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Das #Jobcenter #Wuppertal ist behindertenfeindlich, diskriminierend und demütigend!

Das Jobcenter Wuppertal hat sich seit jeher als behindertenfeindlich und unbelehrbar dargestellt.

Da es viel zu umfangreich wäre, alles aufzuführen, werde ich in diesem Text nur die aktuellen Ereignisse ab dem Jahre 2015 schildern. Diese, weil diese unmittelbar zusammenhängen und zum jetzigen Status geführt haben. Der Text ist auch so schon lang genug… 🙂 Anfeindungen, Diskriminierungen und Erniedrigungen erlebe ich aber schon von Anbeginn. Wenn ich nur an meinen ersten ALG-II-Antrag denke, möchte ich aus der Haut fahren!!!

Jahre lang habe ich mir den Mund fusselig geredet, in der Hoffnung, auf Vernunft und Einsicht zu stoßen. Selbst Sachbearbeiter, denen ich den Sachverhalt einige Monate vorher schon lang und breit erklärt habe, wussten plötzlich von nichts und für sie war das alles neu. Ich habe also meine Zeit verschwendet. Daher betrachte ich den Versuch, mit Argumenten irgendetwas zu erreichen, als unwiderruflich gescheitert!

Weiterbewilligungsanträge stellen ist ein Spießrutenlauf

Immer wieder stoße ich auf Mitarbeiter des Jobcenters, die mich anständig und vernünftig behandeln. Aber auf einen solchen Mitarbeiter kommen 3 oder 4, die das entweder nicht können, oder nicht wollen!

Alte Situation

Früher musste man in ein Büro, wo dann eine Mitarbeiterin des Jobcenters die Unterlagen entgegen nimmt oder berät. Hier ging ich auch regelmäßig hin, um mir beim Ausfüllen des Antrages helfen zu lassen. Als Blinder kann ich solche Anträge nicht selbst ausfüllen.

Wie schon gesagt, manchmal traf ich auf Jemanden, der das sofort und wie selbstverständlich auch gemacht hat. Oh wunder, der ganze Akt dauerte kaum 5 Minuten!

Die Regel war aber, dass ich auf Mitarbeiter stieß, die nichts damit zu tun haben wollten. Meine Lieblingsbegründungen hierfür sind:

Und wenn wir was falsch ausfüllen, sind wir Schuld!

Oder das hier, das gefällt mir am besten:

Das dürfen wir nicht, wegen dem Datenschutz!

Ich hab heute noch Bauchschmerzen vor Lachen! Datenschutz, Jobcenter, das ist mal Comedy! 🙂

Aber betrachten wir die Sache doch mal von der rechtlichen Seite:

Das Behindertengleichstellungsgesetz des Landes Nordrhein Westfalen hat hierzu so einiges zu sagen. Da wäre z. B. § 9 Abs. 3 von Belang. Da steht:

Blinde und sehbehinderte Menschen können insbesondere verlangen, dass ihnen Bescheide, Vordrucke und amtliche Informationen unentgeltlich auch in einer
für sie wahrnehmbaren Form zugänglich gemacht werden, um eigene Rechte oder Aufgaben im Rahmen der elterlichen Sorge nach §1626 des Bürgerlichen Gesetzbuches
im Verwaltungsverfahren wahrzunehmen. § 9 des Inklusionsgrundsätzegesetzes ist zu beachten.

Nun, das wäre zwar toll, wird in der Realität aber so gut wie niemals umgesetzt. Daher berufe ich mich in der Regel auch auf § 9 Abs. 1. Hier steht:

Die Träger öffentlicher Belange haben bei der Gestaltung von schriftlichen Bescheiden, Allgemeinverfügungen, öffentlich-rechtlichen Verträgen, Vordrucken
und amtlichen Informationen die besonderen Belange betroffener Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen.

Hieraus könnte man ableiten, dass man zur Wahrnehmung seiner Rechte evtl. auch Hilfe bekommt, wie z. B. beim Ausfüllen. Das gilt im Übrigen für beide Absätze.

Ich habe hier aber auch schon gesagt bekommen, das dieses Gesetz hier nicht gelte. Huch? Wo steht denn bitte das? Wenn sich also das Jobcenter aussuchen darf, welches Gesetz für sie gilt, und welches nicht, darf ich das dann auch? Ich hätte da nämlich so den einen oder anderen Paragraphen, den ich auch gerne ignorieren würde… 🙂

Nach viel Hin und Her wird es dann aber dennoch gemacht, natürlich nur ausnahmsweise und natürlich nur dieses eine Mal! Und, diese Aktion dauert in der Regel 15 bis 25 Minuten. Was ist jetzt also effektiver?

Neue Situation

Der Eingangsbereich der Geschäftsstelle wurde umgebaut, so dass ich mir an einem Tresen eine Nummer holen muss. Und hier geht es schon los, dort will man mir zunächst keine Nummer geben. Der Mitarbeiter will mich erst recht aggressiv wegschicken. Wenn ich dann aber etwas energischer werde und mit anwaltlicher Beratung drohe, telefoniert der Mitarbeiter recht panisch in der Gegend rum. Da höre ich dann so Sätze wie:

Müssen wir den Behinderten jetzt wegschicken? Der ist hier alleine, ganz ohne Begleitung! … Ja, weiß ich doch auch nicht, wie jetzt? … Aber … Gut, ich schicke den dann durch!

Da fühlt man sich doch gleich respektiert und ernst genommen, oder?

Immerhin wird mir mittlerweile etwas bereitwilliger beim Ausfüllen geholfen. Man zeigt seinen Unmut über diese Sache, füllt aber doch für mich aus. Immer noch nicht befriedigend, aber wenigstens etwas besser. Die Demütigungen allerdings, am Tresen solche Telefonate mitzuhören, wo auch andere Wartende das hören können, finde ich unerträglich!

Klärungsversuch durch meinen Anwalt

Im Jahre 2015 habe ich die Angelegenheit dann meinem Anwalt übergeben. Dieser hat Herrn Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, angeschrieben und über die Sachlage informiert. Hier tat man zwar sein Bedauern über die Sachlage kund, passiert ist seit dem jedoch gar nichts! Ich werde im Eingangsbereich immer noch genau so behandelt, zuletzt am 20.12.2017, so um 08:30 Uhr, ich war mit einer der ersten „Kunden“, die an dem Tag eine Nummer wollten. Ich hatte übrigens die Nummer 2.

Ich nenne das so genau, für den Fall, dass doch mal jemand sich der Sache annehmen will und sorgfältig recherchieren möchte. So sollte es auch kein Problem sein, die beteiligten Personen zu ermitteln, besonders voll war es an dem Tag ja nicht. Mein Antrag wurde übrigens hinterher auch problemlos ausgefüllt. Hier war die Demütigung bereits bei der Nummernvergabe am Tresen. So eine Situation hatte man ja noch nie! Echt jetzt? Bin ich das erste mal da? Da wäre man ja nicht drauf geschult worden. Und wo ist das jetzt meine Schuld? Ich hab ja die Schulungen nicht durchgeführt. Und dass ich nie was gesagt hätte, kann man auch nicht behaupten, man hat sich das einfach nur nicht merken wollen. Was interessiert einen auch das Gebabbel eines Behindis? 🙁

Blinde sind ALLE erwerbsunfähig!

Wussteste jetzt nich, gelle? Is aber so! Das haben führende Wissenschaftler aus Wuppertal, die nicht ohne Grund ungenannt bleiben wollen, herausgefunden!

Sorry, konnte nicht widerstehen! 🙂 Aber jetzt mal ganz sachlich:

Erster Versuch, mich in Grundsicherung abzuschieben

Im Jahre 2007 habe ich einen Weiterbewilligungsantrag gestellt. Der Sachbearbeiter, Herr D., wollte meinen Schwerbehindertenausweis sehen. Gut, dachte ich, ist ja auch erst kürzlich verlängert worden und muss in die Akte aufgenommen werden. Das böse Erwachen kam dann wenige Tage später mit dem Bescheid!

Hier wird mir mitgeteilt, dass mit sofortiger Wirkung der Bezug von ALG-II eingestellt wird, da ich vollständig erwerbsunfähig sei. Dies würde ja das Merkzeichen H in meinem Schwerbehindertenausweis ausdrücken. Zu den Merkzeichen im Ausweis schreibe ich später noch mehr.

Zunächst musste ich Sozialhilfe, bzw. Grundsicherung beantragen, um erst mal überhaupt über die Runden kommen zu können. Gleichzeitig habe ich selbstverständlich Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt und auch begründet. Diesem Widerspruch wurde zwar schnell abgeholfen, war aber mit viel Arbeit und Unannehmlichkeiten verbunden.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dies sei eine Aktion eines freidrehenden Behindertenhassers gewesen, mit dem die Pferde durchgegangen sind. Hätte ich damals auch nur geahnt, dass das Ganze System hat, hätte ich ganz anders dagegen agiert.

Weitere Versuche in den Jahren 2015 und 2016

Im Jobcenter Wuppertal gibt es ein Spezialteam, welches sich um die Belange Schwerbehinderter kümmert. Laut einem Werbeprospekt, oh, tschuldigung, der Antwort von Herrn Thomas Lenz auf eines meiner Schreiben, erarbeiten diese passgenaue Lösungen für die jeweilige Situation. Nun, dem Widerspreche ich aber mal so was von vehement!

Niemand dort hat auch nur den geringsten Plan, was er da tut! Ich bin es immer, der ewig und drei Tage erklären muss, wie meine Situation ist, wie die Hilfsmittelversorgung stattfindet, wer wofür zuständig ist und wie der Arbeitsmarkt für mich als Blinden aussieht. „Passgenau“ ist da absolut gar nix! Und um das mal zu verdeutlichen, schildere ich mal die Ereignisse aus 2015 und 2016, die hier mal exemplarisch für das Versagen der Abteilung stehen sollen.

Im Jahre 2015 lädt mich also die Sachbearbeiterin I.F. ein, um mit mir über meine berufliche Situation zu sprechen. Toll, dachte ich, bei der war ich noch nicht, darf ich also wieder bei Adam und Eva anfangen!

Nach einigem belanglosen Smalltalk kommt sie dann also zum Punkt und behauptet, eigentlich wäre man ja für mich gar nicht zuständig, ich sei ja vollständig erwerbsunfähig. Auf meine Frage, wie sie denn nun wieder darauf komme sagt sie, ich hätte ja das Merkzeichen H im Schwerbehindertenausweis, welches ja für „Hilflos“ steht. Eigentlich müsse ich Erwerbsminderungsrente oder Grundsicherung beantragen!

Ich war zwar innerlich Millisekunden vor einer epochalen Explosion, habe aber dennoch ruhig und sachlich die Angelegenheit mit den Merkzeichen zu erklären versucht und sie aufgefordert, diese Angelegenheit doch mal anständig zu recherchieren. Sie hingegen meinte, es gäbe da eine Weisung, wonach sie das so machen müsse. Die Weisung wollte sie mir aber nicht produzieren, so dass ich evtl. hätte nachgucken können. Der Wortlaut der Weisung hätte mir vielleicht geholfen, argumentativ besser drauf einzugehen. Das wollte, oder konnte, sie offenbar nicht.

Mit einer also ziemlich wertlosen Eingliederungsvereinbarung, die ich selbstverständlich nicht unterschrieben habe, ging ich also zu meinem Anwalt. Übrigens war das die erste Eingliederungsvereinbarung, die ich nicht unterschrieben habe. Und auch, wenn ich jetzt Sanktionen riskiere, habe ich danach auch gar keine mehr unterschrieben. Die gingen alle sowieso nicht über meine gesetzlichen Pflichten hinaus. Warum also etwas vertraglich unterschreiben, zu dem ich per Gesetz sowieso verpflichtet bin?

Mein Anwalt kontaktierte also im gleichen Schreiben, wo es auch um die Weiterbewilligungsanträge ging, Herrn Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal. Dieser konnte natürlich keinerlei Fehlverhalten von Frau I.F. erkennen.

Herr Thomas Lenz schreibt also sinngemäß, ich hätte ja selbst gesagt, dass ich mit einigen Situationen nicht zurechtkäme. Was für eine Verläumdung!

Ich möchte hier ausdrücklich versichern, dass ich niemals in meinem Leben solch einen Satz gesagt habe, und bis man mich 2 Meter tieferlegt, auch nicht sagen werde!!! Diese Aussage stammt offenbar von Frau I.F, welche dann Herr Thomas Lenz übernommen hat. Woher sollte sich Herr Lenz diese Aussage sonst herbeihalluziniert haben? Ich habe mit dem Mann bis zum Februar 2018 keinen persönlichen Kontakt gehabt, von mir kann er den Satz also gar nicht haben! I.F. betreibt also hier reines Ass Covering, und ich bin der dumme? Das wollen wir doch erst mal noch sehen!

The Next Level!

Da landet 2016 eine weitere Einladung von I.F. in meinem Briefkasten, und ich bin quasi instantan wieder Millisekunden vor dieser epochalen Explosion. Diesmal dachte ich, gehe ich besser nicht alleine hin! Ich bin also mit meiner Mutter hingegangen.

Frau I.F. kam natürlich auch gleich auf die Sache mit meinem Anwalt zu sprechen. Als ich dann ziemlich energisch sagte, wenn sie die Sache mit dem H weiterverfolge, geht das definitiv vor Gericht, verließ sie das Büro und zog einen Kollegen hinzu.

Nun redete man also zu zweit auf mich ein, was, wer mich kennt weiß,, mich ja überhaupt nicht beeindruckt. 🙂 Ich habe also, im Beisein des Kollegen, die Sache mit dem H noch einmal ausführlich lang und breit erklärt. Auch dieser Kollege schien das nicht wirklich zu begreifen. Frau I.F. sagte dann noch, mit meinem Gesundheitszustand wäre ja eine Berufsausübung ohnehin fraglich.

Hier ist mir dann endgültig der Kragen geplatzt! Auch ich habe eine Schwelle, die man besser nicht übertritt!

Ich habe keinen „Gesundheitszustand“, ich habe eine Behinderung. Mein Gesundheitszustand ist einwandfrei, ich habe keinen hohen Blutdruck, keine Herz-Kreislauf-Probleme, keine Atemschwäche und bin auch sonst nicht krank. Ich bin in meinem Beruf mindestens genau so leistungsfähig, wie ein Sehender! Und dies habe ich auch, sehr vehement, zum Ausdruck gebracht.

Hier war dann auch das Gespräch beendet, zum Glück! Ich weiß nämlich wirklich nicht, wie lange ich die Explosion noch hätte verhindern können!

Eine Eingliederungsvereinbarung bekam ich nicht, die würde sie mir per Post zuschicken, sagte Frau I.F. Das hat mich natürlich sehr gefreut, weil das keine ausgehandelte Vereinbarung wäre und die ich sowieso nicht unterschreiben würde. Aber was soll ich sagen? Die Eingliederungsvereinbarung hatte es sowas von in sich!

Der erste Satz in der Vereinbarung lautet:

Herr Günay wurde umfassend und vollständig beraten.

Ähm, bitte wie meinen?

Ich bin in meinem Leben schon allem an Sachbearbeitern begegnet. Da war von super schlau und super freundlich bis strohdoof und dämlich bis zu behindertenfeindlich alles dabei. Aber derart betrügerisch und verlogen hatte ich noch nicht! Frau I.F. hat hier auf betrügerische Weise versucht, sich durch meine Unterschrift attestieren zu lassen, was für eine tolle Sachbearbeiterin sie doch ist. Es versteht sich ja von selbst, dass ich diese Vereinbarung nicht unterschrieben habe um somit das Totalversagen von Frau I.F. zu legitimieren.

Ein vorläufiges Ende?

Es erfolgte dann noch einmal eine Einladung von Frau I.F. zu einem Gespräch. Auch hier ging ich mit meiner Mutter hin. Dieses Mal hat sich die Vorgesetzte der Frau I.F. dazugesetzt.

Was bitte sollte das denn bringen? Wie naiv ist die vorgesetzte denn? Hat die tatsächlich geglaubt, Frau I.F. würde sich in ihrem Beisein mir gegenüber wieder so aggressiv verhalten? Oder ist es nicht eher so, dass man mich als renitent eingestuft hat und die Vorgesetzte dabeigesessen hat, um zu gucken, ob der Günay nicht der Irre ist?

Es versteht sich ja von selbst, dass Frau I.F. bei diesem Gespräch sich sehr vorbildlich verhalten hat. Allerdings konnte man über das ganze Gespräch hinweg merken, dass Frau I.F. sehr unsicher war, wie, als wäre das ihr erster Umgang mit Behinderten. Man konnte die Anstrengung, jedes Fettnäpfchen um jeden Preis zu vermeiden, geradezu mit Händen greifen!

Wenn mir also jemand ins Gesicht lügt, die Abteilung würde irgend etwas „passgenau“ machen, dann ist das bestenfalls Wunschdenken, schlimmstenfalls gewollte Ignoranz! Bei so was kriege ich höchstens einen Lachanfall, Herr Lenz!

Warum sind jetzt also alle Blinden erwerbsunfähig?

Hier muss ich etwas ausholen, holt euch also erst mal ’ne Tasse Kaffee… 🙂

Der Schwerbehindertenausweis dient dazu, dass ich als Schwerbehinderter diverse Rechte und Leistungen durchsetzen kann. Er dient also nicht dazu, wie es das Jobcenter versucht, ihn gegen mich zu verwenden!

Der Grad der Behinderung zeigt an, wie sehr man eingeschränkt ist. Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt man als schwerbehindert. Ich habe einen Grad der Behinderung von 100, also dem Maximum. Auch, wenn es die Zahl nahelegt, hier wird nicht über Prozente gesprochen, denn dies sind absolute, und keine relativen Werte.

Der 2. Bestandteil sind Merkzeichen. Diese konkretisieren Behinderungen, zeigen Einschränkungen auf oder ermöglichen die Inanspruchnahme von Leistungen. Die meisten Menschen nehmen diese Merkzeichen leider wortwörtlich, was aber total falsch ist. Daher kommt auch diese Annahme, Blinde seien alle hilflos und somit erwerbsunfähig. Aber ich gehe mal auf die Merkzeichen etwas näher ein. Allerdings verwende ich die Merkzeichen, die in meinem Ausweis stehen, andere Ausweise können, je nach Behinderung, andere Merkzeichen haben.

BL

Das Merkzeichen BL bekommt, wer nach dem Gesetz blind ist. Hier die Definitionen einzeln aufzuführen, würde zu weit führen. Daher empfehle ich den Wikipediaartikel zur Blindheit. Im Abschnitt „Definitionen“ werdet ihr fündig.

B

Das B steht für „Begleitperson“. Dieses Merkzeichen setzt nicht voraus, dass ich mit einer Begleitperson unterwegs bin, sondern gewährt mir das Recht, eine solche bei Fahrten mit Bus und Bahn, oder auch diverser anderer Veranstaltungen, zu haben.

RF

Früher hat dieses Merkzeichen dazu geführt, dass Menschen, die es im Ausweis hatten, von der GEZ-Gebühr befreit waren. Heute ermäßigt sich die Haushaltsabgabe lediglich. Blinde, Sehbehinderte und andere Behindertengruppen erhalten dieses Zeichen.

G

Das G steht für „Gehbehindert“. Nun, nähme man es wörtlich, hätte ich ein Problem. Ich bin jedoch nicht gehbehindert, sondern, je nach Situation, in meiner Orientierungsfähigkeit eingeschränkt. Abgesehen davon ermöglicht mir das G, den öffentlichen Personennahverkehr unentgeltlich zu nutzen. Dieses Merkzeichen ist also eines von denen, die man nie ungeprüft wörtlich nehmen sollte.

H

Bin ich wirklich „Hilflos“? Brauche ich Hilfe beim Ankleiden, Waschen oder sonstiger wiederkehrender Aufgaben? Nein, brauche ich nicht! Aber jeder, der ein BL hat, hat auch ein G und ein H. Und daher kommt auch die Annahme des Jobcenters oder der Stadt Wuppertal, alle mit einem H seien erwerbsunfähig, wodurch auch durch mangelnde Differenzierung auch alle Blinden drunter fallen.

Warum hat nun ein Blinder das H? Die Antwort ist so simpel, und wenn man Google oder andere Suchmaschinen bedienen könnte, was man im Jobcenter Wuppertal wohl nicht getan hat, wüsste man das auch sehr schnell… Eigentlich wollte ich das noch für mich behalten, damit das Jobcenter noch die Möglichkeit hat, sich damit zu blamieren, aber ich will mal nicht so sein… 🙂

Das H hat tatsächlich steuerliche Vergünstigungen. So gibt es für bestimmte Grade der Behinderung in Verbindung mit dem H diverse Pauschbeträge. Diese kann man im Einkommenssteuergesetz § 33b nachlesen.

Und, macht mich das jetzt erwerbsunfähig? Jeder Blinde hat ein H, auch die aktuelle Bundesbehindertenbeauftragte, Verena Bentele. Frau Bentele ist nämlich auch blind, und hat daher auch das H in ihrem Schwerbehindertenausweis. Möchte vielleicht jemand einer mehrfachen Weltmeisterin, mehrfachen Olympiasiegerin in Skilanglauf und Biathlon sagen, sie sei erwerbsunfähig? Bei dem Telefonat wäre ich nämlich gerne dabei… 🙂 Aber Vorsicht, das ist eine Biathletin, die hat ’ne Knarre! 🙂 Tschuldigung, konnte nicht widerstehen… 🙂

Wer sich umfassend mit den Merkzeichen und diverser dazu zugehörender Rechtsgrundlagen beschäftigen möchte, klicke bitte hier entlang.

Die ominöse Weisung

Aktuelle Ereignisse, auf die ich später im Text noch eingehe, haben mich dazu gebracht, nach dieser Weisung doch mal zu recherchieren. Das Jobcenter Wuppertal dreht nämlich momentan völlig frei, und außer einem vollumfänglichen Gegenangriff weiß ich nicht, wie ich mir anders helfen kann.

Meine Recherche hat, unerwarteter Weise, interessantes zu Tage gefördert. Ich habe also über Frag den Staat eine Anfrage an das Jobcenter Wuppertal gestellt. Man leitete mir das entsprechende Dokument auch weiter, welches als Anhang in der Anfrage einzusehen ist. Hier steht schon ganz am Anfang, wer alles erwerbsunfähig ist, eben halt auch alle, die ein H im Schwerbehindertenausweis haben.

Abweichend vom Nahtlosigkeitsgrundsatz und der Fiktion der Erwerbsfähigkeit wurde zwischen dem Sozialamt und dem JC vereinbart, dass bei folgenden Personen bereits bei Erst-antragstellung von einer Erwerbsunfähigkeit im Sinne des SGB II auszugehen ist: Volljährige Einzelpersonen,
* die pflegebedürftig ab Pflegegrad III sind oder
* die im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen H sind.

Und schon bekommt der Versuch, mich schon 2007 abzuschieben, plötzlich eine ganz andere Bedeutung, nicht? Und nun wird auch klar, warum das Jobcenter im Allgemeinen, oder Herr Thomas Lenz im Besonderen, nicht willens scheinen, mich ernstzunehmen. Für die bin ich „Hilflos“, und somit totes Kapital!

Was kommt nun?

Jetzt werde ich etwas Spaß haben! Basierend auf dieser Information werde ich jede Einrichtung, die Blinde ausbildet, schult oder fördert, anschreiben und zur sofortigen Einstellung ihrer Tätigkeiten auffordern! Denn ich halte es für eine ungeheuerliche Verschwendung von Steuergeld und Geld der Kostenträger, wenn Blinde ausgebildet werden, die ja per Definition erwerbsunfähig sind. Wozu also Blinde ausbilden, wenn die sowieso in diesem Beruf niemals erwerbstätig werden können? Auf die Presseanfragen bei der Stadt Wuppertal wäre ich dann sehr gespannt! 🙂

Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was mit dieser Information anzufangen ist. Ich werde diese Information so weit wie möglich streuen, z. B. bei Behindertenbeauftragten, Integrationsfachdiensten oder sonstiger Einrichtungen, die hier auf die Stadt Wuppertal oder das Jobcenter Wuppertal einwirken können. Aber hier ist noch eine Menge zu tun, packen wir es an!

Spaß mit der Leistungsgewährung!

Ja glaubt ihr denn, das war’s schon? Nee nee, der Fachbereich Leistungsgewährung, Geschäftsstelle 3, will auch noch mit mir spielen!

2016

Ich reiche, wie immer, meine aktuelle Betriebskostenabrechnung ein. Diese wird dann normalerweise bearbeitet und die Betriebskostennachzahlung an mich überwiesen, so dass ich diese dem Vermieter weiterleiten kann. So weit, so gut, doch dieses Mal lief alles ganz anders!

Zunächst muss gesagt werden, die Betriebskostennachzahlung wurde bewilligt und überwiesen. Aber nicht an mich, sondern direkt dem Vermieter. Und wo die Sachbearbeiterin, Frau K.M., schon mal dabei war, verlangte sie auch noch eine Vermieterbescheinigung und bezeichnete meine Wohnung als zu groß, jedoch durch die Miethöhe im Rahmen.

Am 29.03.2016 antworte ich ihr also, und teile ihr, hier mal nur zusammengefasst, folgendes mit:

  • Vermieterbescheinigung gibt’s nicht! Alle Informationen liegen durch Mietvertrag und Betriebskostenabrechnung vor. Es ergibt sich daher nicht die Notwendigkeit, dritte über meinen ALG-II-Bezug zu unterrichten (Az: B 14 AS 65/11).
  • Wohnung ist nicht zu groß, da mir als Blindem 15 qm mehr zustehen. Dazu später mehr…
  • Aufschlüsselung der Mietnebenkosten in Heiz- und andere Kosten werden Sie von mir nicht erhalten, diese Daten können Sie aus der Betriebskostenabrechnung ersehen!
  • Die direkte Überweisung der Betriebskostennachzahlung an meinen Vermieter war unüblich und hat meinen ALG-II-Bezug diesem ohne Grund offenbart (Persönlichkeitsrechtsverletzung).

Außerdem schickt die Frau die Briefe so, dass ich sie am 26.03. erhalte und bitteschön bis zum 31.03. zu reagieren habe. 🙂 Öhm, wie man einen Kalender benutzt, auch, weil es da Feiertage zu berücksichtigen galt, hat man aber im Jobcenter Wuppertal drauf, oder? 🙂

Und jetzt ratet mal, was auf mein Schreiben passiert ist? Na? NIX! Wie sollte es auch anders sein! Man missachtet direkt und ohne Not jedes Persönlichkeitsrecht, und man geht nicht mal in einem Schreiben drauf ein! Lediglich die Sache mit der Nachzahlung, dass ich das in Zukunft wieder selbst machen solle, wurde mir dann noch per Schreiben mitgeteilt.

Aber jetzt wird’s erst richtig lustig: Im April habe ich nicht schlecht gestaunt, als plötzlich gar keine Zahlung mehr auf mein Konto einging. Ziemlich wütend bin ich also zum Jobcenter gestürmt. Was soll ich sagen? Ganz ohne Bescheid, ganz ohne Ankündigung oder sonst irgendeine Mitteilung, war die Auszahlung des ALG-II an mich gesperrt! Die Mitarbeiterin unten im Eingangsbereich telefonierte dann mit der Sachbearbeiterin, wodurch mir ein Scheck über einen Teilbetrag ausgehändigt wurde und der Rest sofort überwiesen wurde!

Zufall? Warum war die Auszahlung gesperrt? Man klickt da doch nicht mal eben aus Versehen, und ohne dass das Programm vielleicht noch mal nachfragt, drauf? Oder könnte es nicht eher sein, dass es K.M. nicht gepasst hat, dass ich sie so direkt kritisiert habe?

2017

Neue Sachbearbeiterin, neues Glück? Denkste! Die ist das aggressivste, unbelehrbarste und boshafteste, was mir untergekommen ist!

Es beginnt mit einem Weiterbewilligungsantrag im Januar 2017. Ich erhalte dann aber auch schon wenige Tage später einen Bescheid. Mir wird aber eine Frist gesetzt, bis zu der ich einen aktuellen Aufenthaltstitel beizubringen hätte. Andernfalls würde man mir die Leistungen gänzlich streichen!

Ähm, liebes Jobcenter Wuppertal, ich bin seit 2006 deutscher Staatsbürger! Seit wann haben deutsche Staatsbürger einen Aufenthaltstitel?

In seiner Antwort auf mein Schreiben, auf welches ich später noch näher eingehen werde, schreibt Herr Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, dass es sich hier um ein Versehen handele. Man habe das schlichtweg übersehen! WIE JETZT???!!!

Sorgfalt, lieber Leser, ist für mich nicht einfach nur eine leere Worthülse. Sorgfalt ist die Grundlage meiner Existenz. Ohne diese würde ich vollständig untergehen! Ich tue Dinge so sorgfältig wie nur irgend möglich, um Fehler zu vermeiden, auf die ihr Sehende dann mit Fingern zeigen könnt! Ich lege Dinge sehr sorgfältig ab, weil ich sie sonst nicht wiederfinde.

Die Sachbearbeiterin K.K. hat also einen Aufenthaltstitel von mir gefordert, ohne sorgfältig zu prüfen, ob nicht vielleicht ein noch gültiger Titel vorhanden ist? Und wenn es da gar keinen gibt, käme man ja vielleicht mal auf die Idee nachzuforschen, warum? Und dann wäre einem vielleicht auch die Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgefallen? Ich wäre jedenfalls ganz genau so vorgegangen. Mir wäre dieser Fehler also niemals passiert, vor allem, weil so etwas extrem sensibel ist!

Aus diesem Grund habe ich in meinem Schreiben an Herrn Lenz diese Aktion auch als „Rassismus“ bezeichnet, da für mich offensichtlich ist, dass die Sachbearbeiterin K.K. lediglich nach dem türkischen Namen gegangen ist. Der wird schon kein Deutscher sein, da klicken wir uns mal seinen Aufenthaltstitel.

Ich weiß ja nicht, wer für das Jobcenter die Software programmiert, aber eine gut durchdachte Software würde dem Sachbearbeiter helfen, solche Fehler nicht zu machen. Kurz gesagt:

Wenn Staatsbürgerschaft = „Deutsch“, dann Schaltfläche für Aufenthaltstitel deaktivieren.

Problem gelöst! 🙂 Das kleine bissel Code kann euch jeder 10jährige zusammenhacken!

Ich bleibe dabei, es stinkt nach Rassismus! Und wenn ich die Zeit nicht habe, gründlich zu prüfen, dann verzichte ich halt auf den Aufenthaltstitel! Ich hätte jedenfalls sorgfältig eine Beleidigung zu verhindern versucht, mir wäre so ein Fehler nicht passiert!

Aktuelle Situation

Kommen wir also zum eigentlichen Grund dieses doch extrem überdimensionalen Blogposts! Ist ja schon fast ein Buch! 🙂

Ich habe also am 20.12.2017 einen Weiterbewilligungsantrag gestellt. Sehr bald, extrem schnell sogar, erhielt ich dann einen Bescheid und ein paar weitere Schreiben!

Der Bescheid war vom 01.02. bis zum 30.04. ausgestellt. Weiterhin wurde von mir, mal wieder, eine Vermieterbescheinigung verlangt. Und jetzt, weil es so witzig ist, kam noch eine Mietsenkungsmaßnahme dazu!

Ich habe mit mehreren Schreiben am 27.12.2017 erklärt, warum Frau K.K. auch dieses Mal nicht, und auch in Zukunft nicht, eine Vermieterbescheinigung bekommen wird. Siehe hierzu weiter oben. Auch zur Mietsenkungsmaßnahme habe ich so einiges geschrieben und eine Frist bis zum 15.01. gesetzt. Diese verstrich, ohne dass es zu Ergebnissen gekommen ist, lediglich Ankündigungen gab es. Man habe die Sache an die Rechtsabteilung weitergeleitet. Weiter ist erst mal nichts passiert.

Da diese Sache nun etwas krasser ist, immerhin will man mich aus meiner Wohnung haben, habe ich die Angelegenheit dann doch noch meinem Anwalt übergeben.

Was hat es mit der Mietsenkungsmaßnahme aufsich?

Es gibt einen neuen Mietspiegel für Wuppertal, des weiteren haben sich einige rechtliche Situationen geändert. Dadurch ist meine Wohnung zu teuer geworden.

Denkt man das mal weiter, wird es lustig: Ich ziehe also um, in einigen Jahren ändert sich wieder was, und ich darf wieder umziehen? Will das Jobcenter einen Nomaden aus mir machen? Will das Jobcenter, dass ich mir einen Job, oder eine Wohnung suche? Wenn man sich da nur mal entscheiden könnte…? 🙁

Wohnraum-Mehrbedarf für Behinderte

Die Regel ist, dass ein alleinstehender Leistungsbezieher einen Anspruch auf eine Wohnung mit 50 qm hat. Quadratmeterpreise und Betriebskosten sind hier ebenfalls festgelegt. Ich bewohne eine Wohnung mit 65 qm, und nach aktueller Berechnungsgrundlage ist meine Wohnung 146 Euro zu teuer.

Nun ist es aber so, dass ich als Blinder einen Wohnraum-Mehrbedarf von 15 qm habe. Meine Wohnung ist also nicht zu groß, sie ist in ihrer Größe genau angemessen.

Diesen Umstand habe ich Frau K.K. Mitgeteilt. In einem Schreiben an Herrn Thomas Lenz wurde dieser Umstand auch lang und breit erklärt. Beide haben alle Informationen, die ich ihnen hierüber gegeben habe, vollständig ignoriert!

Woraus ergibt sich der Mehrbedarf?

Bis 2011 galt die DIN 18025 Teil 2. Hier waren die Flächen für Menschen die auf Rollstühle angewiesen sind und Blinde recht genau festgelegt. Diese wurde jedoch durch die DIN 18040-2 ersetzt.

Hier sind zwar die Flächen für Rollstühle recht genau angegeben, für Blinde und Sehbehinderte jedoch nur schwammig formuliert. Im Bereich der DIN 18040-2 Wohnraum, Schlafraum findet sich also folgende Formulierung:

„Besteht wegen der Art der Behinderung der Bedarf einer zusätzlichen Individualfläche, sollte diese mit mindestens 15 qm angesetzt werden.“

Nun käme es also drauf an, die Individualfläche wegen der Art der Behinderung, in meinem Falle die Blindheit, für mich auch anzuerkennen. Hierzu ist die Rechtslage allerdings sehr schwammig.

Christiane Möller von der RBM-Rechtsberatung fasst hier einige der Urteile zusammen: Wie viel Quadratmeter braucht der Mensch?. Die Stiftung MyHandicap kommt zu einem ähnlichen, wenn auch etwas konkreteren Ergebnis: Wohnungsgrößen für Menschen mit Behinderung.

Nun, Hilfsmittel wie elektronische Lesehilfen, Vergrößerungsgeräte und einiges an Blindenschriftliteratur nehmen erheblich mehr Platz weg. Diese Geräte und Literatur benötige ich, um meine tägliche Arbeit zu verrichten, Nachschlagen, Post bearbeiten und vieles mehr.

Wenn also das Jobcenter Wuppertal diesen Mehrbedarf nicht anerkennen will, und so sieht es derzeit aus, so werde ich diesen wohl einklagen müssen!

Beleidigung und Erniedrigung!

Nun hat mein Anwalt also Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt. Diesem wurde mittlerweile abgeholfen und ein neuer Bescheid bis zum 30.06. ausgestellt. Da aber die Mietsenkungsmaßnahme noch läuft, wird ab diesem Zeitpunkt mein Leistungsbezug wohl um die 146 Euro gekürzt.

Um die Mietsenkungsmaßnahme jedoch zu beenden, verlangt Frau K.K. folgende unterlagen und Angaben. Sie schreibt also meinem Anwalt, dass ihr zur Klärung des Sachverhalts folgende Unterlagen fehlen:

  • Bestätigung des Arztes, dass ein erhöhter Wohnraum für Hr. Günay von Nöten ist
  • Schriftliche Erklärung und Nachweise, ob eine Pflegestufe für Hr. Günay eingerichtet wurde
  • Aktueller schriftlicher Nachweis über den aktuellen Sachstand der Mithilfe der Familie und von Freunden im täglichen Leben

Weiter schreibt sie:

Die angeforderten Unterlagen sind erforderlich um zu prüfen, inwieweit Hr. Günay in der großen und überteuerten Wohnung weiterhin wohnen bleiben darf.

Ich habe dieses Schreiben mehrfach gelesen, tief Luft geholt, Entspannungsübungen gemacht, und dennoch:

WHAT THE FUCK…???!!!

Ich kann mich ernsthaft nicht erinnern, ob und wann ich jemals auf diese Art und Weise beleidigt und verletzt wurde! Ich bin 43 Jahre alt und von Geburt an blind, ihr könnt euch also sicher vorstellen, dass ich mit Beleidigungen und Demütigungen so meine Erfahrungen habe!

Gegenwehr!

Am 13.02. habe ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen K.K. eingelegt. Diese Beleidigungen und Diskriminierungen habe ich mir nicht gefallenzulassen!

Herr Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, antwortet am 23.02. Das ist auch das Schreiben, auf das ich mich hier im Post schon mehrfach bezogen habe. Herr Lenz schreibt also auf 3 Seiten folgendes:

  • Wiederholung der Sachverhalte
  • Werbung für das Spezialteam für Schwerbehinderte
  • Da gibt’s keinen Grund für die Beschwerde, und nu halt die Fresse!

Natürlich ist mir klar, dass Herr Lenz da nix finden kann, wie er auch bei Frau I.F. schon nix finden konnte. Wer hat denn ernsthaft geglaubt, eine Krähe hackt der anderen das Auge aus?

Forderungen unbegründet und beleidigend!

Dröseln wir also mal im Einzelnen auf, was Frau K.K. da eigentlich von mir will, und ob es überhaupt nötig ist:

  • Bestätigung des Arztes, dass ein erhöhter Wohnraum für Hr. Günay von Nöten ist

Ähm, Frau K.K., zweifeln Sie meine Blindheit an? Ist mein Schwerbehindertenausweis, genau wie meine deutsche Staatsbürgerschaft, etwa in der Akte nicht zu finden? 🙂

Der erhöhte Wohnraumbedarf ergibt sich aus der Behinderung, die dem Jobcenter bekannt ist, und die auch im Schwerbehindertenausweis durch das Merkzeichen BL dokumentiert ist. Ärztliche Berichte sind also nicht nötig und dienen lediglich der Schikane und Demütigung!

  • Schriftliche Erklärung und Nachweise, ob eine Pflegestufe für Hr. Günay eingerichtet wurde

Wie kommt denn Frau K.K. drauf, dass hier überhaupt eine Pflegestufe vorliegen könnte? Ach übrigens, Frau K.K., das heißt jetzt „Pflegegrad“! 🙂

Natürlich ist mir der Gedankengang klar: Merkzeichen H für Hilflos, nach Definition braucht er Hilfe beim Ankleiden, Waschen und anderer wiederkehrender Tätigkeiten, also ist der auch ein Pflegefall! Habt ihr gehört, liebe Blinden in Deutschland? Frau Bentele, wussten Sie das, dass Sie ein Pflegefall sind? 🙂

Aber genau hierin liegt die Beleidigung und Diskriminierung! Hier wird ohne jede Prüfung und Differenzierung einfach entschieden! Leute, die von der Materie nichts verstehen, und sich auch nicht beraten lassen wollen, beleidigen und diskriminieren hier in einer Weise, die nicht mehr erträglich ist. Man will hier um jeden Preis durchsetzen, recht zu behalten. Es kann ja wohl nicht angehen, dass der Behindi noch einen validen Punkt hat! Wo kämen wir denn da hin?!

  • Aktueller schriftlicher Nachweis über den aktuellen Sachstand der Mithilfe der Familie und von Freunden im täglichen Leben

Öhm, wieso denn das? Wer mir hilft, wann er mir hilft, und ob mir überhaupt wer hilft, geht das Jobcenter nix an! Das ist in keinster Weise relevant für die Gewährung der Leistungen oder der Angemessenheit des Wohnraums. Man will mir hier eine Pflegebedürftigkeit unterschieben, weil man mich entweder so wieder in die Grundsicherung abschieben kann oder den Regelsatz senken kann!

Sollte es jedoch eine Rechtsgrundlage für diese Forderung geben, die ich bisher nicht finden konnte, würde ich mich über sachdienliche Hinweise freuen!

Antwort an Herr Lenz

Natürlich habe ich am 27.02. auf das Schreiben von Herrn Lenz geantwortet. Hier habe ich noch einmal, weil ich ja so ein geduldiger Mensch bin, die Sachlage lang und breit erklärt. Allerdings bezweifele ich, dass das irgendeinen Effekt hatte! Herr Lenz hat sich auch schon bei der Sache mit Frau I.F. uneinsichtig gezeigt, da erwarte ich mir jetzt nicht wirklich was.

Und was kommt jetzt?

Spread the word!

Jetzt werde ich erst mal abwarten, bis der aktuelle Bescheid abläuft. Danach werde ich einen Bescheid bekommen, der um einen Betrag, den die Wohnung zu teuer ist, gekürzt ist. Hierauf wird Widerspruch eingereicht, diesem wird nicht abgeholfen, dann geht die Sache, auch wegen der Wohnungsgröße, vor Gericht!

Bis dahin werde ich diesen Sachverhalt so weit wie möglich streuen! Wenn es sein muss, verteile ich gedruckte Ausgaben dieses Blogposts in der Fußgängerzone!

Das Verhalten des Jobcenters ist im höchsten Maße beleidigend, diskriminierend, behindertenfeindlich und unerträglich! Daher muss diese Angelegenheit so weit wie möglich verbreitet werden!

Ich weiß, das ist jetzt nicht wirklich nett von mir, aber denkt doch mal drüber nach: Was, wenn euch ein Unfall passiert, eine Krankheit erwischt oder sonst ein Unglück passiert und ihr dann selbst eine Behinderung davontragt? Wollt ihr, dass man dann mit euch so umgeht? Ich hoffe natürlich, dass es euch gut geht, aber das Leben kann schon dumme Streiche spielen. Ein Unfall ist schneller passiert, als man so denkt!

Übrigens liegen mir alle Dokumente, auf die ich mich hier beziehe, vor.

Bitte verteilt den Post so weiträumig wie möglich! Postet ihn auf Facebook und Twitter, mailt ihn an Redaktionen und Journalisten, schickt ihn an Politiker, verteilt ihn in der Fußgängerzone oder lest ihn laut von eurem Balkon vor… 🙂 OK, das letztere macht ihr vielleicht dann doch lieber nicht… 🙂

Sollte sich in der Sache irgendetwas tun, so wird es weitere Blogposts geben.

Ich habe fertig!

To no man shall I kneel!

Kleinstadt-Kabarett: Arnulf Rating in Stadtallendorf

Man muss von vorne herein sagen: der Stadtallendorfer Kulturverein hat es nicht leicht. Die westhessische Stadt hat rund 19.000 Einwohner und erfüllt geradezu bilderbuchartig gängige Klischees einer Arbeiterstadt: rund 20% Ausländeranteil, Subkulturenrudelbildung und jedes Viertel bleibt unter sich. Deutsche und Ausländer sowieso. Die REP haben es in die Stadtverordnung geschafft und die AfD hatte dort ihren Parteitag.

Unnötig zu sagen, dass politisches Kabarett dort nicht gerade auf fruchtbaren Boden fällt. Und so war es wohl kaum verwunderlich, dass sich genau 38 Leute in die Stadthalle am gestrigen Samstagabend zu Arnulf Rating verirrten.

Für mich war diese Zahl allerdings peinlich und zum Fremdschämen, denn der 64jährige Rating gehört zweifellos zur Elite der deutschen Kabarettisten. Er tourt seit Anfang der 90er Jahre durch Deutschland (ist aber seit den 70ern schon aktiv), gilt als „Kabarettist der alten Schule“. Im Vorbeigehen hat Rating die wichtigsten deutschen Preise abgeräumt.  Er ist also bei Weitem kein kleines Licht in der Szene.

Rating bewies gestern Abend auch wieder, dass sein Ruf ihm nicht umsonst vorauseilt. Andere Kollegen hätten sich vielleicht angesichts der kleinen Zuschauermenge nicht sonderlich angestrengt, aber für Rating (und das spürte man deutlich) galt der Kodex der Berufsehre.

Und so fackelte er in dem eineinhalbstündigen Programm „Ganz im Glück“ ein kabarettistisches Feuerwerk ab, unterlegt mit einem ganzen Arm voller Tageszeitungen (vor allen Dingen an der BILD biss er sich fest), deren Schlagzeilen dann kommentiert wurden: „Jedes dritte Kind in der Hauptstadt lebt von H4 – na ja, immerhin lebt es“.  – Thema: Pegida: „Da laufen Menschen, die tragen das T-Shirt aus Bangladesh, haben ihr Handy aus China, den Coffee to go vom Starbucks – und das Brett vorm Kopf von IKEA.“- „Die BILD-Zeitung vor drei Jahren: nehmt dem Griechen den Euro weg -wieso, hab ich mich gefragt? Haben die noch einen?“- „Rentner muss als Osterhase arbeiten. Weil das Geld nicht reicht. Da muss der für die Kleinen seine Eier verstecken“.

Zum Thema Jugend und Zeitungen: „Wenn Jugendliche in der Bahn eine Zeitung finden, wissen die doch gar nicht, was sie machen sollen. Sie wischen erst drüber, wundern sich, warum das Display nicht verändert, stellen die Zeitung hochkant, sind verwirrt, dass das Display sich nicht mitdreht und versuchen dann, ein Aufladekabel anzuschließen, weil vielleicht der Akku leer ist Ich weiß gar nicht, wie die auf dem Klo zurechtkommen.“

Im wilden Ritt ging es dann über Uschi von der Leyen – das blonde Gift – hin zu Merkel (die Lady Gaga aus der Uckermarck): „Sie belauschte jüngst Planungen von Obama und Putin, 20 Millionen Muslime und einen Zahnarzt umzubringen. Merkel, empört: Wieso einen Zahnarzt?“ Obama: Ich hab´s Dir doch gesagt, Vladimir: wer fragt schon nach 20 Millionen Muslimen?“. Rating ließ sich über die „Merkel-Raute“ aus – die typische Handgeste der Kanzlerin, „das umhüllte Nichts, in dem die ganze FDP verschwunden ist“.

Zum Thema Islam: mehr  als 50% der dt. Bürger hätten Angst vor dem Islam – nicht vor dem Islamismus. O-Ton-Rating: „Ach? Etwa Angst vor dem türkischen Gemüsehändler? Was soll der machen? Mit Gurken schmeißen?“.

Mit im Programm waren drei Charaktere: Schwester Hedwig, Dr. Mabuse und Fred Ferkelmann. Der schrullige Dr. Mabuse hat es sich zum Ziel gesetzt, die deutschen Patienten gesund zu machen. Er hatte eine Praxis in Berlin neben dem Bundestag – aber, so Schwester Hedwig – es sein kein Abgeordneter gekommen. Aber die Kränksten kämen ja meistens nicht.

Der Doktor derweil züchtet Schnitzel aus Stammzellen, um sie im 3D-Drucker auszudrucken und die Bevölkerung zu ernähren. Die BRD sei durch die Wende fett geworden, habe Rückenprobleme, seit Mitterrand die DM entfernte und den Euro einführte. Waigel und Kohl hätten ihr Übriges getan und das Volk in das kollektive Wachkoma versetzt. Merkel und Gauck knüpfen – mit guter Ausbildung in der DDR-Komaklinik – da an.

Schwester Hedwig – selbst jenseits der 50ig – steht dem Doktor zur Seite, gibt ihm öfters eine Spritze – und wird am Ende entsorgt, als Fred Ferkelmann auf der Bildfläche erscheint. Ein Unternehmensberater,  der herumhüpft wie Hans Rosenthal auf Speed und dessen erklärtes Ziel es ist, aus Mabuses Praxis einen „Global Player“ zu machen, indem er die Praxis wie Doc Morris ins Netz verlegt, der von „power“ und „perfection“ redet und vom „local business“. Der vom Publikum fordert, Opfer zu bringen – mit bösem Seitenhieb auf den deutschen Praktikanten, der in GB an Überarbeitung starb. Wenn Stadtallendorfs Bürger sich nicht aufraffen würden, müssten sie sich nicht wundern, wenn sie keinen unterirdischen Bahnhof wie in Stuttgart, keinen Berliner Flughafen und keine Autobahn bekämen. Dann könnten sie ja weiter Regionalbahn fahren.

Mabuse erhält am Ende 3 Mio für die Praxis, die er allerdings nie sieht, weil – dies sei sowieso gängige Vorgehensweise – die Franchisepraxis erst mal beliehen wird, so dass der Doktor am Ende, von der Heuschrecke sichtlich gezeichnet, erkennen muss, dass der deutsche Patient nicht heilbar ist, weil ein unrettbares, duldsames Arbeitstier.  „Das Geld ist weg und wir sind glücklich.“- „Die schlimmsten Feinde der Freiheit sind glückliche Sklaven“ – „Früher gab es keine Jobs, heute haben viele sogar zwei!“ Er, Mabuse, würde Deutschland zwei Wochen komplette Ruhe verordnen.  Aber da würde ja sowieso keiner mitmachen.  Und warum fordere keiner mal zur Abwechselung die Rente ab 67?  Der deutsche Patient, so das bittere Resümee des Abend, steht kurz vor dem Kollaps.

Das politische Kabarett in Stadtallendorf ist da weniger gefährdet: das ist sowieso schon tot.

Satire – Humor im Stachelkleid: Max Uthoff in Köln

Freitagabend-Start ins Wochenende! Und damit Zeit, Kultur zu tanken. Ich und Kamil haben genau das getan und diesen Freitagabend im Comedia Theater in Köln verbracht, um uns das aktuelle Programm von Max Uthoff, welches da „Gegendarstellung“ lautet, anzusehen.

Das kleine Theater, das insgesamt ca. 600 Plätze zur Verfügung hat und unscheinbar in einer von Café und Bars übersäten Gegend liegt, war an diesem Abend mit 400 verkauften Karten restlos ausgebucht, was die Einweiserin dazu veranlasste, brüllend zu erklären, doch bitte die Reihen von der Mitte her aufzuschließen, damit Nachzügler auch noch eine Chance hätten.

Wer zuvor weder die Anstalt gesehen noch sich mit Uthoff beschäftigt hatte, hat sich an diesem Abend wahrscheinlich schon nach fünf Minuten aus dem Raum gewünscht. Der 47jährige Satiriker begann sein Programm mit Megafon – und stolzierte – Aussagen wie „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht“ von sich gebend- erst einmal quer durch den Raum, damit ja auch alle wach werden.

Kaum auf der Bühne angekommen, folgten die nächsten zwei Stunden- mit einer halbstündigen Pause dazwischen – ein wahrer Granatbeschuss von Satire auf höchster Ebene. Man konnte froh sein, wenn man zwischen zwei Themen mal Luft holen konnte – Uthoff auf jeden Fall schien bei der Geschwindigkeit, mit der er sein satirisches Feuerwerk abfackelte, überhaupt nicht atmen zu müssen.

Der Abend zeigte auch, was passieren würde, wenn man Uthoff bei der Anstalt nicht bremsen würde – ich hätte nie gedacht, dass man so viele Themen in zwei Stunden unterbringen kann – und das vor allen Dingen mit einer Bissigkeit, bei der sogar der größte Kläffer der Stadt Angst haben muss.

Angefangen von Charlie Hebdo über Pegida über unser Politiker (Rudolf Scharping fällt vom Fahrrad, Gauweiler ist ein juristischer Terrormops und Gabriel just too big to fail), beißender Spott über sein Heimatbundesland Bayern („…und ich sehe in Ihren Augen, dass Separation nicht unbedingt was Schlechtes sein muss, aber denken Sie daran, was Sie dann verpassen“) und die bayerische Lokalpolitik – die sich auf den Satz: „Oh guck mal da, ein Vogel“ zusammenfassen lässt, wenn man mal eine konkrete Äußerung von den Politkern möchte – zu der Thematik der Wirtschaftskrise und der „schwarzen Null“ (Uthoff: die schwäbische Hausfrau ins Feld zu führen, wenn es um die Neuverschuldung geht, sei Blödsinn, denn die schwäbische Hausfrau müsse ja keine Straßen sanieren oder Schulen oder Kindergärten bauen), Waffenlieferungen Deutschlands ins Ausland, moderne Arbeitssklaverei und dann hin zu dem Thema Hartz IV und Arbeitslosenbashing (Uthoff: damit man ein System nicht hinterfragt, braucht man Feindbilder, die davon ablenken. Das sind dann mit Vorliebe Wirtschaftsflüchtlinge, z.B. Sinti und Roma oder eben Hartz IV Empfänger).

Zwischenzeitlich verkündete Uthoff dann noch die neuen 10 Gebote, unternahm einen Ausflug in die heile Welt der Volksmusik, hielt einen längeren Vortrag über das männliche Geschlecht und Sex, Drogen, modernes Konsumverhalten, erklärte sich zum Feind von Hello Kitty, Prinzessin Lilifee („200 Euro für den, der Prinzessin Lilifee überfährt“) und Benjamin Blümchen („Bringt mir seine Beine und ich mache mir einen Papierkorb daraus“) und schaffte es auch noch, sich über sich selbst lustig zu machen („Wenn ich eine bewusstseinserweiternde Erfahrung machen will, nehme ich zwei Stufen auf einmal“). Als kleine Zugabe gab es dann noch ein wenig Weihnachten („Mein Weihnachtsbaum sieht immer aus, als sei er zwei Mal durch das achte Semester der Baumschule gefallen“) und die Drohung, dass man sein Publikum schon müde kriegen würde sowie einen dezenten Hinweis auf die nächste Anstalt („Wenn Sie jemanden kennen, der so ein…TED-Dingens…hat, sagen Sie ihm, er soll einschalten“) und alternative Seiten im Internet. Uthoff schärfte seinen Zuschauern nicht nur Gelassenheit im Umgang mit dem Wahnsinn des Alltags ein, es war ihm sichtbar wichtiger, dass sein Publikum sich kritisch mit Dingen auseinandersetzt und lernt, Gegebenheiten nicht als solche hinzunehmen, sondern – wie Uthoff eindrucksvoll demonstrierte – die Wahrheit dahinter zu suchen.

Abschließend sei jedem, der noch die Möglichkeit dazu hat, wärmstens empfohlen, sich Uthoff einmal selbst anzusehen.

A Schaffner´s Paradiese

Heute früh: ich sitz im Bummelzug nach Marburg.

In einer Kleinstadt steigt ein Jugendlicher zu, geht direkt zum Schaffner und erklärt ihm, dass er kein Ticket gezogen hat, weil er den Betrag nur in Münzen hatte und der Automat die nicht angenommen hat. Raunzt ihn der Schaffner an: „Tja, da muss man halt mal nen Schein einstecken haben!“

Das ist aber auch zu blöd, dass immer wieder so unbequeme Bahnreisende kommen und den Schaffner aus seinem Paradies ziehen müssen. Warum können die sich nicht einfach hinsetzen und die Klappe halten?

Warum beschweren die sich über Verspätungen – mein Gott, dann kommen sie halt eine Stunde später zu Hause an.Ich hab Zeit.

Und wenn ein Zug ausfällt – nehmen sie halt den nächsten.

Wie-Anschlusszug? Ja, bin ich denn die Bahn-Seite? Das weiß ich doch nicht! Da muss ich erst in meine Kabine gehen und das ablesen.

Der Tourist hat mein Englisch nicht verstanden? Tja, dann muss er eben Deutsch lernen.

Grundsätzlich bin ich als Schaffner nur für die Ticketkontrolle zuständig. Ansonsten mach ich vielleicht ein paar Ansagen und sitz ansonsten im Ersten-Klasse-Abteil (im Gegensatz zu den Bahnreisenden der 2. Klasse, die stehen nämlich auch bei völlig überfüllten Zügen, weil die 1. Klasse nicht freigegeben wird).

Ach ja, und mit Vorliebe bummel ich die ganze Strecke durch das Abteil, aber wenn Du, ja Du aussteigen wilst, daaann komm ich wie ein Tiger angesprungen und will Deine Fahrkarte sehen und zwar genau dann, wenn der Zug im Bahnhof steht.

Merkt man, dass ich sauer bin?

Ich meine, es ist ja nicht so, dass der Junge mit Absicht ohne Karte eingestiegen ist. Er hatte ja sogar den passenden Betrag für seine Strecke – eben nur in Münzen. Was wäre denn so schlimm gewesen, wenn der Schaffner dem Jugendlichen einfach sein Ticket gegeben hätte?

Da werden Schalter dicht gemacht, Personal abgebaut und in einem Kuhdorf wie dem meinen gibt es gerade mal EINEN DB-Automaten. Wenn der mal kaputt ist, was öfter mal passiert, dann helfen weder Münzen noch Scheine noch sonst was. Und ich muss dem Schaffner im Zug dann erklären, warum ich nicht dem Mann im Bahnhof Bescheid gesagt hab (weil der, seit der Schalter zu ist, auf Klopfen nicht mehr reagiert in seinem hinteren Zimmer).

Und selbst wenn er geht: Scheine spuckt der Automat sofort wieder aus, wenn sie nur leicht zerknittert sind. Über 20 Mäuse will er sowieso nix, kann er nicht wechseln.  Manchmal wechselt er aber auch so nichts.  Münzfach ist öfters verklebt.  Und wenn ich dann mit Karte bezahlen will, kommt es nicht selten vor, dass gerade an diesem Tag die EC-Kartenfunktion gesperrt ist. Und gerade am Montagmorgen ist es ganz toll, wenn man den einzigen Automaten zusammen mit 20 anderen Leuten nicht benutzten kann, weil gerade dann (um 07:00 Uhr zur Pendlerzeit!) die Kassierer der DB den Automaten leeren. Und wenn er leer ist, muss erst Windows neu starten. Tut es manchmal auch nicht gleich.

Und als Krönung bekommt man dann im Zug dauerkaputte Toiletten, Sitze mit Fußabdrücken der Vorgänger, Bierflaschen auf der Ablage, Bahnreisende, die einen extra Sitzplatz für ihre Tasche brauchen – und nicht zu vergessen: man stört das Schaffner´s Paradise.

Ich bin wirklich froh, wenn ich mein Auto hab.  Dann muss ich mir solche griesgrämigen Leute nicht mehr antun.

 

 

 

Blog etwas aufgeräumt

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass das Blog der SF-Ecke extrem langsam lädt. Daher habe ich mal ein wenig Aufgeräumt. Dabei sind auch 2 Optionen zum Opfer gefallen.

In der rechten Seitenleiste ist die Twitter-Timeline weggefallen. Die Seite war erst nutzbar, wenn dieses Widged sich aktualisiert hatte. Dies konnte, je nach Auslastung von Twitter, schon mal etwas länger dauern. Wer also die Tweets von mir weiterhin verfolgen möchte, folgt mir entweder auf Twitter, der Nutzername ist @sfecke, oder besucht regelmäßig die Timeline auf Twitter. Hier könnt ihr auch weiterhin die Tweets sehen.

Auch die RSS-Feeds der aktuellsten Stories habe ich entfernt. Auch diese brauchte immer etwas, bis sie geladen war und hat die Seite weiter ausgebremst. Wenn ihr die neuesten Stories immer sehen wollt, könnt ihr das auf der Hauptseite der Stories, oder ihr könnt den Stories-RSS-Feed abonnieren.

Auch in den Plugins habe ich etwas aufgeräumt, aber das ist eher was unter der Haube und für den Normalnutzer eher nicht sichtbar. Ich hoffe jedenfalls, dass die Seite jetzt nicht mehr ganz so träge reagiert.

Kommentare, Verbesserungsvorschläge oder Kritik bitte entweder in die Kommentare dieses Posts oder in die Mailingliste.

Warum meine @deinbus Fahrt wohl eine Ausnahme bleibt

Ich kenne Fernbusfahrten aus meinen Türkeiurlauben. Dort ist der Fernbus sogar eher die bevorzugte Reisemethode. Zwar gibt es auch Bahnverbindungen, aber Zug bin ich da nie gefahren.

In jeder nur etwas größeren Stadt gibt es Fernbusbahnhöfe, die durchaus mit Bahnhöfen hier in Deutschland vergleichbar sind. Da gibt es Kiosks, Restaurants, Ticketschalter, und viele Bussteige, von denen die Busse abfahren. Auch Lautsprecherdurchsagen, wann welcher Bus von wo abfährt, hört man da viel.

Die Busse selbst sind dort teils wirklich luxuriös eingerichtet. Bequeme Sitze, Entertainment-System, Strom, teils auch WLAN, man fühlt sich wie in der 1. Klasse eines ICEs. So kann man eine 10-Stunden-Fahrt gut aushalten.

Wenn wir nach Türkei fliegen, landen wir oft in Istanbul oder Ankara. Von dort geht es dann 6 bis 10 Stunden mit dem Fernbus nach Malatia, oder Mersin. Wobei, nach Mersin dauert es viel länger… 🙂 Bedenkt man also die durchaus lange Zeit im Bus, muss einfach ein gewisses Maß an Komfort da sein. Natürlich wird oft Pause gemacht. Zum einen wegen der Lenkzeitpausen, zum anderen auch, weil man ja mal was essen muss oder sonst was…

Als nun auch in Deutschland die Fernbusse anfingen, loszulegen, hatte ich zwar gewisse Erwartungen, jedoch waren sie auch nicht allzu hoch. Den Luxus, den ich von türkischen Fernbussen kannte, habe ich selbstverständlich nicht erwartet. Dort fährt man länger, ist also mehr auf Komfort angewiesen, und dort ist auch der Konkurrenzkampf wesentlich stärker. Umso neugieriger war ich aber, zumal mich die Deutsche Bahn immer mehr und mehr verärgerte. Dauernde Verspätungen, ständige Preiserhöhungen ohne dass ich sehen könnte, wofür und die teils immer unfreundlicheren Mitarbeiter. Also dachte ich, probiere ich so einen Fernbus doch mal aus. So buchte ich von Marburg nach Köln-Deutz eine Fahrt mit deinbus.de. Und, mit 11 Euro war ich dabei! 🙂

Das erste, was mir positiv auffiel, man bekommt keinen Fahrschein. Muss also nix ausdrucken, und hat auch sonst keinen Papierkram. Der Busfahrer hat eine „Gästeliste“, und steht man drauf, fährt man mit. 🙂 Zwar ist das gewöhnungsbedürftig, weil ich bis zuletzt gehofft habe, dass genau hier keine Panne auftritt, aber eigentlich finde ich das Prinzip schon irgendwie cool. Man sagt seinen Namen, zeigt evtl. noch den Ausweis, fertig! Das kam mir extrem entgegen, weil ich zu Besuch war und keinen Drucker zur Verfügung hatte. Die Patronen im Drucker von Heike waren glaube ich auch alle. Bin mir aber nicht mehr sicher. Wie auch immer, über so was muss man sich hier keine Gedanken machen.

Die Bushaltestelle in Marburg liegt gegenüber der Aral-Tankstelle am Hauptbahnhof. Quasi unter der Autobahnbrücke. Die Position dieser und des Übergangs, wo ich die Straße überqueren muss hatte ich in meinem iPhone in der BlindSquare-App gespeichert. So kann ich mich per GPS zielgenau dort hinführen lassen, was auch hervorragend geklappt hat.

Man soll ja 15 Minuten vor Fahrtantritt am Bus sein. Also meiner fuhr um 12:00 Uhr, also musste ich um 11:45 spätestens da sein. Da es mit den Zügen nicht anders machbar war, war ich schon um 10:45 Uhr am Bahnhof, was mir ausreichend Zeit für ein zweites Frühstück lies. Und da dort momentan alles voller Baustellen ist, bin ich halt etwas früher gekommen, um nicht zu spät zu kommen. So um 11:30 Uhr war ich also an der Haltestelle, und der Bus kam tatsächlich eher so um 11:45 Uhr. Reisetasche einladen, Eintrag auf der „Gästeliste“ abhaken lassen, los geht’s.

Hier gibt es auch schon den ersten Kritikpunkt. Ich war noch nie in einem Bus von deinbus.de, so kenne ich mich als Blinder darin also nicht aus. Wo sind Stufen, wo packe ich meine Jacke hin, was sind das für Bedienelemente über meinem Kopf und derlei praktische Probleme. Zwar ließ die Freundlichkeit des Fahrers nix zu wünschen übrig, jedoch hätte ich mir etwas mehr Hilfe gewünscht. Zur Not hätte s, für Jackenablage, Bedienelemente und dergleichen, auch ein Infoband getan, was kurz vor Abfahrt abgespielt wird. Zum Beispiel kann ich die Flyer nicht lesen, weswegen ich nicht wusste, wie ich an die im Bus befindlichen Getränke komme, und was diese kosten. Auch das hätte mit einem Infoband erledigt werden können. Vielleicht passiert das ja noch. Sicherheitsinfos im Flugzeug kommen ja häufig auch aus der Konserve, könnte man hier auch machen.

Und dann kommt auch schon der zweite Kritikpunkt. Ich behaupte mal ganz frech, dass ich mit meinen 1,80 Metern und 78 Kilos nicht fett bin. Ich saß auf der linken Seite hinter dem Fahrer. Ich glaube, 3. oder 4. Reihe, ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls saß ich am Fenster und hatte mein Laptop auf dem Schoß. Und während der ganzen Fahrt hin habe ich überlegt, was, zum Teufel, ich mit meinem linken Arm anstellen soll. Es war dafür einfach kein Platz da. Zum Glück saß rechts von mir keiner, sonst hätte ich das gleiche Problem auch mit meinem rechten Arm gehabt. Nicht auszudenken, wenn da eine etwas voluminösere Person gesessen hätte… 🙁 Man hat zwar ordentlich Beinfreiheit und sogar was zum Abstellen der Füße, aber die Sitzbreite ist viel zu schmal.

Die Fahrt selbst war einfach nur gut. Man sitzt, von der Breite abgesehen, recht bequem, auch der Anschnallgurt stört nicht, es ist leise, und der Bus ist gut klimatisiert. Zu meiner Freude war fast durchgehend Internet vorhanden. Fast, weil ich nicht immer geguckt habe und nicht weiß, ob es hier und da mal abgerissen ist. Jedenfalls konnte ich mit Leichtigkeit meine RSS-Feeds lesen und twittern. Das WLAN ist offen und kostenlos. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass es auch sehr schnell ist. Mich würde aus technischer Sicht interessieren, wie man hier ans Internet angebunden ist. Jedenfalls hat mir das gut gefallen, da ich die Reisezeit so gut und nützlich verbringen konnte.

Im Titel dieses Posts steht ja, dass die Fahrt wahrscheinlich eine Ausnahme bleiben wird. Und hier kommen auch die Punkte, warum:

Als wir kurz vor Köln-Deutz waren, schüttete es wie aus Eimern. Ich wusste, dass die Bushaltestelle um einiges vom Bahnhof entfernt ist, also fürchtete ich schon das Schlimmste. Als der Bus jedoch angehalten ist, kam zum Glück die Sonne raus. Gut, dachte ich, noch mal Glück gehabt! Dieses Gefühl hielt aber nicht lange. Also stand ich da mit Reisetasche in der Hand, Laptop-Tasche auf der Schulter und keine Ahnung, wo der verdammte Bahnhof jetzt ist. Macht nix, hab ja aufgeladenes iPhone und mehrere GPS-Apps. TomTom sagt mir, 1,2 Kilometer Fußweg. Wie jetzt? Mit der schweren Reisetasche und der Aussicht auf Regen soll ich 1,2 Kilometer laufen? Kein Nahverkehr, keine Unterstellmöglichkeiten, wenn es wieder zu Schütten angefangen hätte, wäre ich in den Hintern gekniffen gewesen! Zu allem Überfluss ist der Weg zum Bahnhof zwar relativ einfach, jedoch liegen mindestens 2 komplizierte Kreuzungen auf dem Weg. Die erste z. B. hat mehrere Übergänge mit Ampeln und Zebrastreifen, wobei keine Ampelanlage eine Blindenampel ist. Ich habe 10 Minuten nur damit verbracht, den Verkehrsfluss zu beobachten, um zu erkennen, wann ich Grün habe. Für Ortsunkundige Blinde ist das durchaus ein Problem, wobei ich mich eigentlich als sehr mobil einschätze und solche Dinge mich normalerweise nicht lange aufhalten. Wenn man aber schwer zu tragen hat und die Regenwolken sich über einem zu ballen beginnen, wird man hektisch und unvorsichtig. Das macht Stress. Wie auch immer, ich habe es ja geschafft. Aber der Bahnhof war deswegen immer noch nicht gefunden. Zwar gab TomTom relativ eindeutige Anweisungen, wie ich laufen sollte, aber irgendwie war die Abzweigung, von der TomTom sprach, nicht da, wo sie hätte sein sollen. Zum Glück habe ich einen netten Rentner gefunden, der mir bis zum Bahnhof geholfen hat. Au weia! Das hätte ich allein mit TomTom nie gefunden. Denn da ging es noch mal richtig kompliziert her!

Die Zugänglichkeit der Webseite von deinbus.de ist im Grunde gar nicht so schlecht. Aber am entscheidenden Punkt hakt es. Wenn man Start, Ziel und Datum eingeben will, öffnen sich Javascript-Popups, die ich weder mit dem Safari auf dem Mac noch mit Firefox bedienen konnte. Irgendwie, fragt mich nicht wie, habe ich es letztlich geschafft, hat aber gut und gerne 20 Minuten gedauert. Die Webseite war nämlich fast immer der Meinung, ich wolle in Maastricht einsteigen. In einer Mail habe ich dies an deinbus.de geschrieben und auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie man dem beikommen könnte. Man bedauere es, aber da ja so wenig Blinde die Seite nutzen würden, sähe man jetzt keinen Handlungsbedarf. Öhm, büdde wie meinen?!

Wir sind auf einem technologischen Stand, und das nicht erst seit gestern, wo es möglich ist, jeder Gruppe diskriminierungsfrei Zugang zu Informationen und Diensten zu gewähren. Alles was nötig ist, ist ein wenig guter Wille und ein paar Tastendrücke. Wir haben hier ein klassisches Henne/Ei-Problem: Habt ihr eure Seite so programmiert, weil keine Blinden kommen, oder kommen keine Blinden, weil ihr eure Seite so programmiert habt? Seiten für Blinde zugänglich zu machen heißt nicht, auf klickybunti zu verzichten, das war mal in den 90ern so. Wenn man mal bei Google oder Twitter sucht, oder mal in entsprechenden Mailinglisten anfragt, werden sich eine Menge blinder Menschen finden, die PHP, Javascript und andere Programmiertechniken beherrschen. Viele davon werden sicher gerne helfen, diese Probleme zu lösen. Es sei denn natürlich, deinbus.de hat den Willen nicht und will die Tastendrücke nicht machen.

Um mal die Sprache zu benutzen, die ihr selbst auf eurer Webseite nutzt: Bedenkt man die Einfachheit, mit der das Problem beseitigt werden könnte, seid ihr euch wirklich und absolut sicher, dass nicht ihr die Turnbeutelvergesser seit? Die Zeit, die ihr investiert habt, um mir eine Mail zu schicken die fast wie blanker Hohn klingt, hättet ihr produktiver verbringen können. Aber was soll’s?

Und hier noch mal eine Reihe von knallharten Fakten, weswegen eine Fernbusfahrt für mich kaum noch in Frage kommt: Den Nahverkehr, in Städten als auch den auf der Schiene, nutze ich mit meinem Schwerbehindertenausweis kostenlos. Für den Fernverkehr habe ich eine Bahncard 50. Für die Fahrt von Neustadt bei Marburg bis Wuppertal zahle ich bei der Bahn nur 30 Euro. Und für den Bus? Finanziell nur 11 euro, aber was sonst noch dazu kam? Ich fahre also 25 Minuten mit dem DB-Nahverkehr, warte 1 Stunde am Bahnhof, fahre 2:50 Stunden mit dem Bus, laufe 1,2 Kilometer evtl. durch strömenden Regen zum Bahnhof, fahre noch mal 40 Minuten Nahverkehr bei der DB, und in diesem Fall sogar stehend, weil der Zug voll war. Die Seite ist nicht richtig zugänglich, man bietet telefonische Buchung an. Diese kostet normal aber 3 Euro, die man, laut der Mail, in diesem Falle weglassen könnte. Gut, geht aber nur Wochentags, wodurch ich also auch noch mit meiner Unabhängigkeit bezahle.

Mein Fazit: Zwar ist die Fahrt mit einem Fernbus gar nicht so übel, aber zum jetzigen Zeitpunkt würde ich das nicht empfehlen. Es sei denn, euer Start und euer Ziel erfordern keine umständlichen Weiterfahrten und ihr habt evtl. sehende Begleitung dabei. Wie gesagt, meine Ersparnis mit einem Fernbus sind zwar beträchtlich, aber die Nachteile überwiegen. Die Busunternehmen könnten, wo sie noch klein und flexibel sind, die Gelegenheit nutzen, auch die Schwerbehinderten, aber auch die älteren und andere Gruppen, zum Bus zu überreden. Dies geht aber nur, wenn Buchung und Fahrt für diese Gruppen nicht mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sind. Das hängt aber von den Unternehmen selbst ab. Vielleicht, wenn das Netz mal besser ausgebaut ist, und die Webseiten besser bedienbar werden, wäre das eine Alternative. Um deinbus.de mal die eigene Schlussformel in ihrer Mail zurückzuwerfen: Ich behalte euch im Hinterkopf… 🙂

Wuppertal und die Kultur

Heute morgen sah ich einen Beitrag auf einem der dritten Programme zum Thema „Kultur“. Ein großes deutsches Institut hat 30 Städte deutschlandweit auf ihr kulturelles Angebot untersucht. Auf dem letzten Platz: Wuppertal. Kulturelles Angebot also quasi nicht vorhanden.

Das schrie geradezu nach einem Zorro der Kultur für Wuppertal. Und der kam dann auch in Form des TV-Beitrags. Man verwies gerade zu trotzig auf das Wuppertaler Tanztheater und das Orchester, die internationale Erfolge feiern würden, auf das v. d. Heydt-Museum, wo sich die „Besucher die Beine in den Bauch stehen“ und fügte dazu, dass man ja noch fünf Privattheater habe und es auch sonst genug freie Künstler gäbe.

Außerdem würde ich eine Schwesternstatistik besagen, dass die Wuppertaler viel Geld in die Kultur stecken würden. Kann ja sein – aber nicht in die Wuppertaler Kultur.

Ich war bereits mehrfach in Wuppertal und ich frage mich jedes Mal: die in dem TV-Beitrag so hoch gelobte Kultur Wuppertals – wo ist sie denn? 21:00 Uhr abends in Wuppertal – und es ist nichts, aber auch rein gar nichts los. Um 20:00 Uhr schließen die Geschäfte und ab da ist tote Hose. Und zwar richtig. Man sieht auch kaum noch Leute auf der Straße. Die sind entweder zu Hause – oder aber in Düsseldorf, das Platz 11 der Tabelle belegt und feiern dort die Kultur, die Wuppertal nicht hat.

Der Veranstaltungskalender der Wuppertaler Seite spricht da für sich. Wo sind denn die fünf privaten Theater in dem Kalender? Wo sind all die Lesungen, die kulturellen freischaffenden Künstler, die Wuppertal doch laut Beitrag hat? Das einzige, was immer wieder mal sporadisch der Stadt Leben gibt, sind die Stadtfeste oder verkaufsoffene Sonntage, da ist Wuppertal so voll, dass man meinen könnte, es gäbe etwas umsonst.

Als Gegenvergleich: die Stadt, in der ich wohne, ist deutlich kleiner als Wuppertal, hat aber keinen Abend, an dem nicht irgendwo was zum Gucken und Hören ist. Es gibt Solokünstler, Poetry-Slam, Varieté oder einfach nur mal richtig geile Mucke.

Also-Wuppertal? Quo vadis?

Kurzes Lebenszeichen

Lange habe ich ja nicht mehr von mir hören lassen. Insgesamt ist es um die SF-Ecke auch still geworden.

Viel ist jedoch im Hintergrund passiert. Einen größeren, hoffentlich letzten, Serverumzug haben wir hinter uns gebracht. Blog und Stories scheinen unfallfrei übertragen worden zu sein. Jedenfalls kann ich hier noch auf alles zugreifen. Sollte jemand von euch aber noch auf Ungereimtheiten stoßen, sagt Bescheid.

Zu diesem Serverumzug gehörte auch TuKSuB, was ich ja auch noch nebenher betreibe. Hier ist neben der Liste auch noch ein Forum dazu gekommen. Dieser Umzug hat viel Zeit und Nerven gekostet, so dass ich mich weniger um die SF-Ecke kümmern konnte. Aber auch dieser Umzug ist abgeschlossen.

Viele der News, die ich früher geblogt hatte, twittere ich in letzter Zeit nur noch. Das ist, zugegebener Maßen, auch auf meine Faulheit zurückzuführen. So ein „Twitter mich“-Link in der News ist auch leichter angeklickt, als ein Blogartikel geschrieben ist. Aber ich werde in Zukunft auch mehr bloggen. Aber die Tweets findet ihr auch rechts in der Seitenspalte. Sehbehinderte können dort mit der Überschriftennavigation ihres Screenreaders hinkommen. Bei vielen dieser News lohnte sich aber auch nicht unbedingt, einen kompletten Artikel zu schreiben.

Auch, wenn die SF-Ecke heimlich still und leise vor sich her dümpelt, ist sie doch immer noch da und am Leben. Auch, wenn ich dieses Jahr nicht dazu gekommen bin, einen Fedcon-Bericht zu schreiben. Ich hab es ja noch nicht mal geschafft, die Bilder zu sichten, die ich da gemacht habe. Zu viel Arbeit mit anderen Dingen, Familie, Freunde usw. da blieb nicht viel Zeit. Einen Fedcon-Bericht nachzureichen, nun, da bin ich nicht sicher, ob das noch Sinn macht. Aber ein paar der besten Bilder werde ich in nächster Zeit doch noch hochladen. Zumal wir jetzt auch viel mehr Speicherplatz haben. Der wird zwar von TuKSuB mitbenutzt, aber so ein paar Bilder fallen ja nicht weiter auf… 🙂

Dann schauen wir doch mal, wie es mit der SF-Ecke weiter geht. Serverplatz ist da, Ideen eigentlich auch, nur an Teilnehmern mangelt es gerade ein bissel… 🙂 Aber auch das, hoffe ich jedenfalls, kriegen wir noch gelöst.

SF-Ecke wird 3!

Zugegeben, 3 Jahre ist kein besonders hohes Alter für ein Projekt. Andererseits, es gab Projekte, die haben weit weniger geschafft… 🙂 Aber so ganz genau ist der Geburtstag der SF-Ecke gar nicht festzulegen. Denn Domain und minimale Homepage hatten wir schon am 28.04.2009, Story-System kam so um den 02.05.2009 online. Also sag ich einfach mal, der 02.05. ist Geburtstag. Schließlich zählt man die Schwangerschaft ja auch nicht zum Alter von Menschen hinzu… 🙂

Obwohl die SF-Ecke eher ein ruhiges Dasein fristet, läuft sie dennoch. Immer mal wieder wird in der Liste geschrieben, ab und zu kommt eine Story ins System, und ganz viel wird von mir getwittert… 🙂 Das liegt übrigens hauptsächlich daran, dass viele Schlagzeilen keinen eigenen Artikel lohnen. Und im Astronomie-Bereich tut sich auch lange nicht mehr so viel, wie in der Anfangszeit, wo es auch viel zu bloggen gab.

Worüber ich immer geblogged habe, wenn möglich, waren Veranstaltungen. Und auch jetzt bin ich schon voller Vorfreude auf die nächste Veranstaltung, die Fedcon 21, jetzt im Mai. Natürlich werde ich wieder Fotos machen, und natürlich werde ich wieder darüber bloggen. Und hier und da wird es sicher auch mal Tweets geben, wenn was interessantes passiert.

Nun, obwohl die SF-Ecke recht ruhig ist, inaktiv ist sie nicht. 🙂 Und ich wünsche jedem, der die Liste, den Twitteraccount, die Stories und den Blog genießt, viel Spaß damit, ob nun aktiv als Teilnehmer oder passiv als Zuschauer.

Auf mindestens noch mal 3 Jahre!