Das #Jobcenter #Wuppertal möchte gerne nicht behindertenfeindlich sein, schafft es aber nicht – Ein Gesprächsversuch

Auf Twitter wurde ich gewarnt, das Gesprächsangebot anzunehmen. Und jemand, der vielleicht nicht so gut darin ist, Einschüchterungen einzustecken, hätte auch gut daran getan, es abzulehnen. Aber ich? 🙂

Am 15.03. bekam ich einen Anruf, der mich doch sehr erstaunt hat. Herr Jörg Potzenhardt, Leiter der Geschäftsstelle 3 des Jobcenter Wuppertal, wo auch Frau K.K. arbeitet, bat mich um ein persönliches Gespräch. Mein erster Impuls war, es sofort und bedingungslos abzulehnen. Was sollte da auch schon bei rumkommen? Aber dann dachte ich, ich will nicht Derjenige sein, der eine ausgestreckte Hand abschlägt. Andererseits war mir auch klar, dass hinter dem Rücken noch eine Hand mit einem Dolch ist, und da sollte ich Recht behalten.

Herr Potzenhardt wollte mich gerne zu Hause besuchen, was ich sofort ablehnte. Stattdessen bin ich am Freitag, den 16.03. um 09:00 Uhr in die Geschäftsstelle gegangen.

Viel gibt es zu dem Gespräch eigentlich nicht zu sagen. Es war zu weilen hitzig, aber dennoch immer auf einem freundlichen Level. Dennoch, es gibt da so einige Punkte, auf die ich doch mal eingehen möchte.

Herr Potzenhardt hat immer wieder versucht, die Worte so umzubiegen, dass die Beleidigungen durch Frau K.K. nicht als Beleidigungen zu sehen seien. Der Höhepunkt war, als ich sagte, ich würde mich aber beleidigt fühlen, wo Herr Potzenhardt mich unterbrach und sagte: Nun, Sie fühlen sich beleidigt, dass heißt nicht, dass Frau K.K. Sie auch beleidigt hat.

Hm, für einen Moment war ich doch etwas schockiert. Herr Potzenhardt hat also folgende Rechtsauffassung: Wenn er mit seinem Auto jemanden auf der Straße überfährt, so darf er dafür nicht bestraft werden. Er hat sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten, er hat sein Auto korrekt bedient, und das Überfahren war ja nicht willentlich und absichtlich passiert. Ist jetzt halt so…

Seine Argumentation war in der Tat, Frau K.K. hatte nicht die Absicht, mich zu beleidigen, also gibt es auch keinen Grund für eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Sorry, aber das ist derart schräg, dass mir dazu echt nix mehr einfällt.

Zu der Sache mit dem Aufenthaltstitel hat Herr Potzenhardt lang und breit erläutert, wie viele Akten man habe und dass man da schon mal den Überblick verlieren kann. Das habe nichts mit Absicht zu tun, auch wenn der Name, und hier zählt er dann mehrere türkische Nachnamen auf, Günay ist. Bei allem nötigen Respekt, mich interessiert nicht, wie groß die Heuhaufen sind, in denen sich die Nadeln verstecken. Mich interessiert auch das Management des Heuhaufens nicht. Ich kann aber erwarten, dass man sich ein Konzept erarbeitet, um mit den angesammelten Akten umzugehen. Nun hat die Behörde schon seit einiger Zeit eine elektronische Aktenführung. Und selbst diese scheinen sie nicht unter Kontrolle zu haben. Das darf doch aber jetzt keine Rechtfertigung für Fehler sein? Mir würde man so einen Fehler niemals durchgehen lassen.

Herr Potzenhardt versicherte auch immer wieder, die Behörde und auch er seien definitiv nicht behindertenfeindlich. An einem Punkt fragte er mich auch, ob ich ihn denn jetzt als behindertenfeindlich wahrnehme. Lasst mich hierzu eines einmal ganz konkret sagen:

Es gibt eine Konstante, die noch niemals, never ever, durchbrochen wurde. Je mehr jemand etwas behauptet zu sein, desto sicherer kannst du dir sein, dass er es nicht ist! Jemand, der mit Behinderten klar kommt, macht keine Worte darum, er kommt klar. Er behandelt Behinderte respektvoll und nimmt sie ernst, ohne Worte darüber zu verlieren. So Jemand verhält sich instinktiv richtig, oder handelt aus Überzeugung bewusst richtig. So Jemand sucht nicht händeringend nach Bestätigung. Jemand hingegen, der 5 mal sagen muss, und ein mal nachfragen muss, dass er behindertenfreundlich ist, muss permanent gegen seinen Instinkt, abzulehnen, ankämpfen. Es ist wie mit einer Lüge: Um sie konsistent zu halten, muss viel mehr Energie und Aufmerksamkeit aufgebracht werden, als einfach locker bei der Wahrheit zu bleiben. Dieses hündisch um Bestätigung betteln war, entschuldigt bitte, wenn ich so offen bin, widerlich! Kurz gesagt, Herr Potzenhardt wäre wahrscheinlich gerne behindertenfreundlich, in seinem innersten jedoch bringt er es nicht fertig.

Auf meine Frage, warum Frau K.K. von einer Pflegebedürftigkeit meiner Person ausging, bekam ich eine Antwort, die mich auch etwas fassungslos zurückließ. Man würde dem Jobcenter ja nicht alles sagen, da müsse man doch nachfragen. Er hat so geschickt formuliert, dass man ihm keine Unterstellung vorwerfen kann, aber Herr Potzenhardt, die Message ist angekommen! Hartzis lügen alle!

Zum Schluss wollte er mich noch zu Hause besuchen, um sich einen Eindruck über meinen Platzbedarf zu machen. Es ging hier ja auch um die Mietsenkungsmaßnahme. Um meinem Impuls nicht sofort nachgeben zu müssen, habe ich ihm zugesagt, meine Entscheidung darüber später mitzuteilen. Und hier ist sie dann auch:

Herr Potzenhardt, der Streichelzoo hat geschlossen! Wenn Sie einen Blinden in seinem natürlichen Habitat besichtigen wollen, müssen Sie sich schon ein anderes Exemplar aussuchen!

Wie ich ja schon sagte, ich bin kaum einzuschüchtern. Ich bin auch kaum zu überrumpeln. Und so verging knapp eine Stunde, in der wir eigentlich nur gegenseitig unsere Verteidigungslinien abgetastet haben. Was genau sich Herr Potzenhardt von dem Gespräch versprochen hat, kann ich nur spekulieren. Was passiert ist, ist hingegen etwas völlig anderes: Dadurch, dass er sich derart hinter seine Angestellten stellt, bezieht er Position! Durch die Verteidigung der Beleidigungen und Demütigungen durch Frau K.K. stellt er sich auf die gleiche Stufe. Im Grunde, und wenn er schlau ist, und das setze ich jetzt mal voraus, weiß er, dass er seine Position um einiges geschwächt hat. Nun, löblich als Chef, aber insgesamt unklug.

Kurz gesagt, Zeitverschwendung. Wenigstens hat er mir „Halt die Fresse“ ins Gesicht gesagt, nicht wie Herr Thomas Lenz per Brief. Das muss man ihm schon anrechnen!

Ich sehe jedenfalls keine Veranlassung, meinen Kurs auch nur um einen Nanometer zu ändern. Öffentlichkeitsarbeit, Politik, das ganze Programm. Es wird weitergehen!

To no man shall I kneel!

7 Gedanken zu „Das #Jobcenter #Wuppertal möchte gerne nicht behindertenfeindlich sein, schafft es aber nicht – Ein Gesprächsversuch“

  1. „Herr Potzenhardt, die Message ist angekommen! Hartzis lügen alle!“ – Ja, das ist auch meiner Erfahrung nach die Grundhaltung in den ARGEn. Dabei ist das nur eine Übertragung des eigenen Verhaltens auf die Erwerbslosen. Zu lügen ist in den ARGEn nämlich ein dermaßen normales Arbeitsmittel, daß sie das scheinbar selbst schon nicht mehr wahrnehmen.

    Das gleiche gilt auch für Beleidigungen und Drohungen. Sie selbst beleidigen und drohen natürlich niiiie! Ihre eigenen Drohungen bezeichnen sie als „Konsequenzen“; aber jede kleinste Andeutung, daß etwas Unangenehmes passieren könnte, wird sofort zur schwersten Drohung hochstilisiert. Die Erwerbslosen sind ja schließlich nur faul, und die Angestellten machen doch nur ihre Arbeit.

    Worin diese Arbeit tatsächlich besteht, kann man sich dann überlegen … (Hint: Arbeitsvermittlung gehört eher nicht dazu.)

  2. Gibt es keine Möglichkeit, für die Dienstaufsichtsbeschwerde eine Instanz höher zu gehen? Wenn Herr Potzenhardt seine Arbeit nicht korrekt ausüben möchte oder kann, dann muss es doch eine andere Lösung geben. Auch Herr Potzenhardt muss doch einen Vorgesezten haben, wo man sich über ihn und Frau K. K. beschwehren kann…

    1. Klar, Thomas Lenz ist sein Vorgesetzter, der hat es aber an ihn heruntergereicht. Daher geht das jetzt an die Übergeordnete Behörde, wobei ich aber noch rausfinden muss, welche das jetzt ist, Stadt Wuppertal oder Arbeitsagentur. Aber das kriege ich auch noch hin, so billig kommen die mir nicht davon!

    1. Daher will er ja meine Zustimmung, denn nur dann dürfte er. Hier geht es eigentlich wirklich nur um die Befriedigung seiner eigenen Neugierde. Rechtlich gibt es da keine Grundlage, weil er mich nur dann zu Hause besuchen darf, wenn er die Informationen nicht anderweitig bekommen kann. Diese Möglichkeiten habe ich ihm aber alle geboten. Neugierig, wie ein Blinder so wohnt, ist er halt dennoch…

  3. Als ich noch Hartz IV bekam, habe ich auch einige Schoten erlebt und ich kann sehen. Mit 50 wurde ich arbeitslos, weil das ganze Haus geschlossen wurde. Nach 2-3 Jahren hatte ich immer noch keinen Job (mit 50, ist doch klar). Der Fallmanager, man ist ja nur ein Fall und kein Mensch, sagte mir, ich soll das Branchenbuch nehmen und bei A anfangen mich zu bewerben, egal ob die jemanden brauchen, oder nicht. Das ist ja noch harmlos, einmal bekam ich ein Stellenangebot vom Jobcenter an eine Autobahnraststätte als Küchenhilfe (ich bin50% behindert), ich in der Raststätte angerufen, der Chef hat vielleicht geflucht, nicht mit mir. Er hat sich so richtig schön über das Jobcenter ausgelassen, denn in seinem Stellenangebot suchte er eine belastbare Frau die auch mal bis zu 10 Std arbeiten kann die Erfahrung hat usw. Das wurde mir angeboten und auf meine Frage wie ich denn dahin kommen soll, ich habe kein Auto und hat schon mal jemand eine Busverbindung zur Autobahnraststätte gesehen, sagte mir Mister Fallmanager, das sei meine Sache, wenn ich arbeiten will, dann würde ich schon eine Möglichkeit finden. Für mich bedeutet das schaffe ich es nicht an einen nicht erreichbaren Ort zu kommen, bin ich zufaul zum arbeiten. Es gibt da noch so einiges, aber das kann man gar nicht alles aufschreiben, dann wäre ich morgen noch nicht fertig.

  4. Jaja, wir sind nicht behindertenfeindlich, wir reden nur über die Fakten. So war es vor 80 Jahren doch auch schon, man muss halt tun, was in den Vorschriften steht… Alles weitere habe ich im Hauptposting mit der langen Vorgeschichte geschrieben. Ich denke aber, du solltest die hier auch verlinken, sonst ist das sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Nein, bloß keinen Hausbesuch zulassen, soweit kommt es noch. Dann erst Recht an die Politik und die Öffentlichkeit gehen.

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