Das #Jobcenter #Wuppertal möchte gerne nicht behindertenfeindlich sein, schafft es aber nicht – Ein Gesprächsversuch

Auf Twitter wurde ich gewarnt, das Gesprächsangebot anzunehmen. Und jemand, der vielleicht nicht so gut darin ist, Einschüchterungen einzustecken, hätte auch gut daran getan, es abzulehnen. Aber ich? 🙂

Am 15.03. bekam ich einen Anruf, der mich doch sehr erstaunt hat. Herr Jörg Potzenhardt, Leiter der Geschäftsstelle 3 des Jobcenter Wuppertal, wo auch Frau K.K. arbeitet, bat mich um ein persönliches Gespräch. Mein erster Impuls war, es sofort und bedingungslos abzulehnen. Was sollte da auch schon bei rumkommen? Aber dann dachte ich, ich will nicht Derjenige sein, der eine ausgestreckte Hand abschlägt. Andererseits war mir auch klar, dass hinter dem Rücken noch eine Hand mit einem Dolch ist, und da sollte ich Recht behalten.

Herr Potzenhardt wollte mich gerne zu Hause besuchen, was ich sofort ablehnte. Stattdessen bin ich am Freitag, den 16.03. um 09:00 Uhr in die Geschäftsstelle gegangen.

Viel gibt es zu dem Gespräch eigentlich nicht zu sagen. Es war zu weilen hitzig, aber dennoch immer auf einem freundlichen Level. Dennoch, es gibt da so einige Punkte, auf die ich doch mal eingehen möchte.

Herr Potzenhardt hat immer wieder versucht, die Worte so umzubiegen, dass die Beleidigungen durch Frau K.K. nicht als Beleidigungen zu sehen seien. Der Höhepunkt war, als ich sagte, ich würde mich aber beleidigt fühlen, wo Herr Potzenhardt mich unterbrach und sagte: Nun, Sie fühlen sich beleidigt, dass heißt nicht, dass Frau K.K. Sie auch beleidigt hat.

Hm, für einen Moment war ich doch etwas schockiert. Herr Potzenhardt hat also folgende Rechtsauffassung: Wenn er mit seinem Auto jemanden auf der Straße überfährt, so darf er dafür nicht bestraft werden. Er hat sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten, er hat sein Auto korrekt bedient, und das Überfahren war ja nicht willentlich und absichtlich passiert. Ist jetzt halt so…

Seine Argumentation war in der Tat, Frau K.K. hatte nicht die Absicht, mich zu beleidigen, also gibt es auch keinen Grund für eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Sorry, aber das ist derart schräg, dass mir dazu echt nix mehr einfällt.

Zu der Sache mit dem Aufenthaltstitel hat Herr Potzenhardt lang und breit erläutert, wie viele Akten man habe und dass man da schon mal den Überblick verlieren kann. Das habe nichts mit Absicht zu tun, auch wenn der Name, und hier zählt er dann mehrere türkische Nachnamen auf, Günay ist. Bei allem nötigen Respekt, mich interessiert nicht, wie groß die Heuhaufen sind, in denen sich die Nadeln verstecken. Mich interessiert auch das Management des Heuhaufens nicht. Ich kann aber erwarten, dass man sich ein Konzept erarbeitet, um mit den angesammelten Akten umzugehen. Nun hat die Behörde schon seit einiger Zeit eine elektronische Aktenführung. Und selbst diese scheinen sie nicht unter Kontrolle zu haben. Das darf doch aber jetzt keine Rechtfertigung für Fehler sein? Mir würde man so einen Fehler niemals durchgehen lassen.

Herr Potzenhardt versicherte auch immer wieder, die Behörde und auch er seien definitiv nicht behindertenfeindlich. An einem Punkt fragte er mich auch, ob ich ihn denn jetzt als behindertenfeindlich wahrnehme. Lasst mich hierzu eines einmal ganz konkret sagen:

Es gibt eine Konstante, die noch niemals, never ever, durchbrochen wurde. Je mehr jemand etwas behauptet zu sein, desto sicherer kannst du dir sein, dass er es nicht ist! Jemand, der mit Behinderten klar kommt, macht keine Worte darum, er kommt klar. Er behandelt Behinderte respektvoll und nimmt sie ernst, ohne Worte darüber zu verlieren. So Jemand verhält sich instinktiv richtig, oder handelt aus Überzeugung bewusst richtig. So Jemand sucht nicht händeringend nach Bestätigung. Jemand hingegen, der 5 mal sagen muss, und ein mal nachfragen muss, dass er behindertenfreundlich ist, muss permanent gegen seinen Instinkt, abzulehnen, ankämpfen. Es ist wie mit einer Lüge: Um sie konsistent zu halten, muss viel mehr Energie und Aufmerksamkeit aufgebracht werden, als einfach locker bei der Wahrheit zu bleiben. Dieses hündisch um Bestätigung betteln war, entschuldigt bitte, wenn ich so offen bin, widerlich! Kurz gesagt, Herr Potzenhardt wäre wahrscheinlich gerne behindertenfreundlich, in seinem innersten jedoch bringt er es nicht fertig.

Auf meine Frage, warum Frau K.K. von einer Pflegebedürftigkeit meiner Person ausging, bekam ich eine Antwort, die mich auch etwas fassungslos zurückließ. Man würde dem Jobcenter ja nicht alles sagen, da müsse man doch nachfragen. Er hat so geschickt formuliert, dass man ihm keine Unterstellung vorwerfen kann, aber Herr Potzenhardt, die Message ist angekommen! Hartzis lügen alle!

Zum Schluss wollte er mich noch zu Hause besuchen, um sich einen Eindruck über meinen Platzbedarf zu machen. Es ging hier ja auch um die Mietsenkungsmaßnahme. Um meinem Impuls nicht sofort nachgeben zu müssen, habe ich ihm zugesagt, meine Entscheidung darüber später mitzuteilen. Und hier ist sie dann auch:

Herr Potzenhardt, der Streichelzoo hat geschlossen! Wenn Sie einen Blinden in seinem natürlichen Habitat besichtigen wollen, müssen Sie sich schon ein anderes Exemplar aussuchen!

Wie ich ja schon sagte, ich bin kaum einzuschüchtern. Ich bin auch kaum zu überrumpeln. Und so verging knapp eine Stunde, in der wir eigentlich nur gegenseitig unsere Verteidigungslinien abgetastet haben. Was genau sich Herr Potzenhardt von dem Gespräch versprochen hat, kann ich nur spekulieren. Was passiert ist, ist hingegen etwas völlig anderes: Dadurch, dass er sich derart hinter seine Angestellten stellt, bezieht er Position! Durch die Verteidigung der Beleidigungen und Demütigungen durch Frau K.K. stellt er sich auf die gleiche Stufe. Im Grunde, und wenn er schlau ist, und das setze ich jetzt mal voraus, weiß er, dass er seine Position um einiges geschwächt hat. Nun, löblich als Chef, aber insgesamt unklug.

Kurz gesagt, Zeitverschwendung. Wenigstens hat er mir „Halt die Fresse“ ins Gesicht gesagt, nicht wie Herr Thomas Lenz per Brief. Das muss man ihm schon anrechnen!

Ich sehe jedenfalls keine Veranlassung, meinen Kurs auch nur um einen Nanometer zu ändern. Öffentlichkeitsarbeit, Politik, das ganze Programm. Es wird weitergehen!

To no man shall I kneel!

Das #Jobcenter #Wuppertal ist behindertenfeindlich, diskriminierend und demütigend!

Das Jobcenter Wuppertal hat sich seit jeher als behindertenfeindlich und unbelehrbar dargestellt.

Da es viel zu umfangreich wäre, alles aufzuführen, werde ich in diesem Text nur die aktuellen Ereignisse ab dem Jahre 2015 schildern. Diese, weil diese unmittelbar zusammenhängen und zum jetzigen Status geführt haben. Der Text ist auch so schon lang genug… 🙂 Anfeindungen, Diskriminierungen und Erniedrigungen erlebe ich aber schon von Anbeginn. Wenn ich nur an meinen ersten ALG-II-Antrag denke, möchte ich aus der Haut fahren!!!

Jahre lang habe ich mir den Mund fusselig geredet, in der Hoffnung, auf Vernunft und Einsicht zu stoßen. Selbst Sachbearbeiter, denen ich den Sachverhalt einige Monate vorher schon lang und breit erklärt habe, wussten plötzlich von nichts und für sie war das alles neu. Ich habe also meine Zeit verschwendet. Daher betrachte ich den Versuch, mit Argumenten irgendetwas zu erreichen, als unwiderruflich gescheitert!

Weiterbewilligungsanträge stellen ist ein Spießrutenlauf

Immer wieder stoße ich auf Mitarbeiter des Jobcenters, die mich anständig und vernünftig behandeln. Aber auf einen solchen Mitarbeiter kommen 3 oder 4, die das entweder nicht können, oder nicht wollen!

Alte Situation

Früher musste man in ein Büro, wo dann eine Mitarbeiterin des Jobcenters die Unterlagen entgegen nimmt oder berät. Hier ging ich auch regelmäßig hin, um mir beim Ausfüllen des Antrages helfen zu lassen. Als Blinder kann ich solche Anträge nicht selbst ausfüllen.

Wie schon gesagt, manchmal traf ich auf Jemanden, der das sofort und wie selbstverständlich auch gemacht hat. Oh wunder, der ganze Akt dauerte kaum 5 Minuten!

Die Regel war aber, dass ich auf Mitarbeiter stieß, die nichts damit zu tun haben wollten. Meine Lieblingsbegründungen hierfür sind:

Und wenn wir was falsch ausfüllen, sind wir Schuld!

Oder das hier, das gefällt mir am besten:

Das dürfen wir nicht, wegen dem Datenschutz!

Ich hab heute noch Bauchschmerzen vor Lachen! Datenschutz, Jobcenter, das ist mal Comedy! 🙂

Aber betrachten wir die Sache doch mal von der rechtlichen Seite:

Das Behindertengleichstellungsgesetz des Landes Nordrhein Westfalen hat hierzu so einiges zu sagen. Da wäre z. B. § 9 Abs. 3 von Belang. Da steht:

Blinde und sehbehinderte Menschen können insbesondere verlangen, dass ihnen Bescheide, Vordrucke und amtliche Informationen unentgeltlich auch in einer
für sie wahrnehmbaren Form zugänglich gemacht werden, um eigene Rechte oder Aufgaben im Rahmen der elterlichen Sorge nach §1626 des Bürgerlichen Gesetzbuches
im Verwaltungsverfahren wahrzunehmen. § 9 des Inklusionsgrundsätzegesetzes ist zu beachten.

Nun, das wäre zwar toll, wird in der Realität aber so gut wie niemals umgesetzt. Daher berufe ich mich in der Regel auch auf § 9 Abs. 1. Hier steht:

Die Träger öffentlicher Belange haben bei der Gestaltung von schriftlichen Bescheiden, Allgemeinverfügungen, öffentlich-rechtlichen Verträgen, Vordrucken
und amtlichen Informationen die besonderen Belange betroffener Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen.

Hieraus könnte man ableiten, dass man zur Wahrnehmung seiner Rechte evtl. auch Hilfe bekommt, wie z. B. beim Ausfüllen. Das gilt im Übrigen für beide Absätze.

Ich habe hier aber auch schon gesagt bekommen, das dieses Gesetz hier nicht gelte. Huch? Wo steht denn bitte das? Wenn sich also das Jobcenter aussuchen darf, welches Gesetz für sie gilt, und welches nicht, darf ich das dann auch? Ich hätte da nämlich so den einen oder anderen Paragraphen, den ich auch gerne ignorieren würde… 🙂

Nach viel Hin und Her wird es dann aber dennoch gemacht, natürlich nur ausnahmsweise und natürlich nur dieses eine Mal! Und, diese Aktion dauert in der Regel 15 bis 25 Minuten. Was ist jetzt also effektiver?

Neue Situation

Der Eingangsbereich der Geschäftsstelle wurde umgebaut, so dass ich mir an einem Tresen eine Nummer holen muss. Und hier geht es schon los, dort will man mir zunächst keine Nummer geben. Der Mitarbeiter will mich erst recht aggressiv wegschicken. Wenn ich dann aber etwas energischer werde und mit anwaltlicher Beratung drohe, telefoniert der Mitarbeiter recht panisch in der Gegend rum. Da höre ich dann so Sätze wie:

Müssen wir den Behinderten jetzt wegschicken? Der ist hier alleine, ganz ohne Begleitung! … Ja, weiß ich doch auch nicht, wie jetzt? … Aber … Gut, ich schicke den dann durch!

Da fühlt man sich doch gleich respektiert und ernst genommen, oder?

Immerhin wird mir mittlerweile etwas bereitwilliger beim Ausfüllen geholfen. Man zeigt seinen Unmut über diese Sache, füllt aber doch für mich aus. Immer noch nicht befriedigend, aber wenigstens etwas besser. Die Demütigungen allerdings, am Tresen solche Telefonate mitzuhören, wo auch andere Wartende das hören können, finde ich unerträglich!

Klärungsversuch durch meinen Anwalt

Im Jahre 2015 habe ich die Angelegenheit dann meinem Anwalt übergeben. Dieser hat Herrn Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, angeschrieben und über die Sachlage informiert. Hier tat man zwar sein Bedauern über die Sachlage kund, passiert ist seit dem jedoch gar nichts! Ich werde im Eingangsbereich immer noch genau so behandelt, zuletzt am 20.12.2017, so um 08:30 Uhr, ich war mit einer der ersten „Kunden“, die an dem Tag eine Nummer wollten. Ich hatte übrigens die Nummer 2.

Ich nenne das so genau, für den Fall, dass doch mal jemand sich der Sache annehmen will und sorgfältig recherchieren möchte. So sollte es auch kein Problem sein, die beteiligten Personen zu ermitteln, besonders voll war es an dem Tag ja nicht. Mein Antrag wurde übrigens hinterher auch problemlos ausgefüllt. Hier war die Demütigung bereits bei der Nummernvergabe am Tresen. So eine Situation hatte man ja noch nie! Echt jetzt? Bin ich das erste mal da? Da wäre man ja nicht drauf geschult worden. Und wo ist das jetzt meine Schuld? Ich hab ja die Schulungen nicht durchgeführt. Und dass ich nie was gesagt hätte, kann man auch nicht behaupten, man hat sich das einfach nur nicht merken wollen. Was interessiert einen auch das Gebabbel eines Behindis? 🙁

Blinde sind ALLE erwerbsunfähig!

Wussteste jetzt nich, gelle? Is aber so! Das haben führende Wissenschaftler aus Wuppertal, die nicht ohne Grund ungenannt bleiben wollen, herausgefunden!

Sorry, konnte nicht widerstehen! 🙂 Aber jetzt mal ganz sachlich:

Erster Versuch, mich in Grundsicherung abzuschieben

Im Jahre 2007 habe ich einen Weiterbewilligungsantrag gestellt. Der Sachbearbeiter, Herr D., wollte meinen Schwerbehindertenausweis sehen. Gut, dachte ich, ist ja auch erst kürzlich verlängert worden und muss in die Akte aufgenommen werden. Das böse Erwachen kam dann wenige Tage später mit dem Bescheid!

Hier wird mir mitgeteilt, dass mit sofortiger Wirkung der Bezug von ALG-II eingestellt wird, da ich vollständig erwerbsunfähig sei. Dies würde ja das Merkzeichen H in meinem Schwerbehindertenausweis ausdrücken. Zu den Merkzeichen im Ausweis schreibe ich später noch mehr.

Zunächst musste ich Sozialhilfe, bzw. Grundsicherung beantragen, um erst mal überhaupt über die Runden kommen zu können. Gleichzeitig habe ich selbstverständlich Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt und auch begründet. Diesem Widerspruch wurde zwar schnell abgeholfen, war aber mit viel Arbeit und Unannehmlichkeiten verbunden.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dies sei eine Aktion eines freidrehenden Behindertenhassers gewesen, mit dem die Pferde durchgegangen sind. Hätte ich damals auch nur geahnt, dass das Ganze System hat, hätte ich ganz anders dagegen agiert.

Weitere Versuche in den Jahren 2015 und 2016

Im Jobcenter Wuppertal gibt es ein Spezialteam, welches sich um die Belange Schwerbehinderter kümmert. Laut einem Werbeprospekt, oh, tschuldigung, der Antwort von Herrn Thomas Lenz auf eines meiner Schreiben, erarbeiten diese passgenaue Lösungen für die jeweilige Situation. Nun, dem Widerspreche ich aber mal so was von vehement!

Niemand dort hat auch nur den geringsten Plan, was er da tut! Ich bin es immer, der ewig und drei Tage erklären muss, wie meine Situation ist, wie die Hilfsmittelversorgung stattfindet, wer wofür zuständig ist und wie der Arbeitsmarkt für mich als Blinden aussieht. „Passgenau“ ist da absolut gar nix! Und um das mal zu verdeutlichen, schildere ich mal die Ereignisse aus 2015 und 2016, die hier mal exemplarisch für das Versagen der Abteilung stehen sollen.

Im Jahre 2015 lädt mich also die Sachbearbeiterin I.F. ein, um mit mir über meine berufliche Situation zu sprechen. Toll, dachte ich, bei der war ich noch nicht, darf ich also wieder bei Adam und Eva anfangen!

Nach einigem belanglosen Smalltalk kommt sie dann also zum Punkt und behauptet, eigentlich wäre man ja für mich gar nicht zuständig, ich sei ja vollständig erwerbsunfähig. Auf meine Frage, wie sie denn nun wieder darauf komme sagt sie, ich hätte ja das Merkzeichen H im Schwerbehindertenausweis, welches ja für „Hilflos“ steht. Eigentlich müsse ich Erwerbsminderungsrente oder Grundsicherung beantragen!

Ich war zwar innerlich Millisekunden vor einer epochalen Explosion, habe aber dennoch ruhig und sachlich die Angelegenheit mit den Merkzeichen zu erklären versucht und sie aufgefordert, diese Angelegenheit doch mal anständig zu recherchieren. Sie hingegen meinte, es gäbe da eine Weisung, wonach sie das so machen müsse. Die Weisung wollte sie mir aber nicht produzieren, so dass ich evtl. hätte nachgucken können. Der Wortlaut der Weisung hätte mir vielleicht geholfen, argumentativ besser drauf einzugehen. Das wollte, oder konnte, sie offenbar nicht.

Mit einer also ziemlich wertlosen Eingliederungsvereinbarung, die ich selbstverständlich nicht unterschrieben habe, ging ich also zu meinem Anwalt. Übrigens war das die erste Eingliederungsvereinbarung, die ich nicht unterschrieben habe. Und auch, wenn ich jetzt Sanktionen riskiere, habe ich danach auch gar keine mehr unterschrieben. Die gingen alle sowieso nicht über meine gesetzlichen Pflichten hinaus. Warum also etwas vertraglich unterschreiben, zu dem ich per Gesetz sowieso verpflichtet bin?

Mein Anwalt kontaktierte also im gleichen Schreiben, wo es auch um die Weiterbewilligungsanträge ging, Herrn Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal. Dieser konnte natürlich keinerlei Fehlverhalten von Frau I.F. erkennen.

Herr Thomas Lenz schreibt also sinngemäß, ich hätte ja selbst gesagt, dass ich mit einigen Situationen nicht zurechtkäme. Was für eine Verläumdung!

Ich möchte hier ausdrücklich versichern, dass ich niemals in meinem Leben solch einen Satz gesagt habe, und bis man mich 2 Meter tieferlegt, auch nicht sagen werde!!! Diese Aussage stammt offenbar von Frau I.F, welche dann Herr Thomas Lenz übernommen hat. Woher sollte sich Herr Lenz diese Aussage sonst herbeihalluziniert haben? Ich habe mit dem Mann bis zum Februar 2018 keinen persönlichen Kontakt gehabt, von mir kann er den Satz also gar nicht haben! I.F. betreibt also hier reines Ass Covering, und ich bin der dumme? Das wollen wir doch erst mal noch sehen!

The Next Level!

Da landet 2016 eine weitere Einladung von I.F. in meinem Briefkasten, und ich bin quasi instantan wieder Millisekunden vor dieser epochalen Explosion. Diesmal dachte ich, gehe ich besser nicht alleine hin! Ich bin also mit meiner Mutter hingegangen.

Frau I.F. kam natürlich auch gleich auf die Sache mit meinem Anwalt zu sprechen. Als ich dann ziemlich energisch sagte, wenn sie die Sache mit dem H weiterverfolge, geht das definitiv vor Gericht, verließ sie das Büro und zog einen Kollegen hinzu.

Nun redete man also zu zweit auf mich ein, was, wer mich kennt weiß,, mich ja überhaupt nicht beeindruckt. 🙂 Ich habe also, im Beisein des Kollegen, die Sache mit dem H noch einmal ausführlich lang und breit erklärt. Auch dieser Kollege schien das nicht wirklich zu begreifen. Frau I.F. sagte dann noch, mit meinem Gesundheitszustand wäre ja eine Berufsausübung ohnehin fraglich.

Hier ist mir dann endgültig der Kragen geplatzt! Auch ich habe eine Schwelle, die man besser nicht übertritt!

Ich habe keinen „Gesundheitszustand“, ich habe eine Behinderung. Mein Gesundheitszustand ist einwandfrei, ich habe keinen hohen Blutdruck, keine Herz-Kreislauf-Probleme, keine Atemschwäche und bin auch sonst nicht krank. Ich bin in meinem Beruf mindestens genau so leistungsfähig, wie ein Sehender! Und dies habe ich auch, sehr vehement, zum Ausdruck gebracht.

Hier war dann auch das Gespräch beendet, zum Glück! Ich weiß nämlich wirklich nicht, wie lange ich die Explosion noch hätte verhindern können!

Eine Eingliederungsvereinbarung bekam ich nicht, die würde sie mir per Post zuschicken, sagte Frau I.F. Das hat mich natürlich sehr gefreut, weil das keine ausgehandelte Vereinbarung wäre und die ich sowieso nicht unterschreiben würde. Aber was soll ich sagen? Die Eingliederungsvereinbarung hatte es sowas von in sich!

Der erste Satz in der Vereinbarung lautet:

Herr Günay wurde umfassend und vollständig beraten.

Ähm, bitte wie meinen?

Ich bin in meinem Leben schon allem an Sachbearbeitern begegnet. Da war von super schlau und super freundlich bis strohdoof und dämlich bis zu behindertenfeindlich alles dabei. Aber derart betrügerisch und verlogen hatte ich noch nicht! Frau I.F. hat hier auf betrügerische Weise versucht, sich durch meine Unterschrift attestieren zu lassen, was für eine tolle Sachbearbeiterin sie doch ist. Es versteht sich ja von selbst, dass ich diese Vereinbarung nicht unterschrieben habe um somit das Totalversagen von Frau I.F. zu legitimieren.

Ein vorläufiges Ende?

Es erfolgte dann noch einmal eine Einladung von Frau I.F. zu einem Gespräch. Auch hier ging ich mit meiner Mutter hin. Dieses Mal hat sich die Vorgesetzte der Frau I.F. dazugesetzt.

Was bitte sollte das denn bringen? Wie naiv ist die vorgesetzte denn? Hat die tatsächlich geglaubt, Frau I.F. würde sich in ihrem Beisein mir gegenüber wieder so aggressiv verhalten? Oder ist es nicht eher so, dass man mich als renitent eingestuft hat und die Vorgesetzte dabeigesessen hat, um zu gucken, ob der Günay nicht der Irre ist?

Es versteht sich ja von selbst, dass Frau I.F. bei diesem Gespräch sich sehr vorbildlich verhalten hat. Allerdings konnte man über das ganze Gespräch hinweg merken, dass Frau I.F. sehr unsicher war, wie, als wäre das ihr erster Umgang mit Behinderten. Man konnte die Anstrengung, jedes Fettnäpfchen um jeden Preis zu vermeiden, geradezu mit Händen greifen!

Wenn mir also jemand ins Gesicht lügt, die Abteilung würde irgend etwas „passgenau“ machen, dann ist das bestenfalls Wunschdenken, schlimmstenfalls gewollte Ignoranz! Bei so was kriege ich höchstens einen Lachanfall, Herr Lenz!

Warum sind jetzt also alle Blinden erwerbsunfähig?

Hier muss ich etwas ausholen, holt euch also erst mal ’ne Tasse Kaffee… 🙂

Der Schwerbehindertenausweis dient dazu, dass ich als Schwerbehinderter diverse Rechte und Leistungen durchsetzen kann. Er dient also nicht dazu, wie es das Jobcenter versucht, ihn gegen mich zu verwenden!

Der Grad der Behinderung zeigt an, wie sehr man eingeschränkt ist. Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt man als schwerbehindert. Ich habe einen Grad der Behinderung von 100, also dem Maximum. Auch, wenn es die Zahl nahelegt, hier wird nicht über Prozente gesprochen, denn dies sind absolute, und keine relativen Werte.

Der 2. Bestandteil sind Merkzeichen. Diese konkretisieren Behinderungen, zeigen Einschränkungen auf oder ermöglichen die Inanspruchnahme von Leistungen. Die meisten Menschen nehmen diese Merkzeichen leider wortwörtlich, was aber total falsch ist. Daher kommt auch diese Annahme, Blinde seien alle hilflos und somit erwerbsunfähig. Aber ich gehe mal auf die Merkzeichen etwas näher ein. Allerdings verwende ich die Merkzeichen, die in meinem Ausweis stehen, andere Ausweise können, je nach Behinderung, andere Merkzeichen haben.

BL

Das Merkzeichen BL bekommt, wer nach dem Gesetz blind ist. Hier die Definitionen einzeln aufzuführen, würde zu weit führen. Daher empfehle ich den Wikipediaartikel zur Blindheit. Im Abschnitt „Definitionen“ werdet ihr fündig.

B

Das B steht für „Begleitperson“. Dieses Merkzeichen setzt nicht voraus, dass ich mit einer Begleitperson unterwegs bin, sondern gewährt mir das Recht, eine solche bei Fahrten mit Bus und Bahn, oder auch diverser anderer Veranstaltungen, zu haben.

RF

Früher hat dieses Merkzeichen dazu geführt, dass Menschen, die es im Ausweis hatten, von der GEZ-Gebühr befreit waren. Heute ermäßigt sich die Haushaltsabgabe lediglich. Blinde, Sehbehinderte und andere Behindertengruppen erhalten dieses Zeichen.

G

Das G steht für „Gehbehindert“. Nun, nähme man es wörtlich, hätte ich ein Problem. Ich bin jedoch nicht gehbehindert, sondern, je nach Situation, in meiner Orientierungsfähigkeit eingeschränkt. Abgesehen davon ermöglicht mir das G, den öffentlichen Personennahverkehr unentgeltlich zu nutzen. Dieses Merkzeichen ist also eines von denen, die man nie ungeprüft wörtlich nehmen sollte.

H

Bin ich wirklich „Hilflos“? Brauche ich Hilfe beim Ankleiden, Waschen oder sonstiger wiederkehrender Aufgaben? Nein, brauche ich nicht! Aber jeder, der ein BL hat, hat auch ein G und ein H. Und daher kommt auch die Annahme des Jobcenters oder der Stadt Wuppertal, alle mit einem H seien erwerbsunfähig, wodurch auch durch mangelnde Differenzierung auch alle Blinden drunter fallen.

Warum hat nun ein Blinder das H? Die Antwort ist so simpel, und wenn man Google oder andere Suchmaschinen bedienen könnte, was man im Jobcenter Wuppertal wohl nicht getan hat, wüsste man das auch sehr schnell… Eigentlich wollte ich das noch für mich behalten, damit das Jobcenter noch die Möglichkeit hat, sich damit zu blamieren, aber ich will mal nicht so sein… 🙂

Das H hat tatsächlich steuerliche Vergünstigungen. So gibt es für bestimmte Grade der Behinderung in Verbindung mit dem H diverse Pauschbeträge. Diese kann man im Einkommenssteuergesetz § 33b nachlesen.

Und, macht mich das jetzt erwerbsunfähig? Jeder Blinde hat ein H, auch die aktuelle Bundesbehindertenbeauftragte, Verena Bentele. Frau Bentele ist nämlich auch blind, und hat daher auch das H in ihrem Schwerbehindertenausweis. Möchte vielleicht jemand einer mehrfachen Weltmeisterin, mehrfachen Olympiasiegerin in Skilanglauf und Biathlon sagen, sie sei erwerbsunfähig? Bei dem Telefonat wäre ich nämlich gerne dabei… 🙂 Aber Vorsicht, das ist eine Biathletin, die hat ’ne Knarre! 🙂 Tschuldigung, konnte nicht widerstehen… 🙂

Wer sich umfassend mit den Merkzeichen und diverser dazu zugehörender Rechtsgrundlagen beschäftigen möchte, klicke bitte hier entlang.

Die ominöse Weisung

Aktuelle Ereignisse, auf die ich später im Text noch eingehe, haben mich dazu gebracht, nach dieser Weisung doch mal zu recherchieren. Das Jobcenter Wuppertal dreht nämlich momentan völlig frei, und außer einem vollumfänglichen Gegenangriff weiß ich nicht, wie ich mir anders helfen kann.

Meine Recherche hat, unerwarteter Weise, interessantes zu Tage gefördert. Ich habe also über Frag den Staat eine Anfrage an das Jobcenter Wuppertal gestellt. Man leitete mir das entsprechende Dokument auch weiter, welches als Anhang in der Anfrage einzusehen ist. Hier steht schon ganz am Anfang, wer alles erwerbsunfähig ist, eben halt auch alle, die ein H im Schwerbehindertenausweis haben.

Abweichend vom Nahtlosigkeitsgrundsatz und der Fiktion der Erwerbsfähigkeit wurde zwischen dem Sozialamt und dem JC vereinbart, dass bei folgenden Personen bereits bei Erst-antragstellung von einer Erwerbsunfähigkeit im Sinne des SGB II auszugehen ist: Volljährige Einzelpersonen,
* die pflegebedürftig ab Pflegegrad III sind oder
* die im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen H sind.

Und schon bekommt der Versuch, mich schon 2007 abzuschieben, plötzlich eine ganz andere Bedeutung, nicht? Und nun wird auch klar, warum das Jobcenter im Allgemeinen, oder Herr Thomas Lenz im Besonderen, nicht willens scheinen, mich ernstzunehmen. Für die bin ich „Hilflos“, und somit totes Kapital!

Was kommt nun?

Jetzt werde ich etwas Spaß haben! Basierend auf dieser Information werde ich jede Einrichtung, die Blinde ausbildet, schult oder fördert, anschreiben und zur sofortigen Einstellung ihrer Tätigkeiten auffordern! Denn ich halte es für eine ungeheuerliche Verschwendung von Steuergeld und Geld der Kostenträger, wenn Blinde ausgebildet werden, die ja per Definition erwerbsunfähig sind. Wozu also Blinde ausbilden, wenn die sowieso in diesem Beruf niemals erwerbstätig werden können? Auf die Presseanfragen bei der Stadt Wuppertal wäre ich dann sehr gespannt! 🙂

Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was mit dieser Information anzufangen ist. Ich werde diese Information so weit wie möglich streuen, z. B. bei Behindertenbeauftragten, Integrationsfachdiensten oder sonstiger Einrichtungen, die hier auf die Stadt Wuppertal oder das Jobcenter Wuppertal einwirken können. Aber hier ist noch eine Menge zu tun, packen wir es an!

Spaß mit der Leistungsgewährung!

Ja glaubt ihr denn, das war’s schon? Nee nee, der Fachbereich Leistungsgewährung, Geschäftsstelle 3, will auch noch mit mir spielen!

2016

Ich reiche, wie immer, meine aktuelle Betriebskostenabrechnung ein. Diese wird dann normalerweise bearbeitet und die Betriebskostennachzahlung an mich überwiesen, so dass ich diese dem Vermieter weiterleiten kann. So weit, so gut, doch dieses Mal lief alles ganz anders!

Zunächst muss gesagt werden, die Betriebskostennachzahlung wurde bewilligt und überwiesen. Aber nicht an mich, sondern direkt dem Vermieter. Und wo die Sachbearbeiterin, Frau K.M., schon mal dabei war, verlangte sie auch noch eine Vermieterbescheinigung und bezeichnete meine Wohnung als zu groß, jedoch durch die Miethöhe im Rahmen.

Am 29.03.2016 antworte ich ihr also, und teile ihr, hier mal nur zusammengefasst, folgendes mit:

  • Vermieterbescheinigung gibt’s nicht! Alle Informationen liegen durch Mietvertrag und Betriebskostenabrechnung vor. Es ergibt sich daher nicht die Notwendigkeit, dritte über meinen ALG-II-Bezug zu unterrichten (Az: B 14 AS 65/11).
  • Wohnung ist nicht zu groß, da mir als Blindem 15 qm mehr zustehen. Dazu später mehr…
  • Aufschlüsselung der Mietnebenkosten in Heiz- und andere Kosten werden Sie von mir nicht erhalten, diese Daten können Sie aus der Betriebskostenabrechnung ersehen!
  • Die direkte Überweisung der Betriebskostennachzahlung an meinen Vermieter war unüblich und hat meinen ALG-II-Bezug diesem ohne Grund offenbart (Persönlichkeitsrechtsverletzung).

Außerdem schickt die Frau die Briefe so, dass ich sie am 26.03. erhalte und bitteschön bis zum 31.03. zu reagieren habe. 🙂 Öhm, wie man einen Kalender benutzt, auch, weil es da Feiertage zu berücksichtigen galt, hat man aber im Jobcenter Wuppertal drauf, oder? 🙂

Und jetzt ratet mal, was auf mein Schreiben passiert ist? Na? NIX! Wie sollte es auch anders sein! Man missachtet direkt und ohne Not jedes Persönlichkeitsrecht, und man geht nicht mal in einem Schreiben drauf ein! Lediglich die Sache mit der Nachzahlung, dass ich das in Zukunft wieder selbst machen solle, wurde mir dann noch per Schreiben mitgeteilt.

Aber jetzt wird’s erst richtig lustig: Im April habe ich nicht schlecht gestaunt, als plötzlich gar keine Zahlung mehr auf mein Konto einging. Ziemlich wütend bin ich also zum Jobcenter gestürmt. Was soll ich sagen? Ganz ohne Bescheid, ganz ohne Ankündigung oder sonst irgendeine Mitteilung, war die Auszahlung des ALG-II an mich gesperrt! Die Mitarbeiterin unten im Eingangsbereich telefonierte dann mit der Sachbearbeiterin, wodurch mir ein Scheck über einen Teilbetrag ausgehändigt wurde und der Rest sofort überwiesen wurde!

Zufall? Warum war die Auszahlung gesperrt? Man klickt da doch nicht mal eben aus Versehen, und ohne dass das Programm vielleicht noch mal nachfragt, drauf? Oder könnte es nicht eher sein, dass es K.M. nicht gepasst hat, dass ich sie so direkt kritisiert habe?

2017

Neue Sachbearbeiterin, neues Glück? Denkste! Die ist das aggressivste, unbelehrbarste und boshafteste, was mir untergekommen ist!

Es beginnt mit einem Weiterbewilligungsantrag im Januar 2017. Ich erhalte dann aber auch schon wenige Tage später einen Bescheid. Mir wird aber eine Frist gesetzt, bis zu der ich einen aktuellen Aufenthaltstitel beizubringen hätte. Andernfalls würde man mir die Leistungen gänzlich streichen!

Ähm, liebes Jobcenter Wuppertal, ich bin seit 2006 deutscher Staatsbürger! Seit wann haben deutsche Staatsbürger einen Aufenthaltstitel?

In seiner Antwort auf mein Schreiben, auf welches ich später noch näher eingehen werde, schreibt Herr Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, dass es sich hier um ein Versehen handele. Man habe das schlichtweg übersehen! WIE JETZT???!!!

Sorgfalt, lieber Leser, ist für mich nicht einfach nur eine leere Worthülse. Sorgfalt ist die Grundlage meiner Existenz. Ohne diese würde ich vollständig untergehen! Ich tue Dinge so sorgfältig wie nur irgend möglich, um Fehler zu vermeiden, auf die ihr Sehende dann mit Fingern zeigen könnt! Ich lege Dinge sehr sorgfältig ab, weil ich sie sonst nicht wiederfinde.

Die Sachbearbeiterin K.K. hat also einen Aufenthaltstitel von mir gefordert, ohne sorgfältig zu prüfen, ob nicht vielleicht ein noch gültiger Titel vorhanden ist? Und wenn es da gar keinen gibt, käme man ja vielleicht mal auf die Idee nachzuforschen, warum? Und dann wäre einem vielleicht auch die Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgefallen? Ich wäre jedenfalls ganz genau so vorgegangen. Mir wäre dieser Fehler also niemals passiert, vor allem, weil so etwas extrem sensibel ist!

Aus diesem Grund habe ich in meinem Schreiben an Herrn Lenz diese Aktion auch als „Rassismus“ bezeichnet, da für mich offensichtlich ist, dass die Sachbearbeiterin K.K. lediglich nach dem türkischen Namen gegangen ist. Der wird schon kein Deutscher sein, da klicken wir uns mal seinen Aufenthaltstitel.

Ich weiß ja nicht, wer für das Jobcenter die Software programmiert, aber eine gut durchdachte Software würde dem Sachbearbeiter helfen, solche Fehler nicht zu machen. Kurz gesagt:

Wenn Staatsbürgerschaft = „Deutsch“, dann Schaltfläche für Aufenthaltstitel deaktivieren.

Problem gelöst! 🙂 Das kleine bissel Code kann euch jeder 10jährige zusammenhacken!

Ich bleibe dabei, es stinkt nach Rassismus! Und wenn ich die Zeit nicht habe, gründlich zu prüfen, dann verzichte ich halt auf den Aufenthaltstitel! Ich hätte jedenfalls sorgfältig eine Beleidigung zu verhindern versucht, mir wäre so ein Fehler nicht passiert!

Aktuelle Situation

Kommen wir also zum eigentlichen Grund dieses doch extrem überdimensionalen Blogposts! Ist ja schon fast ein Buch! 🙂

Ich habe also am 20.12.2017 einen Weiterbewilligungsantrag gestellt. Sehr bald, extrem schnell sogar, erhielt ich dann einen Bescheid und ein paar weitere Schreiben!

Der Bescheid war vom 01.02. bis zum 30.04. ausgestellt. Weiterhin wurde von mir, mal wieder, eine Vermieterbescheinigung verlangt. Und jetzt, weil es so witzig ist, kam noch eine Mietsenkungsmaßnahme dazu!

Ich habe mit mehreren Schreiben am 27.12.2017 erklärt, warum Frau K.K. auch dieses Mal nicht, und auch in Zukunft nicht, eine Vermieterbescheinigung bekommen wird. Siehe hierzu weiter oben. Auch zur Mietsenkungsmaßnahme habe ich so einiges geschrieben und eine Frist bis zum 15.01. gesetzt. Diese verstrich, ohne dass es zu Ergebnissen gekommen ist, lediglich Ankündigungen gab es. Man habe die Sache an die Rechtsabteilung weitergeleitet. Weiter ist erst mal nichts passiert.

Da diese Sache nun etwas krasser ist, immerhin will man mich aus meiner Wohnung haben, habe ich die Angelegenheit dann doch noch meinem Anwalt übergeben.

Was hat es mit der Mietsenkungsmaßnahme aufsich?

Es gibt einen neuen Mietspiegel für Wuppertal, des weiteren haben sich einige rechtliche Situationen geändert. Dadurch ist meine Wohnung zu teuer geworden.

Denkt man das mal weiter, wird es lustig: Ich ziehe also um, in einigen Jahren ändert sich wieder was, und ich darf wieder umziehen? Will das Jobcenter einen Nomaden aus mir machen? Will das Jobcenter, dass ich mir einen Job, oder eine Wohnung suche? Wenn man sich da nur mal entscheiden könnte…? 🙁

Wohnraum-Mehrbedarf für Behinderte

Die Regel ist, dass ein alleinstehender Leistungsbezieher einen Anspruch auf eine Wohnung mit 50 qm hat. Quadratmeterpreise und Betriebskosten sind hier ebenfalls festgelegt. Ich bewohne eine Wohnung mit 65 qm, und nach aktueller Berechnungsgrundlage ist meine Wohnung 146 Euro zu teuer.

Nun ist es aber so, dass ich als Blinder einen Wohnraum-Mehrbedarf von 15 qm habe. Meine Wohnung ist also nicht zu groß, sie ist in ihrer Größe genau angemessen.

Diesen Umstand habe ich Frau K.K. Mitgeteilt. In einem Schreiben an Herrn Thomas Lenz wurde dieser Umstand auch lang und breit erklärt. Beide haben alle Informationen, die ich ihnen hierüber gegeben habe, vollständig ignoriert!

Woraus ergibt sich der Mehrbedarf?

Bis 2011 galt die DIN 18025 Teil 2. Hier waren die Flächen für Menschen die auf Rollstühle angewiesen sind und Blinde recht genau festgelegt. Diese wurde jedoch durch die DIN 18040-2 ersetzt.

Hier sind zwar die Flächen für Rollstühle recht genau angegeben, für Blinde und Sehbehinderte jedoch nur schwammig formuliert. Im Bereich der DIN 18040-2 Wohnraum, Schlafraum findet sich also folgende Formulierung:

„Besteht wegen der Art der Behinderung der Bedarf einer zusätzlichen Individualfläche, sollte diese mit mindestens 15 qm angesetzt werden.“

Nun käme es also drauf an, die Individualfläche wegen der Art der Behinderung, in meinem Falle die Blindheit, für mich auch anzuerkennen. Hierzu ist die Rechtslage allerdings sehr schwammig.

Christiane Möller von der RBM-Rechtsberatung fasst hier einige der Urteile zusammen: Wie viel Quadratmeter braucht der Mensch?. Die Stiftung MyHandicap kommt zu einem ähnlichen, wenn auch etwas konkreteren Ergebnis: Wohnungsgrößen für Menschen mit Behinderung.

Nun, Hilfsmittel wie elektronische Lesehilfen, Vergrößerungsgeräte und einiges an Blindenschriftliteratur nehmen erheblich mehr Platz weg. Diese Geräte und Literatur benötige ich, um meine tägliche Arbeit zu verrichten, Nachschlagen, Post bearbeiten und vieles mehr.

Wenn also das Jobcenter Wuppertal diesen Mehrbedarf nicht anerkennen will, und so sieht es derzeit aus, so werde ich diesen wohl einklagen müssen!

Beleidigung und Erniedrigung!

Nun hat mein Anwalt also Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt. Diesem wurde mittlerweile abgeholfen und ein neuer Bescheid bis zum 30.06. ausgestellt. Da aber die Mietsenkungsmaßnahme noch läuft, wird ab diesem Zeitpunkt mein Leistungsbezug wohl um die 146 Euro gekürzt.

Um die Mietsenkungsmaßnahme jedoch zu beenden, verlangt Frau K.K. folgende unterlagen und Angaben. Sie schreibt also meinem Anwalt, dass ihr zur Klärung des Sachverhalts folgende Unterlagen fehlen:

  • Bestätigung des Arztes, dass ein erhöhter Wohnraum für Hr. Günay von Nöten ist
  • Schriftliche Erklärung und Nachweise, ob eine Pflegestufe für Hr. Günay eingerichtet wurde
  • Aktueller schriftlicher Nachweis über den aktuellen Sachstand der Mithilfe der Familie und von Freunden im täglichen Leben

Weiter schreibt sie:

Die angeforderten Unterlagen sind erforderlich um zu prüfen, inwieweit Hr. Günay in der großen und überteuerten Wohnung weiterhin wohnen bleiben darf.

Ich habe dieses Schreiben mehrfach gelesen, tief Luft geholt, Entspannungsübungen gemacht, und dennoch:

WHAT THE FUCK…???!!!

Ich kann mich ernsthaft nicht erinnern, ob und wann ich jemals auf diese Art und Weise beleidigt und verletzt wurde! Ich bin 43 Jahre alt und von Geburt an blind, ihr könnt euch also sicher vorstellen, dass ich mit Beleidigungen und Demütigungen so meine Erfahrungen habe!

Gegenwehr!

Am 13.02. habe ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen K.K. eingelegt. Diese Beleidigungen und Diskriminierungen habe ich mir nicht gefallenzulassen!

Herr Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal, antwortet am 23.02. Das ist auch das Schreiben, auf das ich mich hier im Post schon mehrfach bezogen habe. Herr Lenz schreibt also auf 3 Seiten folgendes:

  • Wiederholung der Sachverhalte
  • Werbung für das Spezialteam für Schwerbehinderte
  • Da gibt’s keinen Grund für die Beschwerde, und nu halt die Fresse!

Natürlich ist mir klar, dass Herr Lenz da nix finden kann, wie er auch bei Frau I.F. schon nix finden konnte. Wer hat denn ernsthaft geglaubt, eine Krähe hackt der anderen das Auge aus?

Forderungen unbegründet und beleidigend!

Dröseln wir also mal im Einzelnen auf, was Frau K.K. da eigentlich von mir will, und ob es überhaupt nötig ist:

  • Bestätigung des Arztes, dass ein erhöhter Wohnraum für Hr. Günay von Nöten ist

Ähm, Frau K.K., zweifeln Sie meine Blindheit an? Ist mein Schwerbehindertenausweis, genau wie meine deutsche Staatsbürgerschaft, etwa in der Akte nicht zu finden? 🙂

Der erhöhte Wohnraumbedarf ergibt sich aus der Behinderung, die dem Jobcenter bekannt ist, und die auch im Schwerbehindertenausweis durch das Merkzeichen BL dokumentiert ist. Ärztliche Berichte sind also nicht nötig und dienen lediglich der Schikane und Demütigung!

  • Schriftliche Erklärung und Nachweise, ob eine Pflegestufe für Hr. Günay eingerichtet wurde

Wie kommt denn Frau K.K. drauf, dass hier überhaupt eine Pflegestufe vorliegen könnte? Ach übrigens, Frau K.K., das heißt jetzt „Pflegegrad“! 🙂

Natürlich ist mir der Gedankengang klar: Merkzeichen H für Hilflos, nach Definition braucht er Hilfe beim Ankleiden, Waschen und anderer wiederkehrender Tätigkeiten, also ist der auch ein Pflegefall! Habt ihr gehört, liebe Blinden in Deutschland? Frau Bentele, wussten Sie das, dass Sie ein Pflegefall sind? 🙂

Aber genau hierin liegt die Beleidigung und Diskriminierung! Hier wird ohne jede Prüfung und Differenzierung einfach entschieden! Leute, die von der Materie nichts verstehen, und sich auch nicht beraten lassen wollen, beleidigen und diskriminieren hier in einer Weise, die nicht mehr erträglich ist. Man will hier um jeden Preis durchsetzen, recht zu behalten. Es kann ja wohl nicht angehen, dass der Behindi noch einen validen Punkt hat! Wo kämen wir denn da hin?!

  • Aktueller schriftlicher Nachweis über den aktuellen Sachstand der Mithilfe der Familie und von Freunden im täglichen Leben

Öhm, wieso denn das? Wer mir hilft, wann er mir hilft, und ob mir überhaupt wer hilft, geht das Jobcenter nix an! Das ist in keinster Weise relevant für die Gewährung der Leistungen oder der Angemessenheit des Wohnraums. Man will mir hier eine Pflegebedürftigkeit unterschieben, weil man mich entweder so wieder in die Grundsicherung abschieben kann oder den Regelsatz senken kann!

Sollte es jedoch eine Rechtsgrundlage für diese Forderung geben, die ich bisher nicht finden konnte, würde ich mich über sachdienliche Hinweise freuen!

Antwort an Herr Lenz

Natürlich habe ich am 27.02. auf das Schreiben von Herrn Lenz geantwortet. Hier habe ich noch einmal, weil ich ja so ein geduldiger Mensch bin, die Sachlage lang und breit erklärt. Allerdings bezweifele ich, dass das irgendeinen Effekt hatte! Herr Lenz hat sich auch schon bei der Sache mit Frau I.F. uneinsichtig gezeigt, da erwarte ich mir jetzt nicht wirklich was.

Und was kommt jetzt?

Spread the word!

Jetzt werde ich erst mal abwarten, bis der aktuelle Bescheid abläuft. Danach werde ich einen Bescheid bekommen, der um einen Betrag, den die Wohnung zu teuer ist, gekürzt ist. Hierauf wird Widerspruch eingereicht, diesem wird nicht abgeholfen, dann geht die Sache, auch wegen der Wohnungsgröße, vor Gericht!

Bis dahin werde ich diesen Sachverhalt so weit wie möglich streuen! Wenn es sein muss, verteile ich gedruckte Ausgaben dieses Blogposts in der Fußgängerzone!

Das Verhalten des Jobcenters ist im höchsten Maße beleidigend, diskriminierend, behindertenfeindlich und unerträglich! Daher muss diese Angelegenheit so weit wie möglich verbreitet werden!

Ich weiß, das ist jetzt nicht wirklich nett von mir, aber denkt doch mal drüber nach: Was, wenn euch ein Unfall passiert, eine Krankheit erwischt oder sonst ein Unglück passiert und ihr dann selbst eine Behinderung davontragt? Wollt ihr, dass man dann mit euch so umgeht? Ich hoffe natürlich, dass es euch gut geht, aber das Leben kann schon dumme Streiche spielen. Ein Unfall ist schneller passiert, als man so denkt!

Übrigens liegen mir alle Dokumente, auf die ich mich hier beziehe, vor.

Bitte verteilt den Post so weiträumig wie möglich! Postet ihn auf Facebook und Twitter, mailt ihn an Redaktionen und Journalisten, schickt ihn an Politiker, verteilt ihn in der Fußgängerzone oder lest ihn laut von eurem Balkon vor… 🙂 OK, das letztere macht ihr vielleicht dann doch lieber nicht… 🙂

Sollte sich in der Sache irgendetwas tun, so wird es weitere Blogposts geben.

Ich habe fertig!

To no man shall I kneel!

Und plötzlich ist die Welt um einiges leerer…

Müsste man meine Mutter mit einem Wort beschreiben, Naturgewalt träfe es wohl! Nur 1,45 m groß, aber gestandene Motorradrocker haben vor ihr gekuscht! Aber fangen wir am Anfang an:

Am 10.11.1954 wurde sie in der Türkei geboren, verbrachte ihre Jugend und Schulzeit dort und kam dann, mit ihren Eltern, Anfang der 70er nach Deutschland. In Berlin lebten und arbeiteten sie, bis meine Mutter dann 1974 meinen Vater geheiratet hat. Kurz danach bin ich dann auf der Bildfläche aufgetaucht. 1979 kam dann noch meine Schwester dazu.

Nach der Heirat lebte und arbeitete meine Mutter in Darmstadt, oder besser in der näheren Umgebung von Darmstadt. Damals haben wir in Ober-Ramstadt gewohnt. Anfang der 80er sind wir nach Darmstadt-Dieburg umgezogen. Damals war es eine eigene Gemeinde die sich dann auch Münster nannte, später aber in Dieburg eingemeindet wurde. Das gab ein paar ganz nette Verwechslungen, denn wer kennt schon das klitzekleine Münster da neben Dieburg? 🙂

1985 sind meine Großeltern wieder nach Türkei zurückgekehrt, meine Eltern und ich sind dann wieder zurück nach Ober-Ramstadt gezogen. Dort haben wir bis Anfang der 90er gelebt.

Mein Vater hat in der Zeit mehrere Projekte gestartet, Lebensmittelläden, Restaurants, Kneipen, und hat so ziemlich jedes davon an die Wand gefahren. Mutter hat zu dieser Zeit in einer Chemiefabrik gearbeitet und gut verdient. Irgendwer musste ja die Bonität für die Kredite haben… Zusätzlich dazu hat sie auch in den Lebensmittelläden oder Kneipen mitgearbeitet.

Anfang der 90er sind wir dann nach Wuppertal umgezogen. Meiner Ansicht nach ist das der Punkt, wo der Karren sich so richtig in die Scheiße gefahren hat und auch nicht wieder hat rausziehen lassen. Ich hatte ja noch Glück, da ich zu dieser Zeit in Marburg im Internat war und mich um Wuppertal erst mal nicht kümmern musste, außer an Wochenenden. Und es war damals schon Müll!

Dieses Mal hat es mein Vater mit 2 Kneipen versucht, einer Nachtkneipe oder Nachtlokal, und einer gewöhnlichen Eckkneipe. Die Eckkneipe hat meine Mutter betrieben. Das war Alt Wuppertal, Höchsten 2, das wird später noch wichtig. So, und ein Mal dürft ihr raten, was passiert ist? Genau, das Nachtlokal hat Vater gegen die Wand gefahren. 🙂 Und wo er schon mal dabei war, seine Ehe gleich mit… 1996 kam die Scheidung, meiner Ansicht nach, längst überfällig.

Mutter hat Alt Wuppertal weiter betrieben. Reich konnten wir damit nicht werden, aber einigermaßen vernünftig leben ging schon. Und obwohl Mutter wie gesagt nur 1,45 m groß ist, konnte sie sich immer durchsetzen. Das mag auch am Baseballschläger gelegen haben, den sie unter der Theke hatte… 🙂 Den musste sie übrigens nie benutzen, zeigen hat schon gereicht… 🙂

Die Stammkundschaft stand immer geschlossen hinter Mutter, auch als der recht schmutzige Scheidungskrieg losging. Die haben sie immer Medusa genannt, weil sie es irgendwie nie hinbekommen haben, Mesude richtig auszusprechen. Sei’s drum, Mutter mochte das zumindest ein bisschen. 🙂

Eines Tages gibt es in der Kneipe eine kleine Schlägerei. Nun, so was passiert in ’ner Kneipe gelegentlich, aber Mutter fackelt da nicht lange und ruft die Polizei. Das war nicht das erste, aber auch nicht das letzte Mal. Der Polizist kommt also rein, und fängt gleich an: „Welcher Ausländer hat den Krawall angefangen!“… Oh, Alter, so darfst du meiner Mutter echt nicht kommen! Wie eine Furie jagt sie hinter der Theke vor und baut ihre 1,45 m vor dem Polizisten auf:

Warum du sagen Ausländer? Ich Ausländer, ist meine Lokal, ich gerufen Polizei! Da Deutsche machen alles kapuut! Hau ab und schicke anständig Polizei!

Der Polizist wurde immer kleiner, sein Partner fühlte sich auch sichtlich unwohler in seiner Uniform, und ich stand hinter der Theke, weil ich mich auch gelegentlich um die Musik gekümmert habe, und konnte nicht mehr vor lachen! Die Polizisten sind dann tatsächlich abgezogen und kurze Zeit später kamen 2 andere Polizisten. Von da an nahm alles einen sehr zivilisierten Gang! 🙂

Ich war in der Zeit übrigens in der Ausbildung und nur gelegentlich Wochenends dort. Eigentlich habe ich in Soest gewohnt, in einer WG mit ein paar Freunden.

Im Jahre 2000 wollte meine Mutter die Kneipe abgeben. Der Stress war dann doch etwas viel, und die Besoffskies wurden teils immer aggressiver. Mutter hatte also versucht, mit dem Hauseigentümer, Herr Nöttkes, oder wie der sich nun schreibt, einen Vertrag zu machen, um die Kneipe zu übergeben. Hierbei wurde sie nach allen Regeln der Kunst verarscht! Mutter mag in mancherlei Situation resolut sein, in geschäftlichen Dingen war sie manchmal etwas zu gutgläubig.

Es kam, wie es kommen musste, sie verlor die Kneipe, ohne etwas dafür zu bekommen. Zwischenzeitlich ist der Hauseigentümer insolvent gegangen, so dass das Haus zwangsversteigert wurde, ich meine mich zu erinnern, durch die Deutsche Bank, das wird auch noch mal wichtig.

Die Bank hat sich einen Scheiß dafür interessiert, dass wir mehrmals gesagt haben, dass das Inventar unser Eigentum ist. Das wurde mit Brauereikrediten von Wicküler bezahlt. Die Kredite waren längst abbezahlt, das Inventar längst unser Eigentum. Die Bank versteigert das Haus dennoch mit Inventar und hat uns de facto um knapp 40000 DM enteignet. Gerichtsprozesse führten ins Leere, und zwischenzeitlich starb der Hauseigentümer. Da das Risiko zu hoch sei, wurde ihr von weiteren Prozessen abgeraten. Viel wäre finanziell ohnehin nicht mehr gegangen.

Wieder bei 0 angekommen, beginnt meine Mutter als Reinigungskraft zu arbeiten. Dies tat sie in mehreren Firmen bis heute.

Ich habe 1999 einen Job in Wuppertal angenommen, wodurch ich dann auch dauerhaft dort wohnte. Zwar hatte ich den Job 2002 nicht mehr, weil die Niederlassung schloss, aber ich bin in Wuppertal geblieben.

Nun haben wir, mehr schlecht als recht, unser Leben gelebt. Es hätte alles sehr viel einfacher sein können, aber so war es nun mal. Die Gelder aus dem Verkauf des Inventars hätten zumindest einen schönen Notgroschen abgegeben. Übrigens, das Inventar ist immer noch im Lokal und wird auch immer noch verwendet. Ich hab letztens mal jemanden reinschauen lassen.

Ende 2015 hat meine Schwester zum 2. Mal geheiratet, und das ist auch so die Zeit, wo ich meine Mutter zum letzten Mal wirklich gesund erlebte. Im Nachhinein freue ich mich, dass Mutter das so erleben durfte.

Über Neujahr 2015/2016 flog Mutter in die Türkei, um ihre Eltern, also meine Großeltern, zu besuchen. In dieser Zeit starb eine meiner Großtanten, die schon seit Jahren außer an Diabetes noch an diversen anderen Krankheiten gelitten hat. Anfang Januar kommt Mutter zurück, und zunächst scheint alles normal. Der einzige Unterschied ist, dass sie über starke Müdigkeit und Erschöpfung klagt, aber da schieben wir es noch auf ihre Überarbeitung. Um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen, übernimmt Mutter in der Firma schon lange immer wieder Vertretungsschichten. Daher fällt das erst mal nicht weiter auf.

Meine Mutter war eigentlich eine sehr gesundheitsbewusste Frau. Sie ging immer zu den Vorsorgeuntersuchungen, achtete genau auf das, welche Früchte, Gemüse, Kräuter und Tees sie zu sich nahm, ohne jedoch eine Religion daraus zu machen. Im Februar 2016 ging sie also zur mal wieder fälligen Darmspiegelung. Dort sagte man ihr schon, dass da etwas zu sehen sei, aber das müsse sie noch genauer untersuchen lassen.

Zeitgleich sagte ihr Orthopäde, ihre Leberwerte im Blut seien merkwürdig, sie solle das mal untersuchen lassen. Der macht die Blutuntersuchungen übrigens um Knochenabbauprodukte zu finden, Osteoporose-Untersuchung.

Zwar ist es nicht ausgesprochen, aber dennoch ist zumindest mir im Innern schon klar, wohin die Reise gehen wird. Also geht sie zu weiteren Untersuchungen, und die Befürchtungen bewahrheiten sich leider. Es wird ein bösartiger Gallengangskrebs festgestellt, der nicht operabel ist und auch nicht heilbar ist.

Zuerst realisiert man das gar nicht so recht. Das war bei ihr so, aber auch bei mir. Krebs, OK, aber wir leben ja nicht im Mittelalter. Vielleicht ist er nicht heilbar, dachten wir beide, aber vielleicht kann man ihn unter Kontrolle halten.

Von da an ging alles sehr schnell. Beratung, Einsatz eines Port-Katheters, Besprechung der Chemotherapie, usw. Dann kamen die ersten Zyklen. Und die Effekte waren zwar für 2 oder 3 Tage niederschlagend, danach war die Kraft bei Mutter aber wieder fast vollständig da.

Das ging eine Weile wirklich gut. Der Tumor schrumpfte sogar um die Hälfte. Wir waren dementsprechend optimistisch. Im Sommer 2016 konnten wir sogar noch für 3 Wochen in den Urlaub fliegen, für mich der erste Urlaub nach 6 Jahren.

Aber da begannen die neuen Probleme: Wie den Großeltern sagen? Wir haben uns letztlich dazu entschlossen, nichts zu sagen. Meine Großeltern kriegen ja schon einen Rappel, wenn jemand nur einen Schnupfen hat, was würde passieren, wenn wir ihnen sagten, ihre einzige Tochter hat einen unheilbaren Tumor? Beide Großeltern sind um die 86 Jahre alt, haben Blutdruck- und Herzprobleme. Das wollten wir dann lieber nicht riskieren. Abgesehen davon brauchte meine Mutter in der Zeit Kraft, und auch wenn das jetzt zynisch klingt, jammernde Eltern hätten sie nur weiter runtergezogen. Im Nachhinein bin ich zwar immer noch der Ansicht, dass es richtig so war, aber wir haben dennoch vielleicht zu lange gewartet, um was zu sagen.

Zwar hat die Chemo meine Mutter arg mitgenommen, der Tumor blieb aber tatsächlich unter Kontrolle. Wenn auch wesentlich langsamer und nicht mehr so ausdauernd, konnte sie jedoch immer noch alles selbst tun und das Leben genießen. Bis Ende 2016, wo der Arzt die Therapie umgestellt hat. Von da ging alles schnell bergab.

Nun würde ich euch gerne offen und ehrlich sagen, zu welchem Arzt ihr in Wuppertal auf gar keinen Fall hingehen solltet, wenn ihr einen Onkologen braucht, das würde aber in Klagen gegen mich resultieren. Man brauchte eine Brechstange, um die Zähne des Mannes auseinanderzubekommen, wenn man was erklärt haben wollte, aber wenn es ihm selbst was genutzt hat, da konnte der reden, das glaubt ihr gar nicht!

Wie auch immer, wir haben sofort den Onkologen gewechselt, nachdem wir bei dem Typ nicht weitergekommen sind. Leider war das evtl. zu spät, denn die Entwicklung, wie sie jetzt eingesetzt hatte, war nicht mehr umzukehren. Mutter wurde schnell schwächer.

Meine Aufgabe war es in der Zeit, mit Ärzten zu reden, Bankgeschäfte zu tätigen und ihren Papierkram in Ordnung zu halten. Und eines kann ich euch sagen: Selten habe ich mich durch die Krankenkasse so alleingelassen gefühlt. Ständig wurde ich nach Unterlagen geschickt, wie z. B. eine Aufenthaltsbestätigung, dass meine Mutter im Krankenhaus ist. Alter, die Tussi sagt mir selbst, dass sie weiß, dass meine Mutter im Krankenhaus ist, sie aber dieses Papier braucht! Wozu, um den Angehörigen zu ärgern? Ohne das Papier gibt es kein Krankengeld. Passierschein A38, wissen schon… 🙁

Nun hat Mutter mich, der hinter den Unterlagen her rennen kann, und sich dabei die linke Hand brechen kann. Aber gefragt, was denn mit mir wäre, der ich ja nun keinen Angehörigen hätte, der diese Unterlagen beschaffen kann, würde man mich dann fallen lassen wie eine heiße Kartoffel? Diese Frage konnte oder wollte mir die Mitarbeiterin der Krankenkasse dann nicht beantworten. Die Leute hofieren, wenn sie gesund sind, aber abschießen, wenn sie krank sind? So eine Krankenkasse braucht kein Mensch!

Meine Mutter hat Konten bei der Deutschen Bank. Und damit die Bankgeschäfte weiter laufen können, wenn meine Mutter mal nicht selber hingehen kann, wollte sie mir eine Bankvollmacht ausstellen. Alter, die haben sich so dermaßen angestellt bei der Bank, dass ich mich echt beherrschen musste, um nicht laut loszubrüllen: Um 40000 DM enteignen könnt ihr, aber für so’n lächerliches Konto kriegt ihr keine Vollmacht eingetragen? Ich frage mich ja heute noch, was meine Mutter geritten hat, ausgerechnet bei diesen Bankstern Verträge abzuschließen! Sei’s drum, am Ende hatte ich meine Vollmachten.

Seit nun fast 2 Monaten bekam Mutter schon keine Chemo mehr, weil ihre Entzündungswerte im Blut zu hoch sind. In der Zwischenzeit wuchs der Tumor und begann zu streuen. Das war Ende März, Anfang April, knapp 1 Jahr nach Diagnose. Ende April konnte sich Mutter kaum noch um sich selbst kümmern, und die Schmerzen wurden immer stärker. Daher ging sie ins Krankenhaus.

Zwar hatten wir gehofft, häusliche Pflege organisieren zu können, aber der Gesundheitszustand meiner Mutter ging so rapide Berg ab, dass das keine Option mehr war.

Und obwohl ich alle Hände damit zu tun hatte, mein eigenes Leben neu zu sortieren, den Papierkrieg für Mutter zu machen und mit der Erkenntnis klarzukommen, dass sie bald sterben würde, plante ich, im Juni auf die Fedcon zu gehen. Ich wollte es absagen. Ich hatte Mutter gefragt, ob sie es lieber hätte, wenn ich bei ihr bin. Und selbst jetzt, schwach und im Bett liegend, tut man, was sie sagt. Nachdem ich so viel für sie getan hätte, solle ich gefälligst auch mal an mein Leben denken! Kurz gesagt, sie hat mich regelrecht dahin befohlen…

Mit einem extrem unguten Gefühl und einem gigantischen schlechten Gewissen würde ich also auf die Fedcon gehen. Das würde sehr schwer für mich werden. Einerseits versuchen, Spaß zu haben, und andererseits es irgendwo auch nicht zu können, weil ich ständig an Mutter denken musste.

Am 28.05. war ich wieder bei Mutter. Es zerreißt mir das Herz! Diese unglaublich starke Frau, die nicht mal vor Motorradrockern angst hat, die locker mal doppelt so groß sind wie sie, liegt im Bett und kann kaum ihr eigenes Wasserglas halten. Zum Glück hat sie geschlafen und nicht gesehen, dass ich ein paar Tränen verdrückt hatte. Alter, die wäre aus dem Bett gesprungen und hätte mir den Arsch sowas von versohlt!

Mutter war immer optimistisch. Wir wussten beide von Anfang an, dass das Ende kommen würde. Dennoch, Aufgeben war für Mutter niemals eine Option. Selbst jetzt im Bett spürt man, wie sie stur um jede Minute Leben kämpft.

Ich habe es dann dennoch nicht ausgehalten, bin kurz raus, habe mir eine stille Ecke gesucht und mich erst mal ausgehäult. Nicht, weil ich mich dessen schämen würde, ich hatte einfach keinen Bock auf diese „Das wird schon“-Sprüche! Nein, wird es nicht, und ich will den Scheiß auch nicht hören!

Unsere Großeltern waren immerhin schon so weit informiert, dass sie möglichst bald ein Visum beantragen und nach Deutschland kommen konnten. Sie würden uns, also meiner Schwester und mir, niemals verzeihen, wenn wir sie zu spät rufen würden und sie ihre Tochter nicht noch ein mal sehen könnten.

Alles, was bleibt ist die Erkenntnis, dass man im Krankheitsfall durchaus auf sich allein gestellt sein kann. Plötzlich ist keiner zuständig, plötzlich braucht es Prozeduren, die aber irgendwie keiner kennt, weil man ist ja irgendwie der erste, dem so was passiert… Ich sage es ganz ehrlich, ich habe eine scheiß Angst! Was ist mit mir, wenn ich mal Krank werde? Man möchte vor so viel Konzeptlosigkeit schier verzweifeln! Aber ich werde herausfinden, ob das etwas spezifisches unserer Krankenkasse ist, oder ob das ganze System im Arsch ist. Aber ich gebe zu, sehr optimistisch bin ich nicht. Gut möglich, dass das ein Systemfehler ist.

Am 31.05.2017 um 11:42 Uhr kam dann der Anruf, den ich zwar erwartet habe, den ich aber niemals erhalten wollte. Kurz zuvor ist sie verstorben. Sie wurde 62 Jahre alt.

Als ich im Krankenhaus war, um mich zu verabschieden, hatte sie einen friedlichen Gesichtsausdruck. Doch erst, als ich ihre Hand gehalten und über’s Haar gestrichen habe, wurde es für mich zur Realität: Nun ist die Welt wirklich viel leerer geworden…

All die Schmerzen, all das Leid, sie hat es nun hinter sich. Und ich? Ich bin noch da und muss nun zusehen, dass ich irgendwie ins Leben zurückfinde. In ein Leben voller Zweifel, voller Unsicherheiten und einer Gesellschaft, in die ich nachhaltig das Vertrauen verloren habe.

Für Mutter war das Leben und eine gute Einstellung wichtig. Keine einzige Sekunde hat sie sich von der Krankheit runterziehen lassen. Klar, es gab immer mal Momente der Verzweiflung, aber die dauerten nie lange. Geschwächt von der Chemo hat sie dennoch Pläne für einen Urlaub im Sommer geschmiedet. Immer der Blick in die Zukunft, immer die Hoffnung, dass vielleicht zwischenzeitlich vielleicht eine Möglichkeit gefunden würde. Doch, falsche Hoffnungen hat sie sich nie gemacht. Sie wusste, wie es endet, und hat dem bis zuletzt aufrecht ins Angesicht geblickt.

Wie oft man sie auch immer getreten hat, sie hat sich nie unterkriegen lassen! Und ich werde das Andenken an sie nicht dadurch beschmutzen, indem ich jetzt zusammenbreche! Ich stehe noch, und genau wie diese unbeugsame und starke Frau werde ich stehen, bis zur fucking letzten Sekunde!

Die @Fedcon 25: Drei Jubiläen

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, schreibe ich nicht mehr zu jeder Fedcon einen Bericht. Das macht auch wenig Sinn, da ich mich ja auch nicht ständig wiederholen möchte. Diese Fedcon war jedoch ein kleinwenig anders! Zum einen ist es die Fedcon 25, wodurch sie etwas besonderes ist. Das zweite Jubiläum ist, dass Star Trek 50 Jahre alt wird. Und das dritte, aber nur für mich selbst geltende Jubiläum ist, dass ich während der Fedcon 42 geworden bin, und ihr wisst ja, was das bedeutet? Ich meine, 42, muss ich da noch was zu sagen? 🙂

Das Con-Hotel

Sorry, Leute, aber ich mag Bonn Bad Godesberg nicht! Die Stadt ist OK, aber das Con-Hotel? Es fühlt sich kleiner und komplizierter an. Der einzige Vorteil, den ich bislang erkennen konnte war, man muss seltener Bändchen und Batch vorzeigen. Aber sonst? Enge Flure, kaum Aufzüge, bezüglich der Barrierefreiheit ist das gegenüber dem Maritim in Düsseldorf ein riesiger Rückschritt. Auch hatte ich das Gefühl, dass sich dieses Hotel nicht so gut belüften ließ, die Luft war ständig stickig. In Düsseldorf habe ich das nie so empfunden.

Eine weitere Konfusion war die Bar. Irgendwie war man sich da nicht so ganz sicher, welche Zahlungsmittel denn nun gelten. Ich bekam von 3 Mitarbeitern 3 unterschiedliche Antworten. Ich wollte eigentlich mit Karte zahlen, weil ich in solchen Menschenmengen immer nur exakt so viel Bargeld bei mir habe, wie unbedingt nötig, und keinen Cent mehr. Und bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob es geht. Ging aber am Ende, aber ein entspannter Barbesuch sieht anders aus.

Das war es aber schon mit der Nörgelei, der Rest der Fedcon war einfach nur geil! 🙂

Das Programm

Heike und ich haben unser Programm mit der iPhone-App der Fedcon geplant. Das Gute ist, man sieht auch, wo man Pausen hat, das Schlechte, wir hatten kaum welche … 🙂 Teils war es echt schwierig, paar Minuten zum Futtern zu finden… 🙂

Stargäste rechte Seite, Walter Koenig ganz rechts.

Stargäste links, William Shatner ganz links.

Dieses Jahr wurde die Fedcon übrigens von Chase Masterson moderiert, die in Deep Space Nine das Dabo-Mädchen Leeta gespielt hat.

Chase Masterson

Sie ist nett, sie ist sympathisch, aber jedes Mal, wenn ich ihre Stimme höre, sehe ich eine Zeichentrickfigur. Und ich meine das nicht böse oder hämisch oder so. Manche Stimmen zeichnen nun mal ein Bild in meinem Kopf, und bei ihrer Stimme ist es eine Zeichentrickfigur. 🙂

Panels

Leider sind nicht alle Bilder was geworden, die ich auf den Panels gemacht habe. Diesmal habe ich mich aus Faulheit zu sehr auf die Automatik der Kamera verlassen, nächstes Mal werde ich wieder manuell belichten. Teils sind die Leute viel zu hell geraten, weil die Kamera der Meinung war, der Hintergrund sei ja viel schöner und müsse mal hervorgehoben werden. Tja, da irrte sich die Kamera wohl sehr. Aber dazu, wie ich als fast blinder Mensch fotografiere, komme ich später noch.

Robert Beltran, Chakotay in Star Trek Voyager, ist ein richtig humorvoller Mensch. Das Panel mit ihm war einfach nur genial. Aber etwas völlig anderes wird es, wenn dann noch Ethan Phillips die Bühne betritt. Da bleibt dann endgültig kein Auge trocken! Das war einfach nur noch zum brüllen komisch!

Julie Benz

Julie Benz war auch sehr interessant. Sie ist in vielen Rollen zu sehen, mir persönlich ist sie aber durch ihre Rolle als Darla in Buffy oder Angel bekannt.

Ohne Frage waren auch die Panels der Schauspieler der originalen Star Trek Serie ein Highlight! William Shatner war auch sehr lustig, Walter Koenig hatte auch sichtlich Spaß, und George Takei war sauer, weil die Fittnesgeräte im Hotel nicht funktionierten! 🙂 Der Mann ist 79, aber jeden Tag muss er seine 50 Pushups und 100 Situps machen. Puh, da bin ich ja schon bei der Hälfte kaputt!

George Takei

Und diesmal habe ich mich besonders auf James Morrison und Tucker Smallwood gefreut, die beide in diversen Rollen aufgetreten sind. James Morrison z. B. bei Space 2063 als Colonel McQueen, bei 24 als Bill Buchanan, und Tucker Smallwood als Comodore Ross in Space 2063 und in vielen kleineren Rollen in diversen Serien und Filmen. Ich persönlich bin ja ein ziemlicher Space 2063 Fan, weswegen ich ja auch gleich mal eine Frage an James Morrison stellen musste.

Ich habe aber meine Spotlight-Allergie vergessen, Licht geht an, gehirn geht aus, und das erste, was nicht mehr funktioniert, sind die Language-Files… 🙂 Jedenfalls erinnerte ich mich an den Namen von Tucker Smallwood nicht mehr, aber ich musste ja was sagen, alles guckt auf mich… Das mache ich so schnell auch nicht mehr… 🙂

Kuriositäten

Auf der Con gab es auch allerhand zu sehen. Viele kostümierte Fans, von denen ich diesmal keine Bilder machen konnte. Wie gesagt, Kon-Hotel war eng, kuschelig voll und auch etwas dunkel. Aber guckt mal, wer uns da so über den Weg gelaufen ist?

Ein etwa 2 Meter großer Transformer, der sich auch bewegen kann.

Bei den Fotosessions sind Heike und ich auch schon alte Bekannte, man kennt sich, man begrüßt sich, „Ihr kennt das ja schon, euch brauchen wir ja nicht erklären, wie das hier läuft…“. 🙂 Erst später hat Heike dann etwas ziemlich lustiges gefunden:

Handschrift, Ich liebe es, Schlange zu stehen. :-) Darunter in anderer Handschrift: Und wir lieben es, Schlangen zu bändigen, Yippiejayeah!

Erst viel später haben wir rausgefunden, dass da noch mehr so tolle Schilder waren. 🙂

Fotografieren

Ich bin ja echt froh, dass ich vom Fedcon-Personal nicht wegen Filmens rausgezogen wurde. Im Hauptsaal ist Filmen nämlich verboten. Ich habe auch nicht gefilmt, aber die Art und Weise, wie ich Fotos mache, könnte sehr sehr leicht als Filmen missverstanden werden. Ich versuche das mal an einem der schwierigsten Bilder zu erklären.

Ich habe ein recht kleinen Sehrest, der mir aber dann und wann ganz nützlich ist. Auch habe ich ein eingeschränktes Gesichtsfeld, so dass ich nur einen kleinen Ausschnitt dessen sehe, den ein normalsichtiger Mensch sieht.

Ich fotografiere mit einer Canon EOS 600D. Für die Con hatte ich ein 18-135 mm Objektiv dabei. Den Sucher kann ich nur bei Tageslicht oder hellen Räumen nutzen. In so dunklen Umgebungen wie dem Hauptsaal nutze ich Livewiew, wobei mir das Bild auf den 7,5-cm-Monitor der Kamera gelegt wird. Beim Panel von marina Sirtis saßen Heike und Ich ziemlich weit hinten, Reihe 23 oder 24, das habe ich jetzt nicht mehr im Kopf.

Um also ein Bild von Marina machen zu können, schaue ich mir die Bühne erst im Weitwinkel an und suche sie. Da sie was helles an hatte, war es recht einfach, sie gegen den dunklen Bühnenhintergrund zu finden. Nun muss ich sie im mittleren Zielquadrat auf dem Display halten und am Objektiv ganz langsam den Zoom hochdrehen. Dabei muss ich auch jede ihrer Bewegungen mitmachen. Bewegt sie sich zu stark, muss ich von vorn beginnen. Bis ich den Zoomfaktor so eingestellt habe, wie ich das will, kann das bis zu 5 Minuten dauern. Und dieser Vorgang könnte ganz leicht als Filmen missverstanden werden. Bislang hatte ich aber nie Probleme mit den Leuten dort.

Gerade, wenn man so weit weg sitzt, ist es echt schwer, die Kamera ruhig zu halten. Am ersten Tag hatte ich ein Einbeinstativ dabei, aber das Teil war schwer und ständig im Weg, weswegen ich es später nicht mehr mitgenommen habe. Nun muss ich also Marina im Quadrat halten, extrem ruhig atmen und die Kamera möglichst still halten. Auch beim Auslösen muss ich sehr vorsichtig sein. Und dann entsteht so ein Bild:

Marina Sirtis von ganz weit weg fotografiert.

Das war echt anstrengend. Aber das Panel von ihr war der Kracher! Die Frau ist wirklich genial. 🙂 An dem Tag war sie wirklich in Hochform!

Fazit

Das waren sehr anstrengende, aber sehr lustige und schöne 4 Tage. Mir tut, wenn ich an die ganze Rennerei denke, noch alles weh. Aber nächstes Mal müssen wir wirklich auf unsere Essenspausen achten. Das heißt, wenn der Plan es zulässt… 🙂

Leider konnte ich auch in diesem Bericht nicht auf alles eingehen. Die Talks von der ESA z. B. waren grandios, auch Dr. Hubert Zitt hat wieder sein Werk getan und den Saal gerockt, und vieles vieles andere, was ich jetzt nicht erwähnt habe.

Es ist auch immer wieder schön, bekannte wiederzusehen. Ich kenne deren Namen nicht, aber wir treffen die fast auf jeder Fedcon! 🙂 Irgendwann mal schreibe ich mir deren Namen oder Nummern auf. Aber auf der Fedcon denen zu begegnen, sich lustig zu unterhalten und dergleichen, ist doch auch schön? 🙂

Mindestens ein Mal sollte man die Fedcon mitgemacht haben, und wenn es nur für einen Tag als Tagesgast ist. So habe ich auch angefangen, und die Fedcon 25 war meine 6. 🙂

Kleinstadt-Kabarett: Arnulf Rating in Stadtallendorf

Man muss von vorne herein sagen: der Stadtallendorfer Kulturverein hat es nicht leicht. Die westhessische Stadt hat rund 19.000 Einwohner und erfüllt geradezu bilderbuchartig gängige Klischees einer Arbeiterstadt: rund 20% Ausländeranteil, Subkulturenrudelbildung und jedes Viertel bleibt unter sich. Deutsche und Ausländer sowieso. Die REP haben es in die Stadtverordnung geschafft und die AfD hatte dort ihren Parteitag.

Unnötig zu sagen, dass politisches Kabarett dort nicht gerade auf fruchtbaren Boden fällt. Und so war es wohl kaum verwunderlich, dass sich genau 38 Leute in die Stadthalle am gestrigen Samstagabend zu Arnulf Rating verirrten.

Für mich war diese Zahl allerdings peinlich und zum Fremdschämen, denn der 64jährige Rating gehört zweifellos zur Elite der deutschen Kabarettisten. Er tourt seit Anfang der 90er Jahre durch Deutschland (ist aber seit den 70ern schon aktiv), gilt als „Kabarettist der alten Schule“. Im Vorbeigehen hat Rating die wichtigsten deutschen Preise abgeräumt.  Er ist also bei Weitem kein kleines Licht in der Szene.

Rating bewies gestern Abend auch wieder, dass sein Ruf ihm nicht umsonst vorauseilt. Andere Kollegen hätten sich vielleicht angesichts der kleinen Zuschauermenge nicht sonderlich angestrengt, aber für Rating (und das spürte man deutlich) galt der Kodex der Berufsehre.

Und so fackelte er in dem eineinhalbstündigen Programm „Ganz im Glück“ ein kabarettistisches Feuerwerk ab, unterlegt mit einem ganzen Arm voller Tageszeitungen (vor allen Dingen an der BILD biss er sich fest), deren Schlagzeilen dann kommentiert wurden: „Jedes dritte Kind in der Hauptstadt lebt von H4 – na ja, immerhin lebt es“.  – Thema: Pegida: „Da laufen Menschen, die tragen das T-Shirt aus Bangladesh, haben ihr Handy aus China, den Coffee to go vom Starbucks – und das Brett vorm Kopf von IKEA.“- „Die BILD-Zeitung vor drei Jahren: nehmt dem Griechen den Euro weg -wieso, hab ich mich gefragt? Haben die noch einen?“- „Rentner muss als Osterhase arbeiten. Weil das Geld nicht reicht. Da muss der für die Kleinen seine Eier verstecken“.

Zum Thema Jugend und Zeitungen: „Wenn Jugendliche in der Bahn eine Zeitung finden, wissen die doch gar nicht, was sie machen sollen. Sie wischen erst drüber, wundern sich, warum das Display nicht verändert, stellen die Zeitung hochkant, sind verwirrt, dass das Display sich nicht mitdreht und versuchen dann, ein Aufladekabel anzuschließen, weil vielleicht der Akku leer ist Ich weiß gar nicht, wie die auf dem Klo zurechtkommen.“

Im wilden Ritt ging es dann über Uschi von der Leyen – das blonde Gift – hin zu Merkel (die Lady Gaga aus der Uckermarck): „Sie belauschte jüngst Planungen von Obama und Putin, 20 Millionen Muslime und einen Zahnarzt umzubringen. Merkel, empört: Wieso einen Zahnarzt?“ Obama: Ich hab´s Dir doch gesagt, Vladimir: wer fragt schon nach 20 Millionen Muslimen?“. Rating ließ sich über die „Merkel-Raute“ aus – die typische Handgeste der Kanzlerin, „das umhüllte Nichts, in dem die ganze FDP verschwunden ist“.

Zum Thema Islam: mehr  als 50% der dt. Bürger hätten Angst vor dem Islam – nicht vor dem Islamismus. O-Ton-Rating: „Ach? Etwa Angst vor dem türkischen Gemüsehändler? Was soll der machen? Mit Gurken schmeißen?“.

Mit im Programm waren drei Charaktere: Schwester Hedwig, Dr. Mabuse und Fred Ferkelmann. Der schrullige Dr. Mabuse hat es sich zum Ziel gesetzt, die deutschen Patienten gesund zu machen. Er hatte eine Praxis in Berlin neben dem Bundestag – aber, so Schwester Hedwig – es sein kein Abgeordneter gekommen. Aber die Kränksten kämen ja meistens nicht.

Der Doktor derweil züchtet Schnitzel aus Stammzellen, um sie im 3D-Drucker auszudrucken und die Bevölkerung zu ernähren. Die BRD sei durch die Wende fett geworden, habe Rückenprobleme, seit Mitterrand die DM entfernte und den Euro einführte. Waigel und Kohl hätten ihr Übriges getan und das Volk in das kollektive Wachkoma versetzt. Merkel und Gauck knüpfen – mit guter Ausbildung in der DDR-Komaklinik – da an.

Schwester Hedwig – selbst jenseits der 50ig – steht dem Doktor zur Seite, gibt ihm öfters eine Spritze – und wird am Ende entsorgt, als Fred Ferkelmann auf der Bildfläche erscheint. Ein Unternehmensberater,  der herumhüpft wie Hans Rosenthal auf Speed und dessen erklärtes Ziel es ist, aus Mabuses Praxis einen „Global Player“ zu machen, indem er die Praxis wie Doc Morris ins Netz verlegt, der von „power“ und „perfection“ redet und vom „local business“. Der vom Publikum fordert, Opfer zu bringen – mit bösem Seitenhieb auf den deutschen Praktikanten, der in GB an Überarbeitung starb. Wenn Stadtallendorfs Bürger sich nicht aufraffen würden, müssten sie sich nicht wundern, wenn sie keinen unterirdischen Bahnhof wie in Stuttgart, keinen Berliner Flughafen und keine Autobahn bekämen. Dann könnten sie ja weiter Regionalbahn fahren.

Mabuse erhält am Ende 3 Mio für die Praxis, die er allerdings nie sieht, weil – dies sei sowieso gängige Vorgehensweise – die Franchisepraxis erst mal beliehen wird, so dass der Doktor am Ende, von der Heuschrecke sichtlich gezeichnet, erkennen muss, dass der deutsche Patient nicht heilbar ist, weil ein unrettbares, duldsames Arbeitstier.  „Das Geld ist weg und wir sind glücklich.“- „Die schlimmsten Feinde der Freiheit sind glückliche Sklaven“ – „Früher gab es keine Jobs, heute haben viele sogar zwei!“ Er, Mabuse, würde Deutschland zwei Wochen komplette Ruhe verordnen.  Aber da würde ja sowieso keiner mitmachen.  Und warum fordere keiner mal zur Abwechselung die Rente ab 67?  Der deutsche Patient, so das bittere Resümee des Abend, steht kurz vor dem Kollaps.

Das politische Kabarett in Stadtallendorf ist da weniger gefährdet: das ist sowieso schon tot.

Das @Blind_Guardian Konzert in Düsseldorf: No, I did not miss this moment, my friend!

Beyond the Red Mirror heißt das aktuelle Album von Blind Guardian. Und man hört schon aus den ersten paar Takten heraus, dass dies keine fröhliche Geschichte erzählt. Nun bin ich nicht so jemand, der viel Booklets liest, vielleicht, weil es totes Holz mit durch Chemikalien aufgebrachte Muster sind, deren Informationsgehalt sich für mich jetzt nicht so sehr erschließt. 🙂 Daher nur in Stichworten:

Es geht um zwei Welten, zwischen denen es früher mehrere Wege gab, jedoch gibt es jetzt nur noch einen, den roten Spiegel. Dieser muss gefunden werden, das ist so in ganz groben Zügen die Story hinter dem Album.

Für einen kleinen Eindruck könnt ihr euch ja mal das Musikvideo zu „Twilight of the Gods“ ansehen:

Ich persönlich mag ja eigentlich so ziemlich jedes Album von Blind Guardian, das eine mehr, das andere weniger. Aber das letzte Mal, dass mich ein Album regelrecht auf dem Sessel festgenagelt hat, war bei „Nightfall in Middle Earth“, wo die Geschichten aus dem Silmarillion aufgearbeitet werden. Dieses Album hatte von Anfang an eine Atmosphäre erschaffen, die ich durch zu viel Bewegung oder Geräusche nicht zerstören wollte. So hörte ich mir das Album mehr oder weniger in Starre durch. 🙂 Etwa den gleichen Effekt hat „Beyond the Red Mirror“ bei mir ausgelöst. Die Musik reißt einen mit den ersten choralen Takten mit, du stehst da, kannst dich nicht rühren, der Chor wird größer und bombastischer, das Orchester setzt ein, und du siehst regelrecht, wie sich eine Wand vor dir aufbaut, bis dann „The Ninth Wave“ wie ein Tsunami über dich hereinbricht und du dich nur noch von der Musik mitreißen lassen kannst. Keine Chance, die Hand nach der Fernbedienung auszustrecken, denn du willst ja nix verpassen. Was ja blöde ist, ist ja eine CD, die man jederzeit zurücklaufen lassen könnte, aber … 🙂

Und zum wer weiß wievielten Mal dachte ich mir, jetzt wird’s doch mal wirklich Zeit, auf ein Blind Guardian Konzert zu gehen, oder? Und während ich das so denke, brüllt es aus meinen Lautsprechern:

Now as my time’s passing by
What am I waiting for?
Who’ll grant me wings to fly?
And will I have another try?
‚Cause I would not miss my moment again
Yes, I would not miss my moment my friend

Das ist aus dem Lied „At the Edge of Time“. Die Lyrics habe ich mir bei Dark Lyrics ausgeliehen. Hoffentlich verklagt mich dafür keiner … 🙂 Weiß man ja nie, heutzutage. 🙁 Daraus ergab sich dann auch der Titel zu dem Post.

Zugegeben, ich habe das Textfragment etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber die Frage bleibt, worauf warte ich eigentlich? Und werde ich eine weitere Gelegenheit bekommen? Ich riskiere es lieber nicht, dachte ich, und bestellte endlich, nach 23 Jahren, ein Ticket!

Rückblick 1990

Ich bezog also mein Zimmer im Internat der Blindenstudienanstalt Marburg, und traf fast sofort einige Freunde wieder, die ich zuvor während der Orientierungswoche kennengelernt hatte. Und völlig enthusiastisch kommt Christian ins Zimmer und kann kaum noch aufhören zu reden. Alles, was ich verstehe, ist: „LP… Blind Guardian… voll geil… wirst du mögen“.

Für die Jüngeren unter euch: LPs, das sind diese schwarzen runden Dinger mit einem winzigen Loch in der Mitte und einem spiralförmigen Rillenmuster, welches man mit einem speziellen Abspielgerät mit einer Nadel abtasten lassen musste. Voll retro… 🙂 Der Witz ist, dass man damit nicht nur die Musik, sondern auch seine Fingerabdrücke hörbar machen konnte. Die Weiterentwicklung davon heißt TouchID und ist in den Home-Buttons Eurer iPhones verbaut… 🙂

Hm, denke ich, ist sicher wieder so ein Heavy Metal Ding, was ich sowieso nicht mag. Ja, Metal mochte ich da gar nicht. Aber, ich tat ihm den Gefallen und machte die Kassette an…

Und wieder mal für die Jüngeren: Kassetten sind Dinger, die zwei Spulen mit einem Band enthalten, auf dem magnetisch Musik gespeichert ist, analog natürlich. Wesentliches Merkmal von Kassetten ist, dass sich vorzugsweise die Lieblingsmusik entscheidet, dass das Plastikgehäuse zu beengend für es ist und herausquillt, und in einem Akt der Rebellion das Abspielgerät lamlegt und dabei meistens Selbstmord begeht. 🙂 Bandsalat nannte man das damals, und die Lieblingsmusik war oft futsch danach… 🙂

Erste Strophe und Refrain von „Banish from Sanctuary“, und es war um mich geschehen! Ich musste diese Kassette besitzen!

Vinyl war jetzt nicht so mein Ding, aber nach und nach habe ich, wie es mir möglich war, die CDs gekauft. Und ja, ich weiß, ich habe in der Zeit wirklich genervt, weil ich es fast immer mit voller Lautstärke gehört habe… 🙂 Andererseits, Blind Guardian leise hören, also wirklich! 🙂 Wer macht denn so was? 🙂

Rückblick 1992

Boa, war ich stinkig! Ein ganzer Haufen meiner Freunde konnten nicht zur Party kommen, wo ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe. Ich bin nicht sauer auf die Jungs und Mädels, sondern darauf, dass ich selbst auf die Geburtstagsparty gehen musste. Ich wäre nämlich lieber mit denen gegangen, zu einem Blind Guardian Konzert. Das regt mich heute noch auf, wenn ich drüber nachdenke… Aber so einfach von der eigenen Geburtstagsparty wegbleiben ist ja auch eher nicht so … nett. 🙂

Und seit dem versuche ich, auf ein Konzert zu kommen. Aber entweder stecke ich in der Ausbildung, habe kein Geld, keinen Urlaub, keine Begleitperson… Irgendwas war immer!

Heute!

Ich habe kaum Geld, und da Heike jetzt nicht so der Blind Guardian Fan ist, keine Begleitperson, aber ich gehe trotzdem! Sonst wird das nie was! Mal gucken, wie das so wird, denn da habe ich mir ganz schön was vorgenommen, ohne Begleitung in eine vergleichsweise unbekannte Situation reinzustolpern. Aber, wie ich so bin, no surrender, no retreat!

Das Konzert

Alles, was schiefgehen konnte … ist nicht schiefgegangen! 🙂 Dieser Tag war auf so vielen Ebenen ein voller Erfolg, dass ich noch heute nicht so recht dran glauben kann. Egal, wie gut etwas lief, irgend etwas war immer. Aber hier? Hier hat einfach alles gestimmt!

Die Fahrt nach Düsseldorf, etwas essen am Bahnhof und dann die Weiterfahrt zur Haltestelle, wo es zur Mitsubishi Electric Halle geht, das ist kaum der Rede wert, so was mache ich sowieso ständig. Aber an der S-Bahn-Haltestelle geht es schon los. Eine Frau sieht, wie ich mit Handy und Navi versuche mich zu orientieren und bietet mir ihre Hilfe an. Und da die Mitsubishi Electric Halle jetzt nicht so weit von der Haltestelle weg ist, bin ich auch in sehr kurzer Zeit dort.

Es standen schon eine ganze Menge Leute draußen, da noch keiner reingelassen wurde. Also hat man sich etwas mit den Umstehenden unterhalten. Schnell kam man da auch ins Gespräch, ob es jetzt das Blind Guardian Album war oder die Vorgruppe, die hier noch recht unbekannt ist. Fast wie selbstverständlich haben insbesondere die beiden, mit denen ich mich am meisten unterhalten habe, sich meiner angenommen. Ob es die Jacke war, die bei der Garderobe abgegeben werden sollte, Getränke an den Ständen beschaffen oder in die Halle kommen, die beiden waren dabei einfach großartig.

Wir drei, also Stephan, Dominik und ich, sind sofort in die Halle ganz nach vorne gerannt, weil es für den vorderen Abschnitt solche Bändchen fürs Handgelenk gibt. Und wenn man da nicht schnell genug ist, bekommt man keins mehr.

Man muss sich die Halle einfach als eine große freie Fläche vorstellen. Zwar gab es seitlich und im hinteren Bereich auch Sitzplätze, aber egal. Diese Fläche wurde mit Wellenbrechern in mehrere Abschnitte unterteilt. Das ist, damit bei einer Panik sich die Leute nicht gegenseitig erdrücken oder von hinten nach vorne geschubst wird. Dabei ist der Bereich vorne an der Bühne recht klein gehalten, weswegen man sich dafür Bändchen holen musste.

Die Idee war, was sich hinterher auch als richtige Entscheidung herausgestellt hat, dass ich mit dem Rücken am ersten Wellenbrecher stehe. So bin ich nahe genug an der Bühne, um etwas sehen zu können, aber nicht zu nahe. Und die Masse kann mich nicht von hinten zerquetschen. Und die, die vor mir sind, nun, die wollen ja nicht nach hinten zu mir, sondern eher zur Bühne… Also stand ich da, das ganze Konzert über, frei und ungehindert. 🙂

Die Vorgruppe Orfaned Land

Das ist eine Heavy Metal Band aus Israel. Ich hatte von denen bisher noch nichts gehört, aber vor dem Konzert habe ich mir mal paar Songs auf Youtube reingezogen. Das ist total interessant und spannend, wie man Metal mit orientalischen Klängen mischen kann. Das klingt richtig gut. Und sie konnten, wenn das auch anfangs nicht leicht war, doch gut mitreißen.

Der Haupt-Akt, Blind Guardian!

Und es ging gleich mit „The Ninth Wave los. Und hier hat der Song genau die gleiche Wirkung, wie auf dem Album. Du siehst die Welle auf dich zurasen, wie sie größer wird, der Chor, das Orchester, … Aber wenn die Band einsetzt, die Scheinwerfer von der Bühne schwenken, die Stroboskoplichter, die Leute um dich rum, … Wahnsinn! Man hat einfach keine Chance und wird mitgerissen!

Oh, hier sieht es ja fast aus, wie letztes mal. Du standst etwas weiter da drüben, komm, rutsch mal. Und manche von euch sind gewachsen…

Humor hat er ja, der Hansi! 🙂

Ab dann, keine Atempausen mehr! „Banish From Sanctuary“, ihr erinnert euch? Meine Einstiegsdroge! Ab da habe ich völlig die Kontrolle verloren! 🙂

Die Setliste war ein buntes Gemisch aus allem, was für mich Blind Guardian ausmacht. Und in vielerlei Hinsicht war das Konzert für mich auch eine Zeitreise. Ich verbinde mit so gut wie allen Songs wirklich gute Erinnerungen, Orte, Freunde, Ereignisse, so dass es auch emotionell der Wahnsinnskick war. Ob „Lost in the Twilight Hall“, „Lord of the Rings“, „Prophecies“, „Valhala“, einfach der Wahnsinn!

Und während dessen wurde mir klar, dass ich mich schon so lange nicht mehr so frei gefühlt habe. Hier war ich weder Mann noch Frau, weder Türke noch Deutscher, weder Blind noch sehend, hier war ich einfach! Keine Vorurteile, Erwartungen oder sonstige Dinge, die mich immer so sehr auf die Palme bringen. Hier ist jeder ein Fan, ich war Teil des Ganzen, bedingungslos und absolut! Ich konnte die Texte mitgröhlen, tanzen oder headbangen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob ich mich gerade zum Affen mache. Denn die anderen waren genau mit dem gleichen beschäftigt, was hat die das schon interessiert, was ich da mache? Es war eine Wohltat, einfach mal unter Gleichen zu sein!

Und natürlich durfte „The Bards Song – In the Forest“ nicht fehlen. Boa, wäre ich enttäuscht gewesen, wenn ich das verpasst hätte. Die Halle war sicher so gut wie voll. Etwa 7000 oder 8000 Läute passen da rein. Könnt ihr euch die Gänsehaut vorstellen, wenn 8000 Leute zusammen mit dir das gleiche Lied singen? Klar habe ich das auf einem Life-Album schon mal gehört, klar habe ich mir gewünscht, auch mal bei so was dabei zu sein. Aber wenn du da stehst, und es geht los… Unbeschreiblich!

Fast 2,5 Stunden haben sie gespielt. Immer wieder sind sie zurückgekommen und haben noch mal paar Stücke durchgezogen, und ich habe mich schon gefragt, wie weit wir das wohl treiben können? Wie oft schaffen wir es wohl, sie zurück auf die Bühne zu bekommen? Aber OK, nach knapp 2,5 Stunden war ich auch fertig. Meine Beine taten weh, ich werde halt auch nicht jünger, und die Stimme war mir zwischenzeitlich auch abhanden gekommen. Die wollte sich lieber noch das Düsseldorfer Nachtleben ansehen… 🙂

Während wir drei also draußen erst mal gewartet haben, biss die Masse sich verflüchtigt und ich einigermaßen sicher zur S-Bahn-Haltestelle komme, haben wir uns noch etwas unterhalten. Da war noch ein weiterer im Bunde, aber von dem weiß ich den Namen nicht mehr.

Der Heimweg

Generell habe ich den Fehler gemacht, keine Kontaktdaten mit den Jungs auszutauschen. OK, ist jetzt nicht so, als hätte ich bei dem Lärm die Sprachausgabe meines Telefons verstanden, aber versuchen hätte ich es können… Denn so hilfsbereit, wie die beiden waren, hätte ich mich schon ganz gerne mit ein paar Drinks erkenntlich gezeigt. Wie es Londo Molari in Babylon 5 schon so schön sagte…

Let me buy you a drink, no, let me buy you an entire fleet of drinks!

Ich hoffe, dass der Zufall freundlich gesinnt ist und man sich spätestens auf dem nächsten Konzert wieder begegnet. 🙂

Und nachdem wir uns verabschiedet hatten ging es auch schon weiter. Die S-Bahn-Station war dermaßen überfüllt, auch hier hatte ich freundliche Helfer, die es mir etwas leichter gemacht haben.

Und dann? Ich habe keine Ahnung! Wie genau ich dann noch nach Hause gekommen bin, ich weiß es nicht. Ich kann mich daran erinnern, dass ich am Hauptbahnhof eine Verbindung mit dem iPhone rausgesucht habe, paar dunkle Ahnungen, aber der Rest. Ich war mit den Gedanken ständig noch im Konzert. Dauernd hatte ich Flashbacks, die Lichteffekte, Songs, vor allem „The Bards Song“, Wuppertaler Bushaltestelle, „Banish from Sanctuary“, Straße, Treppenhaus, …

Gut zu wissen, dass ich sogar im Autopilot-Modus noch den Weg nach Hause finde! 🙂

Fazit

Was mit einer gewissen Skepsis begonnen hat, ob ich wohl mit einer derart großen Menschenmenge klarkomme, endete in einem Abend, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde! Ich habe viele Leute kennengelernt, wenn auch nur so im Vorbeigehen, aber dennoch, es hat richtig Spaß gemacht, vor allem, weil ich den Leuten begegnet bin.

Auch wenn mir nach dem Konzert wieder klar wurde, dass es wohl wieder eine Weile dauern kann, bis ich diese Freiheit wieder habe, so weiß ich doch, es ist möglich. Und wie Hansi schon sagte,

in zwei, drei jahren, Selber Ort, selbe Zeit!

Ich mit Sicherheit! So was lasse ich mir nicht nochmal entgehen!

I’m alive, my friend, I’m alive!

Ach und noch was: Alle Konzerte der Tour werden aufgezeichnet. Am Ende kommt dabei wohl ein Life-Album bei raus. Ich nehme mal an, die werden dann die besten Stücke aus jedem Konzert rauspicken. Natürlich werde ich mich nicht raushören können, wenn Stücke aus Düsseldorf dabei sind. Aber allein das Wissen, ich war dabei, ist so was von geil! 🙂

Werwolf-Attacke in Niedernhausen: EAV in concert

 

Vor dem Werwolf die Ochsentour

Meine bessere Hälfte und ich waren am 19./20.02. in Niedernhausen b. Frankfurt, um die Erste Allgemeine Verunsicherung live in concert zu erleben.

Da ich die EAV nur als Kind bzw. Jugendliche kannte und auch nur ein paar Songs, dachte ich, wäre es mal cool, sie live auf der Bühne zu sehen, zumal die meist nur in Österreich herumgurkt. Kamil dagegen ist EAV-Fan und hat auch alle Alben.

Die EAV trat im Rhein-Main-Theater auf, eine Veranstaltungshalle mit angeschlossenem Hotel außerhalb des Ortes.

Öffentliche Anbindung ist nicht vorhanden und weil es nicht so weit auf Google Maps aussah, sind wir beide – am verschlossenen, heruntergekommenen Bahnhof angekommen – per pedes Richtung Veranstaltungsort gepilgert.

Hätten wir das mal gelassen. Es war frische 0 Grad und der Weg führt aus der Stadt ins Feld und von da – an einer Schnellstraße entlang – direkt in den Wald, wo das Hotel und die Halle liegen.  Im Sommer mögen diese 2 km keine Problem sein, aber im Winter war das eine kacke Idee.

Fass das nicht an!

Im Hotel haben wir beide dann das Doppelzimmer bezogen. Die Nacht hat uns beide (ohne Frühstück, das kostet nämlich noch mal 15 Unzen extra) 80 Euro gekostet. Das ist nicht billig, aber ich für meinen Teil war mit dem großzügig eingerichteten Zimmer mit Bad zufrieden.

Während ich also das Bad okkupiert habe, hat Kamil das Zimmer mit seinen Händen erkundet. Und weil der auch wirklich alles anfassen muss, fand er im Bad schließlich etwas, das aussah, wie eine Eieruhr. Kamil musste natürlich sofort daran herumdrehen – und während ich gerade fertig mit Schminken war, wurde es auf einmal richtig heiß im Bad. Die „Eieruhr“ war ein Timer für eine installierte Heizungsanlage, die speziell wohl dazu dient, dass man z.B. beim Duschen vorheizen kann.  Ich hab dann gesehen, dass ich da raus bin.

20:00 Uhr – Werwolf-Attacke – meine Ohren!

Kurz vor 20 Uhr sind wir beide dann in die Veranstaltungslocation aufgebrochen, die auch gut gefüllt war.

Die seit 1977 existierende EAV, derzeit bestehend aus Thomas Spitzer, Klaus Eberhartinger, Kurt Keinrath, Franz Kreimer, Aaron Thier und Alvis Reid mag zwar in die Jahre gekommen sein und die großen Kostümshows haben sich auch deutlich reduziert – aber leiser sind sie deswegen kein bisschen.

Von Anfang an wurde musikalisch – in bester Werwolf Manier – zum Rundumschlag ausgeholt: gegen „das Boot ist voll“-Rufe, gegen die „Hure Europa“ im Rahmen von TTIP mit den USA, gegen die Scharia, gegen die moderne Arbeitswelt, die immer mehr Leistung fordert und und und.  Songs wie „unscheinbarer Bua“ thematisierten den Weg eines gemobbten Niemands zum Amokläufer, „Bankrott“ beschäftigt sich mit Staatsverschuldung, „Maschine rennt“ mit Höchstleistung, die aber nirgendwo hinführt. Markenzeichen der EAV: Kritik versteckt in Texten, die beim ersten Hören lustig oder als kompletter Stuss daherkommen, beim zweiten Mal Hören aber eine sehr deutliche Botschaft vermitteln. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an „Märchenprinz“ (großes Maul und nix dahinter), „Jambo“ (Heiratstourismus) und“Samurai“ (Sextourismus), die auch an diesem Abend in Niedernhausen wieder gespielt wurden, allerdings ein wenig flotter als die ursprünglichen Originale. So kam „Banküberfall“ im „Mission-Impossible“-Thema daher.

Bedauerlicherweise habe ich persönlich nur schwer etwas verstehen können: wir hatten relativ gute Plätze weit vorne, aber außer Bass kam da nicht wirklich was an. Das nächste Mal dann vielleicht mit Ohrpax und weiter hinten.

Aber eigentlich hat es auch gar nichts gemacht, dass ich nicht mitgesungen habe: Kamil hat umso lauter gegröllt und war dementsprechend am nächsten Morgen heiser.

WIr sind im übrigens mit dem Taxi wieder zum Bahnhof gefahren.

Nichtsdestotrotz war das EAV erste Klasse. Ich persönlich kann mit den Jungs nicht unbedingt mehr anfangen als in den 80ern – aber meine Hochachtung haben sie allemal.

 

 

Satire – Humor im Stachelkleid: Max Uthoff in Köln

Freitagabend-Start ins Wochenende! Und damit Zeit, Kultur zu tanken. Ich und Kamil haben genau das getan und diesen Freitagabend im Comedia Theater in Köln verbracht, um uns das aktuelle Programm von Max Uthoff, welches da „Gegendarstellung“ lautet, anzusehen.

Das kleine Theater, das insgesamt ca. 600 Plätze zur Verfügung hat und unscheinbar in einer von Café und Bars übersäten Gegend liegt, war an diesem Abend mit 400 verkauften Karten restlos ausgebucht, was die Einweiserin dazu veranlasste, brüllend zu erklären, doch bitte die Reihen von der Mitte her aufzuschließen, damit Nachzügler auch noch eine Chance hätten.

Wer zuvor weder die Anstalt gesehen noch sich mit Uthoff beschäftigt hatte, hat sich an diesem Abend wahrscheinlich schon nach fünf Minuten aus dem Raum gewünscht. Der 47jährige Satiriker begann sein Programm mit Megafon – und stolzierte – Aussagen wie „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht“ von sich gebend- erst einmal quer durch den Raum, damit ja auch alle wach werden.

Kaum auf der Bühne angekommen, folgten die nächsten zwei Stunden- mit einer halbstündigen Pause dazwischen – ein wahrer Granatbeschuss von Satire auf höchster Ebene. Man konnte froh sein, wenn man zwischen zwei Themen mal Luft holen konnte – Uthoff auf jeden Fall schien bei der Geschwindigkeit, mit der er sein satirisches Feuerwerk abfackelte, überhaupt nicht atmen zu müssen.

Der Abend zeigte auch, was passieren würde, wenn man Uthoff bei der Anstalt nicht bremsen würde – ich hätte nie gedacht, dass man so viele Themen in zwei Stunden unterbringen kann – und das vor allen Dingen mit einer Bissigkeit, bei der sogar der größte Kläffer der Stadt Angst haben muss.

Angefangen von Charlie Hebdo über Pegida über unser Politiker (Rudolf Scharping fällt vom Fahrrad, Gauweiler ist ein juristischer Terrormops und Gabriel just too big to fail), beißender Spott über sein Heimatbundesland Bayern („…und ich sehe in Ihren Augen, dass Separation nicht unbedingt was Schlechtes sein muss, aber denken Sie daran, was Sie dann verpassen“) und die bayerische Lokalpolitik – die sich auf den Satz: „Oh guck mal da, ein Vogel“ zusammenfassen lässt, wenn man mal eine konkrete Äußerung von den Politkern möchte – zu der Thematik der Wirtschaftskrise und der „schwarzen Null“ (Uthoff: die schwäbische Hausfrau ins Feld zu führen, wenn es um die Neuverschuldung geht, sei Blödsinn, denn die schwäbische Hausfrau müsse ja keine Straßen sanieren oder Schulen oder Kindergärten bauen), Waffenlieferungen Deutschlands ins Ausland, moderne Arbeitssklaverei und dann hin zu dem Thema Hartz IV und Arbeitslosenbashing (Uthoff: damit man ein System nicht hinterfragt, braucht man Feindbilder, die davon ablenken. Das sind dann mit Vorliebe Wirtschaftsflüchtlinge, z.B. Sinti und Roma oder eben Hartz IV Empfänger).

Zwischenzeitlich verkündete Uthoff dann noch die neuen 10 Gebote, unternahm einen Ausflug in die heile Welt der Volksmusik, hielt einen längeren Vortrag über das männliche Geschlecht und Sex, Drogen, modernes Konsumverhalten, erklärte sich zum Feind von Hello Kitty, Prinzessin Lilifee („200 Euro für den, der Prinzessin Lilifee überfährt“) und Benjamin Blümchen („Bringt mir seine Beine und ich mache mir einen Papierkorb daraus“) und schaffte es auch noch, sich über sich selbst lustig zu machen („Wenn ich eine bewusstseinserweiternde Erfahrung machen will, nehme ich zwei Stufen auf einmal“). Als kleine Zugabe gab es dann noch ein wenig Weihnachten („Mein Weihnachtsbaum sieht immer aus, als sei er zwei Mal durch das achte Semester der Baumschule gefallen“) und die Drohung, dass man sein Publikum schon müde kriegen würde sowie einen dezenten Hinweis auf die nächste Anstalt („Wenn Sie jemanden kennen, der so ein…TED-Dingens…hat, sagen Sie ihm, er soll einschalten“) und alternative Seiten im Internet. Uthoff schärfte seinen Zuschauern nicht nur Gelassenheit im Umgang mit dem Wahnsinn des Alltags ein, es war ihm sichtbar wichtiger, dass sein Publikum sich kritisch mit Dingen auseinandersetzt und lernt, Gegebenheiten nicht als solche hinzunehmen, sondern – wie Uthoff eindrucksvoll demonstrierte – die Wahrheit dahinter zu suchen.

Abschließend sei jedem, der noch die Möglichkeit dazu hat, wärmstens empfohlen, sich Uthoff einmal selbst anzusehen.

Liebeserklärung an die Vielfalt, eine Wheinachtsbotschaft

In mehreren Blogs ist nun seit gestern eine Wheinachtsbotschaft im umlauf, die ich so nur vollstens unterschreiben kann. Daher, und weil die Verbreitung des Textes ausdrücklich gewollt ist, werde ich den vollständigen Text hier weiterverbreiten. Die ursprüngliche Quelle findet ihr hier.


Gerade erreichte uns dieser Text der bislang unbekannten Sektion „Frohe Botschaft“, den wir hier wiedergeben.

In den letzten Wochen haben Menschen in Dresden und anderswo Angst, Kälte, Kleinmut, Rassimus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße getragen. Wir sind nicht nur verunsichert, sondern sehen das friedliche Zusammenleben in diesem Land erschüttert. Was wir in Dresden sehen, sind nicht die üblichen Nazis, aber Menschen, die letztlich die gleiche menschenverachtende Ideologie verbreiten.

Doch unser Land sieht anders aus.

Wir leben schon heute Vielfalt.

Wir finden es normal, dass der marrokanische Schwager mit uns Weihnachten feiert. Und es dann kein Schweinefleisch zu Essen gibt. Wir haben Freundinnen und Freunde aus Russland, Usbekistan, Mali, Österreich und Tunesien. Wir lernen von anderen und merken, dass andere von uns lernen. Das ist Zusammenleben, auch wenn wir manchmal Dinge nicht verstehen. Wir interessieren uns für andere Kulturen, Religionen und Ansichten und werden niemanden eine Kultur überstülpen.

Wir gehen mit muslimischen Bosniern und Iranern und ihren Kindern zusammen auf den Martinsumzug, weil uns allen das Teilen und das Ritual mit den Laternen so gut gefällt. Wir sind gerührt, wenn die 5-jährige Nichte sagt, dass sie in weniger Ländern Ausländerin sei als eine Deutsche, weil sie nämlich zwei Pässe habe.

Wir trinken augenzwinkernd mit Moslems guten Wein und lachen zusammen. Wir trinken Tee beim Opferfest und erkennen, dass Nächstenliebe nicht nur beim christlichen Weihnachtsfest seinen Platz hat und Alkohol trinken nicht zwingend für Geselligkeit nötig ist.

Wir sind neugierig, was der russische Oberst, den wir kennenlernen, zu erzählen hat. Wir sehen Begegnung als Bereicherung des Lebens. Sie eröffnet Perspektiven, die wir davor noch gar nicht erahnen konnten. Wir lachen verschmitzt mit der häkelnden türkischen Oma in der U-Bahn über eine skurille Situation. Und freuen uns über ihr Gesicht, das wir noch Jahre später vor Augen haben. Uns werden täglich die Augen geöffnet von der Vielfalt, die auf uns einprasselt.

Wir lernen Sprachen in der Schule und können uns damit auf der ganzen Welt verständigen. Wir haben keine Angst, wenn Kinder aus aller Herren und Frauen Länder mit unseren Kindern in den Kindergarten und die Schule gehen. Weil unsere Kinder so von klein auf interkulturell lernen. Weil für sie Vielfalt normaler sein wird als für uns.

Wir sehen wie liebevoll eine Bulgarin unsere Großeltern pflegt, wie fair der pakistanische Junge in der E-Jugend Fußball spielt. Wir erinnern uns an den Geschmack von Kardamom, der in einem Tee war, der uns angeboten wurde.

Wir sind nicht stolz auf den Ausgang der Geburtslotterie, die den einen zum Deutschen und die andere zur Bolivianerin macht. Wir leben und lieben in binationalen Beziehungen und Ehen. Wir ziehen unsere Kinder zweisprachig auf, damit sie mit ihren Großeltern im Ausland reden können.

Wir sehen den Austausch der Kulturen als Bereicherung unseres Lebens, egal ob wir dabei portugiesischen Weichkäse oder iranische Heavy Metal Bands kennenlernen. Wir lachen über den serbischen Film, nordamerikanische Serien und Karnevalsbräuche in Ecuador.

Wir übernehmen Wörter aus anderen Ländern in unseren Sprachschatz, weil wir Dinge so besser ausdrücken können. Wir übernehmen Feste und Bräuche und stellen auf einmal ausgehöhlte Kürbisse ins Fenster. Wir sind überzeugt davon, dass Kulturen und Sprachen erst dadurch leben, dass sie sich vermengen, vermischen, bereichern und befruchten.

Wir wollen in einem Land leben, das Menschen auf der Flucht offensteht. Wir leben in einem Einwanderungsland und wir wollen eine Willkommenskultur anstatt die Mauern um Europa zu vergrößern. Wir sind entsetzt darüber, dass so viele Menschen an den Außengrenzen sterben. Wir verstehen, dass Menschen fliehen, egal aus welchem Grund. Wir wollen Flüchtenden ein neues Zuhause geben und die Möglichkeit, frei und in Würde zu leben. Ohne uns dabei auf die Schulter zu klopfen.

Wir sind überzeugt, dass wir zusammen den richtigen Weg finden können, der allen Teilen der Gesellschaft Rechnung trägt. Diese Auseindersetzung wird nicht immer einfach sein, sondern manchmal auch von Konflikten geprägt. Diese Konflikte wollen wir konstruktiv, friedlich und mit Respekt austragen und verhandeln. Dabei ist Migrationshintergrund für uns ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Gesellschaft.

In unserem Land ist es egal, welches Geschlecht jemand hat oder sich selbst zuschreibt. Es ist egal, wer wen einvernehmlich liebt. In unserem Land sind alle Menschen gleich. In unserem Land wollen wir sozial gerecht zusammen leben und gemeinsam die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Wir werden diejenigen politisch herausfordern, die soziale Spaltung vorantreiben oder Umverteilung verhindern. Wir wollen gelebte Solidarität, Mitgefühl und Empathie statt sozialer Kälte, Egoismus und deutschen Volksgenossen.

Zusammenleben und Austausch von Kulturen heißt für uns nicht Aufgabe von Werten, Ethik und Idealen. Vielmehr sehen wir, dass es Werte gibt, die in jeder Kultur zuhause sind. Auf ihnen bauen wir auf. Eine vielfältige Gesellschaft ist nicht einfach: Wir diskutieren hart in der Sache, wenn uns etwas nicht passt, aber wir finden gemeinsam Grenzen und Leitplanken des Zusammenlebens.

Wir stehen an der Seite aller Menschen in diesem Land, die friedlich und respektvoll miteinander leben wollen. Egal wo sie herkommen oder welche Religion sie haben. Egal ob sie eine andere Sprache sprechen oder andere Sitten und Gebräuche haben.

Wir wollen einfach zusammen leben. Wir wissen auch, dass viele der Ideale noch nicht umgesetzt sind.

Das heißt für uns:

Wir werden hasserfüllten Angsthasen, Rassisten und Fremdenfeinden dieses Land nicht überlassen, sondern an einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weiterarbeiten. Was wir in Dresden und anderswo sehen ist nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern Deckungsmasse von Nazis und Brandstiftern. Sie stellen nicht die richtigen Fragen, sondern treten nach unten. Sie sind diejenigen, die einer toleranten und freien Gesellschaft und Kultur im Wege stehen.

Wir danken deshalb all den Menschen, deren Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern oder die selbst aus einem anderen Land hierher gekommen sind von ganzem Herzen, dass sie hier sind. Wir danken ihnen, dass wir Neues kennenlernen dürfen. Wir danken ihnen, dass wir immer wieder neu über uns nachdenken. Wir danken ihnen für eine ständige Neusausrichtung von dem, was wir unsere gewachsene Kultur nennen.

Zukunft geht nur zusammen.

Verbreitet die Liebeserklärung an die Vielfalt. Sie soll überall auftauchen, an ihr soll kein Weg vorbeiführen. Bloggt diese Weihnachtsbotschaft, postet sie auf Facebook, fotografiert sie für Instagram, verlinkt sie, twittert sie, leitet sie weiter, schickt sie per Mail, vertont sie, macht Videos, druckt sie aus, hängt sie auf, plakatiert. Macht eine Lawine daraus, eine frohe Botschaft der Menschlichkeit, eine Liebeserklärung an die Vielfalt, einen Appell für das friedliche Zusammenleben. Und dann geht auf die Straße und demonstriert. Wir sind viel mehr als wir denken.


Mit dieser Botschaft, und der Hoffnung auf ein friedlicheres Jahr 2015, wünsche ich euch allen und euren Familien ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue jahr!

Das wird man ja wohl mal sagen dürfen…Alltagsrassismus in deutschen Landen

Heute Morgen war ich beim örtlichen Bäcker frühstücken, bevor ich zur Arbeit bin. Neben mir drei oder vier ältere Herren, die sich lautstark unterhielten und zwar so, dass man sie gar nicht überhören konnte.

Der Inhalt – u. a.: Deutschland sei eine Kolonie – die germanische Sprache sei in Gefahr – wir würden ja jeden aufnehmen – wir würden das Geld zum Fenster hinauswerfen und die Rentner müssen bluten – andere Länder hätten im Krieg auch gemordet, aber wir wären immer schuld – früher hätte man Leute mit Ebola und ähnlichen Krankheiten einfach auf hoher See ins Wasser geworfen, heute würde man sie nach Deutschland holen…

Und als krönender Abschluss: „Ist doch so. Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!“

Nein. Darf man nicht.

Ich habe durchaus auch meine Meinung, aber es ist für mich ein Unterschied, wie man seine Meinung vertritt. Zu sagen: ich lehne die israelische Haltung gegenüber Palästina ab, weil dies Palästina unterdrückt ist etwas anderes als die Aussage, dass alle Israelis und Juden Mörder seien.

Es ist auch immer wieder interessant zu sehen, wie pikiert manche dieser Personen reagieren, wenn sie selbst aus dem Ausland z.B. als Nazi beschimpft werden. Die eigene Meinung ist sowieso immer etwas anderes als die Meinung von anderen.

Es gibt für mich einen klaren und wichtigen Unterschied zwischen Anpöbeln auf „Bild“-Ebene und konstruktiver Kritik an einem Umstand. Meinungsfreiheit ist sicherlich eines der höchsten Güter, die wir haben. Aber Meinungsfreiheit ist kein Freibrief für Hass auf andere Menschen. Und auch wenn eine Demokratie Extreme aushalten muss – für mich hört Meinungsfreiheit ganz klar dann auf, wenn ich mit meinen Aussagen andere Menschen erniedrige und abwerte.

Das heutige Internet mit seiner Anonymität hat leider vielen Personen Tür und Tor geöffnet, die mit ihren Theorien und Meinungen den gesunden Menschenverstand geschickt untergraben und damit auch die Demokratie aushöhlen. Das beginnt bei den Kondensstreifen und hört bei den Reichsbürgern und Rechten auf.

Die AfD und ihr politischer Wahlerfolg ist in meinen Augen leider ein Negativbeispiel dafür, wie man mit „das wird man doch mal sagen dürfen“ gekoppelt mit der Unzufriedenheit der Wähler schnell zum Politikum wird. Wären jedoch Afd-Konsorten an der Macht, dann würde man eben nicht mehr „das wohl noch sagen dürfen“.

Ich weiß nicht, ob es Leuten wie den Rentnern nicht klar ist, was ihre Aussagen für andere bedeuten oder ob sie eher getreu dem Motto gehen: ich war im Krieg, also darf ich das und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Aussagen dieser Art sind nichts anderes als Rassismus pur, getarnt als bloße Meinungsfreiheit.

Ich bin zunehmend entsetzt darüber, was heutzutage alles als Meinungsfreiheit durchgehen soll, ohne dass auch nur irgendeiner es hinterfragt. Aktuelles Beispiel: Xavier Naidoo und sein Ausflug zu den Reichsbürgern, der seinen Auftritt tatsächlich als Meinungsfreiheit verstanden haben will wider der „massentauglichen Meinung“. Dass diese Mitmenschen den deutschen Staat als gar nicht existent betrachten, dass sie Steuern verweigern, Beamte bedrohen und noch andere irrsinnige Spielchen treiben und damit die „massentaugliche Meinung“ (nämlich in dem Fall ein funktionierender deutscher Staat, dessen Gesetze beachtet werden) aushöhlen, ist ihm dabei in seinem Streben nach globaler Liebe wohl entgangen.

Und wenn dann jemand tatsächlich Meinungsfreiheit betreibt – tja, dann endet das in einer Posse wie wir sie gerade bei der ZDF-Anstalt vor Gericht erleben. Im Übrigen ging der Schuss nach hinten los: der Kleinkrieg hat so viel Wind aufgewirbelt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass die Leserschaft des Zeitungsmagazins das vergessen wird. Denn das gewisse Magazin löscht alle Beiträge der Leser, die irgendetwas mit dem Fall zu tun haben – ein Paradebeispiel, wie Meinungsfreiheit unterdrückt wird, weil jemand kein Rückgrat hat – und zieht damit den Unmut der Leser auf sich, der sich langsam aber sicher in einen Shitstorm verwandelt, je länger das Spielchen dauert.

Wenn man also nicht – wie die heute-show im ZDF- eine eigene „Gegendarstellungsabteilung“ hat, die nichts anderes macht, als dumme Sprüche, die unter dem Banner der Meinungsfreiheit gefallen sind, durch eine Gegendarstellung wieder auszubügeln, sollte man eine alte Regel beachten: man darf zwar alles denken, aber nicht alles sagen. Entweder weil du bei deinem Gegenüber ins Fettnäpfchen trittst – oder in dein eigenes.

Der Treffpunkt für SF- und Fantasy-Fans