Tabrun Nandor - Im Reich der Xulari

von aroessler2003
Zusammenfassung:

Diese Geschichte stammt aus der Chronik von Bellurānia Prime. Eine lange Dürreperiode macht dem Farmer Gūrad Nandor zu schaffen, denn seine Ernte droht zu verdorren. Aus Sorge vor dem drohenden Ruin seines Hofes, ruft er den Familienrat zusammen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Nachdem Gūrad den Vorschlag von Tabrun, eine Bewässerungsanlage für die Felder zu kaufen, ablehnt, fasst Tabrun einen folgenschweren Entschluss. Gegen den Willen seines Vaters macht sich Tabrun zusammen mit seinem jüngsten Bruder Mandrak auf den Weg in ein sehr fernes Land, um neue Saat zu besorgen. Keiner von beiden ahnt, dass sie etliche gefährliche Abenteuer während ihrer Reise zu bestehen haben…..


Kategorien: Eigene Stories Charaktere: Keine
Genres: Fantasy
Herausforderung: Keine
Serie: Die Arimus-Missionen
Kapitel: 11 Fertiggestellt: Ja Wörter: 61788 Aufgerufen: 123616 Veröffentlicht: 02.05.09 Aktualisiert: 02.05.09
Hinweise zur Geschichte:

 

Anthologie zur Science-Fiction-Fantasy-Mini-Serie "Die Arimus-Missionen"

 

1. In aller Heimlichkeit von aroessler2003

2. Auf Scoutsuche von aroessler2003

3. Begegnungen in der Wüste von aroessler2003

4. Gefahr in der Dämmerung von aroessler2003

5. Die Gesetze der Xendavas von aroessler2003

6. Auf der Suche nach Larunos von aroessler2003

7. Kampf der Bestien von aroessler2003

8. Das Ende einer Suche von aroessler2003

9. Der letzte Kampf von aroessler2003

10. Seelenschmerz von aroessler2003

11. Anmerkungen und Übersetzungen zu "Tabrun Nandor - Im Reich der Xulari" von aroessler2003

In aller Heimlichkeit

von aroessler2003

 

Langsam ging er in die Hocke. Vorsichtig tastete er die kleinen Pflanzen ab, deren Triebe und Blätter kraftlos herabhingen. Stellenweise begannen sie sogar gelb zu werden, was dem alten Farmer gar nicht gefiel. Die Sonne brannte erbarmungslos herab. Der heiße Wind vermochte keine Abkühlung bringen. Gūrad Nandor stand am Rande eines Feldes, auf dem er Tbuki angepflanzt hatte. Hilflos musste er schon seit einigen Wochen zusehen, wie seine gesamten Tbuki- und auch Taluzatu-Felder durch die Hitze dieses Sommers austrockneten. Er seufzte, als er die trockene Erde zwischen seinen Fingern zerrieb. Das Rieseln des Sandes war bei der herrschenden Windstille nicht zu überhören. Wenn das so weitergeht, können wir dieses Jahr unsere komplette Ernte vergessen!, dachte er frustriert, Wenn das mit dieser verdammten Hitze noch so weiter geht, ist die ganze Arbeit eines kompletten Jahres umsonst gewesen! Er richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf und wandte sich der anderen Straßenseite zu. Auch das Feld sah nicht besser aus. Die heiße Luft flirrte und flimmerte, als er über das weite Feld blickte. Hoffentlich gibt es bald Regen!, fuhr der Weißhaarige in Gedanken fort, Möge Zātul uns allen doch bald etwas Regen schicken! Seufzend kehrte er wieder zu seinem Karren, an dem zwei Kuš-Kuš eingespannt waren, zurück. Bevor er wieder auf den Karren stieg, blickte er sich noch einmal um. Der alte Farmer gab einen tiefen Seufzer von sich. Als er wieder auf dem Kutschbock saß, schnalzte er mit der Zunge und zog die Zügel an. Bereitwillig setzten sich die Tiere in Bewegung.

Die Tiere schnaubten, als sie den leeren Karren hinter sich herzogen. Als Nandor einen weiteren Feldweg erreichte, stoppte er den Karren erneut. Auf dem Feldweg ritt ihm jemand auf einem Kojn-Kojn entgegen. Direkt neben dem Karren hielt der junge Mann sein Reittier an. „Wie sieht es aus?”, fragte Gūrad seinen jüngsten Sohn, der sich gerade den Schweiß von der Stirn wischte. Dieser verzog sorgenvoll das Gesicht. „Es sieht nicht gut aus, Vater.”, erwiderte Mandrak Nandor wahrheitsgemäß und versuchte dabei sein Tier ruhig zuhalten, das unruhig mit den Hufen auf der Erde scharrte, wobei es ein wenig Staub aufwirbelte, „Unsere gesamte Ernte ist in Gefahr. Wenn uns nicht bald etwas Gescheites einfällt, was wir tun könnten, stehen wir bald vor dem Ruin.” „Aber was können wir tun, um unsere Ernte noch zu retten?”, fragte Gūrad, „Ich weiß mir keinen Rat mehr. Wenn das so weiter geht und kein Regen in den nächsten Tagen fällt, dann sind wir endgültig ruiniert.” Der alte Farmer gab wieder einen tiefen Seufzer von sich. „Es gibt vielleicht noch eine Möglichkeit.”, antwortete Mandrak vorsichtig, „Aber das kostet viel Geld.” „Woran denkst du, mein Sohn?”, erkundigte sich der alte Farmer, der bereits ahnte, worauf sein jüngster Sohn hinauswollte. Der Hellbraunhaarige lächelte. „Was hältst du von einer Bewässerungsanlage, Vater?”, fragte er, „Vielleicht ist die Idee von Tabrun doch nicht so schlecht.” Gūrad schnalzte mit der Zunge, worauf die beiden Kuš-Kuš sich wieder in Bewegung setzten. Mandrak wendete sein Reittier und ritt neben dem rumpelnden Karren her.

Gūrad stieß einen abfälligen Laut aus. Wut kroch in dem alten Farmer hoch. „Fängst du jetzt auch noch mit diesem neumodischen Quatsch an?”, antwortete der Alte schärfer, als beabsichtigt, „Hat dir dein Bruder nun auch die Sinne vernebelt?” „Seit dem Tabrun wieder aus der Stadt zurück ist, erzählt er nur noch von dem ganzen technischen Schnickschnack, mit denen er unseren Hof modernisieren will.”, fuhr Gūrad schimpfend fort, „Bewässerungsanlage! Wer soll das denn bezahlen?” Schweigend ritt Mandrak neben seinem Vater her, der weiter vor sich hinschimpfte. „Schon unsere Vorfahren kamen ohne technischen Errungenschaften aus.”, ereiferte sich der alte Farmer weiter, „Warum soll sich das jetzt ändern? Bis jetzt haben Zātul und alle anderen Götter immer für unser Wohl gesorgt. Warum sollte sich das auf einmal ändern?” Gūrad stieß erneut einen abfälligen Laut aus. In der Ferne begann ein Mivuku zu jaulen. „Glaubt ihr jungen Leute etwa, dass ich schon zum alten Eisen gehöre und unseren Hof nicht mehr ordentlich führen kann?”, polterte der Weißhaarige weiter, „Habt ihr schon entschieden, wann ich abzutreten habe?” Erschrocken zuckte Mandrak zusammen, als er die Worte seine Vaters vernahm. Mit diesem Richtungswechsel des Gesprächs hatte er nicht gerechnet. Beschwichtigend hob er die Hände. „Zātul behüte!”, antwortete er, „Nein, Vater! Wie kannst du nur so etwas von uns denken? Davon ist doch gar nicht die Rede. Niemand will dich zum alten Eisen machen. Mein Bruder meint es doch nur gut. Er will doch nur, dass wir nicht mehr so hart arbeiten müssen wie bisher.” Gūrad fiel seinem Sohn ins Wort. Seine Stimme hatte dabei einen harten Klang angenommen. „Harte Arbeit hat bisher noch niemanden geschadet.”, brummte der Alte missgestimmt, „Ich habe mein ganzes Leben lang hart gearbeitet und unseren Hof mit meinem Vater und meinen Brüdern zusammen aufgebaut. Wir sind damit immer gut gefahren, Mandrak. Auch ohne technische Veränderungen.” Der Hellbraunhaarige seufzte, als sein Vater eine verbale Pause einlegte. „Denk doch mal an unseren Nachbarn, der seinen Hof komplett modernisiert hatte.”, fuhr der Weißhaarige fort und wies dabei mit seiner freien Hand in die Richtung, wo einst der Hof von Arānos Marak war, „Er hatte auf seine Kinder gehört und hat alles verloren, weil er nichts mehr bezahlen konnte. Ich möchte nicht, dass uns dasselbe blüht.” Mandrak sah seinen Vater nachdenklich von der Seite an. „Wenn ihr später euren eigenen Höfe habt, könnt so viele technischen Veränderungen vornehmen, wie ihr wollt.”, brummte der Alte weiter, „Aber solange ich lebe, bleibt es auf unseren Hof, so wie es ist und damit basta. Ich mache diesen Quatsch auf keinen Fall nicht mit.” „Ich verstehe deine Bedenken, Vater.”, antwortete Mandrak aufrichtig, „Aber du wirst dich nicht immer davor verschließen können. Auch ein alter Baum muss sich dem Sturm beugen, ob er will oder nicht.” Gūrad sah seinen Sohn grimmig an. Deutlich konnte er das wütende Glitzern in den blauen Augen seines Vaters sehen. „Sage mal, auf wessen Seite stehst du eigentlich, Mandrak?”, fuhr der Weißhaarige seinen Jüngsten an, „Willst du mir etwa in den Rücken fallen?” „Nein, natürlich will ich dir nicht in den Rücken fallen, Vater.”, erwiderte der Hellbraunhaarige, „Ich wollte damit nur sagen, dass niemand die Entwicklung aufhalten kann. Weder du noch ich, Vater. Mehr wollte ich damit nicht sagen.” Deutlich konnte er sehen, wie sich sein Vater wieder ein wenig entspannte und seine Schultern sinken ließ. „Ich weiß, mein Sohn.”, gab der Alte wieder etwas milder gestimmt zu, „Etwas anderes habe ich auch nicht von dir erwartet. Du warst schon immer der Vernünftigste von allen unseren Kindern.” „Es tut mir Leid, Vater.”, sagte Mandrak nach einer Weile, die sie ein weiteren Teil ihres Weges schweigend zurückgelegt hatten, „Ich wollte dich nicht erzürnen.” Der alte Farmer nickte. „Es ist schon gut, mein Sohn.”, erwiderte Gūrad milde, „Ich weiß ja, was du mir sagen wolltest und es stimmt ja auch. Die Entwicklung vermag niemand aufzuhalten. Auch ein alter Mann wie ich hat das begriffen.” Schweigend setzten beide ihren Heimweg fort.

Nach dem Abendessen rief Gūrad seine Familie zusammen. Gelassen saß der alte Farmer in seinem Sessel. Neben ihm stand ein Krug kaltes Wasser auf dem Tisch. Nachdem die komplette Familie im Wohnzimmer Platz genommen hatte, ergriff Gūrad das Wort. „Heute war ich wieder auf einem Karren rausgefahren, um unsere Felder zu kontrollieren, die etwas weiter draußen liegen.”, begann er, „Leider muss ich sagen, dass es um unsere gesamte Ernte nicht gut bestellt ist. Die Hitze lässt die Saat vollständig ausdörren. Es gibt kein einziges Feld, dass uns noch Anlass zur Hoffnung gibt.” Der Alte machte ein kurze Pause, um seine Worte auf die Anwesenden wirken zu lassen. „Die Götter haben wohl scheinbar nicht die Absicht, uns in der nächsten Zeit etwas Regen zukommen zu lassen.”, fuhr er mit einer finsteren Miene fort, „Deshalb müssen wir uns selbst etwas einfallen lassen, wenn wir unsere Ernte noch irgendwie retten wollen. Wenn jemand einen Vorschlag parat hat, dann her damit! Ich bin für jede Idee dankbar.” Aufmerksam sah er jeden Einzelnen in der Stube an. Tabrun räusperte sich, als er das Wort ergriff. „Ich hatte dir schon vor einigen Wochen einen Vorschlag gemacht und den hattest du damals burschikos abgelehnt.”, sagte er, „Aber davon willst du ja nichts hören.” „Ich glaube, da fällt mir etwas ein, was uns vielleicht helfen könnte.”, sagte Mandrak nachdenklich. Interessiert sahen ihn alle an. „Heraus damit!”, verlangte Gūrad, „Vielleicht ist das eine bessere Idee, als die mit dieser teuren Bewässerungsanlage.” „Erinnert ihr Euch noch an das, was uns der Kojn-Kojn-Züchter Arānos Marak mal erzählt hatte, als er noch seine ersten Kojn-Kojns selbst gefangen hatte?”, begann Mandrak und blickte fragend in die Runde. Einige der Familienangehörigen nickten wortlos. „Damals hatte er mal von einem sehr fruchtbaren Gebiet erzählt, wo er seine ersten Zuchttiere einfing.”, fuhr er fort, „Er hatte immer wieder von diesen Obstbäumen berichtet, die das Wasser aus dem Boden aufnehmen und im Stamm speichern konnten. Die Früchte waren sehr saftig und schmeckten etwas süßlich. Ich glaube, er nannte diese Bäume Larunos. Leider hatte der gute Mann niemals Saat davon mitgebracht, als er damals mit seinen ersten selbstgefangenen Zuchttieren zurückkam. Vielleicht sollten wir mal versuchen, diese Bäume zu finden und welche von dort mitbringen.” Talāna nickte. „Stimmt, jetzt ich erinnere mich auch daran, dass er damals davon gesprochen hatte.”, sagte sie, „Aber die Sache hat einen Haken.” Fragend sah Mandrak seine älteste Schwester an. „Anscheinend hast du nicht daran gedacht, dass diese Pflanzen in einem Gebiet gedeihen, in dem es dort nur so von diesen grässlichen Xularis wimmelt.” Tabrun schüttelte energisch mit dem Kopf. „Da irrst du dich, Schwesterlein.”, widersprach er, „Die Xularis leben ganz woanders. Die Larunos wachsen im Brondus-Damrajd und dort gibt es keine Xularis. Die findest du eher in den Tälern im Tāma-Gumrajd und anderen Gebieten, wo die Vulkane noch weiter aktiv sind. Genauso wie die Pemkos, die solche Gegenden eher bevorzugen. Dort jagen sie am liebsten im weiten Grasland Kalunos, Mulanos und Kundos sowie Wūlunžidis.” „Trotzdem sollten wir wieder auf unser eigentliches Thema zurückkommen.”, unterbrach Gūrad seine Familie ungeduldig, „Also, Mandrak, wenn ich dich richtig verstanden habe, schlägst du vor, dass jemand von uns dahin reisen soll, um von dort Saatgut mitzubringen. Ist das richtig?” „Ja, Vater.”, antwortete der Hellbraunhaarige, „Genau das war mein Vorschlag.” Nachdenklich lehnte sich Gūrad in seinem Sessel zurück. Nach einigen Sekunden schüttelte er energisch mit dem Kopf. „Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage.”, entschied das Familienoberhaupt, „Ich kann niemanden von Euch bei der Arbeit auf unseren Feldern entbehren. Außerdem würde das viel zu lange dauern, weil niemand außer Kojn-Kojn-Züchter Arānos Marak selbst, der letztes Jahr mit seiner Familie zusammen fortgezogen ist, den Weg dahin kennt, und es wäre obendrein wegen der vielen Raubtiere dort viel zu gefährlich. Ich möchte nicht, dass ihr unterwegs von irgendwelchen Wildtieren verletzt oder gar getötet werdet. Lasst Euch was Besseres einfallen.” „Aber Vater!”, protestierten Tabrun und Mandrak unisono, „Nur weil dort ein paar wilde Tiere leben, kannst du doch nicht unseren Vorschlag ablehnen!” „Oh doch, ich kann.”, erwiderte Gūrad entschlossen, „Es muss noch eine andere Lösung geben. Also denkt nach!” Es vergingen einige Minuten des Schweigens, ohne dass jemand von der Familie eine Idee hatte. Seufzend und frustriert erhob sich der Alte nach einer Weile aus seinem Sessel. Enttäuscht blickte er die Anwesenden an und schüttelte ratlos mit dem Kopf. „Ich glaube, das hat heute keinen Sinn mehr.”, sagte er und ging bereits zur Tür, „Ich hau mich jetzt aufs Ohr. Geht auch Schlafen. Morgen wird ebenfalls ein harter Tag werden. Gute Nacht!” Wenig später erhoben sich auch die anderen im Wohnzimmer von ihren Sitzgelegenheiten und zogen sich in ihre eigenen Zimmer zurück.

Die Tür knarrte leise, als Mandrak das Zimmer seines älteren Bruders betrat. Tabrun wandte sich um und sah den Hellbraunhaarigen fragend an. Mandrak deutete mit einer Hand auf den kleinen Rucksack, der auf dem Bett lag. „Was hast du vor, Bruder?”, wollte Mandrak wissen, „Willst du etwa verschwinden, nur weil Vater unsere Vorschläge abgelehnt hat? Damit löst du bestimmt keine Probleme.” Tabrun schloss leise den Kleiderschrank, der die ganze Zeit offen stand. „Nein, das ist nicht der Grund, warum ich gleich aufbrechen werde.”, erklärte Tabrun seinem jüngeren Bruder gelassen, „Ich will nur unseren Hof vor dem endgültigen Ruin bewahren. Deshalb werde ich mich auf dem Weg zum Brondus-Damrajd machen, um dort nach den Larunos zu suchen. Sobald ich sie gefunden und genügend Saat von ihnen eingesammelt habe, kehre ich wieder heim.” Mandrak trat einen Schritt zurück und blickte Tabrun entgeistert an. „Aber das kannst du doch nicht machen!”, platzte es fassungslos aus diesem heraus, „Wenn Vater erfährt...!” Tabrun fiel dem Hellbraunhaarigen ins Wort. „Wenn du Vater nichts davon erzählst, wird er es erst dann erfahren, wenn es zu spät ist und ich schon viel zu weit weg bin.”, sagte er in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete, „Dann wird er auch nicht versuchen, mir nachzureiten und mich von meinem Plan abzuhalten.” Deutlich konnte Mandrak an dem Gesichtsausdruck seines Bruders erkennen, dass dieser fest entschlossen war, seinen Plan umzusetzen. Dann kam ihn ein Gedanke in den Sinn. „Also, ich denke, dass ich dich nicht von deinem Plan abbringen kann.”, konstatierte er. „Nein, das kannst du nicht. Meine Entscheidung steht fest.”, bestätigte Tabrun, der weiterhin seinen Rucksack mit jenen Sachen packte, die noch auf seinem Bett lagen, „Ich tue, was ich tun musst.” Mandrak nickte und verließ das Zimmer. Wenig später kehrte er mit seinem ebenfalls gepackten Rucksack zu Tabrun zurück. „Also gut.”, sagte er entschlossen, „Dann werde ich dich begleiten, Bruder.” Perplex sah er seinen jüngeren Bruder an.

Mandrak begann zu grinsen. „Nein, Mandrak, das kann ich nicht zulassen!”, erwiderte Tabrun ernst, „Es ist besser, wenn du hier bleibst. Du musst Vater auf dem Feld helfen.” Das Grinsen in Mandraks Gesicht erstarrte. Der Hellbraunhaarige schüttelte mit dem Kopf. „Vater hat genug Feldjungen, die ihm bei der Arbeit auf dem Feld zur Hand gehen.”, sagte Mandrak, „Wozu habe ich denn noch weitere Geschwister, die alt genug sind?” „Außerdem kann es unterwegs sehr gefährlich werden.”, gab Tabrun weiter zu Bedenken, „Wenn dir was passiert, würde ich mir das niemals verzeihen können.” Mandrak begann erneut zu grinsen. „Oh Bruder, du hast immer noch nicht begriffen, dass ich genauso stur sein kann wie du.”, beharrte der Hellbraunhaarige, „Mach’ dir mal um mich keine Sorgen. Mir wird schon nichts passieren, denn ich kann gut auf mich selbst aufpassen. Deshalb werde ich mit dir kommen, ob du willst oder nicht. Wenn du ohne mich abhaust, werde ich dir heimlich nachreiten. Auf keinen Fall werde ich zu Hause bleiben.” Tabrun seufzte. „Na gut.”, sagte er widerstrebend, als er die feste Entschlossenheit in dem Blick seines jüngeren Bruders sehen konnte, „Aber ich habe dich nicht darum gebeten, damit du das weißt.” Mandrak hob abwehrend die Hände. „Ja, ja, schon gut! Ich weiß. Du hast mich gewarnt.”, erwiderte er genervt, „Ich soll lieber zu Hause bleiben, während du unterwegs die tollsten Abenteuer erlebst.” Tabrun sah seinen Bruder finster an. „Meine Güte!”, rief er fast, „Ich meine es doch nur gut mit dir. Immerhin ist das eine sehr lange Reise und ich weiß nicht, was für Gefahren unterwegs auf uns lauern, wenn ich es zuließe, dass du mich begleitest. Deshalb wäre es vernünftiger, wenn einer von uns beiden hier bliebe. Das meine ich damit und das meine ich ernst.” Die Augen des Hellbraunhaarigen verengten sich zu engen Schlitzen. „Meinst du nicht, dass ich mir darüber im Klaren bin?”, beharrte Mandrak, „Ich weiß schon, worauf ich mich da einlasse. Außerdem kann ich dich nicht allein reisen lassen. Schließlich muss doch jemand auf dich aufpassen, damit dir auch nichts geschieht.” Fassungslos blickte der Ältere seinen Bruder an. Mandrak grinste wieder. Inzwischen schulterte der Schwarzhaarige seinem gepackten Rucksack und ging an Mandrak vorbei aus dem Zimmer. Dieser griff nach seinem eigenen Rucksack und folgte rasch seinem Bruder, der bereits die Treppe hinter sich ließ. Wenig später traten beide aus dem Haus und überquerten rasch den Hof, der nur von Mondlicht erhellt wurde. Tabrun begann eines der Kuš-Kuš zu satteln, als Mandrak den Stall betrat. Die beiden Tiere scharrten mit ihren Vorderläufen auf dem Boden, als sie von den beiden jungen Männern gesattelt und bepackt wurden. Als die beiden Brüder mit ihren Vorbereitungen fertig waren, führten sie ihre Reittiere ins Freie. Wenig später verließen sie auf ihren Reittieren den elterlichen Hof. Keiner von beiden warf noch einmal einen Blick zurück. Sie wussten, dass ihr Abenteuer mit dieser Nacht begann.

Tabrun und Mandrak ritten schweigend viele Stunden lang nebeneinander durch die Nacht. Nur der Hufschlag der beiden Kuš-Kuš waren kilometerweit zu hören. Es war eine sehr warme Sommernacht. Alle drei Monde standen hell am Himmel und zahlreiche Sterne funkelten wie Diamanten am Firmament. Das Mondlicht war hell genug, um die nähere Umgebung gut erkennen zu können. An einem kleinen See, der hinter einem dichten Wald lag, machten sie eine kurze Rast, um ihre Tiere zu tränken. „Was meinst du wohl, wie lange wir brauchen werden, bis wir den Brondus-Damrajd und damit auch die Larunos finden?”, fragte Mandrak. Dieser zuckte unschlüssig mit den Schultern. „Keine Ahnung.”, gestand der Schwarzhaarige, „Wir werden jedenfalls solange nach den richtigen Weg zum Brondus-Damrajd suchen, bis wir ihn gefunden haben. Sobald wir Ort gefunden haben, werden wir nach diesen Pflanzen suchen.” „Und sobald wir sie gefunden und genügend Saat eingesammelt haben, kehren wieder heim.”, ergänzte Mandrak. „Ja, genauso habe ich mir das gedacht.”, bekannte Tabrun, „Es ist nur dumm, dass wir Arānos Marak nicht mehr fragen können, da er mitsamt seiner Familie fortgezogen ist und wir nicht wissen, wo wir ihn finden könnten, um ihn um Rat zu fragen. Ich hoffe nur, dass wir nicht allzu lange nach diesen Larunos suchen müssen.” „Das hoffe ich auch.”, bekräftigte der Hellbraunhaarige. „Es wäre schön, wenn wir damit unseren Hof retten könnten.”, fuhr der jüngere von beiden nachdenklich fort, „Vater wäre bestimmt sehr stolz auf uns, wenn uns das gelänge.” Tabrun äußerte sich nicht zu den Gedanken seines Bruders. Aufmerksam hielt er die Gegend im Auge. Nachdem die Reittiere ihre Köpfe hoben und zufrieden Laut von sich gaben, trieb Tabrun sein Kuš-Kuš wieder an. Mandrak folgte seinem Beispiel. Wenig später ritten sie an dem See entlang, bis sie einen schmalen Waldweg erreichten. Gemeinsam folgten sie dem Waldweg direkt am Waldrand entlang, bis sich dieser in zwei verschiedenen Richtungen gabelte. Unschlüssig verharrten die beiden jungen Männer auf ihren Reittieren, bis sich Tabrun für eine Richtung entschieden hatte und in diese einbog. Der Weg führte zu einem kleinen Dorf am Mullumšari.

„Vielleicht ist es besser, wenn wir uns in dem Dorf nach den richtigen Weg zum Brondus-Damrajd und den Larunos erkundigen würden.”, sagte Mandrak nach einer Weile. Tabrun blickte seinen Bruder skeptisch an. „Ich glaube nicht, dass uns dort jemand weiterhelfen könnte.”, erwiderte er gelassen, „Außerdem muss nicht jeder gleich mitbekommen, dass unser Vater mit seinem Hof in Schwierigkeiten steckt.” Der Hellbraunhaarige kratzte sich in seinem Kinn. „Ich meinte ja nur.”, entgegnete er über die unwirsche Antwort seines Bruders verunsichert, „Vielleicht gibt es ja dort jemanden, der schon mal dort war oder zumindest etwas von diesen Pflanzen gehört hat.” „Ich habe dich schon verstanden.”, antwortete Tabrun, „Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir hier die Hilfe bekommen werden, die wir momentan am meisten gebrauchen könnten.” „Aber Fragen kostet nichts.”, insistierte der jüngere der beiden, „Mehr als ,nein’ sagen können die im schlimmsten Fall auch nicht.” „Na schön.”, lenkte Tabrun etwas gereizt ein, „Wir werden uns hier mal umhören. Vielleicht hast du ja Recht und es gibt hier doch jemand, der uns weiterhelfen könnte.” Vor einer kleinen Schenke hielten die beiden Brüder ihre Reittiere an. „Warte du hier draußen und pass’ auf unsere Tiere auf, während ich mich da drinnen mal etwas schlau machen werde.”, sagte der Schwarzhaarige und stieg von seinem Kuš-Kuš. Mandrak sah seinem Bruder nach, der gerade die Schenke betrat.

Es vergingen einige Minuten, bis Tabrun wieder ins Freie trat. Fragend blickte der Hellbraunhaarige seinen Bruder an, der sich wortlos in den Sattel setzte. „Na, was ist?”, erkundigte sich Mandrak, „Was hast du herausbekommen?” Der Ältere machte eine wegwerfende Handbewegung. „Gar nichts.”, gab er verärgert von sich, „Die Leute da drinnen sagten jedenfalls, sie wüssten nicht, wie man zum Brondus- Damrajd käme und auch nicht, wo man dort diese Larunos finden kann. Sie hätten noch nie etwas über diesen Ort oder den Pflanzen gehört.” Mandrak sah seinen Bruder von der Seite an. „Und glaubst du ihnen?”, wollte er wissen. Der Schwarzhaarige zuckte mit den Schultern. „Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck gehabt, dass die mich angelogen haben.”, erwiderte er mit fester Stimme. „Dann müssen wir wohl so weitersuchen.”, konstatierte Mandrak. „So ist es.”, bestätigte der Schwarzhaarige.

Rasch ließen die beiden das Dorf hinter sich und folgten dem Mullumšari, bis sie nach einigen Wochen die Stadt Merānos erreichten, wo Tabrun viele Jahre lang studiert hatte. Vor der gewaltigen Stadtmauer von Merānos hielt Tabrun sein Reittier an. Mandrak sah Tabrun fragend an. „Was ist los?”, wollte er wissen, „Warum hältst du plötzlich an? Stimmt was nicht?” Aufmerksam blickte sich der Schwarzhaarige um. Mandrak tat es ihm gleich. „Momentan frage ich mich, wie wir unsere Suche am besten fortsetzen könnten.”, gestand der Ältere, „Allerdings glaube ich nicht, dass jemand von meinen Bekannten in der Stadt etwas über den Brondus-Damrajd oder die Larunos weiß.” Mandrak nickte. „Ich verstehe.”, sagte er, „Aber die Stadt hat doch einen Hafen. Dort könnten wir vielleicht auch Hilfe kriegen, wenn tatsächlich keiner von deinen Bekannten etwas darüber wissen sollte.” „Kennst du dich gut in Merānos aus?”, fragte der Hellbraunhaarige seinen Bruder, „Wenn ja, dann solltest du voranreiten und ich folge dir.” Tabrun nickte. „Ja, natürlich kenne ich mich in dieser Stadt gut aus. Immerhin habe ich hier viele Jahre lang studiert.”, sagte er und trieb sein Reittier wieder an, „Folge mir, mein Bruder. Du wirst es bestimmt nicht bereuen. Auf jeden Fall gibt es hier ein paar Leute, die ich noch aus meiner Studienzeit kenne. Das heißt, wenn sie noch hier in Merānos wohnen. Zumindest könnte jemand noch da sein, der uns weiterhelfen kann.” Es dauerte nicht lange, bis Tabrun seinen Bruder in eine schmale Seitenstraße führte. Vor einem kleinen Haus hielt er sein Kuš-Kuš an und stieg aus dem Sattel. Nach mehrmaligem Klopfen öffnete eine zierliche junge Frau die Tür und sah die beiden jungen Männer an. Als sie Tabrun Nandor wiedererkannte, begann sie zu lächeln.

„Na, wenn das mal nicht unser guter alter Streber Tabrun Nandor ist.”, sagte sie verschmitzt lächelnd, „Wir haben uns schon die ganze Zeit gefragt, wann Zātul uns wieder zusammen führen wird.” Der Schwarzhaarige sah sie fragend an. „Wir?”, echote er verdattert, während sich die junge Frau und Tabrun zur Begrüßung umarmten, „Wem meinst du denn mit ‚wir’?” Aranka Jakodos warf ihre langen schwarzen Haare zurück und begann schallend zu lachen. „Ich sehe, du hast dich jedenfalls nicht verändert.”, sagte sie amüsiert und winkte die beiden ins Haus, nachdem Tabrun ihr seinen jüngeren Bruder vorgestellt hatte, „Du bist genauso komisch drauf wie am ersten Tag, als wir uns kennen lernten. Das habe ich von Anfang an so an dir gemocht. Kommt rein. Simdu wird sich um eure beiden Tiere kümmern, sobald er zurück ist.” „Simdu?”, fragte Tabrun neugierig, als die junge Frau die beiden Brüder in das Wohnzimmer führte, „Wer ist denn Simdu?” Aranka warf dem Schwarzhaarigen einen mitleidigen Blick zu, der zusammen mit Mandrak auf dem Sofa Platz genommen hatte. „Was, du erinnerst dich nicht mehr an Simdu?”, fragte sie schmunzelnd. Tabrun dachte einen kurzen Augenblick nach, als ihm die junge Frau einen jungen Mann beschrieb, der mit ihr zusammen studiert hatte. Der Schwarzhaarige schüttelte bedauernd mit dem Kopf. „Nein, ich kann mich nicht an jemanden mit diesem Namen erinnern.”, gestand Tabrun, als Aranka ihren Gästen zwei Becher und einen Krug Wein auf den Tisch stellte, „Aber da war damals jemand gewesen, mit dem ich mich regelmäßig um dich gebuhlt habe.” Aranka nickte zufrieden und schenkte beiden ein. „Also erinnerst du dich doch noch an ihn.”, stellte sie fest. Tabrun griff nach seinem Becher und blickte sie fragend an. „Was ist denn aus meinem Rivalen geworden?”, wollte er wissen und nahm einen Schluck aus dem Becher. Die junge Frau begann zu lächeln. „Er wurde mein Mann.”, antwortete sie. Tabrun ließ verblüfft seinen Becher fallen, der auf dem Boden in zahlreiche Stücke zerbrach. „Du hast was gemacht? Du hast ihn geheiratet?”, platzte es fassungslos aus ihm heraus und sah dabei die junge Frau ungläubig an, „Aber du hattest mir doch damals erzählt, dass du ihn überhaupt nicht ausstehen konntest.” Aranka musste erneut lachen, als sie Tabruns Gesichtsausdruck sah. Der Schwarzhaarige schüttelte fassungslos mit dem Kopf, während die junge Frau einen neuen Becher vor ihn auf den Tisch stellte und ihn mit Wein füllte. „Meinst du nicht, dass du mir ein wenig erklären solltest, worüber ihr eigentlich sprecht?”, meinte Mandrak, der die ganze Zeit über geschwiegen und dem Gespräch der beiden gelauscht hatte. Gern kam Tabrun seiner Aufforderung nach und erzählte seinem Bruder detailliert, wie er Aranka Stūnan und einige Monate später Simdu Jakodos während seines Studiums in Merānos kennen gelernt und er sich in Aranka verliebt hatte, weswegen er sich ständig mit Simdu Jakodos regelmäßig um die Schwarzhaarige gebuhlt hatte. Wortlos hörte Mandrak mit ausdrucksloser Miene zu. Aranka erhob sich von ihrem Stuhl, als jemand das Haus betrat. „Das wird mein Mann sein.”, verkündete sie schmunzelnd, „Na, Simdu wird Augen machen, wenn er dich hier mit deinem jüngeren Bruder zusammen auf dem Sofa sitzen sieht.” Wenig später stand Tabruns früherer Rivale im Wohnzimmer.....

Verdutzt blickte Simdu von einem zum anderen, nachdem er Tabrun Nandor wiedererkannt hatte. Aranka begann zu lächeln, als sie den Blick ihres Mannes sah. Er sieht etwas müde aus!, dachte Tabrun, als Jakodos die beiden Brüder begrüßte. Was Simdu über das plötzliche Auftauchen seines damaligen Rivalen dachte, verriet seine Miene nicht. Nur für einen sehr kurzen Augenblick sah Tabrun in seinen Augen das kurze Aufflackern der alten Rivalität. Forschend sah er den älteren Nandor und seinen Bruder, den er bisher noch nicht kannte, an. „Was willst du hier?”, fragte er etwas schärfer als beabsichtigt. Der Schwarzhaarige stand auf. Herausfordernd sahen sich die beiden Männer an. „Wir sind gekommen, weil wir Hilfe brauchen.”, antwortete Mandrak, der sich ebenfalls erhob. „Was für Hilfe?”, wollte Simdu wissen und starrte Tabrun nach wie vor misstrauisch an. „Sie brauchen deinen Rat, Simdu.”, sagte Aranka und berührte dabei sanft ihren Mann an seinem Oberarm, „Du bist der einzigste, der Tabrun und seinen Bruder helfen kann.” Er wandte sich seiner Frau zu, während sie alle wieder Platz nahmen. „Und warum sollte ich ihnen helfen?”, meinte er abweisend, „Wir waren schon damals keine Freunde und sind es auch heute nicht.” „Trotzdem solltest du die beiden ruhig anhören.”, erwiderte Aranka beharrlich, „Lass dir von Tabrun und seinem Bruder erzählen, weshalb sie deinen Rat brauchen. Ablehnen kannst du dann immer noch. Aber ich bin mir sicher, dass du ihnen helfen kannst, denn immerhin arbeitest du in der Quelle des Wissens.” Einen kurzen Augenblick sah er zuerst seine Frau an. Anschließend blickte er die beiden Brüder an, die seinen Blick ruhig erwiderten. „Also gut.”, sagte Simdu nach einigen Momenten, „Dir zuliebe will ich mal nicht so sein, Aranka. Dann sollen sie mir jetzt mal sagen, worum es geht.” Ein leichtes Lächeln umspielte Tabruns Lippen, als er das Wort ergriff. „Eigentlich geht es nur darum, dass wir den richtigen Weg zum Brondus-Damrajd suchen, um dort nach Larunos zu suchen.”, begann er, „Wir kennen diese Pflanzenart selbst nicht, weil sie bei uns nicht gedeiht. Nur einer unserer Nachbarn aus unserem Dorf, der weit in der Welt herumgekommen ist, hat mal davon gesprochen, wie ertragreich sie sind. Die Hitze dieses Jahr hat fast unsere gesamte Ernte vernichtet. Um den Hof unseres Vaters vor dem endgültigen Ruin zu bewahren, haben wir uns auf die Suche nach diesen Larunos gemacht, ohne jedoch ganz genau zu wissen, wo man sie finden kann.” Nachdenklich zog Simdu seine Stirn in Falten. „Larunos.”, überlegte er, „Unter anderem wachsen sie auch im Brondus-Damrajd, wie du schon sagtest. Am Hafen habe ich einiges darüber gehört und in der Quelle des Wissens auch schon etwas darüber gelesen.” Fragend blickten ihn seine Frau und die beiden Brüder an. „Und kannst du den beiden helfen?”, wollte sie wissen. Er nickte. „Ich denke schon.”, antwortete Jakodos etwas unsicher, „Aber das dürfte nicht ganz einfach sein.” Fragend blickten ihn die Anwesenden an. Als die junge Frau den Blick ihres Mannes sah, stieg ein ungutes Gefühl in ihr empor. „Was soll das heißen?”, erkundigte sich Aranka nichts Gutes ahnend, „Was meinst du damit?” Seine Stimme hatte einen warnenden Unterton, als er ihr antwortete. „Wenn ihr die Larunos wirklich suchen wollt, dann hättet ihr eine sehr lange Reise vor euch.”, sagte er. „Wie lange wäre denn diese Reise?”, wollte Mandrak wissen und sah Arankas Mann erwartungsvoll an. „Nun ja.”, antwortete Simdu, „Ihr wäret schon etliche Monate unterwegs. Aber das wäre allerdings das kleinste Problem.” Fragend sahen ihn die anderen an. „Welche Schwierigkeiten gäbe es dann noch?”, fragte Tabrun. Simdus Gesichts finsterte sich weiter, als er fortfuhr. „Unter anderem müsstet ihr Gebiete bereisen, in denen, nach meinem momentanen Kenntnisstand, schon seit einigen Jahren Krieg herrscht.”, sagte er, „Ferner müsstet ihr Regionen durchqueren, die kaum erforscht sind.” Simdu machte eine kurze Pause, bevor er das größte Problem offenbarte. „Euer Weg würde zuerst übers Meer führen. Anschließend müsstet ihr einen große Wüste durchwandern und zu guter Letzt müsstet ihr noch weit in den unerforschten Brondus-Damrajd vordringen, um dort nach jenem Ort zu suchen, wo die Larunos wachsen sollen.”, fuhr er fort, „Dort sollen auch sehr gefährliche Tiere leben.” „Was für Tiere meinst du?”, hakte Aranka nach, „Was weißt du darüber?” Jakodos kratzte sich nachdenklich am Kinn. „An und für sich weiß ich leider so gut wie gar nichts, außer das, was ich früher mal in der Quelle des Wissens erfahren hatte. Das Problem ist es, dass es keine genauen Informationen über diese Tiere gibt.”, erklärte er, „Bis jetzt weiß ich nur, dass diese Viecher sehr groß und sehr gefährlich sein sollen. So wurden sie zumindest von den wenigen Leuten beschrieben, die aus dem Gebiet wieder zurückkamen und es gibt keinen Einzigen von ihnen, der sich dort noch mal hinwagen würde. Zumindest hat mir jemand das mal in der Quelle des Wissens erzählt.” Tabrun und Mandrak tauschten untereinander Blicke aus. Dann nickte der ältere von beiden. „Es ändert nichts an der Tatsache, dass wir dorthin reisen müssen, wenn wir den Hof unseres Vaters retten wollen.”, entschied Tabrun ernst, „Wir brauchen unbedingt die Saat von diesen Pflanzen.” Die Stimme des Schwarzhaarigen klang entschlossen. „Aber ihr werdet niemanden finden, der euch dorthin führen wird.”, warf Simdu ein, „Jeder, der dort einmal war, würde sich weigern, noch mal in den Brondus-Damrajd zu reisen.” „Kannst du die beiden denn nicht dorthin begleiten?”, wollte Aranka von ihrem Mann wissen, „Immerhin weißt du schon ungefähr, wo dieses Gebiet sein soll. Zumindest hast du schon einige der vielen Berichte gelesen und auch einige der Karten studiert.” Nachdenklich blickte er seine Frau an. Er nickte. „Das stimmt allerdings.”, gab er zu, „Einige Gebiete habe ich mir schon auf den Karten etwas genauer angesehen und sie mit den Berichten von jenen Leuten verglichen, die mal dort waren und später wieder zurückgekehrt waren. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es so klug wäre, dorthin zu reisen.” „Wenn du uns nicht begleiten möchtest, dann brauchst du es auch nicht.”, sagte Tabrun entschieden und stand auf, „Mandrak und ich schaffen das auch alleine.” Die Stimme des Schwarzhaarigen klang etwas schroff, als er dies sagte. Der Hellbraunhaarige erhob sich ebenfalls. Er folgte seinem Bruder, der entschlossen zur Tür schritt. Aranka warf ihren Mann einen tadelnden Blick zu, als sie ebenfalls aufstanden. „Du kannst sie doch so einfach im Stich lassen.”, flüsterte sie ihm protestierend zu, „Du musst ihnen helfen, auch wenn Tabrun nicht dein Freund ist. Aber er ist mein Freund und deshalb tu es mir zuliebe.” „Na schön.”, gab Simdu nach, „Also, wenn du darauf bestehst, werde ich sie begleiten.” Dankbar umarmte Aranka ihren Mann, der die beiden Brüder zurückrief. Mandrak und Tabrun blieben direkt vor der Haustür stehen und wandten sich im Flur zu Simdu um. Fragend sahen ihn die beiden an. „Wenn ihr nichts dagegen habt, werde ich Euch auf dieser Reise begleiten und helfen, wenn ich kann.”, sagte er mit fester Stimme, „Ich war zwar noch nie dort gewesen, aber ich kenne zumindest die Gebiete, die wir bereisen werden, zumindest von den Karten und Berichten her.” Verdutzt tauschten Mandrak und Tabrun untereinander überraschte Blicke aus. Verschwörerisch zwinkerte Aranka, die hinter ihren Mann stand, den beiden zu.

Tabrun und Mandrak blieben noch einige Tage bei Aranka und Simdu. In dieser Zeit bereiteten sie gemeinsam die Expedition vor und kauften nach und nach die erforderliche Ausrüstung zusammen. Als die Reisevorbereitungen abgeschlossen waren, verabschiedeten sich die drei Männer von Aranka. „Nutze die Zeit um die Rivalitäten mit Tabrun zu beseitigen.”, bat sie Simdu eindringlich und umarmte ihn zum Abschied, „Es würde mir unheimlich viel bedeuten, wenn ihr beiden doch noch Freunde werden könntet.” Der Blonde nickte. „Also gut, Liebes.”, sagte er leise und sah ihr dabei tief in die Augen, „Ich werde versuchen, deinen Wunsch zu erfüllen.” Die Schwarzhaarige begann zu lächeln. „Ich danke dir.”, sagte sie, „Ich bin mir sicher, du wirst es nicht bereuen.” Wenig später brachen die drei Männer auf. Als erstes führte Simdu die beiden Brüder zum Hafen von Merānos, wo Arankas Mann bereits vor einigen Tagen die Überfahrt bezahlt hatte. Das Schiff stach am frühen Nachmittag in See.

Nachdenklich beobachteten die drei Männer, wie sich das Schiff mit ihnen an Bord immer weiter von Festland entfernte. Erst als das Land, und damit auch die Hafenstadt Merānos, zu einem schmalen Strich am Horizont zusammenschmolz, wurde ihnen klar, dass für sie eine neue Etappe ihres Abenteuers begann.

 

Abschließende Hinweise:

keine

Auf Scoutsuche

von aroessler2003

 

Die Überfahrt dauerte mehrere Wochen. Als sich am Horizont ein Sturm zusammenbraute, befahl der Kapitän des Schiffes den Kurs zu ändern, um dem Sturm zu entgehen. Er wollte weder sein Schiff noch die Leute an Bord gefährden. Als nach endlosen Tagen auf See endlich Land wieder in Sicht kam, atmeten die Mannschaftsmitglieder des Schiffes erleichtert auf. Auch Simdu, Tabrun und Mandrak waren froh, als sie in Melīnos an Land gehen konnten. Melīnos war die größte Handelsmetropole und zugleich die Hauptstadt des aldoranischen Imperiums. Interessiert und zutiefst beeindruckt ließen Tabrun und Mandrak ihren Blick durch das Hafenviertel schweifen. Sie sahen die großen Mengen an Handelswaren, die von den Schiffen ausgeladen wurden. Zahlreiche Befehle in verschiedenen Sprachen wurden erteilt, die von den Angesprochenen sorgfältig ausgeführt wurden. Der Geruch des salzigen Meeres vermengte sich mit den zum Teil sehr würzigen Gerüchen der verschiedensten Obst- und Gemüsesorten, die kistenweise ausgeladen wurden. Weitere Gerüche stammten von den Tieren, die aus den Schiffen geführt wurden. Deutlich hörten die drei Männer die Rufe der Leute, die mühselig versuchten ihre Tiere in der fremden Umgebung ruhig zu halten.

Nach einigen Minuten führte Simdu die beiden Brüder aus der Hafengegend heraus in die Innenstadt. Wortlos folgten ihm die beiden Brüder. Vor einem kleinen Gasthaus blieb er stehen und wandte sich zu seinen beiden Begleitern um. „Wartet hier auf mich.”, sagte er, „Ich will mal sehen, ob wir hier für diese Nacht ein Zimmer bekommen könnten.” Kurz darauf betrat Simdu das Gasthaus. Gerüche von verschiedenen Speisen und alkoholischen Getränken wehte den beiden Wartenden entgegen, als Simdu die Tür öffnete und eintrat. Lautes Stimmengewirr, das Tabrun und Mandrak ebenfalls entgegenschwappte, verebbte schnell wieder, als die Tür wieder ins Schloss fiel.

In dem Wirthaus bahnte sich Simdu zwischen den zahlreichen Gästen hindurch einen Weg direkt an die Theke. Fragend blickte ihn der Wirt an, als der Blonde vor ihm stehen blieb. „Guten Abend.”, begrüßte er den neuen Gast, „Was kann ich für Euch tun?” „Habt Ihr vielleicht noch ein oder zwei Zimmer für mich und meine beiden Begleiter für heute Nacht frei?”, erkundigte sich Simdu auf Aldoranisch. Die Augenbrauen des Wirts kletterten in die Höhe und der kahlköpfige Mann sah den Blonden interessiert an, als er den fremden Akzent des Neuankömmlings vernommen hatte. „Ja, wir haben noch Zimmer frei.”, antwortete dieser im gewohnten Geschäftston, „Wenn Ihr hier zur Nacht bleiben wollt, müsst Ihr zehn Jüntakus pro Nacht und pro Person im Voraus bezahlen. Speisen und Getränke gehen allerdings extra.” Simdu begann zu lächeln. „Fünf Jüntakus pro Nacht für drei Personen.”, begann der Blonde zu feilschen. „Aber edler Herr!”, rief der Wirt mit gespieltem Entsetzen, „Ihr bringt mich an dem Bettelstab, wenn ich das zuließe! Ich habe eine Familie, die ich ernähren muss, edler Herr. Für acht Jüntakus pro Person könnt Ihr für die Nacht hier bleiben.” Simdu zog die Stirn in Falten. Lächelnd hielt im der Wirt seine schwielige Hand zum Einschlag hin, doch der neue Gast schüttelte erneut mit dem Kopf. „Nein, dann macht Ihr uns arm.”, erwiderte Arankas Mann gelassen, „Dann müssen wir uns wohl eine andere Möglichkeit zum Übernachten suchen. Möge Zātul über Euch und Eure Geschäfte wachen.” Simdu wandte sich um und ging zur Tür. Rasch eilte ihm der Wirt hinterher. „Bei Zātul! Für sechs Jüntakus pro Person für eine Nacht mit Abendbrot und Frühstück.”, rief der kahlköpfige Mann dem Blonden hinterher, „Das ist mein letztes Angebot.” Simdu blieb stehen und begann zu lächeln, als er sich wieder zu dem Wirt umwandte. „Für sechs Jüntakus pro Person für eine Nacht mit Abendbrot und Frühstück?”, fragte Simdu, „Ist das wirklich Euer letztes Angebot?” Der Kahlköpfige nickte. „Ja, genauso ist es.”, antwortete der Wirt und blickte dem blonden Mann offen ins Gesicht, „Ihr werdet nirgendwo in dieser Stadt bessere Zimmer bekommen als hier, edler Herr. Meine Mägde reinigen die Zimmer täglich.” Simdu trat einen kleinen Schritt auf dem Wirt zu. „Also gut.”, entschied Simdu ein wenig amüsiert, „Wir nehmen Euer Angebot an, obwohl Ihr uns dabei arm macht.” „Aber edler Herr!”, versicherte der Wirt, „Es sind die besten Zimmer, die Ihr in ganz Melīnos bekommen könnt.” Wenig später wurde der Handel von beiden durch den Handschlag besiegelt.

Kurz darauf trat Simdu vor die Tür und forderte die beiden Brüder auf, ihm zu folgen. Arankas Mann führte die beiden zu einem kleinen Tisch und nahm dort Platz. Sowohl Tabrun und Mandrak taten es ihm gleich und setzten sich ebenfalls. „Und wie sieht es aus?”, wollte Tabrun wissen, als der Wirt den drei Männern jeweils einen Krug Wein auf dem Tisch abstellte. „Wie soll’s denn aussehen?”, antwortete Simdu trocken und deutete dabei auf dem kahlköpfigen Mann, „Ich habe für uns bei diesem gerissenen Mivuku zwei Zimmer genommen.” Das Lächeln des Wirts wurde breiter, als er antwortete. „Ich habe nur sehr selten Gäste aus Übersee, die in unserer Zunge so geschickt mit mir feilschen können.”, gestand der Wirt, „Da konnte ich doch nicht ablehnen.” „Woher wisst Ihr, dass wir aus Übersee sind?”, erkundigte sich Mandrak, nachdem Simdu übersetzt hatte. „Ich sah es bereits an der Kleidung und hörte es auch gleich an seinem Akzent, als er mich nach freien Zimmern fragte.”, antwortete der Wirt und wies mit seiner schwieligen Hand auf den blonden Mann, „Nur woher Ihr genau seid, konnte ich aber nicht raushören. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich schon einmal vor etlichen Jahren einen Gast hatte, der Eure Zunge sprach und auch Kleidung trug, die der eurigen sehr ähnlich war. Wenn ich mich recht entsinne, hieß der Fremde Gamdu Mālak und stammte aus einem Dorf namens Kamušolva.” Simdu nickte, worauf ihn der Wirt fragend ansah. „Ich sehe, Ihr kennt diesen Mann.”, konstatierte der Kahlköpfige. Jakodos verneinte. „Nein.”, antwortete Arankas Mann, „Diesen Mann kenne ich zwar nicht, aber mir ist das Dorf bekannt, von dem Ihr gesprochen habt. Es liegt nur wenige hundert Duks südlich von Merānos entfernt. Dort werden zurzeit die besten Mivukus gezüchtet.” „Demzufolge sprecht Ihr ebenfalls Ulanisch als Muttersprache.”, stellte der Wirt fest. „Gefällt Euch der Klang unserer Zunge?”, wollte Tabrun durch Simdus Übersetzung wissen. Der Kahlköpfige nickte. „Ja, sie klingt genauso schön wie unser Aldoranisch.”, gestand Alānos Kimbraš, „Bedauerlicherweise habe ich sie nie gelernt.”

Das laute Stimmengewirr erstarb plötzlich, als vier Fremde in Uniform und schwer bewaffnet das Gasthaus betraten. Der Größte von ihnen ließ langsam sein Blick durch den Raum schweifen. Als er einen freien Tisch in einer Ecke des Raumes erblickte, gab er seinen Begleitern einen Wink ihm zu folgen. Laut hallten ihre Schritte durch den Raum. Kurz darauf nahmen sie an dem Tisch Platz. „Was ist das für ein Service hier?”, brüllte der Graumelierte ungeduldig, „Wo steckt denn der Wirt schon wieder?” Rasch war Alānos von seinem Stuhl bei seinem ulanischen Gästen aufgestanden und eilte wieselflink zu den Neuankömmlingen. „Ich bin hier, edler Herr.”, antwortete er und blickte dabei von einem zu anderen Uniformierten, „Was kann ich Euch bringen?” Der Hüne begann süffisant zu grinsen. „Wie wär’s denn mit deiner Frau?”, fragte der Graumelierte in Uniform, während seine Begleiter zu lachen anfingen, „Oder noch besser ist es, wenn du uns deine Tochter bringen könntest.” Erschrocken zuckte Kimbraš zusammen, als er die Worte des Fremden vernahm. „Aber, edle Herren!”, protestierte er entsetzt, „Unser Gasthaus ist ein anständiges Haus. Wenn Ihr Zerstreuung sucht, dann solltest Ihr lieber Euer Glück woanders versuchen.” Der Kleinste in Uniform schoss von seinem Stuhl hoch und zog ein scharfes Messer, das er Alānos drohend an dem Hals hielt. „Soll das etwa heißen, dass du uns deine Gastfreundschaft verweigerst, Wirt?”, zischte der Rothaarige. Alānos Kimbraš schluckte. Der Graumelierte blickte den Rothaarigen an. „Steck gefälligst das Messer wieder ein.”, befahl er, „Wir wollen das mal nicht übertreiben. Sonst kriegen die anderen Gäste noch Angst und laufen möglicherweise noch unseretwegen davon. Der gute Mann soll uns lieber ein Bier bringen. Wenn du ihn umbringst, gehen wir leer aus.” Rasch ließ der Angesprochene seine Waffe wieder in seinem Gürtel verschwinden. Schnell entfernte sich der Wirt von seinen neuen Gästen und brachte ihnen nach wenigen Minuten das gewünschte Bier. Als er vor ihnen die Krüge abstellte, legte der Graumelierte ein paar Münzen auf dem Tisch. Dann gab er dem Wirt ein Zeichen, sich von dem Tisch wieder zu entfernen.

Kurz darauf kehrte Kimbraš zu seinen ulanischen Gästen zurück, die das ganze Schauspiel von ihrem Tisch aus beobachtet hatten. Fragend sahen ihn die Ulani an. „Was sind das denn für Herrschaften?”, wollte Simdu wissen. Der Wirt machte eine abwehrende Handbewegung. „Das sind Soldaten der imperialen Garde unseres Königs.”, antwortete Alānos, „Die kommen in regelmäßigen Abständen her, um in meinen Weinkrügen zu vergessen.” „Sind die immer so ruppig zu Euch?”, wollte Mandrak durch die Übersetzung Simdus wissen, „Ich fand, dass sie eben gerade sehr unfreundlich zu Euch waren. Zumindest klang das für mich so.” Der Wirt schüttelte energisch mit dem Kopf. „Nein, da liegt Ihr im Irrtum, edler Herr.”, erwiderte der Kahlköpfige mit einem leicht tadelnden Klang in seiner Stimme, „Diese Art ist typisch für die Soldaten der imperialen Garde. Allerdings sollte man vorsichtig sein, wenn man mit ihnen nicht aneinander geraten möchte. Sie sind sehr streitbare Leute. Besonders unangenehm wird es dann immer, wenn sie andere Gäste, die dem König nicht in seiner Armee dienen, zu ihrem Gelage einladen und das Ganze in einem Wetttrinken ausartet. Meistens endet das in einer Schlägerei, weil niemand alles alleine bezahlen will.” „Ist das schon oft vorgekommen?”, fragte Simdu. Der Wirt verzog leidvoll das Gesicht. „Leider kam das schon viel zu oft vor.”, gestand er, „Und jedes Mal ging dabei fast immer die gesamte Raumausstattung zu Bruch. Viermal habe ich schon angehörige Soldaten der imperialen Garde aus meinen Haus schmeißen lassen.” „Und das hatte bestimmt das eine und andere Mal Folgen gehabt.”, konstatierte Tabrun. Der Wirt pflichtete ihm bei. „Ja, das stimmt.”, antwortete Alānos, „Einer von ihnen hatte deswegen einmal versucht, mich umzubringen. Aber das ist eine Geschichte, über die ich nicht gern reden möchte.” Simdu lehnte sich in seinem Stuhl etwas zurück und atmete tief durch. „Das ist verständlich.”, sagte er, „Am besten wechseln wir das Thema. Wir könnten zum Beispiel Euren Rat gut gebrauchen.” Fragend blickte der Kahlköpfige seine ulanischen Gäste an.

„Sprecht.”, sagte Alānos interessiert, „Vielleicht kann ich Euch helfen.” Simdus Miene wurde sehr ernst, als er antwortete. „Wir wollen eine Expedition zum Brondus-Damrajd machen und suchen noch jemanden, der uns dorthin führen könnte. Am besten wäre es, wenn derjenige die erforderlichen Zungen jener Gebiete beherrschen würde, die wir dabei durchqueren müssten.”, sagte der blonde Ulani. Kimbraš zog grübelnd seine Stirn in Falten. „Brondus-Damrajd.”, wiederholte er nachdenklich, „Das soll ein sehr gefährliches Gebiet im oskonischen Kaiserreich sein, habe ich gehört. Was wollt Ihr dort?” „Wir suchen nach Larunos.”, gestand Arankas Mann, „Meine beiden Begleiter brauchen das Saatgut von diesen Pflanzen, um den Hof ihres Vaters vor dem endgültigen Ruin zu bewahren.” Der Wirt nickte verständnisvoll. „Euer Beweggrund ist sehr edel.”, antwortete der Wirt mit Bewunderung in seiner Stimme und fuhr gleich mit einem warnenden Unterton in seiner Stimme fort, „Momentan ist es nicht sehr ratsam, in das oskonische Kaiserreich einzureisen.” „Warum nicht?”, erkundigte sich Tabrun, nachdem Simdu übersetzt hatte. „Das ist ganz einfach, edle Herren.”, erklärte der Wirt, „Im oskonischen Kaiserreich herrscht zurzeit Bürgerkrieg. Der alte Kaiser ist schon seit Wochen schwer krank und liegt im Sterben. Seine beiden Söhne, Paludīn und Gēzul, kämpfen bereits um den Thron und damit um die Herrschaft über das gesamte Reich.” „Das hört sich nicht gut an.”, meinte Tabrun, nachdem Simdu die Aussage des Wirtes ins Ulanische übersetzt hatte, „Aber wir müssen trotzdem dorthin, wenn wir den Hof meiner beiden Begleiter retten wollen.” „Das ist der Grund, warum Ihr hier niemanden findet werdet, der bereit sein wird, Euch nach Brondus-Damrajd zu führen.”, erwiderte der Kahlköpfige, „Vielleicht ist es besser, wenn Ihr nach Osandušolva weiterreisen würdet. Dort werdet Ihr eher einen Führer oskonischen Blutes finden, der Euch sicher durch das Land bringen kann, wenn er selbst neutral ist.” Tabrun stieß nach Simdus Übersetzung einen Seufzer aus. „Es bleibt dabei.”, sagte der Schwarzhaarige entschieden, „Wir werden trotzdem unsere Expedition dorthin fortsetzen. Wir sind nicht hierher gekommen, um dann aufzugeben, wenn es etwas kniffelig wird. Wir müssen Vaters Hof retten und nichts wird uns davon abhalten. Auch kein Bürgerkrieg im oskonischen Kaiserreich.” Mit diesen Worten erhob sich Tabrun von seinen Stuhl und legte ein paar Münzen vor dem Wirt auf den Tisch. „Es wird Zeit das Nachtlager aufzusuchen.”, fügte er hinzu, nachdem Simdu übersetzt hatte, „Wir sollten etwas ausgeruht sein, wenn wir Morgen früh unsere Reise fortsetzen wollen.” Mandrak und Arankas Mann standen ebenfalls auf, nachdem sie ihre Getränke bezahlt hatten. Ein wenig nachdenklich sah Alānos Kimbraš den drei ulanischen Männern nach, die bereits die Treppe in den ersten Stock emporstiegen. Nachdem sie aus seinem Blickfeld verschwanden, steckte sich der Wirt rasch das Geld ein und kehrte mit den leeren Weinkrügen in seinen Händen wieder zu seiner Theke zurück.

Als die Sonne aufging, verließen sie gemeinsam das Gasthaus, in dem sie die letzte Nacht verbracht hatten. Sofort führte sie eine junge Magd, wie es ihr Alānos Kimbraš aufgetragen hatte, zu dem besten Kojn-Kojn-Händler der Stadt. Ausgiebig begutachteten sie gemeinsam mehrere Reittiere, die sie für ihre Expedition brauchten. Zu guter Letzt entschieden sich Tabrun, Mandrak und Simdu für fünf sehr kräftige Tiere, die ihnen von Anfang an gut gefielen. „Wohlan, Zātul ist wohl mit Euch, Fremde!”, sagte der Händler auf Aldoranisch mit einem starken bungäischen Akzent zufrieden lächelnd, als Simdu für die Tiere bezahlte, „Ihr habt Euch für sehr gute Reittiere entschieden, edle Herren! Es sind die besten, die ich habe. Sie werden Euch treue Dienste leisten.” Rasch luden Tabrun, Mandrak und Simdu ihre Ausrüstung für die Expedition auf zwei der Kojn-Kojns, die ruhig stehen blieben. Zwischendurch gaben die Tiere Laut von sich und schnaubten. Anschließend stiegen die drei Ulani in ihre Sättel und verließen auf ihren neuerworbenen Kojn-Kojns die aldoranische Handelmetropole Melīnos.

Es vergingen viele Tage, bis sie bei Anbruch der Nacht das Dorf Osandušolva am Pelkošari erreichten. Dort angekommen hielt Simdu sofort nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau. Es dauerte nicht lange, bis sie eine kleine Taverne mit Übernachtungsmöglichkeiten entdeckten. Dort erkundigte sich Simdu auf Aldoranisch bei der Wirtin, wo man in dem Dorf am besten jemand finden kann, der bereit wäre, für die Expedition in seine Dienste zu treten. Nachdenklich sah ihn die alte Frau an. „Ich glaube, am besten wäre es, wenn Ihr mal Pelto Gōlad fragt.“, antwortete sie mit kratziger Stimme, „Der war schon bei einigen Expeditionen dabei gewesen und ist auch mit einigen anderen Zungen vertraut.” „Und wo finden wir diesen Pelto Gōlad?”, erkundigte sich Arankas Mann weiter, „Ist er denn zuverlässig?” Die Alte gab ein abfälliges Schnauben von sich. „Ich weiß nicht, ob er zuverlässig ist.”, sagte sie etwas genervt, „Bis jetzt hat sich noch nie jemand über seine Arbeit beklagt.” Forschend blickte Jakodos die Wirtin an. „Wie gut kennt Ihr diesen Pelto?”, erkundigte sich der Blonde. Die Frau begann schallend an zu lachen. „Wollt Ihr wirklich wissen, wie gut ich ihn kenne?”, platzte es aus ihr heraus, „Er war weit und breit der beste Feldjunge, der meinem Vater auf dem Land jemals gedient hat.” Simdu nickte. „Also gut.”, sagte er entschieden, „Dann lasst nach ihm schicken.” Sofort wandte sich die Alte um und brüllte durch das ganze Haus. „Pelto, du alter Schlawiner!”, rief sie so laut, dass sich die drei Ulani die Ohren zuhalten mussten, um nicht taub zu werden, „Wo steckst du denn schon wieder? Komm gefälligst her, denn es gibt wieder jede Menge Arbeit für dich!” Bei Zātul!, dachte Tabrun, Die brüllt ja noch lauter, als alle Götter in ihrem Zorn gemeinsam brüllen würden! Wenig später knarrten bereits die ersten Stufen der alten Holztreppe und eine hagere Gestalt mit einem griesgrämigen Gesichtsausdruck tauchte aus dem Keller auf. Er war graumeliert und trug einen Vollbart, der ihm bereits bis zum Solarplexus reichte. Dicht vor den Neuankömmlingen blieb Pelto stehen und musterte die drei Fremden mit gelassenen Blicken. Rasch erzählte sie dem ehemaligen Feldjungen ihres Vaters, was sie von ihm wollte. Als sie sagte, dass die drei Männer aus Übersee jemanden suchten, den sie für ihre Expedition als Führer in ihre Dienste stellen wollten, begann es in seinen Augen zu glitzern. Sofort war sein Interesse erwacht. „Wohin soll denn die Expedition gehen, edle Herren?”, wollte er mit sonorer Stimme wissen. „Wir wollen nach Brondus-Damrajd.”, antwortete Arankas Mann wahrheitsgemäß, „Wir wollen dort nach Larunos suchen.” „Brondus-Damrajd.”, wiederholte Pelto nachdenklich, „Das liegt mitten im oskonischen Kaiserreich. Ich bin zwar noch nie dort gewesen, aber das klingt interessant. Das könnte bestimmt eine interessante Reise werden, wenn ich euch dorthin begleiten würde.” Dann blickte er die drei Ulani herausfordernd an. In seinem Blick erkannten Tabrun, Mandrak und auch Simdu Entschlossenheit und Abenteuerlust. „Also gut.”, fuhr Gōlad fort, „Ich bin dabei.” Es dauerte nicht lange, bis Pelto mit seinen neuen Arbeitgebern über seinen Lohn verhandelt hatte. Zufrieden schlugen Arankas Mann und der hagere Mann mit seiner sehnigen Hand ein. „Möge Zātul diesen Handel seinen Segen geben.”, sagte der graumelierte Alte mit glänzenden Augen feierlich.

Noch am selben Tag besprachen sie gemeinsam, wie sie am besten zum Brondus-Damrajd gelangen konnten. „Ich kenne einen guten Weg, von dem man mir einst mal berichtet hatte. Der führt von hier aus direkt durch das bungäische Fürstentum und setzt sich anschließend durch den östlichen Teil des oskonischen Kaiserreichs fort.”, erklärte der Alte und sein Blick verfinsterte sich, als er fortfuhr, „Aber wegen des Bürgerkrieges ist der kürzeste Weg zum Brondus-Damrajd auch der gefährlichste, denn zurzeit sind dort sehr viele Patrouillen beider verfeindeten Parteien auf den zahlreichen Straßen und Wegen des Imperiums unterwegs. Es vergeht kein Tag, an dem nicht jemand auf offener Straße überfallen, ausgeraubt oder gar getötet wird, nur weil derjenige auf der Seite des Gegners steht.” Die beiden ulanischen Brüder tauschten untereinander vielsagende Blickte aus, nachdem Simdu die Aussage des Alten für sie übersetzte. Was Pelto ihnen erzählte, gefiel weder Tabrun noch Mandrak. Auch Simdu gefiel es nicht, was er seinen beiden Begleitern übersetzen musste. „Das klingt nicht gerade nach einem Spaziergang.”, stellte Tabrun fest. Fragend sah Pelto den blonden Ulani an, der sofort übersetzte. „Macht Euch darüber keine Gedanken.”, erwiderte der Graumelierte versichernd, „Es gibt auch noch andere Wege, die uns zum Brondus-Damrajd führen. Wenn wir stets daran denken, dass dort Krieg herrscht, werden wir da schon irgendwie durchkommen. Solange wir den oskonischen Soldaten aus dem Weg gehen, wird uns schon nichts passieren.”

„Möge Euer Wort bei den Göttern Gehör finden.”, seufzte Jakodos voller Skepsis, „Ich hoffe, dass Ihr Recht habt.” Pelto hob beschwörend die Hände. „Wie ich schon sagte, solange wir uns unauffällig verhalten, wird uns nichts geschehen, edle Herren.”, versicherte er erneut seinen neuen Arbeitgebern in einem sehr ruhigen Ton, „Fazilāna wird schon schützend ihre mächtige Hand über uns halten und uns alle Widrigkeiten vom Hals halten. Wir können also getrost unsere Expedition durchführen. Falls dennoch etwas sein sollte, werden wir auch dort zurechtkommen, denn ich beherrsche die oskonische Zunge genauso gut wie die aldoranische und bungäische. Ferner bin ich auch ein wenig mit der ulanischen Zunge vertraut, aber bei weitem nicht so gut wie mit den anderen, da ich nur sehr selten Gelegenheiten dazu hatte, sie zu benutzen. Deshalb verzeiht mir, wenn ich doch mehr auf Aldoranisch statt auf Ulanisch mit Euch sprechen werde. Aber ich werde versuchen, möglichst viel von Eurer Zunge während dieser Expedition zu lernen, edle Herren.”

Noch am gleichen Tag traf Pelto alle Vorbereitungen, um selber an der Expedition seiner ulanischen Arbeitgeber teilnehmen zu können. Einige Zeit später brachen sie gemeinsam auf und Pelto führte die Expedition mit ihren Teilnehmern sicher durch das aldoranische Tiefland, bis sie nach mehreren Tagen die aldoranisch-bungäische Staatsgrenze erreichten. Rasch erledigte Pelto an der Grenze die Formalitäten. Anschließend konnten sie ungehindert ihre Reise fortsetzen. Unterwegs berichtete der Alte Arankas Mann von seinen bisherigen Expeditionen, an denen er schon teilgenommen hatte. Während Gōlad seine Begleiter über die Sitten und Bräuche der Bungäer und Oskonier aufklärte, übersetzte Simdu fast simultan Tabrun und Mandrak die Worte des alten Mannes. Aufmerksam und schweigend hörten sie zu. Gelegentlich unterbrachen die Ulani Pelto, wenn sie Fragen hatten. Ansonsten schwiegen sie die ganze Zeit über, während der Alte fortfuhr, seine neuen Arbeitgeber weiterhin über das Land und seine Einwohner zu informieren. Am dritten Tag erreichten sie am frühen Abend das Ufer des Gumlušari.

„Ich denke, wir sollten diese Nacht hier unser Nachtlager aufschlagen.”, schlug der Alte vor und schwang sich dabei aus dem Sattel seines Kojn-Kojns. Nachdenklich und die Stirn in Falten ziehend blickte der Alte über das Wasser hinüber auf die andere Seite des Stromes. „Ich glaube nicht mehr, dass der Fuhrmann heute Nacht noch mal auf diese Seite des Flusses zurückkommen wird.”, fuhr er fort, „Sein Boot befindet sich auf der anderen Seite des Gumlušari und es scheint verlassen zu sein.” Tabrun, Mandrak und auch Simdu stiegen ebenfalls ab und traten zu Gōlad an das Ufer des Flusses. Der Sand knirschte unter ihren Schuhen. Deutlich konnten sie das scheinbar herrenlose Gefährt des Fuhrmanns auf der andere Seite erkennen, das an einem Steg angebunden war und im seichten Wasser vor sich hindümpelte. „Vielleicht habt Ihr Recht.”, erwiderte Simdu nachdenklich stirnrunzelnd, „Zumindest sieht es momentan danach aus, dass wir tatsächlich die Nacht noch auf dieser Seite des Stromes verbringen müssen.”

Rasch kehrten die Männer zu ihren Reittieren zurück und führten sie etwas von dem Flussufer fort. Wenig später entfachten sie in der unmittelbaren Nähe eines Haines ein kleines Lagerfeuer und stärkten sich mit ihrem Proviant, den sie bei sich hatten. Während des Essens erkundigte sich Tabrun, über welchem Weg Pelto die Ulani zum Brondus-Damrajd führen wollte. Der Alte nickte, als er die Übersetzung von Simdu hörte. Er begann zu lächeln.

„Die edlen Herren mögen sich darüber keine Sorgen machen.”, sagte er in einem beruhigenden Tonfall, „Der gute alte Pelto wird Euch auf ruhigen Straßen führen, weil wir auf keinen Fall fliegen werden. Deshalb werden wir auch auf keine Soldaten treffen, weder oskonische noch bungäische oder andere. Sobald wir den Fluss überquert haben, werden wir auf der anderen Seite dem Gumlušari folgen. Er führt uns durch das bungäische Fürstentum direkt an den östlichen Rand des Brondus-Damrajd im oskonischen Kaiserreich. Dabei werden wir, sofern es möglich ist, alle oskonischen Städte und Dörfer am Fluss meiden. Nur wenn es absolut erforderlich ist, werden wir in den einen oder anderen Ort gehen, um dort alles Notwendige zu besorgen, was wir unter Umständen noch brauchen werden. So gehen wir den oskonischen Soldaten aus dem Weg und damit auch jeden unnötigen Ärger, der bei Begegnungen mit ihnen entstehen könnte. Meine edle Herren können also unbesorgt sein.” Nachdem Simdu wieder übersetzt hatte, blickten sich die beiden Brüder an. „Irgendwie beruhigt mich das keineswegs.”, sagte Tabrun leise auf Ulanisch zu Mandrak, der daraufhin mit dem Kopf nickte. „Geht mir genauso.”, pflichtete er seinem Bruder bei und nahm dabei einen kräftigen Schluck Wasser aus seinem Schlauch. „Trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass wir uns bald aufs Ohr legen sollten, damit wir morgen früh wieder fit sind.”, meinte Arankas Mann. „Wer übernimmt die erste Wache?”, fragte der Hellbraunhaarige in die Runde. Jakodos hob seine linke Hand. „Wenn niemand Einwände hat, werde ich die erste Wache übernehmen.”, schlug Simdu vor, „Danach kommt Pelto dran und zum Schluss ihr beiden.” Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Wenig später legten sich die beiden Söhne von Gūrad Nandor und auch Gōlad zum Schlafen hin, während der blonde Ulani die erste Wache übernahm.

Innerhalb von weniger Wochen durchquerten sie unter Peltos kompetenter Führung das kleine bungäische Fürstentum. Es war eine ruhige Reise und der Alte nutzte die Gelegenheit, um von seinen neuen Arbeitsherren deren Muttersprache zu lernen. Alle drei Ulani waren angenehm überrascht, wie schnell er von ihnen die ersten Worte und Sätze auf Ulanisch lernte. „Bei Zātul! Ihr seid ein hochbegabter Mann, denn Ihr lernt unsere Zunge sehr schnell.”, konstatierte Simdu nach einigen Tagen, „Die Götter haben Euch mit viel Klugheit gesegnet.” Der Alte begann zu lächeln. „Die edlen Herren aus Übersee sind zu gütig.”, antwortete Gōlad bescheiden mit sanfter Stimme, „Wenn es Zātuls Wille ist, dass ich eine weitere Zunge lernen soll, so werde ich es mit Freuden tun. Nur die Götter wissen, wann und warum ich sie lernen muss. Ich bin nur ihr Werkzeug und diene ihnen.” „Nichtsdestotrotz seid Ihr ein kluger Mann.”, insistierte der Blonde bewundernd, „Mit Euch haben wir den richtigen Tegoš für unsere Expedition gefunden. Ihr seid klug und schreckt auch nicht vor dem Unbekannten zurück, denn Ihr geht furchtlos dahin, wohin Euch die Götter führen.”

„Außerdem ist es nie verkehrt, wenn ich auch Anweisungen und Warnungen von Euren beiden Begleitern verstehen kann. Eines Tages seid Ihr vielleicht mal nicht in meiner Nähe, um mir zu übersetzen. Dann muss ich aber reagieren und das Richtige tun können, wenn sie mir in ihrer Zunge Befehle erteilen.”, erklärte der Alte sachlich, „Unter Umständen kann dadurch das eine oder andere Unglück verhindert werden, wenn es Zātuls Wille ist.” Arankas Mann begann zu grinsen. „Da habt Ihr Recht, Tegoš Pelto.”, pflichtete Simdu dem Alten bei, „Ich sehe, dass Ihr für unsere Expedition wahrlich eine Bereicherung sein werdet.” Der Graumelierte machte ein leichte Verbeugung vor Arankas Mann. „Ihr seid zu gütig, edler Herr.”, sagte Gōlad ergeben, „Ihr werdet Eure Wahl nicht bereuen, denn ich bin immer meinem Herrn treu ergeben. Das schwöre ich bei Faruls Schmiedehammer!” Simdu hob beschwichtigend die Hände. „Ihr braucht uns nichts zu schwören, Pelto.”, erwiderte der blonde Ulani mit starkem Akzent auf Aldoranisch, „Die Götter wissen, warum sie uns Euch als unseren Tegoš gesandt haben.” Schweigend setzten die drei Ulani zusammen mit Pelto ihren Weg am Gumlušari entlang fort. Am späten Nachmittag erreichten sie die bungäisch-oskonische Grenze.

Erst am nächsten Tag überquerten sie jene gemeinsame Staatsgrenze, die das bungäische Fürstentum vom oskonischen Kaiserreich trennte. Zielsicher führte der Alte seine ulanischen Arbeitsherren auf abgelegenen Straßen und Wegen durch das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land. Nur sehr selten bekamen sie Einheimische zu sehen, die sich rasch versteckten, sobald sie die Mitglieder der Expedition entdeckten. Zahlreiche Felder lagen brach. Oftmals wirkten die vereinzelten Häuser und Siedlungen, auf die sie stießen, verlassen. Andere Häuser waren nur noch ausgebrannte Ruinen. Aber Pelto versicherte seinen neuen Arbeitsherren immer wieder, dass der Schein trog.

„Meistens kehren die Anwohner in ihre Siedlungen und Häuser zurück, wenn sie sicher sind, dass wir für sie keine Gefahr darstellen und weiterreisen, ohne uns um sie zu kümmern, was auch nicht ratsam wäre.”, erklärte der Alte sachlich. „Warum wäre das nicht ratsam?”, wollte Tabrun wissen, „Sind die denn nicht für jede mögliche Hilfe dankbar, die sie vielleicht bekommen könnten?” Der aldoranische Tegoš schüttelte energisch mit dem Kopf. „Nein. Sie sind viel zu misstrauisch.”, antwortete Pelto, „Sie sind zu oft verraten worden, denn wer auf wessen Seite steht, kann man nur extrem selten erkennen und das dauert meisten schon einige Tage oder gar Wochen.” „Und wenn sie einen Verräter entdeckt haben, dann war es wohl meisten schon zu spät.”, ergänzte Mandrak, „Denn der dürfte dann schon oftmals wieder zu seinen eigenen Leute und später mit Verstärkung zurückgekehrt sein, um sie dann alle umbringen zu lassen, die auf der falschen Seite stehen.” Simdu stieß einen Seufzer aus. „Na, dann können wir nur hoffen, dass wir niemals mit ihnen in Berührung kommen werden.”, sagte der Blonde, „Denn ich möchte nicht, dass wir in diesen Krieg mit hineingezogen werden. Schließlich sind wir hier keine Einheimischen sondern Fremde.” Gōlad nickte. „Deshalb führe ich uns ja auch auf Umwege zum Brondus-Damrajd.”, erwiderte er gelassen, „Solange wir auf keine oskonische Soldaten treffen, ist es gut für uns alle. Sobald wir ihnen in die Hände fallen, dann Gnade uns Zātul! Dann sind wir endgültig verloren.”

„Aber, ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass nicht alle Oskonier so sind.”, fuhr Gōlad fort, „In diesem Land leben schließlich auch noch Kandas und Xendavas, die in verschiedenen Regionen des oskonischen Kaiserreiches leben und zwar jedes Volk für sich.” „Und auf welcher Seite stehen die wiederum?”, wollte Simdu wissen.

„Sie sind neutral.”, antwortete Pelto, „Sowohl die Kandas als auch die Xendavas würden hier im Lande ihre Autonomie riskieren, wenn sie sich in die innenpolitischen Angelegenheiten des oskonisches Volkes einmischen würden. Deshalb werden sie weiterhin neutral bleiben und abwarten. Sie werden momentan auch die einzigen sein, von denen wir uns Hilfe erhoffen können, wenn wir jemals welche benötigen sollten.” „Seid Ihr auch deren Zungen mächtig?”, fragte Tabrun den Alten. Dieser nickte. „Ja, das bin ich.”, antwortete Pelto, „Mit deren Zungen bin ich ebenso vertraut wie mit jener, der wir uns gerade bedienen.” Mandrak pfiff anerkennend durch die Zähne. „Ich hätte nicht gedacht, dass Ihr so viele Zungen kennt.”, sagte der Hellbraunhaarige. Der Alte zuckte mit den Schultern. „Wenn es der Wille der Götter ist, dass ich all jene Zungen lernen muss, dann tu ich das.”, erwiderte er lapidar, „Bis jetzt hat es mir noch nie geschadet.”

Viele Wochen lang reisten sie von der einheimischen Bevölkerung unbeachtet durch das Land. Nach knapp zwei Monaten begann sich das Landschaftsbild langsam zu verändern. Die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren zahlreichen Feldern und Wäldern, wurde nach und nach von einer Graslandschaft abgelöst, deren Vegetation immer spärlicher wurde, je weiter sie in dieses Land vordrangen. Nach wenigen Tagen erreichten sie bereits die Wüste, die sie noch von dem Brondus-Damrajd trennte.

Direkt vor einem kleinen Abhang hielt Pelto sein Kojn-Kojn an. Die Sonne brannte gnadenlos heiß vom wolkenlosen Himmel herab. Angespannt starrte der Alte in die Ferne. Vor ihnen erstreckte sich die unendliche Weite der heißen Wüste. Am Horizont konnten die Männer nur schemenhaft die Gebirgsausläufer des Brondus-Damrajd erkennen. Die Luft flirrte und flimmerte vor Hitze. Pelto wandte sich zu seinen ulanischen Arbeitsherren um.

„Wir haben jetzt die berüchtigte Honduš-Wüste erreicht.”, verkündete Gōlad mit einem warnenden Unterton in seiner Stimme, „Man sagt, dass es bisher nur sehr wenige geschafft haben, diese mörderische Einöde zu durchqueren. Wenn die Götter uns wohlgesonnen sind, dann werden auch wir sie bezwingen. Möge Zātul und alle anderen Götter ihre schützenden Hände über uns halten!” Ohne auf eine Antwort seitens der drei ulanischen Männer abzuwarten, gab der Alte seinem Reittier die Sporen. Nur widerstrebend gehorchte das Kojn-Kojn und setzte sich schnaubend in Bewegung. Auch Tabrun, Mandrak und Simdu mussten ihre Tiere etwas antreiben, die sich rasch in ihr Schicksal ergaben.

Erbarmungslos brannte die Sonne herab. Die heiße Luft flimmerte und flirrte. Es waren bereits mehrere Stunden vergangen, die die vier Männer auf ihren Kojn-Kojns durch die endlose Wüste ritten. Es wehte kein Lüftchen. Immer wieder hielt Pelto seine freie Hand an die Stirn, um in der Ferne etwas erkennen zu können. Aber der weiße Wüstensand blendete durch das Tageslicht so sehr, dass er nichts erkennen konnte. Den anderen drei Männern erging es ebenso. Auch sie konnten wegen des hellen Sandes kaum etwas in der Ferne erkennen. Am frühen Abend hielt der Alte sein Reittier an. Die anderen taten es ihm gleich und stoppten ihre Kojn-Kojns ebenfalls.

„Was ist los?”, erkundigte sich Tabrun bei dem Aldoraner, der gerade von seinem Reittier abstieg, „Warum halten wir an?” Vor seinem Kojn-Kojn blieb Pelto stehen. Mit einem kleinen Tuch wischte er sich den Schweiß von seiner Stirn. Anschließend ließ er aufmerksam seinen Blick über die endlose Ebene schweifen. Nur sehr schwach waren die Gebirgszüge des Brondus-Damrajd durch die flirrende Luft zu erkennen. Dann wandte er sich um. „Es ist besser, wenn wir jetzt eine Pause machen und später bei völliger Dunkelheit weiterziehen.”, erklärte er mit ruhiger Stimme, „Das spart Kraft und auch jede Menge Wasser.” Verdutzt sahen ihn die drei ulanischen Männer an. „Wir sollen erst bei Dunkelheit weiterziehen?”, fragte Arankas Mann den Alten und stieg ebenfalls von seinem Reittier, „Ist das denn nicht viel gefährlicher?” Gōlad blieb ernst, als er ihnen antwortete. „Einerseits ja, wenn Ihr auf den Treibsand anspielt, den wir wiederum auch bei Tageslicht nicht erkennen würden.”, sagte der Aldoraner, „Aber sobald Bellus, Bellūra und Būrallus aufgegangen sind, werden wir mehr Licht haben. Zumindest wird es hell genug sein, um auch bei Nacht weiterziehen zu können.” Dicht neben dem Aldoraner waren Simdu, Tabrun und Mandrak stehen geblieben. „Aber was ist mit den gefährlichen Tieren, die hier in der Wüste leben?”, fragte Tabrun, „Wie können wir sie bei Dunkelheit meiden, wenn wir bei Nacht weiterreiten?” Pelto begann zu lächeln. „Wir werden das Gepäck auf unseren Tieren etwas besser verteilen und dann weiterfliegen.”, antwortete der Aldoraner, „Das spart nicht nur die Kraft unserer wertvollen Tiere, sondern auch noch eine Menge Zeit, weil sie dann nicht durch den meterhohen Sand staksen müssen.” Simdu pfiff anerkennend durch die Zähne. „An diese Möglichkeit habe ich momentan gar nicht gedacht.”, gestand Jakodos, „So entgeht man auch dem gefährlichen Treibsand. Sehr raffiniert, alter Knabe.” Peltos Grinsen wurde breiter. Tabrun kehrte als erster zu seinem Kojn-Kojn zurück. Rasch begannen die vier Männer das Gepäck auf ihren Reittieren besser zu verteilen. Als sie damit fertig waren, ruhten sie sich für eine längere Weile aus, um neue Kraft zu tanken. Die Sonne war inzwischen untergegangen und die Luft hatte sich rasch abgekühlt. Erst als der erste der drei belluranischen Monde aufging, setzten die vier Männer ihren Weg durch die Wüste fort.

„Woher wissen wir denn, dass wir in die richtige Richtung fliegen?”, erkundigte sich Mandrak, als sein Kojn-Kojn bereitwillig seine gewaltigen Schwingen ausbreitete und vom Boden abhob. „Wir werden uns nach den Sternen richten.”, antwortete Simdu, dessen Kojn-Kojn ebenfalls rasch an Höhe gewann, „Sowohl die Sterne als auch unsere drei Monde werden uns den Weg weisen.” Rasch pflichtete der Aldoraner Arankas Mann bei. „So ist es, edler Herr.”, erwiderte er, „Niemand wird uns besser den Weg weisen können als die Sterne.” Die Reittiere gaben zufrieden Laut von sich, als sie in Formation ihre Reise fliegend fortsetzten.....

 

Abschließende Hinweise:

keine

Begegnungen in der Wüste

von aroessler2003

 

Nach mehreren Tagen begannen sie das Wasser zu rationieren. Einige Tage später ging es vollständig zur Neige. „Wir müssen unbedingt eine Oase finden, wenn wir nicht verdursten wollen.”, bemerkte Simdu mit heißerer Stimme. „Das weiß ich bereits, edler Herr.”, antwortete der alte Aldoraner ruhig, „Ich suche schon seit einigen Tagen nach einer geeigneten Wasserstelle.” „Wieso nach einer geeigneten Wasserstelle?”, fragte Tabrun irritiert, „Reicht es denn nicht, wenn wir bei der nächstbesten Stelle anhalten und unsere Wasservorräte wieder auffüllen?” Pelto verneinte. „Das ist zwar richtig, edler Herr.”, antwortete der Aldoraner sachlich, „Aber wir müssen trotzdem aufpassen, dass wir nicht an die falsche Wasserstelle gelangen, sonst könnte das für uns eine Menge Probleme ergeben.” „Probleme für uns?”, stutzte der hellbraunhaarige Sohn von Gūrad Nandor, „Inwiefern? Wie meint Ihr das?” Pelto versuchte sein Kojn-Kojn auf der Höhe von Mandraks Reittier zu halten, als er zu einer Antwort ansetzte. „Wir müssen immer damit rechnen, dass jemand Anspruch auf eine Wasserstelle erhebt, wenn hier jemand in der Wüste leben sollte.”, erklärte der Alte, „Ferner ist nicht jedes Wasser in so einer Oase trinkbar.” „Wieso nicht?”, wollte Tabrun wissen, der sein Kojn-Kojn näher an das von dem des Alten geführt hatte. Der Aldoraner zuckte mit den Schultern. „Manchmal ist das Wasser vergiftet und an anderen Wasserstellen leben gefährliche Tiere im Wasser, die man nicht sofort sehen kann. Es gibt genügend, deren Bisse selbst für uns Belluraner tödlich sind.” Mandrak spürte, wie sich ein dicker Kloß in seinem Hals bildete. „Das haben wir nicht gewusst.”, gestand Tabrun, „Dann wollen wir mal hoffen, dass uns die Götter zu den richtigen Wasserstellen führen werden.” „So sei es. Mögen Eure weisen Worte bei Zātul Gehör finden.”, meinte Pelto trocken. Kaum hatte der Aldoraner seine Bemerkung ausgesprochen, entdeckte Simdu auch schon in der Ferne einige kleine Lichtpunkte. „Was kann das sein?”, wollte Mandrak wissen. „Wenn dort eine Oase sein sollte, dann sind es mit Sicherheit Lagerfeuer, was wiederum bedeuten würde, dass dort jemand an der Wasserstelle sein Lager aufgeschlagen hat.”, antwortete Pelto, „Bald werden wir wissen, wie sie Fremden gegenüber gesonnen sind. Ich hoffe nur, dass es keine Oskonier sind.” Schweigend flogen sie weiter auf die Lichtpunkte zu, die sich rasch als Lagerfeuer an einer Oase entpuppten.

Außer Sichtweite der Fremden landeten die Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto ihre Reittiere. Fast geräuschlos setzten die Kojn-Kojns mit ihren Hufen auf dem sandigen Boden auf. Rasch stieg der Aldoraner aus dem Sattel. „Wartet hier, edle Herren.”, sagte er leise, „Ich werde mal nachschauen, wer die Fremden sind.” Simdu nickte dem Alten zu, der sich kurz darauf davonschlich. Es vergingen mehrere Minuten, bis Pelto zu seinen Gefährten wieder zurückkehrte, die inzwischen von ihren Kojn-Kojns abgestiegen waren. „Und?”, überfiel ihn gleich der blonde Ulani, „Habt Ihr herausbekommen, wer diese Leute da drüben sind?” Der Angesprochene nickte ernst. „Ich fürchte ja.”, antwortete Gōlad angespannt, „Es sind Oskonier.”

Gūrad Nandors Söhne fluchten leise hingebungsvoll. „Sind das etwa Soldaten?”, wollte Simdu wissen. „Bei allen Göttern!”, erwiderte der alte Mann flüsternd, „Ich weiß es nicht, ob das welche sind. Zumindest habe ich dort keine gesehen. Aber es sieht ganz danach aus, dass sie dort jemanden gefangen halten. Vor einigen Zelten sind jedenfalls Wachen aufgestellt und die sind schwer bewaffnet.” „Und was machen wir jetzt?”, fragte Mandrak, „Wir brauchen unbedingt Wasser. Und unsere Tiere auch.” Der Aldoraner ließ die Schultern sinken. „Das weiß ich doch auch. Aber ich fürchte, wir werden wohl unseren Weg ohne frisches Wasser fortsetzen müssen.”, sagte er düster und blickte seine ulanischen Gefährten unverwandt an, „Wir sollten möglichst keine Begegnung mit ihnen riskieren, solange wir nicht wissen, was wir von ihnen zu erwarten haben.” Simdu ließ geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Dann lasst uns sofort wieder aufbrechen, bevor sie merken, dass wir hier sind.”, schlug der Blonde vor und stieg bereits wieder auf sein Reittier, dass er die ganze Zeit über an seinen Zügeln festhielt.

„Ihr braucht nicht mehr zu verschwinden, denn wir haben Euch schon vor einer geraumen Zeit entdeckt und beobachtet.”, sagte eine fremde Stimme schneidend mit starken Akzent auf Aldoranisch zu den vier Männern, „Runter von dem Kojn-Kojn und zwar langsam, wenn ich bitten darf.” Erschrocken blickten Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto in jene Richtung, woher die raue gutturale Stimme kam. Erst in diesem Augenblick erkannten sie, die sie bereits von den Fremden umzingelt waren. Alle waren schwer bewaffnet. Mehrere von Ihnen hatten bereits Pfeile auf die Sehnen ihrer Bogen gelegt und zielten auf die vier Expeditionsteilnehmer. Langsam stieg Simdu wieder aus dem Sattel. Vorsichtig kamen die Oskonier einen kleinen Hügel herab auf die vier Männer zu. Pelto stieß leise einen Fluch aus.

Dicht vor den vier Männern blieben die Fremden stehen. Misstrauisch beobachteten sie Tabrun und seine drei Begleiter. Dabei hielten die anwesenden Schützen ihre Bogen mit den Pfeilen auf den Sehnen weiterhin auf die vier Neuankömmlinge in Anschlag. Bei den Feuerseen im Glandāku!, dachte der jüngste Sohn von Gūrad Nandor, Bloß jetzt keine Fehler machen und etwas Falsches sagen! „Lass mich mit ihnen sprechen, edle Herren.”, flüsterte Pelto, „Da ich die oskonische Zunge beherrsche, ist es wohl das Beste.” Inzwischen traten zwei der Oskonier zu ihnen und blieben direkt vor Pelto und den drei Ulani stehen. Aufmerksam musterte ein älterer Mann mit schwarzen Haar und Vollbart im Fackelschein die vier Männer. „Eurer Kleidung und Eurem Verhalten nach zu urteilen, seid Ihr Fremde hier.”, begann er und sah dabei jeden von ihnen nacheinander mit misstrauischen Blick an, „Hat denn Euch noch niemand gesagt, wie gefährlich es ist, die Honduš-Wüste bei Nacht zu durchqueren? Also spricht, wer seid Ihr und was macht Ihr hier?” Die tiefe brummige Stimme des Oskoniers hatte einen angenehmen Klang. Gōlad räusperte erst, bevor er dem Fremden antwortete. „Ihr habt Recht, edler Herr.”, begann der Alte, „Wir sind nicht von hier.”

„Was hat Euch denn hierher verschlagen, wenn Ihr nicht von hier seid?”, unterbrach der Oskonier Pelto brüsk, bevor dieser weitersprechen konnte, „Die Wüste ist nun wahrlich kein Ort, wohin man reisen sollte, wenn man es nicht muss. Also, was wollt Ihr hier?” Deutlich war die Ungeduld des schwarzhaarigen Fremden aus dessen Stimme herauszuhören, der es gewohnt war, dass man seine Befehlen gehorchte und man ihm sofort antwortete, wenn er Fragen stellte. Der Alte begann noch mal zu antworten, als der Aldoraner erneut von jemanden unterbrochen wurde. Diesmal war es ein Warnruf aus dem Lager jenseits des Hügels gewesen, der den schwarzhaarigen Oskonier herumwirbeln ließ. Rasch erteilte er seinen Leuten Befehle, die von den anwesenden Fremden sofort ausgeführt wurden. Zu den drei Ulani und Pelto gewandt, sagte er: „Folgt mir schnell ins Lager! Wir sind hier nicht mehr sicher. Einer meiner Männer hat anscheinend ein paar Xularis entdeckt, die hier jagen, und es ist besser, wenn wir dichter am Lagerfeuer sind. Solange wir uns so dicht wie möglich am Feuer aufhalten, lassen uns diese Biester in Ruhe. Sonst enden wir sehr rasch als Futter für diese Bestien.” Ohne eine Antwort seitens der drei Ulani und dem Aldoraner abzuwarten, machte der Fremde kehrt und kletterte raschen Schrittes den Hügel wieder hinauf und war einen kurzen Augenblick später aus dem Blickfeld von Tabrun, Mandrak, Simdu und den Alten verschwunden. Schnell griffen die Männern nach den Zügeln ihrer Kojn-Kojns, die inzwischen auch unruhig wurden, und folgten den Oskoniern in ihr Lager. In einem kleinen Abstand folgten die Bewaffneten lautlos den drei Ulani und dem Aldoraner, ohne dabei ihre Waffen sinken zu lassen. Im Lager blieben die beiden Söhne von Gūrad Nandor, Simdu und der Alte zusammen dicht neben dem Anführer der Oskonier stehen. Der Fremde, der sie am Fuße des Hügels angesprochen hatte, bellte energisch ein paar Befehle in seiner Muttersprache, woraufhin Peltos Augenbrauen überraschend in die Höhe kletterten. Kurz darauf eilten einige Leute durch das gesamte Lager und stellten überall mehrere große Fackeln auf, die sie sofort anzündeten. Wenig später wurde das Lager heller erleuchtet.

„Was ist los?”, fragte Tabrun, der im Schein des Feuers die Überraschung in der Mimik des Aldoraners ebenfalls wahrgenommen hatte. Arankas Mann hob die Schultern. „Keine Ahnung.”, erwiderte er flüsternd, „Ich weiß nicht, was Pelto gesehen hat.” Simdu wandte sich an den Alten, doch dieser sagte bereits etwas, was Jakodos selbst ebenfalls einen überraschten Laut ausstoßen ließ. Sofort berichtete der Blonde seinen beiden Landsleuten, was er gerade von Gōlad erfahren hatte. „Ich glaube, wenn ich Pelto richtig verstanden habe, sind diese Leute keine Oskonier, sondern Xendavas oder Kandas und das bedeutet, dass wir uns zurzeit in einem autonomen Gebiet aufhalten. Es scheint im Augenblick so, dass wir momentan vor den Oskoniern selbst sicher sind, wenn man mal von der Bedrohung durch diese komischen Viecher absieht.” Der schwarzhaarige Fremde wandte sich zu den drei Ulani und Pelto um und blickte den Alten ernst an. „Ich seid ein guter Beobachter.”, sagte dieser mit sonorer Stimme, „Ihr habt Recht. Wir sind keine Oskonier, sondern Xendavas.” Dann befahl er etwas in seiner Muttersprache, woraufhin die Bewaffneten ihre Waffen sinken ließen und ihre Pfeile wieder in ihre Köcher verschwinden ließen. Dann zogen sie sich zurück. Fragend blickten ihn Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto an. Der Fremde erwiderte den Blick der vier Männer. „Was habt Ihr Euren Männern befohlen?”, wollte der Alte wissen, der diesen Xendava-Dialekt nicht sehr gut verstehen konnte. „Ich habe meinen Leuten gesagt, dass Ihr unsere Gäste seid und Gäste heißt man nicht mit schussbereiten Waffen willkommen. Zumindest ziemt sich das nicht für die Gastfreundschaft der Xendavas.”, antwortete der Fremde und begann zu lächeln, als er sah, wie sich die drei Ulani und der Aldoraner sich sichtlich entspannten. Dann legte er seine flache Hand auf seine Brust und hielt sie anschließend den vier Männern hin. „Im Übrigen lautet mein Name Kelūru Mandūri.”, stellte sich der Xendava vor, „Trotz des rauen Empfangs, wäre es uns eine Ehre, wenn Ihr unsere Gastfreundschaft annehmen würdet.” Nachdem Pelto übersetzt hatte, begannen auch die drei Ulani zu lächeln. Dankbar nahmen die vier das Angebot der Xendavas an.

„Aber bevor wir zu den angenehmeren Dingen übergehen können, müssen wir erst einmal mit diesen schrecklichen Viechern fertig werden.”, sagte Mandūri und blickte seine Gäste nacheinander musternd an. „Habt Ihr Waffen oder könnt Ihr zumindest mit ihnen umgehen, wenn man Euch welche gibt?”, fragte der Xendava. Pelto übersetzte die Frage rasch ins Ulanische. Mandrak und Tabrun tauschten untereinander rasche Blicke aus. Dann nickte Simdu. „Wir haben zwar keine Waffen dabei, aber ich selbst kann zumindest ein wenig mit Pfeil und Bogen umgehen.”, sagte er, „Der beste Schütze bin ich allerdings nicht.” Pelto musste grinsen, als er dies dem Xendava übersetzte. „Wisst Ihr denn mit dem Schwert umzugehen?”, wollte Mandūri wissen. Arankas Mann verneinte. Dann wandte sich Kelūru an Tabrun und Mandrak. Auch sie verneinten, nachdem der Aldoraner übersetzt hatte. Der Xendava zog nachdenklich seine Stirn in Falten. „Das ist nicht gut.”, meinte er grübelnd, „Wie wollt Ihr Euch denn verteidigen können, wenn Ihr noch nicht einmal mit Waffen umzugehen wisst?”

Dann wandte sich der Anführer um und bellte rasch ein paar Befehle, woraufhin mehrere Xendavas zu ihm eilten. Dicht vor Mandūri blieben sie stehen und blickten Kelūru fragend an. „Wir haben Gäste, die keine Waffen besitzen und auch nicht im Umgang mit ihnen vertraut sind.”, begann dieser mit ernstem Gesichtsausdruck, „Weil unsere Gesetze es nicht erlauben, können wir ihnen solange keine von unseren geben, solange sie nicht zu unseren Waffenbrüdern wurden. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich euch zum Schutz unserer neuen Freunde abkommandiere. Eure Aufgabe ist es von nun an, sie zu beschützen, solange sie in unserem Lager verweilen. Macht eure Aufgabe gut, damit ihnen nichts geschieht. Wenn ihr versagt, werde ich euch entsprechend hart bestrafen. Habt ihr verstanden?” „Und falls wir von den Xularis angegriffen werden sollten, drückt ihnen Speere in die Hand, damit sie uns im Kampf gegen Mūruks Geschöpfe beistehen können.”, fügte der Anführer der Xendavas hinzu, „Für den Kampf sind sie mit Sicherheit kräftig genug.” Die sechs Gestalten verbeugten sich ehrfürchtig vor Mandūri. „Ja, Gebieter!”, erwiderten sie unisono, „Die Götter werden unser Geschick leiten, während wir dem Befehl unseres Herrn und Gebieters Folge leisten und mögen uns die Götter bestrafen, wenn wir versagen.” Kelūru nickte zufrieden. „Wohlan, so sei es!”, erwiderte der Anführer lächelnd, „Tut euer Bestes und es wird euch nichts geschehen.” „Da nur einer unserer Gäste mit der oskonischen Zunge vertraut ist, spricht grundsätzlich mit dem Alten.”, fügte er hinzu und wies dabei mit seiner kräftigen Hand auf Pelto, „Er ist der einzige, der die oskonische Zunge zu übersetzen vermag.” Daraufhin verbeugten sich die sechs Xendavas erneut vor Mandūri, während sich eine weitere Gestalt dem Anführer näherte.

Dicht vor Kelūru blieb der weitere Xendava stehen und informierte Mandūri über den aktuellen Stand der Dinge bezüglich der Xularis. „Herr, die Geschöpfe Mūruks haben sich wieder in die Dunkelheit zurückgezogen, da sie den Atem Zātuls nach wie vor fürchten.”, berichtete jener Mann, der etwas kleiner als Mandūri war, „Ich habe zusätzlich noch ein paar Wachen bei unseren Tieren aufgestellt, damit sie besser geschützt sind.” „Das ist gut, Kejtar.”, meinte Kelūru zufrieden, „Sorge auch weiterhin dafür, dass die Xularis von unserem Lager fern bleiben.” Der Kleinere nickte wieder. „Ja, Gebieter.”, sagte dieser, wobei sein tiefschwarzer Bart leicht zitterte, „Die Götter werden mein Geschick leiten, damit ich Euren Wünschen gerecht werde.” Mit einer stummen Handbewegung entließ er Kejtar, der sich unter mehren Verbeugungen rasch von Mandūri zurückzog.

Zu den drei Ulani und dem Aldoraner gewandt, begann er zu lächeln. „Jetzt können wir uns den schöneren Dingen wieder zuwenden.”, verkündete er und ging durch den Wüstensand in Richtung des größten Lagerfeuers davon. „Folgt mir.”, forderte er die vier Neuankömmlinge auf und winkte sie hinter sich her, „Gibt die Zügel Eurer Tiere meinen Männern. Sie werden sich gut um Eure Kojn-Kojns kümmern.” Nachdem Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto ihre Tiere Mandūris Männern anvertraut hatten, folgten sie Kelūru zum größten Lagerfeuer.

Dicht am Lagerfeuer nahmen die drei Ulani und der Aldoraner Platz. Kelūru saß auf einem geflochtenen Stuhl, der sehr bequem aussah und reich verziert war. „Dilāra!”, rief er wenig später, nachdem er sich gesetzt hatte, „Bring uns rasch den besten Wein, den wir haben, damit wir unsere Gäste jetzt auch offiziell willkommen heißen können.” Sofort eilte die Angesprochene davon und kehrte nach wenigen Augenblicken wieder zu Mandūri zurück. In ihren Händen hielt sie zwei Weinschläuche und mehrere glänzende Kelche, die reich verziert waren. Geschickt füllte sie die Kelche und reichte sie nacheinander Kelūru und den vier Neuankömmlingen. Nachdem sie allen einen Kelch überreicht hatte, hielt Mandūri das junge Mädchen zurück.

„Seht her, edle Herren.”, sagte er nicht ohne Stolz in seiner Stimme, „Seht Euch dieses junge liebreizende Mädchen an, denn sie ist Dilāra, Tochter von Temka Dajhān und Kelūru Mandūri.” Schüchtern ging sie vor ihrem Vater in die Knie und küsste seine rechte Hand, die er ihr hinstreckte. Ihre Wangen bekamen etwas mehr Farbe, nachdem der Anführer der Xendavas sie den drei Ulani und dem Aldoraner vorstellte. Seine Stimme wurde sanfter, fast sogar zärtlich, als er seine nächste Bitte an sie richtete.

„Dilāra, mein Kind.”, sagte er und lächelte etwas, „Würdest du für unsere Gäste und auch für deinen alten Vater zur Ehre tanzen?” Während er seine Bitte aussprach, legte er sanft seine flache Hand auf das braunhaarige Haupt seiner Tochter, die sich vor ihm tief verbeugte, wobei ihr die Kapuze wieder auf den Kopf zurückrutschte und damit ihr Haupt vollends bedeckte. „Ja, Vater.”, sagte sie leise, „Ich werde für dich und auch für unsere Gäste tanzen.” Dann erhob sie sich wieder und trat etwas dichter an das Lagerfeuer heran. Aufmerksam beobachteten die drei Ulani und auch der Aldoraner, wie das junge Mädchen langsam die Kapuze von ihrem Kopf nahm und anschließend den kompletten Umhang vollständig ablegte. Laut schnappten besonders Tabrun und Mandrak nach Luft, als die Kapuze Dilāras langen braune Haare freigab, die sofort erst ihre wohlgeformten Schultern bedeckten und anschließend wie eine fast lautlose Flut über ihren gesamten Oberkörper hinabglitten. Ihre makellose Haut glänzte leicht im Schein des Feuers. Mehrere Xendavas setzten sich mit ihren Musikinstrumenten ans Feuer und begannen eine Melodie zu spielen, die weder die drei Ulani noch der Aldoraner kannten. Fasziniert sahen sie dem jungen Mädchen beim Tanzen zu, während weitere Frauen verschiedene Speisen servierten. Besonders Mandraks Blick hing wie gefesselt an dem schönen Mädchen, das vor ihnen am Lagerfeuer tanzte.

Nachdem Essen wurde weiterhin viel Wein getrunken, der einen leicht süßlichen Geschmack hatte. Immer wieder forderte der Anführer der Xendavas seine Gäste auf, mehr von dem köstlichen Wein zu trinken. Die drei Ulani waren es nicht gewohnt, einen so starken Wein zu trinken. Sie kannten nur jene Weine und Biere, die es in ihrer Heimat gab, die wesentlich weniger Alkohol enthielten. Es dauerte nicht lange, bis sowohl Gūrads Söhne als auch Arankas Mann von dem Alkohol berauscht waren. Nur Pelto blieb von dem Rauschzustand weitestgehend verschont, da er schon auf seinen vielen Reisen oft an zahlreichen Festivitäten teilgenommen hatte.

Im Laufe des Abends fragte Kelūru Pelto, wohin er mit seinen drei Arbeitsherren reisen wollte. Nachdem ihm der Aldoraner berichtet hatte, wohin sie eigentlich wollten bot Mandūri den drei Ulani und dem Aldoraner an, sie auf ihrer Reise zum Brondus-Damrajd zu begleiten. Zuerst wollte er das Angebot ablehnen, doch im Nachhinein, nachdem ihm Mandūri mehrmals versicherte, dass man besser geschützt sei, wenn man in einer großen Gruppe in ein unbekanntes Gebiet reist, überlegte er sich das anders.

„Ich hoffe, dass meine Arbeitsherren damit einverstanden sind.”, meinte er etwas unsicher und warf einen kurzen Blick zu den drei Ulani hinüber, von denen sich Simdu und Tabrun miteinander in ihrer Muttersprache über ihre Studienzeit unterhielten, währenddessen Mandrak etwas verträumt weiterhin Dilāra beim Tanzen zusah. Wohlwollend klopfte Mandūri dem alten Aldoraner mit seiner flachen Hand auf den Rücken. „Ich denke schon, dass Eure Herren keine Einwände haben werden.”, erwiderte Kelūru zuversichtlich, „Immerhin kennen wir das Gebiet, das Ihr dorthin bereisen müsst.” Nach wenigen Augenblicken nickte Pelto. „Ja, da könntet Ihr Recht haben, wenn man das bedenkt.”, gab der Alte zu, „Ich selbst kenne den Brondus-Damrajd ja auch nicht. Bisher habe ich nur davon gehört und das, was ich bisher darüber gehört habe, ist bis jetzt noch nicht allzu viel, muss ich gestehen.” Der Anführer begann zu lächeln. „Seht Ihr, mein Freund.”, antwortete Kelūru, „Dann ist es umso besser, wenn wir Euch dahin begleiten. Wir kennen zumindest einen kleinen Teil des Gebietes, in das Ihr wollt. Schaden tut das bestimmt keinem von uns, wenn wir gemeinsam diesen Teil der Reise machen. Aber wenn Ihr das lieber mit Euren Arbeitsherren klären wollt, dann tut das ruhig.”

Inzwischen hatten Tabrun und Simdu das Thema gewechselt und sprachen über ihre Rivalitäten, die zwischen ihnen herrschte, als sie beide noch um Aranka geworben hatten. „Mann, waren das noch Zeiten, als wir beide damals um Arankas Gunst warben!”, meine Tabrun gerade, als Simdu ihn mit einen undefinierbaren Blick ansah. „Wieso sprichst du in der Vergangenheit?”, fragte Jakodos konsterniert, „Ist es nicht so, dass du auch heute noch gerne um sie werben würdest, wenn sie nicht mit mir verheiratet wäre?” Herausfordernd sah er Gūrads ältesten Sohn an, der gelassen seinen Blick erwiderte. „Ja, das wäre schon möglich.”, gab Tabrun zu, „Aber, da sie bereits vergeben ist, ist das Thema für mich auch schon durch.” Simdu nickte und nahm einen weiteren Schluck aus seinem Kelch, der erst vor Kurzem von einer sehr jungen Xendava nachgefüllt worden war. „Bist du dir da ganz sicher?”, erwiderte Arankas Mann etwas kühler, „Ich bin mir da nicht so sicher. Als wir uns auf die Reise zum Brondus-Damrajd aufbrachen, musste ich Aranka zum Abschied versprechen, dass wir Freunde werden.” Er machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. „Während der ganzen Reise habe ich mich immer wieder gefragt, warum sie unbedingt dieses Versprechen von mir wollte.”, sagte er, wobei seine Stimme immer schroffer wurde, „Ich verstehe das nicht. Man könnte glatt meinen, dass da immer noch etwas zwischen Euch beiden wäre, findest du nicht auch?” Herausfordernd sah er wieder Tabrun an, der gerade seinen Kelch leerte und anschließend Simdu überrascht ansah. Die Überraschung in dem Gesicht des schwarzhaarigen Ulanis schlug in Wut um. „Was willst du von mir hören?”, fragte Tabrun verärgert zurück, der sich in die Enge getrieben fühlte, „Willst du von mir hören, dass ich mich nach wie vor um Arankas Gunst bemühe? Oder was willst du hören?” Eisig sahen sich die beiden ulanischen Männer an, während der älteste Sohn Gūrads Sohn fortfuhr. „Ich kann dir nur eines versichern, Simdu.”, antwortete Tabrun wütend, als Jakodos aufstand und seinen schwarzhaarigen Landsmann finster anblickte, „Aranka hatte sich damals für dich entschieden. Heutzutage betrachtet sie mich als einen sehr guten Freund, den sie sehr schätzt. Das dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach der Grund für das Versprechen sein, dass sie dir vor der Abreise abgerungen hatte, weil sie dich kennt und weißt, wie du auf mich zu sprechen bist. Mehr steckt nicht dahinter.” Simdu gab ein abfälliges Schnauben von sich. „Spar dir deine Beteuerungen!”, zischte der blonde Ulani voller Wut und ballte dabei seine beiden Hände zu Fäusten, „Ich glaube dir kein einziges Wort.” Tabrun stand auf. Mit ebenfalls zu Fäusten geballten Händen starrte er zornig den Blonden an. „Bei allen Göttern!”, rief Tabrun wütend, „Ich sage aber die Wahrheit!” „Das kannst du jemanden erzählen, den man einen Kuš-Kuš als ein Kojn-Kojn verkaufen kann!”, rief er zornig, „Aber nicht mit mir! Ich lasse mir auch nicht von dir ein Mivuku für ein Muvango vormachen!”

Wenig später wurde Tabrun hart von Simdus Faust getroffen, woraufhin der Schwarzhaarige ein paar Schritte zurücktaumelte und in den weichen Sand fiel. Sofort stand Gūrads ältester Sohn wieder auf und rieb sich das schmerzende Kinn. „Bei Faruls Schmiedehammer! Sage mal, bist du denn jetzt total verrück geworden?”, platzte es aus Tabrun heraus. „Bestimmt nicht.”, zischte Simdu zornig und ließ dabei erneut seine Faust vorschnellen, „Ich will nur diese Angelegenheit zwischen uns beiden ein für alle Mal klarstellen und zwar sofort! Aranka gehört zu mir. Sie ist meine Frau.” Doch diesmal war der schwarzhaarige Ulani vorbereitet und wich den Schlag des Blonden geschickt aus. „Und damit ich das ja auch begreife, meinst du, auf mich eindreschen zu müssen, oder wie?”, antwortete Mandraks Bruder wutschnaubend, als er einen weiteren Fausthieb Simdus parierte, „Dafür hast du dir aber den denkbar verkehrtesten Mann ausgesucht, Freundchen, denn das lasse ich mir nicht gefallen.” Wenig später traf Tabruns Faust das Gesicht des Blonden, der ein schmerzhaften Grunzlaut von sich gab und ein paar Schritte zurücktaumelte, aber nicht fiel. „So, so, du willst es also auf die harte Tour.”, presste Simdu zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor, „Das kannst du haben!” Wie ein Besessener begann er auf Tabrun einzuschlagen, der sich dementsprechend wehrte.

Inzwischen hatte Pelto begonnen, Kelūru von seinen zahlreichen Reisen zu erzählen, als dieser plötzlich von dem Anführer der Xendavas unterbrochen wurde. „Was ist denn mit Euren beiden Arbeitsherren los?”, fragte der schwarzhaarige Xendava etwas verwundert, als er mitbekam, wie sich Tabrun und Simdu einander anbrüllten und sich gegenseitig mit ihren Fäusten bedrohten, „Worüber streiten die sich?” Der Aldoraner wandte sich nun ebenfalls zu den beiden um, die sich inzwischen zu prügeln begonnen hatten. „Ich habe keine Ahnung.”, gestand der Graumelierte und stand auf, „Aber ich denke, da sollte man besser dazwischen gehen, bevor noch etwas Schlimmeres passiert.” Kelūru nickte und erhob sich ebenfalls. Gemeinsam schritten sie zu den beiden Ulani, die in ihrem Streit gar nicht bemerkten, dass es im Lager ruhig geworden war und alle Anwesenden die beiden Streithähne interessiert beobachteten. Sogar die Musiker hatten aufgehört zu spielen und sahen zu den beiden Ulani hinüber, die sich heftig miteinander stritten. Auch Mandrak war aufgestanden und eilte zu seinem Bruder, der mit einer aufgeplatzten Unterlippe, die stark blutete, vor Simdu stand. Dilāra folgte dem hellbraunhaarigen Ulani. Dicht neben ihm blieb sie stehen, als sie alle gemeinsam Peltos Worte vernahmen.

„Sagt mal, was zum Mūruk ist denn in Euch gefahren, edle Herren?”, übersetzte der Aldoraner gerade die Fragen des Xendavas, „Wieso streitet Ihr Euch?” Hasserfüllt starrten sich die beiden Rivalen an. Pelto wiederholte Kelūrus Frage noch einmal, wobei seine Stimme einen schärferen Klang annahm. „Der hat sich an meine Frau rangemacht.”, beklagte sich der Blonde ohne Unschweife, woraufhin ihn Tabrun verblüfft ansah. „Ich habe was gemacht?”, platzte es zornig aus Gūrads ältesten Sohn heraus, „Bei Zātul! Die Götter haben dir wohl sämtliche Sinne vernebelt! Das ist ja gar nicht wahr! Seit dem Ende meines Studiums habe ich Aranka nicht mehr gesehen, wenn man mal davon absieht, dass ich sie zum ersten Mal wiedergesehen habe, als du dich uns auf unserer Reise anschloss.” Mandūri unterbrach Simdu, als dieser zu einer weiteren wütenden Antwort ansetzte.

„Ich habe den Eindruck, dass dieser Konflikt zwischen den beiden schon etwas länger existiert.”, sagte Kelūru sachlich zu Pelto, „Und so, wie ich die Sache einschätze, geht es bei diesem Streit um eine Frau. Das sehe ich schon an der Eifersucht in ihren Augen.” Der Aldoraner nickte. „Die Götter haben Euch mit Weisheit gesegnet.”, antwortete der Graumelierte respektvoll, „Ihr habt Recht. Die beiden streiten sich tatsächlich um eine Frau.” Die Augenbrauen des Xendava-Anführers kletterten nach oben. Pelto lächelte über die stumme Frage Mandūris. „Nein, es geht nicht um Eure liebreizende Tochter Dilāra.”, erklärte der Alte dem Xendava, „Es geht viel mehr um die Ehefrau des blonden Ulani. Anscheinend herrscht zwischen den beiden noch eine uralte Rivalität aus der Studienzeit.” Kelūru zog nachdenklich die Stirn in Falten. „Vielleicht ist es besser, wenn sie die Sache heute endgültig klären könnten.”, meinte Mandūri mit Nachdruck, „Auf einer gefährlichen Reise wie dieser sollte keine Gruppe zerstritten sein, damit keine Konflikte ausbrechen, wenn man in ernsten Schwierigkeiten kommt. Das ist ein Luxus, den sich hier niemand leisten kann. Am besten ist es, wenn die beiden sich wieder vertragen würden. Das Problem muss auf jeden Fall aus der Welt geschafft werden, damit sie niemanden auf der Reise gefährden. Je früher umso besser.” Der Aldoraner nickte. „Ich verstehe.”, sagte Pelto und übersetzte mit Nachdruck in seiner Stimme die Aussage Kelūrus ins Ulanische.

Beschämt hörten sich die beiden Ulani Peltos Übersetzung an, ohne ein Wort zu sagen. Nachdem der Aldoraner geendet hatte, sahen sich Tabrun und Simdu gegenseitig an. Der Zorn in ihren Augen war für alle Anwesenden unübersehbar. Es dauerte eine Weile, bis Tabrun als erster reagierte. Er nickte und blickte kurz darauf in die Runde. „Ich bitte hiermit für mein unschickliches Verhalten alle um Verzeihung.”, sagte er nach mehrmaligen Räuspern, wobei jeder es ihm ansah, wie schwer es dem Ulani fiel, seinen Zorn unter Kontrolle zu halten, „Ich wollte niemanden durch meine Tat kränken oder gar beleidigen.” Rasch wurden die Worte des schwarzhaarigen Ulani ins Oskonische übersetzt. Dann blickten sie alle Simdu erwartungsvoll an, der bisher seinen Rivalen nur wütend angestarrt hatte. Wenig später ließ auch er seine Schultern sinken und entschuldigte sich ebenfalls. „Vielleicht sollten Tabrun und ich die Sache klären, wenn wir wieder zu Hause sind.”, fügte er hinzu, „Ich hatte auf keinen Fall vorgehabt, jemanden durch mein Verhalten in Schwierigkeiten zu bringen.” Kelūru begann zu lächeln. „Na also.”, sagte er etwas zufriedener, „Vielleicht wart Ihr nur nicht unseren Wein gewohnt, der ja recht kräftig ist. Zumindest wird das immer wieder von allen Leuten behauptet, die mal unsere Gäste waren. Trotzdem denke ich, dass es wohl besser wäre, wenn man sich langsam zur Nachtruhe begibt. Morgen ist ein neuer Tag.” Ernst sah Mandūri die Anwesenden an. Es dauerte nicht lange und die Runde löste sich leise murmelnd langsam auf. Als Kelūru zusammen mit seiner Tochter Dilāra und Kejtar Sāmoš bei den Gästen zurückblieben, machte der Anführer der Xendavas dem kleineren vollbärtigen Mann ein Handzeichen. Sofort verneigte sich dieser vor seinem Herrn.

„Zeige unseren Gästen das Zelt, das für sie vorbereitet wurde.”, befahl er. Kejtar nickte und verbeugte sich wieder vor Kelūru. „Jawohl, mein Gebieter.”, sagte er, „Ich kümmere mich sofort darum.” Mandūri nickte zufrieden und entließ ihn mit einer kurzen Handbewegung. „Kejtar wird Euch nun Eure Unterkunft zeigen, in der Ihr die Nacht verbringen könnt.”, sagte er zu Pelto, „Und wenn etwas sein sollte, so scheut Euch nicht, nach Kejtar Sāmoš, Dilāra, meiner Frau Temka Dajhān oder nach mir zu rufen. Mögen die Götter allen eine geruhsame Nacht schenken.” Mit diesen Wort verließ der Anführer der Xendavas die Gruppe und verschwand kurz darauf in seinem eigenen Zelt. Rasch folgte die junge Xendava ihrem Vater und war nach wenigen Augenblicken in ihr eigenem Zelt verschwunden. Besonders fasziniert sah Mandrak dem jungen Mädchen nach, bis er sie nicht mehr sehen konnte.

„Kommt.”, sagte Kejtar leise und stieß dabei Pelto leicht mit seinen Ellenbogen an, „Ich zeige Euch das Zelt, wo Ihr schlafen könnt.” Wortlos folgten die drei Ulani und der Aldoraner dem schwarzhaarigen Xendava, bis dieser vor einem großen Zelt stehen blieb. Mit seiner Hand wies er auf den Eingang. „Dort könnt Ihr schlafen.”, sagte er fast flüsternd, „Wenn Ihr etwas braucht, dann ruft mich. Mein Zelt steht links neben dieses hier.” Pelto blickte in jene Richtung, in der Kejtar mit seiner Hand wies.

„Es ist alles im Zelt, was Ihr in dieser Nacht möglicherweise noch brauchen werdet.”, fuhr der Xendava mit seiner rauen Stimme fort und betrat dabei zusammen mit den Gästen das Zelt, „In den Krügen ist genügend Wasser für alle und auf dem Tisch findet Ihr frisches Obst.” Pelto nickte und dankte Kejtar im Namen seiner Arbeitsherren und auch in seinem eigenen. Der Xendava verabschiedete sich und verließ kurz darauf die Unterkunft. Als die drei Ulani und Aldoraner wieder allein waren, legten sie sich rasch zum schlafen hin, denn sowohl Mandrak, Tabrun, Simdu und auch Pelto mussten feststellen, wie müde sie doch in Wirklichkeit waren. Es dauerte nicht lange, bis sie alle tief und fest schliefen.

Erschrocken fuhr Mandrak aus dem Schlaf. Aufmerksam ließ der Ulani seinen Blick durch das dunkle Zelt schweifen, ohne sofort etwas zu bemerken. Abgesehen von den regelmäßigen Atemzügen seiner Reisebegleiter im Zelt konnte er weder etwas hören noch sehen, was ihm seltsam vorkam. Aber Mandrak war sich sicher, dass er ein Geräusch gehört hatte. Wenig später hörte er wieder jenes Geräusch, das ihn aus den Schlaf geholt hatte. Es war ein sehr leises Schnurren. Der junge Ulani stand nach einigen Augenblicken auf. Vorsichtig schlich er in jene Richtung, aus der er das Geräusch gehört hatte. Erschrocken zuckte er zusammen, als er gegen den Tisch mit den Krügen und dem frischen Obst stieß. Reflexartig griff er nach einen der Krüge, der dicht am Rand stand und durch die Berührung runterzufallen drohte. Erleichtert ließ Mandrak die Luft aus seinen Lungen entweichen, als er das Gefäß wieder auf seinen Platz zurückstellte. Dann taste er sich weiter vor. Nach zwei weiteren Krügen ertastete er die erste Schale, auf der frisches Obst lag. Wenig später berührte er bereits die zweite Schale, wobei eine der Tekkos aus der Schale fiel und über den Tisch rollte. Mandrak konnte sie rechzeitig festhalten, bevor die Frucht vom Tisch fallen konnte. Vorsichtig legte er sie wieder in die Schale zurück, wo sie herausgefallen war. Überrascht hielt er inne, als er dabei etwas Pelziges berührte, das sich sofort zu ihm umdrehte und Mandrak böse anfauchte und kratzte. Erschrocken zog der Hellbraunhaarige seine Hand zurück und betastete die blutende Wunde. Ein orangefarbenes Augenpaar starrte den Ulani an, bevor das Tier fast lautlos vom Tisch sprang und davonhuschte. Nur schemenhaft konnte er jenes flüchtendes Tier erkennen, dass mit einer Vukuva, die es als Beute in seinen krallenbewehrten Vorderläufen festhielt. Rasch erreichte das Tier den Ausgang und verließ das Zelt, ohne sich nach seinen vermeintlichen Verfolger umzusehen. Mandrak blieb seufzend im Zelt zurück. Kurz darauf füllte der junge Ulani etwas Wasser in eine Schale und wusch darin seine Hände. Nachdem er damit fertig war und festgestellt hatte, dass die Blutung wieder aufgehört hatte, legte er sich wieder schlafen.

Kurz vor Sonnenaufgang ließ Kelūru bereits das Lager abbauen und alles für die Fortsetzung der Wanderschaft zusammenpacken. Pelto war als erster wach geworden und weckte seine ulanischen Arbeitsherren. Müde und verschlafen verließen sie das Zelt und gingen mit Kelūrus zum Schutz abkommandierten Leuten als Begleitung zur Wasserstelle. In sicherer Entfernung blieben die Xendavas stehen, als die drei Ulani und der Aldoraner ein ausgiebiges Bad nahmen. Anschließend kehrten sie wieder zu jenem Zelt zurück, das ihnen als Nachtlager gedient hatte. Nach dem Essen nahm Mandrak seine leeren Wasserschläuche mit und kehrte allein an die Wasserstelle zurück, um diese aufzufüllen.

Rasch begann er die Schläuche direkt an der Quelle aufzufüllen. Als er damit fertig war, hing er sie sich wieder über seine kräftigen Schultern und machte sich auf den Rückweg ins Lager, als ein Geräusch im Busch zwischen den Bäumen ihn innehalten ließ. Vorsichtig legte er den Wasservorrat wieder ab. Kurz darauf tauchte eine Gestalt auf, die er sofort erkannte. Die junge Frau trug dezente Kleidung, die ihren wohlgeformten Körper gut betonte. Dilāra begann zu lächeln, als sie Mandrak erblickte und sagte etwas in ihrer Muttersprache zu ihn, was er aber nicht verstand. Verlegen begann er das Lächeln der jungen Frau zu erwidern und begann sich zu ärgern, als er nur ein unverständliches Krächzen zustande brachte. Dicht vor dem schüchternen Ulani blieb sie stehen und sah den jüngsten Sohn Gūrads an. Geduldig wiederholte sie ihre Frage und wies diesmal dabei mit ernster Miene auf seine verletzte Hand. Mandrak verstand immer noch nicht, was sie sagte. Zu seiner Überraschung griff sie nach seiner Hand und betrachtete die Verletzung. Mandrak blickte nun ebenfalls auf seine Hand, als hätte er sie zum aller ersten Mal gesehen und wüsste gar nicht, was er damit anfangen sollte. Mit einen Finger deutete sie auf die verkrustete Wunde und sagte erneut etwas. Aufmerksam sah Dilāra Mandrak an, der sie nur schüchtern ansah. „Das ist...also das habe ich....”, begann er zu stottern. Kelūrus Tochter begann verständnisvoll zu lächeln.

Kurz darauf stieß sie einen Pfiff aus. Nach mehrmaligen Rascheln im Gebüsch huschte ein kleines Kundo aus dem Dickicht und richtete sie direkt vor Dilāra zu seiner vollen Größe auf. Es war ein Nagetier, das ein Halsband trug und deren Augen orange waren. Sofort erkannte Mandrak jenes Geschöpf wieder, das ihn in der vergangenen Nacht aus den Schlaf gerissen und später am Tisch verletzt hatte. Sofort deutete er Dilāra zuerst auf seine verletzte Hand und anschließend auf das Tier. „Dafür ist das Biest verantwortlich.”, sagte er, „Es hat letzte Nacht unserem Zelt einen heimlichen Besuch abgestattet und eine Vukuva stibitzt.” Verständnis leuchtete nach einigen Momenten in ihren blauen Augen auf, als sie verstand, was Mandrak ihr mitteilen wollte. Sofort sagte sie etwas tadelnd zu dem Tier, das augenblicklich zusammenzuckte. Dann versetzte die junge Frau dem Kundo noch zusätzlich einen kleinen Klaps. Kurz darauf flitzte es wieder in Richtung des Lagers, das gerade abgebaut wurde, davon und verschwand im Gebüsch. Mandrak griff nach seinen gefüllten Wasserschläuchen und wollte ebenfalls wieder ins Lager zurück, als Dilāra den jungen Ulani zurückhielt. Gūrads jüngster Sohn sah sie fragend an.

Kelūrus Tochter ging zu einen Busch und pflückte dort ein paar dunkelgrüne Blätter ab, mit denen sie wieder zu Mandrak zurückkehrte. Vorsichtig entfernte sie das getrocknete Blut auf dem Handrücken des jungen Ulani und legte anschließend die Blätter darauf. Wenig später ging sie noch einmal zu den Büschen hin und rupfte dort etwas heraus, das aussah wie ein dünnes breites Band, das sich zu den Seiten verjüngte. Sorgfältig verband sie damit Mandraks Hand. Als sie fertig war, begutachtete sie ihr Werk und nickte nach einen kurzen Augenblick zufrieden. Auch der Hellbraunhaarige sah sich das Werk an. „Danke für deine Hilfe.”, sagte Mandrak auf Ulanisch, als er seine Wasserschläuche wieder aufhob. Dilāra lächelte. Zusammen kehrten sie ins Lager zurück, das bereits komplett abgebaut war. Direkt vor ihrem Reittier blieb sie stehen und blickte dem Ulani nach, bis dieser seinen Bruder und seine beiden Begleiter erreicht hatte, von denen er schon vermisst wurde.

Abschließende Hinweise:

keine

Gefahr in der Dämmerung

von aroessler2003

 

„Sag mal, wo bist du denn schon wieder gewesen?”, fragte Tabrun in einem Tonfall, der sowohl Tadel als auch Sorgen ausdrückte, „Wir wollten dich schon suchen gehen.” Mandrak warf seinem Bruder einen kurzen Blick zu, der bereits ungeduldig im Sattel saß. Sein graubraunes Kojn-Kojn schüttelte seine Mähne und schnaubte. Voller Ungeduld scharrte das Tier mit seinen Hufen, wobei es ein wenig Staub aufwirbelte. „Ich musste noch mal zur Wasserstelle, um meine Schläuche aufzufüllen.”, antwortete der Hellbraunhaarige wahrheitsgemäß, als er dabei seine Schläuche an seinem Kojn-Kojn befestigte, das ebenfalls ungeduldig mit seinen Hufen scharrte, „Oder dachtest du etwa, dass ich unterwegs auf dem Trockenem sitzen wollte?” Das beigefarbene Kojn-Kojn begann Laut von sich zu geben und etwas zu tänzeln, als sich Gūrads jüngster Sohn in den Sattel setzte. „Aber dann sag uns mindestens Bescheid.”, sagte Tabrun immer noch leicht gereizt, „Wir hatten schon gedacht, dass dir was passiert sein könnte. Solange, wie du weg warst.” „Eigentlich solltest du mitentscheiden, ob wir gemeinsam mit den Xendavas weiterziehen oder ob wir allein unsere Reise fortsetzen wollen.”, warf Simdu ein und sah dabei Mandrak ernst an, „Und da du nicht hier warst, mussten wir ohne dich, Kelūru eine Antwort geben.” „Und wie sieht Eure Entscheidung aus?”, wollte der hellbraunhaarige Ulani wissen, „Ziehen wir alleine oder mit den Xendavas zusammen weiter?” „Wie wohl?”, erwiderte Tabrun schroff, „Natürlich haben wir Kelūrus Angebot, mit den Xendavas zusammen durch die Wüste bis in den Brondus-Damrajd zu reisen, einstimmig angenommen, weil es für uns alle in einer großen Gruppe sicherer ist. Zumal die Xendavas zusätzlich auch noch gut bewaffnet sind, was für uns selbst auch ein weiterer Vorteil ist.” Mandrak nickte. „Das ist gut.”, antwortete der Hellbraunhaarige ernst, „Ich wäre auch dafür gewesen, mit den Xendavas zusammen weiterzureisen.” Bevor Tabrun seinem Bruder noch etwas erwidern konnte, wurde er bereits von Kejtar unterbrochen, der sich auf seinem Reittier zu den drei Ulani und dem Aldoraner gesellt hatte. Fragend blickten Simdu und Gūrads Söhne den Alten an.

„Er sagt, dass Kelūru möchte, dass wir zum ihm aufschließen und mit ihm Seite an Seite reisen sollten, weil wir als Unbewaffnete sicherer wären, wenn wir in Kelūrus Nähe bleiben würden.”, übersetzte der graumelierte Aldoraner, „Deshalb bittet Kejtar uns, dass wir ihm folgen sollten, damit er uns zu seinem Herrn bringen kann.” Simdu schnalzte mit der Zunge und trieb sein Reittier an. „Wohlan!”, sagte er entschlossen, „So sei es! Dann wollen wir seinen Herrn nicht lange auf uns warten lassen.” Rasch folgten die vier Männer auf ihren Kojn-Kojns Kejtar, der sie zu dem Anführer der Xendavas brachte.

„Ich bringe Euch unsere Gäste, wie Ihr mir aufgetragen habt, mein Gebieter.”, sagte der schwerbewaffnete Mann auf seinem Reittier, das unruhig tänzelte, als er es zum Stehen brachte. „Dann kehr jetzt zu deiner Familie zurück.”, sagte Dilāras Vater, „Wir brechen auf.” Nach einer raschen Verbeugung seinem Herrn gegenüber, wendete der bärtige Mann sein Reittier und ritt zu seiner Frau und seinen beiden fast erwachsenen Kindern zurück. Wenig später setzte sich der Treck in Bewegung.

„Irgendwie sind unsere Tiere etwas unruhig.”, meinte Simdu nachdenklich, „Anscheinend liegt etwas in der Luft.” Fragend blickte Kelūru den Aldoraner an, der sofort übersetzte. „Da muss ich Eurem Arbeitsherrn Recht geben.”, antwortete dieser ruhig, „Immerhin sind die Xularis nach wie vor in der Nähe, obwohl sie uns tagsüber nichts tun werden und das wissen unsere Reittiere instinktiv. Für die Biester ist es am Tage zum Jagen viel zu heiß, aber sie folgen uns im sicheren Abstand. Die warten lieber auf die Abenddämmerung. Sobald wir wieder an einer Wasserstelle unser Lager aufschlagen, werden sie versuchen, eines unserer Reit- oder Lasttiere zu schlagen.” Rasch übersetzte Pelto die Erklärung ins Aldoranische, während Simdu es weiter ins Ulanische übersetzte. „Ich verstehe.”, bekannte Tabrun, „Dann sind wir alle von der Tagesreise ermüdet und niemand ist mehr richtig in der Lage bei einem Angriff dieser Tiere schnell genug zu reagieren.” „Und schon haben sie ihre Beute.”, fügte Mandrak hinzu, „Interessante Taktik. Sollte man sich unbedingt merken.” Nachdem man Kelūru die Aussagen von Gūrads Söhnen übersetzt hatte, nickte er ernst. „So ist es.”, sagte er, „Man darf diese Viecher niemals unterschätzen. Wer es tut, der ist verloren. Bevor man sich versieht, wird man schon von ihnen lebendig aufgefressen.” „Ist denn schon einmal einer von Euren Leuten von den Xularis angefallen und getötet worden?”, wollte Pelto wissen.

Es dauerte eine Weile, bis Kelūru antwortete. Anhand seiner Mimik erkannte der Aldoraner, dass er den Anführer der Xendavas etwas gefragt hatte, das seine Miene sofort verfinstern ließ. „Oh ja, ich habe schon jemanden durch diese Biester verloren.”, gab Dilāras Vater zu, „Sie haben meinen Bruder geholt, als er nach seiner Tochter suchte, die unbemerkt das Lager verlassen hatte.” „Bei allen Göttern!” meinte Gōlad mitfühlend, „Wie konnte das passieren?” Kelūru zog nachdenklich seine Stirn in Falten, als er sich an das Ereignis zu erinnern versuchte. „Meine Nichte war damals gerade mal drei Jahre alt, als das passierte.”, erzählte der Anführer der Xendavas weiterhin die Stirn runzelnd, „Obwohl das Lager gut bewacht wurde, konnte sie es unbemerkt verlassen. Wir wissen bis heute nicht, wie das passieren konnte. Als mein Bruder und seine Frau zusammen ihr Kind vermissten, begann die große Suche.” Nach einer kurzen Pause fuhr Dilāras Vater fort.

„Systematisch suchten wir das gesamte Lager ab, bis mein Bruder auf die Idee kam, dass sein Kind zum Wasser gelaufen sein könnte.”, berichtete Temkas Mann weiter, „Als wir anfingen, unsere Suche außerhalb des Lagers auszudehnen, hörten wir plötzlich einen entsetzlichen Schrei, der so laut und so schrill war, wie es nur ein Kind zustande bringen konnte, wenn es vor etwas sehr große Angst hatte. Natürlich eilten wir sofort in die Richtung, wo der Schrei herkam. Mein Bruder war der Erste, der von den Biestern angegriffen wurde. Es ging damals alles so schnell, dass wir nicht sofort realisierten, was dort eigentlich vor unseren Augen passierte. Zwei gewaltige Schatten rissen ihn zu Boden. Mit ihren scharfen Krallen an ihren Füßen hielten die beiden Xularis meinen am Boden liegenden Bruder fest, während eine weitere Bestie vor dem weinenden Kind stand und nach meiner Nichte schnappte, die sich ängstlich im Gebüsch versteckte. Ich höre heute noch die Schmerzensschreie meines Bruders, als die Xularis begannen ihn vor den Augen seines Kindes bei lebendigen Leibe aufzufressen.” Kelūru machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach. „Wir konnten ihm nicht mehr helfen.”, flüsterte er, „Noch nie hatte ich gesehen, wie diese Viecher ihre Beute töteten und anschließend auffraßen. In dieser Nacht sah ich das zum allerersten Mal.” Gespannt hörten die drei Ulani und der Aldoraner dem Anführer der Xendavas zu, als er weiterberichtete. „Sie machten sich gar nicht erst die Mühe, ihr Opfer zu töten.”, fuhr der Schwarzhaarige mit bebender Stimme fort, „Mit ihren scharfen Krallen an ihren Vorderläufen hielten sie ihn einfach fest und rissen mit ihren Zähnen ganze Stücke aus ihn heraus. Ich sehe es noch vor mir, wie eines dieser Viecher mich anschließend mit seinen kalten Augen ansah, nachdem es ein Teil der Eingeweide aus dem Bauch meines Bruders gerissen hatte und gierig verschlang. Das Blut meines Bruders tropfte aus dem Maul des Untieres und verteilte sich weiter auf dem Boden.” Er brach ab und atmete mehrmals tief durch.

„Und was geschah mit dem Mädchen?”, fragte der graumelierte Mann. Kelūru nickte. „Wir konnten sie damals retten.”, antwortete der Xendava, „Mit Speeren, Pfeil und Bogen gelang es uns, sie nach einiger Zeit zu vertreiben. Meine Nichte stand unter Schock und mein Bruder war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Er war von den Xularis entsetzlich zugerichtet worden. Seine Tochter konnte im Laufe der Jahre ihren Schock verarbeiten.” Kelūru schüttelte mehrmals mit dem Kopf, bevor er weitererzählte. „Meine Nichte ist gesund und munter.”, berichtete der schwarzhaarige Xendava weiter, „Sie ist inzwischen selbst erwachsen und hat Kinder.” „Wenigstens konntet Ihr sie vor den Xularis retten.”, meinte Tabrun mitfühlend. „Ja, wir konnten sie retten.”, erwiderte Kelūru bitter, „Aber dafür musste mein Bruder sterben, damit sie leben darf. Das ist ein harter Preis.” Vorsichtig führte Pelto sein Kojn-Kojn an das des Xendavas-Anführers heran und klopfte ihm mit der flachen Hand auf die Schultern. „Euer Bruder starb einen Heldentod.”, sagte der Aldoraner tröstend, „Er hat das Leben seines Kindes mit dem seinigen verteidigt. Er war für Eure Nichte ein würdiger Vater. Sein Tod ehrt ihn. Seid stolz auf ihn.” Kelūru nickte nach einer Weile. „Ja, da habt Ihr Recht.”, sagte er, „Er war ein fabelhafter Vater für sein Kind und ich bin stolz auf ihn.” Nachdem Kelūru geendet hatte, versanken alle in tiefes Schweigen, während sie gemeinsam ihren Weg fortsetzten.

Erst in der Abenddämmerung erreichten sie eine weitere Oase, wo die Xendavas mit ihren Gästen zusammen ihr neues Nachtlager aufschlugen. Sorgfältig wurden rund um das Lager mehrere Lagerfeuer entzündet, um die Xularis, die ihnen den ganzen Tag über gefolgt waren, auf Distanz zu halten. Auf Mandūris Befehl hin, ließ Kejtar zahlreiche Wachen aufstellen. Die Last- und Reittiere waren den ganzen Tag über unruhig geblieben. Kelūru war sich sicher, dass die Xularis in dieser Nacht angreifen werden und ließ auf Grund dessen die Wachen verstärken.

„Ich hoffe nur, dass uns diese Viecher in Ruhe lassen.”, meinte er am Lagerfeuer zu Pelto, nachdem er ihm mitgeteilt hatte, dass er die Absicht hatte, ein paar Tage länger an dieser Wasserstelle zu verweilen. Rasch übersetzte der Graumelierte seinen drei Arbeitsherren, was der Anführer der Xendavas zu ihm gesagt hatte. „Aber warum will er denn hier ein paar Tage bleiben, wenn uns doch die Xularis auf den Fersen sind?”, fragte Arankas Mann verständnislos, „Ich dachte, er weiß, wie gefährlich diese Biester sind.” Pelto übersetzte Simdus Bemerkung ins Oskonische, woraufhin der Anführer den Ulani ernst ansah. „Mit Euren Bedenken habt Ihr gar nicht mal so Unrecht.”, räumte Kelūru ein, „Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass wir diese Viecher wohl erst dann wieder los werden, wenn wir uns den Xularis zu Kampf gestellt und mindestens einen von den Viechern getötet haben. Dann lassen sie uns erst wieder in Ruhe. Sie müssen erst die Erfahrung gemacht haben, dass wir für sie sehr wehrhafte Beute sind, die sie nicht unterschätzen dürfen.” „Außerdem sollen meine Männer gemäß unseren Gesetzen Euch beibringen, wie Ihr am besten mit Speer, Pfeil und Bogen sowie mit weiteren Waffen umgeht.”, fügte Mandūri hinzu, „Damit Ihr Euch in Zukunft besser verteidigen könnt. Hier draußen ist das lebensnotwendig.” „Ich habe noch nie ein Xulari gesehen.”, gestand Tabrun nachdenklich. Fragend sah Kelūru den graumelierten Aldoraner an, der sofort übersetzte. Mandūri nickte mit sehr ernster Miene. „Sag Eurem Arbeitsherren, dass er nicht zu sehr versessen auf eine Begegnung mit Mūruks Geschöpfen sein sollte.”, warnte Dilāras Vater, „Er sollte Zātul und allen anderen Göttern dafür danken, dass er diesen Viechern bisher noch nie begegnet ist. Denn die kriegt er noch früh genug zu sehen. Wahrscheinlich sogar eher, als ihm lieb sein wird.” Nachdem Pelto Tabrun Kelūrus Warnung übersetzt hatte, begann Gūrads ältester Sohn schweigend in das Feuer zu starren.

Auch an diesem Abend gab es wieder reichlich zu essen und zu trinken. Allerdings gab es dies Mal keinen Wein, denn Kelūru wollte vermeiden, dass sich die Stimmung unter Alkoholeinfluss anheizen konnte und es leicht wieder erneut zu Streitereien kommen konnte. Die Xendavas selbst nahmen die Entscheidung ohne zu Murren hin. Auch Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto störten sich nicht daran, dass statt des Weines nur K’tiša zum Abendessen gab. Nachdenklich saßen sie an einem der Lagerfeuer. Schweigend aßen sie die von den Frauen dargebotenen Speisen. Nach dem Essen zog sich Tabrun in das Gästezelt zurück, wo er sich zum Schlafen auf eine der provisorischen Betten legte und rasch zu schnarchen begann. Auch Arankas Mann blieb nicht allzu lange mehr auf. Etwas nachdenklich sah Mandrak Simdu nach, als dieser sich ebenfalls in das Gästezelt zurückzog. Dann sah er zu Pelto hinüber, der sich angeregt mit Kelūru an diesem Abend statt auf Oskonisch auf Xendavu unterhielt. Mandrak versuchte gar nicht erst, den beiden zuzuhören, denn er verstand kein einziges Wort dieser Sprache, die ihm so fremd in seinen Ohren klang, aber dennoch schön. Er gab einen tiefen Seufzer von sich.

Gedanken versunken starrte er ins Feuer, das vor sich hin knisterte und ihn mit wohliger Wärme umgab. Er dachte an seine Eltern zu Hause. Was wird wohl Vater gesagt haben, als sie zu Hause feststellten, dass Tabrun und ich einfach bei Nacht und Nebel abgehauen sind?, fragte er sich, Hoffentlich machen sie sich nicht allzu große Sorgen um uns! Bestimmt hat Vater sehr getobt, nachdem er erfuhr, dass wir beide ihm gegenüber ungehorsam waren, indem wir einfach fort gingen!, fuhr er in Gedanken fort, Und Mutter kann wahrscheinlich kaum Schlaf finden vor lauter Sorge um uns beiden! Der hellbraunhaarige Ulani stieß wieder einen tiefen Seufzer aus. Hoffentlich war das kein Fehler von uns beiden!, dachte er betrübt, Es wäre schön, wenn wir diese Larunos finden und Vater jede Menge von dem Saatgut mitbringen könnten! Dann hätte sich der ganze Aufwand auf jeden Fall gelohnt!, dachte er weiter, Dann wäre zumindest unser Hof gerettet!

Mandrak wusste nicht, wie lange er so in die Flammen starrend dagesessen hatte und seinen Gedanken nachhing. Er zuckte erschrocken zusammen, als ihn jemand von der Seite ansprach. Rasch stand er auf, als er erkannte, dass es Kelūrus Tochter Dilāra war, die vor ihn stand. Das blutjunge Mädchen stand lächelnd vor den jüngsten Sohn von Gūrad. Ihre Blicke trafen sich. Dilāra trug eine kleine braune Tasche bei sich. Sie fragte ihn etwas, doch der Ulani verstand kein Wort. Er lächelte sie hilflos an, bis sie auf seine verbundene Hand wies und ihre Frage wiederholte. Erst in diesem Moment begriff er, was sie von ihm wissen wollte. Mandrak hob seine verletzte Hand. Vorsichtig griff die Xendava nach ihr und nahm behutsam den Verband ab. „Sie tut nicht mehr weh.”, gestand er, als sie die Verletzung etwas genauer betrachtete und dabei die Stirn runzelte legte. Dann sagte sie wieder etwas, was der Hellbraunhaarige wieder nicht verstand. Kelūrus Tochter ließ die Tasche von ihrer Schulter gleiten. Wenig später, als die Tasche bereits auf dem Boden stand, öffnete sie diese und holte etwas heraus. Es war eine leere Schale, die sie auf den Boden stellte. Anschließend holte sie einen kleinen Krug heraus, der verschlossen war. Nachdem sie ihn geöffnet hatte, konnte Mandrak den Duft von verschiedenen Kräutern riechen. Behutsam goss ein wenig von einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in die Schale und verschloss den kleinen Krug wieder. Wenig später rieb Dilāra seine Hand mit dem duftenden Öl ein, bis davon nichts mehr übrig blieb. Nachdem sie einen neuen Verband angelegt hatte, betrachtete sie ihr Werk prüfend. Zufrieden begann sie wieder zu lächeln. Mandrak sah ebenfalls auf den neuen Verband, der recht fest war, aber nicht zu stramm. „Ich danke dir für deine Hilfe.”, sagte Mandrak, während sie ihre Utensilien wieder in der kleinen braunen Tasche verschwinden ließ, „Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn du meine Hand nicht behandelt hättest. Du bist eine wundervolle Heilerin.” Fragend sah Dilāra den Ulani an. Er seufzte, als er ihre Antwort auch dieses Mal nicht verstand. „Ich finde es sehr schade, dass du meine Zunge nicht verstehst und ich die deinige nicht.”, gestand er bedauernd, während sie sich wieder aufrichtete die Tasche über ihre Schulter hängte, „Es wäre schön, wenn Zātul und alle anderen Götter uns beide dieselbe Zunge gegeben hätten.” Dann sah er sie eine Weile lang wortlos an. Lächelnd erwiderte Dilāra seinen Blick. „Damūžu tembāri tāna kēmu sallūno.”, sagte sie lächelnd und ging mit der Tasche über ihre Schulter hängend davon.

Mandrak wusste nicht, wie lange er der jungen Frau nachgesehen hatte, als er sich wieder setzte und erneut in die Flammen des Lagerfeuers starrte. Nur einen kurzen Augenblick später warf er einen kurzen Blick in jene Richtung, in der Dilāra mit ihrer Tasche verschwunden war. Dann sah er seinen festen Verband an. Mehrfach versuchte er dabei die Finger zu spreizen und drehte anschließend die Hände in beide Richtungen. Der Verband saß fest und war gleichzeitig flexibel genug, um nicht zu stören. Er konnte seine Hand fast frei bewegen. Der Verband sitzt fabelhaft!, dachte er bewundernd, Dilāra ist eine Heilerin, die ihr Handwerk versteht! Er nahm einen weiteren Schluck K’tiša, als das junge Mädchen wieder zu ihm zurückkehrte. Überrascht sah Gūrads jüngster Sohn die Tochter des Anführers der Xendavas an, als sie dicht vor ihm stehen blieb. Wieder lächelte sie Mandrak an, als sie etwas in ihrer Muttersprache zu ihm sagte. Fragend sah der junge Ulani die Xendava an, die ihn mit Handzeichen zu verstehen gab, dass er aufstehen und ihr folgen sollte. Sie kicherte ein wenig, als Tabruns jüngster Bruder etwas unbeholfen aufstand und ihr folgte. Wenig später waren die beiden in der Dunkelheit verschwunden. Niemand im gesamten Lager nahm Notiz von den beiden.

Im ersten Moment wusste Mandrak nicht, wohin Dilāra ihn führte. „Ist das nicht ein wenig leichtsinnig von uns, wenn wir uns so weit aus dem Lager entfernen?”, fragte der Ulani unsicher, während Kelūrus Tochter ohne eine Antwort zu geben weiterging, „Vielleicht sollten wir zumindest jemanden Bescheid sagen, dass wir zusammen das Lager verlassen und zum Wasser gehen.” Direkt am Wasser blieb Dilāra unvermittelt stehen. Sie wandte sich zu Mandrak um und lächelte ihn einladend an. Inzwischen waren bereits Bellus, Bellūra und Būrallus über der Oase aufgegangen. Die Wasseroberfläche reflektierte glitzernd das Licht der drei Monde. Temkas Tochter sagte wieder etwas zu dem jungen und schüchternen Ulani, als sie einen Schritt auf ihn zutrat. Ohne ein Wort zu sagen, sah er sie an. Im nächsten Augenblick streckte Kelūrus Tochter eine Hand nach dem Gesicht des Ulani aus und berührte seine Wange. Es war eine sehr sanfte Berührung. Der Hellbraunhaarige schluckte, als er ihre weiche Haut auf der seinigen spürte und zuckte etwas zusammen, woraufhin die junge Xendava leise zu lachen anfing. Sie flüsterte ihm etwas aufmunternd zu, was er nicht verstehen konnte. Sie trat einen halben Schritt näher und der hellbraunhaarige Ulani konnte deutlich die Wärme spüren, die von dem wohlgeformten Körper der jungen Xendava ausging. Im nächsten Augenblick schlang Kelūrus Tochter ihre Arme um den Hals des Ulani. Ihm überlief ein wohliger Schauer am ganzen Körper, als sie sich gegenseitig in die Augen sahen. „Was ist mit den Xularis, Dilāra?”, meinte Mandrak unsicher und blickte sich dabei kurz zu mehreren Seiten um, „Ist es nicht besser, wenn wir wieder in das Lager zurückgehen würden, bevor noch etwas passiert?” Die junge Frau achtete nicht darauf, was er sagte. Stattdessen zog sie ihn dichter zu sich heran und seine drei Herzen begannen wild in seinem Körper zu schlagen, als sich ihre Lippen zum allerersten Kuss berührten.

Dicht vor den schwer bewaffneten Mann blieb Kejtar Sāmoš stehen. Dieser sah ihn aus wachsamen Augen an. „Wie sieht es aus, Sejloš?”, erkundigte sich der Vertraute von Kelūru, „Ist alles ruhig?” Der Angesprochene antwortete mit ausdruckslosem Gesicht. „Ja, Herr.”, antwortete der Wächter leise, „Bis jetzt hat sich noch kein Xulari blicken lassen.” Kejtar nickte zufrieden und ging ein paar Schritte weiter, bis er den nächsten Mann erreichte. „Und wie sieht es bei dir aus, Kēloš?”, fragte der Mann mit dem schwarzen Bart, „Sind unsere Tiere gut versorgt?” „Ja, Herr.”, erwiderte der Angesprochene ruhig, „Ich habe mich selbst darum gekümmert, damit es den Tieren an nichts mangelt. Sicherheitshalber habe ich sie auch fest angebunden, damit sie nicht fliehen können, falls die Xularis angreifen sollten.” Rasch zeigte er Kejtar die Zügel eines Kojn-Kojns, das fest angebunden war. Dieser nickte anerkennend. Das Tier scharrte unruhig mit den Hufen im Sand. Immer wieder gab es Laut von sich und schüttelte seine mächtige Mähne. Die Nüstern blähten, wenn es schnaubte. Beruhigend wurde das dunkelbraune Reittier von den beiden Xendavas gestreichelt, während sie sich weiterhin leise miteinander unterhielten, wobei das Kojn-Kojn seine beiden Ohren in die Richtung der beiden Männer drehte und aufmerksam ihren Stimmen lauschte. Auch die anderen Tiere gaben Laut von sich und forderten so ihre Aufmerksamkeit von den anwesenden Xendavas. Sejloš Mūnax gesellte sich zu Kejtar Sāmoš und Kēloš Surgan, ohne dabei in seiner Wachsamkeit nachzulassen. „Die Tiere sind nach wie vor unruhig, Herr. Anscheinend sind Mūruks Geschöpfe immer noch in unserer Nähe.”, sagte der ältere der beiden Wächter gerade, als ein markerschütternder Schrei die Stille zerriss. In Sekundenbruchteile wirbelten die drei Männer in jene Richtung herum, aus der Schrei erklang. Kejtar befahl den beiden Wächtern, ihren Posten nicht zu verlassen und preschte in die Dunkelheit davon.

Erschrocken wandten sich Mandrak und Dilāra in jene Richtung um, aus der sie den Schrei gehört hatten. Beiden war sofort klar, was auf der anderen Seite des Lagers passiert sein musste. Überdeutlich konnten sie den Tumult hören, der nun aus dem aufgeschreckten Lager zu hören war. Jemand bellte mehrere Befehle. Sofort rannten die beiden ins Lager zurück. Wenig später erreichte Mandrak das Gästezelt, aus dem bereits Simdu und Tabrun herausgekommen waren und den bewaffneten Xendavas hinterherliefen. Die beiden Ulani hatten bereits jeweils ein Speer von einen der Männer in die Hand gedrückt bekommen und folgten nun den schwer Bewaffneten.

„Was ist passiert?”, wollte Pelto wissen, als der Anführer der Xendavas aus seinem reich verzierten Sessel hochschoss. Ohne den alten Aldoraner zu beachten, eilte Kelūru in jene Richtung davon, wo der Schrei zu hören war. Sofort folgten ihm etliche schwer bewaffnete Männer. Kelūru bellte rasch einige Befehle, die die anwesenden Xendavas unverzüglich ausführten. Pelto heftete sich mit einem aldoranischen Fluch auf seinen Lippen an die Fersen des Anführers und eilte ihm nach. Am Rande des Lagers fanden sie eine dunkle Spur, die in die Dunkelheit hinausführte. Sofort begriffen die Xendavas, dass die Xularis jemanden angegriffen oder gar getötet und ihre Beute in die Dunkelheit geschleppt hatten, um sie dort zu verzehren. Sofort folgten bereits die ersten Xendavas der blauen Blutspur in die Dunkelheit. Kojn-Kojns und auch einige Kuš-Kuš gaben in der Dunkelheit ängstlich Laut von sich. Kelūrus bellte weitere Befehle, die sofort ausgeführt wurden. Einer der Xendavas drückte dem Aldoraner einen Speer in die Hand und deutete ihm mit der Hand an, den anderen zu folgen. Mehrere Xendavas trugen Fackeln, die wiederum die schwer bewaffneten Männer begleiteten. In der Dunkelheit ertönten wieder Schreie von Xendavas und das bösartige Fauchen der Xularis. Sofort begriff Pelto, dass die Xendavas mindestens einen Xulari zum Kampf gestellt haben mussten.

Nach wenigen Augenblicken, die dem Aldoraner unendlich lang vorkamen, erreichte Pelto zusammen mit weiteren Xendavas eine kleine Düne, die sie rasch erklommen. Wieder erklang das wütende Brüllen eines Kuš-Kuš. Nur schemenhaft konnte Pelto zwei Tiere im Mondlicht erkennen, die sich gegenseitig bekämpften. Sofort schossen die ersten Xendavas, die den Rand der kleinen Düne erreicht hatten, ihre Pfeile ab. Andere Männer warfen ihre Speere. Der Aldoraner tat es den Xendavas gleich und warf ebenfalls sein Speer in die Dunkelheit. Dicht neben dem Xulari bohrte sich Peltos Speer in den Sand. Sofort reichte ihm jemand ein Langschwert, das der Aldoraner gern annahm. Weitere Pfeile schwirrten durch die Luft, ohne dass die Xularis sich davon abschrecken ließen, ihren Angriff fortzuführen. Deutlich konnte Pelto die Flügelschläge mehrerer Kojn-Kojns hören und warf einen kurzen Blick nach oben. Inzwischen preschte eines der Kuš-Kuš auf den Xulari zu, der bedrohlich seine krallenbewehrten Vorderläufe hoch streckte, um seinem Gegner weitere gefährliche Wunden zuzufügen. Die gefährlichen Zähne und Krallen des Xularis glänzten im faden Licht der drei Monde. Deutlich konnten die Xendavas das schmatzende Geräusch hören, als das Kuš-Kuš einen der Xulari mit seinen mächtigen Hörnern durchbohrte und zu Fall brachte. Begleitet wurde die Szenerie von dem lauten Gebrüll des gehörnten Reittieres, als es erneut seine blutverschmierten Hörner in den am Boden liegenden Xulari rammte. Das Fauchen des tödlich verletzten Xulari erstarb nach wenigen Augenblicken. Ein anderer Xulari attackierte böse fauchend das bullige Reittier von der Seite und biss in dessen Flanke. Ein weiterer Xulari, der etwas größer war, tat es seinem Artgenossen gleich und griff den Kuš-Kuš ebenfalls an. Gnadenlos riss das echsenartige Raubtier mit seinen mächtigen scharfen Krallen große Wunden in die Flanke des Kuš-Kuš, die sofort zu bluten begannen. Inzwischen hatte Pelto sein Speer erreicht und zog ihn wieder aus dem Boden. Ohne weitere Zeit mehr zu verlieren schleuderte er die Waffe einen der Xulari entgegen, die gegen den Kuš-Kuš kämpften und gerade versuchten, es zu Fall zu bringen. Ein Xulari fauchte wütend, als er von dem Speer getroffen wurde. Rasend vor Schmerzen schnappte das echsenartige Raubtier nach der Waffe, die in seiner Flanke steckte, ohne jedoch den Schaft mit seinem blutigen Maul erreichen zu können. Ein weiterer Speer, der von einem anderen Xendava geworfen wurde, brachte das Tier zu Fall. Zuckend blieb der Xulari liegen. Sofort griff der Aldoraner nach einem anderen Speer, der auf den Boden lag, als ihn ein Warnruf erreichte.

Instinktiv drehte sich Pelto in die Richtung um, aus der jener Ruf kam, doch es war bereits zu spät. Ein gewaltiger Schatten verdeckte bereits die blutige Szenerie, als Pelto schon den Speer in die Höhe hielt. Im nächsten Moment wurde der Aldoraner von den Füßen gerissen und ein enormes Gewicht presste ihm die Luft aus seinen Lungen. Erst in diesem Augenblick fühlte er, wie die scharfen Krallen eines Xularis in seinem Körper eingedrungen waren und stieß einen lauten Schmerzensschrei aus. Blut tropfte von oben herab auf sein Gesicht und das weit aufgerissene Maul mit den rasierklingenscharfen Zähnen sauste auf ihn herab. Bei Fazilāna! Jetzt ist es aus!, dachte noch der alte Mann verzweifelt, Das war’s! Das letzte, was er noch sah, waren die kalten giftgrünen Augen des Xularis.

Weder Simdu noch die beiden Söhne des ulanischen Farmers Gūrad Nandor merkten, was dem alten Aldoraner während des Kampfes gegen die Xularis zugestoßen war. Mit Speeren bewaffnet kämpften die drei Ulani gegen die gefährlichen Raubtiere. Tabrun und Mandrak kämpften Seite an Seite gegen einen besonders großen Xulari, der bereits mehrere Xendavas nicht nur verletzt sondern auch getötet hatte. Als zwei weitere Xularis auch noch Tabrun direkt angriffen, griff Kejtar mit ein paar Bewaffneten in das Geschehen ein. Kaltes Grausen überkam Tabrun, als das gewaltige Raubtier nach seinem Kopf schnappte, nachdem ihn der größere der beiden Xularis angesprungen hatte. Er hatte keine Chance gehabt, als er von dem Schwung des Tieres zu Boden gerissen wurde. Ein schmerzerfülltes Stöhnen entrann seiner Kehle, nachdem Tabrun seine schweren Verletzungen wahrnahm, die ihm das Raubtier bereits mit seinen scharfen Krallen zugefügt hatte. Der Xulari stand böse fauchend direkt auf seinen Beinen, die von den langen Krallen an den Füßen des Tieres durchbohrt waren und stark bluteten. Er konnte sie nicht bewegen und Todesangst überkam ihm, die sich in Form eines lauten Schreis aus Tabruns Kehle herausbahnte. Nur verschwommen konnte Tabrun die giftgrünen Augen der Raubechse erkennen, die ihn kalt ansahen. Er verlor bereits das Bewusstsein, als der Kopf des Xularis mit dem weit aufgerissenen Maul, aus dem die scharfen Zähne wie unzählige kleine Dolche rausragten, gnadenlos auf seinen Oberkörper niedersauste.

„Nein!”, rief Mandrak entsetzt, als er sah, wie eine der großen Raubechsen seinen älteren Bruder angegriffen und zu Boden gerissen hatte. Sofort schleuderte er einen Speer, den er in diesem Moment in seiner Hand hielt, auf den Xulari, der gerade auf Tabruns Beine stand und ihn zu töten versuchte. Die Waffe bohrte sie in den Hals des Tieres. Rasend vor Wut und Schmerz versuchte der verletzte Xulari mit seinen Vorderläufen nach dem Schaft des Speeres zu greifen, ohne ihn jedoch richtig zu fassen zu kriegen. Das gefährliche Raubtier sah in die Richtung, wo der hellbraunhaarige Ulani stand und gab ein wütendes Fauchen von sich. Er machte einen kleinen Satz in Mandraks Richtung. Die Krallen an den Vorderläufen klackten, als sie den langen Schaft berührten, ohne dass die Raubechse ihn aus der blutenden Wunde herausziehen konnte. Jemand rief dem hellbraunhaarigen Ulani etwas zu. Mandrak reagierte sofort und fing etwas mit einer freien Hand auf. Es war ein weiterer Speer, an dem bereits Blut klebte. Es war Kejtar gewesen, der geistesgegenwärtig dem jungen Ulani zu Hilfe kam. Sofort schleuderte Gūrads jüngster Sohn auch diese Waffe, die sich diesmal in die Flanke des Tieres bohrte. Fast im gleichen Augenblick wurde der Xulari auch von Kejtars Speer getroffen und brach zusammen. Es dauerte nicht lange, bis das Fauchen des Raubtieres erstarb. Sofort zogen der Xendava und der Ulani zusammen ihre Speere aus dem Leib des toten Tieres. Kaum hielt Mandrak den Speer wieder in seinen Händen, wandte er sich wieder seinem Bruder zu, der regungslos am Boden lag. Ohne auf das Kampfgetümmel noch zu achten, lief er so schnell er konnte zu Tabrun hin, der sich nicht mehr bewegte. Das Fauchen der kleinen Raubechse ließ Mandrak in seiner Bewegung innehalten. Als der hellbraunhaarige Ulani in die Richtung des Raubtiers blickte, sah er genau in die grünen Augen des Raubtieres. Deutlich konnte Mandrak die schmalen Pupillen erkennen, die ihn kalt ansahen. Gūrads jüngsten Sohn überkam ein kalter Schauer.

Weitere Pfeile schwirrten durch die Luft. Der kleinere Xulari, der immer noch in der Nähe von Tabrun stand, schaute den jungen Ulani mit seinen kalten giftgrünen Augen an. Kejtar war neben ihm, als er bereits den blutverschmierten Speer auf die kleinere Raubechse schleuderte. Dicht neben dem Tier bohrte sich die Waffe in den Sand. Der Xendava brüllte etwas in seine Muttersprache, was Mandrak nicht verstand, aber der kleine Xulari floh nach einigen Zögern vor den beiden Männern, nachdem er sie mehrmals böse angefaucht hatte. Nur sehr ungern gab die Raubechse ihre Beute auf. Als der hellbraunhaarige Ulani seinen Bruder erreicht hatte, kniete er neben diesen nieder. Tabrun war von dem großen Raubtier übel zugerichtet worden. Mandrak kam das wie ein unbeschreiblicher Albtraum vor, aus dem er nicht aufwachen konnte.

„Tabrun!”, rief er zutiefst besorgt und rüttelte dabei den Regungslosen an dessen Schulter, „Bei allen Göttern! Sag doch was!” Er konnte nicht begreifen, was er sah. Sein ältester Bruder lag blutüberströmt vor ihm. Mit zitternden Händen fuhr er über das Gesicht des schwarzhaarigen Ulani. „Bitte, du darfst mich nicht verlassen!”, flehte er weiter, „Du darfst nicht sterben! Wir müssen doch zusammen die Larunos finden und dann Vaters Farm retten!” Inzwischen hatten sich mehrere Xendavas um Mandrak und seinen regungslosen Bruder versammelt, der inzwischen verzweifelt nach Hilfe rief. Einer von ihnen legte behutsam seine Hand auf die Schulter des Hellbraunhaarigen und rief etwas, was er nicht verstehen konnte. Vorsichtig versuchten einige Xendavas den am Boden liegenden Tabrun sofort zu untersuchen. Kejtar sagte etwas zu einem jüngeren Xendava, der sofort davoneilte. Wenig später kehrte der kleine Mann mit einem alten weißhaarigen Mann zurück, der eine große Tasche aus Leder bei sich hatte. Rasch machte sich der Alte ans Werk und untersuchte Mandraks älteren Bruder. Sofort bellte er ein paar Befehle, die umgehend von einigen Anwesenden ausgeführt wurden. Nach wenigen Augenblicken kehrten zwei Xendavas mit einer Bahre zurück, auf der sie Tabrun legten und ihn ins Lager brachten. Mandrak folgte ihnen. Direkt vor dem Zelt des Heilers wurde der hellbraunhaarige Ulani von einem schwer bewaffneten Mann zurückgehalten. Mandrak protestierte sofort, aber der wachsame Mann ließ sich nicht beirren. Sanft, aber bestimmt hinderte der bewaffnete Xendava Gūrad Nandors jüngsten Sohn daran, das Zelt des Heilers zu betreten.

Neben Mandrak standen schon einige andere Xendavas vor dem Eingang und warteten bereits geduldig auf Nachrichten über die Verletzten im Zelt. Mittlerweile tauchte auch Simdu neben dem Hellbraunhaarigen auf, der leicht verletzt war. Jakodos blickte den jungen Landsmann an. „Ist dein Bruder da drinnen?”, wollte er wissen. Mandrak nickte nur. „Oh, das tut mir Leid.”, sagte er leise, „Ist er im Kampf gegen Mūruks Geschöpfe sehr schwer verletzt worden?” Der Hellbraunhaarige nickte abermals. An seinem Gesichtsausdruck sah er, wie sehr Mandrak um das Leben seines Bruders bangte. Der Blonde nickte. „Verstehe.”, sagte er fast tonlos, „Dann kämpfen momentan also die Heiler um sein Leben, nehme ich an.” Gūrads jüngster Sohn erwiderte nichts. Stumm blickte er sorgenvoll auf den Zelteingang. „Ich hoffe, dass sie ihm helfen können.”, meinte Mandrak nach einigen Momenten des Schweigens, „Mögen Zātul und alle anderen Götter ihre schützenden Hände über Tabrun halten und ihm am Leben lassen.” Arankas Mann schluckte, als er Mandraks Worte vernommen hatte. „Steht es wirklich so schlecht um deinen Bruder?”, wollte Simdu wissen. Der Farmersohn sagte nichts. Nach einigen Augenblicken kam jemand heraus und führte Jakodos in das Zelt, wo sofort dessen Wunden medizinisch versorgt wurden. Mandrak stieß einen tiefen Seufzer aus, als er den blonden Ulani in dem Zelt verschwinden sah und begann im Stillen zu den Göttern zu beten.

Die Zeit kam ihm unendlich lang vor, während er vor dem Zelt wartete. Mandrak merkte nicht einmal, dass die Kämpfe gegen die Xularis vorbei waren und es im gesamten Lager sehr ruhig geworden war. Geduldig warteten die Xendavas vor den Zelten der Heiler auf medizinische Hilfe und auf Nachrichten über die Verwundeten, die zurzeit in den Zelt versorgt wurden. Irgendwann drangen zwei vertraute Stimmen an seine Ohren und Mandrak wandte sich in jene Richtung um, aus der er sie hörte. An einem der Zelte stand Kelūru und sprach gerade mit Kejtar. Er wusste zwar nicht, worüber sie miteinander sprachen, da er ihre Sprache nicht verstand, aber er hörte mehrmals die Namen Pelto und Tabrun. Sofort ging er zu den beiden Männern hin.

Als Kelūru den jungen Ulani sah, begann er erleichtert zu lächeln und trat ihm rasch entgegen. Dicht vor Mandrak blieb der Anführer der Xendavas stehen und packte den jungen Ulani mit seinen beiden kräftigen Händen an die Oberarme und sagte etwas zu ihm, was sich für Mandrak wie eine Erleichterung über seinen Zustand anhörte. Sofort sagte Kejtar etwas zu Kelūru, woraufhin dieser den Hellbraunhaarigen prüfend ansah. Dann begann er zu lächeln, als dieser antwortete und dabei den jungen Ulani ansah. Mandrak hörte Erleichterung und auch Zufriedenheit aus der Stimme Kelūrus, als dieser Kejtar einen Befehl gab. Dieser trat vor Gūrads jüngsten Sohn und deutete ihn mit der Hand an, dass er ihn doch folgen sollte. Unsicher sah der Hellbraunhaarige zu jenem Zelt hin, indem sich sein verletzter Bruder befand. Väterlich legte der Anführer der Xendavas seine Hand auf Mandraks Schulter und schob ihn mit ein paar tröstenden Worten ein wenig in jene Richtung, in der er Kejtar begleiten sollte. Beide sprachen beruhigend zu ihm. Nach einer Weile fügte Mandrak sich und ging mit dem Vertrauten Kelūrus mit.

Vor einem relativ großen Zelt hielten die beiden Männer an. Kejtar deutete Mandrak an, dass er draußen vor dem Zelt warten sollte. Der Ulani nickte und der Xendava betrat das Zelt. Tabruns jüngster Bruder brauchte nicht allzu lange warten, bis der Xendava mit dem schwarzen Vollbart wieder aus dem Zelt trat. Er begann zu lächeln, als er den Eingang offen hielt und ihm mit der Hand eine einladende Bewegung machte. Sofort betrat Mandrak das Zelt, während Kejtar draußen blieb. Während sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnten, hörte er, wie Kelūrus Vertrauter fort ging.

 

Abschließende Hinweise:

keine

Die Gesetze der Xendavas

von aroessler2003

 

Nach kurzer Zeit fühlte er, wie jemand um seine Füße strich. Als Mandrak nach unten blickte, sah er ein orangefarbenes Augenpaar. Sofort wusste er, dass es Dilāras Kundo war, dessen Schnurren er in diesem Moment bewusst hörte. Unwillkürlich musste der junge Ulani lächeln, als er das Tier hochnahm und zu streicheln begann. Dann hörte er das Rascheln von Kleidung und er sah in die Richtung, aus der er es hörte und erblickte eine Gestalt. „Dilāra?”, fragte er unsicher, als die Gestalt auf ihn zukam, „Bist du das?” Er verstand zwar nicht, was ihm die Gestalt antwortete, aber anhand der Stimme konnte er hören, dass es nicht Kelūrus Tochter war, die vor ihm stand, aber es war definitiv eine Frau. Sanft fasste sie Mandrak an seinen Oberarm und führte ihn vorsichtig zu einem bequemen Stuhl, in dem er sich setzte. Kurz darauf hörte er, wie sie etwas in ein Gefäß goss und es ihm reichte. Sofort begann er zu trinken. Erst als er den Becher K’tiša vollständig ausgetrunken hatte, füllte ihm die Xendava nach. Sie sagte etwas, als sie nachschenkte und die Stimme der Frau klang sehr beruhigend. Was sie zu ihm sagte, wusste er nicht, aber er hörte den Namen von Kelūrus Tochter. Wieder leerte er den Becher in einem Zug. Der K’tiša war für ihn eine reine Wohltat. Mandrak spürte richtig, wie die Erschöpfung und Mattigkeit von ihm abfiel. Als er sich beim dritten Becher verschluckte und zu Husten begann, hörte er das leise Lachen der Frau. Erst jetzt erkannte er Temka Dajhān, die Frau des Anführers der Xendavas. Vorsichtig stellte sie den großen Krug mit dem kalten Getränk auf den Tisch und verließ das Zelt. Mandrak blieb mit Dilāras schnurrendem Kundo auf dem Arm allein in dem Zelt zurück.

Er wusste nicht, wie lange er mit dem Kundo auf seinem Arm in dem Zelt gesessen und auf Dilāra gewartet hatte. Zumindest hatte er Kejtar so verstanden, dass er in diesem Zelt auf Kelūrus Tochter warten sollte. Inzwischen war Mandrak müde geworden und er dachte darüber nach, ob es nicht besser wäre, in das Gästezelt zurückzukehren, um dort zu schlafen. Doch bevor er sich zum Schlafen in das Gästezelt zurückziehen konnte, wollte er versuchen noch einmal nach Tabrun sehen, der in einem der Zelte der Heiler lag und dort medizinisch betreut wurde. Er hoffte, dass dieses Mal der Wächter ihn am Eingang nicht wieder am Betreten des Zeltes hindern würde. Mandrak war sich obendrein sicher, dass er dort auch Kelūrus Tochter finden würde, die sich wahrscheinlich mit den anderen Heilern zusammen um die Verletzten kümmern dürfte. Das kleine Nagetier gab einen protestierenden Laut von sich, als er es auf den Boden absetzte und aufstand. Ohne weiter auf das kleine Geschöpf mit den großen orangefarbenen Augen zu achten verließ der junge Ulani das Zelt der jungen Xendava. Mit raschen Schritten ging er zu jenem Zelt hin, wo sein Bruder lag. Der Wächter am Eingang ließ ihn aber auch dieses Mal nicht hinein. Frustriert entschloss sich Mandrak, dass es wohl das Beste wäre, wenn er sich in das Gästezelt zurückziehen würde, um sich dort auszuruhen. Mit einem tiefen Seufzer ging er weiter zum Gästezelt hin und betrat es, schließlich wusste er, dass er mit dem wachsamen Xendava weder in dessen Muttersprache noch auf Ulanisch reden konnte.

Überrascht musste er feststellen, dass sich niemand in dem Zelt aufhielt. Müde sank er auf sein Nachtlager und war in Kürze eingeschlafen. Der Hellbraunhaarige war einfach zu erschöpft, um sich über die Abwesenheit von Simdu Jakodos und Pelto Gōlad Gedanken zu machen. Er merkte nicht einmal mehr, wie ein kleiner Schatten lautlos in das Zelt huschte, schnell zu seinem Nachtlager hinflitzte und dort auf sein provisorisches Bett sprang. Schnurrend kuschelte sich das kleine Nagetier mit den orangefarbenen Augen an Mandraks Körper und schlief ebenfalls rasch ein.

Nachdenklich saß Mandūri vor seinem Zelt und ließ sich erneut von seiner Frau Temka Wein einschenken. Der Anführer der Xendavas gab einen tiefen Seufzer von sich. Kejtar saß gegenüber auf einen kleinen Schemel und blickte Kelūru an. „Es tut mir Leid, dass ich Euch keine bessere Kunde bringen konnte, mein Gebieter.”, sagte der vollbärtige Xendava und leerte seinen Becher mit einem Zug, „Mūruks Geschöpfe waren diesmal gnadenlos. Selbst unsere Gäste haben sie nicht verschont.” Temkas Mann nickte nur und leerte seinen Becher ebenfalls. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir diese Biester schon im Laufe des Tages angegriffen und vernichtet hätten. Dann wäre jedenfalls nicht soviel Blut geflossen.”, meinte der Anführer nachdenklich, wobei ein deutlicher Selbstvorwurf in seiner Stimme lag, „Ich hätte es besser wissen müssen, mein ehrenwerter Freund.” Der Angesprochene legte seine Hand auf die Schulter Kelūrus und schüttelte energisch mit dem Kopf. Sein Gesicht wurde sehr ernst, als er ihm antwortete. „Seid nicht so hart zu Euch selbst, mein Gebieter.”, erwiderte Kejtar, „Nur Zātul und alle anderen Götter wussten, wann Mūruks Geschöpfe zuschlagen würden. Nur seiner Gnade verdanken wir es, dass nicht noch mehr von uns getötet wurden.” Der Anführer sah seinen besten Freund nur an, ohne etwas zu erwidern. Temka setzte sich neben Kelūru und schenkte ihm abermals Wein nach, bis dieser wieder seinen Becher hob und ihn mit einem Zug erneut leerte.

„Wir können die Götter nur lobpreisen, da sie nur sehr wenige zu sich riefen, mein Gemahl.”, sagte Dilāras Mutter, „Zumal weder Zātul noch die anderen Götter zugelassen haben, dass Mūruks Geschöpfe verletzte oder getötete Xendavas als Beute mitnehmen konnten. Selbst unsere Gäste mussten sie hier lassen.” „Eure Gemahlin hat Recht, mein Gebieter.”, fügte Kejtar hinzu, „Alle vier Gäste haben den Angriff dieser Bestien überlebt, auch wenn zwei von ihnen sehr schwer verletzt wurden und ein weiterer von ihnen leichte Verletzungen davontrug.” Der Anführer sah zuerst seine Frau an, dann Kejtar. „Wie haben sich denn unsere Gäste im Kampf gegen die Xularis geschlagen?”, wollte er wissen. „Mut und Tapferkeit sind für sie keine fremde Tugenden, mein Gebieter.”, antwortete dieser Kelūru, „Sie haben alle vier das Herz eines Kämpfers und hielten sich im Kampf gegen diese Viecher ausgesprochen tapfer. Ich hätte ihnen niemals soviel Mut und Kampfgeist zugetraut, denn den Eindruck hatte ich bisher von keinen der Vieren gehabt.” Der Schwarzhaarige nickte nachdenklich.

„Für wahr. Die Götter sind mit ihnen.”, sagte er, „Deshalb werden wir sie auch in den Brondus-Damrajd begleiten und ihnen während dieser Reise mit Rat und Tat zur Seite stehen.” „Sobald sie wieder genesen sind, werden sie von unseren Kriegern den Umgang mit den verschiedensten Waffen lernen, die wir besitzen.”, fuhr Kelūru fort, „Wenn Zātul uns schon zusammengeführt hat, dann hat er damit auch einiges bezweckt.” Kejtar nickte. „Ihr sprecht weise Worte, mein Gebieter.”, erwiderte der beste Freund des Anführers, „Ich werde mich selbst darum kümmern, wenn Ihr es wollt.” Inzwischen schenkte Temka erneut Wein nach. Kelūru warf ihr kurz einen Blick zu, bevor er antwortete. „Ja, edler Kejtar Sāmoš, ich möchte, dass Ihr Euch der Sache annimmt.”, entschied Dilāras Vater, „Damit lege ich das Schicksal unserer Gäste in Eure Hände, denn ich weiß, dass Ihr mich nicht enttäuschen werdet. Mögen die Götter Euch diese Aufgabe leicht machen.” „So sei es, mein Gebieter.”, erwiderte der junge Krieger, „Ich werde Euch nicht enttäuschen. Darauf habt Ihr mein Wort.” Der Anführer nickte nur und hob seinen Becher und leerte ihn wieder mit einem Zug. Kejtar tat es dem Anführer der Xendavas gleich. Als beide Männer nach mehr Wein verlangten, schüttelte Temka entschieden mit dem Kopf.

„Nein, es ist genug getrunken und geredet worden.”, sagte sie mit Nachdruck in der Stimme, „Es wird Zeit, das Nachtlager zu wärmen.” Etwas verblüfft sahen die beiden Temka Dajhān an, doch sie grinste nur, als sie die Flasche mit einem Korken verschloss. Nach dem Kelūru Mandūri aufgestanden war, sah er seinen engsten Freund und Vertrauten an. Dann nickte er. „Wenn ich Euch einen kleinen Rat geben darf, mein Freund Kejtar, dann heiratet niemals.”, sagte Dilāras Vater mit schwerer Zunge ernst, „Sonst wird der Wein zur Mangelware und du darfst ihn nur noch selten trinken um zu vergessen.” „Jawohl, mein Gebieter, ich werde Euren Rat befolgen.”, antwortete Kejtar ruhig mit ausdrucksloser Miene. Beide Männer sahen sich noch kurz an, bevor sich der Anführer von Temka zu seinem Nachtlager führen ließ. „So ist es Recht.”, sagte er noch, als er davon schlurfte. Nachdem Kejtar das Zelt des Anführers verlassen hatte, begann er amüsiert zu grinsen.

Es vergingen mehrere Tage, bis die Heiler zum ersten Mal Mandrak in das Zelt ließen, um nach seinen Bruder zu sehen. Der hellbraunhaarige Ulani war zutiefst erschrocken, als er den Schwerverletzten endlich zu sehen bekam. Tabrun lag auf einem provisorischen Krankenlager und war nach wie vor ohne Besinnung. Bei Faruls Schmiedehammer! Er sieht aus, als würde er nur schlafen!, dachte Mandrak erschüttert, als er zu seinem Bruder ans Krankenlager trat, Hoffentlich wird er bald wieder gesund! Vorsichtig griff er nach der verbundenen Hand Tabruns und hielt sie fest. Werd bald wieder gesund, mein Bruder!, dachte Mandrak besorgt, Hörst du? Verlass mich bitte nicht!, fuhr er in Gedanken fort, Wir müssen doch zusammen Vaters Farm retten! Allein schaffe ich das doch nicht, Tabrun!, dachte der Hellbraunhaarige weiter, Ich brauche dich! Weder Vater noch Mutter würden es jemals verzeihen können, wenn einer von uns beiden nicht mehr heimkehren würde!, dachte Mandrak weiter, Du musst wieder gesund werden! Der hellbraunhaarige Ulani saß einige Zeit bei seinem Bruder am Krankenbett. Unzählige Gedanken und Erinnerungen schossen ihm durch den Kopf. Mandrak dachte an die Zeit zurück, die er zusammen mit Tabrun verbracht hatte, als sie noch zusammen ihrem Vater auf dem Feld halfen, bevor der Schwarzhaarige die Farm verließ, um in der Stadt Merānos am Mullumšari zu studieren. Er musste an die zahlreichen Streiche seines Bruders denken, die er als Kind ausgeheckt hatte, um seine Mutter und jüngeren Geschwister sowie den zahlreichen Feldjungen, die alle bei Gūrad Nandor im Dienst standen, damit zu foppen. Vor seinen geistigen Augen sah er Tabruns amüsiert grinsende Gesicht und hörte das herzhafte Lachen von ihm, wenn die anderen alle sich darüber ärgerten, wenn sie feststellten, dass sie wieder einmal einen weiteren Jux des ältesten Sohnes des Farmers aufgesessen waren.

Es vergingen einige Wochen, bis die ersten der Verletzten wieder vollkommen genesen waren. Auch Tabrun machte schnell Fortschritte, während die Rekonvaleszenz von Pelto Gōlad etwas langsamer vorankam. Alle waren aber über die Zähigkeit des alten Aldoraners sehr überrascht. Niemand hatte es für möglich gehalten, wie gut sich der alte Mann von seinen Verletzungen erholte. Simdu Jakodos saß jeden Tag bei ihm am Krankenbett und sprach mit ihm, während Mandrak sich in erster Linie um seinen Bruder kümmerte, der ebenfalls auf dem Wege der Besserung war. Pelto besuchte er aber ebenfalls jeden Tag. Simdu übersetzte den beiden, während sie miteinander sprachen und Mandrak dem Aldoraner erzählte, was Tabrun während des Kampfes gegen die Xularis zugestoßen war und wie es ihm mittlerweile wieder ging. Besonders freute es Pelto, als er erfuhr, dass die Xularis besiegt waren und die wenigen, die den Kampf überlebt hatten, ihr Heil in der Flucht gesucht hatten. „Gepriesen seien die Götter, dass sie uns von dem lästigen Geschöpfen Mūruks erlöst haben!”, sagte er und lächelte dabei ein wenig erleichtert, „Mögen sie uns auch in Zukunft diese Biester vom Hals halten!” Simdu musste grinsen, als er das für Mandrak ins Ulanische übersetzte. „Hoffentlich finden die weisen Worte unseres edlen Tegoš Pelto Gōlad bei den Göttern weiterhin Gehör!”, schmunzelte der Hellbraunhaarige, „Zu Wünschen wäre das jedenfalls.”

Es vergingen noch einige Tage, bevor sowohl der Aldoraner als auch Gūrad Nandors ältester Sohn wieder das Krankenlager verlassen konnten. Besonders Mandrak freute sich über die rascher Genesung seines Bruders. Kelūru Mandūri fasste noch an diesem Tage den Entschluss, dass sich alle in den nächsten Tagen etwas erholen sollten, bevor die Xendavas anfingen, ihre Gäste im Umgang mit einigen Waffen zu trainieren.

Es war sowohl für Tabrun als auch für Mandrak das allererste Mal, dass ihnen jemand den korrekten Umgang mit den verschiedenen Waffen beibrachte. Der Anführer hatte allein zu diesem Zweck Kejtar Sāmoš und noch einige andere Männer ausgesucht, die jeweils im Umgang mit bestimmten Waffen spezialisiert waren. Die Verantwortung für diese Maßnahme übertrug Dilāras Vater wieder seinem besten Freund und engstem Vertrauten, der diese Aufgabe sehr ernst nahm. Kelūru Mandūri wusste genau, dass er sich vollkommen auf Kejtar Sāmoš verlassen konnte. Die Xendavas waren in dieser Hinsicht alle sehr streng, was die drei Ulani und auch der alte Aldoraner sehr schnell feststellen mussten. Sie ließen keine Fehler durchgehen und auch Nachlässigkeiten duldeten sie nicht.

Die Gäste mussten jeden Tag das Schießen mit Pfeil und Bogen genauso üben, wie den korrekten Umgang mit dem Schwert. Dasselbe galt auch für das Kämpfen mit dem Speer und weiteren Schlagwaffen, von denen weder Tabrun noch Mandrak vorher jemals etwas gehört hatten. Trotz aller Widrigkeiten machten alle vier Gäste recht schnelle Fortschritte, wie Kelūru Mandūri zusammen mit seiner Frau Temka Dajhān mit aller Zufriedenheit feststellen musste. Jeden Tag berichtete Kejtar dem Anführer der Xendavas über die Fortschritte der vier Schüler. Besonders beeindruckt waren alle von dem Aldoraner, der bereits im Umgang mit Pfeil und Bogen sowie Schwert recht gut vertraut war. Er war trotz seines etwas fortgeschrittenen Alters immer noch sehr kräftig und vor allen Dingen auch noch sehr schnell, was sowohl seine Lernfähigkeit betraf als auch seine Reaktionsfähigkeit.

Nach einigen Tagen erkundigte sich der Anführer am frühen Abend bei Pelto, wo er denn das Kämpfen mit verschiedenen Waffen bereits gelernt hatte. Der Aldoraner begann zu grinsen, als dieser Kelūru antwortete. „Den Kampf mit dem Schwert lernte ich bereits von meinem Vater, nachdem ich ihm schon recht lange als Feldjunge auf dem Land geholfen hatte.”, sagte der Alte mit ruhiger Stimme, „Er brachte mir auch das Jagen mit Pfeil und Bogen bei, was mir später bei meinem zahlreichen Reisen häufig zugute kamen. Die Expeditionen, an denen ich teilgenommen habe, wurden hin und wieder auch mal angegriffen und ich war damals froh gewesen, dass mein Vater so weise war, mich in der Kunst des Kampfes mit dem Schwert sowie in der Kunst des Schießens mit Pfeil und Bogen gelehrt hatte.” Dilāras Vater nickte anerkennend. „Es ist nie verkehrt, wenn man sich auf die Kunst des Kämpfens versteht.”, erwiderte der Xendava voller Anerkennung in seiner Muttersprache, „Euer Vater war ein ehrenwerter Mann, der von den Göttern mit Weisheit gesegnet war.” Pelto nickte nur. „Ja, er war ein weiser Mann, aber trotzdem starb er durch einen Feind, denn er nicht besiegen konnte.”, antwortete der Aldoraner, „Er starb nicht als Krieger in einer Schlacht, sondern auf dem Krankenlager an einer Krankheit, die bis heute als unheilbar gilt. Die Heiler in meiner Heimat nennen diese Krankheit Blaufleckenfieber.”

Simdu, Tabrun und Mandrak waren an diesem Abend sehr müde und zogen sich nach dem Essen in ihr Gästezelt zurück, um sich auszuruhen. Nur der Aldoraner blieb noch einige Zeit am Lagerfeuer sitzen und sprach ausführlich mit Kelūru und den anderen Xendavas, die ebenfalls dabeisaßen. Sehr detailliert erzählten die Männer von den raschen Fortschritten beim Training, die drei Ulani und der Aldoraner erzielten. Nach dem sie geendet hatten, erzählte Pelto auf Wunsch von Dilāras Vater, wie und wann er von seinem Vater Kämpfen lernen musste. Schweigend und ergriffen hörten sie dem Aldoraner zu, ohne ihn zu unterbrechen. Erst, als der bläulich schimmernde Būrallus aufging, zog sich Gōlad ebenfalls in das Gästezelt zurück.

Als Pelto außer Hörweite war, erkundigte sich Kelūru bei seinen Männern, wie sie die Vier in ihrer Kampfkunst einschätzten. Unschlüssig sahen sich die Xendavas an, bevor Kejtar seine Stimme erhob. „Eure Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, mein Gebieter.”, sagte er mit fester Stimme, „Sie müssen noch eine ganze Menge lernen, um vollständige Krieger zu werden, wenn Ihr das meint, edler Kelūru Mandūri.” Der Anführer der Xendavas nickte. „Ich verstehe.”, antwortete er, „Dann werde ich sie bezüglich ihrer Kampfkunst testen und wenn ihnen die Götter wohl gesonnen sind, dann werden sie ihre Prüfung auch bestehen.” Sāmoš sah Kelūru fragend an. „Wie wollt Ihr sie prüfen, mein Gebieter?”, wollte dieser wissen. „Gemäß unseren Gesetzen müssen sie gegen meine besten Männer kämpfen, damit sie das Recht haben, Waffen tragen zu dürfen, solange sie sich bei uns aufhalten.”, antwortete Dilāras Vater in einem sachlichen Tonfall, „Jeder von ihnen muss sich zum Kampf stellen. Wenn sich einer von ihnen weigern sollte, dann wird er auch keine Waffen tragen dürfen, wenn wir gemeinsam in den Brondus-Damrajd reisen und das kann wiederum für denjenigen zu Verhängnis werden, wenn wir unterwegs angegriffen werden.”

„Habt Ihr dabei schon jemanden speziell im Sinn, die gegen die Vier kämpfen sollen, mein Gebieter?”, erkundigte sich Kejtar. Mandūri nickte. „Ja, ich habe mich schon entschieden, wer gegen wen kämpfen soll.”, gab er zu, „Ich habe dabei an Sejloš Mūnax, Kēloš Surgan, an dich und an mich gedacht.” Sāmoš nickte. „Ihr habt eine kluge Wahl getroffen, mein Gebieter.”, meinte dieser, „Ich hoffe nur, dass sie die Prüfung bestehen werden.” Das Gesicht von Dilāras Vater blieb ausdruckslos, als er antwortete, wobei seine Stimme sehr fest klang. „Ich bin mir sicher, dass sie ihre Sache gut machen werden, deshalb lasse ich auch meine besten Männer gegen sie antreten.”, sagte der Anführer der Xendavas, „Sie müssen nur ihre Kämpfe gewinnen. Wenn die Vier das schaffen, dann brauchen wir uns um ihre Sicherheit nur noch sehr wenig Sorgen machen, falls wir unterwegs wieder von weiteren Xularis oder vielleicht auch von Mungāwas angegriffen werden sollten. Jede Begegnung mit den Geschöpfen Mūruks ist es ein Kampf auf Leben und Tod und darauf müssen unsere Gäste vorbereitet sein, damit sie auch eine Chance haben zu überleben. Außerdem bedeutet es für uns alle, dass jeder, der das Kämpfen mit Waffen gelernt hat, unsere allgemeine Sicherheit um beträchtliches erhöht.” Einige Momente lang saßen Kejtar und Kelūru schweigend am Lagerfeuer und leerten ihre Becher. Als Temka Dajhān wieder K’tiša nachschenkte, erhob Sāmoš wieder seine Stimme. „Ich bin mir sicher, dass wir auf dieser Reise nicht zum letzten Mal gegen Mūruks Geschöpfe kämpfen mussten. Das besonders Beunruhigende daran ist es, dass sich diese Biester immer weniger von Zātuls Atem abschrecken lassen. Die Viecher werden immer dreister.”, meinte er, „Bestimmt müssen wir das also noch öfters tun.” Der Anführer der Xendavas nickte, nachdem er seinen Becher wieder geleert hatte. „Genau das befürchte ich auch, mein edler Freund.”, antwortete Kelūru etwas verdrießlich, „Genau das befürchte ich auch und deshalb werde ich unsere Gäste bereits in den nächsten Tagen der Prüfung unterziehen. Je eher sie die Prüfung machen, umso eher dürfen sie als unsere Waffenbrüder selber Waffen tragen.”

Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge. Die meisten Xendavas nutzten diese Zeit der Rast, um einige Schäden an der Ausrüstung zu reparieren. Im Lager herrschte angespannte Ruhe. Tabrun und Mandrak hatten beide ein seltsames Gefühl, dass beide nichts Gutes ahnen ließ. „Ich habe den Eindruck, dass hier im Lager etwas nicht stimmt.”, meinte Tabrun nach knapp zwei Tagen zu seinem Bruder, der ihm sofort beipflichtete. Jakodos schloss sich der Meinung des schwarzhaarigen Ulani an. „Ich finde auch, dass die Xendavas verdächtig ruhig sind.”, sagte er, „Ich habe das Gefühl, dass die etwas aushecken, von dem wir nichts mitbekommen sollen.” Dann wandte sich Arankas Mann an Pelto, der mit geschlossenen Augen ruhig auf seinem provisorischen Nachtlager lag und ein wenig döste. Der Angesprochene öffnete sofort seine Augen und sah Simdu an. „Was meint Ihr denn dazu, edler Tegoš?”, fragte er den Aldoraner, „Seid Ihr unserer Meinung oder wie denkt Ihr denn darüber?” Der Alte zupfte etwas nachdenklich an seinen langen Bart, bevor er antwortete. „Ich muss gestehen, dass auch ich das Gebaren unserer Gastgeber ein wenig seltsam finde, Herr.”, gestand Pelto langsam, wobei er ein wenig die Stirn runzelte, „Aber für ihr Verhalten können sie viele Gründe haben, edle Herren.” Der Blonde nickte. „Ja.”, antwortete dieser etwas gedehnt, „Bei allen Göttern! Da ist was Wahres dran.” Langsam richtete sich Gōlad von seinem Nachtlager auf und sah die drei Ulani direkt an, bevor er fortfuhr. „Trotzdem solltet Ihr wissen, edle Herren, dass ich mich mit dem Anführer der Xendavas über meine Kampfkunst unterhalten habe.”, gestand der Alte, „Dabei wollten die Xendavas sehr genau wissen, wie, wann und warum ich die Kunst des Kämpfens mit Pfeil, Bogen und Schwert gelernt habe.” Nachdem Simdu übersetzt hatte, nickte Tabrun. „Langsam kommt mir ein Verdacht auf.”, sagte er ernst, „Ich fürchte, dass uns die Xendavas in dieser Hinsicht demnächst prüfen wollen. Anscheinend waren sie davon beeindruckt, dass wir ohne Angst zusammen mit ihnen gegen die Xularis gekämpft haben.” Mandrak nickte. „Wahrscheinlich wollen sie uns mit dem Training auch nur auf einen besonders gefährlichen Teil unserer Reise zum Brondus-Damrajd vorbereiten.”, meinte der Hellbraunhaarige nachdenklich, „Es wäre doch möglich, dass die Xendavas davon ausgehen, dass dies nicht die allerletzte Begegnung mit den Xularis war. Immerhin hat uns Kelūru Mandūri doch gesagt, wie gefährlich es hier in der Wüste ist und wie gefährlich auch die Reise zum Brondus-Damrajd ist. Zumindest wäre damit schon mal die Sache mit dem Training des Kämpfens erklärt.”

Es vergingen noch einige Wochen bis der Anführer der Xendavas alle im Lager zusammen rufen ließ. Im gesamten Lager lag Spannung in der Luft. Nachdem das leise Murmeln in der Menge verstummt war, erhob Mandūri seine Stimme. „Vor längerer Zeit trafen wir an der letzten Oase Fremde, die von weit her kommen.”, begann Kelūru und sah dabei in die Runde, „Wir haben Sie als Freunde in unserer Mitte willkommen geheißen, nachdem wir uns versichert hatten, dass sie keine Oskonier sind.” Wieder murmelten einige zustimmend. „Als uns die Xularis angriffen, haben sie mit viel Mut und Tapferkeit an unserer Seite gekämpft.”, fuhr der Anführer der Xendavas fort, „Heute ist der Tag gekommen, an dem wir unseren Gesetzen entsprechend unsere Gäste ehren werden, indem wir sie zu unseren Waffenbrüdern machen.” „Damit sie zu unseren Waffenbrüdern werden können, müssen sie noch eine letzte Prüfung bestehen.”, sprach Mandūri weiter, „Eigentlich haben sie bereits einen Kampf auf Leben und Tod hinter sich, als sie mit uns gemeinsam gegen die Xularis gekämpft haben. Aber die heutige Prüfung ist die wichtigste, damit sie nach den Gesetzen der Xendavas Waffen tragen dürfen. Die letzte Prüfung ist auch die schwierigste, denn alle vier müssen jeweils gegen einen unserer besten Krieger zu einem Kampf antreten, bei dem sie beweisen können, dass sie mittlerweile nach unseren Gesetzen das Recht haben, Waffen tragen dürfen. Bestehen sie sie, so werden sie von dem heutigen Tage an, Waffenbrüder der Xendavas sein.”

Während der Ansprache von Kelūru übersetzte Pelto den drei Ulani fast simultan. Simdu war nahezu überrascht, wie schnell der Alte seiner Arbeit nachkam, ohne sich dabei zu verheddern. Gōlad ahnte nicht, dass der Anführer für den alten Aldoraner bewusst langsam sprach und immer wieder kurzen Pausen einlegte. Aufmerksam hörten alle Anwesenden Mandūri zu, der inzwischen auf die Regeln für die einzelnen Kämpfe erläuterte. „Wenn ein Krieger während des Kampfes den anderen entwaffnet, dann darf er ihn auch töten, wenn er will.”, erklärte der Anführer, „Allerdings hat der Sieger auch das Recht, den Verlierer zu begnadigen und ihm sein Leben lassen. Dann steht der Verlierer in dessen Lebensschuld, bis er das Leben des Siegers eines Tages einmal retten kann. Erst dann sind beide miteinander quitt. Allerdings ist es dieses Mal ein wenig anders, denn der Sieger kann auch auf sein Recht, dass der Verlierer in dessen Lebensschuld steht, verzichten, weil unsere Gäste bereits mit uns Seite an Seite gegen die Geschöpfe Mūruks gekämpft haben. Niemand hat das Recht, weder dem Sieger noch dem Besiegten dafür zu verurteilen. Wer es trotzdem tut, wird gemäß unseren Gesetzen aus unserer Gemeinschaft für eine lange Zeit ausgeschlossen und derjenige kann nur dann in unserer Gemeinschaft zurückkehren, wenn derjenige das Unrecht an seinem Opfer wieder gutgemacht hat.” Mit seinen dunkelblauen Augen sah er in die Runde. Alle schwiegen und blickten wortlos ihren Anführer an, der sich wieder in seinem Sessel Platz nahm. Dann rief Dilāras Vater nach Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto, die sich sofort vor dem Anführer der Xendavas aufbauten.

„Da Ihr Vier selbst nicht alle im Umgang mit Waffen geschult seid, steht Euch natürlich das Recht zu, selbst die Waffen zu wählen, von denen Ihr glaubt, dass Ihr damit Euren jeweiligen Kampf gewinnen könnt.”, sagte Mandūri mit ausdrucksloser Miene, „Wählt weise, dann könnt Ihr etwas sicherer sein, Euer Leben etwas länger behalten zu dürfen.” Kelūru gab rasch einigen Xendavas ein paar Befehle, die sie sofort ausführten. Wenig später legten sie einige verschiedene Waffen vor den drei Ulani und dem Aldoraner nieder. „Wählt jetzt Eure Waffen!”, forderte Kelūru die Vier mit ernster Miene auf, „Bedenkt aber, dass meine Krieger sich nach den Waffen entscheiden werden, die Ihr selbst erwählt habt. Mögen die Götter Euch bei Eurer Wahl beistehen.”

Nachdenklich betrachte Tabrun die verschiedenen Waffen, die vor ihm auf einem Teppich ausgebreitet lagen. Da er selbst Laie war und von der Kriegskunst keinerlei Kenntnis besaß, konnte er auch nicht erkennen, in welchem Zustand sie waren. Mehrmals umrundete er das kleine Arsenal, bevor er vorsichtig nach einem Schild und einen Kurzschwert griff und diese beiden Teile herauszog. Aufmerksam wog er das Schwert in seiner Hand. Dann nahm er das Schild hoch. Beides war weder zu schwer noch zu leicht. Dann nickte er. „Ich habe mich entschieden.”, verkündete Gūrads ältester Sohn mit fester Stimme, „Ich nehme das Kurzschwert und das Schild.” Kelūru nickte. „Wohlan, so sei es.”, antwortete der Anführer, „Ihr habt eine sehr gute Wahl getroffen. Die Götter müssen mit Euch sein. Mögen sie auch Eure Hand leiten, wenn Ihr gegen meine besten Krieger antreten müsst.”

Inzwischen war Pelto an das kleine Waffenarsenal getreten. Der Aldoraner brauchte nicht lange zu überlegen, welche Waffen er nehmen musste und griff beherzt zu. Auch er hatte sich für ein Schwert und einem Schild entschieden. Demonstrativ hielt er beides in die Höhe, als er lautstark verkündete: „Ich werde mit diesen beiden Waffen kämpfen.” Dann stieß er einen so lauten Kampfschrei aus, denn niemand von dem alten Mann jemals für möglich gehalten hätte.

Arankas Mann trat nun vor. Auch er hatte sich bereits entschieden. Fest entschlossen griff er in den kleinen Stapel und zog eine kleine Streitaxt heraus. Statt eines Schildes zog er stattdessen ein Kurzschwert heraus. Beide Waffen wog er in seinen Händen. Als er feststellte, wie gut sie in seinen beiden Händen lagen, nickte er zufrieden. „Sag’ Eurem Krieger, den Ihr für mich als meinen Gegner ausgewählt habt, dass er schon einmal von seinen Leben Abschied nehmen soll.”, sagte der blonde Ulani mit ernster Miene, „Ab heute haben ihn die Götter verlassen.”

Mandrak, der jüngste Sohn von Gūrad Nandor, trat nun vor den Anführer der Xendavas hin. „Ich werde mit der Kraft eines Kojn-Kojns und den Mut eines Mivukus kämpfen.”, sagte der Ulani mit fester Stimme, als er zwei Kurzschwerter aus dem Arsenal hoch nahm und diese sorgfältig in seinen beiden Händen wog, „Und diese beiden Schwerter werden Eurem Krieger wie die Zähne eines tollwütigen Mivukus vorkommen, schnell, erbarmungslos und tödlich.”

„Damit habt Ihr Eure Waffen gewählt.”, konstatierte Kelūru und sah die Gäste dabei sehr ernst an, „Damit habt Ihr auch entschieden, gegen wem Ihr nun kämpfen müsst. Mögen die Götter jeweils den Besseren gewinnen lassen.” Die drei Ulani und der Aldoraner sahen sich gegenseitig an. Das hört sich nicht gut an!, dachte Mandrak düster, der bereits schlimmes ahnte, Hoffentlich muss keiner von uns seine Entscheidung bereuen! Kelūru stand wieder auf und trat in die Mitte des Platzes. Das leise Murmeln in der Menge erstarb sofort, als Mandūri drei Namen rief. Sofort traten die Gerufenen aus der Menge heraus und verbeugten sich sofort ehrerbietig vor ihren Anführer.

„Die Götter haben entschieden, gegen wem Ihr kämpfen müsst.”, sagte Dilāras Vater mit ernster Miene, „Zeigt ihnen, das Ihr ehrenvolle Krieger seid. Kämpft gegen sie, wie Ihr es gewohnt seid. Nur dann können die Götter entscheiden, wer von ihnen der Waffenbruderschaft mit uns würdig ist.” „Ja, Gebieter.”, antworten die drei Xendavas unterwürfig, „Wir werden so kämpfen, wie die Götter es von uns verlangen.” Kelūru Mandūri lächelte ein wenig. „Ja, ich weiß.”, erwiderte der schwarzhaarige Xendava, „Mehr erwarte ich auch nicht von Euch.” Mandūri warf einen kritischen Blick den drei Ulani und dem Aldoraner zu, die schweigend in der Menge warteten und den Anführer sowie die drei Gerufenen aufmerksam beobachteten.

„Ich bin gespannt, wer gegen wen kämpfen muss.”, flüsterte Mandrak seinem Bruder zu. Dieser nickte kaum merkbar. „Das wollen bestimmt noch eine ganze Menge mehr wissen.”, flüsterte Tabrun zurück, „Wir können nur hoffen, dass Zātul und alle anderen Götter uns gegenüber gnädig gestimmt sind. Sonst wird die ganze Angelegenheit ein sehr unerfreuliches Desaster für uns werden. Nachdem sie uns schon als Gäste in ihrer Mitte aufgenommen haben, wird wohl kaum einer ihrer Krieger einen von ums im Kampf töten, auch wenn es normalerweise ihre Gesetze es von ihnen verlangen. Das Allerschlimmste, was uns jetzt passieren kann ist, dass wir nach ihren Gesetzen keine Waffen tragen dürfen.” „Wieso hat er nur drei Krieger zu sich gerufen?”, fragte Simdu leise, „Wir selbst sind doch schon vier Mann.” Kelūru hatte sich inzwischen wieder den drei Ulani und dem Aldoraner zugewandt. Seine Miene war ausdruckslos, als er die Vier aufmerksam musterte. „Seid Ihr für Eure Prüfung bereits?”, fragte er. Alle vier nickten. „Ja, wir sind bereit.”, übersetzte Pelto die Antworten von Tabrun, Mandrak, Simdu und Pelto. Dilāras Vater nickte zufrieden. „Gut.”, sagte er, „Dann lasst uns beginnen.”

Simdu trat als erster in den Kreis. Kampfbereit blieb er stehen. Leise murmelnd sahen ihn den Anwesenden an. Das Murmeln in der Menge schwoll an. Als sein Gegner in die Mitte trat. Der Xendava war einen halben Kopf größer als Arankas Mann. Kēloš Surgan begann zu grinsen, als er sich direkt vor dem blonden Ulani aufbaute. Oh Mann!, dachte er, als er seinen großen muskulösen Gegner musterte, Wie soll ich bloß gegen den denn eine Chance haben? Surgan hielt die gleichen Waffen in seinen großen Händen. „Kämpft jetzt!”, befahl Mandūri, „Möge der Bessere gewinnen.”

Sofort griff Surgan an. Simdu japste nach Luft, als er schon beim ersten Angriff des Xendava-Kriegers die ganze Wucht des Schlages abkriegte und sofort nach hinten taumelte. Nur mit Mühe konnte er die erste Attacke mit der Streitaxt abwehren. Kēloš gab ein wildes Schnauben von sich, als er erneut mit der Axt ausholte. Mit einem lauten Kampfschrei ließ er die tödliche Waffe wieder auf den Ulani niedersausen. Es klirrte laut, als beide Streitäxte aufeinanderschlugen. Simdu ächzte, als sich beide Waffen miteinander verkeilten. Der junge Ulani war bei weitem nicht so kräftig wie sein xendavischer Gegner. Surgan gelang es, dem Blonden seine Axt zu entreißen. In einem hohen Bogen flog die Waffe davon und bohrte sich weit entfernt in den Sand. Entsetzt sah Jakodos ihr nach. Ein Warnruf ließ ihn herumfahren. Nur in aller letzter Sekunde gelang es ihm, einem tödlichen Schwerthieb Surgans auszuweichen. Knirschend bohrte sich die Klinge in den heißen Wüstensand. Simdu versuchte sofort mit seinem Kurzschwert auf die Beine seines Gegners zu zielen, doch dieser machte einen gewaltigen Sprung nach hinten. Schnell versuchte Simdu wieder aufzustehen.

Mit einem weiteren Kampfschrei ging er zum Gegenangriff über. Laut klirrten die beiden Klingen ihrer Schwerter, als sie aufeinandertrafen. Mit aller Kraft stieß ihn Kēloš von sich weg. Simdu taumelte erneut, doch dieses Mal konnte er sein Gleichgewicht halten. Sofort setzte Surgan nach. Mit einem schnellen Sprung war er bereits bei dem Ulani und stieß ihn zu Boden. Arankas Mann verlor erneut das Gleichgewicht und fiel. Die gleißende Wüstensonne blendete den Blonden und er musste kurzfristig die Augen schließen. Als ein dunkler Schatten über ihn auftauchte, war es bereits zu spät für Simdu. Bevor der Ulani noch reagieren konnte, bohrte sich Surgans Schwert schmatzend in das rechte Bein. Explosionsartig breitete sich der Schmerz in Simdus Körper aus und er stieß einen lauten Schmerzensschrei aus. Dicht vor Arankas Mann blieb Surgan stehen. Sein Blick war ausdruckslos, als er die Klinge wieder aus der Wunde herauszog. Sofort ließ er erneut, die Waffe auf den verletzten Mann niedersausen. Reflexartig schloss Jakodos wieder die Augen. Jetzt ist es vorbei!, dachte er noch, als Surgans Klinge sich direkt neben Simdu in den Sand bohrte. „Ihr habt gut gekämpft, Ulani.”, sagte Kēloš mit kraftvoller Stimme, „Wegen Eures Mutes und Eurer Tapferkeit, schenke ich Euch Euer Leben. Ihr seid ein wahrer Kämpfer, der die Ehre der Waffenbruderschaft mit den Xendavas verdient hat.” Als der Xendava zurücktrat, eilten schon die Heiler herbei, um den Verletzten medizinisch zu versorgen. „Und Ihr werdet nicht in meiner Lebensschuld stehen.”, fügte er mit wohlwollendem Blick hinzu, „Werdet also rasch wieder gesund, damit wir sobald wie möglich auf unsere Waffenbruderschaft anstoßen können, edler Ulani.” Dann machte er eine respektvolle Verbeugung vor dem Blonden, der von den Heilern verarztet wurde.

Entschlossen trat Pelto in den Kreis. Kampfbereit hielt er das Schwert hoch und das Schild fest umklammert. Wenig später baute sich auch schon sein Gegner vor dem Aldoraner auf. Sejloš Mūnax grinste, als er den Alten vor sich sah. Bei Fazilāna!, dachte Pelto bei dem Anblick seines jungen Gegners, den er aufmerksam musterte, Der scheint sich seiner Sache ja schon sehr sicher zu sein! „Ich hätte nicht gedacht, dass Aldoraner sich hinter einem Schild verstecken müssen!”, sagte Sejloš lachend, „Und dabei habe ich Euch für viel mutiger gehalten!” Gōlad hatte nicht alles verstanden, was der Krieger auf Xendavu gesagt hatte und schwieg daher. „Na schön.”, fuhr er gelassen fort, „Dann wollen wir das Ganze mal schnell hinter uns bringen, damit Ihr rasch wieder nach Hause zu Eurer Mami zurückkehren könnt und die rasch für Euch ein leckeres Süppchen kocht.” Er grinste breit. Die ersten in der Menge begannen zu lachen. Kaum hatte Mūnax das letzte Wort ausgesprochen, griff er auch schon an. Inzwischen war das breite Grinsen aus dem Gesicht des Xendava-Kriegers wieder verschwunden.

Pelto war überrascht, mit welcher Kraft der Xendava seine beiden Schwerter gegen den Aldoraner führte. Der wesentlich kleinere Gōlad hatte sehr viel Mühe, die Schläge seines Gegners mit dem Schild abzuwehren. Für ihn stand sehr schnell fest, dass er keine andere Wahl hatte, als auf einen Fehler seitens des Xendavas zu warten. Doch dieser war sehr clever und jeder seiner Angriffe führte er mit Bedacht aus. Es dauerte eine Weile, bis sich für den Aldoraner eine Gelegenheit zum Gegenangriff bot.

Zum wiederholten Male krachte eines der Schwerter von Sejloš auf das Schild, das der Alte schützend hochhielt. Doch dieses Mal nutzte Pelto den Schwung seines Gegners aus und ließ sich hinten fallen. Nach einer gekonnten Rolle stand er bereits wieder auf den Beinen, als der Xendava das Gleichgewicht verlor und in den Sand fiel. Bevor er noch reagieren konnte, war der Alte schon bei ihm und hielt Mūnax seine Klinge in den Nacken. „Was ist denn mit dir, Sejloš?”, rief jemand in der Menge so laut, dass es jeder hören könnte, „Du wirst dich doch nicht von einem lebenden Skelett besiegen lassen!” Bei den Anwesenden brach ein schallendes Gelächter aus. „Gebt Ihr auf?”, fragte Pelto grinsend sowohl auf Oskonisch als auch auf Xendavu, „Oder begehrt Ihr weiterzukämpfen?” Der Xendava fluchte laut in seiner Muttersprache, als er die Frage des Aldoraners hörte. Sofort erhöhte dieser mit der Spitze seines Schwertes den Druck im Nacken des am Boden Liegenden. „Okay, okay!”, sagte er widerstrebend, „Ich gebe mich geschlagen. Ihr habt gewonnen.” Pelto nickte zufrieden, ohne die Spitze seines Schwertes vom Nacken seines Gegners zu nehmen. „Ihr habt alle vernommen, dass er sich ergeben hat. Damit ist der Kampf zwischen uns beiden vorbei. Außerdem verzichte ich darauf, dass er in meiner Lebensschuld steht.”, verkündete der Aldoraner mit ausdrucksloser Miene und nahm die Spitze aus dem Nacken von Sejloš Mūnax. Sofort stand dieser auf. „Dieser Kampf zeigt uns, dass die Kraft der Jugend nicht immer ausschlaggebend für einen Sieg ist.”, fügte der Xendava hinzu und warf dabei Pelto einen respektvollen Blick zu, „Manchmal entscheidet auch die Erfahrung des Alters zwischen Sieg und Niederlage. Es war mir eine Ehre, gegen Euch kämpfen zu dürfen, edler Aldoraner.” Mit diesen Worten machte er noch eine respektvolle Verbeugung vor Pelto, der ihn freundlich ansah. „Auch für mich war es eine Ehre, gegen Euch die Klingen kreuzen zu dürfen, edler Krieger der Xendavas.”, erwiderte der Alte nicht weniger respektvoll, „Und ich hoffe, dass wir in Zukunft die Klingen nur noch Seite an Seite gegen unsere Feinde kreuzen werden. Noch einmal möchte ich nicht gegen Euch antreten müssen.”

Tabrun warf seinem kleinen Bruder einen kurzen Blick zu und nickte. Mandrak verstand sofort, was er damit sagen wollte. Nun war es an der Zeit, dass der hellbraunhaarige Ulani in die Mitte treten und sich nun seinem Gegner zum Kampf stellen musste. Der junge Nandor musste nicht lange warten, bis Kejtar Sāmoš sich vor ihm aufbaute. Mandrak schluckte, als er begriff, dass er den größten und stärksten Krieger der Xendavas vor sich stehen hatte. Beide sahen sich gegenseitig an. Kejtar begann zu grinsen. Er war mit einem Schwert und einer kleinen Streitaxt bewaffnet, die er demonstrativ hochhielt. „Na, kleiner Mann, wie hättet Ihr’s denn gerne?”, sagte er in seiner Muttersprache, „Kurz und schmerzlos oder langsam und schmerzhaft?” Der junge Ulani schluckte. Tut mir Leid, mein Guter!, dachte Mandrak, Gibt Euch keine Mühe, denn ich bin Eurer Zunge immer noch nicht mächtig! „Na gut.”, fuhr Kejtar mit einem leicht spöttischen Unterton in seiner Stimme fort, „Ich will mal nicht so sein und mache es daher für Euch kurz und schmerzlos. Immerhin haben die Götter Euch für mich als Gegner auserkoren.”

„Na los, nur nicht so ängstlich.”, feixte Sāmoš auf Xendavu weiter, „Die Leute hier möchten etwas geboten kriegen.” Mandrak erwiderte nichts. Er konnte nur vermuten, was Kejtar zu ihm gesagt hatte. Langsam trat er einen kleinen Schritt auf den Xendava zu und holte dabei mit einem der Schwerter aus. Die Klinge glänzte im Sonnenlicht. Mit aller Kraft schlug der junge ulanische Farmersohn zu. Doch Kejtar war auf der Hut und parierte den Schlag mühelos. Gūrads jüngster Sohn hatte sich bereits darauf eingestellt, dass Sāmoš ein harter Brocken sein würde, denn der muskulöse Krieger war fast zwei Kopf größer als Mandrak selbst. Allerdings musste der Hellbraunhaarige feststellen, dass Kejtar wesentlich flinker und kräftiger war, als er vorher gedacht hatte. Der Xendava trat ein paar kleine Schritte zurück. Mit der Streitaxt in seiner Hand deutete er an, dass Mandrak ihn angreifen sollte. Er sagte auch etwas, aber der junge Ulani verstand kein einziges Wort. Entschlossen holte Nandor zu einem Hieb aus und sprang mit einem lauten Kriegsschrei auf den hünenhaften Gegner zu. Doch dieser ließ sich nicht beeindrucken. Wieder krachten die Klingen der Schwerter aufeinander. Ohne sich besonders anstrengen zu müssen, stieß Kejtar den jungen Ulani von sich weg. Mandrak geriet ins Taumeln, denn mit der enormen Kraft, die der Xendava dafür einsetzte war wesentlich mehr, als er selbst beabsichtigt hatte. Wie soll ich ihn jemals besiegen können?, fragte sich Mandrak, als er merkte, wie stark sein Gegner war, Gegen den Mann habe ich nie und nimmer eine Chance! Doch entschlossen griff Tabruns Bruder wieder an. Wie erwartet, parierte auch dieses Mal der Xendava mühelos seine Schwerthiebe. Aber Kejtar vollführte dabei eine klassische Drehung um die eigene Achse. Der Hellbraunhaarige erschrak, als eines seiner beiden Schwerter aus seiner Hand gerissen wurde und in einem hohen Bogen von ihm weg flog. Sāmoš begann laut zu lachen, als er seinen Gegner leise auf Ulanisch fluchen hörte, obwohl er kein einziges Wort davon verstand. Über sich selbst verärgert, griff Mandrak erneut an. Doch Kejtar war schneller, als der Hellbraunhaarige. Mit einem Satz sprang der Xendava beiseite und ließ Mandrak ins Leere laufen. Rasch versetzte er dem ulanischen Farmersohn einen kräftigen Hieb in den Rücken, der den jungen Nandor sofort zu Fall brachte. Sofort setzte Kejtar nach und warf seine Streitaxt nach ihm. Ohne den lauten Warnruf seines älteren Bruders zu achten, machte Mandrak geistesgegenwärtig eine gekonnte Rolle und stand kurz darauf wieder auf seinen Beinen. Die Axt bohrte sich dort in den Sand, wo Tabruns Bruder noch wenigen Augenblicken zuvor in den Sand gefallen war. Der Xendava stieß einen Fluch aus, der sehr guttural und daher auch sehr bedrohlich klang. Unwillkürlich musste Mandrak grinsen. Es war ein kurzer Moment, der ihn Anlass zur Hoffnung gab, dass er diesen Zweikampf doch noch für sich entscheiden konnte. Etwas zuversichtlicher ging er sofort wieder zu einem neuen Angriff über. So kräftig, wie er nur konnte, ließ er erneut die Klinge gegen den Hünen vorschnellen. Doch auch dieses Mal verfehlte die Waffe nur sehr knapp ihr Ziel. Als Mandraks Klinge den Stoff des Gewandes von Sāmoš durchdrang, erklang ein Geräusch, das niemand in der Menge überhören konnte. Bei Zātul!, dachte er verbissen, Hilf mir diesen Kampf zu gewinnen! Kejtar stieß einen lauten Fluch aus, als er merkte, wie knapp Mandraks Klinge ihn nur verfehlt hatte. Ein Teil seiner Kleidung war aufgetrennt worden und hing nun an dem verdutzt dreinschauenden Krieger herab. Einige in der Menge begannen zu lachen, als ein kleiner Teil seiner gewaltigen Muskelberge zum Vorschein kamen. Kelūrus engster Vertrauter und Freund ließ sich davon nicht beirren und ging zu einen Gegenangriff über. Nur mit sehr viel Mühe konnte Mandrak den Angriff seines Gegners parieren. Als Kejtar sein ganzes Körpergewicht in den Schwung legte, hatte Nandor dem nichts mehr entgegenzusetzen. Er fiel rücklings in den heißen Sand. Sofort war der Xendava über ihn. Beiden Klingen trafen wieder aufeinander. Instinktiv winkelte Tabruns Bruder seine Beine an und mit soviel Kraft, wie er nur aufbringen konnte, stieß er den starken und wesentlich größeren Krieger zurück. Dieser taumelte, konnte aber sein Gleichgewicht halten. Für Mandrak war es Zeit genug, um wieder aufzustehen und weiterzukämpfen. Ohne darüber nachzudenken, setzte er nach. Doch zu spät merkte er, dass Kejtar schon wieder die Kontrolle über sich und Situation hatte. Das letzte, was Mandrak noch sehen konnte, war das ausdruckslose Gesicht des Xendava-Kriegers. Dann fühlte er einen brennenden Schmerz, der seinen Ursprung an der linken Seite unterhalb der Brust hatte. Als er zusammenbrach, bemerkte er die große Wunde, die ihm Sāmoš mit seinem Schwert beigebracht hatte. Als der jüngste Farmersohn auf den Rücken lag, sah er Kejtar mit seiner blutverschmierten Waffe vor sich stehen. Das Blut tropfte von der glänzenden Klinge in den Sand. Mandrak gab ein schmerzverzerrtes Stöhnen von sich. Er wusste genau, dass es sein Blut war, das er sah. Als der Krieger zum tödlichen Hieb ausholte, schloss Mandrak instinktiv die Augen. Jetzt ist es vorbei!, dachte er noch. Dann bohrte sich die tödliche Klinge knirschend direkt neben seinen Kopf in den hellen Wüstensand. Der Hellbraunhaarige brauchte einige Momente lang, bis er begriff, dass er noch am Leben war. Kejtar hatte sich inzwischen wieder zu seiner vollen Größe aufgerichtet. Seine Stimme war laut und deutlich, als er das Wort ergriff. „Der Kampf ist vorbei. Ich schenke Euch Euer Leben, junger Ulani, denn Ihr habt sehr gut gekämpft.”, sagte er mit Bewunderung in seiner Stimme, „Mut und Tapferkeit sind bei Euch wahrhaftig keine fremde Tugenden. Ihr habt Euch und auch Euren Begleitern gegenüber alle Ehre gemacht, indem Ihr mit mir die Klinge gekreuzt habt und daher verzichte ich darauf, dass Ihr in meiner Lebensschuld stehen müsst.” Noch während Kejtar seine Worte sprach, waren bereits die Heiler zu dem Verwundeten geeilt und versorgten ihn medizinisch. Als Kejtar geendet hatte, machte er noch eine respektvolle Verbeugung vor dem verwundeten Ulani.

Noch bevor die Heiler zu Mandrak eilen konnte, war Tabrun bereits bei ihm. Nur einen Augenblick später stand auch schon Pelto Gōlad ebenfalls gebeugt neben den schwarzhaarigen Ulani. Besonders sorgenvoll sah der Schwarzhaarige seinen jüngeren Bruder an, als Gūrads ältester Sohn die Hand seines jüngeren Bruders in seine nahm. Der Hellbraunhaarige verzog vor Schmerzen wieder das Gesicht. „Bei allen Göttern!”, stieß er mühsam zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen hervor, „Das tut so verdammt weh.” „Aber du bist glücklicherweise am Leben, Bruder.”, erwiderte Tabrun mit Stolz in seiner Stimme, „Du hast sehr gut gekämpft. Ich bin sehr stolz auf dich.” Der Hellbraunhaarige lächelte ein wenig über das Lob seines Bruders. Als die Heiler den hellbraunhaarigen Ulani erreichten, hatte dieser bereits das Bewusstsein verloren. Unsanft wurde der schwarzhaarige Ulani von seinem Bruder weggedrängt, als sie anfingen, den Verwundeten medizinisch zu versorgen. Auch den Aldoraner drängten sie unsanft beiseite.

Mitfühlend legte Pelto seine alte, aber sehr kräftige Hand auf die Schulter Tabruns, der den Heilern bei ihrer medizinischen Tätigkeit zusah. Er sagte etwas auf Aldoranisch zu ihm, doch der ältere der beiden Nandor-Brüder verstand kein Wort. Aber Tabrun hörte deutlich den aufmunternden Tonfall in der Stimme von dem Tegoš, der die drei Ulani bis hierher gebracht hatte. Tabrun nickte nur wortlos, während er beobachtete, wie die Heiler weiterhin seinen verwundeten Bruder verarzteten. Einige Zeit später wurde der bewusstlose Mandrak in das Zelt der Heiler gebracht, wo sie ihn neben Simdu Jakodos weiter versorgten. Wenige Augenblicke später zupfte ihn Pelto an seiner Kleidung und deutete auf den Anführer der Xendavas, der inzwischen in die Mitte getreten war. Tabrun verstand im ersten Moment nicht, was der Aldoraner meinte, als er auf Aldoranisch mit ihm sprach. Doch als der Alte mit seiner Hand auf Kelūru deutete, der nun neben ihnen stand, begriff Tabrun, was Pelto eigentlich sagen wollte. Der schwarzhaarige Ulani nickte und blickte Gōlad an. Als der alte Tegoš Tabrun in Mandūris Richtung drängte, reagierte er endgültig. Sofort setzte sich der Farmersohn in Bewegung und blieb direkt vor den Anführer der Xendavas stehen.

Kelūru sagte etwas auf Xendavu, doch Tabrun konnte kein Wort verstehen. Ernst blickte er Dilāras Vater an, der sich für die gleiche Bewaffnung entschieden hatte wie ulanische Farmersohn. Demonstrativ hielt er den Schild hoch, ebenso das Kurzschwert. Der schwarzhaarige muskulöse Mann war eine äußerst beeindruckende Erscheinung. Doch Tabrun entschloss sich, nicht von seinem Anblick einschüchtern zu lassen. Auch der laute Kampfschrei, den Mandūri ausstieß, ließ den jungen Ulani äußerlich ruhig bleiben, obwohl dieser innerlich zusammenzuckte. In seinen Gedanken war er immer noch bei seinen Bruder, der inzwischen in einem der Zelte der Heiler war und dort betreut wurde.

„Wenn Ihr zum Kämpfen bereit seid, lasst uns beginnen.”, sagte Kelūru mit ernster Miene auf Xendavu. Obwohl der ältere der beiden Nandor-Brüder kein einziges Wort verstanden hatte, nickte er. „Okay, dann lasst uns kämpfen.”, erwiderte der schwarzhaarige Farmersohn, „Bei Zātul! Ich bin wahrhaftig bereit.” Bevor Tabrun einen Satz zu Ende gesprochen hatte, griff der Anführer der Xendavas mit einen lauten Kampfschrei an. Reflexartig hielt Gūrads Sohn sein Kurzschwert hoch, als auch schon die beiden Klingen aufeinanderschlugen. Tabrun grinste, als er das verdutzte Gesicht von Mandūri direkt vor sich sah. Kraftvoll stieß der Xendava den Ulani von sich weg. Tabrun geriet ins Taumeln, aber er behielt das Gleichgewicht. Elegant schwang Dilāras Vater sein Schert, bevor er es auf seinen ulanischen Gegner vorschnellen ließ. Tabrun konnte im allerletzten Moment auswichen. Die tödliche Klinge verfehlte daher ihr Ziel. Kelūru gab dabei einen undefinierbaren Laut von sich. Nandor ließ sich diesen Augenblick nicht entgehen und ging sofort zu einem Gegenangriff über. Laut krachte Tabruns Schwert auf das Schild des Anführers. Bei Zātul!, dachte der schwarzhaarige Farmersohn, Der Mann ist ganz schön auf der Hut! Als ob Kelūru seine Gedanken gelesen hätte, machte er blitzschnell eine Drehung und ließ erneut seine Klinge vorschnellen. Nur sehr knapp verfehlte er Tabruns Bauch. Mandraks Bruder fluchte, nachdem er merkte, wie knapp er einer tödlichen Verletzung gerade noch so entronnen war. Beide Männer sahen sich gegenseitig finster an. Mit einem weiteren lauten Kampfschrei versuchte Mandūri einen erneuten Angriff. Nur mit viel Mühe konnte Tabrun den Schwerthieb seines Gegners abwehren, wobei er ein sehr tiefes kehliges Knurren von sich gab. Aber Kelūrus Kraft reichte aus, um den Ulani zu Fall zu bringen. Gnadenlos setzte Mandūri nach und ließ sein Schwert auf dem am Boden Liegenden niedersausen. Gūrads ältester Sohn konnte noch rechtzeitig reagieren und hob sein Schwert in die Höhe. Die Klingen der beiden Waffen krachten erneut aufeinander. Mandūri gab inzwischen ebenfalls ein tiefes Knurren von sich. Tabrun musste all seine Kraft aufbringen, um den Xendava von sich wegzustoßen. Als Mandūri weit genug von ihn entfernt war, versuchte Gūrads Sohn so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen. Der Anführer der Xendava machte einen Satz auf den jungen Ulani zu und ließ erneut seine Klinge vorschnellen. Ein weiteres Mal krachten die beiden Schwerter aufeinander. Kelūru fluchte laut, als er merkte, dass er den jungen schwarzhaarigen Ulani unterschätzt hatte. Er sprang einen Satz zurück und wartete auf einen Gegenangriff seitens Tabruns. Doch dieser zögerte einen kurzen Augenblick. Instinktiv ahnte Mandraks Bruder, dass der Anführer der Xendavas eine Falle für ihn vorbereitet hatte. Tabrun fiel nicht darauf herein. Als Mandūri das begriffen hatte, wandte er eine neue Taktik an. Ich hätte nie gedacht, dass dieser junge Bursche so gut kämpfen kann, obwohl er das nie gelernt hat!, dachte Dilāras Vater bewundernd, Trotzdem muss ich ihn irgendwie besiegen! Wieder schlugen die Klingen aufeinander. Mit all seiner Kraft stieß Kelūru Tabrun von sich weg. Da der Xendava wesentlich größer und auch kräftiger war als Nandor, konnte der Ulani sich nicht mehr auf den Beinen halten und fiel in den heißen Wüstensand. Blitzschnell setzte Kelūru nach und schlug ihm das Schwert aus der Hand. Mit Entsetzen sah der schwarzhaarige Farmersohn seiner Waffe nach, die sich weiter weg in den Sand bohrte. Mit ausdruckloser Miene baute sich Mandūri von ihm auf und sah den erschöpften Ulani an. Beide Männer keuchten. Langsam zielte er mit seiner Waffe auf die Kehle Tabruns. Ihre Blicke trafen sich. „Gebt Ihr euch geschlagen, edler Ulani?”, wollte Dilāras Vater auf Xendavu von seinem Gegner wissen, „Es wäre besser für Euch.” Schweigend sah Tabruns den Anführer der Xendavas an. Er wusste zwar nicht, was Mandūri zu ihm gesagt hatte, aber das brauchte er auch nicht, denn er wusste auch so, was die Frage bedeuten musste. Daher nickte er langsam und ließ sein Schild neben sich in den Sand fallen. Kelūru nickte zufrieden und steckte sofort sein Schwert wieder ein die Scheide. „Der Kampf ist vorüber, da er sich geschlagen gegeben hat.”, verkündete er allen Anwesenden im Lager, „Dieser edle Ulani hat sein Kämpferherz wie seine drei Begleiter bewiesen. Für mich war es eine große Ehre mit ihm die Klinge kreuzen zu dürfen. Trotzdem wird er bei mir in seiner Lebensschuld stehen. Alle Vier haben sich der Waffenbruderschaft mit uns Xendavas würdig erwiesen.” Dann machte er vor Tabrun, der inzwischen wieder aufgestanden war, eine sehr tiefe respektvolle Verbeugung. Anschließend legte Mandūri kameradschaftlich seine kräftige Hand auf die Schulter des schwarzhaarigen Ulani. „Geh zu den Zelten der Heiler und schaue nach deinem Bruder.”, sagte Kelūru mit einem wohlwollenden Blick. Dann stieß er Tabrun in die Richtung der Zelte der Heiler. Sofort setzte sich der Farmersohn in Bewegung.

Direkt vor dem Zelt blieb er stehen. Der Wächter vor dem Eingang hielt ihn sofort zurück. „Aber mein Bruder lieg da drinnen und ich möchte zu ihm!”, platzte es fassungslos aus dem jungen Ulani raus, „Also lasst mich sofort zu ihm!” Als Tabrun einen Schritt vorwärts ging, hielt ihn der Wächter mit einem starken Handgriff an Nandors Arm gepackt zurück. Der Griff des Xendavas war sehr fest und unerbittlich. Gūrads ältester Sohn auf die starke Hand herunter, die ihn immer noch gepackt hielt. Zorn stieg in den schwarzhaarigen Ulani hoch. Er fluchte laut. „Bei den Feuerseen im Glandāku!”, polterte Tabrun und versuchte dabei, erneut das Zelt zu betreten, „Ich will nur zu Mandrak, verdammt noch mal!”

 

Abschließende Hinweise:

keine

Auf der Suche nach Larunos

von aroessler2003

 

Plötzlich wurde die Zeltplane des Eingangs zurückgeworfen und Dilāra stand vor den beiden im Eingang. Mit finsteren und tadelnden Blick sah sie die beiden Männern an. „Was ist hier los?”, fragte sie verständnislos, „Was soll das ganze Theater?” Der Wächter nahm Haltung an, als er die Tochter des Anführers erblickte. Gleichzeitig ließ er auch den Ulani los, der jedoch keine Anstalten machte, das Zelt zu betreten. „Dieser Mann versucht die ganze Zeit das Zelt zu betreten.”, antwortete der Xendava mit ernster Miene, „Aber Ihr habt mir selbst befohlen, dass ich niemanden reinlassen soll, Herrin.” Dilāra sah Tabrun an, als der Wächter weiterberichtete. „Er hat die ganze Zeit versucht, an mir vorbei zu kommen, aber ich habe ihn nicht passieren lassen.”, fuhr der Wächter fort, „Ich musste ihn sogar hart am Arm packen, um ihn am Betreten des Zeltes zu hindern. Dabei musste ich schon ziemlich energisch werden, um ihm klarzumachen, dass er nicht rein darf, solange Ihr nichts anderes sagt, Herrin. Da leider keiner von uns beiden die Zunge des anderen kennt, können wir uns auch nicht verständigen und deshalb kann ich ihm die ganze Sache auch nicht klarmachen.” Dilāra brauchte nicht lange, um eine Entscheidung zu treffen. Ernst blickte sie den Wächter an, der seine Aufgabe pflichtbewusst wahrnahm. „Okay.”, sagte sie mit fester Stimme, „In Zukunft machst du bei ihm und dem Alten, der ihn als Dolmetscher dient, eine Ausnahme. Sie dürfen solange ins Zelt, solange die anderen beiden noch hier drinnen sind. Habt Ihr verstanden?” Der Xendava nickte. „Ja, Herrin.”, antwortete er pflichtbewusst, „In Zukunft lasse ich die beiden ins Zelt, wenn sie reinwollen.” Dilāras Gesichtszüge entspannten sich wieder. „Gut.”, stellte sie zufrieden fest, „Dann ist das jetzt geklärt.” Dann gab sie Tabrun ein Handzeichen, dass er nun das Zelt betreten durfte.

Die Verletzungen, die Simdu und Mandrak bei ihren Kämpfen davon getragen hatten, waren nicht allzu schwer. Trotzdem dauerte es etliche Wochen, bis die beiden Ulani wieder soweit genesen waren, dass die ganze Gruppe wieder reisefähig war. Jeden Tag besuchten Pelto und Tabrun ihre beiden Gefährten, die die meiste Zeit über sich in den Zelten der Heiler aufhalten mussten. Nur Dilāra, die Tochter des Anführers der Xendavas, wachte die längste Zeit an Mandraks Bett. Nach wenigen Tagen war er bereits wieder aus der Besinnungslosigkeit erwacht. Bei Arankas Mann machte die Rekonvaleszenz wesentlich schnellere Fortschritte als bei Tabruns jüngsten Bruder. Er konnte auch nicht so schnell wieder aufstehen wie Simdu, der zwar eine längere Zeit über ein geschientes Bein hatte, aber mit Krücken doch recht schnell das Zelt wieder verlassen konnte, obwohl das auch bei ihn gute drei Wochen dauerte. Mandrak war froh, dass Dilāra die meiste Zeit über in seiner Nähe blieb und ihn betreute. Auch wenn sie sich nach wie vor sich nicht mit ihm verständigen konnte, versuchte sie immer wieder mit ihm ins Gespräch zu kommen. Langsam versuchte sie mit viel Geduld dem jungen Hellbraunhaarigen die ersten Worte auf Xendavu beizubringen, die Mandrak nicht immer sofort behalten konnte. Das erste Wort, das der junge Ulani im Kopf behielt, war der Begriff für Wasser. Während der Genesung lernte er von ihr noch ein paar weitere Vokabeln aus dem Xendavu. Nach knapp zwei Monaten war auch der Hellbraunhaarige wieder soweit genesen, dass er das Zelt der Heiler wieder verlassen konnte.

An diesem Abend entschied Kelūru, das es Zeit war, die gemeinsame Reise zum Brondus-Damrajd fortzusetzen. Das gab er auch am Lagerfeuer bekannt. „Laut den Aussagen unserer Heiler sind unsere Gäste inzwischen wieder soweit genesen, dass wir nun den schwersten Teil unserer Reise antreten können.”, sagte er laut in die Runde, „Deshalb sollten wir diese Nacht auch sehr früh das Nachtlager aufsuchen, damit wir bei Morgengrauen unser Lager abbrechen und die begonnene Reise fortsetzen können.” Aufmerksam sah er dabei in die Runde. Doch niemand erhob Einwände. Zufrieden nahm Mandūri das zur Kenntnis. Nachdem der Anführer die Leute für die Nachtwache eingeteilt hatte, begaben sich bereits die ersten in ihre Zelte um zu schlafen. Auch die drei Ulani und der Aldoraner gingen recht früh schlafen, nachdem Pelto für sie übersetzt hatte.

Nachdem am nächsten Tag das Lager vollständig abgebaut und die gesamt Ausrüstung auf den Reittieren verladen war, setzten sie gemeinsam ihre Reise fort. Die Hitze war nach wie vor unerträglich und die Sonne brannte immer noch unerbittlich auf die Reisenden herab. Die Xendavas waren froh, dass sich weit und breit keine Xularis mehr blicken ließen. Die Reittiere verhielten sich ruhig, was alle für ein gutes Zeichen werteten. So vergingen mehrere Tage, bis sie die letzte Oase vor dem Brondus-Damrajd erreichten. Am Horizont konnte sie deutlich die Gebirgsausläufer erkennen, deren Gipfel von schweren dunklen Wolken verhangen waren. An der Oase rastete die ganze Gruppe mehrer Tage lang, bevor Mandūri entschied, dass sie den letzten Teil der Honduš-Wüste endgültig hinter sich bringen sollten.

Die Landschaft begann sich im Laufe der nächsten Tage langsam zu verändern und die karge Wüstenlandschaft wurde Stück für Stück durch eine Savannenlandschaft, in der es bereits vereinzelte Bäume und Büsche gab, ersetzt. Tag für Tag wurden die Pflanzen üppiger und ihre Farbenpracht kräftiger, was die Reittiere dazu veranlasste, unruhiger zu werden. Immer wieder hielten die Xendavas unfreiwillig an, weil die Kuš-Kuš und Kojn-Kojns zu grasen anfingen. Beim dritten unerwarteten Halt befahl Kelūru einigen seiner Männer, etwas voraus zu reiten und nach Wassertümpeln oder einem kleinen Fluss Ausschau zu halten, der vielleicht in der Nähe wäre. Es dauerte nicht lange, bis die Krieger wieder zu ihren Anführer zurückkehrten und Dilāras Vater Bericht erstatteten. „Wir haben einen halben Tagesritt von hier eine Mulano-Fährte entdeckt.”, sagte Kejtar, „Das bedeutet, dass es hier in der Nähe irgendwo ein Wasserloch oder gar ein Fluss sein muss, Herr.” Kelūru sah in jene Richtung, aus der die Xendavas zurückgekommen waren. „Berichtet weiter!”, befahl Mandūri, „Habt Ihr noch etwas gesehen?” Die Männer bejahten unisono. „Wir haben noch Fährten von anderen Tieren gesehen.”, sagte Kēloš, „Unter anderem haben wir noch eine Kundo-Fährte gesehen. Außerdem war vor kurzen auch noch eine Herde Kalunos hier gewesen. Ihre Spur führt in dieselbe Richtung, wie die der Mulanos und Kundos.” Dilāras Vater nickte verständigt. „Dann gibt es in dieser Richtung einen etwas größeren Fluss.”, meinte er nachdenklich, „Am besten werden wir den Fährten folgen, bis wir den Fluss erreichen. Wenn uns die Götter wohl gesonnen sind, werden wir ihn nach bei Einbruch der Nacht erreichen. Danach sehen wir weiter.” „Jawohl, Gebieter!”, erwiderten die Männer ergeben und ritten zu ihren Familien zurück, die in dem Treck auf sie warteten. Sobald sie ihre Angehörigen erreicht hatten, setzte sich die ganze Gruppe wieder in Bewegung. In der frühen Abenddämmerung erreichten sie gemeinsam das Flussufer, wo Kelūru Mandūri das Nachtlager aufschlagen ließ.

Als die Lagerfeuer entfacht wurden und die Reittiere mit Nahrung versorgt waren, ruhten sich die Xendavas und ihre Gäste zusammen von der langen anstrengenden Reise aus. Sobald die Sonne am Horizont versunken war, kühlte sich die Luft rasch ab. Nach dem Essen gingen die meisten von ihnen in ihren jeweiligen Zelten schlafen. Nur wenige blieben noch am Feuer sitzen und sprachen leise miteinander.

Mandrak blieb ebenfalls noch eine Weile lang auf. Er entschloss sich, zum Fluss hinunter zu gehen, um sich dort im Wasser etwas abzukühlen. Direkt am Ufer blieb er jedoch nachdenklich stehen. Er war sich nicht sicher, ob er es wagen konnte, in dem Fluss, den er im Grunde genommen ja gar nicht mal kannte, zu baden. Wer weiß?, dachte er, Vielleicht leben ja dort gefährliche Tiere im Wasser! Zögernd blieb er nach wie vor dem Wasser stehen. Langsam zog er seine Schuhe aus und wagte dann einen ersten zögerlichen Schritt ins Wasser. Der hellbraunhaarige Ulani war ein wenig überrascht, als er feststellen musste, dass das Wasser des Flusses doch recht kühl war. Nichtsdestotrotz empfand er es als sehr angenehm, wie das Wasser durch die leichte Strömung seine beiden Füße umschmeichelten. Er begann sich zu entspannen und gab einen leisen Seufzer von sich. Langsam setzte er sich an einer kleinen Uferböschung und schloss die Augen. Dabei ließ er genüsslich seine Füße im Flusswasser baumeln, das munter vor sich hinplätscherte. In der Ferne hörte er verschiedene Tiere, die er überwiegend nicht kannte. Aber keines der Geräusche beunruhigte ihn. Am Abend kam auch ein leichter Wind auf, den alle nach der Hitze des Tages als sehr wohltuend empfanden. Mandrak merkte, wie er rasch müde wurde. Doch er war nicht mehr in der Lage, sich dagegen zu wehren und döste ein.

Erschrocken fuhr der junge Ulani hoch, als ihn jemand vorsichtig an seiner Schulter berührte. Da inzwischen die ersten beiden Monde aufgegangen waren, konnte der Hellbraunhaarige die Gestalt einigermaßen erkennen und er war froh, dass es kein wildes Tier war, das ihn aus seinen Schlaf gerissen hatte. Als die Frau etwas auf Xendavu zu ihm sagte, erkannte er Dilāra Dajhān, die Tochter von Temka Dajhān und Kelūru Mandūri. Erleichtert entspannte er sich sofort wieder, während sich die junge Frau dicht neben ihn setzte und nun ebenfalls ihre Füße ins kühle Wasser hielt. In diesem Mondlicht betrachtete Mandrak die zierliche Gestalt der jungen Xendava. Das fahle Mondlicht ließ ihre schemenhafte Gestalt noch viel weicher erscheinen, als sie es ohnehin schon tat. Nachdenklich blickte er wieder auf das Wasser, von deren Oberfläche das Mondlicht reflektiert wurde. Mandrak wollte nicht, dass Dilāra seine Blicke spürte. Doch sie hatte es bereits bemerkt und begann wegen der Schüchternheit des Ulani verständnisvoll zu lächeln.

Unerwartet wandte sich die junge Xendava zu Mandrak um und fragte ihn etwas, was er nicht verstehen konnte. Verständnislos blickte er sie an. Als sie mit dem Finger auf die neue Narbe an seinem Bauch zeigte, begriff er, was sie eigentlich von ihm wissen wollte. Sofort hob er sein Hemd an. Als die Narbe, die inzwischen recht gut verheilt war, zum Vorschein kam, sah sie sich das etwas genauer an. Vorsichtig strich sie mit ihren Fingern über die ehemalige Verletzung. Sie nickte zufrieden, nachdem sie ihre Hand wieder zurückgezogen hatte. „Jēlo tamakko kimašungol tāna.”, konstatierte sie zufrieden lächelnd, „Bangu kwonda tamārukazāmus lējnoš lesawungol.” Der junge Ulani sah sie nur verständnislos an. „Es tut mir sehr Leid.”, sagte er bedauernd und ließ sein Hemd wieder sinken, „Leider kann ich deine Zunge immer noch nicht verstehen. Aber, ich wünschte, ich könnte es.” Fragend blickte Dilāra den Hellbraunhaarigen an, der inzwischen wieder gedankenverloren auf den Fluss hinausschaute. Er musste an sein Zuhause sowie an seine Eltern und Geschwister denken, die er mit seinem Bruder Tabrun zusammen zurückgelassen hatte und er fühlte, wie langsam die Sehnsucht nach seiner Heimat in dem Hellbraunhaarigen emporstieg. „Kamējžu dēmu varandas kējžuk, damti lējnoš panangol mekk tamaš.”, sagte Dilāra, die Mandrak damit sofort aus seine Gedanken riss. Der junge Ulani wandte sich zu ihr um und sah sie fragend an. Unwillkürlich begann Kelūrus Tochter zu kichern. Dann lehnte sie sich an den starken Ulani und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Wie selbstverständlich legte Mandrak seinen Arm um sie und drückte die junge braunhaarige Xendava an sich. „Kadējžu kēmu kumbrāžu, Mandrak.”, flüsterte sie leise. Gūrads jüngster Sohn hatte zwar nichts verstanden, aber er zog die junge braunhaarige Frau instinktiv näher zu sich heran. „Ich weiß zwar nicht, was du gerade zu mir gesagt hast.”, gestand er, „Ich wünschte, wir könnten uns miteinander verständigen. Dann könnte ich dir sagen, was ich für dich empfinde.” Sie hob wieder den Kopf und sah den jungen Ulani an. Ihre Blicke trafen sich. Sofort schlang sie einen Arm um Mandrak und zog ihn zu sich herab. Deutlich fühlte der Hellbraunhaarige die Wärme, die von dem zierlichen Körper der jungen Frau ausging. Als er sich weiter zu ihr herabbeugte, fühlte er Dilāras Atem auf seiner Haut. Dabei rann ihm ein wohliger Schauer über den Rücken. Sie flüsterte etwas, als sie anfing, mit ihrer Hand in seinen Haaren zu spielen. Die Xendava zog ihn weiter zu sich herunter, bis sich ihre Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss fanden.

Müde betrat während dessen Kelūru sein Zelt, in dem bereits Temka auf ihn wartete. Auch sie war von dem anstrengenden Tag sehr müde. Doch dieses Mal konnte sie nicht so einfach schlafen gehen, denn sie musste dringend mit ihrem Mann reden. „Dein Nachtlager ist bereitet, mein Gemahl.”, sagte sie, „Aber bevor wir schlafen können, muss ich mit dir über unsere Tochter Dilāra reden.” Fragend blickte der Anführer der Xendavas seine Frau an. „Dilāra?”, fragte er müde, „Was ist mit ihr?” Temka steckte ihre Fäuste in die Hüften und sah ihren Mann streng an. „Du fragst allen Ernstes, was mit unserem Kind ist?”, erwiderte Dajhān ein wenig überrascht, „Soll das etwa heißen, du hast bis jetzt überhaupt nichts davon mitbekommen, was mit Dilāra los ist?” Kelūru sah Temka verständnislos an. „Nein, ich hab keine Ahnung, was du meinst.”, antwortete er mit ausdrucksloser Miene, „Was soll denn mit ihr sein?” Verständnislos schüttelte Temka mit dem Kopf. „Ist dir denn in letzter Zeit gar nichts in ihr aufgefallen?”, wollte sie wissen, „Deine Tochter ist bis über beide Ohren verliebt!” „Was?”, entfuhr es Mandūri verblüfft, „Sag das noch einmal! Unsere Dilāra ist was?” Als Temka sein fassungsloses Gesicht sah, musste sie unwillkürlich schmunzeln. „Unsere Dilāra? Verliebt?”, stotterte er perplex, als er endlich begriff, was Temka ihn gesagt hatte und ließ sich dabei auf einen kleinen unbequemen Hocker fallen, „In wem?” „Na, in wem wohl.”, erwiderte sie ernst, obwohl Temka sehr gerne über die Reaktion ihren verdatterten Mannes liebend gerne laut losgelacht hätte, den sie noch nie ihrem ganzen Leben so ratlos und verdattert erlebt wie in diesem Augenblick, „Sie hat sich in den hellbraunhaarigen Ulani verliebt.” „In einen Ulani?”, echote Kelūru, der es immer noch nicht fassen konnte, was ihm seine Frau gerade erzählt hatte. „Ja.”, antwortete sie amüsiert, „Unsere Dilāra hat sich in Mandrak Nandor verliebt. Ich sage dir das, weil du es bis heute noch nicht mitbekommen hast. Zumindest hatte ich bis jetzt nicht den Eindruck gehabt, dass du das mitbekommen hast.” Der Anführer der Xendavas schüttelte mit dem Kopf. „Unsere Tochter ist verliebt.”, sagte er fassungslos, „Und ich habe das nicht mitgekriegt.” Dann sah er Temka an. „Bring mir Wein.”, befahl er mit einer Stimme, der in diesem Moment ein wenig die Festigkeit fehlte, die sie sonst von Mandūri gewohnt war, „Darauf muss ich erst einmal einen trinken.” Als sie den gewünschten Wein holte, grinste sie amüsiert.

Noch vor Sonnenaufgang wurde das Lager wieder abgebaut und die Xendavas setzten zusammen mit ihren Gästen die Reise zum Brondus-Damrajd fort. Müde und mit einem mächtigen Brummschädel saß Mandūri auf seinem Kojn-Kojn und sah missmutig in die Ferne, wo sich am Horizont immer deutlicher die ersten Gebirgsausläufer zu sehen waren. Die Sonne brannte auch an diesem Tag wieder erbarmungslos auf die Reisenden herab. Immer wieder warf Kejtar Sāmoš dem Anführer der Xendavas besorgte Blicke zu, der die ganze Zeit über neben Kelūru ritt. Nach einiger Zeit fasste er den Entschluss und sprach den Anführer direkt an. „Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Ihr heute nicht ganz gut zuwege seid, mein Gebieter.”, sagte er und sah dabei Kelūru direkt an, „Haben die Götter Euch in der vergangenen Nacht keinen erholsamen Schlaf beschert? Ihr scheint mir heute mit Euren Gedanken irgendwie ganz weit weg zu sein.” Dilāras Vater wandte sich Kejtar zu und sah seinen engsten Freund und Vertrauten nachdenklich an. „Nein, mein Freund.”, antwortete dieser nachdenklich, „Das ist es nicht. Die Götter haben mir durchaus eine erholsame Nacht gegeben. Es ist etwas anderes, was mich die ganze Zeit schon beschäftigt.” Fragend sah Sāmoš den Anführer an. „Es geht um meine Tochter Dilāra.”, sagte Mandūri, „Sie hat sich verliebt.” Kejtars Miene blieb ausdruckslos, als er seinem Anführer die nächste Frage stellte. „Wer hat Euch das erzählt, mein Gebieter?”, wollte er wissen. Ohne eine Antwort zu geben, gab Kelūru unerwartet seinem Reittier die Sporen. Daraufhin beschleunigte das Tier seinen Gang und setzte sich rasch von der Gruppe ab. Kejtar folgte seinem Beispiel und gab seinem Kojn-Kojn die Sporen. Als er den Anführer wieder eingeholt hatte, berichtete dieser seinem Freund ausführlich von der gestrigen Unterhaltung mit seiner Frau Temka Dajhān. Schweigend lauschte Sāmoš Mandūris Worten, ohne diesen zu unterbrechen.

Kejtar ließ laut die Luft aus seinen Lungen entweichen, nachdem Kelūru mit seinem Bericht geendet hatte. „Und?”, wollte er wissen, „Werdet Ihr mit Eurer Tochter darüber sprechen?” „Nein.”, antwortete der Anführer der Xendavas aufrichtig, „Dilāra hat wie alle anderen Frauen unseres Volkes ebenfalls das Recht, sich ihren Gemahl selbst auszuwählen. Es stört mich nicht, dass sie sich verliebt hat. Es spielt für mich auch keine Rolle, wer der Glückliche ist, dem sie ihr Herz schenken will. Diese neue Entwicklung kam für mich nur so unerwartet.” Einen kurzen Augenblick lang ritten beide schweigend nebeneinander. „Ich verstehe jetzt, was Ihr meint, mein Gebieter.”, gestand Kejtar, „Euch belastet es nicht, dass sich Dilāra verliebt hat und auch nicht in wem. Sondern Euch belastet es, dass Ihr nun feststellen musstet, dass Eure Tochter mittlerweile erwachsen geworden ist und anfängt, ihre eigenen Wege zu gehen.” Kelūru nickte. „So ist es, mein Freund.”, erwiderte er nachdenklich, „Genauso ist es. Es ist schwer, sein Kind loszulassen.” „Ja, mein Gebieter.”, antwortete Sāmoš, „Ihr habt weise Worte gesprochen.” Eine Weile lang ritten die beiden Xendava-Männer weiter voraus, bis sie beide sich wieder zurückfallen ließen.

Es dauerte noch mehrere Wochen, bis sie gemeinsam die ersten Berge des Brondus-Damrajd erreichten. Die ganze Zeit über zogen sie direkt an dem Fluss entlang, der ihnen jede Menge kühles und sauberes Wasser bot. In dieser Zeit änderte sich das Landschaftsbild schnell. Eine artenreiche Flora und Fauna bestimmten wieder das Bild. Als sie einen kleinen Wald erreichten, hielten sie an. Mandūri wollte sicher gehen, dass sich in der Nähe keine gefährlichen Wildtiere aufhielten. Deshalb schickte er mehrere bewaffnete Männer aus, die die nähere Umgebung auskundschaften sollten. Nach einigen Stunden kehrten diese zu ihren Anführer zurück und erstatten ihm Bericht.

Als sie geendet hatten, nickte der Anführer. „Also gut.”, entschied er, „Heute Nacht bleiben wir hier. Morgen ziehen wir weiter über den ersten Pass in den Brondus-Damrajd, den wir finden.” Pelto trieb sein Kojn-Kojn näher an das von Mandūri heran. Als sie auf gleicher Höhe waren, hielt er das Tier an. „Wisst Ihr denn, wo die Larunos hier im Brondus-Damrajd gedeihen, edler Herr?”, wollte er auf Oskonisch wissen und blickte dabei Dilāras Vater an. Dieser schüttelte bedauernd mit dem Kopf, nachdem er aus dem Sattel gestiegen war. „Leider nein, edler Pelto.”, antwortete der Xendava mit ernster Miene, „Unser Volk kennt zwar diese Früchte, weil wir sie regelmäßig von Kanda und auch anderen Xendavas ankaufen, wenn sich unsere Gruppen unterwegs treffen. Aber wo diese Bäume wachsen, wissen wir nicht. Ich bin mir sicher, dass die Götter uns nicht lange suchen lassen werden. Sobald wir den Pass hinter uns gelassen haben, werde ich sofort meine Männer losschicken, um nach den Larunos suchen zu lassen.” Der Aldoraner stieg nun ebenfalls von seinem Reittier, das mit seinen Vorderläufen auf den Boden scharrte und zufrieden Laut von sich gab. Er trat vor den Anführer hin und machte vor diesen eine sehr tiefe respektvolle Verbeugung. „Ihr seid so gütig, edler Herr.”, sagte der Aldoraner, „Ich werde es meinen Arbeitsherren ausrichten.” Kelūru nickte. „Gut, tut das.”, sagte er, „Sie werden sich bestimmt darüber freuen, dass sie bald das haben werden, wonach sie die ganze Zeit über gesucht haben.” Sofort eilte Gōlad mit seinem Kojn-Kojn an der Trense davon.

„Na dann wird unsere eigentliche Suche nach den Larunos jetzt erst richtig losgehen.”, meinte Simdu zu Tabrun und Mandrak, nachdem er Peltos Bericht ins Ulanische übersetzt hatte, „Ich finde es schade, dass die Xendavas selbst nicht genau wissen, wo diese Bäume zu finden sind, obwohl sie anscheinend die Früchte recht gut kennen.” „Zumindest scheint ihnen der Brondus-Damrajd kein unbekanntes Gebiet zu sein.”, warf Tabrun ein, „Zumindest einen kleinen Teil davon. Immerhin begleiten sie uns und Kelūru Mandūri hat auch gesagt, dass die Reise hierhin nicht ungefährlich ist.” „Wir können nur hoffen, dass uns keine Xularis mehr über den Weg laufen werden und uns wieder Scherereien machen.”, meinte Simdu mit ein wenig Besorgnis in seiner Stimme, „Auf einer weiteren Begegnung mit Mūruks Geschöpfen bin ich jedenfalls nicht erpicht.” „Die Frage ist nur, ob es hier überhaupt welche gibt.”, gab Mandrak zu Bedenken, „Soviel ich bis jetzt mitbekommen habe, hat noch niemand von den Xendavas, und auch selbst Pelto nicht, eine Spur von ihnen hier in dieser Gegend gefunden. Ansonsten hätte jemand schon etwas darüber gesagt.”

„Dann können wir nur hoffen, dass wir nicht allzu lange nach den Larunos suchen müssen.”, meinte Tabrun, „Leider wissen wir nicht, wie diese Bäume und ihre Früchte aussehen, denn der Kojn-Kojn-Züchter selbst hatte ja nie welche auf seinem Hof angepflanzt. Das heißt also, dass auch wir weiterhin in Zukunft auf die Augen unserer Xendava-Freunde verstärkt angewiesen sind, damit wir diese Pflanzen so schnell wie möglich finden. Es wäre schön, wenn wir sie schnell finden würden, damit wir nach unserer Rückkehr Vaters Farm retten können.” Der hellbraunhaarige Ulani nickte zustimmend.

 

Abschließende Hinweise:

keine

Kampf der Bestien

von aroessler2003

 

Mittlerweile haben die Xendavas mehrere Lagerfeuer entfacht und einige von ihnen hatten mehrere Spieße mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten vorbereitet. Das Fett tropfte von dem Fleischstücken und es zischte jedes Mal, wenn sie in die Glut fielen. Kelūru hatte am frühen Abend noch einmal einige Kundschafter ausgesandt, die inzwischen nacheinander wieder ins Lager zurückkehrten. Auch Kejtar hatte sich auf den Weg gemacht, um die Gegend etwas genauer zu erkunden. Nachdem er wieder zurück gekommen war, erstattete er dem Anführer der Xendavas Bericht, nachdem sich die beiden Männer in Kelūrus Zelt zurückgezogen hatten. „Ich war noch einmal ein wenig am Fluss entlang geritten.”, teilte er Mandūri mit, „Ungefähr einen halben Tagesritt von hier auf einem Kojn-Kojn habe ich mehrere Skelette gefunden. So, wie ich das erkennen konnte, stammen die meisten von Mulanos, Kalunos und Kundos. Allerdings habe ich auch vier Skelette von Muvangos gesehen.” „Allerdings waren dort auch noch zwei Xulari-Skelette.”, fügte er warnend hinzu, was Kelūru aufhorchen ließ, „Das seltsame an den beiden Skeletten der Xularis war es, dass sie ziemlich schwarz waren.” Der Anführer blickte seinen engsten Freund und Vertrauten an. „Sagtest du eben, dass sie schwarz wären?”, vergewisserte sich Dilāras Vater bei dem Xendava-Krieger. „Ja, mein Gebieter, das sagte ich.”, erwiderte Kejtar, „Mir kamen sie so vor, als wären die beiden Tiere durchs Feuer umgekommen.” „Und die Knochen waren völlig kahl?”, wollte Kelūru wissen. Nachdem Sāmoš auch das bestätigte, stieß der Anführer einen lauten Fluch aus. Fragend blickte Kejtar ihn an. „ Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut. Wenn das stimmt, dann haben wir jetzt erst ein richtiges Problem, mein Freund.”, sagte Dilāras Vater zutiefst beunruhigt, „Anscheinend sind wir seit kurzem in ein Gebiet gekommen, das noch von viel gefährlicheren Geschöpfen als die Xularis bewohnt wird. Wir befinden uns anscheinend mitten im Jagdgebiet der Mungāwas.”

„Dann sollten wir zusehen, dass wir hier so schnell wie möglich verschwinden, bevor die Viecher uns noch entdecken.”, schlug Sāmoš vor. Mandūri nickte. „Ja, das wäre wohl am besten.”, antwortete er nachdenklich, „Auf alle Fälle müssen wir auf der Hut sein und bei jedem Geräusch besonders die Augen und Ohren offenhalten. Sobald wir wissen, dass uns wegen der Viecher keine Gefahr droht, können wir unsere Reise und unseren Aufenthalt im Brondus-Damrajd etwas entspannter gestalten.” „Ich werde veranlassen, dass die Wachen im Lager jede Nacht verdoppelt sein werden, mein Gebieter.”, versprach Kejtar ernst, „Auch die Mungāwas sollen uns nicht als leichte Beute sehen. Wenn sie uns angreifen sollten, dann werden wir uns zu wehren wissen.” Dilāras Vater nickte erneut und entließ Kejtar mit einem Wink. Zutiefst besorgt sah Mandūri seinen Freund nach, als dieser das Zelt verließ.

Am nächsten Morgen wachten die drei Ulani und der Aldoraner nach einer ereignislosen Nacht in ihrem Gästezelt auf. Als sie nacheinander nach draußen traten, sahen sie sofort, dass die Xendavas bereits alle anderen Zelte abgebaut und die Ausrüstung auf ihre zahlreichen Reittiere verladen hatten. „Bei Fazilāna!”, bemerkte Pelto, „Die Jungs haben es ja verdammt eilig mit dem Aufbruch, so scheint es mir.” Jakodos nickte. „Ja, mein Guter, den Eindruck habe ich auch.”, meinte dieser, „Vielleicht solltet Ihr mal bei den Xendavas nachfragen, was die Eile zu bedeuten hat.” Der Alte deutete kurz eine Verbeugung an und eilte anschließend rasch davon.

„Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie wegen irgendetwas beunruhigt sind.”, grübelte Tabrun, der die ganze Zeit über das emsige Treiben der Xendavas im ehemaligen Lager beobachtete, „Und ich finde es seltsam, dass keiner von ihnen uns sagt, was eigentlich hier los ist.” Mandrak, der zwischen Tabrun und Simdu stand, brummte zustimmend. „Dann lass uns mal unser Gepäck zusammen packen und auf unsere Reittiere verfrachten.”, sagte Tabrun, „Danach bauen wir zusammen das Zelt ab.” Doch, bevor sich die drei Ulani an die Arbeit machen konnten, hielt Mandrak inne und deutete in jene Richtung, aus der Pelto gerade zu ihnen zurückkehrte. Sein Gesicht zeigte tiefste Besorgnis. Ferner lief der Aldoraner viel schneller, als er es sonst tat. Die drei Ulani ahnten nichts Gutes. Gespannt sahen die drei Ulani den Aldoraner an, der dicht vor ihnen stehen blieb.

„Und?”, sagte Arankas Mann, als der Alte vor ihnen stehend nach Luft rang, „Was habt Ihr erfahren?” Pelto holte tief Luft, als er antwortete. „Ich komme gerade von dem Anführer der Xendavas zurück.”, begann er, „Er hatte wieder mehrere Kundschafter ausgesandt, die inzwischen zurückgekehrt sind und ihm Bericht erstattet haben.” Gōlad holte noch einmal tief Luft, bevor er fortfahren konnte. „Edle Herren.”, sagte er mit leicht bebender Stimme, „Ich bringe Euch schlimme Kunde. Der edle Anführer Kelūru Mandūri hat von seinen Kundschaftern erfahren, dass wir uns zurzeit inmitten eines Jagdreviers der Mungāwas aufhalten!” „Woher wissen sie das?”, wollte Simdu wissen, „Haben sie hier schon welche gesehen?” Der Aldoraner schüttelte entschieden mit dem Kopf. „Nein, edler Herr.”, erwiderte Pelto zutiefst beunruhigt, „Gesehen haben sie zwar keine, aber sie haben zwei Xulari-Skelette gefunden, die völlig schwarz waren. Die Xendavas gehen deshalb davon aus, die beiden toten Xularis durchs Feuer umkamen, als sie gegen die hier lebenden Mungāwas um ihre Beute gekämpft hatten.” Der Blick von Arankas Mann verfinsterte sich, als er Peltos Ausführungen weiter zuhörte.

„Der edle Kelūru macht sich große Sorgen um sein Volk und seine Gäste.”, fuhr Gōlad fort, „Er hat die Wachen im Lager verdoppeln lassen, wie es ihm einem seiner Vertrauten vorgeschlagen wurde.” Jakodos nickte. „Ich verstehe.”, sagte er, „Anscheinend haben die Xendavas eine sehr große Angst vor einer möglichen Begegnung mit diesen Viechern.” „Was hat Pelto dir gesagt?”, fragte Tabrun, dem der finstere Gesichtsausdruck Simdus nicht gefiel. Sofort übersetzte er den beiden Nandor-Brüdern das ins Ulanische, was der Aldoraner ihm selbst soeben erst mitgeteilt hatte. „Weißt du was, Bruder?”, meinte Mandrak beunruhigt, „Das gefällt mir ganz und gar nicht, was ich da soeben hören musste.” Tabrun nickte. „Ja.”, erwiderte er, „Das geht mir genauso.” „Kommt.”, sagte Simdu ernst und setzte sich in Bewegung, „Lasst uns jetzt so schnell wie möglich das Zelt abbauen, damit wir alle so schnell wie möglich von hier verschwinden können. Ich habe nämlich keine Lust, von einem der widerlichen Viecher erst gegrillt und dann verspeist zu werden. Mein Leben habe ich mir doch schon ein wenig anders vorgestellt.” Sofort machten sich die drei Ulani und der Aldoraner zusammen an die Arbeit. Es dauerte nicht sehr lange, bis sie das Zelt abgebaut und auf ihren Reittieren vollständig verstaut hatten. Die Xendavas und ihre Gäste setzten sofort ihre gemeinsame Reise fort.

Es dauerte mehrere Tage, bis sie den ersten Pass zum Brondus-Damrajd erreichten und ihn so rasch wie möglich hinter sich brachten. Alle waren froh darüber, dass jener Pass gerade schneefrei war. Als sie den höchsten Punkt des Passes erreichten, bot sich ihnen ein atemberaubender Anblick. Die Xendavas und ihre Gäste hielten kurz inne, um einen ausgiebigen Blick über das Tal schweifen zu lassen. Trotz der Höhe war die Kälte für die meisten erträglich. Während dieser Zeit schwiegen die meisten aus der großen Gruppe und auch die Tiere verhielten sich außerordentlich ruhig, was von einigen Xendavas als ein positives Zeichen gewertet wurde. Als der Weg sie wieder langsam hinunter in das erste Tal führte, waren alle erleichtert. Auch die Kojn-Kojns und Kuš-Kuš schienen darüber froh zu sein, als sie die erste größere Grasfläche erreichten. Am liebsten hätte Mandūri selbst eine kleine Rast eingelegt, doch seiner Ansicht nach als Anführer der Xendavas bot der Platz nicht genügend Schutz, um sich vor möglichen Feinden wie die Mungāwas zu verstecken.

„Sobald wir unten im Tal sind, werden wir uns einen Platz suchen, wo wir gut geschützt rasten können.”, entschied Kelūru, während Kejtar Sāmoš an seiner Seite nebenher ritt, „Am besten wäre noch ein kleiner Wald, der direkt an einen kleinen Bach oder Fluss läge. Das wäre optimal.” „Wünscht Ihr wieder ein paar Kundschafter vorauszuschicken, damit sie nach einem geeigneten Lagerplatz Ausschau halten sollen, mein Gebieter?”, fragte der Krieger mit ausdrucksloser Miene, „Dann schicke ich sofort jemanden los, der sich der Sache annehmen soll.” Der Anführer nickte wortlos. Sofort rief Kejtar ein paar Befehle und einige Xendavas machten sich sofort auf den Weg. Es dauerte nicht lange, bis sie außer Sichtweite waren. „Ich hoffe, sie finden bald eine gute Lagerstatt für uns, mein Gebieter.”, meinte Sāmoš nachdenklich und sah den davon reitenden Männern hinterher, bis diese nicht mehr zu sehen waren.

„Ich glaube, wenn ich das von hier aus richtig sehe, hat der Anführer soeben erneut ein paar Kundschafter ausgesandt, um die Lage zu checken.”, meinte Pelto zu Simdu, „Vielleicht sollte ich mich ihnen anschließen. Was meint Ihr, edle Herren?” Jakodos übersetzte die Anfrage des Aldoraners ins Ulanische und blickte dabei die beiden Nandor-Brüder fragend an. „Ich finde, dass unser guter Tegoš ruhig mal einen kurzen Rundflug machen sollte.”, meinte Tabrun, „Je mehr Leute sich umschauen, umso eher können Gefahren erkannt und umso schneller können dann alle gewarnt werden.” Simdu warf Mandrak einen fragenden Blick zu. „Ich bin derselben Auffassung wie mein Bruder.”, sagte er, „Lass Pelto ruhig seiner Pflicht nachkommen.” Arankas Mann wandte sich wieder dem Alten zu und nickte nur. Dieser verstand sofort und gab seinem Kojn-Kojn die Sporen. Rasch breitete das Tier seine mächtigen Schwingen aus und hob vom Boden ab. „Ich bin gespannt, wer als erster etwas entdeckt.”, meinte Tabrun, als der Aldoraner bereits außer Hörweite war, „Pelto oder die Kundschafter von den Xendavas.” Mandrak und Simdu schwiegen nur, als sie dabei Gōlad nachsahen.

Einen halben Tag später kehrten die Xendavas von ihrer Erkundungstour zurück und berichteten Mandūri ausführlich, was sie gesehen haben. Als sie geendet hatten, entließ er die Männer mit einer wortlosen Handbewegung. Fragend sah Kejtar seinen Freund Kelūru an. „Wir werden unten im Tal direkt an dem kleinen Bach unser Lager aufschlagen.”, entschied er, „Der Wald, der dort ganz in der Nähe ist, dürfte uns allen genügend Schutz bieten, falls die Mungāwas uns finden und angreifen sollten.” Sāmoš machte in seinem Sattel eine respektvolle Verbeugung. „Ja, mein Gebieter.”, sagte er, „Ich werde es an die anderen weiterleiten.” Dilāras Vater nickte nur, während sein Freund mit seinem Reittier kehrtmachte, um die anderen Xendavas Kelūrus Anordnung weiterzugeben.

In der Zwischenzeit war auch Pelto wieder zurück gekehrt und berichtete Simdu, was er unterwegs gesehen hatte. „Das heißt also, dass wir zumindest diese Nacht etwas ruhiger schlafen können.”, konstatierte er, „Wenigsten ist das eine gute Nachricht. Das habt Ihr gut gemacht, edler Tegoš.” Der Aldoraner machte eine respektvolle Verbeugung. Als er sich wieder aufrichtete, fügte er noch etwas hinzu, was sowohl Tabrun als auch Mandrak aufhorchen ließ, nachdem Simdu für die beiden übersetzt hatte. „Ist das wahr?”, wollte sich Tabrun vergewissern, „Pelto hat dort unten einige Obstbäume entdeckt?” „Ja.”, antwortete Simdu auf Ulanisch, „Aber er sagt, dass es keine Larunos sind sondern andere. Die müssen wir uns schon mal aus der Nähe ansehen.” „Auch wenn das nicht unsere gewünschten Bäume sind.”, meinte Mandrak, „Vielleicht können wir sie ja doch gebrauchen. Dann hätte unsere Suche endlich ein Ende und wir könnten so rasch wie möglich nach Hause zurückkehren, um Vaters Farm zu retten.” „Und wenn das andere Obstbäume sind?”, fragte Simdu, „Seid ihr euch sicher, dass die für euch ebenso in Betracht kommen könnten?” „Ich weiß nicht.”, gab Tabrun zu, „Das wäre schon möglich. Wir wissen leider nicht, ab die Larunos bei uns überhaupt wachsen und gut Früchte tragen würden.” „Fragt Pelto doch mal, was für Obstbäume das sind.”, bat Tabrun Arankas Mann, der die Frage sofort ins Aldoranische übersetzte. „Lankos.”, antwortete Gōlad auf Aldoranisch mit ernster Miene, „Ich kenne dieses Obst von einigen meiner anderen Expeditionen, an denen ich bereits teilgenommen hatte. Sie sind sehr köstlich.” „Ich habe mir davon sogar einiges an Saatgut mit nach Hause genommen und dort ausgesät.”, fuhr Pelto fort, „Als ich nach ein paar Jahren meine ersten Lankos erntete, war mein damaliger Arbeitsherr sehr von meinem kleinen Garten angetan, nachdem er eine von den Lankos probiert hatte.” „Und?”, fragte Simdu interessiert, „Was hat er dann gemacht?” Unwillkürlich begann der Aldoraner zu grinsen. „Ihr werdet es mir nicht glauben wollen, aber er bot mir doch allen Ernstes das Doppelte an Bezahlung für den Verkauf meines gesamten Lankos-Bestandes an sowie die kostenlose Unterbringung, solange ich in seinen Diensten stehe.”, berichtete Pelto schmunzelnd. „Habt Ihr das Angebot angenommen?”, wollte Jakodos wissen. „Nein, edler Herr, ich habe es abgelehnt.”, erwiderte der Alte mit einem leichten Lächeln, dass seine Lippen umspielten. „Was, Ihr habt das Angebot Eures Arbeitsherrn abgelehnt?”, fragte Arankas Mann fassungslos, „Wieso denn?” „Die Sache ist ganz einfach, edler Herr.”, erwiderte der Aldoraner, „Ich wollte den Preis dafür in die Höhe treiben.” „Erst nachdem mein Arbeitsherr mir einen arbeitsfreien Tag in der Woche zusätzlich anbot, schlug ich ein.” „Sind die Lankos wirklich so gut?”, wollte Tabrun wissen, nachdem Simdu den beiden Nandor-Brüdern Peltos Erzählung übersetzt hatte, „Wenn ja, dann sollten wir es vielleicht in Erwägung ziehen, auch davon etwas Saatgut mitzubringen. Schaden kann’s bestimmt nicht.” Mandrak pflichtete seinem Bruder bei. „Okay, dann zeige ich Euch die Lankosbäume, sobald wir im Tal angekommen sind, edle Herren.”, versprach der Aldoraner ernst, nachdem Simdu die Meinung seiner beiden ulanischen Begleiter übersetzt hatte, „Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.”

Am frühen Abend erreichten die Xendavas mit ihren neuen Waffenbrüdern zusammen das Tal. Direkt an einem Waldrand, an dem sich auch ein kleiner Bach entlang schlängelte, errichteten sie Ihr Nachtlager. Obwohl Kelūru sich nicht sicher, ob es ratsam war, Feuer zu machen, wies er seine Leute trotzdem dazu an, mehrere Lagerfeuer zu entfachen. Nachdem die Feuer entfacht wurden, ließ Dilāras Vater von Kejtar Sāmoš einige Männer zur Nachtwache abkommandieren. Im Lager herrschte eine gespannte Stimmung, aber die Leute blieben ruhig. Sicherheitshalber verbot der Anführer der Xendavas den Ausschank von Bier und Wein. Gelassen nahmen die Leute im Lager die Entscheidungen ihres Anführers hin. Sie wussten alle, warum Kelūru diese Entscheidungen traf. Von der anstrengenden Reise des Tages müde geworden, zogen sich die meisten Leute rasch in ihre Zelte zurück, um sich zu auszuruhen. Es dauerte nicht lange, bis nur noch jene Xendavas aufblieben, die Wache halten mussten.

Erschrocken fuhr Mandrak aus dem Schlaf. Aufmerksam lauschte er einigen Stimmen, die leise miteinander sprachen. Es dauerte einen kurzen Moment, bis er sie als jene Stimmen von Pelto, Simdu und seinem Bruder Tabrun erkannte. „Was ist los?”, fragte er leise. „Pelto kann nicht schlafen.”, antwortete Gūrads ältester Sohn, „Und jetzt hat er auch noch draußen ein Geräusch gehört, hat er Simdu gesagt.” Sofort warf der Hellbraunhaarige seine Decke zurück und stand auf. „Und weiß er schon, was er da draußen gehört hat?”, wollte Tabruns Bruder wissen. Der schwarzhaarige Ulani verneinte. „Ich glaube, er will rausgehen, um selbst nachzuschauen, ob auch alles in Ordnung ist.”, teilte Simdu den beiden ulanischen Farmersöhnen mit, „Wahrscheinlich hat er nur einen der Xendavas gehört, die heute Nacht Wache halten.” „Kann sein.”, meinte Tabrun, als der Aldoraner das Zelt verließ, „Aber dann sollten sie ihre Arbeit etwas leiser machen, damit zumindest die anderen in Ruhe schlafen können.” „Ich denke, wenn da draußen irgendwas wäre, dann hätten die Xendavas bereits Alarm geschlagen.”, meinte Mandrak müde, „Als die Xularis uns damals an der Oase angriffen, haben die Xendavas doch auch schnell Alarm gegeben.” „Ja.”, erwiderte Arankas Mann, „Aber wir sind hier nicht mehr in der Wüste, sondern in einem Gebiet, wo wahrscheinlich die Mungāwas leben und jagen. Hier gibt es noch mehr Gefahren. Die Xularis sind nur eine davon. Die größere Gefahr geht anscheinend von den Mungāwas aus.” „Warten wir erst mal auf Peltos Rückkehr.”, meinte Simdu und gähnte herzhaft, „Ich gehe davon aus, dass es falscher Alarm ist. Aber es ist trotzdem nicht verkehrt, sicherheitshalber nachzusehen. Mögen die Götter wissen, was er da gehört hat.” Schweigend warteten die drei Ulani auf die Gōlads Rückkehr.

Es dauerte nicht sehr lange, bis der Aldoraner in das Gästezelt zurückkehrte. Fragend sahen ihn Arankas Mann und die beiden anderen Ulani an. Der Alte fühlte die fragenden Blicke der drei Ulani. „Es ist alles ruhig.”, versicherte Pelto den Anwesenden, „Ich habe mit den Wachen da draußen gesprochen und die sagen, dass es heute Nacht sehr ruhig ist. Nicht ein einziges Tier ist zu hören oder zu sehen.” „Es ist nicht ein einziges Tier zu hören oder zu sehen?”, vergewisserte sich Simdu bei dem Alten. Dieser bejahte. „Genauso haben es mir die Wachen gesagt.”, versicherte er Jakodos, „Sie behaupten, dass nichts dergleichen zu hören oder sehen wäre.” „Bei Zātul!”, meinte Tabrun nachdenklich, nachdem Simdu für seine beiden Landsleute übersetzt hatte, „Hoffentlich ist das nicht die Ruhe vor dem Sturm.” Pelto wandte sich zu Gūrads ältestem Sohn um und sah ihn fragend an. „Ich kann zwar seine Zunge immer noch nicht komplett verstehen.”, brummte der Alte etwas müde, „Aber ich bin mir sicher, dass Fazilāna ihre mächtige Hand immer noch schützend über uns hält. Er braucht sich also keine Sorgen zu machen. Das sollte er lieber den Göttern überlassen. Unser Schicksal liegt nach wie vor in ihren Händen.” Währenddessen Pelto sich wieder zum Schlafen hinlegte, übersetzte Arankas Mann die Aussage des Aldoraners ins Ulanische. „Seine Ruhe und sein Vertrauen an die Götter möchte ich auch mal haben.”, meinte Tabrun trocken, als er sich ebenfalls wieder hinlegte. Mandrak kicherte leise, während der Alte bereits zu schnarchen anfing.

Am frühen Morgen machte sich der Aldoraner auf den Weg und besorgte ein paar Lankos, um sie seinen drei Arbeitsherren zu zeigen. In kürzester Zeit hätte er bereits mehrere Früchte zusammen getragen und kehrte dann mit ihnen ins Lager zurück. Interessiert sahen Tabrun, Mandrak und Simdu das frisch gepflückte Obst an. Als Pelto demonstrativ in eine der Früchte biss, machten es ihm die ulanischen Männer nach. Überrascht stellten die beiden Nandor-Brüder und Arankas Mann fest, wie gut das Obst schmeckte. „Die schmecken ja verdammt gut.”, ließ sich der Hellbraunhaarige vernehmen, „Die wären vielleicht auch keine schlechte Wahl für Vaters Hof.” Tabrun brummte zustimmend, als er ein weiteres Mal in die Frucht biss. „Die Frage ist nur, wie ihr die Saat unbeschadet mit nach Hause nehmen wollt.”, sagte Simdu schmatzend, „Immerhin ist das eine verdammt lange Strecke, wenn ihr davon etwas mitnehmt.” „Ich finde, die Lankos schmecken richtig gut.”, stellte Mandrak fest, „Als Ergänzung zu dem Saatgut der Larunos, wäre sie hervorragend geeignet. Was würde Vater wohl sagen, wenn er die hier probieren könnte?” Tabrun zuckte wortlos mit den Schultern, als er weiteraß. „Keine Ahnung.”, gestand er, „Das können wir nur erfahren, wenn wir davon etwas mit nach Hause brächten.” „Wahrscheinlich würdet ihr erst einmal mächtigen Ärger bekommen, weil ihr ohne seine Erlaubnis den familiären Hof verlassen habt.”, meinte Simdu und sah dabei sowohl Tabrun als auch Mandrak ernst an, „Und wenn nur einer allein von euch beiden wieder heimkäme, dann kann derjenige sich gleich beerdigen lassen, so wie euer Vater vor Wut toben würde.”

„Also wollen wir nun etwas davon als Saatgut ebenfalls mitnehmen?”, fragte der Hellbraunhaarige seinen Bruder Tabrun, der gerade den letzten Bissen seiner Lankos in seinem Mund verschwinden ließ. „Vielleicht sollten wir das.”, meinte Tabrun nachdenklich warf einen Blick zu jenen Bäumen rüber, von denen der Aldoraner das Obst gepflückt hatte, „Falls wir keine Larunos finden sollten, haben wenigsten eine Alternative anzubieten und unsere Expedition hierher war dann nicht umsonst.” Fragend sah Pelto die drei Ulani nacheinander an. „Sie sagten, dass ihnen die Lankos sehr gut munden.”, übersetzte Simdu, woraufhin der Alte zu lächeln begann. „Möchten die edlen Herren davon etwas als Saatgut für Ihres Vaters Farm mitnehmen?”, wollte Gōlad wissen. Arankas Mann bejahte seine Frage auf Aldoranisch und sofort machte sich Pelto an die Arbeit. Es dauerte nicht sehr lange, bis der Tegoš bereits eine kleine Tasche voll mit dem Saatgut der Lankos zusammen getragen hatte. Zufrieden reichte er sie Tabrun, die sie lächelnd annahm. „Soll ich noch mehr einsammeln?”, erkundigte sich der Alte. Simdu sah die beiden Nandor-Brüder fragend an. „Er möchte wissen, ob er noch mehr einsammeln soll oder nicht.”, übersetzte Simdu die Frage des Aldoraners. Tabrun und Mandrak bejahten unisono. Sofort machte sich der alte Mann wieder an die Arbeit und kehrte eine kurze Zeit später wieder mit einer weiteren vollen Tasche zu den ulanischen Männern zurück. „Ich hoffe, dass sie auch in unserer Heimat gedeihen.”, meinte Mandrak nachdenklich, als er die beiden Taschen an dem Sattel seines Kojn-Kojns befestigte. „Ich denke, dass die bei uns genauso wachsen werden wie hier.”, erwiderte Tabrun überzeugt, „Ansonsten werden wir auch noch etwas von den Larunos als Saatgut mitnehmen. Ich denke, du brauchst dir diesbezüglich keine Sorgen machen. Wir dürfen auf gar keinen Fall unterwegs etwas davon verlieren.” Es dauerte nicht lange bis Pelto zwei weitere Beutel mit Lankos-Saat gefüllt zu den beiden Ulani-Brüdern brachte. „Ich denke, das reicht jetzt.”, meinte Tabrun, als er die beiden Beutel an seinem Sattel befestigte, „Wir haben jetzt vier Beutel voll Saatgut von den Lankos-Bäumen. Jetzt fehlt uns noch das Saatgut von den Larunos.”

Mittlerweile hat Mandūri eine weitere Entscheidung getroffen. Am frühen Morgen hatte er sich ausführlich die Berichte seiner Kundschafter angehört. „Wir werden heute noch hierbleiben und erst Morgen weiterziehen.”, teilte er seinen Leuten mit, „In dieser Zeit sollten alle Tiere in Punkto Wasser und Nahrung versorgt werden und jeder sollte die Gelegenheit nutzen, soviel wie möglich an Essbarem wie Obst und Gemüse, was hier so in der Nähe wächst und gedeiht, zu beschaffen, wie es nur möglich ist, denn unsere Vorräte gehen so langsam zur Neige.” Sofort machten sich die Xendavas auf den Weg und begann in kleinen Gruppen den nahe liegenden Wald nach Essbaren zu durchkämmen. Auch der Aldoraner und die Ulani halfen den Xendavas bei der Arbeit.

„Vielleicht ist es sogar besser, wenn wir uns unter die Xendavas mischen würden.”, meinte Simdu nachdenklich, „Immerhin können wir noch eine ganze Menge von ihnen lernen, was solche Dinge anbelangt.” Tabrun und Mandrak sahen sich kurz an.

„Okay, das ist gar keine schlechte Idee.”, erwiderte der schwarzhaarige Ulani, „Schaden tut’s bestimmt nicht, wenn wir von ihnen lernen. Zumindest wenn sich dazu eine Gelegenheit ergibt.” Entschlossen mischten sich die vier Männer aus Übersee unter die Xendavas.

Es vergingen viele Stunden und in unregelmäßigen Abständen kehrten immer wieder kleine Gruppen mit Gemüse und Früchten beladen ins Lager zurück, wo sie gleich sorgfältig kontrolliert und verteilt wurden. Immer tiefer drangen sie in den kleinen Wäldchen vor, während sie nach Nahrung suchten. Simdu hatte sich Sejloš und seiner Familie angeschlossen. Tabrun arbeitete mittlerweile mit Kejtar und Pelto sogar mit dem Anführer der Xendavas zusammen. Mandrak hingegen konnte sich bisher noch niemanden anschließen. Mal half der Hellbraunhaarige in dem einen Grüppchen aus, mal in der anderen. Immer mussten einige von den Xendavas auf die Obstbäume klettern, um an die reifen Früchte ranzukommen. Auch die drei Ulani und der Aldoraner scheuten sich nicht vor den Kletterpartien auf die Bäume.

Als Mandrak in seinem Eifer an einen weiteren Baum hoch geklettert war, bemerkte er nicht, wie die kleine Xendava-Gruppe, der er gerade bei der Ernte half, ihre vollen Taschen wieder ins Lager brachten. Als es nach seiner Auffassung nach am Fuße des Baumes zu still geworden war, sah er erst nach unten, wo er bereits mehrere Früchte auf den Boden fallen gelassen hatte. Als er sah, dass sich niemand mehr unter dem Baum aufhielt, an dem er hochgeklettert war, nahm der junge Ulani noch die letzten beiden Lankos, die er gerade noch so zu fassen bekam und kletterte mit den beiden Früchten in seiner Tasche langsam wieder nach unten. Unten angekommen sah er sich nach allen Seiten um, aber er konnte niemanden entdecken. Um ihn herum war es sehr still geworden. Mandrak fragte sich, ob er erst einmal ins Lager zurückehren sollte oder nicht.

Letztendlich entschied sich Gūrads jüngster Sohn für die Rückkehr ins Lager und machte sich auf den Weg. Weit jedoch kam er nicht, denn als es im Gebüsch vor ihm zu rascheln begann, blieb er unwillkürlich stehen. Langsam griff er nach seinem Messer, das in seinem Gürtel steckte. Vorsichtig zog er es aus der Scheide, während das Rascheln weiter zunahm. Im nächsten Augenblick trat jemand vor ihm aus dem Dickicht. Erleichtert atmete der Hellbraunhaarige auf, als er Dilāra erkannte, die nun vor ihm stand. Sie trug zwei leere Taschen bei sich. Lächelnd gab sie ihn ein Zeichen, dass er ihr folgen sollte. Sofort setzte sich der Ulani in Bewegung. Vor einem sehr hohen Busch blieb die Tochter des Anführers stehen. Sorgfältig pflückte Dilāra dort etwas ab, was sie sofort an Mandrak weitergab. Als er das in seiner Hand betrachtete, was die junge Xendava ihn gegeben hatte, erkannte er eine Nojsa. Die Braunhaarige sagte etwas, was Mandrak nicht verstehen konnte und zeigte dabei auf die Nuss in seiner Hand. Der Hellbraunhaarige kannte diese Nussart aus seiner Heimat, weil sie auch dort weit verbreitet war und als Delikatesse galt. Zusammen traten die beiden an den großen Busch und sammelten alle Nüsse ein, die sie finden konnten. Nachdem beide Taschen, die Dilāra bei sich hatte, voll waren, kehrten die beiden ins Lager zurück und nahmen dort neue Taschen mit.

Mandrak und die junge Xendava brauchten nicht lange, um den Nojsabusch wiederzufinden. Als beide direkt vor dem Busch stehen blieben, sahen sie sich um und lauschten. Sowohl Dilāra als auch Mandrak war die Stille in dem kleinen Wäldchen aufgefallen, als sie auf dem Weg zu dem Busch waren, um weitere Nüsse zu sammeln. Es war nicht ein einziges Geräusch zu hören. Kelūrus Tochter und Gūrads jüngster Sohn sahen sich gegenseitig unentschlossen an. Als sich ihre Blicke trafen, wussten sie, dass sie sich beide fragten, ob es nicht besser wäre, wieder ins Lager zurückzukehren. Entschlossen ergriff Tabruns Bruder die Initiative und kletterte auf den nächsten Baum. Als Mandrak den Wipfel erreichte, blickte er sich aufmerksam nach allen Seiten um. Der Hellbraunhaarige gab einen bewundernden Pfiff von sich, als er den kleinen Wald überblicken konnte. Auf der gegenüber liegenden Seite konnte er einen kleinen Fluss erkennen, der sich wie ein blaues Band durch das Tal schlängelte. Es waren nur wenige Bäume größer als der, auf dem Mandrak hochgeklettert war. Deshalb konnte er fast in jeder Richtung in die Ferne sehen, ohne etwas entdecken zu können. Etwas beruhigter kletterte Tabruns Bruder wieder den Baum hinab. Als er unten angekommen war, sah Dilāra den jungen Ulani fragend an. Er schüttelte mit dem Kopf. „Es scheint alles in Ordnung zu sein.”, sagte er auf Ulanisch zu ihr, wobei er seiner Stimme einen festen Klang zu geben versuchte. Er wusste, dass die Xendava kein Wort von dem verstand, was er zu ihr sagte. Aber er hoffte, dass er sie beruhigen konnte. Unschlüssig sahen beide in die Richtung des Lagers. Dann blickten sie wieder zu dem Busch, von dem sie die ersten Nüsse eingesammelt hatten. Kaum hatten sie begonnen, weitere Nüsse zu sammeln, als über den beiden ein Geräusch zu hören war, das wie das Flügelschlagen eines Kojn-Kojns klang. Aufmerksam sahen Dilāra und Mandrak nach oben und erschraken zutiefst. Über den Baumwipfeln glitt lautlos ein großer Schatten hinweg, dem wenig später weitere folgten. Anhand der Größe dieser Schatten wussten beide sofort, dass es keine Kojn-Kojns waren, die über den Bäumen hingeflogen waren. Kurz darauf hörten die junge Xendava und der hellbraunhaarige Ulani bereits die ersten Warnrufe aus dem Lager. Jetzt waren sie sicher, dass es Mungāwas waren, die über sie hinweggeflogen waren.

Sofort machten sich beide wieder auf den Rückweg ins Lager, doch sie kamen nicht mehr weit. Direkt vor Dilāra und Mandrak tauchten aus dem raschelnden Gebüsch mehrere kleine Schatten auf, die böse fauchten. Sofort zogen die beiden ihre Messer, die sie als einzige Waffen bei sich hatten. Trotz des Halbdunkels erkannten die beiden sofort, dass vor ihnen drei Xularis standen…..

Wären diese Tiere nicht so gefährlich, dann hätte Mandrak über den Anblick dieser drei kleinen Kreaturen lachen können, die noch Jungtiere waren. Aber der junge Ulani war sich darüber im Klaren, dass in der Nähe noch mehrere Xularis sein mussten, zu denen diese Jungtiere gehörten und er war sich sicher, dass die bestimmt keine Jungtiere sein dürften. Beherzt griff der größte von ihnen an. Mit wenigen Sätzen raste er auf den Hellbraunhaarigen zu und sprang. Doch Tabruns Bruder war schneller und ließ seine Hand mit dem Messer vorschnellen. Das Tier gab einen schrillen Schmerzensschrei von sich, als die Klinge die ganze rechte Flanke aufschnitt. Wie ein Stein fiel die kleine Kreatur auf den Boden und zappelte hilflos. Zusätzlich stieß der kleine Xulari unkontrollierte Schmerzensschreie aus. Die anderen beiden verharrten auf der Stelle und beobachteten das Schauspiel. Blaues Blut quoll aus der langen Wunde an der Flanke des Tieres. Zuerst sahen die kleinen Xularis Dilāra und Mandrak an, dann sahen sie zu ihren verletzten Artgenossen hinüber, der immer noch am Boden lag und vergeblich versuchte, wieder aufzustehen. Entschlossen flitzten sie zu den wimmernden Xulari hin und blieben vor ihm stehen. Unentschlossen sahen sie auf ihren Artgenossen herab, der weiterhin wimmernde Schmerzlaute von sich gab. Beide sahen sich kurz mit ihren grünen kalten Augen an. Dann fielen sie über ihren verletzten Kameraden her und begannen ihn zu fressen, ohne diesen vorher zu töten.

Gebannt und irgendwie auch fasziniert sahen Dilāra und Mandrak den beiden kleinen Xularis zu, wie sie ihren verletzten Artgenossen fraßen. Unwillkürlich erschauerten beide, als das klagende und wimmernde Schreien des verletzten Xularis immer schwächer wurde und nach kurzer Zeit endgültig verstummte. Ein lauter Schrei ließ die junge Xendava und den Ulani herumwirbeln und in die Richtung des Lagers schauen, aus der sie den lauten Schrei gehört hatten. Sofort rannten sie los, ohne mehr auf die beiden übrig gebliebenen Xularis zu achten. Nach recht kurzer Zeit hatten sie den Waldrand erreicht und sahen das Lager vor sich. Immer noch bellte dort jemand Befehle und andere Xendavas, die dort Wachen gehalten hatten, riefen in unregelmäßigen Abständen Warnungen. Hoch über dem Lager kreisten mehrere Mungāwas, von denen einige gelegentlich Feuer ausspien.

Mandrak musste schlucken, als er zum ersten Mal in seinem Leben Mungāwas sah. Er hätte nie gedacht, dass er jemals mal welche von diesen Tieren zu Gesicht bekommen würde. Dilāra rief dem Hellbraunhaarigen etwas zu und rannte entschlossen ins Lager, wo die beiden als erstes auf einen älteren Xendava-Krieger trafen, der Mandrak sofort ein Schwert und ein Schild in die Hand drückte. Er sagte etwas zu dem Ulani, aber er verstand kein Wort. Dilāra nahm ebenfalls ein Schwert in die Hand. Aber der Xendava zeigte mit seiner Hand in eine Richtung und stieß ihn in diese. Gūrads jüngster Sohn begriff und rannte los. Die junge Xendava folgte ihm. Als der junge Ulani den Rand des Lagers erreichte, sah er bereits die anderen Xendavas und auch Tabrun, Simdu und Pelto zusammen stehen. Alle waren schwer bewaffnet und schauten auf die freie Ebene hinaus, wo mehrere Schreie zu hören waren, die Mandrak nicht einordnen konnte. Direkt neben seinem Bruder blieb er stehen.

An mehreren Stellen sahen sie Rauch aufsteigen und mehrere Tiere auf der Ebene gaben ein wütendes Fauchen von sich. Andere gaben klagende und wimmernde Schmerzenschreie von sich. Der Geruch von verbranntem Fleisch lag in der Luft. „Was, bei Faruls Schmiedehammer, ist da draußen los?”, erkundigte er sich bei Tabrun, der wie alle anderen ebenfalls gebannt in die gleiche Richtung sah. Mandrak warf dem schwarzhaarigen Ulani einen fragenden Blick zu, doch dieser sah nur konzentriert auf die Ebene hinaus. „Pelto sagt, dass da draußen Xularis und Mungāwas um ihre potentielle Beute gegeneinander kämpfen.”, teilte er seinem jüngsten Bruder mit, ohne den Blick von dem schaurigen Spektakel abzuwenden, „Das haben ihm die Xendavas mitgeteilt. Mūruks Geschöpfe kamen nicht mal dazu, unsere Reit- und Lastentiere zu jagen, als auch schon die Mungāwas vom Wald her hier auftauchten und ihnen kräftig einheizten.” Unwillkürlich begannen sie zu grinsen. „Die Xularis waren in der Nähe des Lagers aufgetaucht, ohne jemanden angegriffen zu haben.”, fuhr Tabrun fort, „Die Xendavas hatten die Viecher schon eine Weile vorher gesehen und beobachtet. Als sich abzeichnete, was sie im Schilde führten, veranlasste der Anführer, die Lasten- und Reittiere sicherheitshalber in die Mitte des Lagers bringen, damit sie besser geschützt und verteidigt werden können.” „Das Seltsame daran ist es, dass keines der Tiere unruhig geworden ist.”, ergänzte Simdu ernst, „Das ist etwas, was keiner begreifen kann. Anscheinend hatten unsere Tiere keinerlei Gefahr gespürt. Jedenfalls ist nicht ein einziges Geschöpf darunter, das angeschlagen hatte. Normalerweise werden Tiere unruhig und geben Laut von sich, wenn sie irgendwie Gefahr spüren.” Mandrak sah kurz Arankas Mann an, der ebenfalls auf die Ebene hinaussah, wo die Tiere gegeneinander kämpften. Wieder stieß einer der Mungāwas eine Feuerlohe aus und mehrere Xularis stoben auseinander. Einige von ihnen rannten genau auf das Lager zu, wo die Belluraner standen, die das Spektakel beobachteten. Mehrere Xendavas hoben sofort ihre Bogen an, auf denen Pfeile abschussbereit auf den Sehnen lagen. Kurz vor dem Lager drehten sie bei und rannten an den Zelten entlang, bis sie am Ende in Richtung des kleinen Wäldchens weiterflüchten konnten. Doch diese kamen nicht mehr weit, denn die Mungāwas hatten ihnen bereits den Weg abgeschnitten und rasten im Tiefflug auf sie zu. Voller Panik stoben sie erneut auseinander, wobei einer von ihnen sogar ins Lager eindrang und sofort von den Xendavas angegriffen wurde. Mehrere Pfeilhagel prasselten auf den Xulari nieder. Der Kampf mit dem verängstigten Tier dauerte nicht lange und es brach erschöpft und mit zahlreichen Pfeilen gespickt zusammen. Bevor die Xendavas reagieren konnten, wurde der zusammengebrochene Xulari von einem Mungāwa im Tiefflug erfasst und mitgerissen. Mit kraftvollen Flügelschlägen gewann das feuerspeiende Tier an Höhe und flog auf die weite Ebene hinaus, wo seine Artgenossen immer noch mit den restlichen Xularis kämpften. Dabei stieß das Tier ein lautes Siegesgebrüll aus. Genau zwischen ihnen ließ der Mungāwa seine Beute fallen und die anderen stürzten sich mit dem gleichen lauten Gebrüll auf ihn. Nach diesem Vorfall zogen sich die restlichen Xularis zurück und stoben so schnell sie konnten davon, während die Mungāwas sofort begannen, ihre Beute zu fressen.

Als sich die Lage auf der Ebene wieder beruhigt hatte, kehrten die Xendavas in das Lager zurück, wo sie ihre Arbeiten wieder aufnahmen. Die drei Ulani und der Aldoraner folgten den Gastgebern. Auf Mandūris Befehl hin, blieben mehrere schwer bewaffnete Männer an der Seite des Lagerrandes stehen und beobachteten, was die Tiere da draußen auf der freien Ebene machten, die nun mit dem Verzehr ihrer Beute beschäftigt waren. Nach einigen Stunden flogen die Mungāwas mit den Resten ihrer Beute davon. Erleichtert atmeten alle auf, nachdem die Tiere fort waren.

 

Abschließende Hinweise:

keine

Das Ende einer Suche

von aroessler2003

 

Erst nachdem die letzten Mungāwas verschwunden waren, wagten sich die Belluraner auf die freie Ebene hinaus. An mehreren Stellen war das Gras niedergebrannt und zahlreiche tote Tiere lagen auf dem Feld. Einige von ihnen waren gänzlich verbrannt, andere dagegen nur teilweise. Von einigen verkohlten Kadavern stieg noch Rauch auf. Etliche Knochen lagen verstreut herum. Auch mehrere Skelette von Xularis und Mungāwas waren zu sehen. Die Belluraner erschauerten bei dem grauenhaften Anblick der toten Tiere. Es war nicht zu übersehen, dass hier vor kurzem ein Kampf auf Leben und Tod statt gefunden hatte.

„Werden wir trotzdem hier die Nacht über bleiben, mein Gebieter?”, wollte Kejtar von dem Anführer wissen, der sich ebenfalls das Schlachtfeld ansah. Kelūru nickte. „Ja, mein Freund, wir bleiben heute Nacht hier.”, antwortete Dilāras Vater mit sehr ernster Miene, „Da hier vor kurzem Xularis und Mungāwas gegeneinander gekämpft haben und von ihnen hier auch noch einige tote Tiere rumliegen, wird sich momentan kein einziges Tier mehr in die Nähe unseres Lager trauen. Das Gebiet wird für alle anderen Tiere ein gefährliches Terrain sein, da es seit heute ebenfalls zum Jagdrevier der Mungāwas gehören wird. Momentan sind wir so sicher wie in Zātuls Schoß.” Nachdenklich betrachteten alle das freie Feld mit den toten Überresten der Raubtiere, die sich hier noch vor kurzer Zeit bekämpft hatten.

Am nächsten Morgen brachen die Belluraner ihr Zeltlager wieder ab und setzten anschließend ihre Reise fort. Am frühen Vormittag ließ Kelūru wieder einige seiner Männer als Kundschafter ausschicken. Pelto schloss sich ihnen wieder an und folgten den Xendavas auf ihrer Erkundungstour. Aufmerksam nahmen sie jede Fährte in Augenschein, die ihrer Auffassung von den überlebenden Xularis sein könnte. Doch es war nicht einzige Fährte der Xularis dabei, die sie fanden. Erleichtert über diesen Umstand kehrten sie zu Kelūru zurück und erstatten ihm Bericht. Wortlos hörte Dilāras Vater seinen Leuten zu. Als sie geendet hatten, sandte er sie erneut aus, damit sie die Anhöhe, die einen guten halben Tagesritt vor ihnen lag, ebenfalls erkunden sollten. Rasch machten sich die Männer wieder auf den Weg, um den Befehl ihres Herrn auszuführen. Auch Pelto ritt wieder mit ihnen mit. Aufmerksam sahen die anderen Belluraner den davon reitenden Kundschaftern nach, während ihre Kojn-Kojns ihre mächtigen Schwingen wieder ausbreiteten und langsam von Boden abhoben. Lautlos flogen sie davon, bis sie am Horizont nicht einmal mehr als kleine Pünktchen zu sehen waren.

Als sie nach einigen Stunden die Anhöhe erreichten, befahl Kejtar anzuhalten und abzusteigen. Rasch kamen alle Anwesenden seinem Befehl nach. Auch Pelto stieg von seinem Kojn-Kojn, das etwas unruhig mit seinen Vorderläufen auf dem Boden scharrte und schnaubte. Mehrmals hob und senkte das Reittier seinen mit einem Horn bewehrten Kopf und schüttelte immer wieder dabei kräftig seine Mähne. Ähnlich verhielten sich auch die anderen Kojn-Kojns. Vorsichtig trat Kejtar in Peltos Begleitung langsam an den Abgrund. Kurz bevor sie ihn erreichten, legten sich beide Männer auf den Bauch robbten solange vorwärts, bis sie hinunter sehen konnten.

Deutlich konnten sie erkennen, dass nicht weit weg von der Anhöhe ein kleines Holzhaus stand, das von einem großen Holzzaun umgeben war. Auf der Rückseite waren mehrere Bäume zu sehen, die bereits Früchte trugen. Direkt daneben war eine kleine Koppel, auf der mehrere Wūlunžidis und Kuš-Kuš friedlich grasten. Zahlreiche Kundos waren über den gesamten Hof verteilt. Es war eine sehr friedliche Idylle, die sie dort sahen. Der Eigentümer des Hofes war weit und breit nicht zu sehen. Vorsichtig zogen sich Pelto und Kejtar zurück, bis sie außer Sichtweite waren. Vor den anderen Kundschaftern blieben die beiden stehen, die Kelūrus engsten Freund und Vertrauten und den Aldoraner neugierig ansahen.

„Da unten in der Senke befindet sich ein kleines Anwesen.”, teilte Sāmoš den anderen mit, „Allerdings ist dort niemand zu sehen.” „Verlassen ist es definitiv nicht, denn auf der Koppel werden verschiedene Nutztiere wie Wūlunžidis und Kuš-Kuš sowie Kundos gehalten.”, fügte Pelto mit ernster Miene auf Xendavu hinzu, „Also, der Besitzer oder auch Eigentümer kann nicht sehr weit weg sein. Es ist sogar möglich, dass er uns schon vor einiger Zeit entdeckt und sich aus Angst versteckt hat, weil er uns möglicherweise uns für oskonische Soldaten gehalten hat.” „Deshalb ist es besser, wenn wir wieder zu unseren Leuten zurückkehren und unserem Herrn und Gebieter entscheiden lassen, wie wir nun weiter vorgehen wollen.”, sagte Kejtar und schritt forschen Schrittes auf sein Reittier zu, dass in seiner Nähe stand und ein wenig graste, „Also los! Wir kehren um und werden den anderen berichten, was wir unterwegs alles gesehen und beobachtet haben.” Als Pelto und Kejtar wieder in ihren Sätteln saßen, wendeten sie rasch ihre Reittiere und gab ihnen die Sporen. Sofort breiteten sie ihre Schwingen aus und hoben nach kurzer Zeit vom Boden ab. Der Rest der Kundschafter folgte ihrem Beispiel und flog auf ihren Kojn-Kojns hinterher.

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten sie die anderen Belluraner, die inzwischen in Flussnähe ein neues Lager aufgeschlagen hatten. Unverzüglich suchten sie den Anführer der Xendavas am Lagerfeuer auf, um ihm zu berichten, was sie gesehen hatten. Pelto wartete geduldig in einem gebührenden Abstand auf Kelūrus Reaktion und Entscheidungen, um diese gleich seinen eigenen Arbeitsherren weitergeben zu können. Ausführlich berichteten seine Kundschafter von ihren neuen Erkenntnissen. Dilāras Vater hörte aufmerksam zu. Als Kejtar seinem Freund von dem Anwesen in der Talsenke berichtete, zog Mandūri überrascht seine Augenbrauen in die Höhe. „Ihr seid verblüfft, mein Gebieter?”, fragte Sāmoš ernst. Dilāras Vater nickte. „Ja, mein Freund, das habt Ihr gut erkannt.”, bestätigte Kelūru, „Es wundert mich, dass jemand den Mut hat, so weit draußen inmitten eines Jagdreviers der Xularis und Mungāwas einen Hof zu betreiben. Entweder ist derjenige leichtsinnig oder vollkommen lebensmüde.” „Ich hoffe nur, dass der Oskonier, dem das Anwesen gehört, in dem Bürgerkrieg neutral ist.”, meinte Kejtar besorgt, „Immerhin könnte das auch für uns gefährlich werden, wenn wir an die falschen Leute geraten, mein Gebieter.”

Leise plätscherte das Wasser des Flusses, als Mandrak sich am Flussufer ins hohe Gras setzte. Nachdenklich sah der junge Ulani aufs Wasser hinaus. Er merkte nicht, wie sich ihm jemand von hinten mit fast lautlosen Schritten näherte. Erst als der Ankömmling sich neben ihn ins Gras setzte, erkannte er seinen Bruder Tabrun.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal eine so weite Reise machen würden, um Vaters Farm zu retten.”, begann Tabrun das Gespräch und riss dabei Mandrak aus seien Gedanken, „Hoffentlich finden wir bald die Larunos. Es wäre schön, wenn wir bald wieder heimkehren könnten. Immerhin sind wir schon wesentlich mehr als ein halbes Jahr von zu Hause weg.” „Wir müssten diese Reise gar nicht machen, wenn Vater auf dich gehört hätte.”, erwiderte der Hellbraunhaarige, „An dem Tag, als wir in der drauffolgenden Nacht aufbrachen, habe ich bei unserem Kontrollgang durch unsere Felder mit Vater gesprochen und ihn vorgeschlagen, dass er sich die Sache mit der Bewässerungsanlage noch mal überlegen sollte. Aber er wollte partout nichts davon hören. Stattdessen hat er sich sehr darüber aufgeregt, dass ich dich damit unterstützt habe.” Er sah mit finsterer Miene Tabrun an, als er fortfuhr. „Du wirst es nicht glauben, aber Vater hat mich doch allen Ernstes in seinem Zorn gefragt, ob wir schon beschlossen hätten, wann er denn abzutreten habe.”, erzählte Mandrak weiter, „Ich war sehr erschüttert über Vaters Wutausbruch.” „Davon wusste ich ja gar nichts, dass du mittlerweile auch mit ihn über die Anlage gesprochen hattest.”, gestand Tabrun, „Ich hatte mich schon gewundert, was er damals bei der Familienversammlung im Wohnzimmer mit seiner Bemerkung eigentlich bezweckt hatte.” „Tja, ich denke, Vater hatte das nicht böse gemeint, aber er macht sich halt große Sorgen um die Farm, die seine Familie aufgebaut hatte und er schon als kleiner Junge dabei kräftig mithelfen musste.”, antwortete Mandrak, „Es muss ihn ganz schön mitnehmen, wenn er hilflos mit ansehen muss, wie alles den Bach runtergeht. Das frustriert ja auch.” Tabrun seufzte. „Trotzdem hätte Vater ruhig auf uns hören können.”, meinte der schwarzhaarige Ulani ernst, „Immerhin wäre das doch eine gute Chance, die Farm zu retten und zum modernisieren. Weil aber unser Nachbar und Kojn-Kojn-Züchter Arānos Marak mit der Modernisierung seines Hofes gescheitert ist, heißt es doch noch lange nicht, dass es uns ebenso ergehen muss. Die Fehler, die Marak und seine Familie gemacht haben, hätten wir auf alle Fälle vermeiden können.” „Ich vermute, dass Vater nur Angst vor den damit verbunden Veränderungen hatte.”, meinte der Hellbraunhaarige. „Aber trotzdem hatte er kein Recht, uns deswegen so anzufahren.”, platzte es aus Tabrun heraus, „Arānos Marak und seine Kinder sind doch nur deshalb mit der Anlage gescheitert, weil sie zuviel in zu kurzer Zeit erwartet hatten. Hätten die das sorgfältiger gemacht, dann wäre ihnen nichts passiert und ihre Farm würde heute besser denn je florieren.” „Es hat keinen Sinn darüber nachzudenken, wie die Farm von Arānos Marak und seiner Familie heutzutage laufen würde.”, meinte Mandrak, „Das werden wir nie erfahren. Wir können es nur selbst ausprobieren, wenn Vater es zuließe.” Tabrun nickte. „Ganz genau.”, sagte dieser düster, „Das ist eben das Problem. Er wird es niemals zulassen.” Seufzend stand Tabrun auf und blickte auf seinen jüngsten Bruder hinab. „Ich kehre jetzt wieder ins Lager zurück.”, sagte er müde, „Willst du noch hierbleiben?” Mandrak nickte in Gedanken versunken. „Gut.”, sagte Tabrun und gähnte herzhaft, „Dann wünsche ich dir noch viel Spaß und denk’ nicht mehr so viel nach. Wir werden die Larunos schon finden und dann die Farm unseres Vaters retten, sobald wir wieder zu Hause sind.” Mandrak sah seinem Bruder nach, bis dieser zwischen den Büschen verschwand.

Schweigend saß der hellbraunhaarige Ulani weiterhin am Flussufer, als bereits der erste Mond aufging. Zahlreiche Sterne funkelten am Firmament und auf dem Wasser des Flusses spiegelte sich etwas verschwommen einer der Monde wieder. Nachdenklich blickte er in die Ferne. Nach einiger Zeit hörte er leise Schritte hinter sich, die sich ihm von hinten näherten. Als er sich umdrehte, dachte Mandrak an seinem Bruder Tabrun, der vielleicht zu ihm zurückkehrte. Doch er war es nicht. Stattdessen setzte sich Dilāra dicht zu ihm ins Gras. Sie sagte nichts und schaute in die Ferne. Mandrak hatte das Gefühl, dass sie auch über etwas nachdachte. Ohne etwas zu sagen zog er die junge Xendava zu sich heran. Bereitwillig legte Dilāra ihren Kopf auf seine Schulter und gab einen tiefen Seufzer von sich, als sie sich an den jungen Ulani ankuschelte. Schützend legte er seinen Arm um ihre kleine Schulter. Sofort griff sie nach seiner freien Hand und hielt sie fest. Leise flüsterte Dilāra seinen Namen und kuschelte sich enger an ihn.

Am nächsten Morgen stand Tabrun auf und trat aus dem Zelt ins Freie. Direkt vor dem Zelteingang standen Simdu und Pelto, die sich auf Aldoranisch über etwas unterhielten. Simdu war der erste von beiden, der Gūrads ältesten Sohn sah. Sofort winkte er diesen zu sich heran. „Komm zu uns und höre, was es Neues gibt.”, sagte Arankas Mann ernst, „Unser Tegoš hat mir gerade von seiner gestrigen Erkundungstour berichtet.” Interessiert sah Tabrun erst Simdu dann Pelto an. „Was hat er dir denn erzählt?”, wollte der schwarzhaarige Ulani wissen. Rasch erzählte Jakodos Mandraks Bruder, was Pelto ihn erst von wenigen Augenblicken berichtet hatte. Tabrun hörte aufmerksam zu. „Und was sagt der Anführer der Xendavas zu der ganzen Geschichte?”, erkundigte sich der Farmersohn, „Hat er denn schon eine Entscheidung getroffen, wie wir nun weitermachen wollen?” Simdu übersetzte sofort die Frage in Peltos Muttersprache und sah ihn dabei fragend an. „Kelūru Mandūri sagt, dass wir gleich weiterreisen werden.”, antwortete der Aldoraner mit ernster Miene, „Er geht davon aus, dass wir heute unsere Ruhe vor Mūruks Geschöpfen haben werden. Nach dem gestrigen Schauspiel auf der freien Ebene würde mich das auch nicht wundern, edle Herren.” „Na das ist doch schon mal eine gute Nachricht.”, meinte Tabrun trocken, „Immerhin hätten wir dann zunächst erst einmal nichts mehr vor diesen grässlichen Viechern zu befürchten und könnten in aller Ruhe nach den Larunos suchen.” „So ist es.”, erwiderte Simdu, „Wir sollten uns etwas beeilen und unser Zelt abbauen, denn die Xendavas haben schon fast alles wieder abgebaut.” Unwillkürlich ließ Tabrun seinen Blick durch das fast abgebaute Lager schweifen, wovon nur vereinzelte Zelte standen. Dann nickte er. „Na dann lasst uns mal keine Müdigkeit vorschützen.”, sagte Gūrads ältester Sohn, „An die Arbeit.” Es dauerte nicht lange, bis die Belluraner das komplette Lager wieder abgebaut und die Ausrüstung vollständig auf ihren Lasttieren verstaut hatten.

Nachdem alle für die Weiterreise bereit waren, setzte sich der Treck wieder in Bewegung. Stundenlang zogen sie durch das große Tal am Fluss entlang. Erst, als sie am späten Nachmittag die Anhöhe erreicht, befahl Kelūru anzuhalten. Fragend blickte er Kejtar an. Dieser verstand sofort den fragenden Blick des Anführers und stieg von seinem Reittier ab. Kelūru tat es ihm gleich. Zusammen gingen sie die Anhöhe hinauf, bis sie von dort aus in die Senke heruntersehen konnten. Das Holzhaus stand da immer noch und auch die Tiere des Unbekannten grasten friedlich auf ihrer Koppel. Aber der Eigentümer war nirgends zu sehen. Nachdenklich runzelte Mandūri die Stirn. „Ist dies jenes Holzhaus, von dem Ihr mir berichtet habt?”, wollte er von Sāmoš wissen. Dieser bejahte sofort. Der Anführer warf noch einmal einen prüfenden Blick nach unten, dann traf er einen Entschluss.

„Wir werden zusammen weiterziehen und dort einen kleinen Zwischenstopp einlegen.”, sagte Kelūru mit fester Stimme und trieb sein Kojn-Kojn mit den Sporen an, „Wenn der Eigentümer daheim ist, werden wir mit ihm sprechen und vielleicht erfahren wir von ihm noch ein paar Neuigkeiten, was den oskonischen Bürgerkrieg betrifft.” Langsam setzte sich der belluranische Treck wieder in Bewegung. Zielsicher führten jene Männer, die Kelūru zuletzt als Kundschafter ausgesandt hatte, die gesamte Gruppe auf einen kleinen Umweg in die kleine Talsenke, wo sich das Holzhaus mit den Nutztieren befand. Aufmerksam beobachteten alle die nähere Umgebung, als sie gemeinsam auf die kleine Farm zuritten. Die Tiere auf der Koppel blieben ruhig und grasten friedlich weiter. Kurz vor dem Gatter ließ Mandūri die Gruppe anhalten.

„Du wirst mich begleiten, mein Freund.”, sagte Dilāras Vater zu Sāmoš gewandt, „Falls der Eigentümer zu Hause ist, ist es gut, in der Überzahl zu sein.” Kejtar machte vor dem Anführer der Xendavas eine tiefe respektvolle Verbeugung. „Ihr ehrt mich mit Eurer Entscheidung, mein Gebieter.”, sagte er beflissen, „Die Götter werden uns beschützen.” Kelūru nickte zufrieden und trieb sein Reittier an. Sofort folgte ihm sein bester Freund und Vertrauter auf den Hof. Nur wenige Meter von dem Haus entfernt hielten sie an und stiegen von ihren Kojn-Kojns. Die Tür war geschlossen und auch die Fenster waren zu.

Nach wenigen Augenblicken öffnete sich die Tür laut knarrend und ein alter bärtiger Mann trat ins Freie. Misstrauisch sah er die fremden Ankömmlinge an. Er trug die typische Kleidung eines Oskoniers. Etwas verwundert erkannten Kelūru Mandūri und Kejtar Sāmoš, dass der Fremde unbewaffnet war. Wortlos sah der Oskonier die beiden Männer an.

„Wer seid Ihr?”, fragte der alte Farmer, „Und was wollt Ihr hier auf meinem Land?” „Wir sind Xendavas und sind auf der Durchreise.”, antwortete Dilāras Vater mit ernster Miene, „Ich bin Kelūru Mandūri, der Anführer der Xendavas.” „Und das hier ist mein bester Freund und Krieger.”, fuhr Dilāras Vater fort, „Sein Name lautet Kejtar Sāmoš.” Wortlos machte der Vorgestellte eine respektvolle Verbeugung dem Farmer gegenüber. „Und wie lautet Euer Name?”, wollte Kelūru wissen. „Ich bin Demūdin Čāduk.”, stellte sich der Mann vor dem Holzhaus vor, „Ich bin ein oskonischer Farmer.” „Seid Ihr allein?”, fragte Kejtar interessiert. Das Gesicht Demūdins verfinsterte sich. „Ja.”, gestand der Oskonier mit leicht bebender Stimme, „Ich lebe allein hier, seit dem der Bürgerkrieg in unserem Lande meine Söhne geraubt hat. Meine Gemahlin starb am gebrochenen Herzen, nachdem wir erfahren mussten, dass unsere beiden Söhne aus dem Krieg nicht mehr heimkehren werden.” Kelūru und Kejtar sahen sich gegenseitig betroffen an. Dann wandte sich der Anführer wieder rasch dem alten Farmer zu. „Wir bedauern zutiefst von dem Schmerz über den Verlust Eurer gesamten Familie hören zu müssen.”, erwiderte Dilāras Vater mitfühlend, „Es muss sehr grausam sein, wenn die Götter einem alles nehmen, was einem am meisten bedeutet.” Čāduk nickte seufzend. „Ihr sprecht weise Worte, edler Herr.”, antwortete der alte Farmer, „Die Farm hier ist alles, was mir noch geblieben ist. Wobei ich erwähnen muss, dass die Soldaten unseres Königs, schon eine ganze Menge von meinem Vieh bereits mitgenommen haben.” Er machte eine weite Armbewegung, mit der er auf seinen gesamten Hof deutete, als er fortfuhr. „Ich frage mich schon jeden Tag, wann man mir den Rest nehmen wird.”, gestand Demūdin düster, „Also, wenn Ihr mir den Rest nehmen wollt, was ich hier noch habe, dann tut es. Ich bin des Kampfes müde und werde daher auch nicht kämpfen.” Mandūri schüttelte energisch mit dem Kopf. „Wir sind nicht gekommen, um Euch irgendetwas zu nehmen.”, versicherte der Anführer der Xendavas in einem sehr ruhigen Tonfall, „Wir sind hier nur auf der Durchreise, denn wir suchen nach Larunos für unsere Freunde, die wir begleiten.” „Wenn Ihr nach Larunos sucht, dann ist es besser, wenn Ihr in diese Richtung weiterzieht.”, sagte der Farmer und wies dabei mit seiner Hand in südwestlicher Richtung, „Am besten orientiert Ihr Euch an dem Lauf des Flusses, der euch direkt zu einem großen Mischwald hinter der nächsten Anhöhe führt, wo der Strom besonders weit und stark ist. Ihr könnt den Wald nicht verfehlen. Dort stehen auch jede Menge Larunosbäume. Aber ich muss Euch warnen. Dort leben jede Menge Xularis und Mungāwas.”

„Was ist mit Euch?”, fragte Kejtar interessiert, „Wieso bleibt Ihr hier, wenn Ihr doch alleine seid?” „Wo soll ich denn hin?”, fragte der Alte zurück, „Das hier ist das Land meiner Väter. Ich wurde in diesem Haus geboren und hier wuchs ich auf. Mein ganzes Leben habe ich hier in diesem Tal verbracht. Wenn die Götter beschlossen haben, dass die Linie meiner Familie mit mir enden soll, dann soll das auch hier geschehen, wo sie auch einst mal begonnen hat.” „Mit anderen Worten.”, konstatierte Kelūru, „Ihr habt überhaupt nicht die Absicht fortzugehen und woanders von vorne anzufangen. Ihr könntet sogar mit uns kommen.” Demūdin schüttelte traurig mit dem Kopf. „Nein.”, antwortete er, „Für einen alten Mann gibt es kein Platz mehr, irgendwo noch einmal von vorne anzufangen. Es ist besser, wenn ich hier den ewigen Schlaf antrete, wo ich einst mal geboren wurde.” Mandūri sah den oskonischen Farmer nachdenklich an. „Also, wenn es Euer Begehr ist, hierzubleiben, dann bleibt mir nur noch eine Frage an Euch.”, sagte Dilāras Vater mit fester Stimme, „Gibt es etwas, was wir noch für Euch tun können bevor wir weiterreisen?” Der Oskonier schüttelte mit dem Kopf. „Nein, edler Herr.”, antwortete der Farmer, „Es wäre schön mit Euch zu reisen, aber dafür bin schon viel zu schwach. Es ist besser, dass ich hierbleibe und niemanden zur Last falle. Aber ich danke Euch für Euer gütiges Angebot. Die Götter haben Euch ein reines Herz geschenkt. Mögen sie immer mit Euch sein und schützend ihre Hände über Euch und Euer Gefolge halten.” Der Anführer nickte. „Wohlan.”, sagte Kelūru, „So sei es. Mögen die Götter Euch ebenfalls gnädig gestimmt sein und Eure Wünsche erhören.” Dann machten die beiden Xendavas vor dem Farmer eine respektvolle Verbeugung, die der Oskonier ebenso respektvoll erwiderte. Dann zog der belluranische Treck weiter und Demūdin Čāduk sah ihnen noch sehr lange nachdenklich nach.

Den restlichen Tag über zogen die Belluraner weiter in jene Richtung, die ihnen Demūdin Čāduk mit der Hand gezeigt hatte. Das Landschaftsbild war von Wäldern, Wiesen und Feldern geprägt. Gelegentlich bekamen sie auch auf ihrer Reise hin und wieder mal Wildtiere zu sehen, die rasch davonstoben, sobald sie die Belluraner gewittert hatten. Der Himmel war fast wolkenlos und die Sonne schien herab. Es war immer noch sehr warm, aber bei weitem nicht mehr so heiß wie in der Honduš-Wüste. Zusätzlich wehte noch ein schwacher Wind, den die Reisenden als sehr angenehm empfanden. In regelmäßigen Abständen sandte Kelūru Kundschafter aus, die auf mögliche Gefahrenquellen achten sollten. Besonders auf Fährten von Xularis und Mungāwas sollten sie achten und sofort Mandūri umgehen informieren, wenn sie welche fanden.

Während der Reise ritten Simdu, Pelto und Tabrun nebeneinander und unterhielten sich, wobei Pelto ihnen von seinen anderen Expeditionen berichtete, an denen er schon im Laufe seines Lebens teilgenommen hatte und dabei zum Teil auch schon einige Jahre deshalb von zu Hause fort war. Mandrak ritt hinter den Dreien her und lauschte teilnahmslos ihrem Gespräch. Er musste in diesem Augenblick sehr viel an seine Eltern und Geschwister denken, die nun ohne Tabrun und ihn die Farm bewirtschaften mussten. Der hellbraunhaarige Ulani war sich sicher, dass ihr Vater außer sich war, als er am folgenden Morgen feststellen musste, dass Tabrun und er zusammen ohne seine Einwilligung für dieses Unternehmen, einfach bei Nacht und Nebel sich klammheimlich davonmachten, um nach den Larunos zu suchen.

Mandrak merkte nicht, als er von Dilāra angesprochen wurde. Erst als sie ihn ein zweites Mal ansprach, riss die Braunhaarige Tabruns Bruder aus seine Gedanken. Fragend sah er die hübsche junge Xendava an, die sofort zu lächeln begann. Mandrak warf einen raschen Blick nach vorne zu Tabrun, Simdu und Pelto, die sich immer noch angeregt unterhielten. Sie hatten nicht bemerkt, wie Temkas und Kelūrus Tochter sich hatte zurückfallen lassen, um an der Seite von Gūrads jüngstem Sohn nebenher reiten zu können. „Čumāda lējnoš damūžu jāčungol?”, wiederholte sie erneut ihre Frage und warf Mandrak einen fragenden Blick zu. Der junge Ulani war sich im ersten Moment immer nicht sicher, ob er ihre Frage richtig verstanden hatte. Die junge Xendava wiederholte geduldig ihre Frage noch einmal, wobei sie jedes einzelne Wort sehr langsam und deutlich aussprach. Langsam wiederholte Mandrak nachdenklich den Satz, wobei er ihn aber nicht ganz korrekt aussprach. Dann schoss es ihm wie ein Blitz durch den Kopf und der junge Ulani wusste wieder, was die Frage in seiner Muttersprache übersetzt bedeutete. Als Dilāra ihn erneut fragend ansah, begriff er, dass sie immer noch auf eine Antwort von ihm in ihrer Muttersprache wartete. „Kojuna tāžu, hamidu.”, sagte er mit starkem ulanischen Akzent und erkundigte sich anschließend nach ihrem Befinden. Anhand seiner Reaktion sah die junge Xendava, dass Gūrads jüngster Sohn ihre Antwort schon recht gut verstanden hatte. Die Braunhaarige nickte zufrieden, denn Mandrak lernte ihre Muttersprache relativ schnell. Aber auch Dilāra lernte das Ulanische von Mandrak sehr schnell. Schon seit einiger Zeit versuchten sich die beiden sich gegenseitig ihre jeweilige Sprache beizubringen. Während der Reise hatten sie mehr als genug Zeit dafür, was beide auch reichlich nutzten.

Inzwischen verstummten Simdu, Tabrun und Pelto, als sie Dilāra und Mandrak miteinander reden hörten. Interessiert blickten die Drei nach hinten. Tabruns Bruder versuchte in diesem Moment etwas nachzusprechen, was Kelūrus Tochter ihm gerade vorgesagt hatte. „Ich muss schon sagen.”, bemerkte Arankas Mann nicht ohne Bewunderung in seiner Stimme, „Dein Bruder lernt verflixt schnell die Zunge der Xendavas.” Tabrun nickte. „Das sieht ganz so aus, als ob du Recht hättest.”, erwiderte er und sah dabei Jakodos an, „Ich hätte nie gedacht, dass Mandrak irgendwann einmal eine andere Zunge lernen würde. In unserem Heimatdorf hatte er immer einen Dolmetscher gebraucht, wenn er in Vaters Auftrag bei den fremden Händlern auf dem Markt im Nachbardorf für uns einkaufen sollte. Bisher hatte er sich nie die Mühe gemacht, irgendeine andere Zunge zu lernen. Ich sehe ihn das erste Mal dabei, dass er sowas macht.” Pelto hatte zwar bei weiten nicht alles verstanden, von dem was Tabrun und Simdu miteinander auf Ulanisch gesprochen hatten, aber er konnte sich gut vorstellen, worüber sie miteinander redeten. Trotzdem ließ er sich das Gesagte von Simdu ins Aldoranische übersetzen.

„Ich habe Dilāra und Mandrak schon mehrmals dabei gesehen, wie sie sich miteinander zu verständigen versuchten.”, sagte Gōlad schmunzelnd, „Und ich habe dabei den Eindruck gewonnen, dass die beiden sich gegenseitig ihre Zungen beibringen. Sowohl Mandrak als auch Dilāra habe ich bereits in der Zunge des anderen sprechen gehört, allerdings nur brockenweise.” „Was hat er gesagt?”, wollte Tabrun wissen und blickte Jakodos fragend an. Rasch übersetzte er das, was ihm Pelto vorher erzählt hatte ins Ulanische. Der schwarzhaarige Ulani warf einen kurzen Blick nach hinten zu seinem jüngsten Bruder. Dann gab er einen anerkennenden Pfiff von sich und sah danach Simdu und Pelto an, die beide grinsten. Also, wenn ich nach unserer Heimkehr zu Hause darüber berichten würde, dann würde mir niemand ein Wort davon glauben!, dachte Tabrun, Mein Bruder lernt die Zunge eines anderen Volkes! Dann drehte er sich noch einmal kurz zu Mandrak um, der gerade wieder etwas nachsprach, was Dilāra ihm gerade vorgesagt hatte. „So, wie ich das momentan sehe, werdet Ihr nicht zu dritt wieder heimkehren, edle Herren.”, fügte der Aldoraner hinzu und verzog dabei sein Gesicht zu einem breiten Grinsen. Arankas Mann sah kurz nach hinten zu Mandrak und der jungen Xendava zurück. Dann verstand er, was Pelto meinte. „Ja, edler Tegoš.”, antwortete er, „Ich glaube, ich weiß, was Ihr meint.” Anschließend übersetzte er Tabrun, was Pelto zu ihm gesagt hatte. Nachdem er verstanden hatte, was der Aldoraner damit sagen wollte, sah er noch einmal zu seinem Bruder zurück, wobei er nachdenklich die Stirn runzelte.

Am frühen Nachmittag erreichten die Belluraner eine kleine Anhöhe. Mandūri ließ sofort alle anhalten. Vor ihnen erstreckte sich eine hügelige Landschaft, die von weiten Feldern und Wäldern geprägt war. Wie kleine blaue Bänder schlängelten sich mehrere Flüsse durch die Landschaft. Nur die Berge am Rande des Tales rahmten die Landschaft ein. Ihre Gipfel waren zum Teil wegen der tief hängenden Wolken zum Teil nur schwach zu erkennen. Es war ein herrlicher Ausblick. „Das sieht unheimlich schön aus, mein Gebieter.”, ließ sich Kejtar neben dem Anführer vernehmen, „Das Land scheint sehr fruchtbar zu sein.” Temkas Mann nickte nur. Er zeigte auf den dichten großen Wald, den sie in der Ferne erkennen konnten. „Das dürfte der Wald sein, vom dem der alte Farmer gesprochen hat.”, sagte Kelūru etwas nachdenklich, „Dort müssten nach seinen Worten die Larunos-Bäume zu finden sein.” Surgan und Mūnax hatten zu Kelūru Mandūri und Kejtar Sāmoš aufgeschlossen. Auch sie betrachteten die atemberaubende Landschaft.

„Wann werden wir diesen Wald erreichen, mein Gebieter?”, wollte Surgan wissen. „Wenn wir rasch vorankommen, dann können wir ihn nach Einbruch der Nacht erreichen.”, antwortete der Anführer, „Reitet zu unseren neuen Freunden und sagt ihnen, dass wir anscheinend ihre Larunos gefunden haben.” Sowohl Kēloš als auch Sejloš verneigten sich respektvoll tief vor Dilāras Vater. Dann wendeten sie ihre Kojn-Kojns und preschten rasch davon. Entschlossen gab Mandūri seinem Reittier die Sporen und der gesamte Treck setzte sich wieder in Bewegung.

Direkt vor Simdu, Tabrun und Pelto hielten Mūnax und Surgan an und verneigten sich respektvoll vor ihnen. „Wir bringen neue Kunde von unserem Herrn und Gebieter.”, sagte Surgan, „Er sagt, dass wir den von Demūdin Čāduk angegebenen Wald mit den Larunos anscheinend gefunden haben und ihn nach Einbruch der Nacht erreichen können, wenn wir rasch vorankommen.” Fragend sahen Tabrun und Simdu den Aldoraner an, der sofort zu übersetzen begann. Als Tabrun die Worte des alten Tegoš von Arankas Mann übersetzt vernahm, begann er zu lächeln. „Dann können wir doch hoffentlich bald mit dem Einsammeln der Saat beginnen und anschließend so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren, um die Farm unseres Vaters zu retten.”, meinte er zufrieden. „Heute werden wir bestimmt keine Saat mehr einsammeln können, weil es bis dahin schon dunkel sein wird.”, erwiderte Simdu trocken, „Damit wirst du wohl bis Morgen früh warten müssen.” Tabrun sah Jakodos an. „Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir bald wieder heimkehren können.”, gab er zurück, „Besonders darüber freue ich mich.” Dann wandte sich Tabrun zu seinem Bruder um.

„Mandrak!”, sagte er zu ihm, „Hast du eben gehört, welche Neuigkeiten uns die Xendavas gerade brachten?” Fragend sah der hellbraunhaarige Ulani seinem Bruder an, der direkt vor ihm her ritt. „Die Xendavas haben anscheinend die Larunos gefunden.”, fuhr Tabrun zufrieden fort, „Wir können endlich Vaters Farm retten. Sobald wir den Wald mit den Larunos erreicht haben, können wir mit dem Einsammeln der Saat beginnen und anschließend so schnell wie möglich wieder nach Hause zurückkehren.” „Wann werden wir den Wald mit den Larunos-Bäumen erreichen?”, wollte er von Tabrun wissen. „Nach Einbruch der Nacht.”, antwortete Simdu an Tabruns Stelle, „Das heißt, dass ihr erst Morgen früh anfangen könnt, die Saat einzusammeln.” Mandrak nickte. „Ich verstehe.”, meinte der Hellbraunhaarige, „Dann können wir uns an diesem Abend nach einmal richtig ausruhen, bevor wir Morgen früh mit der Arbeit beginnen und danach die Heimreise antreten.”

Wie Kelūru es vorausgesehen hatte, erreichte der Treck den großen Wald erst nach Einbruch der Nacht. Dicht am Waldrand schlugen die Belluraner ihr Lager auf. Rasch wurden die ersten größeren Lagerfeuer entfacht, um gefährliche Tiere von ihnen fernzuhalten. An diesem Abend saßen die Belluraner am Lagerfeuer und schauten zum Teil ziemlich müde die Flammen. Einige Xendavas kümmerten sich dabei um das Abendessen, die sie über mehreren Feuern zubereiteten. In der Zwischenzeit ließ der Anführer der Xendavas Wein ausschenken. Tabrun und Simdu saßen gemeinsam mit Pelto zusammen an einem der Lagerfeuer, an dem auch Sejloš Mūnax und Kēloš Surgan saßen. Mithilfe des Aldoraners unterhielten sich die Männer angeregt, der die ganze Zeit über dolmetschte. Mandrak saß still neben den anderen am Lagerfeuer und hing seinen eigenen Gedanken nach, während er genüsslich sein Essen verzehrte.

Gūrads jüngster Sohn dachte darüber nach, was wohl passieren würde, wenn Tabrun und er zusammen mit der Saat nach Hause kämen. Er war sich nicht sicher, ob ihr Vater nicht sehr wütend über seine beiden Söhne sein würde, die es gewagt hatten, gegen seinen Willen die Farm zu verlassen, um zum Brondus-Damrajd zu reisen und dort nach den Larunos zu suchen. Er hoffte, dass zu Hause alles soweit in Ordnung war und sie die lange Reise nicht umsonst gemacht hatten. Wir wären niemals zusammen aufgebrochen, wenn Vater nicht so gegen die Bewässerungsanlage gewesen wäre!, dachte er betrübt, Irgendwie hatte er uns ja keine andere Wahl gelassen! Tabrun und ich taten doch nur, was wir letztendlich tun mussten!, dachte er weiter, Wie sollen wir sonst denn die Farm retten, wenn nicht so!

Nach einiger Zeit berührte ihn etwas an der Seite. Mandrak wandte sich um und sah nach unten. Neben ihm stand ein Kundo mit orangefarbenen Augen, das den jungen Ulani ansah. Zwischen seinen beiden Vorderläufen hielt es eine kleine angeknabberte Vukuva. Das Tier gab einen zufriedenen Laut von sich. Unwillkürlich musste der Hellbraunhaarige lächeln. Seinen buschigen Steert hielt das Tier aufrecht und nagte an der Frucht. Seine großen Ohren hatte Ogon etwas angelegt, damit  der hellbraunhaarige Ulani ihn streicheln konnte. Vorsichtig begann Mandrak das kleine Nagetier mit dem Halsband zu streicheln, das auch sofort zu schnurren anfing und dabei den letzten Rest seiner Vukuva fraß. Das dichte Fell glänzte seidig im Schein des Feuers. Die Gespräche am Lagerfeuer verstummten sofort, nachdem Dilāras Kundo neben Tabruns Bruder aufgetaucht war. Belustigt sahen die Männer dabei zu, wie das kleine Tier mit den orangefarbenen Augen seelenruhig in ihrer Gegenwart die Vukuva weiter fraß. Besonders amüsiert waren die Blicke von Surgan und Mūnax, die genau wussten, dass gleich die Eigentümerin des kleinen Nagtieres auftauchen würde, um den Kundo sofort wieder laut schimpfend mitzunehmen.

„Ogon!”, rief jemand und kam sofort mit raschen Schritten auf den jungen Ulani zugeeilt, hinter dem sich der kleine Kundo mit den traurigen Resten seiner Beute zu verstecken versuchte. Surgan und Mūnax fingen an zu grinsen, als der kleine Nager von seiner Mahlzeit aufschreckte und sich sofort nach einer geeigneten Versteckmöglichkeit umschaute. Als Dilāra direkt neben Mandrak stand, ging sie sofort neben dem Hellbraunhaarigen in die Hocke und griff nach dem Halsband des Tieres. Ogon gab einen protestierenden Laut von sich und legte seine langen großen Ohren an, als die junge Xendava den kleinen Kundo hochnahm. Als sie sich wieder aufrichtete, hielt sie Ogon fest in ihrem Armen. Aufmerksam blickte sie in die Runde, als ihr Blick bei Mandrak hängenblieb, begann sie zu lächeln.

„Vukuva geklaut haben Ogon.”, sagte sie im gebrochenem Ulanisch, „Böse Ogon sein.” Die Anwesenden grinsten amüsiert. „Ich kenne mich zwar nicht besonders gut mit Kundos aus, obwohl wir zu Hause selbst welche haben, aber Futter geklaut haben sie bei uns nie.”, meinte Mandrak belustigt und stand auf, während er fortfuhr, „Bei uns haben sie immer genug zu Fressen gehabt.” Fragend blickte Temkas Tochter in die Runde der Anwesenden. Rasch übersetzte Simdu dem Aldoraner, was Mandrak zu Dilāra gesagt hatte und dieser übersetzte es ins Oskonische. Dilāra hörte Pelto wortlos zu, während sie Ogon weiterhin streichelte. Als Pelto geendet hatte, sah die Braunhaarige von Gōlad zu Tabruns Bruder. „Ein Kundo Ogon ist.”, sagte sie im gebrochenem Ulanisch, „Aber Futter trotzdem nicht klauen darf.” „Aber Ogon ist ein Kundo.”, warf Tabrun ein, „Kundos sammeln Nahrung für schlechte Zeiten. Das ist ihre Natur, auch wenn sie zahm sind. Sie wissen nicht, dass sie klauen, wenn sie etwas Fressbares entdecken. Sie sehen nur, dass es Nahrung ist, die sie sich dann holen müssen, wenn sie entweder Hunger haben oder für schlechte Zeiten einen Vorrat anlegen wollen.” Aufmerksam lauschte Dilāra der Übersetzung von Pelto. „Aber ich habe Ogon selbst aufgezogen.”, erwiderte Kelūrus Tochter mit ernster Miene auf Oskonisch, wobei sie das kleine Nagetier weiterhin liebevoll streichelte, „Ich habe ihm doch selbst beigebracht, dass er das nicht tun darf.” Der Aldoraner übersetzte rasch. „Aber trotzdem wird er immer wieder Nahrhaftes stibitzen.”, antwortete Mandrak, der zuerst wieder von Simdu und dieser von Pelto übersetzt wurde, „Ein Kundo kann zwar sehr viel von einem Belluraner lernen, aber seine Natur kann Ogon niemals ablegen. Der wird immer wieder etwas zu Fressen holen, ob er darf oder nicht.” „Dann noch viel lernen Ogon muss.”, meinte Dilāra wieder im gebrochenem Ulanisch, wobei sie ein wenig schmunzeln musste, „Sonst immer wieder er das tun.” Dann wandte sie sich um und ging mit dem zufrieden schnurrenden Kundo davon.

Mandrak sah der braunhaarigen Xendava nach, die wenig später zwischen den Zelten verschwand. Er war sich nicht sicher, ob er ihr hinter gehen sollte oder nicht. „Du weißt nicht, ob du ihr folgen sollst oder nicht, stimmt’s?”, sagte Tabrun, der unbemerkt aufgestanden und zu seinem Bruder getreten war. Der Hellbraunhaarige nickte wortlos. Gūrads ältester Sohn gab einen Seufzer von sich und legte dabei seine Hand tröstend auf dessen Schulter. Mandrak wandte sich zu Tabrun um und sah in dessen Augen. „Es ist schwer, wenn man nicht weiß, wann der geeignete Moment da ist, um das Richtige zu tun.”, gab Mandrak zu, „Am schwierigsten ist es, wenn man nicht die gleiche Zunge spricht.” „Aber sie hat schon recht viel von dir gelernt, was unsere Zunge anbelangt.”, konstatierte Tabrun anerkennend, „Das spricht auch schon für sich. Sie ist eine sehr intelligente Frau.” Der Hellbraunhaarige nickte. „Ja, das ist sie.”, antwortete er mit einer sehr nachdenklichen Miene, „Sie ist nicht nur sehr schön, sondern auch sehr klug.” „Und sie mag dich, mein kleiner Bruder.”, fügte Tabrun mit ein wenig Bewunderung in seiner Stimme hinzu, „Deshalb versucht sie auch so schnell wie möglich, unsere Zunge zu lernen.” „Und ich versuche schon die ganze Zeit über ihre Zunge zu lernen.”, gestand Mandrak, „Seit dem ich Dilāra das allererste Mal sah, hatte sie mir gefallen.” Tabrun nickte. „Das kann ich gut verstehen.”, erwiderte er, „Sie ist bestimmt eine fabelhafte Frau. Ihr würdet gut zusammenpassen.” „Aber Dilāra ist die Tochter des Anführers der Xendavas.”, meinte Mandrak, „Die Götter werden es niemals zulassen.” „Woher willst du das wissen?”, fragte der älteste Sohn Gūrads, „Vielleicht gelten bei den Xendavas etwas andere Gesetze, die das doch ermöglichen. Sprich doch mal mit ihrem Vater. Ich bin mir sicher, dass Pelto und Simdu dir dabei sehr gern dolmetschen werden.” Mandrak warf einen kurzen Blick über seine Schulter zum Lagerfeuer zurück, wo Arankas Mann und auch der Aldoraner mit den Xendavas in einige Gespräche vertieft waren. Dann sah er wieder Tabrun an. „Ich weiß nicht so recht.”, gestand er unsicher, „Eine Bindung zwischen Dilāra und mir wäre doch bestimmt nicht standesgemäß.” „Du solltest es trotzdem mal versuchen.”, meinte Tabrun, „Mehr als es ablehnen kann ihr Vater das auch nicht.” Nachdenklich blickte Mandrak wieder in jene Richtung, in der Dilāra mit Ogon auf dem Arm davongegangen war. Er seufzte. „Ansonsten kann ich dir auch nicht mehr weiterhelfen.”, fügte Tabrun mit ruhiger Stimme hinzu und klopfte dabei seinem jüngsten Bruder mit der flachen Hand auf dessen Schulter, „Letztendlich musst du die endgültige Entscheidung allein treffen. Ich kann dir nur Ratschläge geben. Ob du sie befolgen willst, musst du wissen.” Während Mandrak weiterhin in jene Richtung blickte, in der Kelūrus Tochter davongegangen war, setzte Tabrun sich wieder zu den anderen ans Feuer. Seufzend nahm Gūrads jüngster Sohn ebenfalls wieder am Lagerfeuer Platz. Gedankenverloren begann er in die Flammen zu blicken.

Die Belluraner schliefen bereits tief und fest in ihren Zelten, als eine kleine Gestalt lautlos durch das Lager huschte. Immer wieder blieb sie stehen und reckte schnuppernd ihre feine Nase hoch. Dabei richtete das kleine Geschöpf die Schnurrbarthaare auf, die von der Schnauze weit abstanden. Aufmerksam lauschte es mit den aufgerichteten langen Ohren in die Stille der Nacht. Rasch setzte das Nagetier mit den orangefarbenen Augen seinen Weg fort, bis es das Gästezelt erreichte. Wenig später verschwand es darin.

Im Zelt blieb Ogon direkt vor dem Ausgang stehen. Aufmerksam reckte das kleine Geschöpf seinen Körper empor und lauschte wieder mit seinen großen Ohren, die es hoch aufgerichtet hatte. Deutlich hörte das kleine Nagetier das gleichmäßige Atmen der Belluraner auf ihren Nachtlagern. Lautlos schlich sich Ogon an die Schlafenden heran, bis er Mandrak erreichte. Die feinen Schnurrbarthaare zitterten leicht, als Ogon sich aufrichtete und schnupperte. Wenig später kletterte er schnurrend zu Tabruns Bruder auf die Pritsche und kuschelte sich eng an den jungen Ulani. Kurz darauf war der Kundo schnurrend eingeschlafen.

Als Tabruns Bruder am nächsten Morgen aufwachte, vernahm er das zufriedene Schnurren Ogons, der sich unter seinem Arm eng an ihn geschmiegt hatte. Mandrak sah das Tier mit den großen orangefarbenen Augen an, das seinen Blick gelassen erwiderte. Unwillkürlich musste er schmunzeln, als er Ogon sah, der immer noch schnurrte. „Oh, sieh mal einer an.”, sagte Simdu amüsiert, der ebenfalls gerade aus dem Schlaf aufgewacht war, „Du hast ja nächtlichen Besuch bekommen.” „Oh Brüderchen.”, meinte Tabrun ebenfalls grinsend, als er aufstand, „Ich hoffe, Dilāra weiß, dass du ihr Schmusetier ausgeliehen hast.” „Ausgeliehen ist gut.”, erwiderte Mandrak trocken und stand ebenfalls auf, „Das kleine Kerlchen muss ihr irgendwann in der Nacht ausgebüxt sein und sich in unser Zelt geschlichen haben. Ich habe davon nichts mitbekommen, da ich tief und fest geschlafen habe.” „Das hätte ich jetzt auch gesagt.”, antwortete Tabrun belustigt, „Wenn ihr beiden heiraten wollt, und ich meine damit nicht Dilāra und dich, sondern Ogon und dich, dann lass es mich bitte vorher wissen, damit ich noch so rasch wie möglich flüchten kann. Allerdings frage ich mich, wie du das Dilāra beibringen willst.” Simdu und Tabrun begannen zu lachen. Mandrak erwiderte nichts. Er verdrehte nur die Augen, denn er wusste, dass sein Bruder ihn damit noch eine Zeit lang aufziehen würde. Rasch schob jemand die Plane beiseite und Pelto trat mit forschen Schritten ins Zelt. Er nickte den drei Ulani zur Begrüßung kurz zu. Dann berichtete er von den Neuigkeiten, die er von den Xendavas erfahren hatte.

Abschließende Hinweise:

keine

Der letzte Kampf

von aroessler2003

 

„Heißt das etwa, dass die Xendavas bereits auf den Befehl ihres Anführers angefangen haben, Saatgut von den Larunos zu sammeln?”, vergewisserte sich Tabrun bei Simdu, nachdem er den Bericht des Aldoraners übersetzt hatte. Arankas Mann gab die Frage an Pelto weiter. Dieser nickte. „Ja.”, sagte er in einem Sprachgemisch aus Aldoranisch und gebrochenem Ulanisch, „Er hatte sie in kleine Gruppen einteilen lassen, die nun schon seit Sonnenaufgang den anliegenden Wald durchstreifen und fleißig sammeln.” „Tja, dann schlage ich vor, dass wir uns gleich mal an die Arbeit machen und uns zu ihnen gesellen.”, meinte Mandrak, „Je früher wir anfangen, desto eher sind wir fertig.” „Und können anschließend so schnell wie möglich wieder nach Hause zurückkehren.”, fügte Tabrun hinzu, wobei er die Anwesenden nacheinander ansah, „Dann mal los.”

Kaum hatten sie das Gästezelt verlassen, begannen sich die vier Männer unter die Xendavas zu mischen. Nach und nach drangen die Belluraner immer weiter in den dichten Wald vor und sammelten alles an Saat ein, was sie finden konnten. Der Vormittag war rasch vergangen, als Mandūri eine Pause anordnete. Mit vollen Taschen und Körben kehrten die Belluraner aus dem dichten Wald ins Lager zurück, wo sie das Saatgut sorgfältig in der Mitte des Platzes abstellten. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich soviel ansammelt, wenn alle mitmachen.”, japste Simdu, er sichtlich aus der Puste war, „Unsere Xendava-Freunde sind nicht nur fleißig, sondern auch ganz schön flink.” Tabrun und Mandrak pflichteten Jakodos bei, der sich gerade mit dem Unterarm den Schweiß von seiner Stirn abwischte. In diesem Augenblick trat Kelūru zu den drei Ulani und dem Aldoraner.

„Ich hoffe, die Menge reicht euch, edle Freunde.”, sagte er und lächelte freundlich, „Wenn nicht, dann werde ich noch mal meine Leute ausschicken, um weiteres Saatgut zu sammeln.” Rasch begann Pelto zu übersetzen. Arankas Mann wandte sich mit einem fragenden Blick zu Tabrun und Mandrak um. „Kelūru möchte wissen, ob euch die Menge an Larunos-Saatgut reicht oder nicht.”, sagte er zu Gūrads Söhnen, „Ansonsten will er noch mal seine Leute ausschicken, damit sie noch weitersammeln.” Unsicher sahen sich Tabrun und Mandrak an. Beide traten näher an das gesammelte Saatgut heran und umrundeten den Stapel von Taschen und Körben. „Was meinst du, Bruder?”, sagte der Schwarzhaarige, „Reicht uns die Menge?” Der Hellbraunhaarige zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.”, gab Mandrak zu, „Ich kann sowas nicht abschätzen.” „Denkt daran, dass ihr einiges davon auch als Zahlungsmittel auf der Rückreise benutzen müsst.”, gab Simdu zu Bedenken, „An den Grenzen kann es durchaus passieren, dass die Zöllner einiges davon behalten werden.” „Dann sollten wir auf jeden Fall noch mehr einsammeln, wenn es geht.”, entschied Tabrun, „Ich möchte nicht, dass wir irgendwo festsitzen, nur weil wir nichts bezahlen können.” Sofort übersetzte Simdu Tabruns Entscheidung ins Aldoranische und Pelto übersetzte es sofort ins Oskonische. Aufmerksam hörte Mandūri zu. Als der Aldoraner geendet hatte, nickte dieser und ging mit raschen Schritten davon, während er seinen Leuten weitere Anweisungen erteilte.

Sofort machten sich die Belluraner ans Werk. Auch die drei Ulani und der Aldoraner halfen wieder beim Einsammeln der Larunos-Samen. Dabei drangen die Belluraner immer tiefer in den dichten Wald vor. Je tiefer sie in den Wald vordrangen, umso deutlicher konnten sie das Rauschen eines Wasserfalls hören. Niemand von ihnen achtete während ihrer Arbeit darauf, während sie dabei dem tosenden Fluss immer näher kamen. Tabrun hatte sich wieder einer kleinen Xendavas-Gruppe angeschlossen, die hauptsächlich aus jungen Kriegern bestand. Simdu hatte sich wie Pelto währenddessen einer gemischten Gruppe angeschlossen, die vorwiegend aus jungen Frauen und jungen Männern bestand. Mandrak dagegen schloss sich keiner Gruppe an. Stattdessen half er bei jeder Gruppe, auf der er während des Sammelns traf. Dabei tauschte er mit ihnen immer wieder seine vollen Taschen gegen leere aus. Nach einiger Zeit wurde der dichte Wald wieder etwas lichter und die Belluraner erreichten nach einiger Zeit den Waldrand. Die ersten Xendavas traten aus dem schützenden Wald ins Freie. Kurz darauf folgten auch schon die drei Ulani und der Aldoraner. Vor ihnen sahen sie eine Gras bewachsene Landschaft und in einiger Entfernung war ein Abgrund zu erkennen, von dem sie deutlich das Getöse des Wasserfalls hörten. An einige Stellen ragten vereinzelte Felsen aus dem Boden, die schon stark verwittert waren.

Mandrak ließ seine beiden Taschen auf den Boden sinken, als er fasziniert die Landschaft betrachtete. Hinter ihm begann es im Unterholz zu rascheln. Der Hellbraunhaarige warf einen kurzen Blick nach hinten und sah, wie in diesem Augenblick Dilāra aus dem Dickicht ins Freie trat. Sie begann sofort zu lächeln, als sie Gūrads jüngsten Sohn erblickte. Rasch ließ sie ihre schweren Taschen von ihren Schultern gleiten. „Hier sehr schön das ist.”, sagte sie im gebrochenem Ulanisch zu Mandrak. Dieser nickte. „Tawažu.”, antwortete er auf Xendavu mit starken Akzent, „Mekk ōlaj rūšlom lējnoš panangol.” Sofort schmiegte sich die Braunhaarige an Mandrak. Gemeinsam betrachteten sie schweigend jene Landschaft, die sich vor ihnen erstreckte.

Nur wenige Augenblicke später löste sie sich von dem Hellbraunhaarigen und schritt auf einen kleinen Felsen zu. Dort angekommen ging die junge Xendava in die Hocke und begann etwas auf dem Boden genauer anzusehen. Neugierig trat Mandrak zu Dilāra und blickte nun auf dieselbe Stelle herab, die Kelūrus Tochter gerade in Augenschein genommen hatte. Gūrads jüngster Sohn sah, weshalb sich der Ausdruck im Gesicht von Mandūris Tochter sehr ernst wurde. Langsam richtete sie sich wieder auf und blickte sich aufmerksam nach allen Seiten um. Dann sah sie Mandrak an. Sie hatten eine Fährte entdeckt. Es waren die Fußspuren mehrerer ausgewachsenen Xularis. Dann hörten sie bereits laute Warnschreie von einigen Xendavas. Sofort rannten Dilāra und Mandrak in jene Richtung los, aus der sie die Warnrufe gehört hatten.

Tabrun fluchte laut, als er vor einem Xulari stand, der ihn böse anfauchte. Vor dem schwarzhaarigen Ulani richtete sich die Raubechse zu ihrer vollen Größe auf. Hinter dem Xulari waren drei weitere, die Tabrun erst in diesem Moment erblickte. Jetzt bin ich erledigt!, dachte er, als er sah, wie sich die Raubechse zum Sprung bereitmachte. Mit weit aufgerissenem Maul schnellte das Tier auf dem jungen Schwarzhaarigen zu. Instinktiv riss Tabrun einen Stock hoch, den er gerade in seiner Hand hielt. Es knackte, als die Kiefer den Ast zu fassen bekam und zermahlte ihn mühelos mit seinem scharfen Zähnen, währenddessen das Raubtier direkt vor Tabrun stand. Unwillkürlich musste der Ulani schlucken, als er sah, wie der traurige Rest des Stock zu Boden rieselte. Dabei sah ihn der Xulari mit seinen giftgrünen Augen an.

Vorsichtig trat der Farmersohn einen kleinen Schritt zurück, während die Raubechse ihn immer noch aufmerksam beobachtete. Erneut riss sie wieder ihr Maul auf und gab ein weiteres bedrohliches Fauchen von sich. Deutlich konnte Tabrun die zahlreichen Zähne erkennen, die wie unzählige Dolche aus den Kiefern ragten. Er machte einen kleinen Schritt rückwärts. Rasch warf Tabrun einen kurzen Blick nach hinten, bevor er den nächsten Schritt nach hinten machte. Gūrads ältester Sohn wusste, dass er jetzt keinen Fehler machen durfte, wenn er diese Begegnung irgendwie überleben wollte. Inzwischen hatten mehrere Belluraner die Xularis entdeckt und eilten so schnell herbei, um dem schwarzhaarigen Ulani zu helfen, der in Lebensgefahr schwebte. „Tabrun!”, rief Mandrak entsetzt, als er sah, in welchen Schwierigkeiten sein Bruder steckte.

„Hier! Nimm das!”, rief Simdu und warf Tabrun ein Kurzschwert zu, das Mandraks Bruder geschickt auffing, „Und mach’ der verdammten Bestie den Garaus!” Tabrun fletschte entschlossen die Zähne. „Das mach’ ich doch glatt, wenn Mūruks Geschöpfe mich lassen.”, antwortete er und richtete die scharfe Klinge auf die Brust des Tieres. „Komm schon, du Biest!”, knurrte der schwarzhaarige Ulani, „Komm und lass dich von mir ins Jenseits befördern und dann kannst du zu deinem Herrn zurückkehren.” Die Raubechse richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und fauchte abermals. Mit ihren krallebewehrten Klauen versuchte sie nach Tabrun zu greifen, doch dieser sprang schnell einen kleinen Sprung nach hinten. Er fluchte leise, als er hinter sich einen kleinen Felsen spürte, der etwas größer war als der Schwarzhaarige. Entschlossen griff das Raubtier an.

Inzwischen hatten die restlichen Belluraner die anderen Xularis angegriffen, um sie von Tabrun abzulenken. Aber aus dem Wald tauchten weitere Xularis auf. Als Kelūru das bemerkte, rief er seinen Leuten weitere Befehle zu, die von den Xendavas sofort ausgeführt wurden. Sofort teilten sie sich in kleinere Gruppen auf.

Der Xulari stieß einen markerschütternden Schrei aus, als Tabruns Kurzschwert sich in die Brust des Tieres bohrte. Sofort drehte Tabrun knurrend die Klinge in der blutenden Wunde herum. Bei jeder Bewegung wurde der Schrei des Xularis lauter. „Das hast du nun davon.”, sagte Gūrads ältester Sohn zornig, „Hat dir denn noch keiner beigebracht, dass ich generell nicht auf deinem Speiseplan stehe?” Zitternd torkelte die Raubechse langsam zurück. Sofort setzte der junge Ulani nach, ohne den Griff des Schwertes loszulassen. Kraftvoll versuchte Tabrun die Waffe zuerst nach unten und anschließend nach oben zu ziehen, wobei er das schmatzende Geräusch ignorierte. Der Schrei des Xularis war ohrenbetäubend, als der Ulani die Klinge in der Wunde bewegte. Blut quoll aus der Wunde und tropfte auf den Boden. Tabrun zog das Schwert heraus. Die Echse schaute an sich herunter und starrte mit ihren giftgrünen Augen auf die klaffende Wunde, die stark blutete. Der Xulari gab einen undefinierbaren Laut von sich, als das Tier wieder den schwarzhaarigen Ulani ansah. Dann brach das Geschöpf zusammen und blieb zitternd und röchelnd liegen. Ohne den verletzten Xulari weiter zu beachten, schritt Tabrun davon.

Auf einem kleinen Felsvorsprung kämpfte Mandrak mit einem Schwert in der Hand, das ihm Sejloš Mūnax gegeben hatte, gleichzeitig gegen zwei Xularis. Gūrads jüngster Sohn saß in der Falle, denn er stand sehr nah an einem Abgrund. Tabrun war entsetzt, als er die Gefahr erkannte, in der Mandrak schwebte und rannte, so schnell er konnte, seinem Bruder zu Hilfe. Die beiden Xularis näherten sich ihm unaufhaltsam. Immer wieder schnappten sie nach den Ulani, der sie mit einem Schwert von sich fernzuhalten versuchte. Die Klinge glänzte jedes Mal im Sonnenlicht, wenn der Hellbraunhaarige die Angriffe der beiden Tiere abwehrte. Als Tabrun entschlossen laut brüllend auf die beiden Xularis zustürmte, wandte sich der kleinere der beiden Tiere zu Tabrun um und fauchte wütend. In gleichen Moment griff ein weiterer Xulari von der Seite her Mandrak an.

Bevor er noch reagieren konnte, wurde Tabruns jüngster Bruder von den Füßen gerissen. Die scharfen Krallen bohrten sich in Mandraks Körper, währenddessen sich sein Schwert in den Bauch der großen Raubechse bohrte. Das Gewicht des Tieres trieb ihm die Luft aus den Lungen. Schmerz breitete sich explosionsartig in seinem Körper aus. Er stöhnte vor Schmerzen. Dann krachte es laut und der Boden, der schon kurz vorher unter Mandrak und seinem Gegner bereits Risse bekommen hatte, gab nach. Der Xulari, der auf ihm stand, verlor das Gleichgewicht. Zusammen stürzten sie in die Tiefe und verschwanden in den tosenden Fluten des Flusses.

Sowohl Tabrun als auch Dilāra, die gerade auf einen kleineren Felsen stehend einen Xulari niedergestreckt hatte, stießen einen Schrei des Entsetzen aus, als sie hilflos mit ansehen mussten, wie Mandrak zusammen mit der Bestie auf ihn aus ihrem Blickfeld verschwanden. In kürzester Zeit gelang es Tabrun, den kleineren Xulari sofort zu töten, während Kelūrus Tochter ihm half, anschließend der dritten Raubechse den Garaus zu machen. Als der Xulari röchelnd und blutend im Gras lag, wandten sich bereits die beiden dem Abgrund zu. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie weit und breit keine Spur von Mandrak in den Fluten entdecken konnten. Er war verschwunden. Ebenso der Xulari. Nur ein paar blaue Blutspuren an der Felswand zeugten von einer Tragödie, die sich hier gerade ereignet hatte.

Laut riefen sie gemeinsam nach dem Hellbraunhaarigen, ohne eine Antwort von Mandrak zu erhalten. Nur ihre Rufe wurden von den Felswänden zurückgeworfen, währenddessen der Fluss weiterhin unter ihnen toste. Verzweifelt sahen Tabrun und Dilāra in allen Richtungen. Beide hofften, dass Mandrak sich irgendwo an den Felsen festkrallen konnte und nun auf ihre Hilfe wartete. Doch ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht. Mandrak blieb verschwunden.

Inzwischen hatte der Kampf zwischen den Xularis und den Belluranern ein Ende gefunden. Es waren nicht mehr viele von den Raubechsen übrig geblieben, die rasch flohen, nachdem sie begriffen hatten, dass es hier nichts zu holen gab. Die Xendavas stießen ein Siegesgeheul aus, das noch sehr weit zu hören war. Nachdem die Siegesschreie verstummt waren, hörten sie die verzweifelten Rufe von Tabrun und Dilāra, die immer noch am Abgrund standen.

Rasch eilten die ersten zu ihnen und fragten was passiert sei. Mandūri war als erster bei seiner Tochter, die sofort detailliert erzählte, was passiert war, während Tabrun erneut nach seinem Bruder rief. Zusammen mit Kejtar blickte er ebenfalls in die Schlucht, wo die gewaltigen Wassermassen laut tosend in die Richtung des Wasserfalls strömten. Einige mussten unwillkürlich schlucken, als sie in die Tiefe sahen.

„Bei allen Göttern!”, meinte er zu Sāmoš, „Den werden wir da nie finden.” Kejtar nickte wortlos. „Die Strömung hat ihn fortgerissen, mein Gebieter.”, konstatierte er, „Ich glaube nicht, dass er sich da irgendwo festhalten konnte.” Der Anführer der Xendavas blickte erneut in den tiefen Abgrund. Sein Blick folgte dem reißenden Fluss, bis dieser hinter einer kleinen Biegung verschwand.

„Die Strömung ist sehr stark und das Gelände ist sehr unübersichtlich.”, meinte Mandūri nachdenklich, „Ich frage mich, ob eine Suche nach dem jungen Ulani da unten noch Sinn macht. Wenn die Strömung ihn nicht mitgerissen hat, dann ist er inzwischen höchstwahrscheinlich schon ertrunken und sein Körper liegt vermutlich auf dem Grund.” „Aber wir müssen ihn suchen!”, sagte Dilāra mit Nachdruck in der Stimme, die sich nicht vorstellen konnte, das Mandrak tot sein könnte, „Er lebt bestimmt noch und hat sich an einen der zahlreichen Felsen im Fluss geklammert. Wir dürfen ihn nicht im Stich lassen. Mandrak ist irgendwo da unten und hofft nun auf seine Rettung. Irgendeiner von uns muss da runter.” Tabrun sagte etwas auf Ulanisch was sofort von Simdu ins Aldoranische übersetzt wurde und Pelto es wiederum ins Oskonische übersetzte. Nachdenklich sah er Gūrads ältesten Sohn an.

„Das ist keine schlechte Idee.”, meinte der Anführer mit ernster Miene, „Die Frage ist nur, wer das machen soll. Immerhin ist das nicht ungefährlich auf einem Kojn-Kojn da runterzufliegen und nach Mandrak zu suchen.” „Ich werde selbst da runterfliegen.”, antwortete Tabrun fest entschlossen, „Es ist mein Bruder, der da unten ist und Hilfe braucht. Auf keinen Fall werde ich ihn im Stich lassen.” Simdu trat auf den Schwarzhaarigen zu und sah ihn ernst an. „Bist du dir sicher, dass du das tun willst?”, wollte er wissen, „Das ist sehr gefährlich. Du riskierst dein Leben. Dein Kojn-Kojn braucht nur einmal durch irgendetwas in Panik geraten, dann kann dir keiner von uns helfen.” „Ich muss, Simdu.”, insistierte Tabrun in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete, „Ich habe keine andere Wahl. Es ist mein Bruder und ich werde ihn da rausholen. Egal wie.” Rasch übersetzte es Arankas Mann in Peltos Muttersprache und der Aldoraner übersetzte es weiter ins Oskonische. Gebannt hörten die Xendavas zu.

„Dann wollen wir keine Zeit mehr verlieren.”, entschied Kelūru und erteilte sofort seinen Leuten die Anweisung, so schnell wie möglich ein paar Kojn-Kojns zu holen. Rasch machten sich einige der Xendavas auf den Weg ins Lager und kehrten später mit einigen Kojn-Kojns zurück. Mandūri befahl einigen der Männer abzusetzen, die sofort gehorchten. Kelūru zeigte mit der Hand auf eines der Kojn-Kojns, das Tabrun für seine Rettungsaktion nehmen sollte. Kaum saß der schwarzhaarige Ulani im Sattel, befahl der Anführer seinen besten Reitern ebenfalls auszusetzen. Sofort gaben sie den Tieren die Sporen und mit ausgebreiteten Schwingen hoben die Kojn-Kojns vom Boden ab. Wortlos sahen die restlichen Belluraner Tabrun und den Anderen hinterher, die sofort mit waghalsigen Flugmanövern das nähere Gebiet in der Schlucht in Augenschein nahmen. Besonders Dilāra beobachtete die Belluraner, die auf den Kojn-Kojns nach Mandrak suchten. Immer wieder riefen sie nach dem Hellbraunhaarigen, ohne eine Antwort zu erhalten. Er blieb verschwunden.

Mit einem sorgenvollen Blick wandte sich Dilāra zu einen der Männer um, der sie gerade angesprochen hatte. An seiner Hand hielt er die Zügel eines braun-schwarzweiß gescheckten Kojn-Kojns. Er lächelte entschuldigend, als er ihr die Zügel reichte. „Ich war eben im Lager und habe für Euch ein Kojn-Kojn geholt, damit Ihr Euch an der Suche beteiligen könnt, Herrin.”, sagte er mit seiner rauen Stimme, während er eine kurze Verbeugung vor ihr machte. Entschlossen nahm sie die Zügel an die Hand und trat neben das Reittier, das sofort bereitwillig seine Flügel ausbreitete. Rasch schwang sich Mandūris Tochter in den Sattel. Das Kojn-Kojn gab ein zufriedenes Schnauben von sich und schabte mit seinen beiden Vorderläufen auf den Boden. „Vielen Dank.”, sagte sie kurz und gab ihrem Reittier die Sporen. Wenig später flog sie bereits zu den anderen hin und suchte nun ebenfalls nach Mandrak.

Viele Stunden lang suchten sie gemeinsam nach Tabruns Bruder, der weiterhin verschollen blieb. Nach Einbruch der Dunkelheit kehrten die Belluraner auf ihren Reittieren zurück. Kelūru trat mit raschen Schritten auf Tabrun zu und blickte in seine Augen. Der Ulani brauchte nicht zu fragen, denn er sah schon im Blick des Anführers der Xendavas, dass sie seinen Bruder nicht gefunden hatten. Gūrads ältester Sohn nickte nur und ging mit hängenden Schultern davon. Pelto und Simdu folgten dem Schwarzhaarigen.

„Werden wir Morgen weitersuchen, mein Gebieter?”, wollte Kejtar wissen, der neben Kelūru stand. Dilāras Vater gab einen leisen Seufzer von sich. „Ich weiß es nicht.”, antwortete er, „Die Wahrscheinlichkeit ist mittlerweile sehr gering, dass wir ihn noch retten können. Falls er den Sturz in den Fluss überlebt haben sollte, dann wurde er durch die Strömung bereits soweit von uns weggetrieben, dass wir ihn hier nicht mehr finden werden. Leider ist es inzwischen auch schon viel zu dunkel geworden, um noch weitersuchen zu können. Deshalb ist es besser, dass wir ins Lager zurückkehren.” Kejtar nickte und machte eine tiefe Verbeugung. „Ich werde es sofort veranlassen, mein Gebieter.”, antwortete Sāmoš mit ausdrucksloser Miene. Dann machte er kehrt und stapfte davon. Laut erteilte er wenig später an alle Anwesenden die entsprechenden Befehle.

Sobald die Belluraner das Lager der Xendavas erreichten, zog sich Tabrun in das Gästezelt zurück. Er wollte niemanden sehen. Auch Hunger verspürte er keinen. Tabrun lag mit verschränkten Armen auf seinem provisorischen Nachtlager und dachte nach. Eine unbeschreibliche Leere erfüllte ihn und er konnte es immer noch nicht glauben, dass er Mandrak, seinen kleinen Bruder, niemals mehr wieder sehen sollte. Er hatte das Gefühl, als hätte jemand eine tonnenschwere Last auf ihn abgeladen, die er nicht tragen konnte. Sobald er die Augen schloss, sah er Mandrak vor sich. Wie konnte das nur passieren?, fragte er sich, Warum habe ich es zugelassen, dass er mitkommt? Deutlich hörte er den Hilfeschrei seines Bruders, der mit einem Xulari zusammen in den Abgrund stürzte. Tränen rannen über sein Gesicht. Tabrun weinte leise. Du hättest ihn davon abbringen müssen!, hämmerte eine Stimme erbarmungslos in seinem Kopf, Dein Vater wird dich dafür hassen, weil du deinen kleinen Bruder mitgenommen hast und jetzt einfach sterben ließ! Er zuckte zusammen, als zwei Gestalten wortlos das Zelt betraten. Es waren Simdu und Pelto. Der Aldoraner hielt zwei Amphoren Wein in seinen beiden Händen. Arankas Mann stellte einen vollen Bierkrug auf den kleinen Tisch ab und sah Gūrads ältesten Sohn mitfühlend an. Pelto öffnete die erste Weinamphore und reichte sie Tabrun. Sofort nahm der schwarzhaarige Ulani das Gefäß und begann gierig zu trinken. Wortlos und mit ausdrucksloser Miene sahen die beiden Männer zu.

Am späteren Abend betraten Kelūru und Kejtar das Gästezelt. Rasch erkannten sie, dass Tabrun inzwischen betrunken war, während Simdu und Pelto nüchtern waren. Fragend sah der Anführer den Aldoraner an, der nichts von dem, was Tabrun vor sich hinlallte, übersetzen konnte. „Am besten wäre es, wenn Ihr Eurem Freund nichts mehr zu trinken geben würdet.”, sagte Mandūri mitfühlend auf Xendavu, „Wenn er einen richtigen Brummschädel morgen früh hat, wird er wohl kaum in der Lage sein, sich an der Suche nach seinem Bruder zu beteiligen. Sorgt also dafür, dass er sich ausruht.” Nach diesen Worten verließen die Xendavas wieder das Zelt. Anschließend übersetzte Pelto dem blonden Ulani, was die Xendavas gesagt hatten. Simdu nickte. „Ja, der Ansicht bin ich auch.”, sagte er auf Aldoranisch zu dem alten Tegoš, „Wir sollten versuchen, ihn dazu zu bringen, dass er sich hinlegt und seinen Rausch ausschläft, damit er morgen wieder fit ist.” Als die beiden entschlossen aufstanden und auf Tabrun zugingen, blickte dieser ihnen nur mit glasigen Augen an, sagte aber nichts. Nachdem der blonde Ulani und der Aldoraner Tabrun dazu brachten, sich schlafen zu legen, verließen sie gemeinsam das Zelt und setzten sich zu den Xendavas ans Lagerfeuer.

„Nun?”, meinte der Anführer mit sorgenvoller Miene, „Wie geht es Eurem Gefährten?” „Er schläft inzwischen.”, antwortete Pelto, „Der Verlust seines Bruders hat ihn sehr mitgenommen.” Kelūru nickte verständnisvoll. „Das ist auch verständlich.”, erwiderte er, „So würde es wohl jedem ergehen, wenn er einen lieben Menschen verliert.”

„Werdet Ihr mit Euren Männern morgen früh weiter nach seinem Bruder suchen?”, fragte der Aldoraner. Mandūri zuckte unschlüssig mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, frage ich mich nach dem Sinn.”, gestand er mit ernster Miene, „Einerseits könnte er wirklich noch am Leben sein, denn seine Leiche haben wir bisher nicht finden können. Das Problem aber ist die starke Strömung des Flusses, die ihn bereits sonst wohin getrieben haben kann. Außerdem ist da auch noch der Xulari, mit dem er in die Tiefe stürzte. Was ist, wenn zwar beide überlebt haben, aber der Xulari es irgendwie geschafft hat, ihn zu töten? Dann würden wir ihn vermutlich ebenso wenig finden können, wie jetzt.” „Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass er überlebt hat, während Mūruks Geschöpf im Wasser ertrank.”, gab Pelto zu Bedenken, „Die Frage ist nur, wie hoch sind die Chancen für Mandrak, dass er überlebt hat?” „Ich denke, wir werden morgen früh die Suche fortsetzen.”, entschied Kelūru, „Auch wenn Euer Freund nicht fit sein sollte, nachdem er heute Abend in unserem Wein Vergessen gesucht hat.” Gōlad nickte. „Ihr seid ein weiser Mann, edler Kelūru.”, meinte der Aldoraner, „Mein Arbeitsherr wird es Euch nie verdenken.”

Am nächsten Morgen machten sich die Belluraner wieder auf die Suche nach dem verschollenen Mandrak. Doch an diesem Morgen war das Wetter dafür nicht sonderlich geeignet, denn über dem Fluss in der Schlucht hing sehr dichter Nebel. Selbst im Lager konnte keiner die eigene Hand vor Augen erkennen. Deshalb befahl der Anführer, die Suche für diesen Tag einzustellen. Diese Umstände hinderte Tabrun nicht daran, sich ein Kojn-Kojn nehmen und sich allein auf die Suche zu machen. Immer wieder gab das unruhige Tier Laute von sich, während er nach Mandrak rief. Oh Zātul und all Ihr anderen Götter!, flehte er verzweifelt in seinen Gedanken, Hilft mir meinem Bruder lebend zu finden! Als er die Schlucht erreichte, konnte er außer dem Getöse des Wassers gar nichts hören. Seine Rufe gingen im Rauschen der Flussschnellen unter. Ich werde alles tun, was Ihr von mir verlangt!, versprach er auf mentalem Wege den höheren Mächten, Aber habt Erbarmen mit Mandrak! Er ist doch noch viel zu jung zu Sterben!, betete er innerlich weiter, Oh Ihr Götter, lasst es nicht zu spät für meinen Bruder sein! Immer wieder flog er auf dem Kojn-Kojn über die Schlucht hinweg und rief verzweifelt nach seinem Bruder. Mehrmals streife das Kojn-Kojn einige Zweige, die aus den Felswänden ragten. Tabrun merkte, wie ihn rasch der Mut und auch die Hoffnung verließen. Er brauchte nicht sehr lange, um zu begreifen, dass er in diesem dichten Nebel keine Chance hatte, seinen Bruder zu finden. Niedergeschlagen und mit Tränen in den Augen kehrte er zu den anderen zurück.

Als er aus dem Sattel stieg, eilte auch schon Kejtar herbei und gab dem schwarzhaarigen Ulani ein Handzeichen, dass er ihm folgen sollte. Tabrun verstand zwar nicht, was Sāmoš ihm sagte, als er ihn zum Zelt des Anführers brachte, aber er folgte ihm. Gemeinsam betraten sie jenes Zelt, in dem Tabrun bereits von Mandūri erwartet wurde.

„Meine Männer haben mir berichtet, dass Ihr Euch allein mit einem Kojn-Kojn auf die Suche nach Eurem Bruder begeben habt und Ihr seid ohne ihn wieder zurückgekehrt, werter Freund.”, begann der Anführer der Xendavas, während Tabrun sich vor Kelūrus Vater tief verneigte, „Anscheinend haben die Götter entschieden, dass es für Euren Bruder Zeit war, ins Najangu heimzukehren.” Als Tabrun sich wieder aufrichtete sah er dabei Dilāras Vater direkt in die Augen. „Ja, edler Herr der Xendavas.”, antwortete der Ulani, der von Simdu und Pelto übersetzt wurde, „Zātul und alle anderen Götter haben sich entschieden, meinen Bruder zu sich zu holen.”

„Es ist immer schwer, die Entscheidungen der Götter zu akzeptieren, wenn es sich hierbei um jemanden handelt, der einem sehr viel bedeutet, den sie unerwartet zu sich rufen.”, bemerkte Mandūri mit nachdenklicher Miene, „Auch wenn es Euch schwerfällt, den Schmerz ertragen zu müssen. Aber Ihr müsst mit diesem Verlust leben. Ihr dürft Euch auf gar keinen Fall gegen den Willen der Götter auflehnen, damit sie Euch keine weiteren schweren Lasten aufbürden.” Tabrun nickte. „Ihr sprecht weise Worte, edler Herr der Xendavas.”, antwortete Gūrads ältester Sohn, „Trotzdem schmerzt mich der Verlust meines Bruders sehr.” Mitfühlend sah Kelūru den schwarzhaarigen Ulani an. „Ich verstehe Euren Schmerz.”, sagte er, „Mein Volk und ich teilen Euren Schmerz. Die Götter haben entschieden, Euren jungen Bruder zu sich ins Najangu zu holen. Damit ihn niemand mehr suchen kann, haben sie das gesamte Gebiet in Nebel gehüllt.” Einen kurzen Augenblick lang sah er Tabrun prüfend an. „Sobald sich dieser Nebel wieder gelichtet hat, bin ich sehr gern bereit, noch einmal meine Männer auf die Suche nach Eurem Bruder zu schicken, falls Ihr es wünscht.”, bot Mandūri dem jungen Ulani an, dessens Schmerz er deutlich in Tabruns Augen sehen konnte, „Und damit Ihr Euch an der Suche wieder beteiligen könnt, stellen wir Euch auch Kojn-Kojns zur Verfügung.” „Ihr seid zu gütig, edler Herr der Xendavas.”, antwortete Tabrun gerührt, „Eure großen Taten ehren Euch und Euer Volk.” Dilāras Vater begann zu lächeln, als er die Antwort von Simdu und Pelto übersetzt bekam.

Am nächsten Morgen war der Nebel wieder vollkommen verschwunden und die Belluraner machten sich erneut auf die Suche nach Mandrak. Auch Tabrun flog auf einem Kojn-Kojn. Zielsicher lenkte er das Reittier zur Schlucht. Neue Hoffnung hatte ihn erfüllt, als er beim Verlassen des Zeltes die Sonne am Morgenhimmel gesehen hatte. Er wusste, dass dies die letzte Chance war, seinen Bruder lebend zu finden. Hoffentlich hat die Strömung Mandrak nicht zu weit fortgetrieben!, dachte er, als er dicht über den Wassermassen hinweg flog, Es wäre schön, wenn ich ihn lebend finden könnte! Ein weiteres Mal schickte er innerlich ein Gebet an die Götter und er hoffte inständig, dass sie ihn erhörten. In regelmäßigen Abständen flogen die Belluraner die Schlucht entlang, ohne ein Lebenszeichen von Mandrak zu finden. Erst, als die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden war, kehrten alle ins Lager zurück.

„Es ist hoffnungslos.”, meinte Simdu auf Aldoranisch zu Pelto, als er sich zu dem alten Tegoš ans Lagerfeuer setzte, „Keiner hat Mandrak finden können. Nicht einmal ein Fetzen von seiner Kleidung war zu finden. Anscheinend muss Tabrun allein nach Hause zurückkehren.” Gōlad nickte nachdenklich. „Ich habe auch nichts finden können.”, gestand der Aldoraner bedrückt, „Das Problem ist, dass die Xendavas mittlerweile auch nicht mehr daran glauben, dass der Bruder Eures Freundes noch lebt. Ich frage mich schon, wie lange Kelūru Mandūri noch weitersuchen lassen wird.” „Das habe ich mich auch schon gefragt.”, bekannte der blonde Ulani, „So, wie die Dinge momentan stehen, wird er die Suche vermutlich morgen für beendet erklären.” Pelto erwiderte nichts. Er starrte nur noch wortlos in die Flammen.

Am nächsten Morgen ließ Kelūru die Xendavas zusammen rufen. Als sie sich alle in der Mitte des Zeltlagers versammelt hatten, trat er aus dem seinigen und setzte sich auf einen Stuhl. Sein Blick war sehr ernst, als er seine Stimme erhob. „Wie alle wissen, stürzte Mandrak während des Kampfes gegen die Xularis in die Schlucht, die sich auf der anderen Seite dieses Waldes befindet.”, begann er mit fester Stimme, „Gemeinsam haben wir alle nach diesen mutigen jungen Mann gesucht. Aber die Götter ließen es nicht zu, dass wir ihn finden. Um uns die Suche zu erschweren, schickten sie uns sogar noch einen dichten Nebel, der es für uns unmöglich machte, überhaupt etwas zu finden. Trotzdem gab sein Bruder Tabrun nicht auf. Jeder von uns ist immer wieder auf einem Kojn-Kojn über die Schlucht und manche von uns auch in sie hinein geflogen, um ihn zu finden. Aber auch das hat nichts genützt. Es fehlt nach wie vor jede Spur von Mandrak. Anscheinend haben die Götter entschieden, dass Mandrak nicht mehr zu uns zurückkehren soll. Auf Grund dessen haben ich beschlossen, die Suche sofort zu beenden.” Dann sah er direkt zu Tabrun hinüber, der in der vordersten Reihe stand und sich die Ansprache von Simdu und Pelto übersetzen ließ. „Es tut mit sehr Leid, dass wir Euren Bruder nicht finden konnten.”, sagte Mandūri mit Bedauern in seiner Stimme, „So, wie das zurzeit aussieht, haben die Götter wohl beschlossen, dass Ihr Eure Reise ohne Euren Bruder fortsetzen und auch ohne ihn wieder nach Hause zurückkehren müsst. Keiner von uns vermag es, Euch Euren Schmerz zu nehmen. Aber wir teilen ihn mit Euch. Mögen die Götter ihn Euch so rasch wie möglich wieder nehmen.” „Ich danke Euch für Eure Anteilnahme, edler Herr der Xendavas.”, antwortete Tabrun mit leicht zitternder Stimme und verneigte sich tief vor Kelūru. Anschließend gab Mandūri den Befehl, das Lager abzubauen, um ihre Reise fortzusetzen.

Dilāra folgte ihrem Vater in das Zelt, wo er sich in einem gemütlichen Sessel setzte. Direkt vor ihm blieb sie stehen und verneigte sich. „Vater, ich muss mit dir sprechen.”, begann sie mit fester Stimme. Fragend sah Kelūru seine Tochter an.

„Sprich, mein Kind.”, sagte er und blickte sie erwartungsvoll an. Die junge Xendava atmete mehrmals tief durch, bevor sie weitersprach. „Ich habe eine Bitte an dich.”, gestand sie, „Ich möchte mit ein paar Leuten noch etwas hierbleiben, um weiter nach Mandrak Nandor zu suchen.” „Glaubst du denn, dass er noch lebt?”, fragte Mandūri, der seine Zweifel nicht verbergen konnte. Die junge Frau nickte. „Ja, ich weiß, dass Mandrak noch lebt.”, antwortete sie überzeugt, „Ich fühle es.” Kelūru stand auf und trat vor seine Tochter, die ihn hoffnungsvoll ansah. Sie hielt seinem prüfenden Blick stand. „Ich fühle es nicht nur.”, fügte sie hinzu, „Ich weiß es. Er lebt noch und braucht ganz dringend unsere Hilfe.” „Du liebst ihn, nicht wahr?”, fragte er unvermittelt, als ihr Blick flehend wurde. „Ja, Vater, ich liebe Mandrak.”, sagte sie, „Bitte, hilf mir und lass mich weiter nach ihm suchen.” Nachdenklich nahm der Anführer der Xendavas wieder in seinem Sessel Platz. Er seufzte.

„Ich lasse nicht gern jemanden zurück.”, gestand Kelūru mit nachdenklicher Miene und sah dabei seine Tochter verständnisvoll an, „Das habe ich schon zu oft tun müssen. Deshalb werde ich dir deinen Wunsch erfüllen und dich mit zwanzig unserer besten Männer hierlassen. Du hast genau eine Woche Zeit, ihn zu finden.” Sein Ton wurde strenger, als er fortfuhr. „Wenn die Woche um ist, kommst du sofort mit den Männern hinterher, auch wenn ihr Mandrak noch nicht gefunden habt.”, sagte er, „Wir werden nach Kešando weiterziehen und dort vor den Toren der Stadt unser Lager aufschlagen. Falls ihr innerhalb dieser Woche uns nicht einholt und auch nicht im Lager auftaucht, werde ich mit ein paar Männern zurückkehren und euch suchen. Ich werde dir Kēloš Surgan an deine Seite stellen und ihm eine entsprechende Order geben. Du wirst seinen Befehlen gehorchen, bis du mit den Männern wieder bei uns bist.” „Ja, Vater.”, sagte sie sehr erfreut und erleichtert über Mandūris Entscheidung. Dankbar umarmte sie Kelūru, der sie liebevoll anlächelte. Nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten, ließ er nach Kēloš Surgan rufen. Glücklich und erleichtert verließ Dilāra das Zelt ihres Vaters.

Pelto, Simdu und Tabrun kehrten in das Gästezelt zurück. „Was wirst du jetzt machen, nachdem Kelūru gesagt hat, dass die Xendavas nicht mehr nach Mandrak weitersuchen werden?”, wollte Arankas Mann von Gūrads ältestem Sohn wissen, als sie das Zelt betraten. „Ich weiß es nicht.”, antwortete Nandor nachdenklich, „Einerseits würde ich noch sehr gern nach meinem Bruder weitersuchen, aber ich weiß auch, dass Mandūri Recht hat. Vermutlich hat die Strömung ihn fortgetrieben. Wir haben die ganze Gegend umsonst abgesucht.” „Und andrerseits?”, fragte Simdu nach. Tabrun seufzte. „Andrerseits muss ich wieder nach Hause zurückkehren, um Vaters Farm zu retten. Genügend Saatgut von den Larunos haben wir ja gesammelt.” Der blonde Ulani sah den Farmersohn an. „Wann willst du die Heimreise antreten?”, erkundigte er sich. „Das hängt davon ab, welcher Weg der sicherste Rückweg für uns ist.”, antwortete Tabrun mit ernster Miene, „Am besten wäre es, wenn die Xendavas uns bis an die Grenze des Landes begleiten würden, von wo aus wir dann allein weiterreisen könnten. Vielleicht sollte das Pelto mit Kelūru klären. Vielleicht gibt es da ja Möglichkeiten für uns.” Jakodos nickte. „Gut.”, sagte er, „Ich werde es veranlassen und Pelto zu Kelūru schicken, damit er das ganze klären kann.” Wenig später verließ der Aldoraner das Zelt, nachdem der Blonde dem Alten die entsprechenden Instruktionen erteilt hatte.

Nach einiger Zeit kehrte Pelto zu den beiden Ulani zurück und erstattete ihnen Bericht. „Ich habe mit dem Anführer gesprochen.”, sagte er mit ernster Miene, „Und er bietet uns an, uns bis an den Grenzfluss Kellumšari zu bringen, den wir dann überqueren müssen. Damit würden wir auch das Oskonische Kaiserreich verlassen. Wenn wir diesem Fluss auf dalganischer Seite nordwärts folgen, erreichen wir nach mehreren Wochen eine Stadt namens Kešando. Dort gibt es einen großen Binnenhafen, von dem wir mit einen der Schiffe aus weiterreisen können.”

„Was ist mit den Xendavas?”, wollte Simdu wissen, „Werden sie uns nur bis zur Grenze begleiten oder bis zu dieser Stadt auf der anderen Seite des Flusses?” Pelto schüttelte bedauernd mit dem Kopf. „Das können sie nicht.”, erklärte der Aldoraner, „Die andere Seite des Kellumšari gehört schon nicht mehr zum Oskonischen Kaiserreiches, sondern zum Dalganischen Königreich. Deshalb würden sich unsere Wege dort trennen. Aber, die Xendavas sind gern bereit, uns bis zur oskonischen Stadt Lasundo zu bringen, die sich genau gegenüber von Kešando am Kellumšari befindet. Das hätte den Vorteil, dass wir die ganze Strecke nicht zu dritt reisen müssten. Die Xendavas wären dann immer noch an unserer Seite.” Fragend sah Tabrun den blonden Ulani an, der sofort Peltos Bericht ins Ulanische übersetzte.

„Die Frage ist, ob wir das Angebot der Xendavas annehmen oder nicht.”, fügte Arankas Mann hinzu, „Wenn wir mit den Xendavas zusammen an die Grenze reisen, wären wir sicherer vor den oskonischen Soldaten, denen wir unterwegs begegnen könnten.” Der Schwarzhaarige nickte. „Ehrlich gesagt, neige ich dazu, Kelūrus Angebot anzunehmen.”, gestand Tabrun nachdenklich, „Wir sind offiziell Waffenbrüder der Xendavas. Sie werden uns schon allein der Freundschaft wegen nicht alleine reisen lassen. Das lässt ihre Ehre nicht zu.” Simdu nickte. „Dann sind wir uns einig.”, konstatierte er, „Wir werden das Angebot von Kelūru annehmen und mit den Xendavas zusammen bis zum Kellumšari reisen, wo wir drei anschließend das Oskonische Kaiserreich verlassen werden.” Tabrun nickte. „So ist es.”, antwortete er, „Sobald wir die oskonische Stadt Lasundo erreichen und uns von dort direkt nach Kešando übersetzen lassen, werden wir unsere Heimreise auf einen der Schiffe fortsetzen. So bleibt uns wenigsten die Rückreise durch die Honduš-Wüste erspart.”

Inzwischen war das Lager vollständig abgebaut worden und die Belluraner setzten ihre Reise fort. Nur Dilāra blieb zusammen mit Kēloš Surgan und zwanzig weiteren Männern zurück, um gemeinsam weiter nach Mandrak zu suchen. Wochen lang zogen die Belluraner durch das gebirgige Land des Brondus-Damrajd, das von einer abwechslungsreichen Flora und Fauna geprägt war. Als sie den Kellumšari erreichten, zogen sie in nördlicher Richtung weiter, bis sie die Stadt Lasundo erreichten. Die Kundschafter, die Mandūri ausgesandt hatte, kehrten mit sorgenvoller Miene nach recht kurzer Zeit wieder zurück.

 

Abschließende Hinweise:

keine

Seelenschmerz

von aroessler2003

 

Sāmoš hielt sein Kojn-Kojn direkt vor das des Anführers an und verneigte sich tief vor seinen Herren. „Ich bringe schlechte Kunde, mein Gebieter.”, begann er, nachdem der Anführer von Kejtar einen Bericht verlangte, „Vor der Stadt haben oskonische Soldaten ein sehr großes Lager aufgeschlagen. Auch in der Stadt wimmelt es nur so von Soldaten.” „Wird Lasundo von ihnen belagert?”, wollte Dilāras Vater wissen, „Oder wurde sie bereits von ihnen erobert?” „Nein, mein Gebieter.”, antwortete Sāmoš, „Die Stadt wurde nicht erobert und sie wird auch nicht belagert. Aber im Lager der Soldaten befinden sich jede Menge Gefangene.” Fragend sah der Anführer Kejtar an. „Ich selbst war sogar in die Stadt geritten, um mir ein besseres Bild von der aktuellen Lage zu machen, mein Gebieter.”, antwortete dieser auf die stumme Frage Mandūris, „Die Stimmung in der Stadt scheint nicht anders zu sein als sonst.” „Habt Ihr auch mit den Leuten in Lasundo gesprochen?”, wollte Kelūru wissen. „Ja, mein Gebieter.”, berichtete Sāmoš, „Sie sagen, dass der Krieg bald vorbei wäre. Draußen vor den Stadtmauern befinden sich in den Heerlagern fast fünftausend Gefangene. Einer der Soldaten sagte mir, dass die Feinde bei der Schlacht um Darūnos vernichtend geschlagen wurden. Weiter berichteten mir die Soldaten, dass Prinz Paludīn sich mit seinen Truppen nach Kerīnošolva zurückgezogen hat, um dort seine Truppen neu zusammen ziehen zu können.” Kelūru nickte. „Ich verstehe.”, sagte er mit ernster Miene, „Das Gebiet um Kerīnošolva herum ist offenes Gelände. Auf der einen Seite befinden sich die Wälder von Manungo und auf der anderen Seite wird das Gebiet von dem großen Fluss Tavrōšari abgegrenzt. Wenn Prinz Paludīn dort seine Truppen neu formiert, kommt es zur der Entscheidungsschlacht gegen die Truppen seines Bruders Prinz Gēzul.” „Ja, mein Gebieter.”, antwortete Kejtar Sāmoš nachdenklich, „Das bedeutet, dass der Bürgerkrieg hier im Oskonischen Kaiserreich bald vorbei sein wird.” „Das ist das eine.”, erwiderte der Anführer der Xendavas ebenso nachdenklich, „Die Frage ist nur, welche Konsequenzen es für uns haben wird. Egal, wer von beiden den Thron besteigen wird. Der alte König hielt sich an die Autonomie-Verträge, die er mit uns damals geschlossen hatte. Aber was seine beiden Söhne im Sinn haben, wenn sie die Macht ergreifen, wissen wir leider nicht. Das macht mir Sorgen.” Kejtar nickte. „Ja, mein Gebieter.”, antwortete Sāmoš, „Euer gesamtes Volk teilt die Sorge mit Euch.”

Inzwischen überlegten Tabrun und Simdu zusammen, wann sie ihre Heimreise antreten sollten. „Vielleicht sollten wir das davon abhängig machen, wann ein Schiff in unsere Richtung ablegt, dass uns mitnimmt.”, schlug Simdu vor, „Deshalb sollten wir als erstes Mal in die Stadt gehen und uns dort mal erkundigen, wann wir mit welchen Schiff unsere Reise fortsetzen können.” Tabrun nickte. „Ja, ich denke das wäre wohl am besten.”, meinte er, „Frage doch mal Pelto, ob er auch mit der dalganischen Zunge vertraut ist.” „Ja, edler Herr.”, antwortete Pelto Simdu, nachdem er ihm die Frage auf Aldoranisch gestellt hatte, „Ich bin mit ihr genauso vertraut wie mit meiner eigenen.” Arankas Mann übersetzte die Antwort des Alten ins Ulanische.

„Warum fragen wir ihn denn noch.”, meinte er grinsend zu Simdu, „Anscheinend ist er wohl fast mit allen Zungen vertraut.” „Wir können froh sein, dass wir ihn seiner Zeit gefunden haben.”, erwiderte Jakodos, „Wenn wir ihn nicht mitgenommen hätten, hätten wir wesentlich größere Verständigungsprobleme.” Gūrads ältester Sohn pflichtete Simdu bei. Dann wechselte er das Thema. „Ich denke, wir sollten uns so schnell wie möglich in die Stadt begeben, um nach einer geeigneten Passage für uns suchen.”, schlug Tabrun vor, „Je früher wir das geklärt haben, umso eher können wir unsere Heimreise fortsetzen.” „Aber bevor wir in die Stadt reiten, sollten wir vorher mit Kelūru sprechen.”, meinte Simdu nachdenklich, „Denn ich gehe mal davon aus, dass sich die Xendavas von uns verabschieden wollen und anschließend sofort weiterreisen werden, sobald wir zu unserer Heimreise aufbrechen.” „Das kann Pelto für uns erledigen.”, meinte Tabrun trocken, „Lass ihn mit dem Anführer sprechen. Danach sehen wir weiter.”

Es dauerte nicht lange, bis der Aldoraner in Begleitung von Mandūri zusammen mit Temka, Sāmoš und Mūnax zurückkam. „Ich habe gehört, dass ihr in die Stadt reiten wollt, um nach einen Schiff zu suchen, das euch mitnehmen soll.”, sagte Kelūru. Die beiden Ulani bejahten unisono. „Gut.”, antwortete der Anführer der Xendavas, „Dann werde ich euch mit zwei meiner Männer begleiten. Ich nehme an, dass ihr das so schnell wie möglich klären wollt.” Wieder bejahten die beiden Ulani. „Gut, dann lasst uns sofort auf den Weg machen.”, sagte Kelūru, nachdem er seiner Frau Temka Dajhān die Verantwortung über die zurückbleibenden Xendavas übertrug.

Lasundo war eine mittelgroße Stadt, in der zurzeit Hochbetrieb herrschte. Viele Belluraner waren in den Straßen unterwegs. Die verschiedensten Gerüche stiegen aus den offenen Fenstern und Türen der Häuser am Straßenrand den Neuankömmlingen in die Nasen. Zahlreiche Händler boten lautstark ihre Waren zum Verkauf an. Es dauerte nicht lange, bis sie den Markplatz von Lasundo erreichten. Dort erkundigte sich Kejtar bei einem oskonischen Händler, wie sie am schnellsten zum Hafen kämen. Sofort erklärte ihm der Mann mit einem dunklen Haarkranz den Weg. Nachdem Sāmoš seinem Herrn die Erklärung mitgeteilt hatte, ritten sie gemeinsam in jene Richtung, die der Händler ihnen genannt hatte.

Vorsichtig bahnten sich Tabrun, Simdu, Pelto und die drei Xendavas auf ihren Kojn-Kojns einen Weg durch die vollen Straßen der Kleinstadt. Nach kurzer Zeit erreichten sie den Hafen von Lasundo, wo mehrere Schiffe und Boote angetäut waren. „Die Frage ist jetzt, welches von den Schiffen fährt in unsere Richtung.”, meinte Tabrun nachdenklich. „Am besten fragen wir in der Hafenmeisterei nach. Dort finden wir am ehesten jemand, der uns das sagen kann.” „Ich werde Pelto hinschicken.”, antwortete Arankas Mann, „Der wird schon jemanden finden, mit dem wir verhandeln können.” Kurz darauf stieg der Aldoraner von seinem Reittier und näherte sich mit schnellen Schritten einem kleinen Gebäude. Direkt an der offenen Tür blieb er stehen. Pelto klopfte an den Türrahmen, bevor er das Häuschen betrat.

Nach wenigen Augenblicken verließ der Aldoraner wieder das kleine Haus. Ein hagerer älterer Mann folgte ihm, der eine Uniform und eine Kapitänsmütze trug. Direkt vor Tabrun und Simdu blieb Pelto mit seinem Begleiter stehen und machte eine tiefe Verbeugung.

„Ich habe jemanden gefunden, mit dem Ihr verhandeln könnt, edle Herren.”, sagte Gōlad, „Ihm gehört das Schiff dort drüben.” Der Aldoraner zeigte auf ein größeres Segelschiff, das nicht als zu weit von ihnen entfernt angetäut war. „Euer Freund hat mir gesagt, dass Ihr für Eure Reise ein Schiff braucht.”, sagte der Fremde mit einer rauen Stimme. Jakodos ließ sich die Überraschung nicht anmerken, dass der Unbekannte fast akzentfreies Aldoranisch sprach. „Eurer Kleidung nach zu urteilen müsst Ihr der Kapitän sein.”, meinte Simdu und musterte den Mann. Dieser bejahte sofort. „Wäret Ihr bereit, uns an Bord Eures Schiffes mitzunehmen?”, wollte Simdu wissen, „Wir werden gut bezahlen.” „Es kommt darauf an, wohin Ihr wollt.”, antwortete der Kapitän und zupfte dabei an seinen Bart. „Fahrt Ihr vielleicht nach Melīnos?”, fragte Pelto. Der Gefragte verneinte. Stattdessen zeigte er auf ein größeres Schiff, dass etwas weiter entfernt an mehreren Pollern angetäut war. „Die vorne ist die Smullit.”, sagte er, „So viel ich gehört habe, soll sie nach Melīnos fahren. Am besten fragt ihr Kapitän Maraši, ob ihr auf seinem Schiff mitfahren könnt. Er steht dort drüben.”

Nachdem die beiden Ulani und der Aldoraner dem Mann für seine Auskunft gedankt hatten, gingen sie direkt zu dem Kapitän der Smullit hin. Der Mann runzelte anfangs auf die Frage nach einer Passage für drei Männer die Stirn. Da seine Antwort nur zögerlich kam, rechneten Tabrun und Simdu bereits, dass Maraši ablehnen würde, doch dieser war einverstanden. Für einen guten Preis war er gern bereit die drei Männer mitsamt ihren Reittieren mitzunehmen. „Sobald die Smullit neu beladen ist, läuft sie aus.”, fügte der Kapitän mit ernster Miene hinzu, „Seid also pünktlich an Bord, denn ich werde auf niemanden warten.” „Wir werden rechtzeitig an Bord sein.”, antwortete Simdu, nachdem Pelto übersetzt hatte. Maraši sah den drei Männern nach, die inzwischen zu den Xendavas, die bei den Reittieren geblieben waren, zurückkehrten.

Als die drei vor ihnen stehen blieben, erhob Mandūri seine Stimme. „Anhand eurer Mienen sehe ich, dass die Stunde des Abschieds gekommen ist, edle Freunde.”, sagte Kelūru und sah die drei Männer an. Fragend sahen Simdu und Tabrun den Aldoraner an, der sofort übersetzte. „Ja, edler Herr der Xendavas.”, übersetzte Pelto Simdus Wort ins Oskonische, „Das Schiff wird schon neu beladen und sobald es beladen ist, legt es ab.” Kelūru warf einen kurzen Blick zur Smullit rüber. Als er sah, wie die Hafenarbeiter die letzten großen Kisten an Bord brachten, nickte er. „Wohlan.”, meinte er, „Dann wird es auch für euch Zeit, euer Gepäck an Bord zu bringen.” Die drei Xendavas stiegen von ihren Reittieren ab, während dessen Tabrun, Simdu und Pelto ihre Reittiere mitsamt ihrer Ausrüstung an Bord brachten, nachdem sie die Passage bezahlt hatten. Wenige Augenblicke später kehrten die beiden Ulani und der Aldoraner zu den wartenden Xendavas zurück. Einen kurzen Moment lang sahen sich die Männer an. „Wir müssen uns nun leider von unseren Waffenbrüdern Abschied nehmen, denn es wird nicht mehr lange dauern, bis die Smullit ausläuft.”, sagte Tabrun zu Simdu, der es sofort ins Aldoranische übersetzte, „Aber, wir wollen nicht gehen, bevor wir uns bei unseren neuen Freunden für ihre Gastfreundschaft und auch für eure Hilfe bei der Suche nach den Larunos bedankt zu haben. Mögen die Götter euch für alle Zeiten ihre schützenden Hände über euch halten und euch beschützen.” Nachdem Simdu mit seiner Übersetzung geendete, begann Pelto Tabruns Worte zu übersetzen. Schweigend und mit ausdruckslosen Mienen hörten die Xendavas zu. Nachdem der Aldoraner geendet hatte, nickte Mandūri. „Wir wünschen euch eine gute Heimreise.”, antwortete der Anführer der Xendavas und sah besonders Tabrun verständnisvoll an, als dieser fortfuhr, „Besonders Ihr, edler Tabrun Nandor, habt eine sehr schwere Last zu tragen, die Ihr mit in die Heimat mitnehmen werdet. Richtet Eurem Vater aus, dass das Volk der Xendavas mit ihm fühlt.” Währenddessen Pelto Kelūrus Worte übersetzte, trat der Anführer an sein Reittier und begann etwas aus eine der Satteltaschen herauszuholen. Wenig später trat er vor den beiden Ulani und den Aldoraner hin und reichte den drei Männern jeweils ein kleines Messer, die in Lederscheiden steckten. Die Griffe dieser Messer waren mit Schnitzereien reich verziert. „Nehmt diese Messer als Abschiedsgeschenke von uns.”, sagte er feierlich, nachdem er jeden einzelnen umarmte, „Stets sollen sie euch an das stolze Volk der Xendavas und an unsere Waffenbruderschaft erinnern. Die Klingen wurden von unseren besten Schmieden angefertigt und sind sehr scharf. Ich bin mir sicher, dass diese Messer für euch immer eine gute Hilfe sein werden, wenn ihr sie braucht.” Tabrun, Simdu und Pelto steckten die kleinen Abschiedspräsente von Mandūri ein und dankten. Die drei Xendavas sahen den beiden Ulani und dem Aldoraner nach, als sie an Bord gingen. Nachdem das Schiff abgelegt hatte, kehrten die drei Xendavas zu den anderen zurück.

Während der Schiffsfahrt zog sich Tabrun immer mehr in sich zurück. Er musste die ganze Zeit über an Mandrak denken, den er sehr vermisste. Sobald er allein war, fühlte er besonders stark den Verlust seines Bruders und die Trauer um ihn, drohte ihn nahezu zu erdrücken. Immer wieder weinte er um ihn. Besonders schlimm waren die Gewissensbisse, die Tabrun hatte, weil er immer noch das Gefühl hatte, Mandrak im Stich gelassen zu haben. Sowohl Simdu Jakodos als auch Pelto Gōlad versuchten immer wieder mit Tabrun zu reden. Obwohl es den beiden Männern nicht gelang, Tabrun davon zu überzeugen, dass er nichts falsch gemacht hatte, blieb das schlechte Gewissen.

„Niemals hätte ich ihn mitnehmen dürfen.”, sagte er eines Tages erneut zu den beiden, „Ich hätte damals hart durchgreifen müssen, um ihn davon abzuhalten, mit mir zu kommen. Aber er hatte so einen Dickschädel und er wäre mir so oder so gefolgt. Egal, was ich ihm auch gesagt hätte, er wäre mir gefolgt. Er war doch noch so jung. Viel zu jung um zu sterben.” „Aber er hat es für dich und für euren Vater getan.”, antwortete Jakodos mitfühlend, „Du solltest nicht nur um ihn trauern, sondern auch sehr stolz auf Mandrak sein. Er war zwar dein jüngster Bruder, aber er hatte nicht weniger Mut und Entschlossenheit als du an den Tag gelegt, als er dich auf diese Reise begleitete, um die Farm zu retten.” Ernst sah er den Schwarzhaarigen an, der seinen Blick mit niedergeschlagener Miene erwiderte. Dann seufzte Tabrun wieder. „Du hast ja so gesehen Recht.”, meinte der Schwarzhaarige, „Aber er hätte nicht sterben müssen.” Arankas Mann ließ laut die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Siehe es mal so.”, schlug der Blonde seinem ehemaligen Rivalen vor, „Wenn er nicht mitgekommen wäre, hätte ihm auch daheim etwas zustoßen können, was ihm das Leben gekostet hätte. Keiner von uns weiß, wann Zātul und alle anderen Götter einen von uns zu sich ins Najangu holen.”

„Und dann muss ich noch etwas mal in aller Deutlichkeit hinzufügen, Tabrun.”, fuhr Simdu aufrichtig mit Nachdruck in seiner Stimme fort, „Seit dem wir gemeinsam unterwegs sind, habe ich deinen Bruder kennen gelernt und dich noch viel besser. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich euch beide sehr zu schätzen gelernt. Vorher habe ich noch nie jemanden gekannt, der bereit war, alles auf sich zu nehmen, um das zu retten, was euer Vater mit seinen eigenen Händen im Laufe seines Lebens aufgebaut hat.” Simdu sah Tabrun sehr ernst an, als er noch etwas hinzufügte. „Inzwischen habe ich angefangen, Mandrak und dich als meine Freunde zu sehen.”, gestand der blonde Ulani, „Auch, wenn wir beiden unsere Differenzen hatten, hoffe ich, dass du mich auch als Freund siehst.” Tabrun blickte den Blonden mit nachdenklicher Miene an. „Auch ich muss dir mal etwas in aller Ehrlichkeit sagen.”, begann Gūrads ältester Sohn mit fester Stimme sah dabei seinen Landsmann an, „Mir geht es mittlerweile genauso. Auch ich habe angefangen, dich als einen Freund zu sehen.” Jakodos begann zu lächeln und reichte ihm die Hand. „Dann sind wir jetzt Freunde?”, fragte dieser. Tabrun schlug ein und wenig später umarmten sich die bei Ulani. „Ja, Simdu.”, erwiderte der Schwarzhaarige, „Wir sind Freunde. Genauso, wie sich Aranka es von uns beiden gewünscht hat.”

Während der restlichen Schiffsfahrt nach Melīnos unterhielten sich die drei Männer über ihre gemeinsamen Erlebnisse, die sie während ihrer gemeinsamen Reise gemacht hatten. Nach einer mehrwöchigen Reise legte die Smullit im Hafen der aldoranischen Hauptstadt Melīnos an. Nachdem die drei das Schiff verlassen hatten, wurde es auch Zeit, um Pelto für seine treuen Dienste zu bezahlen. Der Tegoš war etwas überrascht, als Simdu ihn wesentlich höher bezahlte, als sie ursprünglich mit einander vereinbart hatten.

„Was werdet Ihr nun machen, wenn Ihr wieder zu Hause seid?”, wollte Jakodos von dem Aldoraner wissen, der sich als ein treuer Freund und Helfer erwiesen hatte. Pelto begann zu grinsen, als er etwas aus einer sehr großen Satteltasche herausholte und es den beiden Ulani zeigte. Es waren mehrere Bücher, in den Pelto seine Erlebnisse, die er während dieser Reise gemacht hatte, niedergeschrieben hatte. „Wollt Ihr daraus ein Buch machen?”, fragte Simdu interessiert. „Ja, edler Herr.”, antwortete Pelto, „Ich habe schon an so vielen Reisen und Expeditionen teilgenommen und dabei meine ganzen Erlebnisse niedergeschrieben. Diese Bücher enthalten recht viele nützliche Informationen, von denen ich der Meinung bin, dass sie jeder erfahren soll, der daran Interesse hat.” „Das dürften demzufolge mehrere Bücher sein, oder?”, wollte Simdu wissen. Pelto bejahte grinsend. „Wobei ich sagen muss, dass die anderen schon längst in der Quelle des Wissens hier im Zentrum von Melīnos zu finden sind.” Jakodos pfiff anerkennend durch die Zähne. „Das hätte ich nicht gedacht.”, gestand er beeindruckt, „Sind sie auch schon in andere Sprachen übersetzt worden?” Pelto schüttelte bedauernd mit dem Kopf. „Ich verstehe.”, meinte der Blonde, als ihn eine Idee in den Sinn kam. „Außerdem habe ich auch noch das hier.”, fuhr der Aldoraner schmunzelnd fort und klopfte dabei mit der flachen Hand zufrieden auf eine der kleinen Säcke, die Saatgut enthielten, „Ich werde daheim versuchen, Lankos und Larunos anzubauen. Wenn ich irgendwann einmal nicht mehr dazu in der Lage sein sollte, an weiteren Expeditionen teilzunehmen. Dann habe ich wenigsten noch eine andere Möglichkeit, Geld zu verdienen.” Simdu begann zu grinsen. „Ich sehe, Ihr seid ein weiser und vorausschauender Mann, edler Tegoš.” Pelto machte eine tiefe Verbeugung vor seinen ehemaligen Arbeitsherren. „Ihr seid zu gütig, edler Herr.”, sagte er aufrichtig, „Auch Euch haben die Götter mit Weisheit gesegnet. Mögen sie auch weiterhin ihre schützenden Hände über Euch halten und Euch stets zur Seite stehen.” Zum Abschied gaben sie die drei Männer noch einmal aneinander die Hände. Tabrun und Simdu sahen dabei zu, wie der grauhaarige Aldoraner auf sein Kojn-Kojn stieg, seinem Reittier die Sporen gab und nach wenigen Augenblicken in eine der Seitenstraßen verschwand. Anschließend machten sich die beiden Ulani auf der Suche nach einen anderen Schiff, dass sie nach Merānos bringen sollte. Es verging ein halber Tag, bis sie die Nungwāna fanden, die mit der nächsten Flut bereits in die gewünschte Richtung auslaufen sollte.

Nach mehreren Wochen erreichte die Nungwāna die ulanische Metropole Merānos, wo Tabrun und Simdu gemeinsam von Bord gingen. Zusammen ritten die beiden Männer auf ihren Kojn-Kojns durch die Stadt, bis sie das Haus erreichten, in dem Simdu mit Aranka lebte. Der Blonde lud Tabrun ein, noch einige Tage bei ihm und seiner Frau in Merānos zu bleiben, damit der Schwarzhaarige sich noch etwas für den restlichen Teil der Heimreise ausruhen konnte. Dankbar nahm Tabrun das Angebot an.

Bevor die beiden Männer das Haus betraten, brachten sie zuerst ihre Kojn-Kojns im Stall unter, wo immer noch jene beiden Kuš-Kuš standen, auf denen Tabrun zusammen mit Mandrak nach Merānos geritten waren. Sofort überfiel Tabrun tiefe Trauer, als er die beiden Tiere sah. Simdu, der sofort die Miene des Schwarzhaarigen gesehen hatte, legte diesem tröstend seine Hand auf die Schulter. „Wenn du willst, werde ich dich in den nächsten Tagen nach Hause begleiten und dir beistehen, wenn du mit deiner Familie über Mandraks Tod sprichst.”, bot er Tabrun an. Gūrads ältester Sohn sah Arankas Mann an. „Ich danke dir für dein Angebot, aber du wirst höchstwahrscheinlich selbst genügend zu tun haben, nachdem du solange von zu Hause fort warst.”, antwortete Tabrun, als die beiden zusammen das Haus betraten, „Ich werde das schon irgendwie schaffen. Aber über einen Besuch von euch beiden bei mir zu Hause, würde ich mich sehr freuen.”

Aranka verließ sofort ihr Arbeitszimmer, als sie hörte, wie jemand das Haus betrat. Als sie Simdu erblickte, kam sie ihm freudestrahlend entgegen und die beiden umarmten sich zur Begrüßung. Erst nachdem sich die beiden wieder voneinander gelöst hatten, sah sie Tabrun. Sofort begrüßte Aranka Gūrads ältesten Sohn ebenfalls sehr herzlich. Doch nach wenigen Augenblicken hielt sie inne und sah dabei Simdu und Tabrun nacheinander stirnrunzelnd an. Ihr fiel auf, dass Mandrak nicht bei ihnen war. „Als du damals zu uns kamst, warst du doch nicht alleine hergekommen, Tabrun.”, meinte sie ernst, „Wo ist denn Mandrak, dein Bruder?” An den Blicken der beiden Männer erkannte sie sofort, dass etwas nicht stimmte und sie ahnte bereits, dass etwas sehr Entsetzliches auf der Reise vorgefallen sein musste. Während Tabrun seinen Blick von ihr abwandte und mit seinen Tränen zu kämpfen hatte, sah die junge Frau ihren Mann an. Simdu erkannte in ihrem Blick, was sie dachte.

„Mandrak ist tot.”, erklärte er mit belegter Stimme, während Tabrun in ein Taschentuch schnäuzte, „Im Brondus-Damrajd stürzte er während eines Kampfes mit einem Xulari in eine tiefe Schlucht, durch den ein breiter Fluss führte. Die Strömung riss ihn fort, bevor wir ihn da rausholen konnten.” „Das ist ja entsetzlich.”, sagte sie leise und trat auf Tabrun zu, den sie nur traurig ansah, „Oh Tabrun. Das tut mir so unsagbar Leid. Das muss grauenhaft für dich sein.” Während sie das sagte, nahm sie den Schwarzhaarigen in ihre Arme. Tabrun schluchzte mehrmals. Sofort drückte sie den Trauernden fester an sich. Nach wenigen Augenblicken ließ sie den Mann wieder los und sah ihn an. „Aber wenn du ohne Mandrak nach Hause kommst, will deine Familie doch bestimmt wissen, wo er ist und was mit ihm geschehen ist.”, meinte sie betroffen und sah die beiden Männer nacheinander fragend an, „Wie willst du das machen, Tabrun?” „Ich weiß es nicht.”, gestand er schniefend, „Aber ich werde mir unterwegs etwas einfallen lassen, damit ich das meinen Eltern beibringen kann. Der Weg nach Hause ist dafür noch lang genug.” „Ich habe Tabrun bereits angeboten, ihn nach Hause zu begleiten und bei ihm zu bleiben, bis er die Sache überstanden hat.”, fügte Simdu hinzu und legte dabei tröstend seine Hand auf Tabruns Schulter, „Aber er will unbedingt alleine nach Hause und das regeln.” Entsetzt sah Aranka Tabrun an. „Ist das wahr?”, wollte sie wissen und sah den Schwarzhaarigen sorgenvoll an, „Du willst das allen Ernstes allein durchstehen?” Tabrun nickte wortlos. „Aber ich finde, dass du erst mal für ein paar Tage hierbleibst und dich von der strapaziösen Reise erholst, bevor du nach Hause zurückkehrst.”, entschied Aranka mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete, „Solange du hier bist, kannst du dir noch mal das Angebot von Simdu durch den Kopf gehen lassen.” „Wir werden dich auf gar keinen Fall im Stich lassen.”, fügte sie mit sehr ernster Miene hinzu und sah dabei kurz ihren Mann an, der wortlos nickte.

Nach drei Tagen verließ Tabrun seine Freunde in Merānos folgte wochenlang dem Mullumšari. Die ganze Zeit über war es sehr sonnig und der Himmel war wolkenlos, aber bei weitem nicht so heiß, wie zu Beginn der Reise. Nach dem er das letzte Dorf hinter sich gelassen hatte, zog er mit seinen Tieren durch einen dichten Wald, durch den er auch zusammen mit Mandrak hergekommen war. In regelmäßigen Abständen machte er Rast, damit sich seine Reittiere ein wenig ausruhen konnten. An den Seen und kleinen Bächen, an denen er vorbeikam, tränkte er seine Tiere und ließ sie ausgiebig grasen, währenddessen er am Wasser angelte. Er war froh, dass die beiden Kuš-Kuš von Aranka während seiner und Mandraks Abwesenheit gut versorgt worden waren. Gleichzeitig machte ihn auch dieser Anblick traurig, weil ihn die Tiere daran erinnerten, dass er die Reise mit Mandrak zusammen begonnen hatte und nun alleine wieder nach Hause zurückkehren musste. Er war über den Verlust seines Bruders sehr niedergeschlagen und dieses Gefühl verstärkte sich noch erheblich, wenn er daran dachte, dass er seiner Familie den Tod Mandraks irgendwie erklären musste. Tabrun wusste, dass sein Vater ihn dafür verantwortlich machen würde, sobald er wusste, was mit Mandrak geschehen war. Mandrak war dein jüngster Bruder!, hörte er in sich bereits die zornige Stimme seines Vaters, Du warst für ihn verantwortlich und hättest ihn niemals auf deiner Reise mitnehmen dürfen! Angst stieg in Tabrun auf. Am Liebsten würde er gar nicht nach Hause kommen, aber er musste heimkehren. Tabrun wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Wahrheit ans Tageslicht kam. Währenddessen er seinem Zuhause immer näher kam, verstärkten sich diese Gefühle und auch seine Angst. Verzweifelt flehte Tabrun innerlich die Götter um Hilfe, als er das erste Feld erblickte, das bereits zum elterlichen Hof gehörte.

Nachdem er mit seinen Reittieren angehalten war, ließ er langsam seinen Blick durch die Gegend schweifen. Die beiden Kojn-Kojns scharrten jeweils mit ihren Vorderläufen auf dem trockenen Boden und gaben Laut von sich. Der Boden war von der Hitze rissig geworden und die Pflanzen auf den Feldern waren vollkommen ausgetrocknet. Kraftlos ließen sie ihre Blätter hängen. Obwohl die Hitze nicht mehr so groß war und der Himmel mittlerweile vollkommen bewölkt war, war in den letzten Wochen und Monaten kein Regen gefallen. Bei dem Anblick wurde Tabrun sofort klar, dass es dieses Jahr eine Missernte gab. Er konnte auch niemanden hören oder sehen. Die Stille war erdrückend. Tabrun gab einen tiefen Seufzer von sich und trieb seine vier Reittiere wieder an, um den letzten Teil seines Weges zurückzulegen. Gemächlich setzten sich die schwer beladenen Tiere wieder in Bewegung.

Talāna trat gerade aus dem großen Stall, als Tabrun mit seinen vier Reittieren auf dem Hof direkt vor einer Scheune anhielt. Laut schepperte der Metalleimer auf den harten Steinboden, als sie ihren ältesten Bruder erkannte, der inzwischen einen Vollbart trug. „Bei allen Göttern!”, rief sie voller Freude und rannte so schnell sie konnte zu Tabrun hin und umarmte ihn, „Tabrun ist wieder da!” Im nächsten Augenblick traten auch die anderen Familienmitglieder aus den umliegenden Gebäuden, die ihren Freudenschrei gehört hatten. Als Darūña ihren ältesten Sohn in ihre Arme schloss, begann sie vor Erleichterung zu weinen. Immer wieder küsste sie ihn, wie es auch Talāna bei Tabrun machte. Doch als Gūrad mit langsamen Schritten auf die Veranda trat und dabei die Tür ins Schloss fallen ließ, wurde es schlagartig still auf dem Hof und alle sahen erwartungsvoll das Familienoberhaupt an. Seine Miene blieb ausdruckslos, als er die Treppe herabstieg und mit langsamen Schritten auf Tabrun zukam. Dicht vor dem Schwarzhaarigen blieb er stehen und sah ihn eine Zeit lang wortlos an.

„Du und Mandrak.”, sagte er, ohne ein Gefühl der Freude über Tabruns Rückkehr zu zeigen, „Ihr wart lange fort.” Vorwurfsvoll sah er Tabrun an, der sofort schluckte. In dem Blick seines Vaters erkannte er großen Zorn. „Wo wart ihr denn die ganze Zeit über gewesen?”, donnerte Gūrads zornige Stimme über den Hof, „Und wo zum Mūruk steckt Mandrak?” Wütend starrte er seinen ältesten Sohn an. Tabrun sah, wie sein Vater vor Wut am ganzen Körper zitterte. Deutlich war es dem alten Farmer anzusehen, wie viel Mühe es ihm kostete, sich zu beherrschen. „Wir sind zusammen in den Brondus-Damrajd gereist und haben dort nach den Larunos gesucht und Saatgut mitgebracht.”, antwortete Tabrun und deutete mit einer Hand auf die schwer beladenen Tiere. Alle blickten kurz zu den Reittieren, mit denen Tabrun heimgekehrt war. Als Gūrad sich wieder zu dem Schwarzhaarigen umwandte, verfinsterte sich sein Blick weiter. „Das heißt, das ihr beiden nicht auf mich gehört habt und doch das machtet, was ich euch untersagt habe.”, erwiderte der Vater mit bebender Stimme, „Ich hatte doch gesagt, dass ihr euch alle etwas Besseres einfallen solltet, um unsere Farm vor dem Ruin zu bewahren. Von Abhauen war nicht die Rede. Geschweige denn, euch in Gefahr zu bringen.” „Vater, wir wollten doch nur…”, begann Tabrun, als ihm bereits der Alte das Wort abschnitt. „Ihr wart bei Nacht und Nebel einfach abgehauen!”, brüllte Gūrad wütend, „Nachdem wir festgestellt haben, dass ihr zwei verschwunden wart, haben wir die ganze Gegend nach euch abgesucht. Kannst du dir vorstellen, wie sehr wir uns Sorgen um euch beiden gemacht haben?” Während der Vater seinen ältesten Sohn weiterhin vorwurfsvoll ansah, holte er mit zitternder Hand einen kleinen Zettel aus seiner Brusttasche. Er reichte ihn Tabrun, der ihn sofort durchlas. Er stammte von Mandrak. Die Nachricht, die sein jüngster Bruder für die restliche Familie hinterlassen hatte, war eine Entschuldigung für ihr gemeinsames Handeln. Tabrun blickte von dem Zettel auf. „Mandrak hatte euch wissen lassen, was wir vorhatten?”, fragte er fassungslos, „Wann hat er das denn geschrieben?” „Woher sollen wir das denn wissen?”, donnerte die Stimme des Alten über den Hof, „Das muss er wohl gemacht haben, bevor ihr zusammen fortging! Zumindest wusste er ganz genau, dass ihr beiden ungehorsam wart!” Gūrad ließ ein weiteres Mal seinen Blick über den Hof schweifen. „Und jetzt frage ich dich noch einmal.”, sagte der Vater noch einmal, „Wo zum Mūruk steckt Mandrak?”

„Bei Zātul und allen anderen Göttern! Rede doch endlich!”, flehte seine Mutter, „Wo ist er? Ist ihm etwas passiert?” Tabrun sah jeden einzelnen nacheinander an, bevor er antwortete. „Bitte, Tabrun.”, sagte Talāna, die bereits etwas Entsetzliches ahnte, „Sag uns, dass es ihm gut geht.” Deutlich sahen alle dem Heimkehrer an, dass es ihn sehr schwer fiel, ihre Frage nach Mandrak zu beantworten. „Mandrak wird nie mehr nach Hause kommen.”, gestand der Schwarzhaarige und sah alle dabei sehr ernst an. „Was soll das heißen?”, fragte Gūrad aufgebracht, „Wo steckt er?” Tabrun holte tief Luft, dann sagte er ihnen die Wahrheit. „Mandrak ist tot.”, antwortete er niedergeschlagen. Fassungslos sahen sich alle einander an. „Sag das noch einmal.”, sagte der Vater mit einer gefährlich ruhigen Stimme. „Sag, dass das nicht wahr ist.”, bat Darūña, die es nicht glauben konnte, was sie aus dem Munde ihres Sohnes hörte. „Doch, Mutter.”, antwortete Tabrun mit zitternder Stimme, „Es ist wahr.” Sofort brach Darūña mit einem Weinkrampf zusammen. Auch Gūrad begann zu Weinen, nachdem sie an Tabruns Blick erkannten, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Weinend gingen sie gemeinsam ins Haus.

Tabrun blieb draußen und sah seiner Familie nach, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden waren. Er weinte ebenfalls. Einer der Knechte trat zu ihm. „Soll ich mich um die Tiere kümmern, Herr?”, fragte er. Tabrun nickte. Sofort griff er nach den Zügeln der Tiere und führte sie vor dem Eingang einer großen Scheune. Dort hielt er sie an und begann mit den anderen Knechten und Feldjungen zusammen, die Säcke mit dem Saatgut abzuladen. Nachdem sie den Reittieren das Zaumzeug abgenommen hatten, führten die Knechte sie auf die Weide, wo sie sofort zur Tränke gingen.

Tabrun hatte inzwischen die Veranda betreten und sich auf eine Bank gesetzt. Deutlich konnte er seine Mutter und auch seine Geschwister weinen hören. Er fühlte sich elend. Tränen liefen seine Wangen hinab und er musste immer wieder in sein Taschentuch schnäuzen. Sobald er die Augen schloss, sah er Mandrak vor sich.

Tabrun wusste nicht, wie lange er dort gesessen hatte, als die Tür aufging und jemand mit schweren Schritten nach draußen trat. Der Schwarzhaarige sah auf und erblickte seinen Vater, der direkt vor ihm stehen geblieben war. Der alte Farmer schien um Jahrzehnte gealtert zu sein. „Vater, es tut mir…”, begann er mit Tränen erstickter Stimme, doch der Alte machte nur eine Handbewegung, mit der er seinem Sohn zum Schweigen brachte. Seufzend setzte er sich zu Tabrun auf die Bank. In seinen Händen hielt er ein Taschentuch, mit dem er sich immer wieder Tränen aus den Augen wischte. Eine Zeitlang saßen beide nebeneinander ohne ein Wort zu sagen.

„Wie konntest du nur.”, sagte Gūrad tonlos und schüttelte verständnislos mit dem Kopf, „Mandrak war doch noch so jung. Du hättest ihn niemals mitnehmen dürfen. Du bist doch der älteste von euch. Du hättest das wissen müssen.” „Ich weiß, Vater.”, antwortete Tabrun niedergeschlagen und schnäuzte ein weiteres Mal in sein Taschentuch. „Er war unser jüngster Sohn.”, fuhr der Alte schniefend fort, „Mandrak hatte noch sein ganzes Leben vor sich gehabt.” „Ich wollte ja auch die Reise alleine machen, aber Mandrak hatte schneller rausgekriegt, was ich vorhatte und bevor ich mich versah, stand er in voller Montur vor mir.”, antwortete Tabrun mit Tränen erstickter Stimme, „Ich wollte ihn ja gar nicht mitnehmen. Aber Mandrak wollte partout mit. Er war doch so stur und wollte nicht auf mich hören, als ich sagte, dass ich ihn nicht mitnehmen wollte. Er wäre mir auf jeden Fall gefolgt. Was hätte ich denn tun sollen, Vater?” Fragend sah Tabrun den alten Farmer an, der seinen Blick aber nicht erwiderte.

„Erzähl mir, was Mandrak zugestoßen ist.”, bat der Alte nach einer Weile des Schweigens, „Erzähl mir alles, Tabrun. Wenn ich ihn schon nicht wiedersehen kann, möchte ich zumindest wissen, wie er starb.” Der Schwarzhaarige, der bei dieser Bitte seines Vaters erschrocken zusammenzuckte, schluckte mehrmals. Dann begann er dem alten Farmer detailliert zu berichten, was sich im Brondus-Damrajd zugetragen hatte. Nachdem er geendet hatte, sah er seinen Vater an. Tabrun wusste nicht, was in ihm vorging. Wortlos sah er zu, wie sein Vater aufstand und sein Taschentuch in die Hosentasche steckte.

„Geh schlafen, Tabrun.”, befahl Gūrad, bevor er ins Haus ging, „Morgen wird wieder ein harter Tag werden.” Tabrun sah ihm nach, bis die Tür ins Schloss fiel. Sein Vater hatte sich nicht einmal zu ihm ungedreht und angesehen. Der Schwarzhaarige wusste nicht, ob er ihm den Tod seines jüngsten Bruders jemals verzeihen könnte. Tabrun hatte in diesem Augenblick das Gefühl, nicht nur Mandrak verloren zu haben, sondern auch seinen Vater. Ihm fröstelte bei diesen Gedanken. Mit dem Gefühl von sehr schwerer Schuld und tiefster Trauer ging er ebenfalls ins Haus.

Die folgenden Wochen waren für alle in der Familie sehr schwer. Es verging nicht ein Tag, an dem Tabrun und alle anderen nicht an Mandrak dachten, den sie schmerzlichst vermissten. Seit jenem Abend auf der Veranda sprach sein Vater kein einziges Wort mehr mit Tabrun, was ihn sehr belastete. Immer wieder suchte er verzweifelt das Gespräch mit dem alten Farmer, doch er sah ihn nur schweigend und vorwurfsvoll an. Auch seine Mutter hatte sich sehr von Tabrun zurückgezogen, was ihm ebenfalls sehr wehtat. Darūña sprach zwar mit Tabrun, aber es fehlte jegliche Wärme in ihren Worten. Nur Talāna sprach mit ihm, was ihm gut tat. Trotzdem begann er sich selbst fremd in der Familie zu fühlen.

Eines Tages versuchte Tabrun erneut mit seinem Vater zu reden, doch dieser ignorierte ihn kalt. Ohne auf ihn achten, fütterte er die Tiere weiter. „Vater!”, brüllte er verzweifelt den alten Farmer an und hielt ihn mit seinen kräftigen Händen an seinen Oberarmen fest, „Du kannst mich doch nicht den Rest deines Lebens einfach links liegen lassen.” Gūrad sah ihn nur abweisend an. „Vater, bitte!”, flehte er, „Sprich mit mir!” „Lass mich los!”, zischte der Alte durch seine zusammengebissenen Zähne, „Lass mich gefälligst los! Du hast schon genug Schaden angerichtet!” Erschrocken ließ Tabrun seinen Vater los. Grenzenlose Wut kroch in ihm hoch. Aufgebracht sahen sich Vater und Sohn einander an. „Okay, du bist wütend auf mich, weil du mich für Mandraks Tod verantwortlich machst.”, sagte Tabrun zornig, „Das verstehe ich gut. Das ist dein gutes Recht. Aber glaubst du allen Ernstes, dass es für mich leichter ist, Vater?” Gūrad sah seinen ältesten Sohn immer noch wortlos und abweisend an, während dieser fortfuhr. „Für mich ist das auch nicht einfach, denn ich musste sogar hilflos mitansehen, wie er mit dieser verfluchten Bestie von einem Xulari zusammen in diesen verdammten Abgrund stürzte!”, schrie er seinen Vater an, „Verstehst du das? Ich habe ihn sterben gesehen und konnte ihm nicht helfen! Jede Nacht sehe ich diese Szene vor mir. Jeden Tag und jede Nacht höre ich seinen angsterfüllten Todesschrei, den er ausstieß, als er in die Tiefe stürzte!” Mit seinen Fäusten begann er auf seinen Vater einzuschlagen, der sich nicht wehrte und stattdessen seinen Sohn nur stumm ansah. Dann brach Tabrun vor den Augen seines Vaters zusammen und weinte hemmungslos. „Ich wünschte mir, ich könnte das Ganze rückgängig machen, aber ich kann es nicht.”, schluchzte er verzweifelt, „Ich würde mein Leben für Mandrak geben, nur um meinem Bruder zurückzuholen.” Weder Gūrad noch Tabrun merkten, wie einer der Knechte eine Magd wegen des Streits nach Darūña schickte. Nur wenige Augenblicke später kam sie zusammen mit Tabruns restlichen Geschwistern herbeigeeilt. Am Eingang der Scheune blieben sie stehen und waren entsetzt, als sie sahen, das Tabrun weinend am Boden lag. Sein Vater kniete neben ihm. Die Heugabel lag neben ihnen auf dem Steinboden der Scheune.

„Bei Zātul! Was habe ich getan?”, sagte er zutiefst erschrocken über sich selbst und streckte erschüttert seine Hand nach Tabruns Schopf aus, „Das habe ich nicht gewollt.” Als seine leicht zitternden Finger Tabrun berührten, weinte er ebenfalls. Ohne ein Wort zusagen, nahm er seinen Sohn in die Arme und drückte ihn so fest er nur konnte an sich. „Verzeih mir, mein Sohn.”, sagte er mit Tränen erstickter Stimme, „Ich war ungerecht zu dir. Ich habe dich für etwas verantwortlich gemacht, wofür du nichts konntest. In meiner Wut und Trauer war ich viel zu blind gewesen, um zu merken, wie sehr du selbst unter Mandraks Tod leidest. Verzeih mir, Tabrun, verzeih mir.” „Ich wollte doch nicht, das Mandrak etwas passiert.”, schluchzte der Schwarzhaarige, „Ich wollte doch nicht, das er stirbt.” Gūrad drückte ihn noch fester an sich. „Ich weiß, Tabrun, ich weiß.”, antwortete der Vater und streichelte seinem Sohn liebevoll über das dunkle Haar, „Du hättest lieber dich geopfert als Mandrak, wenn du das gekonnt hättest. Bei Zātul und allen anderen Göttern! Wie konntest du nur die ganze Zeit über diese schwere Schuld ertragen?” Langsam waren Darūña und der Rest der Familie nähergetreten. Wenig später lagen sich alle Familienmitglieder weinend in den Armen.

Nachdem sich alle wieder etwas beruhigt hatten, verließen sie die große Scheune. Als Talāna sich mit einem Taschentuch die Nase schnäuzte, sah sie in die Richtung der Hofseinfahrt, wo sie mehrere Reiter erblickte, die sich dem Hof näherten. Sofort machte sie alle anderen darauf aufmerksam und die gesamte Familie beobachtete, wie die Gestalten auf ihren Kojn-Kojns rasch näher kamen. Wenig später hielten die beiden Reiter an und stiegen von ihren Tieren ab. Beide trugen weite Umhänge mit Kapuzen, die ihre Gesichter verdeckten. Direkt vor Gūrad und seiner Familie blieben sie stehen und nahmen ihre Kapuzen ab. Die gesamte Familie schnappte überrascht nach Luft, als sie den Mann erkannten, der vor ihnen stand. Es war Mandrak. Die Frau, die bei ihm war, kannten sie selbst nicht. Nur Tabrun erkannte sie. Es war Dilāra, die Tochter von Temka Dajhān und Kelūru Mandūri, dem Anführer der Xendavas.

„Na, was ist dann denn für eine Begrüßung, wenn man von Toten wieder zurückkommt?”, sagte Mandrak über die überraschten Gesichtern seiner Familie amüsiert, „Ich dachte, wenn ich schon nach Hause komme, gibt es mindestens eine Riesenüberraschungsfeier.” Der erste, der sich von der Familie löste und auf den Hellbraunhaarigen losstürmte, war Tabrun. „Bei allen Göttern! Mandrak, du lebst!”, rief er freudestrahlend, „Das ist nicht zu glauben. Ich dachte, du seist tot!” Mandrak grinste breit. „Tot?”, meinte dieser belustigt, „Das hättest ihr wohl gerne. Aber nicht mit mir. Mich müsst ihr noch eine verdammt lange Zeit ertragen.” Dann nahm Mandrak Dilāras Hand und sah seine Eltern und Geschwister an. Sein Grinsen wurde noch breiter, als er fortfuhr. „Wie ihr alle seht, bin ich nicht allein hergekommen.”, sagte er und zog dabei die Braunhaarige an sich, die ihn sofort zärtlich umarmte, „Das ist Dilāra, meine Frau. Sie ist die Tochter von Temka Dajhān und Kelūru Mandūri. Ihr Vater ist der Anführer der Xendavas.”

Gūrad trat langsam auf seinen jüngsten Sohn zu, sah ihn erst wortlos an und nahm ihn sofort in seine Arme. Der alte Farmer weinte. Auch Darūña schloss Mandrak in ihre Arme und weinte ebenfalls. Nachdem die Familie auch Dilāra begrüßt hatten, gingen sie zusammen ins Haus, während dessen die Knechte die Kojn-Kojns in einen großen Stall brachten und sie mit Futter und Wasser versorgten.

An diesem Abend mussten Tabrun und Mandrak der gesamten Familie sehr detailliert von ihren Abenteuern, die sie zusammen auf ihrer Reise erlebt hatten, berichten. Alle hörten aufmerksam zu. Besonders überrascht musste Tabrun feststellen, wie gut Mandrak bereits Xendavu sprach und Dilāra im Gegenzug schon Ulanisch gelernt hatte.

„Und tobt der Bürgerkrieg immer noch im Oskonischen Kaiserreich?”, wollte Tabrun am späten Abend von seinem Bruder wissen. „Nein, der ist mittlerweile vorbei.”, antwortete Mandrak mit ernster Miene, „Aber das Oskonische Kaiserreich gibt es jetzt nicht mehr. Es wurde in zwei Staaten aufgeteilt. Jetzt gibt es ein Nordoskonisches und ein Südoskonisches Königreich. Im Norden regiert jetzt König Paludīn und im Süden wurde Prinz Gēzul zum König gekrönt.”

„Und welche Folgen hat das für die Xendavas?”, erkundigte sich Tabrun. Mandrak warf seiner Frau einen kurzen Blick zu, bevor er antwortete. „Sie und die Kanda sind zusammen die wahren Verlierer des Krieges, denn sie mussten alle das Gebiet des ehemaligen Kaiserreiches verlassen, denn sowohl König Paludīn als auch König Gēzul haben die Verträge für null und nichtig erklärt. Die Xendavas haben Asyl im Aldoranischen Imperium erhalten. Wo die Kanda hingegangen sind, weiß niemand so genau.”

Eine Zeitlang saß die gesamte Familie nachdenklich schweigend im Wohnzimmer, bis Gūrad das Wort ergriff. „Wenn ich mir das Ganze jetzt noch mal so durch den Kopf gehen lasse, habt ihr beiden gegen gefährliche Wildtiere gekämpft, eine Wüste durchquert und auch einen Bürgerkrieg überlebt.”, sagte der alte Farmer fast ehrfürchtig, „Und das habt ihr nur deshalb auf euch genommen, um unsere Farm zu retten.” Tabrun und Mandrak bejahten unisono. Gūrad erhob sich aus seinen Sessel und winkte die beiden Söhne zu sich. Tabrun und Mandrak standen ebenfalls auf und traten vor ihren Vater hin, der sie sofort in seine Arme nahm. „Ihr beide habt einen alten Mann sehr glücklich gemacht, indem ihr zusammen für unsere Farm diese ganzen Strapazen auf euch genommen habt und das geschafft habt, was ich selbst nicht für möglich hielt. Ihr habt sogar Saatgut mitgebracht.”, gestand er und drückte beiden fest an sich, „Ich bin sehr stolz auf euch.”

E N D E

von Andreas Rößler, 2006 - 2008

 

Abschließende Hinweise:

keine

Anmerkungen und Übersetzungen zu "Tabrun Nandor - Im Reich der Xulari"

von aroessler2003
Hinweise des Autors:

In diesem Kapitel werden die Sätze und Begriffe aus der Antologie "Tabrun Nandor - Im Reich der Xulari" erklärt.

ANMERKUNGEN

Die Ausprache des Belluranischen

 

Āā = Langes A wie in NASE

Ãã = Nasales A wie im frz. CHANCE

Cc = Wie Z in ZANGE

Čč = Wie TSCH in MATSCH

Chch = Wie CH in ICH.

Þþ = Wie engl. TH in THING

Ðð = Wie engl. TH in FATHER

Ēē = Langes E wie in SEE

Ėė = Kurzes unbetontes E wie in GABE

Hh = Wie H in HUT

Ĥĥ = Wie CH in BACH

Īī = Langes I wie in IGEL

Ĩĩ = Nasales I wie in portug. CINCO

İı = Wie I in TISCH

Jj = Wie J in JAGD

Ĵĵ = Wie DSCH in DSCHUNGEL

Ññ = Wie NJ wie in ANJA, wenn ein Vokal oder Umlaut folgt

Ññ = Sonst nasales N wie in dt. BANK

Ōō = Langes O wie in Ofen

Õõ = Nasales O wie in frz. MONDE

Qq = Tiefes gutturales K wie im arab. Al QAHIRA

Rr = Gerolltes Zungenspitzen-R wie im Russischen oder Italienischen

Řř = Gerolltes R + stimmhaftes/stimmloses SCH wie im tschech. DVOŘAK

Ss = Stimmloses S wie in ESSEN

Šš = SCH in SCHULE

Ūū = Langes U wie in UNION

Ũũ = Nasales U

Vv = Wie W in WASSER

Ww = Wie engl. W in WHY

Xx = Wie X in HEXE

zZ = Stimmhaftes S wie in ROSE

Žž = Wie J in frz. JOURNAL

Die Diphthonge im Belluranischen:

aj = Wie AI in MAI

ej = Wie engl. A in SAFE

oj = Wie OI in AHOI

öj = Wie türk. ÖY in KÖY

uj = Wie UI in PFUI

üj = Wie frz. UY in LE PUY

au = Wie AU in HAUS

ou = Wie engl. O in JONES

uo = Wie U + offenes O

 

Vokabular - Belluranisch

 

Belluranische geografische Eigennamen:

 

Merānos = Belluranische Hauptstadt

Kjöšmālu = Nördliche Halbinsel des Kontinentes Ulānia auf Bellurānia Prime

Hamrajd = schneebedeckte Bergregion, schneebedeckte Bergkette

Hamrud = Höchster Berg auf Bellurānia Prime

Golod = Berg, der aus dem Wasser des Ozeans ragt

Gonrajd = Inselkette

Gumra = aktiver Vulkan

Gumrajd = Bergkette, fast nur aus aktiven Vulkanen bestehend

Damra = erloschener Vulkan

Damrajd = Bergkette, fast nur aus erloschenen Vulkanen bestehend

Mandušolva = Mandadorf, Dorf der Manda

-šari = -fluss

-šolva = -dorf

-zaruš = besiedeltes bzw. bewohntes Land, besiedelte bzw. bewohnte Heimat

-nos = -feld

-dos = -stadt, in der mehr als eine Millionen Leute leben

-do = -stadt, in der weniger als eine Millionen Leute leben

 

Belluranische Völker:

 

Manda = ausgestorbener Dialekt, aus dem sich das moderne Belluranisch

entwickelte; ursprünglicher Name der Belluraner

Kando = humanoide intelligente Lebensform, die sich aus den Ustāri

entwickelte; haben ein dichtes Fell. Werden bis zu 2 Meter groß,

haben ein enorm kräftiges Gebiss mit sehr großen Reißzähnen

(ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die Farbe ihres Blutes ist türkis;

Xendavu = humanoide intelligente Lebensform, die sich aus den Ustāri

entwickelte; haben ein dichtes Fell. Werden bis zu 2 Meter groß,

haben ein enorm kräftiges Gebiss mit sehr großen Reißzähnen

(ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die Farbe ihres Blutes ist türkis;

sehr friedliebend und leben sehr zurückgezogen

Ustāri = Erste humanoide intelligente Lebensform, haben ein dichtes Fell;

werden bis zu 3 Meter groß, haben ein enorm kräftiges Gebiss mit

sehr großen Reißzähnen (ähnelt dem Gebiss eines Wolfes); Die

Farbe ihres Blutes ist blau; sehr friedliebend und leben sehr

zurückgezogen

 

Belluranische Tiere:

 

Kuš-Kuš = Reit- und Lastentier, hat Hörner, ähnelt dem Rind auf der Erde

Wūlunžidi = eine Art Schlachttier wie das Schwein (Bezeichnung wird auch als

Schimpfwort verwendet)

Kojn-Kojn = Reit- und Lastentier (Mischung aus einem Pegasus und einem

Einhorn)

Mivuku = hundeartiges Raubtier (kann seine Krallen ein- und ausfahren, guter

Kletterer)

Lūmus = Geflügeltes wolfsartiges Raubtier; die Mivukus sind die nächsten

Verwandten der Lūmus; treten sowohl in Rudeln als auch als

Einzelgänger auf; sind sehr aggressiv und deshalb sehr gefährlich;

Muvango = marder-katzenartiges Raubtier (haben ein scharfes Gebiss und

scharfe Krallen, können bis zu 1 Meter Schulterhöhe erreichen)

Bontos = Fische, deren Schuppen in verschiedenen Farben fluoreszieren

(ähnlich wie bei den Roten Neon auf der Erde)

Kundos = Belluranisches Nagetier (terranischen Hasen oder Kaninchen ähnlich,

werden oft als Haustiere gehalten, sehr wachsam)

Mulano = Trompeterich (Art belluranisches Mammut, Herdentier, Ohrengröße

entspricht die des afrikanischen Elefanten)

Kaluno = Mehrhorn (Herdentier, sieht aus wie ein Triceratops mit zusätzlichen

Hörnern am Rande des Nackenpanzers)

Xulari = Raubechsen (ähneln den Veloceraptoren auf der Erde, können bis zu

2 Meter groß werden)

Ko’ano = Art belluranische Riesenschildkröte mit einen langen Hals und einen

relativ langen Steert, lebt nur im Meer

Levellus = katzenartiges Raubtier

Lesellus = bärenartiges Raubtier

Tahuk = Pilzähnliches Wesen mit telepathischen Fähigkeiten, wenn man

dieses Wesen berührt; wird gern zur Wahrheitsfindung und bei

medizinischen Diagnosen verwendet; kann bis zu einen duk (Meter)

groß werden

Pemkos = Flammen- bzw. Feuerechsen; 1 – 1,5 duk (Meter) lang; nachtaktiv,

Fleischfresser, leben von Kleintieren, schuppenartige Haut, die

rötlichgelb bis orange gefärbt ist

Mungāwa = Flugfähiges Raubtier; Der Kopf ähnelt dem eines irdischen Wolfes, Die Reißzähne sind sehr lang und alle Zähne sind sehr spitz und rasierklingenscharf; an den Füßen hat es einziehbare Krallen, die ebenfalls sehr scharf sind, erreicht eine Schulterhöhe von anderthalb Metern; das Fell ist sehr dicht und weich, wobei die Farben schwarz, weiß, braun, grau, beige und auch fuchsrot sein, auch gestreift, gescheckt und punktiert bzw auch gefleckt möglich, die Flügel sind mit zahlreichen Federn ausgestattet, Augenfarbe variiert vom hellem grün über gelb bis tiefrot, äußerst aggressiv und sehr gefährlich; kann Feuer speien

Lumāta = Farbenprächtige Blume mit sehr großen Blütenblättern, die einen

süßlichen Geruch absondert; für die Belluranerinnen ist sie das

Sinnbild der Liebe und hat auf Grund dessen denselben Stellenwert

wie die rote Rose auf Erde

Lumāga = Vogelart, ähnlich dem Fasan auf der Erde, hat ein farbenprächtiges

Gefieder

Palunos = Belluranische Frucht, deren Geschmack an der Farbe der Frucht zu

erkennen ist, enthält viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente

Latunos = Belluranische Papageienart, die Sprachen und Geräusche original

nachmachen kann, hat ebenfalls ein farbenprächtiges Gefieder,

anderthalb mal so groß wie eine irdische Gans

 

Belluranische Speisen + Getränke:

 

Ktiša = Art extrem starker Kaffee

Karau = teeähnliches Getränk, das sowohl heiß als auch kalt getrunken wird,

hat einen sehr hohen Sättigungsgehalt

Vukuva = Frucht, ähnelt dem terranischen Apfel, hat eher den Geschmack

zwischen Birne, Apfel und Banane

Bavuš = Belluranisches Gericht aus gebratenen Hackfleisch, verschiedenen

Gemüse mit einer süßsauren Soße

Šubaši = Belluranische Delikatesse mit verschiedene Gemüsesorten und

Hackfleisch gefüllte Teigtaschen

Bukuni = Belluranischer Pilz, der einen irdischen und einen unterirdischen

Fruchtkörper, wie die Kartoffel, hat; oberer Fruchtkörper wird hauptsächlich als Gemüsebeilage und der unterirdische Fruchtkörper eher als Kartoffelersatz verwendet

Tbuki = Art würziges Vollkornbrot, wird häufig zum Ktiša und Karau gegessen

Talukzatu = Wurzelart, die leicht salzig schmeckt, gilt als Delikatesse, enthält viele

Vitamine und Spurenelemente

Larunos = Frucht, ähnelt der terranischen Wassermelone, hat eher den

Geschmack zwischen Erdbeeren und Himbeeren, die Blätter des

Baumes haben Waldmeistergeschmack, solange die Blätter noch

hellblau bis türkis gefärbt sind, Der Baum speichert Wasser in seinem

Stamm

Larünkos = Ist mit dem Larunos eng verwandt; kann ebenfalls viel Wasser in

seinem Stamm speichern; Frucht, ähnelt dem terranischen

Zitrusfrüchten, hat aber mehr den Geschmack der terranischen

Banane

Tekkos = Belluranische Frucht, die dem terranischen Apfel ähnelt; der

Geschmack liegt zwischen Birne und Banane; sehr vitaminreich

Lankos = Belluranische Frucht, ähnelt dem terranischen Apfel; der Geschmack

liegt zwischen Erdbeere und Himbeere; ebenfalls reich an Vitaminen

Nojsa = Belluranische Nuss, ähnelt der terranischen Kastanie; der

Geschmack liegt zwischen dem der Erd- und Haselnuss; je dunkler

der braune Farbton ist, desto süßer schmeckt sie. Gut geeignet mit

anderen Obst und Gemüsesorten zusammen zu lagern, da sie das

Verschimmeln des Obstes und Gemüses stark verlangsamt; Wird

häufig auch als Gewürz verwendet;

 

Waffentechnik und Kampfkunst

 

Būras = das 2. Gehirn im belluranischen Körper, primär für die

mentalen Aufgaben zuständig

Hamdo-Tujzada = von König Tūluk Marānus entwickelte waffenlose belluranische

Kampfsportart, muss jeder Belluraner bereits in der Schule

lernen, durch das Training dieser Sportart werden sowohl die

Muskulatur, die Kondition als auch die mentale Disziplin

ausgebildet

Bamate! = Belluranischer Kampfruf (aus dem Manda †)

Bumate! = Belluranischer Kampfruf (aus dem Xendavu †)

Gubung = Multifunktionaler Kampfstock mit verschiedenen ausfahrbaren

Klingen

Dalus = Schlagkette aus Metall, die am Handgelenkt befestigt wird

Bumato = Belluranische Schlagwaffe (ähnlich wie das Tschakko von der

Erde)

 

Belluranische Religion:

 

Köšmālak = Heilige Schrift Bellurānias, Mischung zwischen Geschichtsbuch und

einer Art Bibel; selbst das Leben eines Belluraners reicht nicht aus,

um den gesamten Köšmālak durchzulesen

Kjušmālak = Chronik, Heilige Schrift Bellurānias, Mischung zwischen

Geschichtsbuch und einer Art Bibel; selbst das Leben eines

Belluraners reicht nicht aus, um den gesamten Kjušmālak

durchzulesen

Nūnuk = Seher

Mūruk = Schöpfer des Glandāku und Herrscher des Bösen, entspricht auf der

Erde dem Teufel

Glandāku = Schlimmer Ort, wo alle verstorbenen Belluraner hinkommen, die sich

zu Lebzeiten der Karāmu schuldig gemacht haben; belluranisches

Äquivalent für die biblische Hölle

Karāmu = Sünde

Kunžuk = Schande

Slokk = Ehrloser, Unehrenhafter ( schlimmes Schimpfwort aus der Heiligen

Schrift Bellurānias)

Najangu = Schöner Ort, wo alle verstorbenen Belluraner hinkommen, die sich

nicht zu Lebzeiten der Karāmu schuldig gemacht haben;

belluranisches Äquivalent für das Paradies

Zātul = Oberster belluranischer Gott, Schöpfer des Najangu

Falāna = Zātuls Gemahlin, Göttin der Weisheit

Fazira = Göttin der Liebe und des Glückes

Farul = Gott des Feuers und der Schmiedekunst

Fazul = Gott der Rache

Fazilāna = Göttin der Jagd, des Mutes und der Tapferkeit

 

Berufe:

 

Taguš = Fremdenführer

Tegoš = Scout, Fährtensucher

 

Belluranische Gewichts- und Maßeinheiten:

 

Duk = entspricht einen terranischen Meter

Abschließende Hinweise:

keine

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