Ist die Internetgesellschaft etwas für Einzelgänger?

Von Jennifer Rößler erhielt ich gerade mal wieder einen Kommentar, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wenn die so weiter macht, kriegt die einen eigenen Autoren-Account, dann kann sie das gleich selber schreiben! 🙂

Die Einen sagen, von Kontakten über das Internet werde man ja nur betrogen und die Menschen würden sich da nur verstellen und verstecken. Offene und ehrliche Gespräche seien nicht möglich. Es wäre ja ein leichtes, den Kontakt einfach zu blockieren, wenn man sich Konflikten nicht stellen will. Diese Fälle gibt es sicherlich, ohne Frage. Aber es gibt auch die andere Seite des Internets. Denn für Menschen, die eigentlich in keine Schublade passen, weil sie nicht so sind wie die Masse, weil sie „anders“ sind, ist das Internet fast so etwas wie das Paradies.

Diese Menschen werden deshalb als „anders“ bezeichnet, weil sie vielleicht Ansichten und Interessen haben, mit denen ihr unmittelbares Umfeld nichts anfangen kann. Als es das Internet noch nicht gab, blieben diese Menschen alleine. Sie konnten von Glück reden, wenn sie ein oder zwei Briefkontakte aufrecht erhalten konnten, die vielleicht am anderen Ende der Welt wohnten, was natürlich eine langwierige Angelegenheit war. Durch diese Entfernungen ist schon so manch ein Kontakt eingeschlafen. Oder aber sie passten sich an, wenn sie nicht allein bleiben wollten.

Und heute? Heute haben sie Dank des Internets die Möglichkeit, so akzeptiert zu werden, wie sie sind. Sie können sich einen Freundeskreis aufbauen, der nicht unbedingt gleich um die Ecke wohnen muss und können doch bei Interesse täglich miteinander kommunizieren. Da ist die Freundin in Kanada, der Kumpel in Mexico, ein Freund in Argentinien, Japan oder eben am anderen Ende von Deutschland. Die Freunde können auf der ganzen Welt verteilt sein, und sind doch nur eine E-Mail, einen Messenger, eben einen Mausklick voneinander entfernt.

Auch ich gehöre sicher zu diesen Einzelgängern und für mich ist das Internet zu einem Teil meines Wohnzimmers geworden! 🙂

Dem kann ich mich nur anschließen! Gerade ich als Blinder weiß, wie das ist: Man macht die Haupt- und Realschule in einer Stadt, das Gymnasium in einer anderen, die Ausbildung oder Studium wieder in einer anderen. Und so kommt es nicht selten vor, dass man seinen gesamten Freundeskreis nicht in einer Stadt, sondern über ganz Deutschland verteilt hat. Und viele Kontakte sind eingeschlafen, da es damals die Kommunikationsmöglichkeiten gar nicht gab. Und heute fangen einige Leute an, nach Kontakten von Früher im Netz zu suchen. Manchmal erfolgreich, manchmal auch nicht.

Aber Freundschaften, die man heute macht, kann man leichter erhalten, weil man sich gleich von Beginn an gegenseitig mit E-Mail, ICQ Yahoo oder was es da noch für Services gibt, versorgt. Und von den Vorzügen, die ich als Blinder bezüglich Selbständigkeit durch das Internet habe, mal ganz zu schweigen!