Das wird man ja wohl mal sagen dürfen…Alltagsrassismus in deutschen Landen

Heute Morgen war ich beim örtlichen Bäcker frühstücken, bevor ich zur Arbeit bin. Neben mir drei oder vier ältere Herren, die sich lautstark unterhielten und zwar so, dass man sie gar nicht überhören konnte.

Der Inhalt – u. a.: Deutschland sei eine Kolonie – die germanische Sprache sei in Gefahr – wir würden ja jeden aufnehmen – wir würden das Geld zum Fenster hinauswerfen und die Rentner müssen bluten – andere Länder hätten im Krieg auch gemordet, aber wir wären immer schuld – früher hätte man Leute mit Ebola und ähnlichen Krankheiten einfach auf hoher See ins Wasser geworfen, heute würde man sie nach Deutschland holen…

Und als krönender Abschluss: „Ist doch so. Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!“

Nein. Darf man nicht.

Ich habe durchaus auch meine Meinung, aber es ist für mich ein Unterschied, wie man seine Meinung vertritt. Zu sagen: ich lehne die israelische Haltung gegenüber Palästina ab, weil dies Palästina unterdrückt ist etwas anderes als die Aussage, dass alle Israelis und Juden Mörder seien.

Es ist auch immer wieder interessant zu sehen, wie pikiert manche dieser Personen reagieren, wenn sie selbst aus dem Ausland z.B. als Nazi beschimpft werden. Die eigene Meinung ist sowieso immer etwas anderes als die Meinung von anderen.

Es gibt für mich einen klaren und wichtigen Unterschied zwischen Anpöbeln auf „Bild“-Ebene und konstruktiver Kritik an einem Umstand. Meinungsfreiheit ist sicherlich eines der höchsten Güter, die wir haben. Aber Meinungsfreiheit ist kein Freibrief für Hass auf andere Menschen. Und auch wenn eine Demokratie Extreme aushalten muss – für mich hört Meinungsfreiheit ganz klar dann auf, wenn ich mit meinen Aussagen andere Menschen erniedrige und abwerte.

Das heutige Internet mit seiner Anonymität hat leider vielen Personen Tür und Tor geöffnet, die mit ihren Theorien und Meinungen den gesunden Menschenverstand geschickt untergraben und damit auch die Demokratie aushöhlen. Das beginnt bei den Kondensstreifen und hört bei den Reichsbürgern und Rechten auf.

Die AfD und ihr politischer Wahlerfolg ist in meinen Augen leider ein Negativbeispiel dafür, wie man mit „das wird man doch mal sagen dürfen“ gekoppelt mit der Unzufriedenheit der Wähler schnell zum Politikum wird. Wären jedoch Afd-Konsorten an der Macht, dann würde man eben nicht mehr „das wohl noch sagen dürfen“.

Ich weiß nicht, ob es Leuten wie den Rentnern nicht klar ist, was ihre Aussagen für andere bedeuten oder ob sie eher getreu dem Motto gehen: ich war im Krieg, also darf ich das und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Aussagen dieser Art sind nichts anderes als Rassismus pur, getarnt als bloße Meinungsfreiheit.

Ich bin zunehmend entsetzt darüber, was heutzutage alles als Meinungsfreiheit durchgehen soll, ohne dass auch nur irgendeiner es hinterfragt. Aktuelles Beispiel: Xavier Naidoo und sein Ausflug zu den Reichsbürgern, der seinen Auftritt tatsächlich als Meinungsfreiheit verstanden haben will wider der „massentauglichen Meinung“. Dass diese Mitmenschen den deutschen Staat als gar nicht existent betrachten, dass sie Steuern verweigern, Beamte bedrohen und noch andere irrsinnige Spielchen treiben und damit die „massentaugliche Meinung“ (nämlich in dem Fall ein funktionierender deutscher Staat, dessen Gesetze beachtet werden) aushöhlen, ist ihm dabei in seinem Streben nach globaler Liebe wohl entgangen.

Und wenn dann jemand tatsächlich Meinungsfreiheit betreibt – tja, dann endet das in einer Posse wie wir sie gerade bei der ZDF-Anstalt vor Gericht erleben. Im Übrigen ging der Schuss nach hinten los: der Kleinkrieg hat so viel Wind aufgewirbelt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass die Leserschaft des Zeitungsmagazins das vergessen wird. Denn das gewisse Magazin löscht alle Beiträge der Leser, die irgendetwas mit dem Fall zu tun haben – ein Paradebeispiel, wie Meinungsfreiheit unterdrückt wird, weil jemand kein Rückgrat hat – und zieht damit den Unmut der Leser auf sich, der sich langsam aber sicher in einen Shitstorm verwandelt, je länger das Spielchen dauert.

Wenn man also nicht – wie die heute-show im ZDF- eine eigene „Gegendarstellungsabteilung“ hat, die nichts anderes macht, als dumme Sprüche, die unter dem Banner der Meinungsfreiheit gefallen sind, durch eine Gegendarstellung wieder auszubügeln, sollte man eine alte Regel beachten: man darf zwar alles denken, aber nicht alles sagen. Entweder weil du bei deinem Gegenüber ins Fettnäpfchen trittst – oder in dein eigenes.

2 Gedanken zu „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen…Alltagsrassismus in deutschen Landen“

  1. Lieber Kamil,
    auch wenn das vielleicht nicht politisch korrekt ist, was die Beiden in der Bäckerei bei ihrer Unterhaltung gesagt haben, aber verstehen kann ich das. Vielleicht ist das, was ich jetzt sage, politisch auch nicht so korrekt. 1959 kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland, waren sehr fleißige Leute und trugen einen Großteil zum Wirtschaftswunder bei. Nachdem aber die „fetten Jahre“, vorüber waren, gingen die meisten Gastarbeiter in ihre Länder wieder zurück, und Deutschland nahm unkontrolliert Asylanten auf. Ist auch in Ordnung, wenn die Menschen wegen Krieg aus ihren Länden fliehen und hierher kommen. Aber eigentlich geht es doch um die Wirtschaftsflüchtlinge. Komm mal nach Stuttgart. Die Stadt hat ein Riesenproblem mit Bettler-Banden aus Rumänien und Bulgarien.
    Wegen Syrien und dem IS-Problem strömen jetzt zusätzlich Kriegsflüchtlinge nach Deutschland, und es ist kaum Platz da, diese Masse an Menschen unterzubringen, zumal Deutschland ein recht kleines Land ist. Jetzt regt sich Unmut unter der Bevölkerung.
    – Ein Vergleich: Es ist wie, als wenn ich daheim in meiner kleinen Wohnung etwa acht Leute als Besuch empfange, es wird spät und immer später, der Kühlschrank wurde inzwischen leergefuttert, außer einen Becher Joghurt steht nichts mehr drin, aber der Besuch will partout nicht heimwärts ziehen! Auch ich möchte irgendwann wieder allein bzw. Herrin in meiner eigenen Wohnung sein!
    Dieses Beispiel gilt nicht nur für Privatleute, sondern auch für eine Stadt, für ein Land. Irgendwann ist das alles nicht mehr bezahlbar. Und dann wächst der Frust bei der heimischen Bevölkerung. Das hat nichts mit Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun, und man ist deswegen auch kein Nazi, sondern wenn der Gürtel für die kleinen Leute (Rentner, Mindestlohn-Verdiener) schon so eng ist, dass es nicht mehr enger geht, dann wird es eben kritisch.
    Ich habe Verständnis für Menschen, die aus Kriegsgebieten hier Sicherheit suchen, aber nicht für die Schar von Bettlerbanden und Menschen, die es nur darauf absehen, auf unsere Sozialkosten zu leben ohne dafür zu arbeiten. Ich meine nicht Leute wie Dich, die fleißig sind und einer Arbeit nachgehen. Mich ärgert es aber, wenn ich in der Tagesschau sehe, dass Tausende Flüchtlinge aus Afrika übers Meer nach Europa strömen, junge und gesunde Menschen. Warum tun die sich nicht in Afrika zusammen und bauen dort eine vernünftige Infrastruktur auf und jagen ihre korrupten Politiker zum Teufel? Ein Teil dringt hier nach Deutschland ein, geht in den Hungerstreik, um auf diese Weise sich Lebensverhältnisse zu erzwingen, wie sie ein Mittelständler hat. Von nichts kommt nichts! Die Menschen in Deutschland haben für ihren (noch) Wohlstand Jahrzehnte lang gearbeitet. Und nun sehen sie den hart erkämpften Wohlstand immer mehr schwinden. Bezahlbarer Wohnraum gibt es kaum noch, zumindest nicht für uns Deutsche (ob mit oder ohne Migrationshintergrund). Deshalb, lieber Kamil, nimm das Gemeckere der Beiden in der Bäckerei nicht so tragisch.
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend.

    1. Hallo,

      zunächst einmal habe ich den Artikel geschrieben, nicht Kamil.

      Was jetzt komm, ist lang und es steht Dir frei, das alles durchzulesen oder nicht. Aber ich versuche nachfolgend, die „Meinung der kleinen Leute“ ein wenig zu durch Fakten zu verändern.

      Vielleicht ist es genau das, was unsere Politiker einmal tun sollten, um Stammtischparolen den Nährboden zu entziehen.

      @Gastarbeiter: zunächst waren die Gastarbeiter (z.B. aus Italien) auf das Land beschränkt, weil in den 50zigern, als das „Wirtschaftswunder“ einsetzte, immer mehr Menschen in die Stadt zogen. Später dehnte sich das auch in den städtischen Bereich aus. Hintergedanke des Abkommens mit der Türkei war u. a., dass die Türkei damals als Nato-Partner keine unwichtige Rolle gespielt hat und dabei war, in die EWG einzutreten. Deutschland schielte also auch politischem Kalkül Richtung Türkei. In den sechzigern Jahren kamen dann der Zustrom von türkischen Gastarbeitern. Und – sie mögen zwar fleißig gewesen sein, aber seien wir ehrlich – wir wissen alle aus Filmen wie Wallraffs „ganz unten“, dass Gastarbeiter „Teppichabklopfer“ der Nation waren. Sie haben zumeist unter widrigsten Bedingungen (fehlender Arbeitsschutz, zu wenig Lohn) geschuftet und waren immer als ungelernte Kräfte da zu finden, wo man keinen Deutschen gefunden hat.

      Es ist zwar richtig, dass der Großteil der türkischen Zuwanderer in die Türkei zurückging, aber verkennen wir nicht, dass Deutschland z.B. mit dem Rückführungsgesetz auch seinen Teil daran hatte. Das Gesetz hat damals mehr oder weniger gesagt: du gehst heim und damit du das tust, kriegst du von mir einen finanziellen Anreiz. Ob man das als „political correct“ ansehen sollte – na, ich weiß nicht.

      @Deutschland nimmt unkontrolliert Asylanten auf: nein, stimmt so einfach nicht.
      Lies Dir bitte mal den Artikel zum Asylrecht bei Wiki durch und auch die neuesten Meldungen im der Presse. Tatsächlich verschärft Deutschland sein Asylrecht regelmäßig – indem z.B. wie gerade jetzt wieder durch politische Kniffe oder bestimmte Formulierungen Länder, die das Wort „sicher“ sicherlich nicht verdienen, auf einmal zu „sicheren“ Ländern erklärt werden und schwupps, hat man wieder einen Kulturkreis mehr, den man abschieben kann.

      Ich selbst hatte einige Male das „Glück“, so einen Fall in der Ausbildung mitzukriegen, das ist ein einziger großer Stolperfallenwald, was das Asylgesetz angeht. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es einige Paragraphen gab, deren Sinn darin lag, Asylsuchende zu „gängeln“.

      Und selbst wenn man den Wald überwunden hat, kann es passieren, dass der Antrag halt einfach „wegen Überlastung“ liegen bleibt -das ist eine gute Taktik, denn ohne Aufenthaltsstatus bist du allenfalls geduldet. Du musst alles, aber darfst selbst nichts – und wenn du das dein halbes Leben so machst, glaub mir, das zermürbt. Und zwar richtig.

      @es ist kein Platz in Deutschland: also bitte, das ist jetzt wohl nicht Dein Ernst. Ich meine, Du hast doch sicher gehört, dass die meisten der Flüchtlinge auf Lampedusa ankommen und ähnlichen Küstenstreifen ankommen. Was sollen die denn erst sagen, denn Lampedusa ist im Gegensatz zu D wirklich als klein zu bezeichnen.

      Und deutsche Politiker tun sich immer so groß hervor, was Asylrecht, Flüchtlinge und so was angeht. Aber Fakt: mit 8,8 Mio. Flüchtlingen liegt Asien weit vor allen anderen. Europa hat nach den letzten Zahlen etwa 4,8 Mio.

      In Europa sind übrigens das viel kleinere Malta und Schweden die Spitzenreiter, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Deutschland hängt etwa auf Platz 10 rum, da sind also noch einige Länder dazwischen. Von daher kann ich angesichts deiner Aussage und dem Tarara, was Deutschland um die Aufnahme von Flüchtlingen gemacht hat („heute kamen die ersten 100 Flüchtlinge mit Bussen an – und wir vom Sender X sind live dabei“ – äh ja), nur vor mich hin grinsen.

      @Flüchtlingsproblem/Armut/Städte: es ist richtig und in der Tat ein Problem, dass in vielen Städten regelrechte „Migrantenbezirke“ von Armutseinwanderern entstehen und ich weiß auch, dass die Städte und Gemeinden sich von den Obrigkeiten im Stich gelassen fühlen, weil der Bund es auf die Länder schiebt und umgekehrt.

      Auf der anderen Seite habe ich dann immer wieder Berichte im Fernsehen, wo ein TV-Team wirklich mal in diese Viertel geht – und mit einem Mal kracht die „Bild-Kulisse“ in sich zusammen.

      Da ist dann die Rede davon, dass auch die Flüchtlinge selbst sich bemühen, einen Job zu finden (den sie – weil kein Aufenthaltsrecht oder nur geduldet, natürlich nicht erhalten), dass viele von denen einfach überfordert sind mit Behördengängen, mit Schulanmeldung, Krankenkasse etc.

      Eine Stadt hatte für ein ganzes Heim von Flüchtlingen genau EINEN Sozialarbeiter abgestellt, wir reden hier von hunderten Leuten. Wären da nicht soziale freiwillige Helfer, einige selbst z.B. aus Rumänien, die den Menschen helfen würden, hätte die Stadt noch mehr Probleme.

      Ich verkenne wie gesagt nicht, dass die Probleme, die wir derzeit haben, aus verfehlter Politik entstehen (letztlich vor allen Dingen beim Thema Zuständigkeit und Kompetenz) und ich verschließe nicht die Augen davor, dass in diesen Vierteln auch Gewalt, Drogen, Alkohol etc. seinen Platz hat.

      Aber es kotzt mich an, zu sehen, wie Großmaulaffen wie der Seehofer herumtönen, wenn es um das Thema Asyl geht und dann hinten rum zu lesen, dass bestimmte Stellen gegenüber Zeitungen kleinlaut zugeben, das „Flüchtlingsproblem unterschätzt“ zu haben und „nicht darauf vorbereitet gewesen zu sein“.

      Leute, also bitte! Da vergeht kein Tag, wo nicht Flüchtlinge bootsweise ertrinken oder „gegen die Festung anstürmen“- und die deutschen Politiker wussten nicht, was kommt? Was ist passiert? Rechenschieber kaputt?

      Es war anhand der Ereignisse auf Lampedusa mehr als deutlich zu sehen, dass sich große Flüchtlingswellen auf Europa zu bewegen.

      Und anstatt endlich gescheite Politik zu machen (d. h. vor allen Dingen, aufzuhören, den schwarzen Peter von oben nach unten durchzureichen), wird das Problem entweder komplett ignoriert oder unterschätzt oder man verschärft mal wieder das Asylrecht.

      Aber konstruktive Lösungen – z.B. mehr Sozialhelfer, die vielleicht mal aus den Ländern kommen und mehr Zugang zu den Flüchtlingen haben oder bessere Organisation von Decken und Nahrung oder vielleicht einfach mehr Geld an die Städte, damit die sich tatsächlich selbst um das Problem kümmern – nein, nein, ich bin dafür nun überhaupt nicht zuständig – und außerdem, ich will ja in vier Jahren wieder gewählt werden.

      @das geht alles auf das Geld der kleinen Leute: nein, das stimmt auch nicht so.

      Ich habe jetzt spontan noch keinen Artikel für 2014 gefunden.

      Aber z.B. aus 2011 was: da haben 54.000 Menschen Asylantrag gestellt. Insgesamt hat Deutschland 908 Millionen Euro für Asylanten 2011 gezahlt. Hah, wirst Du jetzt sagen, stimmt also. Klingt ja auch nach richtig viel Geld.

      62,6 Millarden (!) hat D 2011 für seine Finanzverwaltung ausgegeben. 131,1 Millarden (!) Euro für Rente und Arbeitslosengeld. Und wenn man sich mal auf einschlägigen Seiten über H4 umschaut, sieht man auch, dass z.B. ein Großteil der deutschen Ausgaben für H4 in der Verwaltung der Ämter versickert.

      Von diesem gewaltigen Ballon sind im Übrigen alle betroffen – das Geld fehlt dann z.B. im Straßenbau, bei Schulen, in Krankenhäusern oder auch durchaus mal zur Entlastungen von kleineren Betrieben, die unter der Steuerlast ächzen.

      @Wohnungsbau für Asylanten: siehe oben.

      Und: dass Wohnraum mit wachsender (und vor allen Dingen immer älter werdenden Bevölkerung) fehlen wird, war schon ab den 70zigern bzw. 80zigern Jahren klar. Schon damals haben Studien vor dem gewarnt, was heute eintrifft.

      Und der Grund für fehlenden Wohnungsbau ist wieder die Politik, zumeist die auf Landtagsebene.

      In der Stadt, in der ich einige Jahre gelebt habe, waren es z.B. die Studenten. DIe Stadt ist Unistadt, es zogen immer mehr Studenten nach und das hatte zur Folge, dass natürlich vorrangig an die vermietet wurde. Das Stadtbild ist heute an Studenten ausgerichtet – und das rächt sich gerade jetzt fürchterlich, weil gerade ältere Einwohner der Stadt auf die Barrikaden gehen und ihr Recht einfordern.

      In Städten wie Berlin z.B. war dagegen so, dass nachdem Berlin Hauptstadt wurde, Luxuswohnungen entstanden oder dass preiswerte Wohnungen viel zu teuer saniert wurden, was dann auch dazu geführt hat, dass (weil das Einkommen stagniert) die Menschen sich diese Wohnung nicht mehr leisten konnten. Woher glaubst Du kommen alle die Berichte über Flash-Mobs bei Zwangsräumungen? Besetzung von Häusern? Genau daher. Und das wird sich in den nächsten Jahren noch mehr verschärfen – auch ohne Migranten.

      Und auch hier wird nicht entschieden genug von der Politik entgegengearbeitet. Es fehlt das, was man als „sozialer Wohnungsbau“ bezeichnet, das heißt, guter Wohnraum in Hochhäusern für angemessene Miete.

      Stattdessen kommen Gesetze wie diese Mietpreisbremse, die aber mit so vielen „aber“ und „wenn“ bestückt sind, dass sie nichts mehr wert sind.

      Ich kann daher die Ansicht, dass Asylanten uns die Wohnungen weg nehmen, so nicht pauschal teilen.

      @wieso bleiben junge Flüchtlinge nicht da wo sie sind?

      1. weil kein Terrorist es als äußerst produktiv ansehen wird, einen Bettler auf der Straße in die Luft zu jagen. Terroristen wollen treffen. Sie wollen tyrannisieren. Und wo setzt man da an? Richtig, da wo es den Staat trifft – Banken, Schulen, Redaktionen – all die Stellen, wo eben diese jungen, gebildeten Leute sitzen.

      2. weil gebildete Leute meist Intellektuelle sind, die in den Augen von Terroristen die Scharia oder was auch immer mit ihrem „Igitt-freilebenden Gedankengut“ untergraben. Ich meine, die haben ein 12jähriges Mädchen im Bus niedergeschossen, weil die für mehr Bildung demonstriert hat. Sagt doch schon alles.

      3. in Mexiko erlebt man gerade das Gegenteil von dem, was Du über Asylanten sagst: dort haben junge Menschen, die in die USA wollten, geschnappt und abgeschoben wurden, begonnen, die mexikanische Gesellschaft in Fahrt zu bringen. Da bommen (trotz aller Drogengewalt) in Teilen größerer Städt „Hippster-Communitys“ – junge Menschen entwickeln Geschäftsideen, vermarkten etc.

      In Teilen Afrikas wächst eine blühende Modeindustrie auf den Straßen heran. Jungdesigner nehmen z.B. gespendete Kleider, arbeiten die richtig toll auf und verkaufen sie günstig an Afrikaner. Es gibt teilweise sogar Modeschaus in den Hinterhöfen.

      In Indiens Städten herrscht ein wahres Mosaik an Kleinhändlern. Sogar die riesenhaften Müllberge, die in jeder Doku auftauchen, sind zu was gut. Die werden bis ins kleinste verarbeitet und dann verkauft und wieder irgendwo verwendet.

      Du siehst also, junge Menschen bleiben durchaus in ihren Ländern und treiben die Wirtschaft voran. Aber das können sie nur, wenn der Staat ihnen die Sicherheit gibt, ihr Leben zu leben. Und wo Korruption und religiöse Strömungen herrschen, ist das extrem schwierig.

      Und: letztlich sollten wir ganz ruhig sein, wir haben die Probleme teilweise mit geschaffen oder sind zumindest nicht ganz unschuldig dran.

      Stichwort: Rüstungsexporte. Offiziell macht Deutschland das ja nicht. Oh – ups, deutsche Panzer in Saudi-Arabien? Wie kommen die denn da hin? Das sind gar keine Panzer. Das sind…äh…das ist eine Unterstützung gegen den Flüchtlingsstrom, jawoll!

      Hm – also der Machthaber da, der gefällt mir nicht…ich bewaffne mal die und die Miliz, die bombt den schon weg. Na bitte, tot isser. Oh Moment, was machen die denn jetzt? Gründen eine Widerstandsgruppe . Mit meinen Waffen. Und greifen mich an. Mit meinen Waffen . So ein Mist, was sag ich denn meinen Wählern? Ach, ich sag was von Terroristen und Flüchtlingen und schüre noch ein bisschen Angst, dann passt das schon.

      Von daher erlaube ich mir zum Abschluss ein Zitat von Graff zu schließen: die öffentliche Meinung gleicht einem Schlossgespenst. Niemand hat es je gesehen, aber alle lassen sich von ihm tyrannisieren.

      Gruß Heike

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