davon und traf sein Ziel. Einer der Kando sackte zusammen. Der Pfeil ragte aus seinem Rücken. Wenig später flog der nächste durch die Luft und ein weiterer Kando ließ vor Schmerz stöhnend sein Schwert fallen. Hamarud nutzte die Gelegenheit und versetzte dem verletzten Kando den Todesstoß. Kurz darauf wurden auch die letzten beiden Kando überwältigt und gefangengenommen.

Mit den Gefangenen kehrten die Manda an das Lagerfeuer zurück, wo die junge Frau, die bereits einen weiteren Pfeil auf der Bogensehne liegen hatte, zusammen mit Damala auf sie warteten. Erst im Lichtschein des Lagerfeuers erkannte Hamarud Skārud Nāmur und Lūnda Nāmur aus Rānos sowie den alten Bogenmacher mit dem Rauschebart. „Ich bin so froh, Euch zu sehen, Sigusīn.”, sagte Tingal erleichtert, „Ihr kamt alle im richtigen Augenblick.” Der Alte lächelte und schloss Hamarud in die Arme. „Und ich freue mich ebenso, dich zu sehen, junger Krieger.”, erwiderte Tēlak, „Wie ich wieder einmal feststellen musste, kann man dich einfach nicht alleine lassen, ohne dass dir etwas passiert. Sobald ich dich aus den Augen lasse, steckst du auch schon in den größten Schwierigkeiten. Aber Du hast trotzdem gut gekämpft. Deine Eltern wären sehr stolz auf dich, mein Junge.” „Woher wusstet Ihr, dass Hamarud und ich hier sind?”, wollte der Dorfschmied wissen. „Deine Frau hat sich Sorgen um euch, und vor allen Dingen um dich, gemacht. Deshalb hat Talāna mir sofort gesagt, dass Ihr hierher gereist seid, um nach Damala zu suchen.”, verriet der Alte wahrheitsgemäß, „Sie war auch diejenige gewesen, die mich darum bat, euch zu folgen, um euch bei der Suche zu helfen. Als Skārud und Lūnda davon erfuhren, boten sie mir an, mich zu begleiten.” Hamarud und Beleš bedankten sich bei Skārud und Lūnda für ihre Hilfe. Dann wandten sie sich den Gefangenen zu.

Ohne zuzögern ging Damala auf einen der beiden gefesselten Kando zu und zeigte auf ihn. Er hatte ein dunkles Fell mit mehreren hellen Flecken. „Er war es.”, sagte sie mit vor Wut zitternder Stimme, „Er hat Mama umgebracht.” Hamarud trat auf den Gefangenen zu. „Ist das wahr, was das Mädchen gesagt hat?”, fragte er zornig, „Habt Ihr ihre Mutter ermordet.” Der Kando brach in Hohngelächter aus. „Ja, natürlich habe ich sie umgebracht.”, sagte er kalt, „Was dachte sie denn? Es ist Krieg. Da wird nun mal getötet.” Damala begann wieder zu weinen, als sie seine eisigen Worte hörte. Hamarud sah den Gefangenen zornig an, als dieser fortfuhr. „Außerdem verrate ich euch noch etwas.”, erzählte der gefleckte Kando, „Es hat mir sogar großen Spaß gemacht, ihr beim Sterben zuzusehen. Schade war es nur, dass sie nie erfuhr, durch wessen Klinge sie starb. Das Mädchen kann stolz darauf sein, dass ihre Mutter durch das ehrenwerte Schwert des großen Pasinko Tushambruk ihr Leben verlor.” Wutentbrannt zog Hamarud sein Schwert und stieß zu.

Die Augen des Kando weiteten sich vor Fassungslosigkeit, als Hamarud Pasinko in die türkisfarbenen Augen sah. „Und jetzt verrate ich Euch mal etwas, mein Freund.”, zischte Hamarud hasserfüllt und drehte dabei sein Schwert in der Wunde, während der Kando vor Schmerzen brüllte, „Ihr stirbt jetzt durch die ehrenhafte Klinge von Hamarud Tingal, Sohn von Narul und Dilana aus Mandušolva und Bruder von Damala Tingal, deren Mutter Ihr direkt vor unserem Elternhaus ermordet habt.” Ein schmatzendes Geräusch entstand, als der junge Manda seine Waffe wieder aus der starkblutenden Wunde zog. Der sterbende Kando begann zu zitternd, als er versuchte, mit seinen bloßen Händen die blutende Wunde zuzuhalten. „Ihr seid Naruls Sohn?”, fragte er ungläubig mit zitternder Stimme. Hamarud nickte. „Ja, der bin ich.”, bestätigte er und blickte Pasinko eisig an, „Warum fragt Ihr?” Die Anwesenden konnten Tushambruk kaum noch verstehen, als er antwortete. „König Tayazu Lumeyn befahl mir, Euch zu suchen und zu töten, um Naruls Macht zu brechen. Danach sollte ich seinen befohlenen Genozid an Eurem Volk in seinem Namen fortsetzen, bis kein Manda mehr am Leben ist.” „Tja, da gibt es nur noch ein Problem, Pasinko.”, sagte Tēlak, der sich nun ebenfalls zu dem Sterbenden hinunterbeugte, „König Tayazu Lumeyn ist tot. Er starb durch Teyus Klinge und damit ist der Krieg endgültig vorbei.” Tushambruks Augen weiteten sich weiter vor Entsetzen, als er begriff, was ihm der weißhaarige Manda mit dem Rauschebart gerade gesagt hatte. „Nein.”, stöhnte er kaum hörbar, „Das kann nicht wahr sein. Das ist nicht wahr. Tayazu lebt. Er wird niemals durch Teyus Schwert sterben.” Der Kando sackte in sich zusammen. Der engste Freund und Vertraute von König Tayazu Lumeyn war tot.

„Und was machen wir mit dem da?”, fragte Dōlad die anderen, als sie sich zum Aufbruch bereitmachten. „Wir befinden uns bereits auf dem Hoheitsgebiet der Xendavu.”, erklärte der alte Bogenmacher und sah den Gefangenen kühl an, „Wir werden ihn ordnungsgemäß den Xendavu übergeben. Die werden schon wissen, wie sie mit den Kando verfahren werden, die Straftaten innerhalb der Republik Xendavos begehen. Schließlich befindet sich das Tal, wo Mandušolva und die anderen Dörfer der Manda lagen, ebenfalls in der Xendavu-Republik.”

Nach einigen Tagen erreichten sie die Küste. Freudig wurden die Ankömmlinge von den wartenden Manda begrüßt. Dort übergaben Sigusīn Tēlak und Beleš Dōlad zusammen den gefangenen Kando den Xendavu. Ein halbes Jahr später überquerten die Manda auf zahlreichen Schiffen das Meer, bis sie jenes Land erreichten, dass ihnen die Xendavu-Kommission zugeteilt hatte. Banto Voranos begleitete mit einigen Xendavu die Manda auf ihrer Überfahrt.

Auf dem Schiff unterwegs trat Hamarud zu den alten Manda mit dem Rauschebart, der auf das Meer hinaussah. Tēlak warf dem jungen Tingal mit den lockigen Haaren einen kurzen Blick zu. Gütig begann er zu lächeln, als er seinen nachdenklichen Gesichtsausdruck sah. „Du wirkst nachdenklich, tapferer Krieger.”, meinte er. Hamarud nickte. „Ja, Ihr habt Recht.”, antwortete Hamarud, „Mir gehen momentan einige Fragen durch den Kopf.” Der Alte wandte sich zu Tingal um. „Dann schieß mal los.”, forderte er Hamarud auf, „Erzähl dem alten Tēlak, was dich so beschäftigt.” „Ich frage mich die ganze Zeit, was uns Manda dort in der neuen Heimat alles erwartet.”, gestand Naruls Sohn. „Mach dir mal keine Sorgen.”, erwiderte Sigusīn, „Da, wo wir in Zukunft leben werden, werden nur wir zu Hause sein. Durch unser neues Heimatland werden wir Manda auch einen neuen Namen erhalten, Hamarud.” Verblüfft sah ihn der junge Manda an. „Was meint Ihr damit?”, wollte Tingal wissen, „Wie lautet denn der Name unserer neuen Heimat?” „Die Xendavu nennen das Land, das sie uns gaben, Belluranuš. Aber wir selbst werden unsere neue Heimat Belluranizaruš nennen.”, erklärte Tēlak lächelnd, „Von heute an wird man uns nur noch Belluraner nennen.” Nachdenklich sah er den alten Bogenmacher an. Dann blickte er mit dem Alten zusammen auf das weite Meer hinaus. „Belluraner.”, sagte Hamarud Tingal nachdenklich und ließ sich dabei das Wort auf der Zunge zergehen, „Das klingt gut. Von heute an bin ich ein Belluraner.” Sigusīn Tēlak nickte. „So ist es, mein Freund.”, lächelte er, „Willkommen zu Hause.”  

E N D E

Andreas Rößler, 2006

 

 

Abschließende Hinweise:

keine

Anmerkungen und Erklärungen zu "Hamarud Tingal - Der Sklavenaufstand"

von aroessler2003
Hinweise des Autors:

In diesem Kapitel werden die Begriffe aus der Antologie "Hamarud Tingal - Der Sklavenaufstand" erklärt.

 

ANMERKUNGEN

Die Ausprache des Belluranischen

Āā = Langes A wie in NASE

Ãã = Nasales A wie im frz. CHANCE

Cc = Wie Z in ZANGE

Čč = Wie TSCH in MATSCH

Chch = Wie CH in ICH.

Þþ = Wie engl. TH in THING

Ðð = Wie engl. TH in FATHER

Ēē = Langes E wie in SEE

Ėė = Kurzes unbetontes E wie in GABE

Hh = Wie H in HUT

Ĥĥ = Wie CH in BACH

Īī = Langes I wie in IGEL

Ĩĩ = Nasales I wie in portug. CINCO

İı = Wie I in TISCH

Jj = Wie J in JAGD

Ĵĵ = Wie DSCH in DSCHUNGEL

Ññ = Wie NJ wie in ANJA, wenn ein Vokal oder Umlaut folgt

Ññ = Sonst nasales N wie in dt. BANK

Ōō = Langes O wie in Ofen

Õõ = Nasales O wie in frz. MONDE

Qq = Tiefes gutturales K wie im arab. Al QAHIRA

Rr = Gerolltes Zungenspitzen-R wie im Russischen oder Italienischen

Řř = Gerolltes R + stimmhaftes/stimmloses SCH wie im tschech. DVOŘAK

Ss = Stimmloses S wie in ESSEN

Šš = SCH in SCHULE

Ūū = Langes U wie in UNION

Ũũ = Nasales U

Vv = Wie W in WASSER

Ww = Wie engl. W in WHY

Xx = Wie X in HEXE

zZ = Stimmhaftes S wie in ROSE

Žž = Wie J in frz. JOURNAL

Die Diphthonge im Belluranischen:

aj = Wie AI in MAI

ej = Wie engl. A in SAFE

oj = Wie OI in AHOI

öj = Wie türk. ÖY in KÖY

uj = Wie UI in PFUI

üj = Wie frz. UY in LE PUY

au = Wie AU in HAUS

ou = Wie engl. O in JONES

uo = Wie U + offenes O

 

Vokabular - Belluranisch

 

Belluranische geografische Eigennamen:

 

Merānos = Belluranische Hauptstadt

Kjöšmālu = Nördliche Halbinsel des Kontinentes Ulānia auf Bellurānia Prime

Hamrajd = schneebedeckte Bergregion, schneebedeckte Bergkette

Hamrud = Höchster Berg auf Bellurānia Prime

Golod = Berg, der aus dem Wasser des Ozeans ragt

Gonrajd = Inselkette

Gumra = aktiver Vulkan

Gumrajd = Bergkette, fast nur aus aktiven Vulkanen bestehend

Damra = erloschener Vulkan

Damrajd = Bergkette, fast nur aus erloschenen Vulkanen bestehend

Mandušolva = Mandadorf, Dorf der Manda

-šari = -fluss

-šolva = -dorf

-zaruš = besiedeltes bzw. bewohntes Land, besiedelte bzw. bewohnte Heimat

-nos = -feld

-dos = -stadt, in der mehr als eine Millionen Leute leben

-do = -stadt, in der weniger als eine Millionen Leute leben

 

Belluranische Völker:

 

Manda = ausgestorbener Dialekt, aus dem sich das moderne Belluranisch

entwickelte; ursprünglicher Name der Belluraner

Kando = humanoide intelligente Lebensform, die sich aus den Ustāri

entwickelte; haben ein dichtes Fell. Werden bis zu 2 Meter groß,

haben ein enorm kräftiges Gebiss mit sehr großen Reißzähnen

(ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die Farbe ihres Blutes ist türkis;

Xendavu = humanoide intelligente Lebensform, die sich aus den Ustāri

entwickelte; haben ein dichtes Fell. Werden bis zu 2 Meter groß,

haben ein enorm kräftiges Gebiss mit sehr großen Reißzähnen

(ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die Farbe ihres Blutes ist türkis;

sehr friedliebend und leben sehr zurückgezogen

Ustāri = Erste humanoide intelligente Lebensform, haben ein dichtes Fell;

werden bis zu 3 Meter groß, haben ein enorm kräftiges Gebiss mit

sehr großen Reißzähnen (ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die

Farbe ihres Blutes ist blau; sehr friedliebend und leben sehr

zurückgezogen

 

Belluranische Tiere:

 

Kuš-Kuš = Reit- und Lastentier, hat Hörner, ähnelt dem Rind auf der Erde

Wūlunžidi = eine Art Schlachttier wie das Schwein (Bezeichnung wird auch als

Schimpfwort verwendet)

Kojn-Kojn = Reit- und Lastentier (Mischung aus einem Pegasus und einem

Einhorn)

Mivuku = hundeartiges Raubtier (kann seine Krallen ein- und ausfahren, guter

Kletterer)

Lūmus = Geflügeltes wolfsartiges Raubtier; die Mivukus sind die nächsten

Verwandten der Lūmus; treten sowohl in Rudeln als auch als

Einzelgänger auf; sind sehr aggressiv und deshalb sehr gefährlich;

Muvango = marder-katzenartiges Raubtier (haben ein scharfes Gebiss und

scharfe Krallen, können bis zu 1 Meter Schulterhöhe erreichen)

Bontos = Fische, deren Schuppen in verschiedenen Farben fluoreszieren

(ähnlich wie bei den Roten Neon auf der Erde)

Kundos = Belluranisches Nagetier (terranischen Hasen oder Kaninchen ähnlich,

werden oft als Haustiere gehalten, sehr wachsam)

Mulano = Trompeterich (Art belluranisches Mammut, Herdentier, Ohrengröße

entspricht die des afrikanischen Elefanten)

Kaluno = Mehrhorn (Herdentier, sieht aus wie ein Triceratops mit zusätzlichen

Hörnern am Rande des Nackenpanzers)

Xulari = Raubechsen (ähneln den Veloceraptoren auf der Erde, können bis zu

2 Meter groß werden)

Ko’ano = Art belluranische Riesenschildkröte mit einen langen Hals und einen

relativ langen Steert, lebt nur im Meer

Levellus = katzenartiges Raubtier

Lesellus = bärenartiges Raubtier

Tahuk = Pilzähnliches Wesen mit telepathischen Fähigkeiten, wenn man

dieses Wesen berührt; wird gern zur Wahrheitsfindung und bei

medizinischen Diagnosen verwendet; kann bis zu einen duk (Meter)

groß werden

Pemkos = Flammen- bzw. Feuerechsen; 1 – 1,5 duk (Meter) lang; nachtaktiv,

Fleischfresser, leben von Kleintieren, schuppenartige Haut, die

rötlichgelb bis orange gefärbt ist

Mungāwa = Flugfähiges Raubtier; Der Kopf ähnelt dem eines irdischen Wolfes, Die Reißzähne sind sehr lang und alle Zähne sind sehr spitz und rasierklingenscharf; an den Füßen hat es einziehbare Krallen, die ebenfalls sehr scharf sind, erreicht eine Schulterhöhe von anderthalb Metern; das Fell ist sehr dicht und weich, wobei die Farben schwarz, weiß, braun, grau, beige und auch fuchsrot sein, auch gestreift, gescheckt und punktiert bzw auch gefleckt möglich, die Flügel sind mit zahlreichen Federn ausgestattet, Augenfarbe variiert vom hellem grün über gelb bis tiefrot, äußerst aggressiv und sehr gefährlich; kann Feuer speien

Lumāta = Farbenprächtige Blume mit sehr großen Blütenblättern, die einen

süßlichen Geruch absondert; für die Belluranerinnen ist sie das

Sinnbild der Liebe und hat auf Grund dessen denselben Stellenwert

wie die rote Rose auf Erde

Lumāga = Vogelart, ähnlich dem Fasan auf der Erde, hat ein farbenprächtiges

Gefieder

Palunos = Belluranische Frucht, deren Geschmack an der Farbe der Frucht zu

erkennen ist, enthält viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente

Latunos = Belluranische Papageienart, die Sprachen und Geräusche original

nachmachen kann, hat ebenfalls ein farbenprächtiges Gefieder,

anderthalb mal so groß wie eine irdische Gans

 

Belluranische Speisen + Getränke:

 

Ktiša = Art extrem starker Kaffee

Karau = teeähnliches Getränk, das sowohl heiß als auch kalt getrunken wird,

hat einen sehr hohen Sättigungsgehalt

Vukuva = Frucht, ähnelt dem terranischen Apfel, hat eher den Geschmack

zwischen Birne, Apfel und Banane

Bavuš = Belluranisches Gericht aus gebratenen Hackfleisch, verschiedenen

Gemüse mit einer süßsauren Soße

Šubaši = Belluranische Delikatesse mit verschiedene Gemüsesorten und

Hackfleisch gefüllte Teigtaschen

Bukuni = Belluranischer Pilz, der einen irdischen und einen unterirdischen

Fruchtkörper, wie die Kartoffel, hat; oberer Fruchtkörper wird hauptsächlich als Gemüsebeilage und der unterirdische Fruchtkörper eher als Kartoffelersatz verwendet

Tbuki = Art würziges Vollkornbrot, wird häufig zum Ktiša und Karau gegessen

Talukzatu = Wurzelart, die leicht salzig schmeckt, gilt als Delikatesse, enthält viele

Vitamine und Spurenelemente

Larunos = Frucht, ähnelt der terranischen Wassermelone, hat eher den

Geschmack zwischen Erdbeeren und Himbeeren, die Blätter des

Baumes haben Waldmeistergeschmack, solange die Blätter noch

hellblau bis türkis gefärbt sind, Der Baum speichert Wasser in seinem

Stamm

Larünkos = Ist mit dem Larunos eng verwandt; kann ebenfalls viel Wasser in

seinem Stamm speichern; Frucht, ähnelt dem terranischen

Zitrusfrüchten, hat aber mehr den Geschmack der terranischen

Banane

Tekkos = Belluranische Frucht, die dem terranischen Apfel ähnelt; der

Geschmack liegt zwischen Birne und Banane; sehr vitaminreich

Lankos = Belluranische Frucht, ähnelt dem terranischen Apfel; der Geschmack

liegt zwischen Erdbeere und Himbeere; ebenfalls reich an Vitaminen

Nojsa = Belluranische Nuss, ähnelt der terranischen Kastanie; der

Geschmack liegt zwischen dem der Erd- und Haselnuss; je dunkler

der braune Farbton ist, desto süßer schmeckt sie. Gut geeignet mit

anderen Obst und Gemüsesorten zusammen zu lagern, da sie das

Verschimmeln des Obstes und Gemüses stark verlangsamt; Wird

häufig auch als Gewürz verwendet;

 

Waffentechnik und Kampfkunst

 

Būras = das 2. Gehirn im belluranischen Körper, primär für die

mentalen Aufgaben zuständig

Hamdo-Tujzada = von König Tūluk Marānus entwickelte waffenlose belluranische

Kampfsportart, muss jeder Belluraner bereits in der Schule

lernen, durch das Training dieser Sportart werden sowohl die

Muskulatur, die Kondition als auch die mentale Disziplin

ausgebildet

Bamate! = Belluranischer Kampfruf (aus dem Manda †)

Bumate! = Belluranischer Kampfruf (aus dem Xendavu †)

Gubung = Multifunktionaler Kampfstock mit verschiedenen ausfahrbaren

Klingen

Dalus = Schlagkette aus Metall, die am Handgelenkt befestigt wird

Bumato = Belluranische Schlagwaffe (ähnlich wie das Tschakko von der

Erde)

 

Belluranische Religion:

 

Köšmālak = Heilige Schrift Bellurānias, Mischung zwischen Geschichtsbuch und

einer Art Bibel; selbst das Leben eines Belluraners reicht nicht aus,

um den gesamten Köšmālak durchzulesen

Kjušmālak = Chronik, Heilige Schrift Bellurānias, Mischung zwischen

Geschichtsbuch und einer Art Bibel; selbst das Leben eines

Belluraners reicht nicht aus, um den gesamten Kjušmālak

durchzulesen

Nūnuk = Seher

Mūruk = Schöpfer des Glandāku und Herrscher des Bösen, entspricht auf der

Erde dem Teufel

Glandāku = Schlimmer Ort, wo alle verstorbenen Belluraner hinkommen, die sich

zu Lebzeiten der Karāmu schuldig gemacht haben; belluranisches

Äquivalent für die biblische Hölle

Karāmu = Sünde

Kunžuk = Schande

Slokk = Ehrloser, Unehrenhafter ( schlimmes Schimpfwort aus der Heiligen

Schrift Bellurānias)

Najangu = Schöner Ort, wo alle verstorbenen Belluraner hinkommen, die sich

nicht zu Lebzeiten der Karāmu schuldig gemacht haben;

belluranisches Äquivalent für das Paradies

Zātul = Oberster belluranischer Gott, Schöpfer des Najangu

Falāna = Zātuls Gemahlin, Göttin der Weisheit

Fazira = Göttin der Liebe und des Glückes

Farul = Gott des Feuers und der Schmiedekunst

Fazul = Gott der Rache

Fazilāna = Göttin der Jagd, des Mutes und der Tapferkeit

 

Berufe:

 

Taguš = Fremdenführer

Tegoš = Scout, Fährtensucher

 

Belluranische Gewichts- und Maßeinheiten:

 

Duk = entspricht einen terranischen Meter

Abschließende Hinweise:

keine

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