Die @Fedcon 25: Drei Jubiläen

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, schreibe ich nicht mehr zu jeder Fedcon einen Bericht. Das macht auch wenig Sinn, da ich mich ja auch nicht ständig wiederholen möchte. Diese Fedcon war jedoch ein kleinwenig anders! Zum einen ist es die Fedcon 25, wodurch sie etwas besonderes ist. Das zweite Jubiläum ist, dass Star Trek 50 Jahre alt wird. Und das dritte, aber nur für mich selbst geltende Jubiläum ist, dass ich während der Fedcon 42 geworden bin, und ihr wisst ja, was das bedeutet? Ich meine, 42, muss ich da noch was zu sagen? 🙂

Das Con-Hotel

Sorry, Leute, aber ich mag Bonn Bad Godesberg nicht! Die Stadt ist OK, aber das Con-Hotel? Es fühlt sich kleiner und komplizierter an. Der einzige Vorteil, den ich bislang erkennen konnte war, man muss seltener Bändchen und Batch vorzeigen. Aber sonst? Enge Flure, kaum Aufzüge, bezüglich der Barrierefreiheit ist das gegenüber dem Maritim in Düsseldorf ein riesiger Rückschritt. Auch hatte ich das Gefühl, dass sich dieses Hotel nicht so gut belüften ließ, die Luft war ständig stickig. In Düsseldorf habe ich das nie so empfunden.

Eine weitere Konfusion war die Bar. Irgendwie war man sich da nicht so ganz sicher, welche Zahlungsmittel denn nun gelten. Ich bekam von 3 Mitarbeitern 3 unterschiedliche Antworten. Ich wollte eigentlich mit Karte zahlen, weil ich in solchen Menschenmengen immer nur exakt so viel Bargeld bei mir habe, wie unbedingt nötig, und keinen Cent mehr. Und bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob es geht. Ging aber am Ende, aber ein entspannter Barbesuch sieht anders aus.

Das war es aber schon mit der Nörgelei, der Rest der Fedcon war einfach nur geil! 🙂

Das Programm

Heike und ich haben unser Programm mit der iPhone-App der Fedcon geplant. Das Gute ist, man sieht auch, wo man Pausen hat, das Schlechte, wir hatten kaum welche … 🙂 Teils war es echt schwierig, paar Minuten zum Futtern zu finden… 🙂

Stargäste rechte Seite, Walter Koenig ganz rechts.

Stargäste links, William Shatner ganz links.

Dieses Jahr wurde die Fedcon übrigens von Chase Masterson moderiert, die in Deep Space Nine das Dabo-Mädchen Leeta gespielt hat.

Chase Masterson

Sie ist nett, sie ist sympathisch, aber jedes Mal, wenn ich ihre Stimme höre, sehe ich eine Zeichentrickfigur. Und ich meine das nicht böse oder hämisch oder so. Manche Stimmen zeichnen nun mal ein Bild in meinem Kopf, und bei ihrer Stimme ist es eine Zeichentrickfigur. 🙂

Panels

Leider sind nicht alle Bilder was geworden, die ich auf den Panels gemacht habe. Diesmal habe ich mich aus Faulheit zu sehr auf die Automatik der Kamera verlassen, nächstes Mal werde ich wieder manuell belichten. Teils sind die Leute viel zu hell geraten, weil die Kamera der Meinung war, der Hintergrund sei ja viel schöner und müsse mal hervorgehoben werden. Tja, da irrte sich die Kamera wohl sehr. Aber dazu, wie ich als fast blinder Mensch fotografiere, komme ich später noch.

Robert Beltran, Chakotay in Star Trek Voyager, ist ein richtig humorvoller Mensch. Das Panel mit ihm war einfach nur genial. Aber etwas völlig anderes wird es, wenn dann noch Ethan Phillips die Bühne betritt. Da bleibt dann endgültig kein Auge trocken! Das war einfach nur noch zum brüllen komisch!

Julie Benz

Julie Benz war auch sehr interessant. Sie ist in vielen Rollen zu sehen, mir persönlich ist sie aber durch ihre Rolle als Darla in Buffy oder Angel bekannt.

Ohne Frage waren auch die Panels der Schauspieler der originalen Star Trek Serie ein Highlight! William Shatner war auch sehr lustig, Walter Koenig hatte auch sichtlich Spaß, und George Takei war sauer, weil die Fittnesgeräte im Hotel nicht funktionierten! 🙂 Der Mann ist 79, aber jeden Tag muss er seine 50 Pushups und 100 Situps machen. Puh, da bin ich ja schon bei der Hälfte kaputt!

George Takei

Und diesmal habe ich mich besonders auf James Morrison und Tucker Smallwood gefreut, die beide in diversen Rollen aufgetreten sind. James Morrison z. B. bei Space 2063 als Colonel McQueen, bei 24 als Bill Buchanan, und Tucker Smallwood als Comodore Ross in Space 2063 und in vielen kleineren Rollen in diversen Serien und Filmen. Ich persönlich bin ja ein ziemlicher Space 2063 Fan, weswegen ich ja auch gleich mal eine Frage an James Morrison stellen musste.

Ich habe aber meine Spotlight-Allergie vergessen, Licht geht an, gehirn geht aus, und das erste, was nicht mehr funktioniert, sind die Language-Files… 🙂 Jedenfalls erinnerte ich mich an den Namen von Tucker Smallwood nicht mehr, aber ich musste ja was sagen, alles guckt auf mich… Das mache ich so schnell auch nicht mehr… 🙂

Kuriositäten

Auf der Con gab es auch allerhand zu sehen. Viele kostümierte Fans, von denen ich diesmal keine Bilder machen konnte. Wie gesagt, Kon-Hotel war eng, kuschelig voll und auch etwas dunkel. Aber guckt mal, wer uns da so über den Weg gelaufen ist?

Ein etwa 2 Meter großer Transformer, der sich auch bewegen kann.

Bei den Fotosessions sind Heike und ich auch schon alte Bekannte, man kennt sich, man begrüßt sich, „Ihr kennt das ja schon, euch brauchen wir ja nicht erklären, wie das hier läuft…“. 🙂 Erst später hat Heike dann etwas ziemlich lustiges gefunden:

Handschrift, Ich liebe es, Schlange zu stehen. :-) Darunter in anderer Handschrift: Und wir lieben es, Schlangen zu bändigen, Yippiejayeah!

Erst viel später haben wir rausgefunden, dass da noch mehr so tolle Schilder waren. 🙂

Fotografieren

Ich bin ja echt froh, dass ich vom Fedcon-Personal nicht wegen Filmens rausgezogen wurde. Im Hauptsaal ist Filmen nämlich verboten. Ich habe auch nicht gefilmt, aber die Art und Weise, wie ich Fotos mache, könnte sehr sehr leicht als Filmen missverstanden werden. Ich versuche das mal an einem der schwierigsten Bilder zu erklären.

Ich habe ein recht kleinen Sehrest, der mir aber dann und wann ganz nützlich ist. Auch habe ich ein eingeschränktes Gesichtsfeld, so dass ich nur einen kleinen Ausschnitt dessen sehe, den ein normalsichtiger Mensch sieht.

Ich fotografiere mit einer Canon EOS 600D. Für die Con hatte ich ein 18-135 mm Objektiv dabei. Den Sucher kann ich nur bei Tageslicht oder hellen Räumen nutzen. In so dunklen Umgebungen wie dem Hauptsaal nutze ich Livewiew, wobei mir das Bild auf den 7,5-cm-Monitor der Kamera gelegt wird. Beim Panel von marina Sirtis saßen Heike und Ich ziemlich weit hinten, Reihe 23 oder 24, das habe ich jetzt nicht mehr im Kopf.

Um also ein Bild von Marina machen zu können, schaue ich mir die Bühne erst im Weitwinkel an und suche sie. Da sie was helles an hatte, war es recht einfach, sie gegen den dunklen Bühnenhintergrund zu finden. Nun muss ich sie im mittleren Zielquadrat auf dem Display halten und am Objektiv ganz langsam den Zoom hochdrehen. Dabei muss ich auch jede ihrer Bewegungen mitmachen. Bewegt sie sich zu stark, muss ich von vorn beginnen. Bis ich den Zoomfaktor so eingestellt habe, wie ich das will, kann das bis zu 5 Minuten dauern. Und dieser Vorgang könnte ganz leicht als Filmen missverstanden werden. Bislang hatte ich aber nie Probleme mit den Leuten dort.

Gerade, wenn man so weit weg sitzt, ist es echt schwer, die Kamera ruhig zu halten. Am ersten Tag hatte ich ein Einbeinstativ dabei, aber das Teil war schwer und ständig im Weg, weswegen ich es später nicht mehr mitgenommen habe. Nun muss ich also Marina im Quadrat halten, extrem ruhig atmen und die Kamera möglichst still halten. Auch beim Auslösen muss ich sehr vorsichtig sein. Und dann entsteht so ein Bild:

Marina Sirtis von ganz weit weg fotografiert.

Das war echt anstrengend. Aber das Panel von ihr war der Kracher! Die Frau ist wirklich genial. 🙂 An dem Tag war sie wirklich in Hochform!

Fazit

Das waren sehr anstrengende, aber sehr lustige und schöne 4 Tage. Mir tut, wenn ich an die ganze Rennerei denke, noch alles weh. Aber nächstes Mal müssen wir wirklich auf unsere Essenspausen achten. Das heißt, wenn der Plan es zulässt… 🙂

Leider konnte ich auch in diesem Bericht nicht auf alles eingehen. Die Talks von der ESA z. B. waren grandios, auch Dr. Hubert Zitt hat wieder sein Werk getan und den Saal gerockt, und vieles vieles andere, was ich jetzt nicht erwähnt habe.

Es ist auch immer wieder schön, bekannte wiederzusehen. Ich kenne deren Namen nicht, aber wir treffen die fast auf jeder Fedcon! 🙂 Irgendwann mal schreibe ich mir deren Namen oder Nummern auf. Aber auf der Fedcon denen zu begegnen, sich lustig zu unterhalten und dergleichen, ist doch auch schön? 🙂

Mindestens ein Mal sollte man die Fedcon mitgemacht haben, und wenn es nur für einen Tag als Tagesgast ist. So habe ich auch angefangen, und die Fedcon 25 war meine 6. 🙂

Kleinstadt-Kabarett: Arnulf Rating in Stadtallendorf

Man muss von vorne herein sagen: der Stadtallendorfer Kulturverein hat es nicht leicht. Die westhessische Stadt hat rund 19.000 Einwohner und erfüllt geradezu bilderbuchartig gängige Klischees einer Arbeiterstadt: rund 20% Ausländeranteil, Subkulturenrudelbildung und jedes Viertel bleibt unter sich. Deutsche und Ausländer sowieso. Die REP haben es in die Stadtverordnung geschafft und die AfD hatte dort ihren Parteitag.

Unnötig zu sagen, dass politisches Kabarett dort nicht gerade auf fruchtbaren Boden fällt. Und so war es wohl kaum verwunderlich, dass sich genau 38 Leute in die Stadthalle am gestrigen Samstagabend zu Arnulf Rating verirrten.

Für mich war diese Zahl allerdings peinlich und zum Fremdschämen, denn der 64jährige Rating gehört zweifellos zur Elite der deutschen Kabarettisten. Er tourt seit Anfang der 90er Jahre durch Deutschland (ist aber seit den 70ern schon aktiv), gilt als „Kabarettist der alten Schule“. Im Vorbeigehen hat Rating die wichtigsten deutschen Preise abgeräumt.  Er ist also bei Weitem kein kleines Licht in der Szene.

Rating bewies gestern Abend auch wieder, dass sein Ruf ihm nicht umsonst vorauseilt. Andere Kollegen hätten sich vielleicht angesichts der kleinen Zuschauermenge nicht sonderlich angestrengt, aber für Rating (und das spürte man deutlich) galt der Kodex der Berufsehre.

Und so fackelte er in dem eineinhalbstündigen Programm „Ganz im Glück“ ein kabarettistisches Feuerwerk ab, unterlegt mit einem ganzen Arm voller Tageszeitungen (vor allen Dingen an der BILD biss er sich fest), deren Schlagzeilen dann kommentiert wurden: „Jedes dritte Kind in der Hauptstadt lebt von H4 – na ja, immerhin lebt es“.  – Thema: Pegida: „Da laufen Menschen, die tragen das T-Shirt aus Bangladesh, haben ihr Handy aus China, den Coffee to go vom Starbucks – und das Brett vorm Kopf von IKEA.“- „Die BILD-Zeitung vor drei Jahren: nehmt dem Griechen den Euro weg -wieso, hab ich mich gefragt? Haben die noch einen?“- „Rentner muss als Osterhase arbeiten. Weil das Geld nicht reicht. Da muss der für die Kleinen seine Eier verstecken“.

Zum Thema Jugend und Zeitungen: „Wenn Jugendliche in der Bahn eine Zeitung finden, wissen die doch gar nicht, was sie machen sollen. Sie wischen erst drüber, wundern sich, warum das Display nicht verändert, stellen die Zeitung hochkant, sind verwirrt, dass das Display sich nicht mitdreht und versuchen dann, ein Aufladekabel anzuschließen, weil vielleicht der Akku leer ist Ich weiß gar nicht, wie die auf dem Klo zurechtkommen.“

Im wilden Ritt ging es dann über Uschi von der Leyen – das blonde Gift – hin zu Merkel (die Lady Gaga aus der Uckermarck): „Sie belauschte jüngst Planungen von Obama und Putin, 20 Millionen Muslime und einen Zahnarzt umzubringen. Merkel, empört: Wieso einen Zahnarzt?“ Obama: Ich hab´s Dir doch gesagt, Vladimir: wer fragt schon nach 20 Millionen Muslimen?“. Rating ließ sich über die „Merkel-Raute“ aus – die typische Handgeste der Kanzlerin, „das umhüllte Nichts, in dem die ganze FDP verschwunden ist“.

Zum Thema Islam: mehr  als 50% der dt. Bürger hätten Angst vor dem Islam – nicht vor dem Islamismus. O-Ton-Rating: „Ach? Etwa Angst vor dem türkischen Gemüsehändler? Was soll der machen? Mit Gurken schmeißen?“.

Mit im Programm waren drei Charaktere: Schwester Hedwig, Dr. Mabuse und Fred Ferkelmann. Der schrullige Dr. Mabuse hat es sich zum Ziel gesetzt, die deutschen Patienten gesund zu machen. Er hatte eine Praxis in Berlin neben dem Bundestag – aber, so Schwester Hedwig – es sein kein Abgeordneter gekommen. Aber die Kränksten kämen ja meistens nicht.

Der Doktor derweil züchtet Schnitzel aus Stammzellen, um sie im 3D-Drucker auszudrucken und die Bevölkerung zu ernähren. Die BRD sei durch die Wende fett geworden, habe Rückenprobleme, seit Mitterrand die DM entfernte und den Euro einführte. Waigel und Kohl hätten ihr Übriges getan und das Volk in das kollektive Wachkoma versetzt. Merkel und Gauck knüpfen – mit guter Ausbildung in der DDR-Komaklinik – da an.

Schwester Hedwig – selbst jenseits der 50ig – steht dem Doktor zur Seite, gibt ihm öfters eine Spritze – und wird am Ende entsorgt, als Fred Ferkelmann auf der Bildfläche erscheint. Ein Unternehmensberater,  der herumhüpft wie Hans Rosenthal auf Speed und dessen erklärtes Ziel es ist, aus Mabuses Praxis einen „Global Player“ zu machen, indem er die Praxis wie Doc Morris ins Netz verlegt, der von „power“ und „perfection“ redet und vom „local business“. Der vom Publikum fordert, Opfer zu bringen – mit bösem Seitenhieb auf den deutschen Praktikanten, der in GB an Überarbeitung starb. Wenn Stadtallendorfs Bürger sich nicht aufraffen würden, müssten sie sich nicht wundern, wenn sie keinen unterirdischen Bahnhof wie in Stuttgart, keinen Berliner Flughafen und keine Autobahn bekämen. Dann könnten sie ja weiter Regionalbahn fahren.

Mabuse erhält am Ende 3 Mio für die Praxis, die er allerdings nie sieht, weil – dies sei sowieso gängige Vorgehensweise – die Franchisepraxis erst mal beliehen wird, so dass der Doktor am Ende, von der Heuschrecke sichtlich gezeichnet, erkennen muss, dass der deutsche Patient nicht heilbar ist, weil ein unrettbares, duldsames Arbeitstier.  „Das Geld ist weg und wir sind glücklich.“- „Die schlimmsten Feinde der Freiheit sind glückliche Sklaven“ – „Früher gab es keine Jobs, heute haben viele sogar zwei!“ Er, Mabuse, würde Deutschland zwei Wochen komplette Ruhe verordnen.  Aber da würde ja sowieso keiner mitmachen.  Und warum fordere keiner mal zur Abwechselung die Rente ab 67?  Der deutsche Patient, so das bittere Resümee des Abend, steht kurz vor dem Kollaps.

Das politische Kabarett in Stadtallendorf ist da weniger gefährdet: das ist sowieso schon tot.

Das @Blind_Guardian Konzert in Düsseldorf: No, I did not miss this moment, my friend!

Beyond the Red Mirror heißt das aktuelle Album von Blind Guardian. Und man hört schon aus den ersten paar Takten heraus, dass dies keine fröhliche Geschichte erzählt. Nun bin ich nicht so jemand, der viel Booklets liest, vielleicht, weil es totes Holz mit durch Chemikalien aufgebrachte Muster sind, deren Informationsgehalt sich für mich jetzt nicht so sehr erschließt. 🙂 Daher nur in Stichworten:

Es geht um zwei Welten, zwischen denen es früher mehrere Wege gab, jedoch gibt es jetzt nur noch einen, den roten Spiegel. Dieser muss gefunden werden, das ist so in ganz groben Zügen die Story hinter dem Album.

Für einen kleinen Eindruck könnt ihr euch ja mal das Musikvideo zu „Twilight of the Gods“ ansehen:

Ich persönlich mag ja eigentlich so ziemlich jedes Album von Blind Guardian, das eine mehr, das andere weniger. Aber das letzte Mal, dass mich ein Album regelrecht auf dem Sessel festgenagelt hat, war bei „Nightfall in Middle Earth“, wo die Geschichten aus dem Silmarillion aufgearbeitet werden. Dieses Album hatte von Anfang an eine Atmosphäre erschaffen, die ich durch zu viel Bewegung oder Geräusche nicht zerstören wollte. So hörte ich mir das Album mehr oder weniger in Starre durch. 🙂 Etwa den gleichen Effekt hat „Beyond the Red Mirror“ bei mir ausgelöst. Die Musik reißt einen mit den ersten choralen Takten mit, du stehst da, kannst dich nicht rühren, der Chor wird größer und bombastischer, das Orchester setzt ein, und du siehst regelrecht, wie sich eine Wand vor dir aufbaut, bis dann „The Ninth Wave“ wie ein Tsunami über dich hereinbricht und du dich nur noch von der Musik mitreißen lassen kannst. Keine Chance, die Hand nach der Fernbedienung auszustrecken, denn du willst ja nix verpassen. Was ja blöde ist, ist ja eine CD, die man jederzeit zurücklaufen lassen könnte, aber … 🙂

Und zum wer weiß wievielten Mal dachte ich mir, jetzt wird’s doch mal wirklich Zeit, auf ein Blind Guardian Konzert zu gehen, oder? Und während ich das so denke, brüllt es aus meinen Lautsprechern:

Now as my time’s passing by
What am I waiting for?
Who’ll grant me wings to fly?
And will I have another try?
‚Cause I would not miss my moment again
Yes, I would not miss my moment my friend

Das ist aus dem Lied „At the Edge of Time“. Die Lyrics habe ich mir bei Dark Lyrics ausgeliehen. Hoffentlich verklagt mich dafür keiner … 🙂 Weiß man ja nie, heutzutage. 🙁 Daraus ergab sich dann auch der Titel zu dem Post.

Zugegeben, ich habe das Textfragment etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber die Frage bleibt, worauf warte ich eigentlich? Und werde ich eine weitere Gelegenheit bekommen? Ich riskiere es lieber nicht, dachte ich, und bestellte endlich, nach 23 Jahren, ein Ticket!

Rückblick 1990

Ich bezog also mein Zimmer im Internat der Blindenstudienanstalt Marburg, und traf fast sofort einige Freunde wieder, die ich zuvor während der Orientierungswoche kennengelernt hatte. Und völlig enthusiastisch kommt Christian ins Zimmer und kann kaum noch aufhören zu reden. Alles, was ich verstehe, ist: „LP… Blind Guardian… voll geil… wirst du mögen“.

Für die Jüngeren unter euch: LPs, das sind diese schwarzen runden Dinger mit einem winzigen Loch in der Mitte und einem spiralförmigen Rillenmuster, welches man mit einem speziellen Abspielgerät mit einer Nadel abtasten lassen musste. Voll retro… 🙂 Der Witz ist, dass man damit nicht nur die Musik, sondern auch seine Fingerabdrücke hörbar machen konnte. Die Weiterentwicklung davon heißt TouchID und ist in den Home-Buttons Eurer iPhones verbaut… 🙂

Hm, denke ich, ist sicher wieder so ein Heavy Metal Ding, was ich sowieso nicht mag. Ja, Metal mochte ich da gar nicht. Aber, ich tat ihm den Gefallen und machte die Kassette an…

Und wieder mal für die Jüngeren: Kassetten sind Dinger, die zwei Spulen mit einem Band enthalten, auf dem magnetisch Musik gespeichert ist, analog natürlich. Wesentliches Merkmal von Kassetten ist, dass sich vorzugsweise die Lieblingsmusik entscheidet, dass das Plastikgehäuse zu beengend für es ist und herausquillt, und in einem Akt der Rebellion das Abspielgerät lamlegt und dabei meistens Selbstmord begeht. 🙂 Bandsalat nannte man das damals, und die Lieblingsmusik war oft futsch danach… 🙂

Erste Strophe und Refrain von „Banish from Sanctuary“, und es war um mich geschehen! Ich musste diese Kassette besitzen!

Vinyl war jetzt nicht so mein Ding, aber nach und nach habe ich, wie es mir möglich war, die CDs gekauft. Und ja, ich weiß, ich habe in der Zeit wirklich genervt, weil ich es fast immer mit voller Lautstärke gehört habe… 🙂 Andererseits, Blind Guardian leise hören, also wirklich! 🙂 Wer macht denn so was? 🙂

Rückblick 1992

Boa, war ich stinkig! Ein ganzer Haufen meiner Freunde konnten nicht zur Party kommen, wo ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe. Ich bin nicht sauer auf die Jungs und Mädels, sondern darauf, dass ich selbst auf die Geburtstagsparty gehen musste. Ich wäre nämlich lieber mit denen gegangen, zu einem Blind Guardian Konzert. Das regt mich heute noch auf, wenn ich drüber nachdenke… Aber so einfach von der eigenen Geburtstagsparty wegbleiben ist ja auch eher nicht so … nett. 🙂

Und seit dem versuche ich, auf ein Konzert zu kommen. Aber entweder stecke ich in der Ausbildung, habe kein Geld, keinen Urlaub, keine Begleitperson… Irgendwas war immer!

Heute!

Ich habe kaum Geld, und da Heike jetzt nicht so der Blind Guardian Fan ist, keine Begleitperson, aber ich gehe trotzdem! Sonst wird das nie was! Mal gucken, wie das so wird, denn da habe ich mir ganz schön was vorgenommen, ohne Begleitung in eine vergleichsweise unbekannte Situation reinzustolpern. Aber, wie ich so bin, no surrender, no retreat!

Das Konzert

Alles, was schiefgehen konnte … ist nicht schiefgegangen! 🙂 Dieser Tag war auf so vielen Ebenen ein voller Erfolg, dass ich noch heute nicht so recht dran glauben kann. Egal, wie gut etwas lief, irgend etwas war immer. Aber hier? Hier hat einfach alles gestimmt!

Die Fahrt nach Düsseldorf, etwas essen am Bahnhof und dann die Weiterfahrt zur Haltestelle, wo es zur Mitsubishi Electric Halle geht, das ist kaum der Rede wert, so was mache ich sowieso ständig. Aber an der S-Bahn-Haltestelle geht es schon los. Eine Frau sieht, wie ich mit Handy und Navi versuche mich zu orientieren und bietet mir ihre Hilfe an. Und da die Mitsubishi Electric Halle jetzt nicht so weit von der Haltestelle weg ist, bin ich auch in sehr kurzer Zeit dort.

Es standen schon eine ganze Menge Leute draußen, da noch keiner reingelassen wurde. Also hat man sich etwas mit den Umstehenden unterhalten. Schnell kam man da auch ins Gespräch, ob es jetzt das Blind Guardian Album war oder die Vorgruppe, die hier noch recht unbekannt ist. Fast wie selbstverständlich haben insbesondere die beiden, mit denen ich mich am meisten unterhalten habe, sich meiner angenommen. Ob es die Jacke war, die bei der Garderobe abgegeben werden sollte, Getränke an den Ständen beschaffen oder in die Halle kommen, die beiden waren dabei einfach großartig.

Wir drei, also Stephan, Dominik und ich, sind sofort in die Halle ganz nach vorne gerannt, weil es für den vorderen Abschnitt solche Bändchen fürs Handgelenk gibt. Und wenn man da nicht schnell genug ist, bekommt man keins mehr.

Man muss sich die Halle einfach als eine große freie Fläche vorstellen. Zwar gab es seitlich und im hinteren Bereich auch Sitzplätze, aber egal. Diese Fläche wurde mit Wellenbrechern in mehrere Abschnitte unterteilt. Das ist, damit bei einer Panik sich die Leute nicht gegenseitig erdrücken oder von hinten nach vorne geschubst wird. Dabei ist der Bereich vorne an der Bühne recht klein gehalten, weswegen man sich dafür Bändchen holen musste.

Die Idee war, was sich hinterher auch als richtige Entscheidung herausgestellt hat, dass ich mit dem Rücken am ersten Wellenbrecher stehe. So bin ich nahe genug an der Bühne, um etwas sehen zu können, aber nicht zu nahe. Und die Masse kann mich nicht von hinten zerquetschen. Und die, die vor mir sind, nun, die wollen ja nicht nach hinten zu mir, sondern eher zur Bühne… Also stand ich da, das ganze Konzert über, frei und ungehindert. 🙂

Die Vorgruppe Orfaned Land

Das ist eine Heavy Metal Band aus Israel. Ich hatte von denen bisher noch nichts gehört, aber vor dem Konzert habe ich mir mal paar Songs auf Youtube reingezogen. Das ist total interessant und spannend, wie man Metal mit orientalischen Klängen mischen kann. Das klingt richtig gut. Und sie konnten, wenn das auch anfangs nicht leicht war, doch gut mitreißen.

Der Haupt-Akt, Blind Guardian!

Und es ging gleich mit „The Ninth Wave los. Und hier hat der Song genau die gleiche Wirkung, wie auf dem Album. Du siehst die Welle auf dich zurasen, wie sie größer wird, der Chor, das Orchester, … Aber wenn die Band einsetzt, die Scheinwerfer von der Bühne schwenken, die Stroboskoplichter, die Leute um dich rum, … Wahnsinn! Man hat einfach keine Chance und wird mitgerissen!

Oh, hier sieht es ja fast aus, wie letztes mal. Du standst etwas weiter da drüben, komm, rutsch mal. Und manche von euch sind gewachsen…

Humor hat er ja, der Hansi! 🙂

Ab dann, keine Atempausen mehr! „Banish From Sanctuary“, ihr erinnert euch? Meine Einstiegsdroge! Ab da habe ich völlig die Kontrolle verloren! 🙂

Die Setliste war ein buntes Gemisch aus allem, was für mich Blind Guardian ausmacht. Und in vielerlei Hinsicht war das Konzert für mich auch eine Zeitreise. Ich verbinde mit so gut wie allen Songs wirklich gute Erinnerungen, Orte, Freunde, Ereignisse, so dass es auch emotionell der Wahnsinnskick war. Ob „Lost in the Twilight Hall“, „Lord of the Rings“, „Prophecies“, „Valhala“, einfach der Wahnsinn!

Und während dessen wurde mir klar, dass ich mich schon so lange nicht mehr so frei gefühlt habe. Hier war ich weder Mann noch Frau, weder Türke noch Deutscher, weder Blind noch sehend, hier war ich einfach! Keine Vorurteile, Erwartungen oder sonstige Dinge, die mich immer so sehr auf die Palme bringen. Hier ist jeder ein Fan, ich war Teil des Ganzen, bedingungslos und absolut! Ich konnte die Texte mitgröhlen, tanzen oder headbangen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob ich mich gerade zum Affen mache. Denn die anderen waren genau mit dem gleichen beschäftigt, was hat die das schon interessiert, was ich da mache? Es war eine Wohltat, einfach mal unter Gleichen zu sein!

Und natürlich durfte „The Bards Song – In the Forest“ nicht fehlen. Boa, wäre ich enttäuscht gewesen, wenn ich das verpasst hätte. Die Halle war sicher so gut wie voll. Etwa 7000 oder 8000 Läute passen da rein. Könnt ihr euch die Gänsehaut vorstellen, wenn 8000 Leute zusammen mit dir das gleiche Lied singen? Klar habe ich das auf einem Life-Album schon mal gehört, klar habe ich mir gewünscht, auch mal bei so was dabei zu sein. Aber wenn du da stehst, und es geht los… Unbeschreiblich!

Fast 2,5 Stunden haben sie gespielt. Immer wieder sind sie zurückgekommen und haben noch mal paar Stücke durchgezogen, und ich habe mich schon gefragt, wie weit wir das wohl treiben können? Wie oft schaffen wir es wohl, sie zurück auf die Bühne zu bekommen? Aber OK, nach knapp 2,5 Stunden war ich auch fertig. Meine Beine taten weh, ich werde halt auch nicht jünger, und die Stimme war mir zwischenzeitlich auch abhanden gekommen. Die wollte sich lieber noch das Düsseldorfer Nachtleben ansehen… 🙂

Während wir drei also draußen erst mal gewartet haben, biss die Masse sich verflüchtigt und ich einigermaßen sicher zur S-Bahn-Haltestelle komme, haben wir uns noch etwas unterhalten. Da war noch ein weiterer im Bunde, aber von dem weiß ich den Namen nicht mehr.

Der Heimweg

Generell habe ich den Fehler gemacht, keine Kontaktdaten mit den Jungs auszutauschen. OK, ist jetzt nicht so, als hätte ich bei dem Lärm die Sprachausgabe meines Telefons verstanden, aber versuchen hätte ich es können… Denn so hilfsbereit, wie die beiden waren, hätte ich mich schon ganz gerne mit ein paar Drinks erkenntlich gezeigt. Wie es Londo Molari in Babylon 5 schon so schön sagte…

Let me buy you a drink, no, let me buy you an entire fleet of drinks!

Ich hoffe, dass der Zufall freundlich gesinnt ist und man sich spätestens auf dem nächsten Konzert wieder begegnet. 🙂

Und nachdem wir uns verabschiedet hatten ging es auch schon weiter. Die S-Bahn-Station war dermaßen überfüllt, auch hier hatte ich freundliche Helfer, die es mir etwas leichter gemacht haben.

Und dann? Ich habe keine Ahnung! Wie genau ich dann noch nach Hause gekommen bin, ich weiß es nicht. Ich kann mich daran erinnern, dass ich am Hauptbahnhof eine Verbindung mit dem iPhone rausgesucht habe, paar dunkle Ahnungen, aber der Rest. Ich war mit den Gedanken ständig noch im Konzert. Dauernd hatte ich Flashbacks, die Lichteffekte, Songs, vor allem „The Bards Song“, Wuppertaler Bushaltestelle, „Banish from Sanctuary“, Straße, Treppenhaus, …

Gut zu wissen, dass ich sogar im Autopilot-Modus noch den Weg nach Hause finde! 🙂

Fazit

Was mit einer gewissen Skepsis begonnen hat, ob ich wohl mit einer derart großen Menschenmenge klarkomme, endete in einem Abend, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde! Ich habe viele Leute kennengelernt, wenn auch nur so im Vorbeigehen, aber dennoch, es hat richtig Spaß gemacht, vor allem, weil ich den Leuten begegnet bin.

Auch wenn mir nach dem Konzert wieder klar wurde, dass es wohl wieder eine Weile dauern kann, bis ich diese Freiheit wieder habe, so weiß ich doch, es ist möglich. Und wie Hansi schon sagte,

in zwei, drei jahren, Selber Ort, selbe Zeit!

Ich mit Sicherheit! So was lasse ich mir nicht nochmal entgehen!

I’m alive, my friend, I’m alive!

Ach und noch was: Alle Konzerte der Tour werden aufgezeichnet. Am Ende kommt dabei wohl ein Life-Album bei raus. Ich nehme mal an, die werden dann die besten Stücke aus jedem Konzert rauspicken. Natürlich werde ich mich nicht raushören können, wenn Stücke aus Düsseldorf dabei sind. Aber allein das Wissen, ich war dabei, ist so was von geil! 🙂

Werwolf-Attacke in Niedernhausen: EAV in concert

 

Vor dem Werwolf die Ochsentour

Meine bessere Hälfte und ich waren am 19./20.02. in Niedernhausen b. Frankfurt, um die Erste Allgemeine Verunsicherung live in concert zu erleben.

Da ich die EAV nur als Kind bzw. Jugendliche kannte und auch nur ein paar Songs, dachte ich, wäre es mal cool, sie live auf der Bühne zu sehen, zumal die meist nur in Österreich herumgurkt. Kamil dagegen ist EAV-Fan und hat auch alle Alben.

Die EAV trat im Rhein-Main-Theater auf, eine Veranstaltungshalle mit angeschlossenem Hotel außerhalb des Ortes.

Öffentliche Anbindung ist nicht vorhanden und weil es nicht so weit auf Google Maps aussah, sind wir beide – am verschlossenen, heruntergekommenen Bahnhof angekommen – per pedes Richtung Veranstaltungsort gepilgert.

Hätten wir das mal gelassen. Es war frische 0 Grad und der Weg führt aus der Stadt ins Feld und von da – an einer Schnellstraße entlang – direkt in den Wald, wo das Hotel und die Halle liegen.  Im Sommer mögen diese 2 km keine Problem sein, aber im Winter war das eine kacke Idee.

Fass das nicht an!

Im Hotel haben wir beide dann das Doppelzimmer bezogen. Die Nacht hat uns beide (ohne Frühstück, das kostet nämlich noch mal 15 Unzen extra) 80 Euro gekostet. Das ist nicht billig, aber ich für meinen Teil war mit dem großzügig eingerichteten Zimmer mit Bad zufrieden.

Während ich also das Bad okkupiert habe, hat Kamil das Zimmer mit seinen Händen erkundet. Und weil der auch wirklich alles anfassen muss, fand er im Bad schließlich etwas, das aussah, wie eine Eieruhr. Kamil musste natürlich sofort daran herumdrehen – und während ich gerade fertig mit Schminken war, wurde es auf einmal richtig heiß im Bad. Die „Eieruhr“ war ein Timer für eine installierte Heizungsanlage, die speziell wohl dazu dient, dass man z.B. beim Duschen vorheizen kann.  Ich hab dann gesehen, dass ich da raus bin.

20:00 Uhr – Werwolf-Attacke – meine Ohren!

Kurz vor 20 Uhr sind wir beide dann in die Veranstaltungslocation aufgebrochen, die auch gut gefüllt war.

Die seit 1977 existierende EAV, derzeit bestehend aus Thomas Spitzer, Klaus Eberhartinger, Kurt Keinrath, Franz Kreimer, Aaron Thier und Alvis Reid mag zwar in die Jahre gekommen sein und die großen Kostümshows haben sich auch deutlich reduziert – aber leiser sind sie deswegen kein bisschen.

Von Anfang an wurde musikalisch – in bester Werwolf Manier – zum Rundumschlag ausgeholt: gegen „das Boot ist voll“-Rufe, gegen die „Hure Europa“ im Rahmen von TTIP mit den USA, gegen die Scharia, gegen die moderne Arbeitswelt, die immer mehr Leistung fordert und und und.  Songs wie „unscheinbarer Bua“ thematisierten den Weg eines gemobbten Niemands zum Amokläufer, „Bankrott“ beschäftigt sich mit Staatsverschuldung, „Maschine rennt“ mit Höchstleistung, die aber nirgendwo hinführt. Markenzeichen der EAV: Kritik versteckt in Texten, die beim ersten Hören lustig oder als kompletter Stuss daherkommen, beim zweiten Mal Hören aber eine sehr deutliche Botschaft vermitteln. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an „Märchenprinz“ (großes Maul und nix dahinter), „Jambo“ (Heiratstourismus) und“Samurai“ (Sextourismus), die auch an diesem Abend in Niedernhausen wieder gespielt wurden, allerdings ein wenig flotter als die ursprünglichen Originale. So kam „Banküberfall“ im „Mission-Impossible“-Thema daher.

Bedauerlicherweise habe ich persönlich nur schwer etwas verstehen können: wir hatten relativ gute Plätze weit vorne, aber außer Bass kam da nicht wirklich was an. Das nächste Mal dann vielleicht mit Ohrpax und weiter hinten.

Aber eigentlich hat es auch gar nichts gemacht, dass ich nicht mitgesungen habe: Kamil hat umso lauter gegröllt und war dementsprechend am nächsten Morgen heiser.

WIr sind im übrigens mit dem Taxi wieder zum Bahnhof gefahren.

Nichtsdestotrotz war das EAV erste Klasse. Ich persönlich kann mit den Jungs nicht unbedingt mehr anfangen als in den 80ern – aber meine Hochachtung haben sie allemal.

 

 

Satire – Humor im Stachelkleid: Max Uthoff in Köln

Freitagabend-Start ins Wochenende! Und damit Zeit, Kultur zu tanken. Ich und Kamil haben genau das getan und diesen Freitagabend im Comedia Theater in Köln verbracht, um uns das aktuelle Programm von Max Uthoff, welches da „Gegendarstellung“ lautet, anzusehen.

Das kleine Theater, das insgesamt ca. 600 Plätze zur Verfügung hat und unscheinbar in einer von Café und Bars übersäten Gegend liegt, war an diesem Abend mit 400 verkauften Karten restlos ausgebucht, was die Einweiserin dazu veranlasste, brüllend zu erklären, doch bitte die Reihen von der Mitte her aufzuschließen, damit Nachzügler auch noch eine Chance hätten.

Wer zuvor weder die Anstalt gesehen noch sich mit Uthoff beschäftigt hatte, hat sich an diesem Abend wahrscheinlich schon nach fünf Minuten aus dem Raum gewünscht. Der 47jährige Satiriker begann sein Programm mit Megafon – und stolzierte – Aussagen wie „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht“ von sich gebend- erst einmal quer durch den Raum, damit ja auch alle wach werden.

Kaum auf der Bühne angekommen, folgten die nächsten zwei Stunden- mit einer halbstündigen Pause dazwischen – ein wahrer Granatbeschuss von Satire auf höchster Ebene. Man konnte froh sein, wenn man zwischen zwei Themen mal Luft holen konnte – Uthoff auf jeden Fall schien bei der Geschwindigkeit, mit der er sein satirisches Feuerwerk abfackelte, überhaupt nicht atmen zu müssen.

Der Abend zeigte auch, was passieren würde, wenn man Uthoff bei der Anstalt nicht bremsen würde – ich hätte nie gedacht, dass man so viele Themen in zwei Stunden unterbringen kann – und das vor allen Dingen mit einer Bissigkeit, bei der sogar der größte Kläffer der Stadt Angst haben muss.

Angefangen von Charlie Hebdo über Pegida über unser Politiker (Rudolf Scharping fällt vom Fahrrad, Gauweiler ist ein juristischer Terrormops und Gabriel just too big to fail), beißender Spott über sein Heimatbundesland Bayern („…und ich sehe in Ihren Augen, dass Separation nicht unbedingt was Schlechtes sein muss, aber denken Sie daran, was Sie dann verpassen“) und die bayerische Lokalpolitik – die sich auf den Satz: „Oh guck mal da, ein Vogel“ zusammenfassen lässt, wenn man mal eine konkrete Äußerung von den Politkern möchte – zu der Thematik der Wirtschaftskrise und der „schwarzen Null“ (Uthoff: die schwäbische Hausfrau ins Feld zu führen, wenn es um die Neuverschuldung geht, sei Blödsinn, denn die schwäbische Hausfrau müsse ja keine Straßen sanieren oder Schulen oder Kindergärten bauen), Waffenlieferungen Deutschlands ins Ausland, moderne Arbeitssklaverei und dann hin zu dem Thema Hartz IV und Arbeitslosenbashing (Uthoff: damit man ein System nicht hinterfragt, braucht man Feindbilder, die davon ablenken. Das sind dann mit Vorliebe Wirtschaftsflüchtlinge, z.B. Sinti und Roma oder eben Hartz IV Empfänger).

Zwischenzeitlich verkündete Uthoff dann noch die neuen 10 Gebote, unternahm einen Ausflug in die heile Welt der Volksmusik, hielt einen längeren Vortrag über das männliche Geschlecht und Sex, Drogen, modernes Konsumverhalten, erklärte sich zum Feind von Hello Kitty, Prinzessin Lilifee („200 Euro für den, der Prinzessin Lilifee überfährt“) und Benjamin Blümchen („Bringt mir seine Beine und ich mache mir einen Papierkorb daraus“) und schaffte es auch noch, sich über sich selbst lustig zu machen („Wenn ich eine bewusstseinserweiternde Erfahrung machen will, nehme ich zwei Stufen auf einmal“). Als kleine Zugabe gab es dann noch ein wenig Weihnachten („Mein Weihnachtsbaum sieht immer aus, als sei er zwei Mal durch das achte Semester der Baumschule gefallen“) und die Drohung, dass man sein Publikum schon müde kriegen würde sowie einen dezenten Hinweis auf die nächste Anstalt („Wenn Sie jemanden kennen, der so ein…TED-Dingens…hat, sagen Sie ihm, er soll einschalten“) und alternative Seiten im Internet. Uthoff schärfte seinen Zuschauern nicht nur Gelassenheit im Umgang mit dem Wahnsinn des Alltags ein, es war ihm sichtbar wichtiger, dass sein Publikum sich kritisch mit Dingen auseinandersetzt und lernt, Gegebenheiten nicht als solche hinzunehmen, sondern – wie Uthoff eindrucksvoll demonstrierte – die Wahrheit dahinter zu suchen.

Abschließend sei jedem, der noch die Möglichkeit dazu hat, wärmstens empfohlen, sich Uthoff einmal selbst anzusehen.

Liebeserklärung an die Vielfalt, eine Wheinachtsbotschaft

In mehreren Blogs ist nun seit gestern eine Wheinachtsbotschaft im umlauf, die ich so nur vollstens unterschreiben kann. Daher, und weil die Verbreitung des Textes ausdrücklich gewollt ist, werde ich den vollständigen Text hier weiterverbreiten. Die ursprüngliche Quelle findet ihr hier.


Gerade erreichte uns dieser Text der bislang unbekannten Sektion „Frohe Botschaft“, den wir hier wiedergeben.

In den letzten Wochen haben Menschen in Dresden und anderswo Angst, Kälte, Kleinmut, Rassimus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße getragen. Wir sind nicht nur verunsichert, sondern sehen das friedliche Zusammenleben in diesem Land erschüttert. Was wir in Dresden sehen, sind nicht die üblichen Nazis, aber Menschen, die letztlich die gleiche menschenverachtende Ideologie verbreiten.

Doch unser Land sieht anders aus.

Wir leben schon heute Vielfalt.

Wir finden es normal, dass der marrokanische Schwager mit uns Weihnachten feiert. Und es dann kein Schweinefleisch zu Essen gibt. Wir haben Freundinnen und Freunde aus Russland, Usbekistan, Mali, Österreich und Tunesien. Wir lernen von anderen und merken, dass andere von uns lernen. Das ist Zusammenleben, auch wenn wir manchmal Dinge nicht verstehen. Wir interessieren uns für andere Kulturen, Religionen und Ansichten und werden niemanden eine Kultur überstülpen.

Wir gehen mit muslimischen Bosniern und Iranern und ihren Kindern zusammen auf den Martinsumzug, weil uns allen das Teilen und das Ritual mit den Laternen so gut gefällt. Wir sind gerührt, wenn die 5-jährige Nichte sagt, dass sie in weniger Ländern Ausländerin sei als eine Deutsche, weil sie nämlich zwei Pässe habe.

Wir trinken augenzwinkernd mit Moslems guten Wein und lachen zusammen. Wir trinken Tee beim Opferfest und erkennen, dass Nächstenliebe nicht nur beim christlichen Weihnachtsfest seinen Platz hat und Alkohol trinken nicht zwingend für Geselligkeit nötig ist.

Wir sind neugierig, was der russische Oberst, den wir kennenlernen, zu erzählen hat. Wir sehen Begegnung als Bereicherung des Lebens. Sie eröffnet Perspektiven, die wir davor noch gar nicht erahnen konnten. Wir lachen verschmitzt mit der häkelnden türkischen Oma in der U-Bahn über eine skurille Situation. Und freuen uns über ihr Gesicht, das wir noch Jahre später vor Augen haben. Uns werden täglich die Augen geöffnet von der Vielfalt, die auf uns einprasselt.

Wir lernen Sprachen in der Schule und können uns damit auf der ganzen Welt verständigen. Wir haben keine Angst, wenn Kinder aus aller Herren und Frauen Länder mit unseren Kindern in den Kindergarten und die Schule gehen. Weil unsere Kinder so von klein auf interkulturell lernen. Weil für sie Vielfalt normaler sein wird als für uns.

Wir sehen wie liebevoll eine Bulgarin unsere Großeltern pflegt, wie fair der pakistanische Junge in der E-Jugend Fußball spielt. Wir erinnern uns an den Geschmack von Kardamom, der in einem Tee war, der uns angeboten wurde.

Wir sind nicht stolz auf den Ausgang der Geburtslotterie, die den einen zum Deutschen und die andere zur Bolivianerin macht. Wir leben und lieben in binationalen Beziehungen und Ehen. Wir ziehen unsere Kinder zweisprachig auf, damit sie mit ihren Großeltern im Ausland reden können.

Wir sehen den Austausch der Kulturen als Bereicherung unseres Lebens, egal ob wir dabei portugiesischen Weichkäse oder iranische Heavy Metal Bands kennenlernen. Wir lachen über den serbischen Film, nordamerikanische Serien und Karnevalsbräuche in Ecuador.

Wir übernehmen Wörter aus anderen Ländern in unseren Sprachschatz, weil wir Dinge so besser ausdrücken können. Wir übernehmen Feste und Bräuche und stellen auf einmal ausgehöhlte Kürbisse ins Fenster. Wir sind überzeugt davon, dass Kulturen und Sprachen erst dadurch leben, dass sie sich vermengen, vermischen, bereichern und befruchten.

Wir wollen in einem Land leben, das Menschen auf der Flucht offensteht. Wir leben in einem Einwanderungsland und wir wollen eine Willkommenskultur anstatt die Mauern um Europa zu vergrößern. Wir sind entsetzt darüber, dass so viele Menschen an den Außengrenzen sterben. Wir verstehen, dass Menschen fliehen, egal aus welchem Grund. Wir wollen Flüchtenden ein neues Zuhause geben und die Möglichkeit, frei und in Würde zu leben. Ohne uns dabei auf die Schulter zu klopfen.

Wir sind überzeugt, dass wir zusammen den richtigen Weg finden können, der allen Teilen der Gesellschaft Rechnung trägt. Diese Auseindersetzung wird nicht immer einfach sein, sondern manchmal auch von Konflikten geprägt. Diese Konflikte wollen wir konstruktiv, friedlich und mit Respekt austragen und verhandeln. Dabei ist Migrationshintergrund für uns ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Gesellschaft.

In unserem Land ist es egal, welches Geschlecht jemand hat oder sich selbst zuschreibt. Es ist egal, wer wen einvernehmlich liebt. In unserem Land sind alle Menschen gleich. In unserem Land wollen wir sozial gerecht zusammen leben und gemeinsam die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Wir werden diejenigen politisch herausfordern, die soziale Spaltung vorantreiben oder Umverteilung verhindern. Wir wollen gelebte Solidarität, Mitgefühl und Empathie statt sozialer Kälte, Egoismus und deutschen Volksgenossen.

Zusammenleben und Austausch von Kulturen heißt für uns nicht Aufgabe von Werten, Ethik und Idealen. Vielmehr sehen wir, dass es Werte gibt, die in jeder Kultur zuhause sind. Auf ihnen bauen wir auf. Eine vielfältige Gesellschaft ist nicht einfach: Wir diskutieren hart in der Sache, wenn uns etwas nicht passt, aber wir finden gemeinsam Grenzen und Leitplanken des Zusammenlebens.

Wir stehen an der Seite aller Menschen in diesem Land, die friedlich und respektvoll miteinander leben wollen. Egal wo sie herkommen oder welche Religion sie haben. Egal ob sie eine andere Sprache sprechen oder andere Sitten und Gebräuche haben.

Wir wollen einfach zusammen leben. Wir wissen auch, dass viele der Ideale noch nicht umgesetzt sind.

Das heißt für uns:

Wir werden hasserfüllten Angsthasen, Rassisten und Fremdenfeinden dieses Land nicht überlassen, sondern an einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weiterarbeiten. Was wir in Dresden und anderswo sehen ist nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern Deckungsmasse von Nazis und Brandstiftern. Sie stellen nicht die richtigen Fragen, sondern treten nach unten. Sie sind diejenigen, die einer toleranten und freien Gesellschaft und Kultur im Wege stehen.

Wir danken deshalb all den Menschen, deren Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern oder die selbst aus einem anderen Land hierher gekommen sind von ganzem Herzen, dass sie hier sind. Wir danken ihnen, dass wir Neues kennenlernen dürfen. Wir danken ihnen, dass wir immer wieder neu über uns nachdenken. Wir danken ihnen für eine ständige Neusausrichtung von dem, was wir unsere gewachsene Kultur nennen.

Zukunft geht nur zusammen.

Verbreitet die Liebeserklärung an die Vielfalt. Sie soll überall auftauchen, an ihr soll kein Weg vorbeiführen. Bloggt diese Weihnachtsbotschaft, postet sie auf Facebook, fotografiert sie für Instagram, verlinkt sie, twittert sie, leitet sie weiter, schickt sie per Mail, vertont sie, macht Videos, druckt sie aus, hängt sie auf, plakatiert. Macht eine Lawine daraus, eine frohe Botschaft der Menschlichkeit, eine Liebeserklärung an die Vielfalt, einen Appell für das friedliche Zusammenleben. Und dann geht auf die Straße und demonstriert. Wir sind viel mehr als wir denken.


Mit dieser Botschaft, und der Hoffnung auf ein friedlicheres Jahr 2015, wünsche ich euch allen und euren Familien ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue jahr!

Das wird man ja wohl mal sagen dürfen…Alltagsrassismus in deutschen Landen

Heute Morgen war ich beim örtlichen Bäcker frühstücken, bevor ich zur Arbeit bin. Neben mir drei oder vier ältere Herren, die sich lautstark unterhielten und zwar so, dass man sie gar nicht überhören konnte.

Der Inhalt – u. a.: Deutschland sei eine Kolonie – die germanische Sprache sei in Gefahr – wir würden ja jeden aufnehmen – wir würden das Geld zum Fenster hinauswerfen und die Rentner müssen bluten – andere Länder hätten im Krieg auch gemordet, aber wir wären immer schuld – früher hätte man Leute mit Ebola und ähnlichen Krankheiten einfach auf hoher See ins Wasser geworfen, heute würde man sie nach Deutschland holen…

Und als krönender Abschluss: „Ist doch so. Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!“

Nein. Darf man nicht.

Ich habe durchaus auch meine Meinung, aber es ist für mich ein Unterschied, wie man seine Meinung vertritt. Zu sagen: ich lehne die israelische Haltung gegenüber Palästina ab, weil dies Palästina unterdrückt ist etwas anderes als die Aussage, dass alle Israelis und Juden Mörder seien.

Es ist auch immer wieder interessant zu sehen, wie pikiert manche dieser Personen reagieren, wenn sie selbst aus dem Ausland z.B. als Nazi beschimpft werden. Die eigene Meinung ist sowieso immer etwas anderes als die Meinung von anderen.

Es gibt für mich einen klaren und wichtigen Unterschied zwischen Anpöbeln auf „Bild“-Ebene und konstruktiver Kritik an einem Umstand. Meinungsfreiheit ist sicherlich eines der höchsten Güter, die wir haben. Aber Meinungsfreiheit ist kein Freibrief für Hass auf andere Menschen. Und auch wenn eine Demokratie Extreme aushalten muss – für mich hört Meinungsfreiheit ganz klar dann auf, wenn ich mit meinen Aussagen andere Menschen erniedrige und abwerte.

Das heutige Internet mit seiner Anonymität hat leider vielen Personen Tür und Tor geöffnet, die mit ihren Theorien und Meinungen den gesunden Menschenverstand geschickt untergraben und damit auch die Demokratie aushöhlen. Das beginnt bei den Kondensstreifen und hört bei den Reichsbürgern und Rechten auf.

Die AfD und ihr politischer Wahlerfolg ist in meinen Augen leider ein Negativbeispiel dafür, wie man mit „das wird man doch mal sagen dürfen“ gekoppelt mit der Unzufriedenheit der Wähler schnell zum Politikum wird. Wären jedoch Afd-Konsorten an der Macht, dann würde man eben nicht mehr „das wohl noch sagen dürfen“.

Ich weiß nicht, ob es Leuten wie den Rentnern nicht klar ist, was ihre Aussagen für andere bedeuten oder ob sie eher getreu dem Motto gehen: ich war im Krieg, also darf ich das und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Aussagen dieser Art sind nichts anderes als Rassismus pur, getarnt als bloße Meinungsfreiheit.

Ich bin zunehmend entsetzt darüber, was heutzutage alles als Meinungsfreiheit durchgehen soll, ohne dass auch nur irgendeiner es hinterfragt. Aktuelles Beispiel: Xavier Naidoo und sein Ausflug zu den Reichsbürgern, der seinen Auftritt tatsächlich als Meinungsfreiheit verstanden haben will wider der „massentauglichen Meinung“. Dass diese Mitmenschen den deutschen Staat als gar nicht existent betrachten, dass sie Steuern verweigern, Beamte bedrohen und noch andere irrsinnige Spielchen treiben und damit die „massentaugliche Meinung“ (nämlich in dem Fall ein funktionierender deutscher Staat, dessen Gesetze beachtet werden) aushöhlen, ist ihm dabei in seinem Streben nach globaler Liebe wohl entgangen.

Und wenn dann jemand tatsächlich Meinungsfreiheit betreibt – tja, dann endet das in einer Posse wie wir sie gerade bei der ZDF-Anstalt vor Gericht erleben. Im Übrigen ging der Schuss nach hinten los: der Kleinkrieg hat so viel Wind aufgewirbelt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass die Leserschaft des Zeitungsmagazins das vergessen wird. Denn das gewisse Magazin löscht alle Beiträge der Leser, die irgendetwas mit dem Fall zu tun haben – ein Paradebeispiel, wie Meinungsfreiheit unterdrückt wird, weil jemand kein Rückgrat hat – und zieht damit den Unmut der Leser auf sich, der sich langsam aber sicher in einen Shitstorm verwandelt, je länger das Spielchen dauert.

Wenn man also nicht – wie die heute-show im ZDF- eine eigene „Gegendarstellungsabteilung“ hat, die nichts anderes macht, als dumme Sprüche, die unter dem Banner der Meinungsfreiheit gefallen sind, durch eine Gegendarstellung wieder auszubügeln, sollte man eine alte Regel beachten: man darf zwar alles denken, aber nicht alles sagen. Entweder weil du bei deinem Gegenüber ins Fettnäpfchen trittst – oder in dein eigenes.

A Schaffner´s Paradiese

Heute früh: ich sitz im Bummelzug nach Marburg.

In einer Kleinstadt steigt ein Jugendlicher zu, geht direkt zum Schaffner und erklärt ihm, dass er kein Ticket gezogen hat, weil er den Betrag nur in Münzen hatte und der Automat die nicht angenommen hat. Raunzt ihn der Schaffner an: „Tja, da muss man halt mal nen Schein einstecken haben!“

Das ist aber auch zu blöd, dass immer wieder so unbequeme Bahnreisende kommen und den Schaffner aus seinem Paradies ziehen müssen. Warum können die sich nicht einfach hinsetzen und die Klappe halten?

Warum beschweren die sich über Verspätungen – mein Gott, dann kommen sie halt eine Stunde später zu Hause an.Ich hab Zeit.

Und wenn ein Zug ausfällt – nehmen sie halt den nächsten.

Wie-Anschlusszug? Ja, bin ich denn die Bahn-Seite? Das weiß ich doch nicht! Da muss ich erst in meine Kabine gehen und das ablesen.

Der Tourist hat mein Englisch nicht verstanden? Tja, dann muss er eben Deutsch lernen.

Grundsätzlich bin ich als Schaffner nur für die Ticketkontrolle zuständig. Ansonsten mach ich vielleicht ein paar Ansagen und sitz ansonsten im Ersten-Klasse-Abteil (im Gegensatz zu den Bahnreisenden der 2. Klasse, die stehen nämlich auch bei völlig überfüllten Zügen, weil die 1. Klasse nicht freigegeben wird).

Ach ja, und mit Vorliebe bummel ich die ganze Strecke durch das Abteil, aber wenn Du, ja Du aussteigen wilst, daaann komm ich wie ein Tiger angesprungen und will Deine Fahrkarte sehen und zwar genau dann, wenn der Zug im Bahnhof steht.

Merkt man, dass ich sauer bin?

Ich meine, es ist ja nicht so, dass der Junge mit Absicht ohne Karte eingestiegen ist. Er hatte ja sogar den passenden Betrag für seine Strecke – eben nur in Münzen. Was wäre denn so schlimm gewesen, wenn der Schaffner dem Jugendlichen einfach sein Ticket gegeben hätte?

Da werden Schalter dicht gemacht, Personal abgebaut und in einem Kuhdorf wie dem meinen gibt es gerade mal EINEN DB-Automaten. Wenn der mal kaputt ist, was öfter mal passiert, dann helfen weder Münzen noch Scheine noch sonst was. Und ich muss dem Schaffner im Zug dann erklären, warum ich nicht dem Mann im Bahnhof Bescheid gesagt hab (weil der, seit der Schalter zu ist, auf Klopfen nicht mehr reagiert in seinem hinteren Zimmer).

Und selbst wenn er geht: Scheine spuckt der Automat sofort wieder aus, wenn sie nur leicht zerknittert sind. Über 20 Mäuse will er sowieso nix, kann er nicht wechseln.  Manchmal wechselt er aber auch so nichts.  Münzfach ist öfters verklebt.  Und wenn ich dann mit Karte bezahlen will, kommt es nicht selten vor, dass gerade an diesem Tag die EC-Kartenfunktion gesperrt ist. Und gerade am Montagmorgen ist es ganz toll, wenn man den einzigen Automaten zusammen mit 20 anderen Leuten nicht benutzten kann, weil gerade dann (um 07:00 Uhr zur Pendlerzeit!) die Kassierer der DB den Automaten leeren. Und wenn er leer ist, muss erst Windows neu starten. Tut es manchmal auch nicht gleich.

Und als Krönung bekommt man dann im Zug dauerkaputte Toiletten, Sitze mit Fußabdrücken der Vorgänger, Bierflaschen auf der Ablage, Bahnreisende, die einen extra Sitzplatz für ihre Tasche brauchen – und nicht zu vergessen: man stört das Schaffner´s Paradise.

Ich bin wirklich froh, wenn ich mein Auto hab.  Dann muss ich mir solche griesgrämigen Leute nicht mehr antun.

 

 

 

Der Hausgeist auf deutsch oder türkisch?

Ich habe mehr so durch Zufall die DVDs von der Serie „Der Hausgeist“ gefunden. Ich hab einfach mal die Suchbegriffe „Geist“, „Gespenst“ und dergleichen in die Suchmasken der DVD-Verleiher eingegeben, weil ich solche Filme gucken wollte. Und als ich so die ersten paar Folgen gesehen hatte, dachte ich, das kenne ich doch schon von irgendwoher? Und ja, tatsächlich, ich kenne es schon.

Genau genommen kenne ich es schon seit gut 13 Jahren. Auf einem türkischen Sender sah ich die Serie „Ruhsar“, die vom Konzept her ganz ähnlich ist, aber doch einige Unterschiede aufweist. Trotzdem fragt man sich, welche Serie baut auf welche auf? Egal, ich beschreibe einfach mal beide.

„Der Hausgeist“ beginnt mit einem großen Booom, womit die Villa gesprengt wird, die eigentlich das Zuhause von Freifrau Henriette von Sydeck ist. Nun, als Geist überlebt sie die Sprengung natürlich und sucht nun ein neues Zuhause. Das findet sie auch bei einem Nachfahren ihrer besten Freundin. Benedict Von Weber und sie wohnen nun zusammen in einer Wohnung und erleben so diverse Abenteuer. Von Weber ist Texter bei einer Werbeagentur, sein bester Freund Vinzenz ist Werbegrafiker.

Die Serie lief von 1991 bis 1993 im ZDF mit Susanne Uhlen als Hausgeist, Volker Lechtenbrink als Vinzenz und Stefan Behrens als Benedict Von Weber.

Ruhsar ist eine türkische Serie, die von 1998 bis 2001 im türkischen Fernsehen lief. Hande Ataizi war hier der Geist, oder besser gesagt, der Engel. Da mein Türkisch nicht ganz so gut ist, habe ich mir den Wikipedia-Artikel hierzu nicht weiter durchgelesen. Daher könnte ich die anderen Schauspieler auch nicht benennen.

Diese Serie habe ich nicht von Anfang gesehen, so dass ich nicht ganz genau weiß, wie sie beginnt. Ruhsar ist die Frau eines ebenfalls bei einer Werbeagentur arbeitenden Mannes. Nur, sie starb schon zu Anfang der Serie und ist nun als Engel immer mal wieder bei ihrem … Witwer?. Sein bester Freund ist ebenfalls bei der Werbeagentur tätig. Seine Mutter versucht ihn immer wieder zu verheiraten, da seine Frau ja schon seit mehr als einem Jahr tot ist. Er will aber nicht, weil er ja seine Frau noch sieht… 🙂 Sein bester Freund ist an seiner Schwester interessiert, die will aber nicht. 🙂

Ruhsar kann zaubern, was zu, sagen wir mal, dem einen oder anderen Unglück führt. Und natürlich ist sie als Schwiegertochter noch immer im Krieg mit ihrer Schwiegermutter…. 🙂

Einer der wesentlichen Unterschiede ist, dass Henriette für jeden sichtbar ist, wenn sie sich sichtbar macht, wobei Ruhsar nur von ihrem Mann gesehen werden kann. Henriette und Benedict sind nicht verwandt. Aber sonst? Das Grundkonzept jedenfalls passt zusammen.

Beide Serien sind äußerst amüsant und kurzweilig. Nur schade, dass es Ruhsar nicht auf DVD gibt. Das ist eine der wenigen türkischen Serien, die ich gerne geguckt habe. Der Rest, naja, reden wir nicht drüber… 🙂 Aber jemand hat sie auf Youtube hochgeladen, weswegen ich jetzt mal gucken gehe…

Blog etwas aufgeräumt

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass das Blog der SF-Ecke extrem langsam lädt. Daher habe ich mal ein wenig Aufgeräumt. Dabei sind auch 2 Optionen zum Opfer gefallen.

In der rechten Seitenleiste ist die Twitter-Timeline weggefallen. Die Seite war erst nutzbar, wenn dieses Widged sich aktualisiert hatte. Dies konnte, je nach Auslastung von Twitter, schon mal etwas länger dauern. Wer also die Tweets von mir weiterhin verfolgen möchte, folgt mir entweder auf Twitter, der Nutzername ist @sfecke, oder besucht regelmäßig die Timeline auf Twitter. Hier könnt ihr auch weiterhin die Tweets sehen.

Auch die RSS-Feeds der aktuellsten Stories habe ich entfernt. Auch diese brauchte immer etwas, bis sie geladen war und hat die Seite weiter ausgebremst. Wenn ihr die neuesten Stories immer sehen wollt, könnt ihr das auf der Hauptseite der Stories, oder ihr könnt den Stories-RSS-Feed abonnieren.

Auch in den Plugins habe ich etwas aufgeräumt, aber das ist eher was unter der Haube und für den Normalnutzer eher nicht sichtbar. Ich hoffe jedenfalls, dass die Seite jetzt nicht mehr ganz so träge reagiert.

Kommentare, Verbesserungsvorschläge oder Kritik bitte entweder in die Kommentare dieses Posts oder in die Mailingliste.

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