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Werwolf-Attacke in Niedernhausen: EAV in concert

 

Vor dem Werwolf die Ochsentour

Meine bessere Hälfte und ich waren am 19./20.02. in Niedernhausen b. Frankfurt, um die Erste Allgemeine Verunsicherung live in concert zu erleben.

Da ich die EAV nur als Kind bzw. Jugendliche kannte und auch nur ein paar Songs, dachte ich, wäre es mal cool, sie live auf der Bühne zu sehen, zumal die meist nur in Österreich herumgurkt. Kamil dagegen ist EAV-Fan und hat auch alle Alben.

Die EAV trat im Rhein-Main-Theater auf, eine Veranstaltungshalle mit angeschlossenem Hotel außerhalb des Ortes.

Öffentliche Anbindung ist nicht vorhanden und weil es nicht so weit auf Google Maps aussah, sind wir beide – am verschlossenen, heruntergekommenen Bahnhof angekommen – per pedes Richtung Veranstaltungsort gepilgert.

Hätten wir das mal gelassen. Es war frische 0 Grad und der Weg führt aus der Stadt ins Feld und von da – an einer Schnellstraße entlang – direkt in den Wald, wo das Hotel und die Halle liegen.  Im Sommer mögen diese 2 km keine Problem sein, aber im Winter war das eine kacke Idee.

Fass das nicht an!

Im Hotel haben wir beide dann das Doppelzimmer bezogen. Die Nacht hat uns beide (ohne Frühstück, das kostet nämlich noch mal 15 Unzen extra) 80 Euro gekostet. Das ist nicht billig, aber ich für meinen Teil war mit dem großzügig eingerichteten Zimmer mit Bad zufrieden.

Während ich also das Bad okkupiert habe, hat Kamil das Zimmer mit seinen Händen erkundet. Und weil der auch wirklich alles anfassen muss, fand er im Bad schließlich etwas, das aussah, wie eine Eieruhr. Kamil musste natürlich sofort daran herumdrehen – und während ich gerade fertig mit Schminken war, wurde es auf einmal richtig heiß im Bad. Die „Eieruhr“ war ein Timer für eine installierte Heizungsanlage, die speziell wohl dazu dient, dass man z.B. beim Duschen vorheizen kann.  Ich hab dann gesehen, dass ich da raus bin.

20:00 Uhr – Werwolf-Attacke – meine Ohren!

Kurz vor 20 Uhr sind wir beide dann in die Veranstaltungslocation aufgebrochen, die auch gut gefüllt war.

Die seit 1977 existierende EAV, derzeit bestehend aus Thomas Spitzer, Klaus Eberhartinger, Kurt Keinrath, Franz Kreimer, Aaron Thier und Alvis Reid mag zwar in die Jahre gekommen sein und die großen Kostümshows haben sich auch deutlich reduziert – aber leiser sind sie deswegen kein bisschen.

Von Anfang an wurde musikalisch – in bester Werwolf Manier – zum Rundumschlag ausgeholt: gegen „das Boot ist voll“-Rufe, gegen die „Hure Europa“ im Rahmen von TTIP mit den USA, gegen die Scharia, gegen die moderne Arbeitswelt, die immer mehr Leistung fordert und und und.  Songs wie „unscheinbarer Bua“ thematisierten den Weg eines gemobbten Niemands zum Amokläufer, „Bankrott“ beschäftigt sich mit Staatsverschuldung, „Maschine rennt“ mit Höchstleistung, die aber nirgendwo hinführt. Markenzeichen der EAV: Kritik versteckt in Texten, die beim ersten Hören lustig oder als kompletter Stuss daherkommen, beim zweiten Mal Hören aber eine sehr deutliche Botschaft vermitteln. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an „Märchenprinz“ (großes Maul und nix dahinter), „Jambo“ (Heiratstourismus) und“Samurai“ (Sextourismus), die auch an diesem Abend in Niedernhausen wieder gespielt wurden, allerdings ein wenig flotter als die ursprünglichen Originale. So kam „Banküberfall“ im „Mission-Impossible“-Thema daher.

Bedauerlicherweise habe ich persönlich nur schwer etwas verstehen können: wir hatten relativ gute Plätze weit vorne, aber außer Bass kam da nicht wirklich was an. Das nächste Mal dann vielleicht mit Ohrpax und weiter hinten.

Aber eigentlich hat es auch gar nichts gemacht, dass ich nicht mitgesungen habe: Kamil hat umso lauter gegröllt und war dementsprechend am nächsten Morgen heiser.

WIr sind im übrigens mit dem Taxi wieder zum Bahnhof gefahren.

Nichtsdestotrotz war das EAV erste Klasse. Ich persönlich kann mit den Jungs nicht unbedingt mehr anfangen als in den 80ern – aber meine Hochachtung haben sie allemal.