Alle Beiträge von Kamil Günay

Ich bin an allem, was zu SF und Fantasy gehört, interessiert. Außerdem interessiere ich mich für Astronomie, Technik im Allgemeinen und Luft- und Raumfahrt im Besonderen, Computer, Netze und Musik. Ich lese viel, höre viel Musik und gehe gelegentlich auch auf Konzerte. Dabei ist mein Musikgeschmack recht weit gefächert, von NDW bis Hip-Hop, von Klassik bis Metal, ich mache da keine Einschränkungen. Es gibt viele gute Musiker da draußen, da möchte ich mich nicht auf einen Stil einschränken. Auf die Fedcon gehe ich auch seit einigen Jahren regelmäßig. Und noch ein kleines Detail am Rande, ich bin stark sehbehindert, aber das hat mich bisher auch nie aufgehalten. :-)

Und plötzlich ist die Welt um einiges leerer…

Müsste man meine Mutter mit einem Wort beschreiben, Naturgewalt träfe es wohl! Nur 1,45 m groß, aber gestandene Motorradrocker haben vor ihr gekuscht! Aber fangen wir am Anfang an:

Am 10.11.1954 wurde sie in der Türkei geboren, verbrachte ihre Jugend und Schulzeit dort und kam dann, mit ihren Eltern, Anfang der 70er nach Deutschland. In Berlin lebten und arbeiteten sie, bis meine Mutter dann 1974 meinen Vater geheiratet hat. Kurz danach bin ich dann auf der Bildfläche aufgetaucht. 1979 kam dann noch meine Schwester dazu.

Nach der Heirat lebte und arbeitete meine Mutter in Darmstadt, oder besser in der näheren Umgebung von Darmstadt. Damals haben wir in Ober-Ramstadt gewohnt. Anfang der 80er sind wir nach Darmstadt-Dieburg umgezogen. Damals war es eine eigene Gemeinde die sich dann auch Münster nannte, später aber in Dieburg eingemeindet wurde. Das gab ein paar ganz nette Verwechslungen, denn wer kennt schon das klitzekleine Münster da neben Dieburg? 🙂

1985 sind meine Großeltern wieder nach Türkei zurückgekehrt, meine Eltern und ich sind dann wieder zurück nach Ober-Ramstadt gezogen. Dort haben wir bis Anfang der 90er gelebt.

Mein Vater hat in der Zeit mehrere Projekte gestartet, Lebensmittelläden, Restaurants, Kneipen, und hat so ziemlich jedes davon an die Wand gefahren. Mutter hat zu dieser Zeit in einer Chemiefabrik gearbeitet und gut verdient. Irgendwer musste ja die Bonität für die Kredite haben… Zusätzlich dazu hat sie auch in den Lebensmittelläden oder Kneipen mitgearbeitet.

Anfang der 90er sind wir dann nach Wuppertal umgezogen. Meiner Ansicht nach ist das der Punkt, wo der Karren sich so richtig in die Scheiße gefahren hat und auch nicht wieder hat rausziehen lassen. Ich hatte ja noch Glück, da ich zu dieser Zeit in Marburg im Internat war und mich um Wuppertal erst mal nicht kümmern musste, außer an Wochenenden. Und es war damals schon Müll!

Dieses Mal hat es mein Vater mit 2 Kneipen versucht, einer Nachtkneipe oder Nachtlokal, und einer gewöhnlichen Eckkneipe. Die Eckkneipe hat meine Mutter betrieben. Das war Alt Wuppertal, Höchsten 2, das wird später noch wichtig. So, und ein Mal dürft ihr raten, was passiert ist? Genau, das Nachtlokal hat Vater gegen die Wand gefahren. 🙂 Und wo er schon mal dabei war, seine Ehe gleich mit… 1996 kam die Scheidung, meiner Ansicht nach, längst überfällig.

Mutter hat Alt Wuppertal weiter betrieben. Reich konnten wir damit nicht werden, aber einigermaßen vernünftig leben ging schon. Und obwohl Mutter wie gesagt nur 1,45 m groß ist, konnte sie sich immer durchsetzen. Das mag auch am Baseballschläger gelegen haben, den sie unter der Theke hatte… 🙂 Den musste sie übrigens nie benutzen, zeigen hat schon gereicht… 🙂

Die Stammkundschaft stand immer geschlossen hinter Mutter, auch als der recht schmutzige Scheidungskrieg losging. Die haben sie immer Medusa genannt, weil sie es irgendwie nie hinbekommen haben, Mesude richtig auszusprechen. Sei’s drum, Mutter mochte das zumindest ein bisschen. 🙂

Eines Tages gibt es in der Kneipe eine kleine Schlägerei. Nun, so was passiert in ’ner Kneipe gelegentlich, aber Mutter fackelt da nicht lange und ruft die Polizei. Das war nicht das erste, aber auch nicht das letzte Mal. Der Polizist kommt also rein, und fängt gleich an: „Welcher Ausländer hat den Krawall angefangen!“… Oh, Alter, so darfst du meiner Mutter echt nicht kommen! Wie eine Furie jagt sie hinter der Theke vor und baut ihre 1,45 m vor dem Polizisten auf:

Warum du sagen Ausländer? Ich Ausländer, ist meine Lokal, ich gerufen Polizei! Da Deutsche machen alles kapuut! Hau ab und schicke anständig Polizei!

Der Polizist wurde immer kleiner, sein Partner fühlte sich auch sichtlich unwohler in seiner Uniform, und ich stand hinter der Theke, weil ich mich auch gelegentlich um die Musik gekümmert habe, und konnte nicht mehr vor lachen! Die Polizisten sind dann tatsächlich abgezogen und kurze Zeit später kamen 2 andere Polizisten. Von da an nahm alles einen sehr zivilisierten Gang! 🙂

Ich war in der Zeit übrigens in der Ausbildung und nur gelegentlich Wochenends dort. Eigentlich habe ich in Soest gewohnt, in einer WG mit ein paar Freunden.

Im Jahre 2000 wollte meine Mutter die Kneipe abgeben. Der Stress war dann doch etwas viel, und die Besoffskies wurden teils immer aggressiver. Mutter hatte also versucht, mit dem Hauseigentümer, Herr Nöttkes, oder wie der sich nun schreibt, einen Vertrag zu machen, um die Kneipe zu übergeben. Hierbei wurde sie nach allen Regeln der Kunst verarscht! Mutter mag in mancherlei Situation resolut sein, in geschäftlichen Dingen war sie manchmal etwas zu gutgläubig.

Es kam, wie es kommen musste, sie verlor die Kneipe, ohne etwas dafür zu bekommen. Zwischenzeitlich ist der Hauseigentümer insolvent gegangen, so dass das Haus zwangsversteigert wurde, ich meine mich zu erinnern, durch die Deutsche Bank, das wird auch noch mal wichtig.

Die Bank hat sich einen Scheiß dafür interessiert, dass wir mehrmals gesagt haben, dass das Inventar unser Eigentum ist. Das wurde mit Brauereikrediten von Wicküler bezahlt. Die Kredite waren längst abbezahlt, das Inventar längst unser Eigentum. Die Bank versteigert das Haus dennoch mit Inventar und hat uns de facto um knapp 40000 DM enteignet. Gerichtsprozesse führten ins Leere, und zwischenzeitlich starb der Hauseigentümer. Da das Risiko zu hoch sei, wurde ihr von weiteren Prozessen abgeraten. Viel wäre finanziell ohnehin nicht mehr gegangen.

Wieder bei 0 angekommen, beginnt meine Mutter als Reinigungskraft zu arbeiten. Dies tat sie in mehreren Firmen bis heute.

Ich habe 1999 einen Job in Wuppertal angenommen, wodurch ich dann auch dauerhaft dort wohnte. Zwar hatte ich den Job 2002 nicht mehr, weil die Niederlassung schloss, aber ich bin in Wuppertal geblieben.

Nun haben wir, mehr schlecht als recht, unser Leben gelebt. Es hätte alles sehr viel einfacher sein können, aber so war es nun mal. Die Gelder aus dem Verkauf des Inventars hätten zumindest einen schönen Notgroschen abgegeben. Übrigens, das Inventar ist immer noch im Lokal und wird auch immer noch verwendet. Ich hab letztens mal jemanden reinschauen lassen.

Ende 2015 hat meine Schwester zum 2. Mal geheiratet, und das ist auch so die Zeit, wo ich meine Mutter zum letzten Mal wirklich gesund erlebte. Im Nachhinein freue ich mich, dass Mutter das so erleben durfte.

Über Neujahr 2015/2016 flog Mutter in die Türkei, um ihre Eltern, also meine Großeltern, zu besuchen. In dieser Zeit starb eine meiner Großtanten, die schon seit Jahren außer an Diabetes noch an diversen anderen Krankheiten gelitten hat. Anfang Januar kommt Mutter zurück, und zunächst scheint alles normal. Der einzige Unterschied ist, dass sie über starke Müdigkeit und Erschöpfung klagt, aber da schieben wir es noch auf ihre Überarbeitung. Um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen, übernimmt Mutter in der Firma schon lange immer wieder Vertretungsschichten. Daher fällt das erst mal nicht weiter auf.

Meine Mutter war eigentlich eine sehr gesundheitsbewusste Frau. Sie ging immer zu den Vorsorgeuntersuchungen, achtete genau auf das, welche Früchte, Gemüse, Kräuter und Tees sie zu sich nahm, ohne jedoch eine Religion daraus zu machen. Im Februar 2016 ging sie also zur mal wieder fälligen Darmspiegelung. Dort sagte man ihr schon, dass da etwas zu sehen sei, aber das müsse sie noch genauer untersuchen lassen.

Zeitgleich sagte ihr Orthopäde, ihre Leberwerte im Blut seien merkwürdig, sie solle das mal untersuchen lassen. Der macht die Blutuntersuchungen übrigens um Knochenabbauprodukte zu finden, Osteoporose-Untersuchung.

Zwar ist es nicht ausgesprochen, aber dennoch ist zumindest mir im Innern schon klar, wohin die Reise gehen wird. Also geht sie zu weiteren Untersuchungen, und die Befürchtungen bewahrheiten sich leider. Es wird ein bösartiger Gallengangskrebs festgestellt, der nicht operabel ist und auch nicht heilbar ist.

Zuerst realisiert man das gar nicht so recht. Das war bei ihr so, aber auch bei mir. Krebs, OK, aber wir leben ja nicht im Mittelalter. Vielleicht ist er nicht heilbar, dachten wir beide, aber vielleicht kann man ihn unter Kontrolle halten.

Von da an ging alles sehr schnell. Beratung, Einsatz eines Port-Katheters, Besprechung der Chemotherapie, usw. Dann kamen die ersten Zyklen. Und die Effekte waren zwar für 2 oder 3 Tage niederschlagend, danach war die Kraft bei Mutter aber wieder fast vollständig da.

Das ging eine Weile wirklich gut. Der Tumor schrumpfte sogar um die Hälfte. Wir waren dementsprechend optimistisch. Im Sommer 2016 konnten wir sogar noch für 3 Wochen in den Urlaub fliegen, für mich der erste Urlaub nach 6 Jahren.

Aber da begannen die neuen Probleme: Wie den Großeltern sagen? Wir haben uns letztlich dazu entschlossen, nichts zu sagen. Meine Großeltern kriegen ja schon einen Rappel, wenn jemand nur einen Schnupfen hat, was würde passieren, wenn wir ihnen sagten, ihre einzige Tochter hat einen unheilbaren Tumor? Beide Großeltern sind um die 86 Jahre alt, haben Blutdruck- und Herzprobleme. Das wollten wir dann lieber nicht riskieren. Abgesehen davon brauchte meine Mutter in der Zeit Kraft, und auch wenn das jetzt zynisch klingt, jammernde Eltern hätten sie nur weiter runtergezogen. Im Nachhinein bin ich zwar immer noch der Ansicht, dass es richtig so war, aber wir haben dennoch vielleicht zu lange gewartet, um was zu sagen.

Zwar hat die Chemo meine Mutter arg mitgenommen, der Tumor blieb aber tatsächlich unter Kontrolle. Wenn auch wesentlich langsamer und nicht mehr so ausdauernd, konnte sie jedoch immer noch alles selbst tun und das Leben genießen. Bis Ende 2016, wo der Arzt die Therapie umgestellt hat. Von da ging alles schnell bergab.

Nun würde ich euch gerne offen und ehrlich sagen, zu welchem Arzt ihr in Wuppertal auf gar keinen Fall hingehen solltet, wenn ihr einen Onkologen braucht, das würde aber in Klagen gegen mich resultieren. Man brauchte eine Brechstange, um die Zähne des Mannes auseinanderzubekommen, wenn man was erklärt haben wollte, aber wenn es ihm selbst was genutzt hat, da konnte der reden, das glaubt ihr gar nicht!

Wie auch immer, wir haben sofort den Onkologen gewechselt, nachdem wir bei dem Typ nicht weitergekommen sind. Leider war das evtl. zu spät, denn die Entwicklung, wie sie jetzt eingesetzt hatte, war nicht mehr umzukehren. Mutter wurde schnell schwächer.

Meine Aufgabe war es in der Zeit, mit Ärzten zu reden, Bankgeschäfte zu tätigen und ihren Papierkram in Ordnung zu halten. Und eines kann ich euch sagen: Selten habe ich mich durch die Krankenkasse so alleingelassen gefühlt. Ständig wurde ich nach Unterlagen geschickt, wie z. B. eine Aufenthaltsbestätigung, dass meine Mutter im Krankenhaus ist. Alter, die Tussi sagt mir selbst, dass sie weiß, dass meine Mutter im Krankenhaus ist, sie aber dieses Papier braucht! Wozu, um den Angehörigen zu ärgern? Ohne das Papier gibt es kein Krankengeld. Passierschein A38, wissen schon… 🙁

Nun hat Mutter mich, der hinter den Unterlagen her rennen kann, und sich dabei die linke Hand brechen kann. Aber gefragt, was denn mit mir wäre, der ich ja nun keinen Angehörigen hätte, der diese Unterlagen beschaffen kann, würde man mich dann fallen lassen wie eine heiße Kartoffel? Diese Frage konnte oder wollte mir die Mitarbeiterin der Krankenkasse dann nicht beantworten. Die Leute hofieren, wenn sie gesund sind, aber abschießen, wenn sie krank sind? So eine Krankenkasse braucht kein Mensch!

Meine Mutter hat Konten bei der Deutschen Bank. Und damit die Bankgeschäfte weiter laufen können, wenn meine Mutter mal nicht selber hingehen kann, wollte sie mir eine Bankvollmacht ausstellen. Alter, die haben sich so dermaßen angestellt bei der Bank, dass ich mich echt beherrschen musste, um nicht laut loszubrüllen: Um 40000 DM enteignen könnt ihr, aber für so’n lächerliches Konto kriegt ihr keine Vollmacht eingetragen? Ich frage mich ja heute noch, was meine Mutter geritten hat, ausgerechnet bei diesen Bankstern Verträge abzuschließen! Sei’s drum, am Ende hatte ich meine Vollmachten.

Seit nun fast 2 Monaten bekam Mutter schon keine Chemo mehr, weil ihre Entzündungswerte im Blut zu hoch sind. In der Zwischenzeit wuchs der Tumor und begann zu streuen. Das war Ende März, Anfang April, knapp 1 Jahr nach Diagnose. Ende April konnte sich Mutter kaum noch um sich selbst kümmern, und die Schmerzen wurden immer stärker. Daher ging sie ins Krankenhaus.

Zwar hatten wir gehofft, häusliche Pflege organisieren zu können, aber der Gesundheitszustand meiner Mutter ging so rapide Berg ab, dass das keine Option mehr war.

Und obwohl ich alle Hände damit zu tun hatte, mein eigenes Leben neu zu sortieren, den Papierkrieg für Mutter zu machen und mit der Erkenntnis klarzukommen, dass sie bald sterben würde, plante ich, im Juni auf die Fedcon zu gehen. Ich wollte es absagen. Ich hatte Mutter gefragt, ob sie es lieber hätte, wenn ich bei ihr bin. Und selbst jetzt, schwach und im Bett liegend, tut man, was sie sagt. Nachdem ich so viel für sie getan hätte, solle ich gefälligst auch mal an mein Leben denken! Kurz gesagt, sie hat mich regelrecht dahin befohlen…

Mit einem extrem unguten Gefühl und einem gigantischen schlechten Gewissen würde ich also auf die Fedcon gehen. Das würde sehr schwer für mich werden. Einerseits versuchen, Spaß zu haben, und andererseits es irgendwo auch nicht zu können, weil ich ständig an Mutter denken musste.

Am 28.05. war ich wieder bei Mutter. Es zerreißt mir das Herz! Diese unglaublich starke Frau, die nicht mal vor Motorradrockern angst hat, die locker mal doppelt so groß sind wie sie, liegt im Bett und kann kaum ihr eigenes Wasserglas halten. Zum Glück hat sie geschlafen und nicht gesehen, dass ich ein paar Tränen verdrückt hatte. Alter, die wäre aus dem Bett gesprungen und hätte mir den Arsch sowas von versohlt!

Mutter war immer optimistisch. Wir wussten beide von Anfang an, dass das Ende kommen würde. Dennoch, Aufgeben war für Mutter niemals eine Option. Selbst jetzt im Bett spürt man, wie sie stur um jede Minute Leben kämpft.

Ich habe es dann dennoch nicht ausgehalten, bin kurz raus, habe mir eine stille Ecke gesucht und mich erst mal ausgehäult. Nicht, weil ich mich dessen schämen würde, ich hatte einfach keinen Bock auf diese „Das wird schon“-Sprüche! Nein, wird es nicht, und ich will den Scheiß auch nicht hören!

Unsere Großeltern waren immerhin schon so weit informiert, dass sie möglichst bald ein Visum beantragen und nach Deutschland kommen konnten. Sie würden uns, also meiner Schwester und mir, niemals verzeihen, wenn wir sie zu spät rufen würden und sie ihre Tochter nicht noch ein mal sehen könnten.

Alles, was bleibt ist die Erkenntnis, dass man im Krankheitsfall durchaus auf sich allein gestellt sein kann. Plötzlich ist keiner zuständig, plötzlich braucht es Prozeduren, die aber irgendwie keiner kennt, weil man ist ja irgendwie der erste, dem so was passiert… Ich sage es ganz ehrlich, ich habe eine scheiß Angst! Was ist mit mir, wenn ich mal Krank werde? Man möchte vor so viel Konzeptlosigkeit schier verzweifeln! Aber ich werde herausfinden, ob das etwas spezifisches unserer Krankenkasse ist, oder ob das ganze System im Arsch ist. Aber ich gebe zu, sehr optimistisch bin ich nicht. Gut möglich, dass das ein Systemfehler ist.

Am 31.05.2017 um 11:42 Uhr kam dann der Anruf, den ich zwar erwartet habe, den ich aber niemals erhalten wollte. Kurz zuvor ist sie verstorben. Sie wurde 62 Jahre alt.

Als ich im Krankenhaus war, um mich zu verabschieden, hatte sie einen friedlichen Gesichtsausdruck. Doch erst, als ich ihre Hand gehalten und über’s Haar gestrichen habe, wurde es für mich zur Realität: Nun ist die Welt wirklich viel leerer geworden…

All die Schmerzen, all das Leid, sie hat es nun hinter sich. Und ich? Ich bin noch da und muss nun zusehen, dass ich irgendwie ins Leben zurückfinde. In ein Leben voller Zweifel, voller Unsicherheiten und einer Gesellschaft, in die ich nachhaltig das Vertrauen verloren habe.

Für Mutter war das Leben und eine gute Einstellung wichtig. Keine einzige Sekunde hat sie sich von der Krankheit runterziehen lassen. Klar, es gab immer mal Momente der Verzweiflung, aber die dauerten nie lange. Geschwächt von der Chemo hat sie dennoch Pläne für einen Urlaub im Sommer geschmiedet. Immer der Blick in die Zukunft, immer die Hoffnung, dass vielleicht zwischenzeitlich vielleicht eine Möglichkeit gefunden würde. Doch, falsche Hoffnungen hat sie sich nie gemacht. Sie wusste, wie es endet, und hat dem bis zuletzt aufrecht ins Angesicht geblickt.

Wie oft man sie auch immer getreten hat, sie hat sich nie unterkriegen lassen! Und ich werde das Andenken an sie nicht dadurch beschmutzen, indem ich jetzt zusammenbreche! Ich stehe noch, und genau wie diese unbeugsame und starke Frau werde ich stehen, bis zur fucking letzten Sekunde!

Die @Fedcon 25: Drei Jubiläen

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, schreibe ich nicht mehr zu jeder Fedcon einen Bericht. Das macht auch wenig Sinn, da ich mich ja auch nicht ständig wiederholen möchte. Diese Fedcon war jedoch ein kleinwenig anders! Zum einen ist es die Fedcon 25, wodurch sie etwas besonderes ist. Das zweite Jubiläum ist, dass Star Trek 50 Jahre alt wird. Und das dritte, aber nur für mich selbst geltende Jubiläum ist, dass ich während der Fedcon 42 geworden bin, und ihr wisst ja, was das bedeutet? Ich meine, 42, muss ich da noch was zu sagen? 🙂

Das Con-Hotel

Sorry, Leute, aber ich mag Bonn Bad Godesberg nicht! Die Stadt ist OK, aber das Con-Hotel? Es fühlt sich kleiner und komplizierter an. Der einzige Vorteil, den ich bislang erkennen konnte war, man muss seltener Bändchen und Batch vorzeigen. Aber sonst? Enge Flure, kaum Aufzüge, bezüglich der Barrierefreiheit ist das gegenüber dem Maritim in Düsseldorf ein riesiger Rückschritt. Auch hatte ich das Gefühl, dass sich dieses Hotel nicht so gut belüften ließ, die Luft war ständig stickig. In Düsseldorf habe ich das nie so empfunden.

Eine weitere Konfusion war die Bar. Irgendwie war man sich da nicht so ganz sicher, welche Zahlungsmittel denn nun gelten. Ich bekam von 3 Mitarbeitern 3 unterschiedliche Antworten. Ich wollte eigentlich mit Karte zahlen, weil ich in solchen Menschenmengen immer nur exakt so viel Bargeld bei mir habe, wie unbedingt nötig, und keinen Cent mehr. Und bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob es geht. Ging aber am Ende, aber ein entspannter Barbesuch sieht anders aus.

Das war es aber schon mit der Nörgelei, der Rest der Fedcon war einfach nur geil! 🙂

Das Programm

Heike und ich haben unser Programm mit der iPhone-App der Fedcon geplant. Das Gute ist, man sieht auch, wo man Pausen hat, das Schlechte, wir hatten kaum welche … 🙂 Teils war es echt schwierig, paar Minuten zum Futtern zu finden… 🙂

Stargäste rechte Seite, Walter Koenig ganz rechts.

Stargäste links, William Shatner ganz links.

Dieses Jahr wurde die Fedcon übrigens von Chase Masterson moderiert, die in Deep Space Nine das Dabo-Mädchen Leeta gespielt hat.

Chase Masterson

Sie ist nett, sie ist sympathisch, aber jedes Mal, wenn ich ihre Stimme höre, sehe ich eine Zeichentrickfigur. Und ich meine das nicht böse oder hämisch oder so. Manche Stimmen zeichnen nun mal ein Bild in meinem Kopf, und bei ihrer Stimme ist es eine Zeichentrickfigur. 🙂

Panels

Leider sind nicht alle Bilder was geworden, die ich auf den Panels gemacht habe. Diesmal habe ich mich aus Faulheit zu sehr auf die Automatik der Kamera verlassen, nächstes Mal werde ich wieder manuell belichten. Teils sind die Leute viel zu hell geraten, weil die Kamera der Meinung war, der Hintergrund sei ja viel schöner und müsse mal hervorgehoben werden. Tja, da irrte sich die Kamera wohl sehr. Aber dazu, wie ich als fast blinder Mensch fotografiere, komme ich später noch.

Robert Beltran, Chakotay in Star Trek Voyager, ist ein richtig humorvoller Mensch. Das Panel mit ihm war einfach nur genial. Aber etwas völlig anderes wird es, wenn dann noch Ethan Phillips die Bühne betritt. Da bleibt dann endgültig kein Auge trocken! Das war einfach nur noch zum brüllen komisch!

Julie Benz

Julie Benz war auch sehr interessant. Sie ist in vielen Rollen zu sehen, mir persönlich ist sie aber durch ihre Rolle als Darla in Buffy oder Angel bekannt.

Ohne Frage waren auch die Panels der Schauspieler der originalen Star Trek Serie ein Highlight! William Shatner war auch sehr lustig, Walter Koenig hatte auch sichtlich Spaß, und George Takei war sauer, weil die Fittnesgeräte im Hotel nicht funktionierten! 🙂 Der Mann ist 79, aber jeden Tag muss er seine 50 Pushups und 100 Situps machen. Puh, da bin ich ja schon bei der Hälfte kaputt!

George Takei

Und diesmal habe ich mich besonders auf James Morrison und Tucker Smallwood gefreut, die beide in diversen Rollen aufgetreten sind. James Morrison z. B. bei Space 2063 als Colonel McQueen, bei 24 als Bill Buchanan, und Tucker Smallwood als Comodore Ross in Space 2063 und in vielen kleineren Rollen in diversen Serien und Filmen. Ich persönlich bin ja ein ziemlicher Space 2063 Fan, weswegen ich ja auch gleich mal eine Frage an James Morrison stellen musste.

Ich habe aber meine Spotlight-Allergie vergessen, Licht geht an, gehirn geht aus, und das erste, was nicht mehr funktioniert, sind die Language-Files… 🙂 Jedenfalls erinnerte ich mich an den Namen von Tucker Smallwood nicht mehr, aber ich musste ja was sagen, alles guckt auf mich… Das mache ich so schnell auch nicht mehr… 🙂

Kuriositäten

Auf der Con gab es auch allerhand zu sehen. Viele kostümierte Fans, von denen ich diesmal keine Bilder machen konnte. Wie gesagt, Kon-Hotel war eng, kuschelig voll und auch etwas dunkel. Aber guckt mal, wer uns da so über den Weg gelaufen ist?

Ein etwa 2 Meter großer Transformer, der sich auch bewegen kann.

Bei den Fotosessions sind Heike und ich auch schon alte Bekannte, man kennt sich, man begrüßt sich, „Ihr kennt das ja schon, euch brauchen wir ja nicht erklären, wie das hier läuft…“. 🙂 Erst später hat Heike dann etwas ziemlich lustiges gefunden:

Handschrift, Ich liebe es, Schlange zu stehen. :-) Darunter in anderer Handschrift: Und wir lieben es, Schlangen zu bändigen, Yippiejayeah!

Erst viel später haben wir rausgefunden, dass da noch mehr so tolle Schilder waren. 🙂

Fotografieren

Ich bin ja echt froh, dass ich vom Fedcon-Personal nicht wegen Filmens rausgezogen wurde. Im Hauptsaal ist Filmen nämlich verboten. Ich habe auch nicht gefilmt, aber die Art und Weise, wie ich Fotos mache, könnte sehr sehr leicht als Filmen missverstanden werden. Ich versuche das mal an einem der schwierigsten Bilder zu erklären.

Ich habe ein recht kleinen Sehrest, der mir aber dann und wann ganz nützlich ist. Auch habe ich ein eingeschränktes Gesichtsfeld, so dass ich nur einen kleinen Ausschnitt dessen sehe, den ein normalsichtiger Mensch sieht.

Ich fotografiere mit einer Canon EOS 600D. Für die Con hatte ich ein 18-135 mm Objektiv dabei. Den Sucher kann ich nur bei Tageslicht oder hellen Räumen nutzen. In so dunklen Umgebungen wie dem Hauptsaal nutze ich Livewiew, wobei mir das Bild auf den 7,5-cm-Monitor der Kamera gelegt wird. Beim Panel von marina Sirtis saßen Heike und Ich ziemlich weit hinten, Reihe 23 oder 24, das habe ich jetzt nicht mehr im Kopf.

Um also ein Bild von Marina machen zu können, schaue ich mir die Bühne erst im Weitwinkel an und suche sie. Da sie was helles an hatte, war es recht einfach, sie gegen den dunklen Bühnenhintergrund zu finden. Nun muss ich sie im mittleren Zielquadrat auf dem Display halten und am Objektiv ganz langsam den Zoom hochdrehen. Dabei muss ich auch jede ihrer Bewegungen mitmachen. Bewegt sie sich zu stark, muss ich von vorn beginnen. Bis ich den Zoomfaktor so eingestellt habe, wie ich das will, kann das bis zu 5 Minuten dauern. Und dieser Vorgang könnte ganz leicht als Filmen missverstanden werden. Bislang hatte ich aber nie Probleme mit den Leuten dort.

Gerade, wenn man so weit weg sitzt, ist es echt schwer, die Kamera ruhig zu halten. Am ersten Tag hatte ich ein Einbeinstativ dabei, aber das Teil war schwer und ständig im Weg, weswegen ich es später nicht mehr mitgenommen habe. Nun muss ich also Marina im Quadrat halten, extrem ruhig atmen und die Kamera möglichst still halten. Auch beim Auslösen muss ich sehr vorsichtig sein. Und dann entsteht so ein Bild:

Marina Sirtis von ganz weit weg fotografiert.

Das war echt anstrengend. Aber das Panel von ihr war der Kracher! Die Frau ist wirklich genial. 🙂 An dem Tag war sie wirklich in Hochform!

Fazit

Das waren sehr anstrengende, aber sehr lustige und schöne 4 Tage. Mir tut, wenn ich an die ganze Rennerei denke, noch alles weh. Aber nächstes Mal müssen wir wirklich auf unsere Essenspausen achten. Das heißt, wenn der Plan es zulässt… 🙂

Leider konnte ich auch in diesem Bericht nicht auf alles eingehen. Die Talks von der ESA z. B. waren grandios, auch Dr. Hubert Zitt hat wieder sein Werk getan und den Saal gerockt, und vieles vieles andere, was ich jetzt nicht erwähnt habe.

Es ist auch immer wieder schön, bekannte wiederzusehen. Ich kenne deren Namen nicht, aber wir treffen die fast auf jeder Fedcon! 🙂 Irgendwann mal schreibe ich mir deren Namen oder Nummern auf. Aber auf der Fedcon denen zu begegnen, sich lustig zu unterhalten und dergleichen, ist doch auch schön? 🙂

Mindestens ein Mal sollte man die Fedcon mitgemacht haben, und wenn es nur für einen Tag als Tagesgast ist. So habe ich auch angefangen, und die Fedcon 25 war meine 6. 🙂

Das @Blind_Guardian Konzert in Düsseldorf: No, I did not miss this moment, my friend!

Beyond the Red Mirror heißt das aktuelle Album von Blind Guardian. Und man hört schon aus den ersten paar Takten heraus, dass dies keine fröhliche Geschichte erzählt. Nun bin ich nicht so jemand, der viel Booklets liest, vielleicht, weil es totes Holz mit durch Chemikalien aufgebrachte Muster sind, deren Informationsgehalt sich für mich jetzt nicht so sehr erschließt. 🙂 Daher nur in Stichworten:

Es geht um zwei Welten, zwischen denen es früher mehrere Wege gab, jedoch gibt es jetzt nur noch einen, den roten Spiegel. Dieser muss gefunden werden, das ist so in ganz groben Zügen die Story hinter dem Album.

Für einen kleinen Eindruck könnt ihr euch ja mal das Musikvideo zu „Twilight of the Gods“ ansehen:

Ich persönlich mag ja eigentlich so ziemlich jedes Album von Blind Guardian, das eine mehr, das andere weniger. Aber das letzte Mal, dass mich ein Album regelrecht auf dem Sessel festgenagelt hat, war bei „Nightfall in Middle Earth“, wo die Geschichten aus dem Silmarillion aufgearbeitet werden. Dieses Album hatte von Anfang an eine Atmosphäre erschaffen, die ich durch zu viel Bewegung oder Geräusche nicht zerstören wollte. So hörte ich mir das Album mehr oder weniger in Starre durch. 🙂 Etwa den gleichen Effekt hat „Beyond the Red Mirror“ bei mir ausgelöst. Die Musik reißt einen mit den ersten choralen Takten mit, du stehst da, kannst dich nicht rühren, der Chor wird größer und bombastischer, das Orchester setzt ein, und du siehst regelrecht, wie sich eine Wand vor dir aufbaut, bis dann „The Ninth Wave“ wie ein Tsunami über dich hereinbricht und du dich nur noch von der Musik mitreißen lassen kannst. Keine Chance, die Hand nach der Fernbedienung auszustrecken, denn du willst ja nix verpassen. Was ja blöde ist, ist ja eine CD, die man jederzeit zurücklaufen lassen könnte, aber … 🙂

Und zum wer weiß wievielten Mal dachte ich mir, jetzt wird’s doch mal wirklich Zeit, auf ein Blind Guardian Konzert zu gehen, oder? Und während ich das so denke, brüllt es aus meinen Lautsprechern:

Now as my time’s passing by
What am I waiting for?
Who’ll grant me wings to fly?
And will I have another try?
‚Cause I would not miss my moment again
Yes, I would not miss my moment my friend

Das ist aus dem Lied „At the Edge of Time“. Die Lyrics habe ich mir bei Dark Lyrics ausgeliehen. Hoffentlich verklagt mich dafür keiner … 🙂 Weiß man ja nie, heutzutage. 🙁 Daraus ergab sich dann auch der Titel zu dem Post.

Zugegeben, ich habe das Textfragment etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber die Frage bleibt, worauf warte ich eigentlich? Und werde ich eine weitere Gelegenheit bekommen? Ich riskiere es lieber nicht, dachte ich, und bestellte endlich, nach 23 Jahren, ein Ticket!

Rückblick 1990

Ich bezog also mein Zimmer im Internat der Blindenstudienanstalt Marburg, und traf fast sofort einige Freunde wieder, die ich zuvor während der Orientierungswoche kennengelernt hatte. Und völlig enthusiastisch kommt Christian ins Zimmer und kann kaum noch aufhören zu reden. Alles, was ich verstehe, ist: „LP… Blind Guardian… voll geil… wirst du mögen“.

Für die Jüngeren unter euch: LPs, das sind diese schwarzen runden Dinger mit einem winzigen Loch in der Mitte und einem spiralförmigen Rillenmuster, welches man mit einem speziellen Abspielgerät mit einer Nadel abtasten lassen musste. Voll retro… 🙂 Der Witz ist, dass man damit nicht nur die Musik, sondern auch seine Fingerabdrücke hörbar machen konnte. Die Weiterentwicklung davon heißt TouchID und ist in den Home-Buttons Eurer iPhones verbaut… 🙂

Hm, denke ich, ist sicher wieder so ein Heavy Metal Ding, was ich sowieso nicht mag. Ja, Metal mochte ich da gar nicht. Aber, ich tat ihm den Gefallen und machte die Kassette an…

Und wieder mal für die Jüngeren: Kassetten sind Dinger, die zwei Spulen mit einem Band enthalten, auf dem magnetisch Musik gespeichert ist, analog natürlich. Wesentliches Merkmal von Kassetten ist, dass sich vorzugsweise die Lieblingsmusik entscheidet, dass das Plastikgehäuse zu beengend für es ist und herausquillt, und in einem Akt der Rebellion das Abspielgerät lamlegt und dabei meistens Selbstmord begeht. 🙂 Bandsalat nannte man das damals, und die Lieblingsmusik war oft futsch danach… 🙂

Erste Strophe und Refrain von „Banish from Sanctuary“, und es war um mich geschehen! Ich musste diese Kassette besitzen!

Vinyl war jetzt nicht so mein Ding, aber nach und nach habe ich, wie es mir möglich war, die CDs gekauft. Und ja, ich weiß, ich habe in der Zeit wirklich genervt, weil ich es fast immer mit voller Lautstärke gehört habe… 🙂 Andererseits, Blind Guardian leise hören, also wirklich! 🙂 Wer macht denn so was? 🙂

Rückblick 1992

Boa, war ich stinkig! Ein ganzer Haufen meiner Freunde konnten nicht zur Party kommen, wo ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe. Ich bin nicht sauer auf die Jungs und Mädels, sondern darauf, dass ich selbst auf die Geburtstagsparty gehen musste. Ich wäre nämlich lieber mit denen gegangen, zu einem Blind Guardian Konzert. Das regt mich heute noch auf, wenn ich drüber nachdenke… Aber so einfach von der eigenen Geburtstagsparty wegbleiben ist ja auch eher nicht so … nett. 🙂

Und seit dem versuche ich, auf ein Konzert zu kommen. Aber entweder stecke ich in der Ausbildung, habe kein Geld, keinen Urlaub, keine Begleitperson… Irgendwas war immer!

Heute!

Ich habe kaum Geld, und da Heike jetzt nicht so der Blind Guardian Fan ist, keine Begleitperson, aber ich gehe trotzdem! Sonst wird das nie was! Mal gucken, wie das so wird, denn da habe ich mir ganz schön was vorgenommen, ohne Begleitung in eine vergleichsweise unbekannte Situation reinzustolpern. Aber, wie ich so bin, no surrender, no retreat!

Das Konzert

Alles, was schiefgehen konnte … ist nicht schiefgegangen! 🙂 Dieser Tag war auf so vielen Ebenen ein voller Erfolg, dass ich noch heute nicht so recht dran glauben kann. Egal, wie gut etwas lief, irgend etwas war immer. Aber hier? Hier hat einfach alles gestimmt!

Die Fahrt nach Düsseldorf, etwas essen am Bahnhof und dann die Weiterfahrt zur Haltestelle, wo es zur Mitsubishi Electric Halle geht, das ist kaum der Rede wert, so was mache ich sowieso ständig. Aber an der S-Bahn-Haltestelle geht es schon los. Eine Frau sieht, wie ich mit Handy und Navi versuche mich zu orientieren und bietet mir ihre Hilfe an. Und da die Mitsubishi Electric Halle jetzt nicht so weit von der Haltestelle weg ist, bin ich auch in sehr kurzer Zeit dort.

Es standen schon eine ganze Menge Leute draußen, da noch keiner reingelassen wurde. Also hat man sich etwas mit den Umstehenden unterhalten. Schnell kam man da auch ins Gespräch, ob es jetzt das Blind Guardian Album war oder die Vorgruppe, die hier noch recht unbekannt ist. Fast wie selbstverständlich haben insbesondere die beiden, mit denen ich mich am meisten unterhalten habe, sich meiner angenommen. Ob es die Jacke war, die bei der Garderobe abgegeben werden sollte, Getränke an den Ständen beschaffen oder in die Halle kommen, die beiden waren dabei einfach großartig.

Wir drei, also Stephan, Dominik und ich, sind sofort in die Halle ganz nach vorne gerannt, weil es für den vorderen Abschnitt solche Bändchen fürs Handgelenk gibt. Und wenn man da nicht schnell genug ist, bekommt man keins mehr.

Man muss sich die Halle einfach als eine große freie Fläche vorstellen. Zwar gab es seitlich und im hinteren Bereich auch Sitzplätze, aber egal. Diese Fläche wurde mit Wellenbrechern in mehrere Abschnitte unterteilt. Das ist, damit bei einer Panik sich die Leute nicht gegenseitig erdrücken oder von hinten nach vorne geschubst wird. Dabei ist der Bereich vorne an der Bühne recht klein gehalten, weswegen man sich dafür Bändchen holen musste.

Die Idee war, was sich hinterher auch als richtige Entscheidung herausgestellt hat, dass ich mit dem Rücken am ersten Wellenbrecher stehe. So bin ich nahe genug an der Bühne, um etwas sehen zu können, aber nicht zu nahe. Und die Masse kann mich nicht von hinten zerquetschen. Und die, die vor mir sind, nun, die wollen ja nicht nach hinten zu mir, sondern eher zur Bühne… Also stand ich da, das ganze Konzert über, frei und ungehindert. 🙂

Die Vorgruppe Orfaned Land

Das ist eine Heavy Metal Band aus Israel. Ich hatte von denen bisher noch nichts gehört, aber vor dem Konzert habe ich mir mal paar Songs auf Youtube reingezogen. Das ist total interessant und spannend, wie man Metal mit orientalischen Klängen mischen kann. Das klingt richtig gut. Und sie konnten, wenn das auch anfangs nicht leicht war, doch gut mitreißen.

Der Haupt-Akt, Blind Guardian!

Und es ging gleich mit „The Ninth Wave los. Und hier hat der Song genau die gleiche Wirkung, wie auf dem Album. Du siehst die Welle auf dich zurasen, wie sie größer wird, der Chor, das Orchester, … Aber wenn die Band einsetzt, die Scheinwerfer von der Bühne schwenken, die Stroboskoplichter, die Leute um dich rum, … Wahnsinn! Man hat einfach keine Chance und wird mitgerissen!

Oh, hier sieht es ja fast aus, wie letztes mal. Du standst etwas weiter da drüben, komm, rutsch mal. Und manche von euch sind gewachsen…

Humor hat er ja, der Hansi! 🙂

Ab dann, keine Atempausen mehr! „Banish From Sanctuary“, ihr erinnert euch? Meine Einstiegsdroge! Ab da habe ich völlig die Kontrolle verloren! 🙂

Die Setliste war ein buntes Gemisch aus allem, was für mich Blind Guardian ausmacht. Und in vielerlei Hinsicht war das Konzert für mich auch eine Zeitreise. Ich verbinde mit so gut wie allen Songs wirklich gute Erinnerungen, Orte, Freunde, Ereignisse, so dass es auch emotionell der Wahnsinnskick war. Ob „Lost in the Twilight Hall“, „Lord of the Rings“, „Prophecies“, „Valhala“, einfach der Wahnsinn!

Und während dessen wurde mir klar, dass ich mich schon so lange nicht mehr so frei gefühlt habe. Hier war ich weder Mann noch Frau, weder Türke noch Deutscher, weder Blind noch sehend, hier war ich einfach! Keine Vorurteile, Erwartungen oder sonstige Dinge, die mich immer so sehr auf die Palme bringen. Hier ist jeder ein Fan, ich war Teil des Ganzen, bedingungslos und absolut! Ich konnte die Texte mitgröhlen, tanzen oder headbangen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob ich mich gerade zum Affen mache. Denn die anderen waren genau mit dem gleichen beschäftigt, was hat die das schon interessiert, was ich da mache? Es war eine Wohltat, einfach mal unter Gleichen zu sein!

Und natürlich durfte „The Bards Song – In the Forest“ nicht fehlen. Boa, wäre ich enttäuscht gewesen, wenn ich das verpasst hätte. Die Halle war sicher so gut wie voll. Etwa 7000 oder 8000 Läute passen da rein. Könnt ihr euch die Gänsehaut vorstellen, wenn 8000 Leute zusammen mit dir das gleiche Lied singen? Klar habe ich das auf einem Life-Album schon mal gehört, klar habe ich mir gewünscht, auch mal bei so was dabei zu sein. Aber wenn du da stehst, und es geht los… Unbeschreiblich!

Fast 2,5 Stunden haben sie gespielt. Immer wieder sind sie zurückgekommen und haben noch mal paar Stücke durchgezogen, und ich habe mich schon gefragt, wie weit wir das wohl treiben können? Wie oft schaffen wir es wohl, sie zurück auf die Bühne zu bekommen? Aber OK, nach knapp 2,5 Stunden war ich auch fertig. Meine Beine taten weh, ich werde halt auch nicht jünger, und die Stimme war mir zwischenzeitlich auch abhanden gekommen. Die wollte sich lieber noch das Düsseldorfer Nachtleben ansehen… 🙂

Während wir drei also draußen erst mal gewartet haben, biss die Masse sich verflüchtigt und ich einigermaßen sicher zur S-Bahn-Haltestelle komme, haben wir uns noch etwas unterhalten. Da war noch ein weiterer im Bunde, aber von dem weiß ich den Namen nicht mehr.

Der Heimweg

Generell habe ich den Fehler gemacht, keine Kontaktdaten mit den Jungs auszutauschen. OK, ist jetzt nicht so, als hätte ich bei dem Lärm die Sprachausgabe meines Telefons verstanden, aber versuchen hätte ich es können… Denn so hilfsbereit, wie die beiden waren, hätte ich mich schon ganz gerne mit ein paar Drinks erkenntlich gezeigt. Wie es Londo Molari in Babylon 5 schon so schön sagte…

Let me buy you a drink, no, let me buy you an entire fleet of drinks!

Ich hoffe, dass der Zufall freundlich gesinnt ist und man sich spätestens auf dem nächsten Konzert wieder begegnet. 🙂

Und nachdem wir uns verabschiedet hatten ging es auch schon weiter. Die S-Bahn-Station war dermaßen überfüllt, auch hier hatte ich freundliche Helfer, die es mir etwas leichter gemacht haben.

Und dann? Ich habe keine Ahnung! Wie genau ich dann noch nach Hause gekommen bin, ich weiß es nicht. Ich kann mich daran erinnern, dass ich am Hauptbahnhof eine Verbindung mit dem iPhone rausgesucht habe, paar dunkle Ahnungen, aber der Rest. Ich war mit den Gedanken ständig noch im Konzert. Dauernd hatte ich Flashbacks, die Lichteffekte, Songs, vor allem „The Bards Song“, Wuppertaler Bushaltestelle, „Banish from Sanctuary“, Straße, Treppenhaus, …

Gut zu wissen, dass ich sogar im Autopilot-Modus noch den Weg nach Hause finde! 🙂

Fazit

Was mit einer gewissen Skepsis begonnen hat, ob ich wohl mit einer derart großen Menschenmenge klarkomme, endete in einem Abend, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde! Ich habe viele Leute kennengelernt, wenn auch nur so im Vorbeigehen, aber dennoch, es hat richtig Spaß gemacht, vor allem, weil ich den Leuten begegnet bin.

Auch wenn mir nach dem Konzert wieder klar wurde, dass es wohl wieder eine Weile dauern kann, bis ich diese Freiheit wieder habe, so weiß ich doch, es ist möglich. Und wie Hansi schon sagte,

in zwei, drei jahren, Selber Ort, selbe Zeit!

Ich mit Sicherheit! So was lasse ich mir nicht nochmal entgehen!

I’m alive, my friend, I’m alive!

Ach und noch was: Alle Konzerte der Tour werden aufgezeichnet. Am Ende kommt dabei wohl ein Life-Album bei raus. Ich nehme mal an, die werden dann die besten Stücke aus jedem Konzert rauspicken. Natürlich werde ich mich nicht raushören können, wenn Stücke aus Düsseldorf dabei sind. Aber allein das Wissen, ich war dabei, ist so was von geil! 🙂

Liebeserklärung an die Vielfalt, eine Wheinachtsbotschaft

In mehreren Blogs ist nun seit gestern eine Wheinachtsbotschaft im umlauf, die ich so nur vollstens unterschreiben kann. Daher, und weil die Verbreitung des Textes ausdrücklich gewollt ist, werde ich den vollständigen Text hier weiterverbreiten. Die ursprüngliche Quelle findet ihr hier.


Gerade erreichte uns dieser Text der bislang unbekannten Sektion „Frohe Botschaft“, den wir hier wiedergeben.

In den letzten Wochen haben Menschen in Dresden und anderswo Angst, Kälte, Kleinmut, Rassimus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße getragen. Wir sind nicht nur verunsichert, sondern sehen das friedliche Zusammenleben in diesem Land erschüttert. Was wir in Dresden sehen, sind nicht die üblichen Nazis, aber Menschen, die letztlich die gleiche menschenverachtende Ideologie verbreiten.

Doch unser Land sieht anders aus.

Wir leben schon heute Vielfalt.

Wir finden es normal, dass der marrokanische Schwager mit uns Weihnachten feiert. Und es dann kein Schweinefleisch zu Essen gibt. Wir haben Freundinnen und Freunde aus Russland, Usbekistan, Mali, Österreich und Tunesien. Wir lernen von anderen und merken, dass andere von uns lernen. Das ist Zusammenleben, auch wenn wir manchmal Dinge nicht verstehen. Wir interessieren uns für andere Kulturen, Religionen und Ansichten und werden niemanden eine Kultur überstülpen.

Wir gehen mit muslimischen Bosniern und Iranern und ihren Kindern zusammen auf den Martinsumzug, weil uns allen das Teilen und das Ritual mit den Laternen so gut gefällt. Wir sind gerührt, wenn die 5-jährige Nichte sagt, dass sie in weniger Ländern Ausländerin sei als eine Deutsche, weil sie nämlich zwei Pässe habe.

Wir trinken augenzwinkernd mit Moslems guten Wein und lachen zusammen. Wir trinken Tee beim Opferfest und erkennen, dass Nächstenliebe nicht nur beim christlichen Weihnachtsfest seinen Platz hat und Alkohol trinken nicht zwingend für Geselligkeit nötig ist.

Wir sind neugierig, was der russische Oberst, den wir kennenlernen, zu erzählen hat. Wir sehen Begegnung als Bereicherung des Lebens. Sie eröffnet Perspektiven, die wir davor noch gar nicht erahnen konnten. Wir lachen verschmitzt mit der häkelnden türkischen Oma in der U-Bahn über eine skurille Situation. Und freuen uns über ihr Gesicht, das wir noch Jahre später vor Augen haben. Uns werden täglich die Augen geöffnet von der Vielfalt, die auf uns einprasselt.

Wir lernen Sprachen in der Schule und können uns damit auf der ganzen Welt verständigen. Wir haben keine Angst, wenn Kinder aus aller Herren und Frauen Länder mit unseren Kindern in den Kindergarten und die Schule gehen. Weil unsere Kinder so von klein auf interkulturell lernen. Weil für sie Vielfalt normaler sein wird als für uns.

Wir sehen wie liebevoll eine Bulgarin unsere Großeltern pflegt, wie fair der pakistanische Junge in der E-Jugend Fußball spielt. Wir erinnern uns an den Geschmack von Kardamom, der in einem Tee war, der uns angeboten wurde.

Wir sind nicht stolz auf den Ausgang der Geburtslotterie, die den einen zum Deutschen und die andere zur Bolivianerin macht. Wir leben und lieben in binationalen Beziehungen und Ehen. Wir ziehen unsere Kinder zweisprachig auf, damit sie mit ihren Großeltern im Ausland reden können.

Wir sehen den Austausch der Kulturen als Bereicherung unseres Lebens, egal ob wir dabei portugiesischen Weichkäse oder iranische Heavy Metal Bands kennenlernen. Wir lachen über den serbischen Film, nordamerikanische Serien und Karnevalsbräuche in Ecuador.

Wir übernehmen Wörter aus anderen Ländern in unseren Sprachschatz, weil wir Dinge so besser ausdrücken können. Wir übernehmen Feste und Bräuche und stellen auf einmal ausgehöhlte Kürbisse ins Fenster. Wir sind überzeugt davon, dass Kulturen und Sprachen erst dadurch leben, dass sie sich vermengen, vermischen, bereichern und befruchten.

Wir wollen in einem Land leben, das Menschen auf der Flucht offensteht. Wir leben in einem Einwanderungsland und wir wollen eine Willkommenskultur anstatt die Mauern um Europa zu vergrößern. Wir sind entsetzt darüber, dass so viele Menschen an den Außengrenzen sterben. Wir verstehen, dass Menschen fliehen, egal aus welchem Grund. Wir wollen Flüchtenden ein neues Zuhause geben und die Möglichkeit, frei und in Würde zu leben. Ohne uns dabei auf die Schulter zu klopfen.

Wir sind überzeugt, dass wir zusammen den richtigen Weg finden können, der allen Teilen der Gesellschaft Rechnung trägt. Diese Auseindersetzung wird nicht immer einfach sein, sondern manchmal auch von Konflikten geprägt. Diese Konflikte wollen wir konstruktiv, friedlich und mit Respekt austragen und verhandeln. Dabei ist Migrationshintergrund für uns ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Gesellschaft.

In unserem Land ist es egal, welches Geschlecht jemand hat oder sich selbst zuschreibt. Es ist egal, wer wen einvernehmlich liebt. In unserem Land sind alle Menschen gleich. In unserem Land wollen wir sozial gerecht zusammen leben und gemeinsam die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Wir werden diejenigen politisch herausfordern, die soziale Spaltung vorantreiben oder Umverteilung verhindern. Wir wollen gelebte Solidarität, Mitgefühl und Empathie statt sozialer Kälte, Egoismus und deutschen Volksgenossen.

Zusammenleben und Austausch von Kulturen heißt für uns nicht Aufgabe von Werten, Ethik und Idealen. Vielmehr sehen wir, dass es Werte gibt, die in jeder Kultur zuhause sind. Auf ihnen bauen wir auf. Eine vielfältige Gesellschaft ist nicht einfach: Wir diskutieren hart in der Sache, wenn uns etwas nicht passt, aber wir finden gemeinsam Grenzen und Leitplanken des Zusammenlebens.

Wir stehen an der Seite aller Menschen in diesem Land, die friedlich und respektvoll miteinander leben wollen. Egal wo sie herkommen oder welche Religion sie haben. Egal ob sie eine andere Sprache sprechen oder andere Sitten und Gebräuche haben.

Wir wollen einfach zusammen leben. Wir wissen auch, dass viele der Ideale noch nicht umgesetzt sind.

Das heißt für uns:

Wir werden hasserfüllten Angsthasen, Rassisten und Fremdenfeinden dieses Land nicht überlassen, sondern an einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weiterarbeiten. Was wir in Dresden und anderswo sehen ist nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern Deckungsmasse von Nazis und Brandstiftern. Sie stellen nicht die richtigen Fragen, sondern treten nach unten. Sie sind diejenigen, die einer toleranten und freien Gesellschaft und Kultur im Wege stehen.

Wir danken deshalb all den Menschen, deren Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern oder die selbst aus einem anderen Land hierher gekommen sind von ganzem Herzen, dass sie hier sind. Wir danken ihnen, dass wir Neues kennenlernen dürfen. Wir danken ihnen, dass wir immer wieder neu über uns nachdenken. Wir danken ihnen für eine ständige Neusausrichtung von dem, was wir unsere gewachsene Kultur nennen.

Zukunft geht nur zusammen.

Verbreitet die Liebeserklärung an die Vielfalt. Sie soll überall auftauchen, an ihr soll kein Weg vorbeiführen. Bloggt diese Weihnachtsbotschaft, postet sie auf Facebook, fotografiert sie für Instagram, verlinkt sie, twittert sie, leitet sie weiter, schickt sie per Mail, vertont sie, macht Videos, druckt sie aus, hängt sie auf, plakatiert. Macht eine Lawine daraus, eine frohe Botschaft der Menschlichkeit, eine Liebeserklärung an die Vielfalt, einen Appell für das friedliche Zusammenleben. Und dann geht auf die Straße und demonstriert. Wir sind viel mehr als wir denken.


Mit dieser Botschaft, und der Hoffnung auf ein friedlicheres Jahr 2015, wünsche ich euch allen und euren Familien ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue jahr!

Der Hausgeist auf deutsch oder türkisch?

Ich habe mehr so durch Zufall die DVDs von der Serie „Der Hausgeist“ gefunden. Ich hab einfach mal die Suchbegriffe „Geist“, „Gespenst“ und dergleichen in die Suchmasken der DVD-Verleiher eingegeben, weil ich solche Filme gucken wollte. Und als ich so die ersten paar Folgen gesehen hatte, dachte ich, das kenne ich doch schon von irgendwoher? Und ja, tatsächlich, ich kenne es schon.

Genau genommen kenne ich es schon seit gut 13 Jahren. Auf einem türkischen Sender sah ich die Serie „Ruhsar“, die vom Konzept her ganz ähnlich ist, aber doch einige Unterschiede aufweist. Trotzdem fragt man sich, welche Serie baut auf welche auf? Egal, ich beschreibe einfach mal beide.

„Der Hausgeist“ beginnt mit einem großen Booom, womit die Villa gesprengt wird, die eigentlich das Zuhause von Freifrau Henriette von Sydeck ist. Nun, als Geist überlebt sie die Sprengung natürlich und sucht nun ein neues Zuhause. Das findet sie auch bei einem Nachfahren ihrer besten Freundin. Benedict Von Weber und sie wohnen nun zusammen in einer Wohnung und erleben so diverse Abenteuer. Von Weber ist Texter bei einer Werbeagentur, sein bester Freund Vinzenz ist Werbegrafiker.

Die Serie lief von 1991 bis 1993 im ZDF mit Susanne Uhlen als Hausgeist, Volker Lechtenbrink als Vinzenz und Stefan Behrens als Benedict Von Weber.

Ruhsar ist eine türkische Serie, die von 1998 bis 2001 im türkischen Fernsehen lief. Hande Ataizi war hier der Geist, oder besser gesagt, der Engel. Da mein Türkisch nicht ganz so gut ist, habe ich mir den Wikipedia-Artikel hierzu nicht weiter durchgelesen. Daher könnte ich die anderen Schauspieler auch nicht benennen.

Diese Serie habe ich nicht von Anfang gesehen, so dass ich nicht ganz genau weiß, wie sie beginnt. Ruhsar ist die Frau eines ebenfalls bei einer Werbeagentur arbeitenden Mannes. Nur, sie starb schon zu Anfang der Serie und ist nun als Engel immer mal wieder bei ihrem … Witwer?. Sein bester Freund ist ebenfalls bei der Werbeagentur tätig. Seine Mutter versucht ihn immer wieder zu verheiraten, da seine Frau ja schon seit mehr als einem Jahr tot ist. Er will aber nicht, weil er ja seine Frau noch sieht… 🙂 Sein bester Freund ist an seiner Schwester interessiert, die will aber nicht. 🙂

Ruhsar kann zaubern, was zu, sagen wir mal, dem einen oder anderen Unglück führt. Und natürlich ist sie als Schwiegertochter noch immer im Krieg mit ihrer Schwiegermutter…. 🙂

Einer der wesentlichen Unterschiede ist, dass Henriette für jeden sichtbar ist, wenn sie sich sichtbar macht, wobei Ruhsar nur von ihrem Mann gesehen werden kann. Henriette und Benedict sind nicht verwandt. Aber sonst? Das Grundkonzept jedenfalls passt zusammen.

Beide Serien sind äußerst amüsant und kurzweilig. Nur schade, dass es Ruhsar nicht auf DVD gibt. Das ist eine der wenigen türkischen Serien, die ich gerne geguckt habe. Der Rest, naja, reden wir nicht drüber… 🙂 Aber jemand hat sie auf Youtube hochgeladen, weswegen ich jetzt mal gucken gehe…

Blog etwas aufgeräumt

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass das Blog der SF-Ecke extrem langsam lädt. Daher habe ich mal ein wenig Aufgeräumt. Dabei sind auch 2 Optionen zum Opfer gefallen.

In der rechten Seitenleiste ist die Twitter-Timeline weggefallen. Die Seite war erst nutzbar, wenn dieses Widged sich aktualisiert hatte. Dies konnte, je nach Auslastung von Twitter, schon mal etwas länger dauern. Wer also die Tweets von mir weiterhin verfolgen möchte, folgt mir entweder auf Twitter, der Nutzername ist @sfecke, oder besucht regelmäßig die Timeline auf Twitter. Hier könnt ihr auch weiterhin die Tweets sehen.

Auch die RSS-Feeds der aktuellsten Stories habe ich entfernt. Auch diese brauchte immer etwas, bis sie geladen war und hat die Seite weiter ausgebremst. Wenn ihr die neuesten Stories immer sehen wollt, könnt ihr das auf der Hauptseite der Stories, oder ihr könnt den Stories-RSS-Feed abonnieren.

Auch in den Plugins habe ich etwas aufgeräumt, aber das ist eher was unter der Haube und für den Normalnutzer eher nicht sichtbar. Ich hoffe jedenfalls, dass die Seite jetzt nicht mehr ganz so träge reagiert.

Kommentare, Verbesserungsvorschläge oder Kritik bitte entweder in die Kommentare dieses Posts oder in die Mailingliste.

Warum meine @deinbus Fahrt wohl eine Ausnahme bleibt

Ich kenne Fernbusfahrten aus meinen Türkeiurlauben. Dort ist der Fernbus sogar eher die bevorzugte Reisemethode. Zwar gibt es auch Bahnverbindungen, aber Zug bin ich da nie gefahren.

In jeder nur etwas größeren Stadt gibt es Fernbusbahnhöfe, die durchaus mit Bahnhöfen hier in Deutschland vergleichbar sind. Da gibt es Kiosks, Restaurants, Ticketschalter, und viele Bussteige, von denen die Busse abfahren. Auch Lautsprecherdurchsagen, wann welcher Bus von wo abfährt, hört man da viel.

Die Busse selbst sind dort teils wirklich luxuriös eingerichtet. Bequeme Sitze, Entertainment-System, Strom, teils auch WLAN, man fühlt sich wie in der 1. Klasse eines ICEs. So kann man eine 10-Stunden-Fahrt gut aushalten.

Wenn wir nach Türkei fliegen, landen wir oft in Istanbul oder Ankara. Von dort geht es dann 6 bis 10 Stunden mit dem Fernbus nach Malatia, oder Mersin. Wobei, nach Mersin dauert es viel länger… 🙂 Bedenkt man also die durchaus lange Zeit im Bus, muss einfach ein gewisses Maß an Komfort da sein. Natürlich wird oft Pause gemacht. Zum einen wegen der Lenkzeitpausen, zum anderen auch, weil man ja mal was essen muss oder sonst was…

Als nun auch in Deutschland die Fernbusse anfingen, loszulegen, hatte ich zwar gewisse Erwartungen, jedoch waren sie auch nicht allzu hoch. Den Luxus, den ich von türkischen Fernbussen kannte, habe ich selbstverständlich nicht erwartet. Dort fährt man länger, ist also mehr auf Komfort angewiesen, und dort ist auch der Konkurrenzkampf wesentlich stärker. Umso neugieriger war ich aber, zumal mich die Deutsche Bahn immer mehr und mehr verärgerte. Dauernde Verspätungen, ständige Preiserhöhungen ohne dass ich sehen könnte, wofür und die teils immer unfreundlicheren Mitarbeiter. Also dachte ich, probiere ich so einen Fernbus doch mal aus. So buchte ich von Marburg nach Köln-Deutz eine Fahrt mit deinbus.de. Und, mit 11 Euro war ich dabei! 🙂

Das erste, was mir positiv auffiel, man bekommt keinen Fahrschein. Muss also nix ausdrucken, und hat auch sonst keinen Papierkram. Der Busfahrer hat eine „Gästeliste“, und steht man drauf, fährt man mit. 🙂 Zwar ist das gewöhnungsbedürftig, weil ich bis zuletzt gehofft habe, dass genau hier keine Panne auftritt, aber eigentlich finde ich das Prinzip schon irgendwie cool. Man sagt seinen Namen, zeigt evtl. noch den Ausweis, fertig! Das kam mir extrem entgegen, weil ich zu Besuch war und keinen Drucker zur Verfügung hatte. Die Patronen im Drucker von Heike waren glaube ich auch alle. Bin mir aber nicht mehr sicher. Wie auch immer, über so was muss man sich hier keine Gedanken machen.

Die Bushaltestelle in Marburg liegt gegenüber der Aral-Tankstelle am Hauptbahnhof. Quasi unter der Autobahnbrücke. Die Position dieser und des Übergangs, wo ich die Straße überqueren muss hatte ich in meinem iPhone in der BlindSquare-App gespeichert. So kann ich mich per GPS zielgenau dort hinführen lassen, was auch hervorragend geklappt hat.

Man soll ja 15 Minuten vor Fahrtantritt am Bus sein. Also meiner fuhr um 12:00 Uhr, also musste ich um 11:45 spätestens da sein. Da es mit den Zügen nicht anders machbar war, war ich schon um 10:45 Uhr am Bahnhof, was mir ausreichend Zeit für ein zweites Frühstück lies. Und da dort momentan alles voller Baustellen ist, bin ich halt etwas früher gekommen, um nicht zu spät zu kommen. So um 11:30 Uhr war ich also an der Haltestelle, und der Bus kam tatsächlich eher so um 11:45 Uhr. Reisetasche einladen, Eintrag auf der „Gästeliste“ abhaken lassen, los geht’s.

Hier gibt es auch schon den ersten Kritikpunkt. Ich war noch nie in einem Bus von deinbus.de, so kenne ich mich als Blinder darin also nicht aus. Wo sind Stufen, wo packe ich meine Jacke hin, was sind das für Bedienelemente über meinem Kopf und derlei praktische Probleme. Zwar ließ die Freundlichkeit des Fahrers nix zu wünschen übrig, jedoch hätte ich mir etwas mehr Hilfe gewünscht. Zur Not hätte s, für Jackenablage, Bedienelemente und dergleichen, auch ein Infoband getan, was kurz vor Abfahrt abgespielt wird. Zum Beispiel kann ich die Flyer nicht lesen, weswegen ich nicht wusste, wie ich an die im Bus befindlichen Getränke komme, und was diese kosten. Auch das hätte mit einem Infoband erledigt werden können. Vielleicht passiert das ja noch. Sicherheitsinfos im Flugzeug kommen ja häufig auch aus der Konserve, könnte man hier auch machen.

Und dann kommt auch schon der zweite Kritikpunkt. Ich behaupte mal ganz frech, dass ich mit meinen 1,80 Metern und 78 Kilos nicht fett bin. Ich saß auf der linken Seite hinter dem Fahrer. Ich glaube, 3. oder 4. Reihe, ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls saß ich am Fenster und hatte mein Laptop auf dem Schoß. Und während der ganzen Fahrt hin habe ich überlegt, was, zum Teufel, ich mit meinem linken Arm anstellen soll. Es war dafür einfach kein Platz da. Zum Glück saß rechts von mir keiner, sonst hätte ich das gleiche Problem auch mit meinem rechten Arm gehabt. Nicht auszudenken, wenn da eine etwas voluminösere Person gesessen hätte… 🙁 Man hat zwar ordentlich Beinfreiheit und sogar was zum Abstellen der Füße, aber die Sitzbreite ist viel zu schmal.

Die Fahrt selbst war einfach nur gut. Man sitzt, von der Breite abgesehen, recht bequem, auch der Anschnallgurt stört nicht, es ist leise, und der Bus ist gut klimatisiert. Zu meiner Freude war fast durchgehend Internet vorhanden. Fast, weil ich nicht immer geguckt habe und nicht weiß, ob es hier und da mal abgerissen ist. Jedenfalls konnte ich mit Leichtigkeit meine RSS-Feeds lesen und twittern. Das WLAN ist offen und kostenlos. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass es auch sehr schnell ist. Mich würde aus technischer Sicht interessieren, wie man hier ans Internet angebunden ist. Jedenfalls hat mir das gut gefallen, da ich die Reisezeit so gut und nützlich verbringen konnte.

Im Titel dieses Posts steht ja, dass die Fahrt wahrscheinlich eine Ausnahme bleiben wird. Und hier kommen auch die Punkte, warum:

Als wir kurz vor Köln-Deutz waren, schüttete es wie aus Eimern. Ich wusste, dass die Bushaltestelle um einiges vom Bahnhof entfernt ist, also fürchtete ich schon das Schlimmste. Als der Bus jedoch angehalten ist, kam zum Glück die Sonne raus. Gut, dachte ich, noch mal Glück gehabt! Dieses Gefühl hielt aber nicht lange. Also stand ich da mit Reisetasche in der Hand, Laptop-Tasche auf der Schulter und keine Ahnung, wo der verdammte Bahnhof jetzt ist. Macht nix, hab ja aufgeladenes iPhone und mehrere GPS-Apps. TomTom sagt mir, 1,2 Kilometer Fußweg. Wie jetzt? Mit der schweren Reisetasche und der Aussicht auf Regen soll ich 1,2 Kilometer laufen? Kein Nahverkehr, keine Unterstellmöglichkeiten, wenn es wieder zu Schütten angefangen hätte, wäre ich in den Hintern gekniffen gewesen! Zu allem Überfluss ist der Weg zum Bahnhof zwar relativ einfach, jedoch liegen mindestens 2 komplizierte Kreuzungen auf dem Weg. Die erste z. B. hat mehrere Übergänge mit Ampeln und Zebrastreifen, wobei keine Ampelanlage eine Blindenampel ist. Ich habe 10 Minuten nur damit verbracht, den Verkehrsfluss zu beobachten, um zu erkennen, wann ich Grün habe. Für Ortsunkundige Blinde ist das durchaus ein Problem, wobei ich mich eigentlich als sehr mobil einschätze und solche Dinge mich normalerweise nicht lange aufhalten. Wenn man aber schwer zu tragen hat und die Regenwolken sich über einem zu ballen beginnen, wird man hektisch und unvorsichtig. Das macht Stress. Wie auch immer, ich habe es ja geschafft. Aber der Bahnhof war deswegen immer noch nicht gefunden. Zwar gab TomTom relativ eindeutige Anweisungen, wie ich laufen sollte, aber irgendwie war die Abzweigung, von der TomTom sprach, nicht da, wo sie hätte sein sollen. Zum Glück habe ich einen netten Rentner gefunden, der mir bis zum Bahnhof geholfen hat. Au weia! Das hätte ich allein mit TomTom nie gefunden. Denn da ging es noch mal richtig kompliziert her!

Die Zugänglichkeit der Webseite von deinbus.de ist im Grunde gar nicht so schlecht. Aber am entscheidenden Punkt hakt es. Wenn man Start, Ziel und Datum eingeben will, öffnen sich Javascript-Popups, die ich weder mit dem Safari auf dem Mac noch mit Firefox bedienen konnte. Irgendwie, fragt mich nicht wie, habe ich es letztlich geschafft, hat aber gut und gerne 20 Minuten gedauert. Die Webseite war nämlich fast immer der Meinung, ich wolle in Maastricht einsteigen. In einer Mail habe ich dies an deinbus.de geschrieben und auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie man dem beikommen könnte. Man bedauere es, aber da ja so wenig Blinde die Seite nutzen würden, sähe man jetzt keinen Handlungsbedarf. Öhm, büdde wie meinen?!

Wir sind auf einem technologischen Stand, und das nicht erst seit gestern, wo es möglich ist, jeder Gruppe diskriminierungsfrei Zugang zu Informationen und Diensten zu gewähren. Alles was nötig ist, ist ein wenig guter Wille und ein paar Tastendrücke. Wir haben hier ein klassisches Henne/Ei-Problem: Habt ihr eure Seite so programmiert, weil keine Blinden kommen, oder kommen keine Blinden, weil ihr eure Seite so programmiert habt? Seiten für Blinde zugänglich zu machen heißt nicht, auf klickybunti zu verzichten, das war mal in den 90ern so. Wenn man mal bei Google oder Twitter sucht, oder mal in entsprechenden Mailinglisten anfragt, werden sich eine Menge blinder Menschen finden, die PHP, Javascript und andere Programmiertechniken beherrschen. Viele davon werden sicher gerne helfen, diese Probleme zu lösen. Es sei denn natürlich, deinbus.de hat den Willen nicht und will die Tastendrücke nicht machen.

Um mal die Sprache zu benutzen, die ihr selbst auf eurer Webseite nutzt: Bedenkt man die Einfachheit, mit der das Problem beseitigt werden könnte, seid ihr euch wirklich und absolut sicher, dass nicht ihr die Turnbeutelvergesser seit? Die Zeit, die ihr investiert habt, um mir eine Mail zu schicken die fast wie blanker Hohn klingt, hättet ihr produktiver verbringen können. Aber was soll’s?

Und hier noch mal eine Reihe von knallharten Fakten, weswegen eine Fernbusfahrt für mich kaum noch in Frage kommt: Den Nahverkehr, in Städten als auch den auf der Schiene, nutze ich mit meinem Schwerbehindertenausweis kostenlos. Für den Fernverkehr habe ich eine Bahncard 50. Für die Fahrt von Neustadt bei Marburg bis Wuppertal zahle ich bei der Bahn nur 30 Euro. Und für den Bus? Finanziell nur 11 euro, aber was sonst noch dazu kam? Ich fahre also 25 Minuten mit dem DB-Nahverkehr, warte 1 Stunde am Bahnhof, fahre 2:50 Stunden mit dem Bus, laufe 1,2 Kilometer evtl. durch strömenden Regen zum Bahnhof, fahre noch mal 40 Minuten Nahverkehr bei der DB, und in diesem Fall sogar stehend, weil der Zug voll war. Die Seite ist nicht richtig zugänglich, man bietet telefonische Buchung an. Diese kostet normal aber 3 Euro, die man, laut der Mail, in diesem Falle weglassen könnte. Gut, geht aber nur Wochentags, wodurch ich also auch noch mit meiner Unabhängigkeit bezahle.

Mein Fazit: Zwar ist die Fahrt mit einem Fernbus gar nicht so übel, aber zum jetzigen Zeitpunkt würde ich das nicht empfehlen. Es sei denn, euer Start und euer Ziel erfordern keine umständlichen Weiterfahrten und ihr habt evtl. sehende Begleitung dabei. Wie gesagt, meine Ersparnis mit einem Fernbus sind zwar beträchtlich, aber die Nachteile überwiegen. Die Busunternehmen könnten, wo sie noch klein und flexibel sind, die Gelegenheit nutzen, auch die Schwerbehinderten, aber auch die älteren und andere Gruppen, zum Bus zu überreden. Dies geht aber nur, wenn Buchung und Fahrt für diese Gruppen nicht mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sind. Das hängt aber von den Unternehmen selbst ab. Vielleicht, wenn das Netz mal besser ausgebaut ist, und die Webseiten besser bedienbar werden, wäre das eine Alternative. Um deinbus.de mal die eigene Schlussformel in ihrer Mail zurückzuwerfen: Ich behalte euch im Hinterkopf… 🙂

Fedcon 22: Waaar sonst noch was? Ach ja…

Einige meiner Eindrücke über die Fedcon 22 habe ich ja schon hier geschrieben. Aber wie so oft gibt es eine Menge mehr Aspekte zu einer Sache. Klar, die Bilder, die Panels und das alles machen einen sehr großen Teil der Fedcon aus. Aber da ist noch so viel mehr:

Man kommt immer mal wieder mit Menschen und Aliens ins Gespräch, die man sonst nie kennengelernt hätte. Nehmen wir nur mal die Star Trek Into Darkness Vorpremiere. Wir hatten uns da längere Zeit mit einem schweizer Pärchen unterhalten. War sehr interessant. Oder am Donnerstag, im chinesischen Restaurant Bambusgarten, dort auch mit einer ganzen Gruppe von Leuten unterhalten, von denen ich größtenteils nicht mal die Namen weiß. Na und? 🙂 Würde ich im normalen Leben nie machen, aber irgendwie ist die Fedcon, und das alles darum herum, etwas anderes.

Wir haben auch Freunde wieder getroffen, die wir nur von der letzten Con oder anderen Cons her kennen. Keinen von denen, zumindest geht das mir so, kenne ich woanders her.

Es ist auch die Atmosphäre, was die Con ausmacht. Es ist voll, es wird gedrängelt, aber alle sind mehr oder weniger entspannt, und ich für meinen Teil laufe da immer durch wie ein 5 jähriges Kind, welches man in einen Gummibärchenladen gesetzt hat und gesagt hat, pass mal auf, wir sind mal für 2 Stunden weg, aber nix anfassen! Na, was glaubt ihr wohl, macht der Kamil genau dann? Natürlich, sich bedienen! Was denn sonst? Überall gibt es was zu sehen, hören und bestaunen, ob es Kostüme sind, Dinge in den Händlerräumen, oder einfach nur die Atmosphäre um einen herum.

Man kauft sich Foto-Session-Tickets und freut sich darüber, dass man was zum an die Wand hängen und rumzeigen hat. Was man aber stattdessen manchmal bekommt, ist ein Foto, und manchmal auch eine Geschichte dazu. Wie zum Beispiel hiermit:

Von links nach rechts, Robert O'Reilly, Heike, ich, J. G. Hertzler

Das Bild mit den Klingonen in voller Maske haben wir letztes Jahr auf der Fedcon gemacht. Wobei Heike hier als eine Art Katzenwesen, ich habe den Namen der Spezies leider vergessen, verkleidet ist, und ich habe eine Star Trek Uniform aus TNG an. Soweit, so gut, zunächst ist es erst mal nur ein Bild. Dieses Jahr waren die beiden wieder da. Wir kommen gerade vom Flughafen, über die Brücke zum Hotel, und Robert O’Reilly und J. G. Hertzler kommen uns entgegen. Er blickt uns an und Heike ist sich sicher, dass er uns erkannt hat.

Oder das hier:

Von links nach rechts, Heike, Casper Van Dien, ich

Auch hier, erst mal nur ein Bild. Aber es wird plötzlich viel mehr, wenn man auf Einlass zum Konzert wartet, Casper Van Dien an einem vorbei läuft und „Hi“ sagt. Vor allem, wenn man weiß, man war gemeint.

Oder das hier:

Von links nach rechts, Garrett Wang, ich, Heike, Robert Beltran, Ethan Philips

Oh, ja, fast hätte ich dieses Bild ruiniert! Kurz vor dem Foto waren wir noch im Panel mit den dreien. Und da kam auch die Sache mit den Vornamen für Chakotay und Neelix auf. Natürlich musste ich, Scherzkeks, der ich nun mal bin, die beiden mit ihren „neuen“ Vornamen ansprechen. Das hatte zur Folge, dass Garrett neben mir gegrinst hat, und ich mich genau in dem Moment zu ihm umgedreht habe, wo der Fotograf ausgelöst hat. Zum Glück wurde das Bild nochmal aufgenommen.

Keine dieser Geschichten kann man mit dem Ticket kaufen. Sie passieren dir, oder sie passieren dir nicht. Aber wenn sie dir passieren, und du hast außer buntem Papier noch eine Geschichte, macht es das um so wertvoller! Und das ist, abseits der Panels und Autogramme und Fotos und Merchandizing so ziemlich das, was für mich die Fedcon wirklich ausmacht.

Ich habe zwar mal für die Fotos bezahlt, aber ich hoffe ja immer noch, dass ich für die Veröffentlichung auf dem Blog nicht gevierteilt und zur Abschreckung auf der Fußgängerbrücke zwischen Flughafen und Maritim ausgestellt werde… 🙂 Urheberrechte sind ja kaum noch zu durchschauen.

Und ich sage es auch dieses Jahr gerne wieder: Der Shop der Fedcon mag grausig sein, im Sinne der Barrierefreiheit, aber die Veranstaltung an sich sucht ihres gleichen! Vorbildliche Behindertenbetreuung, nette Helfer, insgesamt ein sehr angenehmes Umfeld. Da kommt man gerne wieder.

So, und falls ich nichts wichtiges vergessen habe, war das jetzt alles. Ansonsten schreibe ich halt noch einen dritten Blogeintrag… 🙂

Fedcon 22: Die Conedy

Nein, das ist kein Schreibfehler, das ist wirklich so gemeint! Das waren 4 Tage Comedy auf der Con pur! Selten so viel gelacht! OK, zugegeben, das ist erst meine 3 1/2 Con, die Fedcon 19 ist nur als Halb zu werten. Da war ich nur ein Samstags-Tagesgast, um mal Con-Luft zu schnuppern und mich für die Fedcon 20 anzumelden.

Ich weiß auch, dass ich mit meinem Con-Bericht echt spät dran bin. Macht nix, letztes Jahr gab es ja gar keinen. Aber was soll ich jetzt noch schreiben, was nicht Dutzende vor mir geschrieben hätten? Statt also die Inhalte der Panels 1:1 nachzuerzählen, was sinnlos wäre wegen der Pointen, schildere ich mal nur so paar Eindrücke und zeige euch mal ein paar schöne Fotos, die ich dort gemacht habe.

Diesmal ist es echt schwer gewesen, paar gute Fotos für diesen Beitrag auszuwählen. Mit der neuen Kamera war die Ausbeute so hoch, dass ich am liebsten alle einstellen würde, aber da reicht mein Webspace nicht aus, fürchte ich. Fangen wir also hiermit an:

Startendes Flugzeug bei bedecktem Himmel

Was das Flugzeug mit der Fedcon zu tun hat, fragt ihr? Na, rein gar nix! 🙂 Außer vielleicht, dass ich Flugzeuge cool finde, die Fedcon im Maritim-Hotel am Düsseldorfer Flughafen stattfand und ich am Sonntag mir mal die Zeit genommen habe, auf die Aussichtsplattform zu gehen, um ein bisschen Flugzeugbilder zu machen. 🙂

Für mich als stark Sehbehinderten ist es enorm von Vorteil, dass ich schon das 3. Mal in Düsseldorf bin. Das hat den Vorteil, dass ich mich größtenteils auskenne und falls nötig, mich auch allein zurechtfinden könnte. OK, Heike und ich haben mehr oder weniger die gleichen Interessen, so dass sich die Panels, zu denen wir wollen, so gut wie nie überschneiden. Sollte es aber mal so sein, dass Heike in ein anderes Panel will, als ich, würde das daher kein Problem mehr darstellen. Mittlerweile finde ich die Säle oder zumindest markante Treffpunkte allein wieder. Auch im Flughafen selbst finde ich mich schon recht gut zurecht.

Wie ich schon sagte, es war purer Fun. Und das ging am Mittwoch auch schon los. Was für ein Glück, dass Heike, Andreas und ich Star Trek Into Darkness schon am Mittwoch Abend gucken konnten. Ich liebe Vorpremieren. Übrigens, kannte jemand die 2 einsamen Persönchen im Kinosaal, die keine Fedcon-Tasche dabei hatten? Hat die wer auf die Fedcon hingewiesen? 🙂

Und wie jedes Jahr ist es auch diesmal so gewesen, man geht durch die Tür des Maritim und fühlt sich gleich zu Hause, endlich wieder Fedcon! 🙂

Garret Wang und Fergal, die Fedcon-Katze!

Und natürlich ist auch dieses Jahr Fergal, die Fed-Cat, unterwegs gewesen. Hier ist Garrett Wang, der MC, und Fergal, das Maskottchen, auf einem Bild gemeinsam zu sehen, so dass man mal mitbekommt, wie groß Fergal eigentlich ist. Mir tut die Person in dem Kostüm ja immer Leid, das muss sau heiß da drin sein!

Was auch sehr witzig war, war das Panel mit Robert Beltran, Commander Chakotay, und Ethan Philips, Neelix, von der Voyager-Crew.

Robert Beltran und Ethan Philips

Die beiden sind echt witzig. Übrigens, nun wissen wir auch den Vornamen von Chakotay, der ja in der Serie nie genannt wurde… Hm, nur, war das jetzt ein Scherz, oder ernst gemeint? Wer kann das bei dieser Con überhaupt noch sagen? 🙂 Nun, jedenfalls meinte jemand, der Vorname sei Seymour, wobei ich ja fast glaube, da guckt jemand zu viel Simpsons. 🙂

Das Panel mit Linda Park, die in Enterprise die Hoshi Sato spielt, war auch sehr nett.

Linda Park

Ich war schon fast so weit, zum Mikrofon zu laufen und zu fragen, ob sie denn auch im echten Leben so viel mit Sprachen zu tun hat, aber da hat mich wer erlöst und vorher die Frage gestellt. Gut, dann musste wenigstens nicht ich mir da einen zurechtformulieren. Zwar hatte ich die Frage im Kopf schon fertig, aber ich bin mir sicher, wenn ich dann am Mikro gestanden hätte, hätte ich alles wieder vergessen gehabt. Man stellt sich das immer so einfach vor, gehe zum Mikrofon und frag einfach. Aber man ist doch, schon beim vorformulieren, extrem nervös. Vor allem dann, wenn man seinen Englischkenntnissen nicht wirklich vertraut…

Wer mich sehr angenehm überrascht hat, war Patti Yasutake, die in The Next Generation die Schwester Ogava auf der Krankenstation spielt. Klar, ist quasi nur eine Nebenrolle, aber die haben oft die interessanteren Geschichten zu erzählen.

Patti Yasutake

Und genau so war es dann auch. Bei ihrem ersten Panel im Hauptsaal habe ich nur nebenbei zugehört, aber da wusste ich dann schon, zum zweiten Panel im kleineren Saal muss ich hin. Und daher stammt auch dieses Foto.

Was leider sehr schade ist, vom Kostümwettbewerb sind keine Fotos was geworden. Entweder waren diese unterbelichtet, überbelichtet, oder jemand stand direkt vor meiner Linse. Aber gerade gegen das letztere kann man ja kaum was unternehmen. Was die Belichtung betrifft, da verlasse ich mich nächstes Mal mehr auf die Automatik. Viele der Bilder in den Sälen habe ich manuell eingestellt.

Dieses Jahr, hatten jedenfalls Heike und ich den Eindruck, waren deutlich weniger Kostümierte unterwegs. Aber die, die da waren, waren super. Wollt ihr mal was wirklich witziges sehen?

Ein Alien im Vollkostüm, also auch mit Helm und so, trinkt mit Strohhalm aus Flasche

Heike hat gesagt, ich soll mal da hin zielen und abdrücken. Als sie mir dann sagte, was ich da fotografiert habe, konnte ich nicht mehr vor Lachen. Ich weiß gar nicht, ist das jetzt ein Alien aus dem Film, Aliens, oder was genau ist das? Wie auch immer, jetzt muss ich nur noch einen Darth Vader beim Essen erwischen! 🙂

Ach, und dieser kleine Kollege hier lief auch da so rum!

R2D2, der Astro-Droide aus Star Wars

Eine Gruppe Wookies war auch da unterwegs, aber wie gesagt, hab ja leider nicht unendlich Webspace.

Leider konnten wir nicht alle Panels sehen, einige der wirklich witzigen sind uns leider durch die Lappen gegangen. Aber man ist auch nur Mensch und einen Zeitumkehrer wie Harry Potter hatten wir nicht, obwohl wir den dringlichst gebraucht hätten! Aber dafür haben wir einiges nicht verpasst, wie z. B. die wirklich tollen Vorträge von Dr. Hubert Zitt, oder nessi als anmutige Waltelfe… 🙂

Das war ein spitzenmäßiges verlängertes Wochenende. Mehr kann man dazu echt nicht sagen. Zwar hatten einige Gäste abgesagt, auf die ich mich wirklich gefreut hatte, aber mit etwas Glück kommen die ja nächstes Jahr. Ich jedenfalls auch.

Interessantes Gewinnspiel

Ich bin ja normalerweise für Werbung nicht zu haben. Und bei Gewinnspielen bin ich auch immer recht vorsichtig. Aber heute hat mir eine Brieftaube eine Mail auf den Schreibtisch fallen lassen, die ich zuerst ignoriert habe. Aber irgendwie hat mich das nicht losgelassen, also hab ich mal ein wenig im Web herumgeklickt. Und irgendwie finde ich es doch faszinierend. Fernsehen wird durch wywy nämlich interaktiv. Sie sagen über sich selbst:

wywy offers broadcast monitoring and detection solutions for creating interactive TV Second Screen applications that are in perfect sync with users TV viewing.

Mein Englisch ist nicht das aller beste, aber auch nicht ganz schlecht. Für mich klingt das, als könne man damit zum einen Einschaltquoten messen, als auch den Zuschauer interaktiv teilnehmen lassen. Letzteres ist nämlich das, was die Mail beschreibt.

Da ich zu faul bin, mir jetzt einen eigenen Text auszudenken, kopiere ich einfach mal den relevanten Teil der Mail hier rein:

Im Vorfeld zum Kinostart des neuen Films von J.J. Abrams “Star Trek – Into Darkness” starten wir von wywy gemeinsam mit TELE 5 (DER Adresse für Star Trek Fans im deutschen Free-TV) unseren neuen virtuellen und interaktiven Trekkie-Treff.

Was ist wywy? Wir haben eine Social TV-App entwickelt, mit der sich der Nutzer parallel zum Fernsehen in Sendungen einchecken kann. Die App erkennt die laufende Sendung dabei am Ton (klingt fast wie eine Star Trek-Technologie, oder?).

Für Teilnehmer am virtuellen Treff gibt’s Folgendes:

• Spezielle Trophäen beim Check-in in Star Trek-Folgen auf TELE 5 holen (Hier eine Übersicht der Trophäen)
• Mit Freunden oder anderen Fans über die laufende Sendung chatten und Meinung direkt über Social Media teilen
• TV-Bonuspunkte sammeln und gegen attraktive Prämien eintauschen
• Star Trek-Outfits aus der Sendung entdecken und nachkaufen
• Mit jeder gesammelten Trophäe am exklusiven Gewinnspiel teilnehmen (läuft bis 9.5.)

Vorsicht, der Link führt zu Facebook, nur, falls ihr auch so Facebook-Allergiker seit wie ich… 🙂

Beim Gewinnspiel gibt’s tolle Preise zu ergattern, zum Beispiel exklusive Science Fiction Comic-Bücher von cross cult oder von Fans gestaltete und merkando produzierte Star Trek Shirts.

Wie ich schon sagte, klingt spannend. Um teilnehmen zu können braucht ihr die wywy-App. Die Android-App gibt es hier und die iOS-App gibt es hier.

Ich habe zwar noch Screenshots von den Apps, aber da ihr euch diese in den jeweiligen AppStores sowieso ansehen könnt, verzichte ich darauf, diese hier hochzuladen. Ich selbst habe kein Android-Telefon, aber ich werde definitiv die iPhone-App testen und mitteilen, ob diese mit VoiceOver auch funktioniert. Das wäre insbesondere für die blinden Leser hier interessant.

Weitere Informationen zu Star Trek Interaktiv findet ihr hier.

Na, dann mal allen viel Erfolg. Übrigens, die Aktion läuft bis zum 31.05., so dass auch Fedcon-Besucher mitmachen können.